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Albanien Sommer 2006


Schnecke am 13 Sep 2006 21:00:27

Albanien Sommer 2006
Land zwischen zwei Welten

Während unseres Urlaubs mit dem Wohnmobil in Montenegro 2006 machten wir einen Ausflug in das Nachbarland Albanien.
Ein Besuch von Albanien ist seit einigen Jahren sowohl mit individuellen Fahrzeugen als auch mit Reisegruppen möglich.
Wer individuell einreist braucht Zeit und Geld. Zeit für langwierige Grenzkontrollen, Geld für Ein- und Ausreisegebühren, Gebühren für die Fahrt durch ein Desinfektionsbad und vielleicht auch noch einen extra Euroschein für die Beschleunigung der Grenzformalitäten.

Ich zitiere aus den Informationen des Auswärtigen Amtes:
--> Link
„An den Grenzübergängen und am internationalen Flughafen Rinas werden Ein-und Ausreisegebühren in Höhe von jeweils 10,- EUR, sowie bei Einreise mit Fahrzeug ebenfalls eine Gebühr (Pkw: 1 EUR/Tag) für das Kfz verlangt“
„Der Zustand eines Großteils der Straßen in Albanien ist schlecht. Daher ist auch für relativ kurze Strecken mit längerer Reisedauer zu rechnen; kleinere Straßen sind oft nur mit Geländewagen passierbar. Werkstätten der gängigsten Pkw-Marken sind im Raum Tirana/Durres vorhanden; problematisch sind notwendig werdende Reparaturen an der Fahrzeugelektronik. Beschilderung über Land fehlt häufig und es besteht Gefahr, sich zu verfahren. Nach schweren Regenfällen können Straßen für einige Tage unpassierbar sein (im Winter nach Schneefällen im Norden und Osten des Landes auch wochenlang). Es wird angeraten, in ländlichen Gebieten möglichst in Begleitung eines zweiten Fahrzeugs sowie eines sprach- und ortskundigen Führers zu reisen. Wegen der Gefahren durch unbeleuchtete Fahrzeuge und Fuhrwerke sowie Schlaglöcher und unbefestigte Randstreifen sollte man die Reise ferner so planen, dass man sein Fahrtziel vor Anbruch der Dunkelheit erreicht. Die Benzinqualität ist oft problematisch (Wasserbeimischungen, Verunreinigung). Bleifreier Kraftstoff ist inzwischen auch im Landesinnern erhältlich, es sollte sicherheitshalber aber in großen Städten aufgetankt werden. Diesel ist überall erhältlich; Dieselfahrzeuge überwiegen mit ca. 80%. Inhaber alter deutscher Führerscheine sollten Internationalen Führerschein mitführen.“

Wir sind in Montenegro Reisenden begegnet, die mit einem Wohnmobil von Griechenland über Tirana nach Ulcinj gefahren sind und die oben zitierten Aussagen weitgehend bestätigten. Sowohl Stoßdämpfer als auch Radlager mussten nach dieser Reise an ihrem Fahrzeug erneuert werden.
Wir hatten uns einer Gruppe von 4 Teilnehmern einer organisierten Reise mit einem einheimischen Reiseführer und Fahrer angeschlossen und konnten an der Grenze an der Schlange der Wartenden problemlos vorbeifahren.

Was wir an diesem Tag erlebt und gesehen haben, möchte ich in zwei Bildberichten zusammenfassen.

Teil 1
Rozafa, Bojana (Buna) und Schwarze Drina


Lange Zeit gab es in Nordalbanien nur bei Podgorica einen Grenzübergang nach Albanien.. Seit wenigen Jahren wurde ca 20 km südöstlich von Ulcinj ein kleiner Grenzübergang geöffnet.



Die Stadt Shkodra liegt am Südostufer des großen Skutarisees in der fruchtbaren Ebene der Bojana (Buna) Die Straße von der Grenze nach Shkodra wurde 2005 Jahr neu gerichtet und ist in gutem Zustand. Wir waren überrascht über die zahlreichen neu und gepflegt aussehenden Häuser in dieser ländlichen Region.



Auffallend waren Dutzende von Bunkeranlagen und Gefechtsstellungen – heute alle unbenützt und teilweise zerstört.
Albanien muss zur Regierungszeit des Diktators Enver Hoxha regelrecht von einer Kette aus Stellungen und Bunkern umgeben gewesen sein.



