Gast am 26 Mär 2007 10:46:32 Tag 69: Tag 1 Türkei, Gallipoli und die Dardanellen (16.01.2006) 267 km
Anmerkung: Benzin und Diesel ist in der Türkei sehr teuer. Der Liter Europadiesel kostet rund € 1,50. Superbenzin € 1,60. Die Zollformalitäten kosten hingegen nichts, was anders in verschiedenen Reiseführern beschrieben wird. Wir reisen bewusst mit dem Personalausweis ein, um den Eintrag über den Import unseres Campers zu umgehen. Dies hat den Vorteil, dass wenn wir aus welchem Grund auch immer, einmal schnell nach Deutschland fliegen müssen, keine Probleme mit dem Zoll bekommen. Der Zoll stellt eine Art einseitiges Carnet des Passage aus, kostenfrei, dieses darf man aber keinesfalls verlieren, sonst gibt es richtig Probleme bei der Ausreise. Unser Carnet de Passage vom ADAC benötigen wir hingegen nicht. Die Hauptstraßen in der Türkei haben zwar eine Asphaltdecke, aber sind sehr wellig und die Asphaltmischung weist sehr grobkörnigen Kies aus, was laute Fahrgeräusche zur Folge hat und auch im Fahrzeug vieles in Schwingungen versetzt. ACHTUNG! Die so genannte Internationale, grüne Versicherungskarte, die keinesfalls Internationalität besitzt, schließt meist Textweise die Türkei als versicherungswürdiges Land mit ein. Dies stimmt jedoch nicht. Sie gilt meist nur für den Europäischen Teil der Türkei. Sobald sie die Dardanellen oder den Bosporus überqueren, ist es mit dem Versicherungsschutz vorbei. Es soll, laut einigen Reisebüchern die Möglichkeit geben, die Türkei insgesamt mit frei zu schreiben. Unsere, die LVM, tut dies nicht. Auch Anfragen bei anderen Versicherern wurden abschlägig beantwortet. Man kann in der Türkei dafür bei den Versicherern eine preisgünstige Haftpflichtversicherung abschließen. Meist nur für drei Monate, denn nur so lange dürfen Sie ohne Visum, als Deutsche, in der Türkei, verweilen. Dabei ist darauf zu achten, dass der Abschluss dieser Versicherung und die Zahlung der Prämie alleine noch nicht wirksamen Versicherungsschutz gewährleistet. Sie müssen in jedem Falle eine gültige Versicherungspolice, vom Hauptquartier der Versicherung, diese ist meist in Istanbul, in Besitz haben.
Istanbul. Wie kann man in die Türkei reisen und Istanbul auslassen? Wir können, denn zweimal haben wir die Perle am Bosporus schon besucht. Zuletzt an unserem 26. Hochzeitstag in 2005. So lassen wir Istanbul aus.
45 Kilometer rollen wir auf denkbar schlechtem Asphalt, die letzten Kilometer Griechenland bis zur Grenze der Türkei. Der Asphalt spiegelt wohl die „Freundschaft“ beider Nationen (Geschichte der Befreiungskriege und Zypernfrage) wieder. Noch auf den letzten Metern wird uns mittels großer Schilder klar gemacht, dass es hier nicht nach Istanbul geht, sondern ins griechische Konstantinopel. Wir rollen ohne Probleme durch den griechischen Teil der Grenze. Die vier türkischen Grenzposten machen das schon mehr Aufhebens und rund herum stehen junge Soldaten mit Maschinenpistolen. Sie lächeln freundlich, einer winkt sogar versteckt Brigitte zu, was wiederum einen bizarren Eindruck erweckt. Kinder am Abzug! Gezwungen einen Job zu machen, fern der Heimat, in der winterlichen Kälte, da wärmt ein frauliches Lächeln und Gitte geht damit verschwenderisch um. Sie scheinen es zu schätzen. Nach rund 45 Minuten sind wir durch. Keiner kontrolliert den Wagen innen und das ist gut so, denn wir haben reichlich eingekauft und die „Bordapotheke“ gut gefüllt. Wir wurden eben weich, bei dem letzten Lidl-Markt, den wir für Monate zu sehen bekommen. Muss ich mich nun schämen oder nicht? 200 Dosen Bier sind verstaut, ein kleiner Vorrat schottischen Whiskys und Ouzo. Ebenso 200 Zigarren. Ja, ich hör ja schon auf alles aufzuzählen. Jedenfalls hätte der türkische Zoll nicht schlecht gestaunt.
Die Straße Richtung Kesan ist durchschnittlich, hier biegen wir Richtung Osten ab, rollen durch den Schnee über die Berge und gelangen bald nach Gelibolu, uns besser bekannt unter dem Namen Gallipoli. Im Hafen holen wir erst einmal Türkische Lira. Die vielen Nullstellen sind ja inzwischen gestrichen und wir müssen uns nicht als Lira-Millionäre Gedanken machen wie ein Dagobert Duck, wo wir die Millionen bunkern. Die Umrechnung ist heute einfacher. Gelibolu ist keine Reise wert, aber, etwas Orientalisches haben der Hafen und der Fischmarkt schon.
Weiter geht es nach Eceabat. Auch hier lockt uns kein Anblick aus der Reserve, aber am Abend, jetzt wissen wir es noch nicht, werden wir hier stehen und übernachten, am Fährhafen.
Der Tag ist noch jung und was wollen wir dieses Kaff durchstreifen, meint Brigitte einmal wieder in ihrer charmanten Konstruktivität. So rollen wir zurück zur Kreuzung direkt nördlich von Eceabat, biegen links ab, zum Informationszentrum, Richtung Kapatepe.
(Ich unterbreche meinen Bericht einmal kurz, wir stehen direkt vor einer Moschee und der Muezzin schreit sich gerade die berühmte Seele aus dem Hals. Oh, das mag frech klingen, aber sein Verstärker übersteuert wirklich gnadenlos und es ist kein Ohrenschmaus mehr. Wir sind in der Türkei, fürwahr, unüberhörbar.)
Doch weiter im Text, ich wollte Sie einfach nur direkt am Erlebten teilhaben lassen. Wir besuchen also das Informations-Zentrum. Schlechtes Timing, würde man in Neudeutsch sagen, denn es wird gerade geschlossen, aber …, das Personal wittert einen ersten Touristen und das wohl nicht nur an diesem Tag sondern für geraume Zeit. Freundlich wird alles wieder aufgeschlossen, die Lichter gehen an, der Computer läuft unüberhörbar hoch, denn die Microsoft-Melodie erklingt in den ehrwürdigen Hallen. So viel Aufhebens nur für mich? Ich bedanke mich und habe Gelegenheit alles in Ruhe zu studieren. Für € 1,50 bekomme ich einen Detailplan über dieses Gebiet und ein kleines Heft mit der Geschichte des 1. Weltkrieges, um die Dardanellen. Der nette Herr, er spricht weder Deutsch noch Englisch, kann sich aber auf unterhaltsame Weise mittels vielseitiger Gestiken mitteilen, so dass ich tatsächlich alles verstehe. Per Karte legt er die Route fest und wir werden ihr folgen.
Es geht Richtung Westen, zur anderen Seite der Halbinsel im Bereich der Suvla Bay und zum Besuch des Museums. Danach rollen wir hoch in die Berge, Richtung Norden. Hier wurde die große Schlacht geschlagen, die Schlacht, in der sinnlos 500.000 junge Männer, viele eher noch Kinder, der Eitelkeit der Kommandeure willen, den höchsten Punkt der Insel zu beherrschen, geopfert wurden. Und wer die Filme gesehen hat der kann sich erinnern, dass die Herren englischer Generäle hier nicht Engländer selbst auf die Schlachtbank schickten, sondern die in ihren Augen nicht elitären Streitmächte, die der armen Australier und New-Zealander, die gar nicht wussten was sie hier am Ende der Welt machen sollten und was sie hier zu suchen hatten, geschweige denn, in welchem Krieg sie waren und was das alles ihnen bringen sollte. Treue zum Königreich könnte man es nennen. Kinder waren es, Zuckerrohrfarmer, Schafhirten, Cowboys und Großstadtkinder, die einfach nicht wussten, wie sie ihr Leben beginnen sollten, da kam ein Krieg. Es wurde schnell zu ihrem bitteren Lebensende. Ja, ich nehme mir das Recht anzuklagen, denn was hier geschehen ist, war Menschen für nichts und wieder nichts zu vernichten. Und es waren Engländer, die, die Befehlsgewalt ausübten, über die Köpfe der truppeneigenen, alliierten Offiziere hinweg. „Was schimpft ihr das ihr keine Munition mehr habt, ihr habt doch Bajonette!“
750.000 Menschen kämpften hier, 500.000 verloren Ihr Leben. Die 250.000 Überlebenden waren meist Krüppel. Krüppel im physischen, oder im psychischen Sinne, viele beides.
Darf ich so schonungslos sein und so gegen die Engländer argumentieren? Nun, zum einen ist es verbriefte Geschichte. Zum anderen fühle ich mich als Halbblutaustralier, habe die Anzac-Day-Paraden in Sydney erleben dürfen. Habe darüber geschrieben, als ich die Deutsche Zeitung in Australien in den Jahren 1986-1987 und 1989-1991, leitete. Ich habe noch Männer interviewt, die hier 1914-1915 gekämpft haben. Im Museum sehen wir die Uniformen und die Schuhe fallen uns besonders auf. Da sind Schuhe, in eher Kindergröße, klein und schmal, fast zart. Es waren die Schuhe der Australier, es waren ja auch noch Kinder, teils erst gerade mal 15 Jahre alt. Dann die Schuhe der Herren englischer Offiziere, die aus sicherer Entfernung die Vernichtungsmaschinerie mittel Befehlsgewalt steuerten. Allesamt große Schuhgrößen und auffallend dicke (englische) Füße eben. Ja, ich mag es so schreiben wie es mir und Brigitte auf der Seele brennt. Später wird sie noch weinen, wenn sie die vielen Texte an den unzähligen, über hundert müssen es sein, Friedhöfen, ließt.
Eine, die von Mustafa Kemal Atatürk, liest sich so:
„Ihr Helden, die ihr euer Blut und Leben geopfert habt, Ihr liegt nun in der Erde eines friedlichen Landes. Deshalb, ruht in Frieden. Es gibt keinen Unterschied zwischen Euch Johnnies und Euch Mehmets für uns, wo Ihr doch Seite an Seite liegt, in diesem, unserem Lande. Ihr Mütter, die Ihr Eure Kinder von fernen Ländern hierher geschickt habt, trocknet Eure Tränen. Eure Söhne liegen nun in unserer Erde in Frieden. Nachdem sie ihr Leben verloren haben, sind sie auch zu unseren Söhnen geworden!“
Wir rollen Richtung Norden und einen der größten Friedhöfe dieser Welt. 500.000 junge Menschen haben hier, sicherlich nicht, ihre letzte Ruhe gefunden. Sie wurden einfach nur verheizt. Was wurde durch ihr Opfer eigentlich gewonnen? Bringen wir es auf den Nennen! Die Engländer hatten für genau 2,5 Tage den höchsten Posten der Halbinsel besetzt! Dann wurden sie von den türkischen Armeen wieder verjagt und haben die Wasser der Dardanellen nie wieder gesehen. Einer der türkischen Soldaten, der die Engländer verjagte war Mustafa Kemal Atatürk, der spätere Gründer der modernen Türkei und ihr Präsident. Er selbst erlitt einen Treffer direkt über seinen Herzen. Die Kugel wurde von seiner Uhr, die er in seiner Brusttasche trug, abgefangen. So steht es geschrieben und so soll er überlebt haben.
Zwei Zitate sind überliefert und ich möchte sie hier wiedergeben, weil sie die ganze Arroganz widerspiegeln, mit der fremde Befehlshaber, die totale Verfügungsgewalt, über Leben und Tot von Kindern, ohne Zustimmung der Eltern übernahmen.
„Ich befehle Euch nicht anzugreifen, ich befehle Euch zu sterben, Wenn wir sterben, werden wir ersetzt durch andere Soldaten und Truppen und Kommandeure!“ 25. April 1915 / Conkbayiri
„Jeder Soldat, kämpfend, dem Tot so nahe, hier an meiner Seite, soll wissen, dass sein Opfer gewürdigt wird. Wir werden keinen Schritt zurückweichen. Ich erinnere daran, dass die, die nun rasten oder schlafen möchten, uns und unserer ganzen Nation Schaden zufügen werden!“ 3. Mai 1915 / Anburnu
Die Insel zu durchfahren bietet neben der Geschichte auch viel Natur, Panoramen und Erlebnisse. Soll sich ein Jeder, der diese Tour unternimmt, sein eigenes Bild machen. Entziehen hingegen, kann sich angesichts der riesigen Skulpturen und Monumenten niemand der Geschichte. Und damit haben diese baulichen Erinnerungen, so kitschig sie in vielen Reiseführern beschrieben werden und auch erscheinen mögen, ein Recht da zu sein, zur Erinnerung und zur Besinnung und hoffentlich zur Vermeidung weiterer Kriege und sinnloser Opfer.
Das höchste Monumentalbauwerk steht am südlichsten Punkt der Halbinsel, in Abide. Mit über 40 Metern Höhe dominiert es die Landschaft und wirft seinen Schatten weit in und über das Land.
Abends stehen wir dann in Eceabat, direkt am Fähranlegedock. Von hier geht es morgen auf die Asiatische Seite der Türkei, nach Canakkale.
Heute kocht Brigitte nicht mehr, der Tag war auch zu lang, es ist bereits dunkel als wir stehen. Wir gehen in eine der Tavernen am Hafen, essen uns rundherum satt und zahlen nur unglaubliche € 7,00.
Hunde, Katzen und die Touristen …
Wo immer eine Sehenswürdigkeit steht, ein Tempelrest, eine Ruine oder einfach nur ein schöner Hafen, treffen wir sie, die Vierbeiner, die auf Touristen warten. Selbst hoch oben im Gebirge der Dardanellen kommen sie scharenweise angelaufen, sobald sich ein Tourist nähert. Sie möchten gefüttert werden und Brigitte schmiert den Hunden meist ein paar Leberwurstbrote, die sie dankend annehmen. Die Katzen bekommen hingegen Fisch, den fressen ihnen die Hunde nicht weg. Auf den Dardanellen waren wir gleich von 5 großen Hunden umringt. Als ich den Wagen verließ sprangen sie gleich an mir hoch. Sie haben einen Sinn dafür entwickelt, wem sie Vertrauen können und wem nicht. Wenn Sie in der Türkei unterwegs sind, teils auch in Griechenland, nehmen sie bitte immer etwas für die Tiere mit, sie sind darauf angewiesen.
