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RUMÄNIEN - Donaudelta und Dracula


peugeot am 02 Dez 2006 09:52:49

RUMÄNIEN - Donaudelta und Dracula

Zwischen Karpaten und Schwarzem Meer.
Ein ganz persönlicher Bericht über ein nahes, fernes Land.

Unsere Wohnmobilreise war eine organisierte Reise, d.h.die Etappen und Campingplätze waren vorgegeben, alle gemeinsamen Essen in Hotels und Restaurants waren vorbestellt.
Wir fuhren großteils auf Hauptverkehrsstrassen, aber auch hier gab es Teilstrecken mit sehr tiefen Schlaglöchern, dazu kamen noch viele Ampelregelungen mit Einbahnverkehr wegen Strassenbaues. Einige Etappen hatten wir, wo der Reisedurchschnitt unter 40 km/h lag.
Von den Campingplätzen aus fuhren wir mit Bussen zu den Besichtigungen.

Unsere Reiseroute war von Südungarn aus über Siebenbürgen, die Bukowina ins Donaudelta und nach Mamaia, dann retour über Bukarest, Timiosara wieder nach Ungarn.

Was haben wir gesehen ?
Neben etlichen größeren Städten besichtigten wir die bekannten Moldauklöster, eine Schiffsreise führte uns ins Donaudelta, einige Tage blieben wir in Mamaia und badeten im Meer.
Nach einem Abendessen hatten wir eine Kinder- Jugendgruppe zu Besuch, die ein 2 1/2 stündiges Programm mit Musik, Gesang und Tanz boten.Diese Gruppe wurde vor 20 Jahren von einem Lehrer gegründet, 1996 war diese Gruppe auch in Linz zu Gast. Heute ist bereits die zweite Generation aktiv, die erste studiert bereits an der Uni.
Nach einer Weinprobe in einem Weinkeller und anschließendem Abendessen hatte wir eine Folklorevorführung.
Außerhalb des regulären Programms wurde ein musikalisches Abendessen auf einer Burg mit Orchester, Operettengesng und Ballettvorführung organisiert.
Das sind Veranstaltungen, die man als Alleinreisender kaum erleben kann, da Rumänien noch kein Reiseland ist.

Einen Busausflug unternahmen wir zum Draculaschloß Bran, hier soll Draculas Vorbild öfter genächtigt haben. Heute wird dieses Schloß sehr gut vermarktet. Ramschstände und Essbuden sind hier zu finden.
Ein Busausflug führte uns in ein Hirtendorf, wo wir in einem Bauerndorf sehr deftig rumänische Kost und Selbstgebrannten bekamen. Hier befand sich auch Rumäniens größtes Ikonenmuseum.
Im Gegensatz zu dem, was wir im Reiseführer über Bukarest gelesen haben, hat uns diese große Stadt, die schon sehr westlich wirkt, gut gefallen. Hier besichtigten wir den monströsen Regierungspalast, nach dem Pentagon in Washington das zweitgrößte Gebäude der Welt mit über 3000 Räumen. Diktator Ceausescu ließ ihn erbauen. Das Gebäude wird auch als Konferenzzentrum genutzt. 700 Architekten und 20.000 Arbeiter haben 5 Jahre rund um die Uhr daran gearbeitet und die gewaltigen Kosten brachten dem Volk zusätzliches Elend. Nach seinem Tode wollte man das Gebäude sogar abreißen, heute ist man aber sehr stolz auf den Palast.