Nach ca 30 km erblickten wir die Festung „ Rozafa“ oberhalb der Bojana und der Drina, kurz vor der Stadt Shkodar.

Festung mit dem Fluss Bojana



Festung mit dem Fluss Schwarze Drina



Zur Zeit Enver Hoxhas wurden mit Hilfe eines kompakten Systems aus Netzen und Reusen sämtliche Fische gefangen, die den Skutarisee verlassen hatten.



Kleine Siedlung am Stadtrand



Das Handy scheint auch in Albanien ständiger Begleiter und Statussymbol zu sein.

Die Straße zur Festung „Rozafa“ führt über die Bojanabrücke.



Die Festung „Rozafa“ liegt auf einem riesigen Felsblock mitten in der Ebene und wird auf der einen Seite von der Bojana ( Buna) , auf der anderen Seite von der Schwarzen Drina umflossen. Eine strategisch günstige Lage, was bereits die Illyrer vor mehr als 2500 Jahren erkannten, als sie den Ort zur Hauptstadt ihres Reiches machten.
Es folgten im Laufe der vielen Jahrhunderte die Römer, Serben, Venetier. Im 15 Jahrhundert zerstörten die Osmanen die Anlage und blieben rund 500 Jahre.
Montenegriner und Habsburger, Italiener folgten nach, bis schließlich 1944 Albanien unabhängig erklärt und 1946 die Volksrepublik Albanien ausgerufen wurde. Eine sehr schwierige Zeit der Isolation erlebten die Albaner zwischen 1954 und 1985 unter dem Diktator Enver Hoxha.
( siehe --> Link Informationen über Albanien))

Der Besuch der Burganlage „Rozafa“ bei der Stadt Skhodra ist ein lohnender Abstecher, nicht zuletzt wegen der großartigen Aussicht von oben.

Shkodra



Die Burganlage „Rozafa“













Nach der Legende gab es vor mehr als 2000 Jahren drei Brüder, die die Mauern der Festungsanlage errichten wollten. Vergeblich – die Mauern stürzten nachts immer wieder ein. Ein alter Mann riet ihnen, in das Mauerwerk einen Menschen lebend einzumauern. Dies sollte helfen, die Mauern stabil zu machen.
Die Wahl fiel auf Rozafa, die Frau des Jüngsten.
Sie widersetzte sich nicht. In Sorge um ihren kleinen Sohn bat sie jedoch darum, ihre rechte Brust, ihren rechten Arm und ihren rechten Fuß frei zu lassen, damit sie ihr Kind nähren, liebkosen und mit dem Fuß die Wiege schaukeln konnte.
So geschah es, und die Festungsmauern blieben stehen.

Rozafa



Diese Ruine war je nach Herrscher abwechselnd Moschee, Kirche oder Lagerraum



Blick hinunter zur Bojana



Eine Landschildkröte im Burghof



In der Burg gibt es ein schönes Restaurant mit traditionell eingerichteten Räumen. Fotos wären schön gewesen – aber man verlangte pro Foto 5 Euro ( dies ist kein Druckfehler!!!) Den Kellner konnte ich im Vorbeigehen unbemerkt fotografieren.
Der Sinn dieser „Geschäftsidee“ blieb mir verborgen.



Bojana ( Buna) und Skutarisee ( im Hintergrund)

Die Bojana bildet den Abfluss aus dem Skutarisee. Sie mündet in Montenegro in die Adria

siehe

--> Link (Bildbericht Bojana)
--> Link ( Bildbericht Skutarisee)



Brücke über die Bojana




Blick von der Burganlage auf das breite Tal der Schwarzen Drina.



Die Schwarze Drina kommt aus Mazedonien und mündet hier in die Bojana.



Oberhalb des Flusses ließ sich Enver Hoxha eine Villa errichten.
Was im Hintergrund so groß gebaut wird, konnten wir nicht endgültig erfahren. Es soll eine Hotel- und Restaurantanlage werden.



Die Straße nach der ca 100 km entfernten Hauptstadt Tirana.




In den Außenbezirken der Stadt Shkodar ( ca 80- 90 Tsd Einwohner) kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie die Menschen heute leben und wohnen.
Große, etwas verwahrlost wirkende Plattenbauten und Wohnblöcke prägen diese Wohnviertel.
Die Straßen – sofern sie überhaupt asphaltiert sind – weisen zahlreiche Schlaglöcher auf.





Auf den Straßen werden an offenen Verkaufsplätzen Waren angeboten.