Tag 70: Fähre nach Canakkale, über Troja bis Ören (17.01.2006) 166 km
Hinweis: In Edremit, dass liegt ca. 50 Kilometer nördlich von Ayvalik, gibt es direkt an der Bundesstraße, die von Izmir nach Canakkale führt, eine Fiat-Meisterwerkstatt, die auch alle anderen Fahrzeugmodelle, insbesondere Camper repariert. Der Chef ist Selim Algan, war 35 Jahre in Hamburg, ist seit 1994 erst wieder in der Türkei, hat einen Deutschen Gesellen- und Meisterbrief. Wir rollen diese Werkstatt an, um die große Inspektion durchführen zu lassen. Wir werden erstklassig bedient. Sicherheit, Sorgfalt und Sauberkeit haben wir erleben dürfen. Jeweils bevor der junge Mechaniker in den Wagen stieg und das Lenkrad anfasste, wusch er sich sogar die Hände. Der freundliche Herr macht dann auch noch kostenfrei alle Anrufe für uns in Sachen Versicherung und ermittelt, was ein Satz Reifen kostet. Für die große Inspektion zahlen wir € 125, inklusive aller Filter und erstklassigen Öls, Reinigung aller 4 Bremsen, Bremsflüssigkeit und Scheibenwäsche, nebst Einstellung der Scheinwerfer. Für den Fall der Fälle hier die Kontaktadresse: Fiat, Karahallilar. Herr Selim Algan. Izmir Yolu 3 km, EDREMIT. Tel.: 0266-3741694.
Außer einer mittelalterlichen, aber sehr imposanten Festungsanlage gibt es um Eceabat nicht viel zu erkunden. Wir nehmen die Fähre nach Canakkale schon früh am Morgen. Immerhin müssen wir € 30,00 dafür bezahlen, was wir nicht gerade preiswert empfinden. Aber, eine Brücke gibt es nicht und einmal um das ganze Marmarameer herumzufahren ist nicht unser Plan. Die Auffahrtrampe zur Fähre ist flach und stellt kein Problem dar, ganz anders als wie beim Übersetzen nach Kreta. In 20 Minuten sind wir auch schon in Asien. Wir sehen wie über Canakkale die Sonne aufgeht und können sehr gut die Dunstwolke erspähen, die über der 75.000 Einwohner zählenden Stadt liegt. Der Duft dieser Wolke dürfte jedem bekannt vorkommen, der nach der Wiedervereinigung Deutschlands, in kalten Monaten, die ehemalige DDR bereist hat. Es riecht nach den Abgasen der Braunkohle. Tausende von Metallrohren (Ofenrohre) teilweise nur mit einer Decke ummantelt, schauen aus Fenstern und Türen heraus und qualmen auf das Fürchterlichste. Die Stadt ist auf dem Weg in die Zukunft, mit ihren vielen Geschäften, Restaurants und dem Verkehr. Das war vor 30 Jahren, als ich über dem gleichen Wasserweg, den Dardanellen, hier anlandete, ganz anders. Da befand man sich noch echt im Orient. Nun ist alles türkisch-„modern“ und damit kein Ziel für uns. Die Beschilderung, und auch die Parkweise der Türken, zumindest hier in dieser Stadt, sind vorbildlich. Schnell sind wir aus Canakkale raus und auf dem großen „Highway“ Richtung Süden, nach Izmir, unterwegs.
Es geht zunächst nach Troja. Knapp 50 Kilometer Piste liegen vor uns. Die Abfahrt Troja ist ebenso nicht zu verfehlen. Dann noch 5 Kilometer gen Westen an einem kleinen Ort mit eindrucksvoller Moschee vorbei zum Eingang der Ausgrabungsanlage. Rechts vor der Kasse steht die alte Behausung noch, in der, der Amateurarchäologe und zum Teil Verwüster in Sachen Grabungen, Heinrich Schliemann, hauste. An der Kasse zahlen wir brav TL 6 für den Camper und stolze TL 20 für uns zwei Personen. Dafür gibt es ein elektronisches Ticket, mit der man die ebenso elektronischen Sperren zur Grabungsstätte öffnen kann. Wie war das doch so ganz anders vor 30 Jahren, schwelge ich in Erinnerungen. Damals gab es keinen Eintritt zu zahlen, Spenden waren willkommen. Damals, der alte Wärter, servierte erstmal einen Tee und Wasserpfeife und war glücklich, als ich für damals DM 3, eine holzgeschnitzte Zigarettenverlängerung von ihm erwarb. Dafür führte er uns auch noch über das Gelände. Nun gut, die Zeit bleibt leider nicht stehen und wir wandern über die Trojen, es sind nämlich mehrere, in verschiedenen Schichten übereinander erbaut worden. Heinrich Schliemann fand hier nahe der Dorfstelle Hisarkh Gold. Der Homer begeisterte Schliemann hielt diesen Fund für den Schatz des Königs Priamos. Heute weis man, dass er irrte. Die Goldfunde stammen nicht aus Homers Troja, sondern aus einer viel älteren Siedlungsschicht. Übrigens war der Schatz nach 1945 verschwunden. Wie so vieles wertvolle an Kunst- und Kulturgut tauchte er nun in Russland wieder auf. Übrigens sponsert Daimler-Chrysler mit entsprechenden Millionenbeträgen die Ausgrabungen. Der heutige Herr der Trojen ist der Tübinger Professor Manfred Korfmann, der hier wissenschaftlicher, als Schliemann vorgeht, der in seiner Zeit einfach eine breite Schneise in den Akropolishügel schaufeln lies und der jeden Stein, jede Ziegel, jede Tonscherbe einfach nur einem Troja zurechnete. Über 6 Trojen konnten wir in den Schichten, gut erklärt, auch in Deutsch, nachvollziehen. Für den Eintrittspreis von TL 26 gibt’s auch ein Heftchen, welches dann alles erklärt und ein, eher wenig aufschlussreiches, Museum, vor Ort. Der Blick von Troja über die weiten Ebenen ist hingegen wunderschön. Vorne am Eingang befindet sich der Nachbau des Trojanischen Pferdes. Eine wacklige Treppe führt in den Bauch der Holzkonstruktion. Von außen kann man es nicht schätzen, wie viele Krieger darin Platz hätten. Ich schätze mit Bewaffnung könnten 30 Männer, wenn auch eng gedrängt, auf ihre große Stunde, der Öffnung der Tore Trojas von innerhalb der Festung, gewartet haben können. Falls die Sage stimmt und die Trojaner wirklich nach 2-jähriger Belagerung, auf diesen Trick hereingefallen wären, indem sie dem Feind so Einlass beschert hätten. Alles in allem gibt es in Troja nicht viel zu sehen. Steine über Steine, Säulen und ein paar Treppen. Die schönen Mosaiken, die wir vor 30 Jahren noch bewundern konnten, liegen nun in irgendeinem Museum. Troja lohnt sich auf jeden Fall für den, der sich für Geschichte interessiert. Selbst Brigitte, die schon seit geraumer Zeit keine große Lust mehr verspürt sich Ausgrabungen und Ruinen anzuschauen, hat dieser Ausflug gefallen. 2 Stunden Zeit reichen allemal, um sich einen guten Überblick zu verschaffen.
Es ist 14 Uhr als wir Troja verlassen. Es geht gen Süden, wir wollen ans Meer. In den hohen Bergen vor Kücükkuyu, decken wir uns bei einer alten Dame, die ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse sauber in Regalen aufgereiht hat, noch mit Olivenöl, Nüssen und den Saft des Granatapfels ein. Ihr Lädchen ist gleichzeitig Geschäft, Küche und Schlafstätte. Ein Gasöfchen liefert ihr Wärme in diesen kalten Tagen hoch oben im Gebirge. Umgerechnet € 10 zahlen wir dafür und während wir noch verhandeln, ist ihr Wasserschlauch auch schon im Einfüllstutzen unseres Hotels eingeführt und wir nehmen frisches Bergquellwasser auf. Ich möchte noch etwas zum Wasser sagen. Wasser generell, für uns Weltreisende auf 4-Rädern, ist immer auch Quell des Lebens, der Hygiene und der Erfrischung. Je mehr wir unterwegs bekommen, desto größer ist das Wohlfühlgefühl. Ich lese nebenbei in verschiedenen Reiseführern, wo man aufpassen muss, um die eine oder andere Zapfstelle nicht zu verfehlen. Ich halte dies gelinde gesagt für Blödsinn. Quasi alle 5 Kilometer gibt es gut gekennzeichnete Zapfstellen mit dem Zeichen für Trinkwasser. In den Bergen gibt es Quellen und wenn nichts mehr hilft, sind Tankstellen gern zur Hilfe. Wir möchten nicht auch unseren Lesern suggerieren, dass wir hier Pionierarbeit leisten und jeden Tropfen Wasser für sie gesucht und gefunden hätten. Wasserbetankung ist nirgendwo ein Problem.
Es geht von den Anhöhen des nahe gelegenen Kirklar Gebirges, mit immerhin 1774 Metern hinunter zum Meer. Großräumige Panoramen wechseln sich ab, eines schöne als das andere. Die Sonne scheint und es sind immerhin 15 Grad, Tagestemperatur. Wir rollen durch Kücükkuyu, wo aller Strand durch private Bauten und Hotelkomplexe völlig eingenommen ist. Dies zieht sich so weiter bis Ören. Leider werden hier eklatante Fehler bei den Stadtgestaltungen unternommen. Es gibt keine Promenaden und somit wohl nur Touristen die den Hotelstrand für sich einnehmen können. Schade, finden wir. In Erdemit ersähen wir zu unserer linken plötzlich ein hoch aufragendes Fiat-Zeichen. Jetzt wird sie gemacht, die längst fällige, große Inspektion. Wir stoppen und zu unserer Freude steht ein perfekt Deutsch sprechender Mechanikermeister vor uns. Es ist dunkel, als der Wagen, unser Hotel, wieder Topfit ist. Wir rollen bis nach Ören, schlafen dort zwischen den Laternen des Stadtparks. Es wird eine kalte Nacht mit nur 4 Grad Außentemperatur.
Gast am 26 Mär 2007 10:54:42 Tag 71: Orientalisch-griechisches Ayvalik (18.01.2006) 35 km
8 Uhr aufstehen! Wir hatten die Heizung die Nacht nicht an, denn als wir uns schlafen legten waren es noch 18 Grad. Nun treibt uns das frösteln aus den Betten. Schnell einen Kaffee, der Motor läuft schon warm und es geht los, Ziel ist Ayvarik, gegenüber der Insel Lesbos und am nördlichen Ende einer riesigen Bucht mit Halbinsel, die sich bis nach Izmir zieht.
In Ayvarik angekommen, rollen wir die Hafenstraße entlang. Gut, das es noch so früh am Tag ist. So können wir auch gleich direkt am Meer, vor den bunten Booten der Fischer, gleich hinter der Statue des Kemal Atatürks einen Platz beschlagnahmen. Der Platz ist kostenpflichtig, doch es ist niemand da, der uns den Obolus abverlangt. Ein Blick aus dem Fenster und es ist uns klar, endlich sind wir in der Türkei angekommen. Hier sehen wir es, das Fremdländische, das Andere, das Ungewöhnliche. Ein Tumult an Geräuschen. Hier die Fischer, deren Boote, ganz anders als in Griechenland, mit Fischen fast nur so überschwappen. Sie preisen laut ihre schuppige Beute an. Was mögen sie wohl rufen? Gegenüber die Straßenkaffees sind gut gefüllt. Olivenhändler, Seeigelernter, Brotverkäufer, mit ihren 2-rädrigen verglasten Fahrradkarossen und über allem schrillt, unüberhörbar, der Muezzin mit seinen so wehklagend klingenden Kettengesängen. Gegenüber der Bucht blicken wir auf die griechische Insel Lesbos, deren unmittelbare Nähe, Ayvalik so stark geprägt hat. Bis 1923 haben in Ayvalik vorwiegend Griechen gewohnt. In dem selbem Jahr 1923 fand dann der so genannte Bevölkerungsaustausch statt. Türken mussten von den griechischen Inseln zurück in die Stadt und die Griechen wurden gezwungen Ayvalik zu verlassen. Dies hatte schlimme Folgen für die Stadt, Wer sie durchbummelt, findet wunderschöne alte Bauten und teils auch nur noch Fassaden, aus dieser griechischen Glanzepoche. Alles Griechische ist nun fast zerstört, nur wenig erhalten. Die großen Rundbögen der Eingangstüren mit geschnitzten Ornamenten im Holz, schmiedeeiserne Tore und Geländer und zahlreiche, kreative Verzierungen an den Wänden. Ruinen nur noch, die aber wiederum in der Mischung mit dem orientalischem Treiben rundherum eine gewisse Wirkung und Ausstrahlung vermitteln. Sie scheinen in der Sonne lächelnd zu sagen: „Schaut her, das waren einst wir – und schaut, her was ihr aus uns gemacht habt und wie ihr heute in uns haust!“ Wir durchstreifen die Stadt, vor allen die kleinen Einkaufstrassen haben es uns angetan. Hier offenbart sich eine völlig andere Welt. Eier liegen gestapelt auf dem Bürgersteig, wenn man ihn überhaupt so nennen kann, denn er ist weniger ein Steig zum Gehen, vielmehr spielt sich alles Leben und Treiben auf ihm ab. Man sitzt auf ihm, hält dort im Stuhl sein Schläfchen, man feilscht auf ihm, man stellt seine Waren auf ihm aus. Aus einer kleinen Lokanta, das sind Gaststätten, die keinen Restaurantstatus haben und eigentlich nur von Türken für wenig Geld frequentiert werden, treten Wohlgerüche aus. Wir begeben uns hinein, werden überaus freundlich empfangen. Bekommen direkt in der Küche alles erklärt und essen schon bald typisch türkisch für nur € 5, inklusiv Tee, zum Abschluss. Es sieht ganz so aus, dass Brigitte, bei diesen Preisen, sehr viel weniger Zeit in unserer Hotelküche verbringen wird. Das ist gut so und ihre Palette an kulinarischen Genüssen die sie mir in Zukunft anbieten kann, wird sich nun auch noch in Richtung türkische Küche bereichern, denn sie ist immer bemüht Gerichte nachzukochen und sogar noch zu verfeinern. Darauf freue ich mich jetzt schon.
