Land zwischen zwei Welten
Während unseres Urlaubs mit dem Wohnmobil in Montenegro 2006 machten wir einen Ausflug in das Nachbarland Albanien.
Ein Besuch von Albanien ist seit einigen Jahren sowohl mit individuellen Fahrzeugen als auch mit Reisegruppen möglich.
Wer individuell einreist braucht Zeit und Geld. Zeit für langwierige Grenzkontrollen, Geld für Ein- und Ausreisegebühren, Gebühren für die Fahrt durch ein Desinfektionsbad und vielleicht auch noch einen extra Euroschein für die Beschleunigung der Grenzformalitäten.
Ich zitiere aus den Informationen des Auswärtigen Amtes:
--> Link
„An den Grenzübergängen und am internationalen Flughafen Rinas werden Ein-und Ausreisegebühren in Höhe von jeweils 10,- EUR, sowie bei Einreise mit Fahrzeug ebenfalls eine Gebühr (Pkw: 1 EUR/Tag) für das Kfz verlangt“
„Der Zustand eines Großteils der Straßen in Albanien ist schlecht. Daher ist auch für relativ kurze Strecken mit längerer Reisedauer zu rechnen; kleinere Straßen sind oft nur mit Geländewagen passierbar. Werkstätten der gängigsten Pkw-Marken sind im Raum Tirana/Durres vorhanden; problematisch sind notwendig werdende Reparaturen an der Fahrzeugelektronik. Beschilderung über Land fehlt häufig und es besteht Gefahr, sich zu verfahren. Nach schweren Regenfällen können Straßen für einige Tage unpassierbar sein (im Winter nach Schneefällen im Norden und Osten des Landes auch wochenlang). Es wird angeraten, in ländlichen Gebieten möglichst in Begleitung eines zweiten Fahrzeugs sowie eines sprach- und ortskundigen Führers zu reisen. Wegen der Gefahren durch unbeleuchtete Fahrzeuge und Fuhrwerke sowie Schlaglöcher und unbefestigte Randstreifen sollte man die Reise ferner so planen, dass man sein Fahrtziel vor Anbruch der Dunkelheit erreicht. Die Benzinqualität ist oft problematisch (Wasserbeimischungen, Verunreinigung). Bleifreier Kraftstoff ist inzwischen auch im Landesinnern erhältlich, es sollte sicherheitshalber aber in großen Städten aufgetankt werden. Diesel ist überall erhältlich; Dieselfahrzeuge überwiegen mit ca. 80%. Inhaber alter deutscher Führerscheine sollten Internationalen Führerschein mitführen.“
Wir sind in Montenegro Reisenden begegnet, die mit einem Wohnmobil von Griechenland über Tirana nach Ulcinj gefahren sind und die oben zitierten Aussagen weitgehend bestätigten. Sowohl Stoßdämpfer als auch Radlager mussten nach dieser Reise an ihrem Fahrzeug erneuert werden.
Wir hatten uns einer Gruppe von 4 Teilnehmern einer organisierten Reise mit einem einheimischen Reiseführer und Fahrer angeschlossen und konnten an der Grenze an der Schlange der Wartenden problemlos vorbeifahren.
Was wir an diesem Tag erlebt und gesehen haben, möchte ich in zwei Bildberichten zusammenfassen.
Teil 1
Rozafa, Bojana (Buna) und Schwarze Drina
Lange Zeit gab es in Nordalbanien nur bei Podgorica einen Grenzübergang nach Albanien.. Seit wenigen Jahren wurde ca 20 km südöstlich von Ulcinj ein kleiner Grenzübergang geöffnet.
Die Stadt Shkodra liegt am Südostufer des großen Skutarisees in der fruchtbaren Ebene der Bojana (Buna) Die Straße von der Grenze nach Shkodra wurde 2005 Jahr neu gerichtet und ist in gutem Zustand. Wir waren überrascht über die zahlreichen neu und gepflegt aussehenden Häuser in dieser ländlichen Region.
Auffallend waren Dutzende von Bunkeranlagen und Gefechtsstellungen – heute alle unbenützt und teilweise zerstört.
Albanien muss zur Regierungszeit des Diktators Enver Hoxha regelrecht von einer Kette aus Stellungen und Bunkern umgeben gewesen sein.
Nach ca 30 km erblickten wir die Festung „ Rozafa“ oberhalb der Bojana und der Drina, kurz vor der Stadt Shkodar.
Festung mit dem Fluss Bojana
Festung mit dem Fluss Schwarze Drina
Zur Zeit Enver Hoxhas wurden mit Hilfe eines kompakten Systems aus Netzen und Reusen sämtliche Fische gefangen, die den Skutarisee verlassen hatten.