Karpfen und andere Fische vom Skutarisee





Obst- und Gemüseverkäuferin



Was wir als Schrott betrachten, kann in Albanien von geschickten Handwerkern sicher wieder zum Funktionieren gebracht werden ( Generatoren, Pumpen, Motoren...)



Über eine relativ breite Straße erreicht man das Zentrum der Stadt.

Schnecke

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Schnecke am 13 Sep 2006 21:04:51

Albanien Sommer 2006 Teil 2
Die zwei Gesichter der Stadt Shkodra

Skhodra wirkte auf mich recht chaotisch und widersprüchlich. Protzige, grellbunte Neubauten neben heruntergekommenen Plattenbauten, glitzernde Luxusläden neben staubigen Straßenmärkten, gepflegte und schön gepflasterte Gehwege neben Straßen, in denen man am besten nur mit Gummistiefeln gehen sollte.
Jeder schien irgendwelchen Geschäften nachzugehen: die einen haben wohl erkannt, wie man Geld verdienen kann ( vermutlich in hohem Maß durch illegale Geschäfte beim Schmuggel mit Drogen und Waffen), andere handeln mit gebrauchten Schuhen und Kleidern, die vielleicht sogar aus unseren Altkleidersäcken stammen.
Es gibt Internetcafes, Computerläden und Electronicshops, daneben sitzen Kinder und Erwachsene auf der Straße und versuchen Dinge zu verkaufen.
Die Spanne zwischen wenigen sehr Reichen und vielen sehr Armen ist riesig. Unser Reisebegleiter meinte, die wirtschaftliche Situation der meisten Menschen habe sich seit Beginn der Demokratisierung ab 1990 laufend verschlechtert.
Es gibt vermutlich kein Land, in dem ( prozentual betrachtet) so viele Mercedes Limousinen auf den Straßen zu sehen sind. Meist sind es alte Dieselfahrzeuge, aber auch neue Modelle und Cabrios waren unterwegs.
Anscheinend haben Daimlerfahrzeuge in einem Land, in dem bis 1990 der Privatbesitz von PKWs verboten war und demnach auch die Straßen nicht ausgebaut wurden, den Ruf, ein besonders stabiles Fahrwerk zu haben.

Im Zentrum der Stadt

Ein Denkmal aus kommunistischer Zeit, daneben Werbung für Vodafon und hinten ein grell bunter Neubau



Es gibt durchaus hübsche Fotomotive, wenn auch die Umgebung um den alten Uhrturm nicht sehr gepflegt ist.



Ein Taubenhaus im Stadtzentrum



Eine der schönsten Straßen führt zur restaurierten Moschee.
Die Häuser lassen noch die Spuren der italienischen Baumeister erkennen.



In der Nebenstraße eine neue christliche Kirche.
Ich habe auf der relativ kurzen Reise den Eindruck gewonnen, dass es zumindest in der Region um Shkodar mindestens ebensoviel neue Kirchen wie Moscheen gibt.



Baustile im Stadtzentrum, wie sie unterschiedlicher nicht sein können







Vor einem Fast Food Restaurant




Das große neue Backsteinhaus beherbergt im Erdgeschoß ein vornehmes Restaurant – aber auch im Rohbau im ersten Stock kann man schon speisen.






Vornehme Läden in der Hauptstraße







Man kann ein Brautkleid auch einige hundert Meter weiter im Untergeschoss eines Rohbaus kaufen.



Unmittelbar neben den glitzernden Läden befand sich ein Markt für gebrauchte Schuhe und Kleider.





Dies ist die restaurierte katholische Kathedrale von Shkodra.
Enver Hoxha hatte sie als Sporthalle nutzen lassen.





Eine Hochzeitsgesellschaft in der Kathedrale



Nur wenige Straßenzüge abseits des zentralen Platzes fanden wir das andere Gesicht der Stadt.








Auch hier sind Mercedes PKW die gängigsten Automodelle





Traditionelle Kleidung neben Jeans und modernen Schaufensterpuppen



Es blieb uns leider nicht sehr viel Zeit, in diesem Stadtviertel noch weiter zu gehen. Außerdem war mir beim Fotografieren der Menschen nicht sehr wohl. Schon waren einige junge Leute auf mich und meine Kamera aufmerksam geworden und winkten ab. Ich respektierte den Wunsch der Menschen, nicht fotografiert zu werden und so machten wir uns auf den Rückweg.