Es ist inzwischen 15 Uhr, wir sind umgeben von Menschen, Booten, Autos, Möwen, Pelikanen, Hunden, Katzen und Spaziergängern. Selbst wenn wir wollten, was nicht der Fall ist, kämen wir aus dem Getümmel nun nicht mehr heraus. Käme nun ein Polizist und würde uns zum weiterfahren ermahnen, so würde ich ihm lächelnd den Schlüssel reichen und ihn bitten, unser „Boot zu Wasser“, oder besser unser Reisemobil zu Straße, zu lassen. Aber soweit kommt es nicht. Am Abend zahlen wir für die Bewachung ganze € 3,00 und dürfen stehen, wie wir es gewohnt sind, am Meer, mit Blick auf Wasser und Stadt. Ein lauter, aber soweit sehr schöner Tag geht zu Ende. Wir gehen noch in die Altstadt dinieren, sitzen wie könnte es anders sein unter einem Bildnis des allgegenwärtigen Kemal Atatürk und kuscheln uns recht früh unter die neu erworbene Wolldecke, die wir zusätzlich über unsere Daunen legen, damit wir es auch wirklich warm haben. Tesekkür ederim (Vielen Dank!) für diesen Tag.
Tag 72: Im Banne von Ayvelik (19.01.2006) 0 km
Salem Mehaba (Guten Tag) meine Freunde! Tag 72 ruft uns zu neuen Erkundungen auf. Was wird er uns bringen? Schön, im herkömmlichen Sinne, kann man die Stadt nicht nennen, bestimmt nicht. Wir dürfen auch nicht anfangen Vergleiche zu ziehen. Vergleiche, mit den netten, weißen Hafenstädtchen Griechenlands. Würden wir es tun, würden unsere Gedanken uns schnell wieder aus diesem Land vertreiben. Das wäre einfach, 100 Kilometer sind es nach Izmir, dann nach Cesme nochmals 100 und rauf auf die Fähre nach Griechenland. € 130 und wir wären entflohen und stünden wieder in Piräus. Wir müssen uns an andere Ansichten gewöhnen, müssen versuchen dem Gebotenem Neues abzugewinnen. Wir sind in einer anderen Welt, die Türkei ist nicht mit Europäischen Erscheinungsbildmaßstäben zu messen. Dieses Land will in die EU? Wie sollen solch verschiedene Kulturen und unterschiedlichen sozialen und wirtschaftlichen Systeme denn harmonieren, wenn der Fischer seinen Fisch direkt vom Boot verkauft und der Bauer seine Erträge direkt vom Feld. Vielleicht fehlen mir einfach nur die Visionen, aber ich kann mir nicht vorstellen alles unter den einen Hut der EU zu bringen. Aber es wird wohl nur um die begehrten Subventionen gehen. Noch Eines, überall gibt es Polizei und Militär, teils schwer bewaffnet. Dies sollte einen nicht verschrecken. Sie verstehen sich als Bewahrer des Vermächtnisses von Kemal Atatürk. Sie wollen mit Respekt behandelt werden. Wer dies tut, wird keine Probleme haben. Kritisieren Sie niemals den verstorbenen Staatspräsidenten, er ist in diesem Land eine Ikone. Genug des Politisierens, gehen wir den Tag frisch an.
Wie war das noch? Die alten Männer in Griechenland sagten doch, dass es ab Montag dieser Woche wärmer werden soll. Sie haben sich um genau drei Tage verschätzt. Heute Nacht hat endlich der Wind gedreht. Es bläst nicht mehr von Norden, der Wind kommt aus Süden. 10 Grad mehr weist nun das Thermometer auf.
Wir beschließen einen Ruhetag einzulegen und nicht gleich weiter zu fahren. Bei einem Kaffee „stricken“ wir an der weiteren Route, während zwei Pelikane ihren anmutigen Landeanflug direkt vor uns am Kai einleiten. Schön sieht dies aus. Zeitgleich ändern sie die Stellung ihrer Flügel und sie setzen sanft auf den Wogen auf.
Es ist 10 Uhr und um uns herum pulsiert erneut das türkische Leben. Die kleinen Imbissstände hatten doch tatsächlich bis 2 Uhr in der Frühe auf. Nun sind sie schon wieder geöffnet. Es beginnt leicht zu regnen. In Ayvalik ist heute großer Markttag und den wollen wir erleben. In jeder Gasse stehen, eng gedrängt, die Tische mit den Waren darauf. Hier gibt es alles zu kaufen. Selbst Spülmittel in 50 Liter Kanistern. Der Frischmarkt zieht uns an. Brigitte erwirbt Salat, Zitronen, Zwiebeln, Kartoffeln, Porree, Petersilie, Tomaten und Auberginen für unglaubliche TL 3,00. Das sind lächerliche € 2,00.
In einer der Gassen wird eine Art gefülltes Fladenbrot auf heißem Eisen gebacken. Es sieht appetitlich aus und der Junge, 10 Jahre alt mag er sein, bedient mich, während sein alter Herr zuschaut. Ich habe nicht vorher nach dem Preis gefragt und als ich die heiße Rolle schon in der Hand halte, zockt mich der Lümmel gnadenlos ab und verlangt TL 1,50 dafür. Der reguläre Preis wäre ¼ dessen gewesen. Ich zahle ohne zu murren und der Kleine blinzelt stolz seinen Vater an. Wenn Markttag ist, haben die Kinder schulfrei, denn sie müssen ihren Eltern helfen. In der Metzgerei kaufen wir 3 Rumsteaks und 1,5 Pfund Rindergehacktes. TL 10, haben wir dafür bezahlt. Am frühen Nachmittag zieht es uns wieder in unser Hotel. Einfach einmal faulenzen ist angesagt.
Tag 73: In Pergamon treffen wir auf Zeus, in Foca auf die Sirenen (20.01.2006) 158 km
Die meist besuchten Ruinen der Westtürkei stehen in Pergamon, bei Bergama. Einst hellenistische Stadt, standen hier die weißen Marmorbauten der Akropolis, der Trajantempel, Athena-Heiligtum und die große Bibliothek, wie auch das Theater. Der wichtigste Fund der hier gemacht wurde, ist der Pergamonaltar aus der Tempelanlage des Zeus und der Athene. Seine Reliefs zeigen den Kampf der Götter und Giganten. Der Altar steht heute in Berlin, im berühmten Pergamon Museum. Das einstige, hellenistische Reich, das Reich von Pergamon, umfasste große Teile Westanatoliens. 133 v.Chr. wurde es römisch. In Pergamon wurde eine sensationelle Erfindung gemacht. Das Pergament wurde hier entwickelt. Damals, aus feinst gegerbten Leder, war es haltbarer und feiner, als die damaligen Papyrusrollen, die nun schnell ihr Ende fanden, weil man dann Pergament bevorzugte. Und noch eines gibt es bei Bergama, das Asklepieion, ein dem Heilgott Asklepios geweihter Bezirk mit Tempelruinen. Eine antike Kurstadt, oder das, was von ihr übrig blieb. Das alles wollen wir heute sehen.
Wir rollen also 8 Kilometer zurück Richtung Canakkale und biegen rechts ab Richtung Bergama (50 km), ausgeschildert ist allerdings der Ort Kozak. Es folgen wunderschöne Landschaftsbilder. Riesige Kiefernwälder mit großen runden Steinen, wie wahllos in den Panoramen verstreut, als hätte ein Riese mit ihnen gewürfelt. Die Straße führt teil steil bergauf. Brunnen rinnen hinter jeder Straßenbiegung. Oben in den Bergen herrscht Frost, aber die Sonne scheint heute verschwenderisch, nach dem Regen der letzten Nacht. In Pergamon angekommen erblicken wir zu unserer rechten die Ruinen des Serapis-Tempel, der unter den Byzantinern zu einer Basilika umgebaut wurde. Sie ist eine der sieben Kirchen der Apokalypse. Auch wenn nur noch hohe Wände von ihr stehen, macht sie einen wirklich apokalyptischen Eindruck und wirkt irgendwie unheimlich und erschreckend. Hoch oben auf dem knapp 400 Meter hohen Berg stand einst die Akropolis, mit dem monströsen Zeus-Altar. Wir sind allerdings etwas enttäuscht. Wenig ist zu sehen und die Stadt Bergama mit ihren 50.000 Einwohnern selbst, ist auch nicht wirklich die Reise wert. So trösten wir uns mit der herrlichen Fahrtstrecke und der Tatsache, unserem Freund, dem Gott Zeus, bei dem wir auf Kreta schon zu Besuch waren, heute so nah gewesen zu sein. Die Reste des antiken Pergamon sind wirklich kaum die Anfahrt wert.
Wir brauchen nicht lange und entscheiden uns, in Richtung Izmir zu rollen. Ab Kilometer 60 vor Izmir finden wir den ersten gut befahrbaren Asphalt unserer Türkeireise. Ziel weiter ist das Städtchen Foca. Wir rollen auf der 560, Canakkale Richtung Izmir und biegen bei den großen Rauchwolken überdimensionaler Industrieanlagen, gen Westen ab. Als die Sicht wieder klar wird, für mindestens drei Kilometer glaubten wir uns in einer Nebelbank zu befinden, tun sich grandiose Aussichten über Küste, Meer und Inseln auf. Wir entdecken unzählige kleine Badebuchten, leider aber mit dem Camper nicht anfahrbar. Wie gerne hätten wir uns hier für ein paar Tage regelrecht versteckt vor dem Rest der Welt. Nach gut der Hälfte der Strecke von insgesamt 35 Kilometern, umfahren wir das neue Foca, das Yenifoca. Der Hafen wirkt sehr einladend, uns gelüstet es aber eher nach älteren Stätten, dem ursprünglichem Foca, welches wir bald erreichen. Leider sind hier viele Küstenabschnitte militärisches Sperrgebiet. Den Hafen kontrollieren wir bald mit breitseitiger Ausrichtung unseres Hotels auf die Bucht, Stadt, Moschee, den sandfarbigen Kleingebirge im Hintergrund und den bunten Fischerbooten am Kai, vor uns.
Foca hat zwei Gesichter und auch gleich zwei Häfen, weil die Stadt, durch eine Landzunge sich zweiteilt. Kücükdeniz zeigt sich mit schmalen Gassen und belebten Hafen mit vielen Ausflugsbooten, Restaurants, Tavernen und Geschäften, die sich über die Landzunge hinweg reihen. Büyükdeniz hingegen ist ruhiger und hier stehen wir heute Nacht im Hafen, mit Blick auf das bunte Leben auf der anderen Seite.
Der geheimnisvolle „Schwarze Stein“ von Foca …
Der Sage nach ist in Foca ein geheimnisvoller „Schwarzer Stein“ versteckt. Ein Jeder weiß, dass es ihn gibt, doch niemand kann sagen, wo er sich wirklich befindet. Wer durch die Stadt bummelt und ihn, ohne es zu wissen natürlich, mit dem Fuß berührt, der wird von Foca verzaubert, verliebt sich in die Stadt und wird niemals mehr von ihr loskommen.
Der goldene Hahn der Phokaier …
Einst siedelten um Foca herum, die Phokaier. Ein Völkchen, welches sich bestens im Bootsbau verstand. Ihre Schiffe konnten bis zu 500 Mann aufnehmen und über 50 Ruderer trieben sie über die Meere. Ihr Wahrzeichen war ein goldener Hahn, er schmückte Häuser und auch ihre Boote. Der Hahn galt als Symbol für Wohlstand und den pflegten die Phokaier, denn sie trieben Handel mit vielen Ländern, rund um das Mittelmeer. Das französische Marseille, so steht es auf einer Plakette am Stadttor, wurde 600 v.Chr. von den Phokaiern gegründet und erbaut. Das Wahrzeichen, der goldene Hahn, so die Geschichte, soll um Foca herum vergraben sein. Man sucht ihn bis heute vergeblich.
Das neue Wahrzeichen der Stadt ist die Robbe. Vom Aussterben bedroht, leben sie hier in diesen Gefilden auf den zahlreichen kleinen Inselchen um die Bucht herum.
Das Singen der Sirenen …
Mit ihren wohlklingenden, lockenden Melodien sollen sie einst Seefahrer so irritiert haben, so dass ihre Schiffe gegen die Klippen lenkten, wobei sie zerschellten und sie umkamen. Homer berichtet, dass einst Odysseus ihre Laute hören wollte. Um nicht dem gleichen Schicksal zu erliegen und getötet zu werden, verstopfte er seinen Mannen auf dem Schiff die Ohren mit Wachs. Sich selbst ließ er am Großbaum des Schiffes derartig fesseln, dass er sich selbst niemals hätte befreien können. Odysseus soll beim Erklingen der Melodien geschrieen haben, um ja nur losgebunden zu werden und zu den Sirenen zu gelangen. Seine Männer konnten ihn ja nicht hören mit dem Wachs in ihren Ohren und so überlebte er den wunderbaren Gesang. Man kann die Klippen auf der Insel der Sirenen erklimmen, von denen einst die süßen Laute schallten, die der Sirenen, deren Körper ganz Vogel und Kopf ganz Frau waren.
Tag 74: Foca, Inseln und die Landschaften (20.01.2006) 20 km
Man könnte sich in Häfen von Italien, Spanien oder Griechenland wähnen. Azurblaues Wasser, strahlender Sonnenschein. Segel-, Ausflugs- und Fischerboote, die ihre bunten Farben im Meer widerspiegeln. Volle Uferpromenaden und gut besuchte Tavernen und Palmen. Wenn man genauer hinschaut sieht man dann doch den Unterschied. Alles ist irgendwie wilder, bazarartiger, ein wenig schmuddeliger, und doch, es hat auch seinen Charme. Der Muezzin ruft auch hier fünfmal am Tag. Es gibt zwei Moscheen und zwei Minarette. Der Nachbau der ehemaligen Stadtmauer hingegen erscheint eher kitschig. Die Mauern der Phokaier waren bis zu 20 Meter hoch und selbst diese hielten den Angriffen der Perser im 6 Jhr.v.Chr. nicht stand. Ein kleiner Teil der monumentalen Mauer steht noch auf der Landzunge, versteckt hinter den Geschäften. Aber, Foca lohnt sich zu durchbummeln und besser noch, am Wasser entlang zu umlaufen. Es hat irgendwie Charme und Lebendigkeit.