Kleine Siedlung am Stadtrand
Das Handy scheint auch in Albanien ständiger Begleiter und Statussymbol zu sein.
Die Straße zur Festung „Rozafa“ führt über die Bojanabrücke.
Die Festung „Rozafa“ liegt auf einem riesigen Felsblock mitten in der Ebene und wird auf der einen Seite von der Bojana ( Buna) , auf der anderen Seite von der Schwarzen Drina umflossen. Eine strategisch günstige Lage, was bereits die Illyrer vor mehr als 2500 Jahren erkannten, als sie den Ort zur Hauptstadt ihres Reiches machten.
Es folgten im Laufe der vielen Jahrhunderte die Römer, Serben, Venetier. Im 15 Jahrhundert zerstörten die Osmanen die Anlage und blieben rund 500 Jahre.
Montenegriner und Habsburger, Italiener folgten nach, bis schließlich 1944 Albanien unabhängig erklärt und 1946 die Volksrepublik Albanien ausgerufen wurde. Eine sehr schwierige Zeit der Isolation erlebten die Albaner zwischen 1954 und 1985 unter dem Diktator Enver Hoxha.
( siehe --> Link Informationen über Albanien))
Der Besuch der Burganlage „Rozafa“ bei der Stadt Skhodra ist ein lohnender Abstecher, nicht zuletzt wegen der großartigen Aussicht von oben.
Shkodra
Die Burganlage „Rozafa“
Nach der Legende gab es vor mehr als 2000 Jahren drei Brüder, die die Mauern der Festungsanlage errichten wollten. Vergeblich – die Mauern stürzten nachts immer wieder ein. Ein alter Mann riet ihnen, in das Mauerwerk einen Menschen lebend einzumauern. Dies sollte helfen, die Mauern stabil zu machen.
Die Wahl fiel auf Rozafa, die Frau des Jüngsten.
Sie widersetzte sich nicht. In Sorge um ihren kleinen Sohn bat sie jedoch darum, ihre rechte Brust, ihren rechten Arm und ihren rechten Fuß frei zu lassen, damit sie ihr Kind nähren, liebkosen und mit dem Fuß die Wiege schaukeln konnte.
So geschah es, und die Festungsmauern blieben stehen.
Rozafa
Diese Ruine war je nach Herrscher abwechselnd Moschee, Kirche oder Lagerraum
Blick hinunter zur Bojana
Eine Landschildkröte im Burghof
In der Burg gibt es ein schönes Restaurant mit traditionell eingerichteten Räumen. Fotos wären schön gewesen – aber man verlangte pro Foto 5 Euro ( dies ist kein Druckfehler!!!) Den Kellner konnte ich im Vorbeigehen unbemerkt fotografieren.
Der Sinn dieser „Geschäftsidee“ blieb mir verborgen.
Bojana ( Buna) und Skutarisee ( im Hintergrund)
Die Bojana bildet den Abfluss aus dem Skutarisee. Sie mündet in Montenegro in die Adria
siehe
--> Link (Bildbericht Bojana)
--> Link ( Bildbericht Skutarisee)
Brücke über die Bojana
Blick von der Burganlage auf das breite Tal der Schwarzen Drina.
Die Schwarze Drina kommt aus Mazedonien und mündet hier in die Bojana.
Oberhalb des Flusses ließ sich Enver Hoxha eine Villa errichten.
Was im Hintergrund so groß gebaut wird, konnten wir nicht endgültig erfahren. Es soll eine Hotel- und Restaurantanlage werden.
Die Straße nach der ca 100 km entfernten Hauptstadt Tirana.
In den Außenbezirken der Stadt Shkodar ( ca 80- 90 Tsd Einwohner) kann man sich einen Eindruck verschaffen, wie die Menschen heute leben und wohnen.
Große, etwas verwahrlost wirkende Plattenbauten und Wohnblöcke prägen diese Wohnviertel.
Die Straßen – sofern sie überhaupt asphaltiert sind – weisen zahlreiche Schlaglöcher auf.
Auf den Straßen werden an offenen Verkaufsplätzen Waren angeboten.
Karpfen und andere Fische vom Skutarisee
Obst- und Gemüseverkäuferin
Was wir als Schrott betrachten, kann in Albanien von geschickten Handwerkern sicher wieder zum Funktionieren gebracht werden ( Generatoren, Pumpen, Motoren...)
Über eine relativ breite Straße erreicht man das Zentrum der Stadt.
Schnecke

