RUMÄNIEN - Donaudelta und Dracula
Zwischen Karpaten und Schwarzem Meer.
Ein ganz persönlicher Bericht über ein nahes, fernes Land.
Unsere Wohnmobilreise war eine organisierte Reise, d.h.die Etappen und Campingplätze waren vorgegeben, alle gemeinsamen Essen in Hotels und Restaurants waren vorbestellt.
Wir fuhren großteils auf Hauptverkehrsstrassen, aber auch hier gab es Teilstrecken mit sehr tiefen Schlaglöchern, dazu kamen noch viele Ampelregelungen mit Einbahnverkehr wegen Strassenbaues. Einige Etappen hatten wir, wo der Reisedurchschnitt unter 40 km/h lag.
Von den Campingplätzen aus fuhren wir mit Bussen zu den Besichtigungen.
Unsere Reiseroute war von Südungarn aus über Siebenbürgen, die Bukowina ins Donaudelta und nach Mamaia, dann retour über Bukarest, Timiosara wieder nach Ungarn.
Was haben wir gesehen ?
Neben etlichen größeren Städten besichtigten wir die bekannten Moldauklöster, eine Schiffsreise führte uns ins Donaudelta, einige Tage blieben wir in Mamaia und badeten im Meer.
Nach einem Abendessen hatten wir eine Kinder- Jugendgruppe zu Besuch, die ein 2 1/2 stündiges Programm mit Musik, Gesang und Tanz boten.Diese Gruppe wurde vor 20 Jahren von einem Lehrer gegründet, 1996 war diese Gruppe auch in Linz zu Gast. Heute ist bereits die zweite Generation aktiv, die erste studiert bereits an der Uni.
Nach einer Weinprobe in einem Weinkeller und anschließendem Abendessen hatte wir eine Folklorevorführung.
Außerhalb des regulären Programms wurde ein musikalisches Abendessen auf einer Burg mit Orchester, Operettengesng und Ballettvorführung organisiert.
Das sind Veranstaltungen, die man als Alleinreisender kaum erleben kann, da Rumänien noch kein Reiseland ist.
Einen Busausflug unternahmen wir zum Draculaschloß Bran, hier soll Draculas Vorbild öfter genächtigt haben. Heute wird dieses Schloß sehr gut vermarktet. Ramschstände und Essbuden sind hier zu finden.
Ein Busausflug führte uns in ein Hirtendorf, wo wir in einem Bauerndorf sehr deftig rumänische Kost und Selbstgebrannten bekamen. Hier befand sich auch Rumäniens größtes Ikonenmuseum.
Im Gegensatz zu dem, was wir im Reiseführer über Bukarest gelesen haben, hat uns diese große Stadt, die schon sehr westlich wirkt, gut gefallen. Hier besichtigten wir den monströsen Regierungspalast, nach dem Pentagon in Washington das zweitgrößte Gebäude der Welt mit über 3000 Räumen. Diktator Ceausescu ließ ihn erbauen. Das Gebäude wird auch als Konferenzzentrum genutzt. 700 Architekten und 20.000 Arbeiter haben 5 Jahre rund um die Uhr daran gearbeitet und die gewaltigen Kosten brachten dem Volk zusätzliches Elend. Nach seinem Tode wollte man das Gebäude sogar abreißen, heute ist man aber sehr stolz auf den Palast.
Was ist uns in Rumänien aufgefallen ?
Die rege Bautätigkeit auf Strassen und Autobahen, die Bautätigkeit in den Städten.
Der Kontrast zwischen den Städten, die oft sehr westlich wirken und den Dörfern ist sehr groß. Viel Verkehr in den Städten. Neben den Dacias Automarken wie Renault, Fiat, Daewoo, BMW, Peugeot, kaum ein Auto oder einen Traktor findet man in den Dörfern. Das Pferdefuhrwerk ist hier das einzige Fahrzeug. Erntemaschinen findet man sehr, sehr selten. Sehr wenig TV Antennen auf den Dächern in den Dörfern. Ich fühlte mich hier zurückversetzt in die Zeit der 40er Jahre, Anfang der 50 er Jahre. Diese verbrachte ich bei meiner Tante in einem kleinen Ort bei Krems. Aber irgendwie strahlten diese Dörfer Ruhe aus.
Der Kontrast zwischen Stadt und Land ist hier sicherlich größer als bei uns. Auffallend die moderne Kleidung in den Städten, das Handy gehört dazu, und Handies sogar in den Dörfern, hier natürlich bei der Jugend.
Schon ab der ungarischen Grenze eine rege Bautätigkeit, Fabrikshallen und Wohnhäuser werden errichtet. Strassen gebaut, Metro und Praktiker Filialen beherrschen schon das Bild in der Nähe von Städten, Billa und Plus haben auch schon Einzug gehalten in der Nähe von großen Städten. In den Dörfern kaum Möglichkeit die notwendigsten Grundnahrungsmittel zu bekommen. Benzinversorgung im ganzen Land kein Problem.