Was ist uns in Rumänien aufgefallen ?
Die rege Bautätigkeit auf Strassen und Autobahen, die Bautätigkeit in den Städten.
Der Kontrast zwischen den Städten, die oft sehr westlich wirken und den Dörfern ist sehr groß. Viel Verkehr in den Städten. Neben den Dacias Automarken wie Renault, Fiat, Daewoo, BMW, Peugeot, kaum ein Auto oder einen Traktor findet man in den Dörfern. Das Pferdefuhrwerk ist hier das einzige Fahrzeug. Erntemaschinen findet man sehr, sehr selten. Sehr wenig TV Antennen auf den Dächern in den Dörfern. Ich fühlte mich hier zurückversetzt in die Zeit der 40er Jahre, Anfang der 50 er Jahre. Diese verbrachte ich bei meiner Tante in einem kleinen Ort bei Krems. Aber irgendwie strahlten diese Dörfer Ruhe aus.
Der Kontrast zwischen Stadt und Land ist hier sicherlich größer als bei uns. Auffallend die moderne Kleidung in den Städten, das Handy gehört dazu, und Handies sogar in den Dörfern, hier natürlich bei der Jugend.
Schon ab der ungarischen Grenze eine rege Bautätigkeit, Fabrikshallen und Wohnhäuser werden errichtet. Strassen gebaut, Metro und Praktiker Filialen beherrschen schon das Bild in der Nähe von Städten, Billa und Plus haben auch schon Einzug gehalten in der Nähe von großen Städten. In den Dörfern kaum Möglichkeit die notwendigsten Grundnahrungsmittel zu bekommen. Benzinversorgung im ganzen Land kein Problem.
Vor Bukarest ein Einkaufszentrum, das unsere schon in die Jahre gekommene SCS in den Schatten stellt. Ein Lebensmittelsupermarkt - da kommt man aus dem Staunen nicht heraus.
Temesvar, schon sehr nahe bei Ungarn, eine schöne Stadt, wirkt absolut westlich, wären da nicht die vielen Bautätigkeiten.
Eine schöne Stadt mit schönen Gebäuden, für die Renovierung fehlt noch das Geld.

Unser Reiseleiter Livio, Jahrgang 1978 hat uns Rumänien sehr nahe gebracht. Er hat es nach dem Wirtschaftsstudium, wo er nebenbei als Reiseleiter arbeitete um sich das Studium zu finanzieren, schon zum Direktor einer Reiseagentur gebracht. Derzeit wird der Fremdenverkehr mit Kroatien aufgebaut. Auch in den Karpaten, einer wunderschönen Landschaft, wird am Aufbau des Fremdenverkehrs gearbeitet. Durch Pensionen sollen Urlauber, auch einheimische angezogen werden.Hier gibt es keine Industrie und gute Wandermöglichkeiten.

Wenn man bei einem Mann von "hübsch" sprechen kann, so war er das. Wie man sich einen Schwiegersohn vorstellt. Sehr intelligent, bescheiden, ruhig. Auch seine junge Frau, die ihn an einem Wochenende begleitete,konnten wir kennenlernen.

Hier einige Fakten, unzusammenhängend, so versuchte er uns sein Land, 17 Jahre nach dem Tod von Ceausesco, näherzubringen.
Vorweg zur Erläuterung: Rumänien ist von Fläche und Einwohnerzahl etwa dreimal so groß wie Österreich.
Neuwagenverkauf im Jahre 2000: 40.000, 5 Jahre später 260.000
Der Durchschnittsverdienst rund 300 Euro.
Die Arbeitslosenrate in Bukarest liegt bei 2 %, jedoch jeder, der arbeiten will, findet eine Arbeit. Die Arbeitslosenrate auf das ganze Land bezogen 5%.
Pensionisten haben nur ein monatliches Einkommen von 70 bis 100 Euro, diese Gruppe kann sich kein Auto leisten.
Lebenshaltungkosten etwa wie bei uns. Nur funktioniert die Familie hier noch, die Jungen unterstützen die Alten. Viele arbeiten im Ausland und schicken Geld heim.
Der Unterschied zwischen "reich" und arm (Städte und Dörfer) ist hier sehr groß. Die Armut in den Dörfern, wo keine Strasse hinführt, die wir natürlich nicht gesehen haben, muß sehr groß sein.
Ähnlich wie bei uns: für Erntearbeiten benötigt man Leute aus Moldawien, für eine kürzlich errichtete Fabrik fand sich kein Personal, man musste 300 Chinesen "importieren".
Gefangene, ausgenommen Gewaltverbrecher, können durch Arbeit ihre Haftstrafe um 2/3 reduzieren. Keine schlechte Lösung.
Die Kinderbeihilfe wird gestrichen, wenn Kinder nicht zur Schule geschickt werden. Dadurch ist die Analphabetenrate sehr niedrig.
Eine große Raffinerie in den roten Zahlen wurde privatisiert, jetzt schreibt sie Gewinne.
Es gibt bereits EU-Gelder für den Strassenbau. Habe ich nicht gewusst.
Es leben in Rumänien Minderheiten, Ungarn, Deutsche, Türken, Roma und Russen.
Neben der Amtssprache Rumänisch gibt es Regionen, wo Ungarisch und Deutsch gesprochen wird.
Was auffällt, wenn man Kirchen besucht: Die Bevölkerung ist sehr religiös.
Wir haben in Rumänien relativ wenige bettelnde Personen getroffen. Werden diese mit Bussen ins Ausland gekarrt ?
Es gibt oft sehr reiche Hirten, da durch die Landschaftsform schlecht Kolchosen gebildet werden konnten.
Auch gibt es viele nicht arme Zigeuner. Auf unserem letzten Campingplatz in einem sehr kleinen Dorf, hatten wir visavis eine Zigeunerfamilie ( 3 Generationen), die auch nicht zu den Armen zählt, wie Livio uns erzählte. Wenn man aber in den Hof gesehen hat, schlampig, die Schweine laufen frei im Hof herum.