Tag 74: Durch Izmir zur Halbinsel Karaburun (21.01.2006) 200 km
Was für ein Tag?! Man könnte ihm die Überschrift „ … von einem Nirvana zum nächsten Nirvana“ geben. Also, was war heute los? Früh morgens verließen wir Foca. Erlebten noch viele Landschaftsbilder und ein Mausoleum auf dem Weg nach Izmir. Wir hatten uns Izmir offen gehalten, obwohl wir diese Molochs ja lieber meiden. Der Zufall sollte entscheiden, was wir sehen und was nicht. Jedenfalls haben wir uns bemüht, in Izmir, irgendwie, irgendwo, irgendwann anzukommen, wo ein Boulevard am Hafen herführt. Nach rund 40 Kilometern Fahrt dann das erste Ortsschild der 2,5 Millionen Metropole. Ja, wir sind in Izmir und bis zum Zentrum sind es nur noch „schlappe“ 20 Kilometer. Ein tiefer Seufzer entfährt mir. 20 Kilometer? Bei dem Verkehr, den Straßen? Doch ein Zurück gibt es nicht mehr. Hier die Eindrücke und Erlebnisse:
Zunächst glauben wir uns in einen Orson Wells Film versetzt. Sind wir hier auf den Schlachtfeldern des „Kriegs der Welten“? Die Betonburgen, bei Sichtweite von maximal 300 Metern, bedingt durch Smog und Braunkohlegase, vermischt mit den orangen Strahlen der noch so jungen Sonne, kommen uns vor, wie mega-riesige Kampfkolosse, die langsam von den Bergen ins Tal auf uns zurollen. Wir könnten uns aber auch in einer Animation von Universal-Studios befinden, die gerade ein Spektakel über die Endzeit abspulen, denn lenken brauchen wir auch schon gar nicht mehr, so ausgefahren sind die Asphaltfahrspuren. Sitzen wir in einer Lore und werden durch die Landschaft gezogen? Ein Spurwechsel wird zum echten Abenteuer. Dann folgen Hütten neben Hütten, in denen alles Mögliche angeboten und repariert wird. Der Gestank brennt in Augen und Nase. Die Fenster bleiben vorsichtshalber zu. Nach rund 12 Kilometern sehen wir die Abfahrt die wir eigentlich nehmen wollten, sind aber verkehrstechnisch so eingeklemmt, das wir den Spurwechsel nicht rechtzeitig schaffen, ohne eine Massenkarambolage auszulösen. Damit ist Izmir für uns auch schon wieder gelaufen, denn wir können gar nicht anders als den eisernen Rossen, zu unserer beiden Seiten folgen und befinden uns schon bald auf der Autobahn Richtung Cesme. Adieu Izmir, wir haben Dich nicht gefunden, haben uns so bemüht, aber Du hast uns im Norden eingesogen und am anderen Ende im Westen einfach wieder ausgespuckt. So haben wir wohl einen Eindruck von der Stadt, können sie aber, um fair zu sein, nicht wirklich bewerten und lassen das auch aus.
Kaum aus Izmir raus, rollen wir auf feinstem, samtigem Asphalt. Wir können während der Fahrt einmal wieder Musik hören und gönnen uns auch den Genuss. Nicht ein Gläschen klappert, das Hotel rollt wie auf einem weichen Teppich auf der Autobahn dahin. Zu unserer rechten erhaschen wir noch viele Blicke auf Izmir und die Vororte und sind irgendwie einfach nur froh, draußen zu sein.
Oben in den Bergen, an einer Tankstelle machen wir Rast. Der Wind weht über Izmir hinweg, die Berge hinauf und die Gerüche der Metropole lassen den durchaus berechtigten Gedanken aufkommen, mitten in einem Ofenrohr zu verweilen, derweil darunter alles Mögliche, vor allem aber Braunkohle verbrannt wird. Die Dunstglocke über der Stadt lässt sich sehr gut fotografieren. Ihre Ausmaße sind immens. Damit haben wir an diesem Tag Nirvana 1 hinter uns gelassen.
Weiter geht es gen Westen, Richtung Cesme. Ca. 40 Kilometer vor Cesme biegen wir in nördlicher Richtung ab, Beschilderung „Karaburun“ und befinden uns bald auf der gleichnamigen Halbinsel und steuern unserem heutigen zweitem Nirvana zu, ohne es jetzt schon zu ahnen.
Die Musik müssen wir schon bald wieder abstellen, denn das gesamte Hotel schwingt, knattert und scheppert auf der kleinen, holprigen Kreisstrasse. Hier werden Kiese mit Körnung über 20 Millimeter in Bitumen gedrückt. Das Ergebnis sind Straßen die so rau sind, wie Teststrecken für Traktoren. Nicht zu vergessen die vielen Wellen, Vertiefungen und Schlaglöcher.
Rund 145 Kilometer sind zu bewältigen, will man die Halbinsel umfahren. Nach den ersten, eher typisch unaufgeräumten türkischen Örtchen, folgen einige Ferienanlagen. Die Landschaft hingegen ist wunderschön. Die Straße zieht sich am Meer entlang und bietet tausend Blicke und Eindrücke. Wir rollen sehr langsam, um Reifenschäden zu vermeiden und auch die Inneneinrichtung zu schonen. Es geht durch Mordogan und schließlich nach Karaburun. Bei letztem Ort, sind die Panoramen auf die Gebirge der rund 1000er besonders schön. Wählerisch wie wir sind, haben wir aber nicht den richtigen Hotelparkplatz für die Nacht gefunden. Einige Häfen haben wir angesteuert, aber sie sind zu schmal, zu kurz, oder zu überbevölkert. So ziehen wir einfach weiter. Hinter Karaburun wird es dann spannend, die Straße eng, der Asphalt noch rauer und es windet sich extrem steil hinauf in die Berge. Brigitte wird bleich bei den Steigungen und sie ahnt jetzt schon, wo sie hoch muss, muss sie auch wieder runter. Die Einstreung der Straße mit Kiesen wird nun noch großzügiger und wir glauben einen Kiesstrand zu befahren, was dem Camper nicht gerade mehr Bodenhaftung verleiht. Das ganze dann auch noch ohne Leitplanken, versteht sich, bei 2,50 Meter Straßenbreite und fast senkrechten Abhängen von 500 Metern und mehr. Die Landschaftsbilder in der sich nun verabschiedenden Sonne sind malerisch. Der Blick über das Meer und die unzähligen Buchten traumhaft. Auch die kleinen Orte, deren Namen nicht mal die Karte kennt, zeigen Ursprünglichkeit, sind so, wie sie wohl vor 100 Jahren schon waren. Ziegen, Schafe, Esel, Mulis und kleine Minarette runden das Bild gelungen ab. Hier wird jedem Reisemobilfahrer noch freundlich zu gewunken. Leute schauen, staunen, lächeln und winken. Alle tun es. Dann folgt ein eklatanter Fehler. So etwas passiert, wenn man wie das Kaninchen auf die Schlange schaut und keinen Blick für anders mehr frei hat. Wir schauten zwar nicht in die Augen einer Schlange, jedoch immer mehr wehmütig hinunter zur Küste. Und so kam was kommen musste, wir folgten der falschen Abfahrt und endeten nach 6 langen Kilometern, auf Gefällen von mehr als 17% und losen Geröll im Nirvana Nr. 2 für Reisetag 75. Die Straße endet zwischen einem dutzend Häuschen und zwei Feldwegen, die wir keinesfalls befahren können. Langsam droht uns zudem die Sonne mit völligem Lichtentzug. Fatal, denn Brigitte weigert sich strikt, unser Hotel noch zurück auf die richtige Piste zu bringen.
So stehen wir hier, am Rande einer Klippe, in stockdunkler Nacht, ratlos, verloren, von niemanden vermisst, einsam und verlassen und bedauern uns selbst. Dabei merken wir gar nicht, dass wir beobachtet werden. Und hier beginnt die Geschichte von Mustafa und Cemal und ihren beiden Frauen und einer tollen Gastfreundschaft.
Mustafa und Cemal: Gastfreundschaft ganz ohne Verständigung …
Man kann nicht mit einem riesigen, weißen Hotel im Nirvana unterwegs sein ohne bemerkt zu werden und so kommen schon bald zwei Türken den Berg herunter zu uns. Was macht man in einer solchen Situation? Erstmal freundlich winken, dann spult man wieder die Textblase Nr. 1 herunter: „ Do you speak … ?“ Nein, tun sie nicht! Es folgt der nächste Versuch und Textblase Nr. 2: „Sprechen Sie Deutsch …?“ Nein, auch nicht! Sie merken, dass da wo wir nun angestrandet sind, bestimmt nicht hinwollten. Ein Blatt Papier und Kugelschreiber bringt eine skizzierte Konversation in die Gänge. Okay, okay, ich verstehe, hätte die andere Abfahrt nehmen müssen, aber erst noch über einen weiteren Berg hinweg. Oh, noch 83 Kilometer bis Cesme, bei den Straßen? Irgendwie kommt da keine Freude mehr auf. Nun kommt auch Mustafas Frau zum Reisemobil. Sie trägt ein gütiges Lächeln im Gesicht und wird von Brigitte prompt eingeladen sich den Camper von innen an anzuschauen, während ich den beiden Männern ein deutsches Bier als Gastgeschenk entbiete, schließlich wollen wir auf ihrem Land heute nächtigen. Sie nehmen dankend an und wir stehen alle an den Klippen, schauen hinunter aufs Meer und trinken aus der Dose. Mustafas Frau hingegen ist sehr pragmatisch veranlagt, sie stellt gleich in Zeichensprache, die Finger in den Mund führend, die Frage nach unserem Hunger und lädt, ohne die Antwort abzuwarten, zum dinieren ein, in das rund 200 Meter höher gelegene Wochenendhäuschen. Wir wollen nicht unfreundlich sein und nehmen nach der dritten Einladung an. Hoffentlich gibt’s keinen Hammel oder so was, dann müsste ich wieder die Vegetarier-Nummer abziehen. Die beiden älteren Türken bitten uns den Hang hinauf. Wir geben zu verstehen, dass wir uns noch frisch machen möchten. Mit Zeichensprache kommt auch das gut rüber. Wir packen zwei Tafeln Schokolade ein und noch ein paar andere Süßigkeiten, als Gastgeschenk sozusagen und erklimmen den schmalen Pfad zum Häuschen. Dort ziehen wir, wie es Brauch ist die Schuhe aus, bekommen dafür aber gleich ein paar Schlappen verpasst, Größe 38, na ja besser als ganz kalte Füße. Die Begrüßung ist sehr herzlich. Auch Mustafa und Cemal ziehen sich dunkle Hosen an, ein Zeichen der Ehrerbietung für uns als Gäste. Schon bald wird Essen aufgetragen, die Gasheizung erfüllt den kleinen Raum mit saunatemperaturiger Hitze. Wir sitzen an einem kleinen, runden Tisch und alles ist voller Teller, gefüllt mit Essen. Es gibt Kalbfleischgulasch, Brot, überbackenen Blumenkohl und Joghurt. Wir essen fast schweigend, denn eine gemeinsame Sprache haben wir ja nicht. Jede Handreichung beantworten wir mit dem einen der zwei türkischen Wörter die wir inzwischen gelernt haben, „Tessekür ederim“., was soviel wie Dankeschön heißt. Dann folgt der obligatorische Tee. Alle Lächeln, manchmal etwas verlegen. Die beiden Türkinnen sprechen, das ist klar zu deuten, über Brigittes wunderschönes, langes, blondes Haar. Dann lachen sie, als ich sie dabei ertappe. Der Abend endet in einer kleinen Unterhaltung, die sich immer mit Kugelschreiber bewaffnet auf mehreren Servietten manifestiert. Um uns irgendwie noch was Gutes zu tun, wird der Sohn in Izmir angerufen, denn der spricht sehr gutes Englisch. Allerdings hapert es mit dem Empfang, hier am Ende der Welt, und so haste ich mit dem Handy von einer Ecke des Raumes, immer geleitet von guten Ratschlägen, zu anderen, um auch ja nur zu verstehen, was mir übermittelt wird. „Welcome to Turkey, enjoy yourselves, safe Trip … etc.!” Dann verabschieden wir uns herzlich, denn wir wollen nun wirklich alleine sein. Es ist eben auch sehr anstrengend sich zu unterhalten, wenn gar keine Unterhaltung irgendwie stattfindet, oder eben nur bescheidene Bruchstücke davon, auf Papier. Die beiden Türkinnen umarmen zum Abschied Brigitte, die beiden Türken mich. Wir empfangen den obligatorischen Kuss auf beide Wangen. Schon im Gehen begriffen, kommt die Frau von Cemal uns hinterher und schenkt Brigitte noch einen kleinen Strauß Blumen. Es sind Narzissen, die zu dieser Zeit hier wachsen und blühen. Nun duftet es im Hotel nach Narzissen, zum ersten mal Blumen. Dann rutschen wir endgültig den Berg hinunter zum Camper. Die Kerzen flackern auf, der Rechner fährt hoch und ich schreibe diese Zeilen. Wie freundlich doch die Menschen in diesem Teil der Erde sind. Das nette Erlebnis macht diesen Tag dann doch noch zu einem Erfolg.
Tag 75: Westlicher Teil der Halbinsel bis Cesme (22.01.2006) 85 km
Regen können wir heute nicht gebrauchen, aber es zieht ganz danach aus. Also, früher Start des Hotels. Den Motor lassen wir reichlich warm laufen, damit er die Steigungen geschmeidig meistern kann. Die Reifen wirbeln die Kiese auf. Es klackert, wenn sie an die Karosse schlagen. In Serpentinen geht es die Steigungen von bis zu 20% hinauf. Die Kurven sind so eng, das unsere Hinterräder es gerade noch schafft den Vorderreifen zu folgen, ohne seitlich zu nah auf die unbefestigte Bankette zu kommen. Diesmal sitze ich auf der „heißen“ Seite und habe das Vergnügen direkt neben mir in tiefe Abgründe zu schauen. Nach 20 Minuten haben wir die 6 Kilometer hoch in die Berge zur richtigen Abzweigung geschafft. Nun brauch ich erstmal einen Kaffee. Wir schauen noch einmal hinunter zu dem Häuschen unserer neuen Freunde. Von hier oben erscheint es nur noch Stecknadel groß. Ob sie unten schauen, ob wir oben angekommen sind? Nun geht es weiter in Richtung Kücükbahce. Beschilderungen hier oben gibt es so gut wie keine und wenn wir ein Schild sehen, ist es zerschossen und verrostet, kaum zu entziffern. Wir folgen der Skizze Mustafas, er soll uns leiten, ihm wollen wir vertrauen.