Vor Bukarest ein Einkaufszentrum, das unsere schon in die Jahre gekommene SCS in den Schatten stellt. Ein Lebensmittelsupermarkt - da kommt man aus dem Staunen nicht heraus.
Temesvar, schon sehr nahe bei Ungarn, eine schöne Stadt, wirkt absolut westlich, wären da nicht die vielen Bautätigkeiten.
Eine schöne Stadt mit schönen Gebäuden, für die Renovierung fehlt noch das Geld.
Unser Reiseleiter Livio, Jahrgang 1978 hat uns Rumänien sehr nahe gebracht. Er hat es nach dem Wirtschaftsstudium, wo er nebenbei als Reiseleiter arbeitete um sich das Studium zu finanzieren, schon zum Direktor einer Reiseagentur gebracht. Derzeit wird der Fremdenverkehr mit Kroatien aufgebaut. Auch in den Karpaten, einer wunderschönen Landschaft, wird am Aufbau des Fremdenverkehrs gearbeitet. Durch Pensionen sollen Urlauber, auch einheimische angezogen werden.Hier gibt es keine Industrie und gute Wandermöglichkeiten.
Wenn man bei einem Mann von "hübsch" sprechen kann, so war er das. Wie man sich einen Schwiegersohn vorstellt. Sehr intelligent, bescheiden, ruhig. Auch seine junge Frau, die ihn an einem Wochenende begleitete,konnten wir kennenlernen.
Hier einige Fakten, unzusammenhängend, so versuchte er uns sein Land, 17 Jahre nach dem Tod von Ceausesco, näherzubringen.
Vorweg zur Erläuterung: Rumänien ist von Fläche und Einwohnerzahl etwa dreimal so groß wie Österreich.
Neuwagenverkauf im Jahre 2000: 40.000, 5 Jahre später 260.000
Der Durchschnittsverdienst rund 300 Euro.
Die Arbeitslosenrate in Bukarest liegt bei 2 %, jedoch jeder, der arbeiten will, findet eine Arbeit. Die Arbeitslosenrate auf das ganze Land bezogen 5%.
Pensionisten haben nur ein monatliches Einkommen von 70 bis 100 Euro, diese Gruppe kann sich kein Auto leisten.
Lebenshaltungkosten etwa wie bei uns. Nur funktioniert die Familie hier noch, die Jungen unterstützen die Alten. Viele arbeiten im Ausland und schicken Geld heim.
Der Unterschied zwischen "reich" und arm (Städte und Dörfer) ist hier sehr groß. Die Armut in den Dörfern, wo keine Strasse hinführt, die wir natürlich nicht gesehen haben, muß sehr groß sein.
Ähnlich wie bei uns: für Erntearbeiten benötigt man Leute aus Moldawien, für eine kürzlich errichtete Fabrik fand sich kein Personal, man musste 300 Chinesen "importieren".
Gefangene, ausgenommen Gewaltverbrecher, können durch Arbeit ihre Haftstrafe um 2/3 reduzieren. Keine schlechte Lösung.
Die Kinderbeihilfe wird gestrichen, wenn Kinder nicht zur Schule geschickt werden. Dadurch ist die Analphabetenrate sehr niedrig.
Eine große Raffinerie in den roten Zahlen wurde privatisiert, jetzt schreibt sie Gewinne.
Es gibt bereits EU-Gelder für den Strassenbau. Habe ich nicht gewusst.
Es leben in Rumänien Minderheiten, Ungarn, Deutsche, Türken, Roma und Russen.
Neben der Amtssprache Rumänisch gibt es Regionen, wo Ungarisch und Deutsch gesprochen wird.
Was auffällt, wenn man Kirchen besucht: Die Bevölkerung ist sehr religiös.
Wir haben in Rumänien relativ wenige bettelnde Personen getroffen. Werden diese mit Bussen ins Ausland gekarrt ?
Es gibt oft sehr reiche Hirten, da durch die Landschaftsform schlecht Kolchosen gebildet werden konnten.
Auch gibt es viele nicht arme Zigeuner. Auf unserem letzten Campingplatz in einem sehr kleinen Dorf, hatten wir visavis eine Zigeunerfamilie ( 3 Generationen), die auch nicht zu den Armen zählt, wie Livio uns erzählte. Wenn man aber in den Hof gesehen hat, schlampig, die Schweine laufen frei im Hof herum.
Alles in Allem - ein Land mit sehr vielen Gegensätzen und sicherlich noch sehr viel Armut.
Bei der Verabschiedung unseres rumänischen Reiseleiters sagte er zu uns :"Wenn Sie in 10 Jahren wieder kommen, werden Sie über Autobahnen sehr rasch hier sein. Sie werden dann kein einziges Pferdefuhrwerk mehr sehen." Eigentllich schade, denn an diese Pferdewagen hatten wir uns während unserer Reise sehr gewöhnt.
Einen Satz eines russischen Schriftstellers, der in Rumänien zum geflügelten Wort wurde möchte ich an das Ende meiner Reiseschilderung stellen :
"Ein trauriges Land voller Humor".