Alles in Allem - ein Land mit sehr vielen Gegensätzen und sicherlich noch sehr viel Armut.

Bei der Verabschiedung unseres rumänischen Reiseleiters sagte er zu uns :"Wenn Sie in 10 Jahren wieder kommen, werden Sie über Autobahnen sehr rasch hier sein. Sie werden dann kein einziges Pferdefuhrwerk mehr sehen." Eigentllich schade, denn an diese Pferdewagen hatten wir uns während unserer Reise sehr gewöhnt.

Einen Satz eines russischen Schriftstellers, der in Rumänien zum geflügelten Wort wurde möchte ich an das Ende meiner Reiseschilderung stellen :

"Ein trauriges Land voller Humor".

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Gast am 02 Dez 2006 11:51:25

Hallo

ein schöner Reisebericht mit sicher sehr vielen und unvergesslichen Eindrücken. Wie in einem anderem Thread diskutiert, zeigt deine Reise, wie schön und ausgereift eine geführte Reise sein kann. Lediglich die ständigen Restaurantvorbestellungen hätten mich vielleicht ein wenig gestört.

mfg michael

guenterp_de am 02 Dez 2006 17:20:23

@peugeot

erstmal herzlich willkommen hier :kette:

also der Reisebericht war für mich ganz besonders intressant da wir vor zig Jahren (noch zu DDR Zeiten) nach Bulgarien gefahren sind und somit durch Rumänien durch (natürlich mit PKW und nichtWomo) Uns hat Rumänien damals sehr gut gefallen - landschaftlich gesehen, alles andere war ein Drama und die ganze Reise ein Abenteuer,da liefen die Kinder vors Auto und bettelten,bei einer geschlossenen Bahnschranke mußte man alle Türen verriegeln,Benzin war fast überhaupt nicht zu bekommen,daher finde ich das gut wenn dies nun vorbei ist,da könnte man sich ja wirklich überlegen dieses Land nochmal zu besuchen.

Wann genau wart Ihr eigentlich dort?? und hast Du nicht ein paar Bilder die Du hier mit einstellen Kannst??

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peugeot am 03 Dez 2006 15:48:51

@ guenterp_de

Danke für die liebe Begrüßung.
Vom 16.Juli bis 9.August 2006 waren wir auf dieser Reise.
Diese geführte Reise war wirklich sehr eindrucksvoll und interessant, in der Regel machen wir unsere Reisen allein. Nur dieses Land ist sicherlich eines, wo ich nicht unbedingt alleine unterwegs sein will. Daher wurden auch sehr viele Busreisen unternommen von den Campingplätzen aus, die Wohnmobile waren dort sicher abgestellt.
Es wird sicherlich noch ein paar Jahre dauern, bis auch Rumänien ein "Urlaubsreiseland" wird. Sehr oft in den Städten würde man nicht glauben, in Rumänien zu sein, wären da nicht doch noch die vielen Häuser, die einer Renovierung bedürfen. Das Geld fehlt leider, das merkt man. Auf den Strassen wird gebaut, da denkt man oft, ein Großteil der Bevölkerung wäre da beschäftigt.
Als Speiselokale wurden natürlich Restaurants von der Reiseleitung gewählt, die wirklich 1.Kategorie waren. Auch da würde man nicht glauben, sich in Rumänien zu befinden.
Der Unterschied zwischen arm und reich fällt aber doch sehr auf.