Die Berge und Landschaften um uns herum wirken unfreundlich, sind nicht so sanft, wie an der Ostküste der Halbinsel Karaburun, die wir gestern bereisten. Es sind von hier noch rund 70 Kilometer nach Cesme, wir werden dafür ganze drei Stunden brauchen, was am schlechtem Zustand der Straßen und am ständigen hinauf in die Berge und hinab in die Täler liegt. Einige schöne Panoramen können wir erhaschen. Es bieten sich aus den Höhen von rund 800 Metern Blicke hinüber zu den griechischen Inseln, unter anderem, auf die dominierende „Chios“ Insel. Eher gebirgs-zugewandt schlängelt sich die Piste weiter. Noch vor Kücükbahce sehen wir auf dem Höhenkamm eine Geisterstadt. Hier stehen nur noch Ruinen. Die weiteren, für uns namenlosen Örtchen, wenn man sie so nennen kann, zeugen noch von vielen, verlassenen, teils eingestürzten Schiefersteinhäusern der Griechen, die hier einst lebten und 1923 das Land verlassen mussten. Dann sehen wir zu unserer rechten eine Farbformation die ungewöhnlich ist, inmitten diesen Graus und schmutzigen Grüns der Landschaft. Es funkelt Rot bis Ocker und ein kleiner See befindet sich inmitten des Farbenspiels. Den schauen wir uns an. Hier werden Baustoffe abgebaut und der Einschnitt in die Landschaft eröffnet diese ungewöhnlichen Farben. So einladend der See auch wirkt, sein Wasser ist eiskalt und wir verzichten auf die Erfrischung.
Näher an Cesme herankommend, tun sich alte und neue Feriensiedlungen auf. Manche gepflegt und bunt, manche verkommen, manche gar verlassen. Dann rollen wir über Ilica in Cesme ein.
Hat sich die Halbinselumrundung gelohnt? Wir sind zwiegespalten in dieser Frage. Zum einem war es ein Erlebnis der Einsamkeit, denn wir haben kaum Menschen erblickt, zu dünn ist die Besiedlung hier. Zum anderen haben wir gelernt, was türkische Gastfreundschaft bedeutet. Wir würden beide sagen, wenn die Straßen besser wären, ja, dann gerne noch einmal. Aber diese Pisten sind für ein eher luxuriöses Reisemobil kein Zuckerschlecken und für die Reifen schon gar nicht.
In Cesme finden wir schnell einen Stellplatz im, oder besser am Segelhafen, direkt unterhalb der recht gut wieder hergestellten Burganlage. 150 Meter von uns beginnt die lebhafte Einkaufsstraße von Cesme und heute, Sonntag, ist Markttag. Wir decken uns mit frischem Obst und Gemüse ein, zahlen für die rund 10 Kilo die ich vom Markt zum Camper schleppe ganze TL 12,00. Dann beginnt es zu regnen und wir ziehen uns in unser Hotel zurück. Gerade noch rechtzeitig, um des Muezzin Gesängen zu lauschen. Die Moschee befindet direkt hinter uns.
Gast am 26 Mär 2007 11:05:05 Tag 76: Cesme steht für Brunnen (23.01.2006) 0 km
Cesme heißt übersetzt „Brunnen“ und Wasser gibt’s in Cesme reichlich. In und um die Stadt herum sprudeln Quellen, warme, kalte und selbst schwefelhaltige. Einige Quellen sprudeln im Meer und man soll ihre Wärme beim schwimmen spüren können. Die Stadt, das bemerkt man schon bei der Einfahrt in Cesme, hat einen gehobenen Standart. Schon die Villen sind nobel. Hier trifft sich in den Sommermonaten die türkische Schickeria. Die Touristenmeile mit all ihren Shops lädt zum Bummeln ein, unterscheidet sich jedoch nicht von anderen Einkaufsstraßen in typischen Touristenhochburgen. Der Hafen wird zurzeit neu angelegt, jedenfalls die nördliche Seite. Wir stehen auf der südlichen und hier ist alles sehr gepflegt. Über uns thront die gut restaurierte Burganlage Cesme aus dem 14th. Jahrhundert. Wir besteigen die vielen Stufen, zahlen TL 6,00 Eintritt und dürfen die Anlage besichtigen. Die Befestigungsmauer kann man umlaufen und den Blick über die Stadt dabei genießen. Im Hafen sehen wir die Fähren, in deren große, offene Luken gerade Lastwagen einrollen, die den kurzen Wasserweg nach Griechenland oder Italien gewählt haben. Auch nach Deutschland soll man von hier aus kommen. Natürlich sieht man auch auf die griechische Insel Chios. Bei dieser unmittelbaren Nähe griechischer Gestade zum türkischen Festland und das nicht nur von dieser einen Insel sondern auch der von Rhodos, Samos, Lesbos und Zypern, nicht zu vergessen, kann man vielleicht etwas von der Bedrohung die, die Türken empfinden nachvollziehen. Und dann sind da ja noch die unzähligen Inselchen der Sporaden. Alles Griechisch. Haben die Türken hingegen doch nur die Insel Gökceada, unmittelbar westlich vor den Dardanellen in ihrer Zugehörigkeit. Zypern ist bekanntlich zweigeteilt und man streitet sich über die Rechte an dieser Insel. Zurück nach Cesme. Am Hafen befinden sich noch einige Relikte aus mittelalterlicher Zeit. Alte Kanonenrohre zum Beispiel. Imponierend sind die beiden Bronzestatuen, eine mit Löwen. Der Besuch lohnt sich, die Stadt hat etwas. Wir bummeln noch lange durch die Gassen der Altstadt und atmen das Flair der Brunnenstadt ein. Ein Touristeninformationszentrum befindet sich direkt bei den beiden Statuen. „Sinnvollerweise“ hat es an Wochenenden geschlossen. Wir legen heute einen Ruhetag ein, wir gönnen den strapazierten Gummireifen und uns eine Pause. Der Wind bläst von Süden, es ist bedeckt. Wir hören den Wind in den Rahen der Yachten singen.
Die Menschen in der Türkei …
Viel haben wir gehört, viel gelesen, über die Türken und darüber sich mit einem doch eher unbescheidenen Reisemobil in ein solch armes Land zu begeben. Warnungen wurden laut! Nach nun fast der ersten Woche Türkeireise, haben wir nur positive Erfahrungen gemacht. Die Menschen denen wir begegneten waren allesamt an uns interessiert und wissbegierig, aber eben auch freundlich und gar gastfreundlich. Wir fühlen uns sicher in der Türkei, soweit jedenfalls, denn das Land ist groß und in Gebieten unterschiedlich. Mögen sich unsere freudigen Erlebnisse mit den Menschen hier fortsetzen. Tessekür ederim Türkei!
Autofahren in der Türkei ein Abenteuer?
Das hatte uns die meisten Kopfschmerzen bereitet. Der deutsche Kasko- oder Vollkasko-Schutz gilt jenseits des Bosporus oder der Dardanellen nicht mehr. Wir befinden uns in Asien, gleich wenn alles sehr viel europäischer anmutet. Auch die Haftpflichtversicherung ist auf diesem Boden außer Kraft gesetzt. Wir fahren ohne Versicherungsschutz, wenn man es genau nimmt. Alles unser Risiko und da zweifelt man dann schon, nach den vielen Berichten über die Fahrweise der Türken und deren Fortbewegungsmittel ohne TÜV-Gütesiegel, wie es die meisten, oder besser alle Reiseführer verheißen, die wir in unserer Hotel Bibliothek stapeln. Unsere Erfahrungen bis heute, einschließlich der Molochquerung Izmir stellen sich ganz anders dar. Wir empfinden die Türken nicht als aggressive, rabiate, impulsive, rasende und Rostlauben fahrende Verkehrsteilnehmer. Das Gegenteil ist der Fall. Wir bemerken Freundlichkeit, Kooperation und Vorsicht im Straßenverkehr. Die Hupen sind nicht auf Dauerbeschallung geschaltet, wie in Italien, nächtliche Verkehrsraudis mit ihren frisierten „Rasenmähern“ die, die Nacht zum Tag machen, haben uns hier noch nicht den Schlaf geraubt. Es geht wirklich per Handzeichen und immer freundlich zu. Die Autos hier hält nicht der Rost zusammen. Wir sehen viele neue und gepflegte Wagen auf den Straßen. Natürlich zieht hier und da ein Esel seine Karre auch über Bundesstraßen, aber was wäre, wenn wir die auch noch, wie so vieles orientalisches von früher, vermissen müssten. Winkt man jemanden vorbei, wird mit einen kurzen Hupton gedankt, oder eben gewinkt. Das mag nicht für die gesamte Türkei gelten und wir werden darüber weiter berichten. Jedoch sind wir soweit eher angenehm überrascht.
Tag 77: Eines der sieben Weltwunder und das Haus der Mutter Gottes (24.01.2006) 213 km
Eines vorweg, diesen Tag empfanden wir beide als absoluten Höhepunkt. Zufrieden lehnen wir uns in unserem Hotel am Abend zurück. Ganz früh morgens, 8:30 Uhr schweben wir auf samtigem Asphalt, der Autobahn 32, zurück, gen Osten, bis kurz vor Izmir. (Maut TL 1,50) Hier umfahren wir den Moloch und biegen ab, auf die Autobahn Richtung Süden, folgen der Beschilderung nach „Kusadasi“. Früh erreichen wir dann unsere heutigen Ziele und das sind einige. In und um Efes, früher Ephesus (Ephesos), stehen auf dem Programm: Erstens, die antike Stätten von Ephesus, zweitens das Wohnhaus Marias, der Mutter Jesus Christus, drittens eines der sieben Weltwunder, oder was davon übrig blieb, der Tempel der Artemis und viertens die Kirche und Begräbnisstätte des Apostel Johannes. Gegen 11:00 Uhr stehen wir auch schon auf dem großen Parkplatz und können erstmals einen Blick davon erhaschen, welche wunderbare und beeindruckende Erlebnisreise durch die Antike wir gleich vollziehen dürfen. Wir stehen am unteren Eingang zur antiken Stadt und müssten von hier, die Wege „erklimmen“. Es wird uns aber empfohlen von oben her den Weg nach unten zu wandern, das sei einfacher. Das hört sich gut an und ein netter, älterer Herr, dem wir versprechen dafür die Goldschmiede in Efes zu besuchen (… tun wir auch später!), fährt uns zum oberen Geländeeingang. Was wir dann sehen verschlägt uns schnell den Atem. Wir besuchten bisher viele antike Stätten auf unserer Reise. Da waren Olympia, Mystras, Athen und Korinthos, nur um die Bedeutendsten zu nennen. Was wir aber nun erblicken ist monumentaler in jeglicher Hinsicht. Das antike Ephesus wartet mit den Grundmauern, Fassadenresten, Grabstellen, Boulevards und Theater einer ganzen Großstadt auf uns. Und dabei sagt der Führer, es seien erst rund ein Viertel dessen ausgegraben, was man noch in der Erde vermutet. Wir sind beeindruckt, berauschen uns an dem, was 2000 Jahre alte Geschichte uns noch so gut erhalten hinterlassen hat, auf unserem zwei Kilometer Wegen durch die Antike. Die sehr gut erhaltene und restaurierte Celsusbibliothek für sich ist schon atemberaubend. Dann die Kuretenstraße, die Arkadiane, der einstige Prachtboulevard, der damals 200.000 Einwohner zählenden Stadt und der des Nachts beleuchtet war. Der Bogen des Hadrian Tempels mit filigranen Ornamenten in Marmor, besticht durch seine Details. Es müssen hunderttausende von Steinen, Säulen, Bögen und Kammern sein, die dieses Gelände uns anbietet. Die Menge alleine lässt einen immer wieder erstaunen. Es ist ein Paradies für jeden, der Antike wirklich erleben will, der die Bedeutung Schritt für Schritt erkunden und ein Gefühl über die Dimension und Schönheit dieser alten Stadt, visualisieren möchte. Was für eine Pracht wurde hier einst errichtet. Wir können hier gar nicht auf die Details eingehen und empfehlen dringend den Besuch der Anlage und den Erwerb eines deutschsprachigen, recht ausführlichen Büchleins mit Bebilderungen für nur TL 5,00. Touristenführer verlangen € 30,00, machen die Runde aber nach einigen Verhandlungen auch für € 10,00, je nach Besucherandrang. Wir durchlaufen heute, im türkischen Winter, die Anlage fast alleine. Nur zwei Gruppen befinden sich auf dem Gelände, von denen wir aber weit entfernt, 85 Fotos schießen. Schon der Besuch dieser Anlage, ist ein absoluter Höhepunkt, an diesem Tag.
Lebte hier Maria nach der Kreuzigung Jesus-Christus?