Unser Kleinbus wartete schon. Wir fuhren nicht die gleiche Straße zum Grenzübergang zurück. Jetzt konnten wir den Zustand der Straßen hautnah spüren: Mit 10 km/h holperte unser Bus durch Schlaglöcher und Schotter.

Noch ein paar Blicke auf die Schwarze Drina und auf die Landschaft in der Bojanaebene.











Wie wohl die Zukunft Albaniens aussehen wird?
Das Land bietet zahlreiche Schönheiten : wilde Gebirge und lange Strände.
Vielleicht wird es ein Reiseland der Zukunft ( wenn Kroatien überlaufen sein wird und die Touristenströme Montenegro entdeckt haben)?
Aber das wird nicht in 5, auch nicht 10 Jahren sein – vorausgesetzt, die politische Lage bleibt stabil und es gibt in Albanien nicht soziale Unruhen, wie sie 1997 schon einmal aufgeflammt sind.



Irgendwie waren wir nach dem interessanten Ausflug doch froh, wieder nach Montenegro, nach Ada zu unserem Wohnmobil zuückzukehren, auf das in der Zeit unserer Abwesenheit unsere Nachbarn aufgepasst hatten ( Das wäre aber sicher nicht nötig gewesen. Wir haben noch in keinem unserer bisherigen Urlaube in Montenegro auch nur die geringsten Schwierigkeiten erlebt)

Urlaub in Ada siehe
--> Link



Schnecke

Gast am 14 Sep 2006 08:37:27

Sehr eindrucksvoll, Schnecke, wirklich. Auch hier: Kompliment!!!
Und diesen Ausflug habt Ihr von dem Urlaubsort, also dem aus dem anderen Reisebericht aus, unternommen? Weil Du schreibst, mit 4 anderen Teilnehmern, waren das wohl auch Deutsche oder deutschsprachige - und der Führer etwa auch??
Ich denke, nach diesem Ausflug seid Ihr wohl gerne wieder an den schönen Strand und in den Urlaub zurückgekehrt?!
Wirklich schade, daß solche Länder nicht in der Lage sind, ihre wirklich hübschen Landschaften tourismusmäßig zu vermarkten und es eher dem interessierten Touristen noch schwerer machen, ihr Land zu besuchen (- dies dachte ich mir z.B. auch neulich bei einem Bericht auch über den Libanon, kurz bevor die Israeli das gesamte Land bombardierten ...)

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achimHH am 14 Sep 2006 10:52:35

Hallo....
auch hier ein Super Bericht. :gut:

deiner Art zu schreiben, ....mir gefällt´s. !

Tja, es gibt sie noch die Länder, in denen man
ein bischen Abenteuer erleben kann...
und es ist eben eine andere Art von Urlaub,
aber mir gefällt so etwas ... :wink:

von achim

Schnecke am 14 Sep 2006 11:23:13

Danke Achim, danke Lira für die Anerkennung! :)

lira hat geschrieben:Und diesen Ausflug habt Ihr von dem Urlaubsort, also dem aus dem anderen Reisebericht aus, unternommen? Weil Du schreibst, mit 4 anderen Teilnehmern, waren das wohl auch Deutsche oder deutschsprachige - und der Führer etwa auch??

Wir haben uns in Ada entschlossen, mit einem montenegrinischen Führer ( der sehr gut Deutsch sprach) an einem organisierten Ausflug mit einem Kleinbus teilzunehmen. Wir waren 2 Deutsche, 2 Slowaken und 2 Österreicher.
Der Tagesausflug kostete 30 Euro ( in Montenegro sind Euro die einzige Währung) , darin eingeschlossen waren alle Ein- und Ausreisegebühren.
Wie schon erwähnt, wusste unser Reiseleiter auch Mittel und Wege, wie der Grenzübertritt ohne Wartezeit und ohne Fahrzeugkontrolle ( nur Pässe) bewältigt werden konnte.

,
ELMA

goepfert am 31 Okt 2006 15:36:12

Ein wirklich interessanter, äußerst informativer und dazu perfekt illustrierter Beitrag. Es ist ein Genuß, etwas so außergewöhnliches zu lesen!

Poldi am 31 Okt 2006 15:55:42

Wir sind sehr beeindruckt von diesem sehr guten Bericht und den Bildern.
In früheren Jahren haben wir das alte Jugoslawien bereist, sind aber nie bis dorthin gekommen wo Ihr gewesen seid.
Danke für die Anregung!


Hella und Klaus

(Poldi)

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