Wie natürlich von allen Reisen brachte ich auch aus Rumänien hunderte Fotos mit, die Moldauklöster und die Donaudeltafahrt mit dem Schiff ragen da sicherlich heuer hervor, wie auch die Bukowina eine landschaftlich überaus schöne Gegend war.

Leider sind meine Kenntnisse, Fotos ins Internet zu stellen, praktisch NULL. (Ich bin ein Spätspätberufener am PC !)
Vielleicht lerne ich es noch.

Liebe
Helmut aus Wien :)

MichaelW am 03 Dez 2006 16:14:24

Hallo Helmut,
herzlich WILLKOMMEN im Forum und vielen Dank für diesen interessanten Reisebericht. Ich wäre in der Tat auch auf Bilder gespannt..................aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.
Die Schilderungen sind ja schon sehr illustrativ :!:

GP am 15 Jan 2007 11:05:22

Hallo,

auch wir waren Ende Juli/ Anfang August 2006 in Rumänien unterwegs. Allerdings alleine mit Allrad-Womo und auch abseits der Touristenpfade.

Hier ein paar unserer Eindrücke:

Die EU Förderungen für den Straßenbau scheinen hauptsächlich in die Instandhaltung der Transitstrecken zu fließen. Die einzigen ganz guten Straßen waren die Transitstrecke von Ungarn nach Sibiu und weiter Richtung Bulgarien. Fährt man von Sibiu nach Brasov landet man wieder auf einer einzigen Straßenbaustelle. Die Straßenbauarbeiten sind relativ uneffektiv. Es wird geflickt, an Brücken gebastelt, es werden Teilstücke saniert. Das Ergebnis ist nicht wirklich gut, Schwellen von bis zu 10 cm ohne Warnung sind keine Seltenheit.
Die rumänischen Autofahrer fahren wie die Besessenen. Auffällig war die sehr hohe Dichte von Fahrzeugen mit italienischem Kennzeichen, offenbar gibt es sehr viele Rumänen in Italien, die ihren Sommerurlaub in Rumänien verbringen.
In der Tat werden in den größeren Städten nagelneue funkelnde Supermärkte gebaut. Die Preise schwanken dort von sehr gering für Grundnahrungsmittel (Nudeln, Reis...) bis zu astronomisch für Importartikel.
Jedes Dorf verfügt aber über sein "Magazin Mixt", das die Grundversorgung auf jeden Fall deckt.
Der Dieselpreis betrug rund 1 Euro pro Liter. Viele Rumänen können sich dieses kaum noch leisten, wir haben oft beobachtet, dass für 10 Lei getankt wurde, was rund 2,8 Litern entsprach.
Auffällig war die nachlässige Art im Umgang mit der Umwelt. Es scheint keine funktionierende Müllabfuhr oder ähnliches zu geben. Picknickplätze waren von Müll überhäuft.
Es gibt eine sehr große Armut im Land, wir haben erschreckende Zigeunersiedlungen gesehen, riesige Industrieruinen mit Wohngettos, die voll bewohnt waren und wo tagsüber die ganze Bevölkerung draußen war, offensichtlich ohne Arbeit.
Wir haben auf Hochebenen übernachtet, wo die Hirten Unterstände für sich gebaut haben, wo wir noch nicht einmal einen Hund unterbringen würden.

Ich glaube nicht, dass in zehn Jahren die Pferdefuhrwerke verschwunden sind.
Rumänien ist in weiten Teilen Mittelalter.

Doch es verfügt über eine wunderbare Landschaft. Wir haben uns auch Schloß Bran angesehen, ich habe bislang kein hübscheres, gemütlicheres und wohnlicheres kleines Schloß gesehen.
Die Menschen dort sind freundlich und sehr hilfsbereit. Es ist absolut sicher, dort zu reisen. Wir haben bis auf eine Nacht nur frei gestanden, vollkommen ohne Probleme.
Ich kann nur jedem empfehlen, eine Reise dorthin zu unternehmen.
Wir werden auch wieder nach Rumänien fahren, es gibt viel zu entdecken.

LA REVEDERE
GP

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