Es geht es weiter, vom unteren Eingang der antiken Lage, nun mit eigenem Camper, wieder hinauf zum oberen Eingang. Den lassen wir rechts von uns liegen und folgen für weitere sechs Kilometer der Straße, die uns hoch in die Berge führt und uns fantastische Panoramen hinunter auf das Örtchen Selcuk und Efes beschert. Es geht durch einige Kurven mit Kiefernwäldchen. Es gibt hier keine Höhenangaben, aber wir schätzen, dass wir uns rund 500 Meter über dem Meeresspiegel befinden. Auch hier erwartet uns ein großer Parkplatz. Kaum jemand ist heute hier oben. Wir zahlen TL 33,00 für den Camper und an Eintritt, was eigentlich unverschämt viel ist. Wer aber das Haus der Mutter Gottes sehen will, wird das auch bezahlen, vermuten die Betreiber der Anlage, die Stadt Efes und haben mit dieser Auslegung wohl recht. Hierher, auf diesen einsamen Berg, brachte sie einst der Apostel Johannes, nachdem beide Jerusalem verlassen mussten, weil es für sie viel zu gefährlich wurde. Jesus war gekreuzigt worden und vertraute Maria, Johannes, seinem Jünger, an. Maria floh zunächst in die Wüste. Johannes nahm sie dann später mit nach Ephesus. Es musste nach Blut gerochen haben in der heiligen, so unruhigen Stadt, nach der Kreuzigung von Jesus. Offenbar wussten nur wenige vom Verbleib der Mutter Gottes in diesem Hause auf dem Berge Panaya Kapulu. Die es wussten waren die Jünger, Johannes, der 10 Kilometer entfernt in Ephesus den Glauben verbreitete, Paulus, der auch in der Stadt gewesen sein soll und wohl auch Lukas, der dort teilweise weilte. Es mag verständlich erscheinen, dass man Maria offenbar geheim und versteckt hielt, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Und nun stehen wir hier, am Rand der Bergkuppe mit den zahlreichen Bäumen, kleinen Hängen und Gärtchen, dem perfekten Versteck. Vor uns ein bescheidenes Kirchlein, gebaut auf dem Platz der Ruinen des Hauses der Maria, der Mutter Jesus-Christus. Wir betreten andachtsvoll den schmalen Eingang und befinden uns auch schon im Inneren. Ein paar Frauen beten hier. Die kleinen Wunschkerzen schwängern den Raum mit Rauch, es ist dunkel darin. Ein kleiner bescheidener Altar, ein paar alte Holzstühle, ein Kreuz, eine Andenkentafel und ein paar Motivbildchen vermitteln mehr Stille, Demut, Andacht und Glauben, als ein Dom dies je zu vermitteln vermag. Es ist ein denkwürdiges Gefühl, dieser Ort bestimmt macht es aus, vielleicht auch die Millionen von Gebeten die hier gesprochen, vielleicht auch nur gedacht und gen Himmel geschickt wurden. Sie machen ihn zudem, was man empfindet. So ganz anders ist dieser Ort, als wie die Geburtsgrotte von Jesus in Jerusalem, auf dem eine Kirche gebaut ist, mit aller Pracht, Gold, Silber, Ölgemälden und riesigen orthodoxen Leuchtern, die Stelle zu würdigen. Hier fühlt man Ruhe, Besinnlichkeit, Einsamkeit, Bescheidenheit und ein besonderes Erleben. Wir verweilen ein paar Minuten, gehen dann zu der Quelle, aus der sich einst Maria labte. An Metallgittern hängen Tausende von Papierbriefchen, mit Wünschen, Danksagungen und Gebeten. Brigitte und ich sind nicht gläubig im kirchlichem Sinne, gleichwohl wir einen Glauben, oder besser, jeder seinen eigenen hat. Und trotzdem sind wir tief ergriffen, als wir schweigend den Ort verlassen.
Theorien, Beweise und Wahrsagungen über den Verbleib und Tot der Gottesmutter:
Es gibt seit Jahrhunderten zwei Theorien, über den Verbleib Marias nach dem Tot ihres Sohnes Jesus. Eine ist die „dormitio Hierosoymitana“, die den Tot Marias in Jerusalem vermutet. Die zweite, die „dormitio Ephosiana“, spricht vom Tot der Gottesmutter in Ephesus. Sie soll im Hause des Johannes, oder aber in ihrem Häuslein, oben auf dem Berg, verstorben sein. Die Kirche selbst, veröffentlichte folgendes: „Der heilige Johannes hat die ihm anvertraute Aufgabe meisterhaft durchgeführt, als er sich mit Maria nach Ephesus begab!“ Sehr interessant erscheinen auch die Umstände des Auffindens des Hauses überhaupt. Die deutsche Nonne Anna Katharina Emmerich (1774-1824) war eine Analphabetin aus armen Elternhause, hat hiermit zu tun. Sie soll nie in eine Schule gegangen sein, und ihren Geburtsort nie verlassen haben. War offensichtlich mit der Gabe des „Sehens“ beschenkt, aber auch mit der Stigmatisierung im Leben bestraft, die 1813 erstmals einsetzte. An einem Ostertag hatte sie im Fieberwahn die Marienvisionen. Sie beschrieb die Umstände, wie Maria in Ephesus lebte, nachdem ihr Sohn gekreuzigt worden war. Sie skizzierte eine Landschaft und deren Panoramen bis hin zum Ägäische Meer. Sprach von einem Berg und Lage des Marien-Wohnortes. Sogar noch weiter „sah“ sie, das Grab der Maria, nur 500 Meter von diesem Hause entfernt. Anna Katharina Emmerich nannte den Ort Ephesus. Im Jahre 1892 startete eine Delegation in die Gegend, um der Nonne Weissagungen zu untersuchen. Nicht einmal einen Weg fanden sie hier, in der einsamen Wildnis. Zunächst! Sie untersuchten den mit Dornengestrüpp zugewachsenen Berg Zentimeter für Zentimeter. Am dritten Tage des Suchens entdeckten sie dann die Reste des Hauses. Sie fanden gar noch Asche, die, die Jungfrau Maria in ihrer Feuerstelle geschürt haben soll. Das Mariengrab hingegen, wurde bis zum heutigem Tage nicht gefunden, gleichwohl es den Visionen nach, nur 500 Meter vom Haus entfernt liegen soll. Kein geringerer, als Clemens von Brentano schrieb später die Visionen der Stigmatisierten auf und veröffentlichte diese in einem Buch. Über den Verbleib von Josef, dem Mann Marias, gibt es leider keine Aufzeichnungen.
Es geht zurück nach Efes und unseren beiden letzten Erlebnissen für diesen Tag. Vom einstigen Weltwunder, dem Artemis Tempel steht nur symbolisch noch eine einzige Säule. Nur 200 Jahre nach dem Erbau soll ein Irrer die Anlage angesteckt haben. Nichts blieb übrig, außer ein paar Steinen. Ganz anders das Grab des Apostel Johannes auf dem Ayasoluk Hügel. Die Johanneskirche wurde über seinem Grab errichtet. Sie zählte einst neben der mächtigen Istanbuler Hagia Sophia zu einer der größten byzantinischen Kirchen.
Nun stehen wir auf einem wenig attraktiven Parkplatz in Kusadasi. Es regnet in Strömen, während ich diese Zeilen schreibe. Brigitte liest den soeben erworbenen Koran, um zu verstehen, warum, Jesus auch für die Islamiten ein Prophet war und warum auch sie die Mutter Gottes verehren. Wie wenig wir doch wissen, erstaunlich! Irgendwie hat für uns westlichen Europäer der Name „Koran“ einen bitteren oder üblen Beigeschmack. Gelesen haben ihn wohl die wenigsten, wir bisher auch nicht. Ich bin auf seine Inhalte nun wirklich auch gespannt.
Ein erlebnisreicher und ergreifender Tag war dies für uns beide, ein echtes Geschenk, auf dieser Reise.
Kusadasi ist ein bei den Türken ein recht beliebter Sommerbadeort. Allerdings nicht besonderes anschaulich, außer vielleicht der Strandboulevard und der Hafen mit den unzähligen Segelschiffen. Wir durchstreifen den Bereich um den Hafen und entscheiden uns für die Weiterfahrt am nächsten Tag, zuviel Hektik herrscht hier.
Tag 78: Die weiße Stadt am Meer, Bodrum (25.01.2006) 162 km
Die Fahrt nach Bodrum ist eher eintönig. Nur der Bafa-See, mit seinen gewaltigen und bizarren Gebirgsformationen bietet optische Abwechselung und kurz vor Bodrum sehen wir einen See mit Pelikanen und hunderten von Flamingos. Am frühen Vormittag rollen wir in Bodrum ein und von den Bergen kommend, sehen wir sie vor uns liegen. Strahlend weiß, im Licht der Sonne. Tausende von Schiffen ankern hier im Hafen und selbst zu dieser Jahreszeit, herrscht Hochbetrieb. Wie mag es erst im Sommer in Bodrum zugehen? Einen perfekten Hotelparkplatz finden wir nicht und nehmen auf einem Bezahlparkplatz Raum ein, allerdings ohne jeglichen Komfort und Ausblick. Dann erkunden wir die Stadt. Über dem Hafen thront eine Burganlage des Johanniterordens. Hier befindet sich auch das einzige unterwasserarchäologische Museum der Türkei. Funde aus der Unterwasserwelt der Ägäis, von havarierten Schiffen, werden hier gezeigt. Sie datieren aus dem 13. bis 14. Jhr.v.Chr. Von einem der sieben Weltwunder, das hier gestanden hat, das Mausoleum des Königs Mausolos, ist keine Spur mehr übrig. Ein Erdbeben zerstörte die gewaltige Anlage und danach diente sie nur noch als Steinbruch.
Die Stadt hat touristischen Flair und alles um den Hafen herum ist fein und säuberlich angelegt. Was stört ist der immense Autoverkehr zwischen dem Kai, Park, Restaurants und Shops. Dieser nimmt dem Erlebnis Bodrum die ersehnte Ruhe und irgendwie auch den Genuss.
Auf dem Weg nach Bodrum hätten wir noch Gelegenheit gehabt die antiken Stätten Priene, Millet und Didyma anzuschauen. Sie lagen nah auf unserem Weg. Aber nach dem gestrigen Tage, wollen wir auf Antike für ein paar Tage verzichten. Wahrscheinlich ist Ephesus auch sowieso nicht mehr zu überbieten.
Gegen Abend ziehen dicke, schwarze Wolken auf und wir ziehen uns in unser Hotel zurück. Es gibt eine ganze Menge zu lesen, zu diskutieren und an der weiteren Route zu planen. Wo werden wir morgen stehen?
Gast am 26 Mär 2007 11:11:32 Tag 79: Zur Ägäischen Mittelmeerküste (26.01.2006) 201 km
Viel hätten wir heute noch unternehmen können, auf unserem Weg von Bodrum nach Dalyan am Köycegiz-See, dem so ganz anderen Gewässer. Marmaris, an der Gökova Bucht, Datga, Knidos, alles auf der langen Halbinsel, mit Blick auf die griechische Insel Kos und südlich der Bodrum Halbinsel gelegen. Rhodos ist von hier auch nicht mehr weit. Wir aber haben nun einige der wichtigen Urlaubsorte der Türkei gesehen. Sie ähneln sich mit ihren Yachthäfen, den Boulevards, den Geschäften und der obligatorischen Burganlage auf dem Berg. Für uns und jetzt alles einfach zuviel Trubel. Uns sehnt es nach Natur und Ruhe. So fällt die Entscheidung leicht, unser Ziel lautet das Örtchen Dalyan, an einem ganz besonderen See. Hier finden wir die ersehnte Ruhe und Natur.
Wir rollen die Halbinsel zurück und müssen die Bergstrecke nach Yatagan und Mugla nehmen. Dann rollen wir ein Stück die Bunderstrasse 400, verlassen diese aber vor Marmaris und zweigen auf die 400 ab, um zum Köycegiz-See zu gelangen. Um 13 Uhr stehen wir am Kanal von Dalyan, der den See vom Meer trennt. Dalyan heißt Fischernetze und der Ort ist ruhig, bescheiden und beschaulich. Zumindest zu dieser Zeit. Die vielen Ausflugsboote lassen jedoch erahnen, welcher Hochbetrieb hier im Sommer herrschen muss. Mit einem „Kapitän“ werden wir uns bald einig, über die Anmietung eines ganzen Kahns, auf dem sicherlich 30 Personen Platz hätten. Er verlangt TL 115,00, wir bieten TL 70 an und er freut sich uns dennoch übers Ohr gehauen zu haben. Schnell wird noch gegessen, dann packen wir uns für den drei Stunden Trip zu Wasser richtig warm ein. 30 Minuten später holt er uns auch schon ab und geleitet uns zu seinem Boot. Das springt natürlich nicht an und wir dürfen wieder aussteigen. Die Bootsfahrt wird auch morgen verschoben. Daylan wird ausgiebig erkundet und wir bleiben die Nacht hier in dem Örtchen direkt am Kanal vor den vielen Ausflugsbooten. Auf morgen sind wir gespannt, vor allem darauf, ob er den alten Kahn auch wirklich zum laufen bringt.
Drei originelle, türkische Erfindungen. …
Erfindung Nr. 1, die Ägäische Autodusche: In vielen Orten finden wir sie, die Autodusche und sie funktioniert so. In ca. 3 Metern Höhe ist ein großes Wasserrohr angebracht. Man kann mit seinem Wagen darunter fahren und per Seil die Dusche in Gang setzen. Aus dem Rohr schießt dann ein ordentlicher Schwall Wasser und kühlt so die Karosserie ab. Das soll die Klimaanlage ersparen.
Erfindung Nr. 2, die Sekundenampel: Diese finden wir wirklich sinnvoll. Ob Rot- oder Grünphase, die verbleibende Zeit wird in Sekunden angezeigt. So geht es viel zügiger über die Kreuzung.
Erfindung Nr. 3, der Raser-Schreck: Ob er wirkt ist jedoch höchst fraglich. Keine Frage, die Türken haben einen gehörigen Respekt vor Obrigkeit und ganz besonders der Polizei. Wo immer ein Polizeiwagen auftaucht, wird sogleich mehr als vorbildlich gefahren. Das kennen wir ja auch von deutschen Autobahnen, wo ein Polizeiwagen eher als Stauauslöser betrachtet werden kann, weil hinter ihm alle abbremsen und sich schön einreihen. Der türkische Raser-Schreck funktioniert wie folgt: Gut sichtbar am Straßenrand, meist Parkplätzen, steht eine Fahrzeugattrappe. Von weitem sieht sie aus wie die Breitseite eines echten Polizeiwagens. In Wirklichkeit ist diese beidseitige Attrappe aber nur 20 cm breit, hat dafür aber echte Gummireifen und Felgen.
Tag 80: Köycegiz-See, der Kanal zum Meer und die Schildkröten (27.01.2006) 7 km, zu Wasser mit dem Boot.
Um 10 Uhr, wie vereinbart, holt uns unser „Kapitän“ am Reisemobil ab. Der alte Diesel schüttelt sich beim anlassen, Rauchschwaden steigen auf und hart klopfend tuckert der Motor los. Wir sind fertig zum Ablegen. Hoffentlich schafft er auch die Rückfahrt, denken wir. Es geht zunächst vom Kanal Richtung Westen zum Mittelmeer. Hoch oben in den Steilwänden der Berge kann man die in Stein gehauenen Tempelfassaden, die als Eingang zu Gräbern dienten, gut ausmachen. Es sind rund 20 Stück, mit Säulen und Altären versehen. 400 v.Chr. sollen sie entstanden sein, diese Begräbnisstätten von Caunos, einem antiken Ort, der nur 500 Meter entfernt liegt und von dem noch Ruinen zeugen. Weiter geht es im Fahrwasser des Kanals, dessen Ufer mit Bambus bewachsen ist. Die Flut drückt heute morgen in den See und die Fischer nutzen die Gezeiten für den Fischfang. Ihre Netze aus Metall und Gittern sind fest im Kanal verankert, es gibt nur eine kleine Schleuse für die Besucherboote. Die Flut drückt die Fische in den See und bei einsetzender Ebbe würde es die Fische wieder ins Meer ziehen, wenn sie sich nicht in den Maschen verfangen würden. Die Fangquote soll, in diesen fischreichen Gewässern, recht hoch sein. Die Wasserebene zu beiden Seiten ist ein Vogelparadies, wir sehen Störche und Ibise. Dann landen wir auf der 1000 Meter langen Sandbank an, auf der die Schildkröten im Sommer ihre Eier ablegen. Gegenüber können wir die griechische Insel Rhodos ausmachen.
130 Kilogramm werden die Weibchen schwer, die Caretta Caretta, so der Name der Riesenschildkröten, die am Strand von Irtuzu, zur Zeit der Eiablage, diese hier im heißen Sand verbuddeln. Vier mal pro Saison kommt dies vor. Bis zu 100 Eier legt ein Weibchen, nachdem sie eine Mulde geschaufelt hat, in dieser ab und bedeckt sie sorgsam wieder mit Sand. Dann schleppt sie sich behäbig wieder ins Meer. Von nun an lauern gefahren für die im warmen Sand ausbrütenden Eier. Raubtiere auf Beutesuche, die, die Eier allzu gerne ausschlürfen. Erst einmal geschlüpft, warten Raubvögel auf sie. Dann noch die sengende Sonne die sie austrocknen könnte, bevor sie die Fluten erreichen. Im Meer lauern größere Fische, die sich über die „Delikatesse“ hermachen. Am schlimmsten jedoch der Mensch, der aus lauter Neugier die Eiablage stört, die Wanderung der Jungen zum Meer durch Taschenlampen und Lagerfeuer irritiert und auch sonst in den natürlichen Ablauf eingreift. Kein Wunder, das daher nur wenige dieser seltenen Tiere das biblische Alter von 300 und Mehr Jahren erreichen. Der Mensch darf sie nun nicht mehr dezimieren, denn der Strand ist nun erklärtes Naturschutz und von 18:00 Uhr bis 9:00 Uhr darf dort niemand mehr hin, außer den Wächtern der Schildkröten, die darauf achten, dass, das Verbot auch eingehalten wird. So hat die Caretta Caretta vielleicht eine Chance zu überleben. Wünschen wir es ihr sehr.
Zurück geht es den gleichen Schiffsweg, dann an Dalyan vorbei zu den heißen Quellen, dem Schwefel- und Schlammbad. Hier kann man bei Temperaturen um die 30-40 Grad ein Bad nehmen. Es heißt, wer in diesem Schlamm, der mittels heiß aufsteigender Quellen diese Wärme erreicht, gebadet hat, soll sich 10 Jahre jünger fühlen. Nun, das tun wir sowieso und verzichten auf den Genuss, denn der Wind ist noch recht kühl und irgendwie müsste der Schlamm dann ja auch wieder von unseren Körpern runter. Das geht dann nur durch ein Eintauchen im 15 Grad kalten Flusswasser. Nein, das muss heute nicht sein und wir bedanken uns, lachen und freuen aber über das Angebot zur Verjüngungskur. Auf dem Rückweg sehen wir noch drei riesige Flussschildkröten auftauchen. Sie holen einmal kurz Luft und können dann wieder bis zu 15 Stunden unter Wasser, am liebsten in der Nähe der warmen Quellen, verweilen. Die Flussschildkröten werden bis zu 150 kg schwer, ihr Schild kann über 130 cm lang und ein Meter breit werden. Sie sollen bis zu 450 Jahre alt werden können, erzählt uns unser Kapitän.
Drei Stunden währte dieser Bootsausflug und was haben wir alles gesehen. Die Natur um Dalyan ist phänomenal. In der Ferne sieht man die schneebedeckten Gebirge. Dort oben gibt es sogar Skiressorts. Dann der große Süßwassersee, das Mittelmeer. Das rötliche Sandsteingebire, der Strand, die Flora und Fauna. Daylan ist ein kleines Paradies auf Erden und sehr zu empfehlen.
Tag 81: Ein Tag am Strand von Katranchi, vor Fethiye (28.01.2006) 53 km
Heute ist Markttag in Dalyan und wir schaffen es gerade noch so den Parkplatz am Kanal zu räumen, bevor wir völlig zugeparkt sind. Zügig geht es auf die Bundesstraße 400 Richtung Fethije. Dabei müssen wir zwei kleine Pässe, 400 und 500 Meter, überwinden. Plötzlich tut sich vor uns ein gewaltiges Naturspektakel auf. Wir blicken über das Meer, viele, kleine Inseln und entdecken tatsächlich eine Bucht, zu der auch noch eine geteerte Straße führt. Schnell sind wir uns einig, da wollen wir hin. Unten angekommen stehen wir vor einer Schranke und ein netter Türke tritt zu uns heran. Es ist der Inhaber des Campingplatzes Katranci. Niemand außer uns ist hier, an diesem Sonnabend. Wir einigen uns auf TL 10 für den Tag und die Nacht und haben eine ganze Bucht für uns alleine. Der Platz ist ziemlich herunter gekommen, wo er doch an einem absoluten Paradies liegt. Das Städtchen Fethije ist nur 15 Kilometer entfernt. Antalya rund 200 km. Diesen Platz würden wir gerne kaufen und daraus eine Perle von Campingplatz machen. Ob er wohl zu verkaufen ist? Man kann ja mal fragen. So fasse ich den Tag heute kurz, denn ich habe noch einiges vor. Prawns versenken ist einmal wieder angesagt. So geht es mit der Angelroute erst einmal an die Beach. Damit wir das Thema angeln abharken können, nehme ich das Ende des Tages und der Nacht vorweg. Kein Fisch hat angebissen, dabei war eine wunder schöne Tintenfischtentakel als Köder am Haken. Die Investition in die Angel hat sich soweit jedenfalls nicht amortisiert.
Wir schaffen noch einiges an diesem Tag. Der Camper wird innen geputzt und außen gewaschen. Er erstrahlt wieder in dem weiß, wie bei unserer Abfahrt. Der Campingplatzbetreiber hat zwei junge Leute zum dolmetschen kommen lassen. Um es kurz zu machen, einen solchen Platz am Meer mit Strand und alten Baumbestand kann man nur für eine zeitlich begrenzte Lizenz bekommen. In anderen Worten, vom Staat pachten. Die Nutzung wird von der Nationalparkbehörde streng kontrolliert. Betonbauten sind nicht mehr zulässig. Wer ein Geschäft in der Türkei als Deutscher betreiben will, muss dazu einen türkischen Partner beteiligen, sonst geht auch das nicht. Allerdings kann man Grundbuch gesichert Land, Häuser und Wohnungen erwerben.
Abends sitze ich noch mit Kemal in seiner kleinen Behausung. Der Ofen ist an, es riecht stark nach verbranntem Holz. Wir trinken zwei Bier und schauen Nachrichten. Ich kann ja nichts verstehen, aber die Bilder sprechen für sich. Die Hauptmeldung lautete wie folgt: 15 Grad Minus in Ankara, Schneeblizzards und nichts geht mehr. Istanbul versinkt im Schnee, Verkehr bricht zusammen. Frankreich reagiert mit Autofahrverboten auf den immensen Schneefall. Da haben wir es bei 12-15 Grad Tagestemperaturen noch gut. Aber des Nachts fällt das Thermometer auf frostige 4 Grad plus. So verging der Tag am Strand recht schnell. Gegen 21 Uhr begeben wir uns in die Kojen, auch wenn morgen mein 54ster Geburtstag ist. In der Nacht bimmelt das Telefon und SMS kommen herein. Die müssen bis zum Morgen warten, zu schön warm ist es in den Federn.
Tag 82: Fethije und das „Tote Meer“ von Ölüdeniz (29.01.2006) 42 km
Was für eine Wohltat. Die erste Nacht in der Türkei in der uns nicht der Muezzin gegen 5 Uhr morgens um den Schlaf brachte. Ich stehe gegen 8:00 Uhr erholt auf und habe allen Grund mich zu freuen. Brigitte hat in der Nacht unser Reisemobil mit Glückwunschzettel und Herzchen aus Papier geschmückt. Als ich im Bad fertig bin, steht ein kleiner Geburtstagskuchen mit einer Kerze in der Mitte auf dem Tisch und ich bekomme ein Ständchen dargeboten. Wieder ein Jahr älter, ach was soll’s?!
Einen interessanten Glückwunschtext erhalte ich per SMS: „Träume nicht Dein Leben – lebe Deine Träume!“ Wie wahr – und genau das werden wir tun!
Die Landschaft gewinnt zunehmend an Attraktivität. Mit Fethije erreichen wir die viel gepriesene Lykische Küste, deren Landschaften auf vielen Fotokalendern und Reiseführern die Titelseiten zieren (ADAC, Südküste, Foto vom Strand von Ölüdeniz). Schon recht früh durchfahren wir an diesem wunderschönen Sonntagmorgen mit 17 Grad und strahlend, blauem Himmel Fethje, die 55.000 Einwohner Stadt. Verkehr ist kaum welcher unterwegs und schnell erreichen wir den Hafen mit den Resten des antiken Amphitheaters. Hunderte von Segelschiffen liegen hier vor Anker, in dieser schönen Bucht, umrahmt von 2000 Meter hohen Gebirgen, deren Gipfel im Schnee liegen. Fethije wurde 1957 von einem Erdbeben zerstört und hat leider nach dem Wiederaufbau meist nur Imitate alter Erkerhäuser anzubieten. Der Hafen besticht mit Palmenalleen und Boulevards, die Stadt selbst spricht uns nicht an. Wir entdecken noch einen der alten Schiffkielsarkophage, überirdisch, freistehende, in Stein gemeißelte Begräbnisstätten, aus Lykischer Zeit. Im Hafen klinken wir uns in das Wireless-Lan-Netz des Hafenbetreibers ein und können so noch unsere E-Mails schreiben und die neuesten Texte in die „Heimat“ absetzen. Dann ziehen wir weiter, trotz attraktiven Stellplatzangebotes am Ende der Bucht. In den Bergen Fethijes liegt noch eine Felsnekropole, wie wir sie schon aus Dalyan kennen. Der Apostel Paulus, dem wir in diesen südlichen Gefilden zwischen der Insel Kreta, dem Ägäisstädtchen Kavala und auch in Efes begegnet sind, ist auch hier in Fethije allgegenwärtig. Er war auch hier um das Evangelium zu verkünden und um Fethije herum soll eine der größten Christengemeinden entstanden sein. Wir durchrollen die Stadt nochmals und lenken unser Hotel Richtung Ölüdeniz, der den schönsten Strand der Türkei bieten soll und der berühmten Bucht mit dem türkischen „Toten Meer“. Entlang der Bucht steuern wir mangels Zugang zu einem guten Stellplatz einen Campingplatz an, die sich hier aneinanderreihen. Schon von weitem winkt der Betreiber. Wir stellen die Frage nach dem Preis, er will TL 15, wir bieten TL 10 und sind uns einig. Das Hotel steht Breiseite am Traumstrand mit Blick über die Bucht und das „Tote Meer“. Völlig alleine stehen wir hier und freuen uns auf einen ruhigen Tag. Letzteres wird dann allerdings zur Fehlanzeige, denn nur eine Stunde später sind wir völlig zugeparkt und rund 30 türkische Großfamilien breiten ihre Picknicks vor uns aus. Überall lodern kleine Feuer, es riecht nach verbranntem Holz. Kinder balgen sich am Strand, Hunde bellen und Fußbälle fliegen. Schade! Wir vertrösten uns auf den Abend, dann haben wir den Strand und die Bucht für uns alleine. Gerne wären wir um die Bucht gewandert. Leider hat hier jeder Campingplatzbesitzer sein Gebiet völlig eingezäunt und so ist es unmöglich, diese Schönheit zu umwandern. Dennoch ist es ein schöner Tag, denn türkische Familien sind umso vieles leiser und zurückhaltender als italienische, die wir dieses Jahr bei unserer Italienumrundung erleben durften. Die Phonzahl erreicht nicht einmal ein Viertel dessen, im Vergleich zu Italien. Wir lassen den Tag langsam ausklingen und planen den morgigen. Beinahe hätte ich vergessen es nieder zu schreiben. Brigitte serviert mir mein Geburtstagsdinner. Drei Gänge gibt es: Als Vorspeise panierte und dann angebratene Gemüsestückchen. Gefolgt von Tintenfisch in Olivenöl mit Zitrone und als Krönung des Abends Riesengarnelen-Pfanne mit Kräutern und typisch türkisch diesmal mit Joghurt. Welch ein Gaumenschmaus.
Die wunderschöne Belcegiz, der Sohn des Kapitäns und das „Tote Meer“
Die Geschichte berichtet über die Entstehung der Namen der Strände und warum das Meer hier ein „Totes Meer“ ist. Auf der dem Meer zugewandten Seite befindet sich der Traumstrand, benannt nach dem gleichnamigen, hübschen, lykischen Mädchen Belcegiz. In der Zeit in der sich die Geschichte zutrug, ankerten große Schiffe draußen vor der Bucht. Die Besatzungen gingen hier regelmäßig in kleineren Booten an Land, um Trinkwasser aus den zahlreich, den Gebirgen entspringenden Quellen zu holen. Die hübsche Belcegiz saß an einem solchen Tage am Strand, als der Sohn eines Kapitäns, sein Boot an Land steuerte. Augenblicklich verliebten die Beiden sich ineinander. Das Mädchen musste auf ihren Geliebten, Ölüdeniz, oft Monate warten, bis er zurück von hoher See kam. Der Vater des jungen Mannes hingegen war gegen diese Verbindung. Es war ein stürmischer Tag, als das Schiff wieder an dieser Bucht vorbei kam und der Sohn den Vater, zum Schutz vor der See bat, doch die rettende Bucht aufzusuchen. Der Vater sah hierin nur den Wunsch des Sohnes die hübsche Belcegiz aufzusuchen. Vor Wut und im Streit erschlug er den Sohn, was seine Geliebte, die doch auf ihn wartete, von den hohen Klippen mit ansehen musste. Aus Kummer sprang Belcegiz von der Klippe in den nassen Tot. Wo sie ihr Ende fand, benannte man den Strand nach ihr, nach Belcegiz, weil Beide von gleicher Schönheit und Anmut sind und waren. Der Ort, an dem der Geliebte starb, trägt heute seinen Namen, Ölüdeniz. Seit diesem Vorfall trägt das Meer dieser Bucht Trauer, es erscheint wie tot. Es liegt da wie ein Spiegel und keine Welle bricht das Bild des Himmels und der Wolken. Die Berge leuchten Blutrot, wenn die Sonne über dem See versinkt.
Gast am 26 Mär 2007 11:16:38 Die Frage der wir uns stellen müssen: Wie geht es nun weiter?
Die Antworten vom Auswärtigen Amt auf unsere Anfragen verheißen nichts Gutes.
Vor dem Iran wird ausdrücklich gewarnt.
Kriegsgefahr wegen Wiederaufnahme der Nuklearproduktion nicht ausgeschlossen.
Diesmal ist es nicht nur der amerikanische Präsident der droht, Europa mischt mit und damit geraten wir Deutschen auch ins Fadenkreuz der Islamisten. Ferner droht Entführungsgefahr schon im Grenzbereich!
Die Umfahrung über Georgien wird noch gefährlicher geschildert. Brutalste Gewaltverbrechen, mit Todesfolgen, gegen Touristen, am helllichten Tag und auf offener Straße, sind an der Tagesordnung. Nach der Entführung der deutschen Ärcheologin, sind nun zwei deutsche Ingenieure in der Gewalt von Rebellen im Irak. Gut, das ist im Irak so, ist es auch so im Iran? In Pakistan, nach dem schweren Erdbeben, herrscht Chaos.
Auch hier klärt das Auswärtige Amt über Entführungen auf. In der islamischen Welt, bei den Rebellen und Stammesfürsten spricht es sich herum, dass Deutschland kulant ist und offensichtlich gut zahlt. Das ist schnell verdientes, großes Geld, besonders in diesen Ländern, wo man mit schon € 10.000 ausgesorgt hat.
Vor verschiedenen Ländern Indiens und nun auch für Nepal wird ausdrücklich gewarnt. Mag sein das die deutschen Behörden übervorsichtig reagieren, müssen sie ja auch, aber wie hoch ist denn unsere Risikobereitschaft?
Auch sind wir nicht „vermummt“ am Reisen.
Unser knapp acht Meter langes, 3,50 Meter hohes und schneeweiß leuchtendes Hotel mit dem Dach voller Solartechnik fällt schon von weitem auf.
Es wird für Rebellen geradezu nach Geld riechen. Das alles war nicht so drastisch, als wir die Reise planten. Der Iran war noch relativ friedlich, das Erdbeben von Pakistan hatte noch nicht statt gefunden. Entführungen waren nicht an der Tagesordnung und Summen waren noch nicht geflossen. Wie also geht es weiter? Über Zypern nach Ägypten? Über Syrien? Alles keine wirklichen Alternativen. Wenn man auf die Landkarte schaut, sind wir tatsächlich umzingelt von nicht gerade freundlichen Staaten mit nicht zimperlichen Gefolgsleuten als Bürger darin. Wir diskutieren darüber. Wie geht es weiter? Denn irgendwie müssen wir uns bald entscheiden. Fragen wir unser Kinder ist die Sache klar: „Tut es nicht, es ist nicht Euere Gesundheit oder gar oder Leben wert!“ Die nächsten Tage werden Klarheit bringen, hoffentlich!
Und hier der Schriftverkehr, den unsere Freundin Gisela ... für uns erledigte:
Anfrage an das Auswärtige Amt
> Sehr geehrte Damen und Herren,
> Freunde von mir, Frau und Herr K. befinden sich auf einer
> längeren Asienreise. Sie sind gerade in der Westtürkei in der Nähe von
> Kudumasi und haben die Absicht mit Ihrem Wohnmobil über Indien nach
> Nepal zu fahren.
>
> Sie besorgten sich schon in Deutschland Visa für den Iran, möchten
> jetzt aber aus Sicherheitsgründen das Land lieber umfahren.
>
> Da ich per eMai/Internet mit ihnen in Verbindung stehe, bot ich mich
> an, mich für sie zu erkundigen, wie das am besten zu bewältigen ist.
>
> Für Ihre Mühe im Voraus besten Dank.
> Mit freundlichen n
> Gisela S.
AUSWÄRTIGES AMT
Bürgerservice / Antwort
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Anfrage beim Bürgerservice des Auswärtigen Amtes.
Bei Reisen - insbesondere bei Individual- oder Trekkingreisen - in den
Grenzgebieten Irans mit Pakistan besteht ein erhebliches Entführungsrisiko. Es wird dringend davon abgeraten, auf dem Landweg von Iran nach Pakistan zu
reisen. Für Afghanistan besteht eine Reisewarnung.
Auch die andere Route durch Armenien, Georgien und den Kaukasus unterliegt
erheblichen Gefährdungen, bitte sehen Sie sich dazu unsere jeweiligen
Sicherheitshinweise an:
--> Link
Darüber hinaus wird wegen der Gefahr terroristischer Gewalttaten vor Reisen
nach Jammu und Kaschmir (Indien) gewarnt. Sowohl in Srinagar als auch in Jammu ist es zu Bombenattentaten insbesondere an öffentlichen Plätzen gekommen.
Wegen erheblicher Sicherheitsrisiken sollten in Ladakh die Grenzgebiete
gemieden werden. Generell wird davor gewarnt, allein oder mit einem nicht
ausgewiesenen Führer durch diese Gegenden zu trekken, per Autostopp zu reisen oder an einsamen Plätzen zu zelten.
Aufgrund der derzeitigen fragilen innenpolitische Situation und
Sicherheitslage wird von nicht unbedingt erforderlichen Reisen nach Nepal
grundsätzlich abgeraten.
Unter den o.a. Gesichtspunkten ist die geplante Reise überhaupt nicht zu
befürworten, das Auswärtige Amt rät von solchen Touren ab.
Mit freundlichen n
im Auftrag
Antworten auf die 200 häufigsten Bürgeranfragen finden Sie hier:
<http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/aamt/buergerservice/faq/index_html>
Adressen deutscher Vertretungen im Ausland finden Sie hier:
<http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/adressen/index_html>
Adressen ausländischer Vertretungen in Deutschland finden Sie hier:
<http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/vertretungen/index_html>
---------------------------------------------------------------------------
Auswaertiges Amt, Werderscher Markt 1, 10117 Berlin, Deutschland
Tel. (+49)-(0)30-5000-2000, Fax (+49)-(0)30-5000-3402
<http://www.auswaertiges-amt.de>
<mailto: [bitte keine Mailadressen posten]>
> -------- Original-Nachricht --------
> Betreff: Allgemeiner Kontakt
> Datum: Wed, 25 Jan 2006 00:21:17 +0100
> Antwort an: Gisela S.
Gast am 28 Mär 2007 11:42:04 Tag 83: Die Geisterstadt und die Schlucht von Saklikent (30.01.2006) 151 km
Die Nacht war kalt, aber mit den ersten Sonnenstrahlen schiebt sich das Thermometer am Morgen schnell auf 12 und am Nachmittag auf 18 Grad im Schatten. Früh geht es heute los, denn das Programm ist reichlich an diesem Tag. Vom Strand geht es hoch in die Berge. Als erstes steht die Geisterstadt Kayaköy auf unserer Besuchsliste. Die einstige Siedlung der Griechen, die nach dem Bevölkerungstausch von 1923 gezwungen waren türkische Erde zu verlassen, wie auch die Türken im Gegenzug Griechenland verlassen mussten, ist heute ein unter Denkmalschutz stehender Landstreifen. Rund 400 Häuser stehen hier, oder besser, was davon übrig blieb. Man sieht den Steinfassaden, den Resten zweier Kirchen, einer Schule und den Straßen noch an, dass dieser Ort einst eine wahre Perle gewesen sein muss. Was mag hier im Jahre 1923 vorgegangen sein, als der Befehl erfüllt werden musste, die Heimat zu verlassen. Heimat von über 1500 Griechen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Was haben sie wohl am letzten Abend in Kayaköy gemacht? Wie haben sie empfunden? Was ging in ihnen vor?
Das Städtchen schmiegt sich an den Berg und bietet einen freien Blick über die Ebene davor, die der Landwirtschaft diente. Man kann noch Reste von Mauern als Landgrenzen erkennen. Wie blühend mag es hier, vor der Deportation ausgesehen haben. Heute stehen nur noch die Mauern der Häuser. Alle anderen Baustoffe, wie Ziegel und Holzsparen wurden von den Türken geplündert. Wieso so fragen wir uns, haben sie nicht das blühende Städtchen selbst in Besitz genommen und dort gelebt? War es verboten? War es der Stolz als Türke, nicht in einem griechischen Haus leben zu wollen?
Indes hat der Tourismus auf der anderen Straßenseite Kayaköys Einzug gehalten. Billige Hütten und eher schäbige Gemäuer bieten sich als Restaurants und Kaffeestuben an. Hätte man den Ort nur einfach ganz in Ruhe gelassen. Hier, die griechische Stadt am Berg, die einen echten Eindruck vom Leben der Menschen in dieser Region vor 1923 zu erzählen bereit ist. Man spürt die Ernsthaftigkeit der Geschichte, sie wird in Kajaköy lebendig. Gegenüber, der Ebene zugewandt die türkische Seite der Stadt. Absolut kein Juwel und angesichts der traurigen Gemäuer eher eine Schande.
Nach einer Stunde verlassen wir den Ort der „ethnischen Säuberung“, welch Unworte und erst Untaten hierin verborgen waren! Es geht zurück durch den Nationalpark mit seinen alten Kiefern und leider auch seinen vielen Reklameschildern. Wir passieren eine Art Umgehungsstraße von Fethije und kommen schnell auf die Bunderstraße 400, die wir nun für rund 40 Kilometer in Richtung Antalja rollen. Der Asphalt ist zwar rau, aber durchaus geglättet und gut befahrbar. Dann folgen wir der Beschilderung zur Schlucht von Saklikent, für 21 Kilometer, auf einer ebenso gut passierbaren Kreisstrasse. Die kleinen Örtchen die wir passieren sind typisch türkische Landsiedlungen und spiegeln viel mehr das Leben der Menschen dieser Region wieder, als die Küstenorte es vermögen. Noch eine Anhöhe und wir sehen sie zu unserer Linken, die riesige Schlucht, in der, es ist gerade Mittag und die richtige Zeit, die Sonne nur kurz Einzug hält. Rechts von uns liegt das Delta des Flusses Esen Cayi, der diese Schlucht in Millionen von Jahren in das Gebirge gefräst hat. In Saklikent (… die „Verborgene Stadt“) angekommen bieten sich zahlreiche Parkmöglichkeiten, die nun, im Winter, kostenfrei sind, wie auch der Besuch der Schlucht selbst. An die linken, steil abfallenden Gebirgswände wurde ein Metallgerüst montiert und mit Holzlattung versehen. Auf diesem Steg erreicht man die ersten 200 Meter und steht dann inmitten des Canyons, dessen Wände hier gut und gerne 300 Meter aufragen. Die Sonne taucht das Gestein in ein mystisches Licht, ein Farbenspiel von gelb bis rot. Hier wo wir nun stehen, sind wir umgeben von Wassern. Die Einen kommen einfach aus den Felsen, andere aus der Erde und natürlich der Flussverlauf zur rechten Bergklamm hin. In Saklikent kann man wirklich tief in die Natur eintauchen. Die Länge der gesamten Schlucht wird unterschiedlich angegeben. Die Angaben reichen von 13 bis 17 Kilometer. Hier in Saklikent kann man Baumhäuser anmieten und Whitewater-Rafting betreiben, wohl eher aber im Sommer, denn jetzt und hier sind wir die Einzigen. Ein grandioses Erlebnis, eine ganze Schlucht nur für uns alleine.
Nach einem kurzen Brunch zieht es uns dann weiter, zurück an die Küste, wo wir Quartier aufschlagen wollen. Wir rollen den gleichen Weg den wir gekommen waren zurück und erleben schöne Panoramen auf die schneebedeckten 2000 Meter hohen Gebirge, die rund um Fethije im blauen Himmel aufsteigen. Als nächstes steht Xanthos auf unserer heutigen Hitliste. 1838 entdeckt, gelang es dem Engländer Charles Fellows den Sultan von Konstantinopel davon zu überzeugen, dass die wichtigsten Funde, vor allem die Gräber, wohl in englischen Museen besser aufgehoben seien. Xanthos kann auf eine lange Geschichte verweisen, deren älteste im Jahre 546 v.Chr. datiert, als die Perser die Stadt belagerten. Ein Massaker besonderer Art fand in Xanthos im Jahre 42 v.Chr. statt, als der Cäsars Mörder, Brutus, ohne Erfolg, Geld und Soldaten aus Xanthos forderte. Der Armee von Brutus ausgesetzt, sahen die Xanthier keine andere Lösung als die Stadt selbst anzuzünden, sich gegenseitig umzubringen und ihre eigenen Frauen und Kinder in die Flammen zu werfen.
Uns interessiert heute eher der Feldzug Alexander des Großen, der diese Stadt, im vierten Jahrhundert v.Chr. einnahm. Wir haben vorgestern die Neuverfilmung des Lebens von Alexander dem Großen, in unserem Hotelkino angeschaut. Regie Oliver Stone, 2004, mit Sir Anthony Hopkins, Angelina Jolie und Collin Farrell als Alexander. So wurde uns mehr über die Geschichte dieser Küstenlinien, denen Alexander folgte, bewusst. Seinem Geburtsort waren wir ja schon sehr nah, als wir in Griechenland über Nafplios berichteten. Seine Eroberungsreise endete bekanntlich in Indien und er verstarb auf dem Rückweg in seine Heimat. Sein Grab wurde nie leider gefunden.
Dann geht es auf der B 400 weiter Richtung Patara, wo wir auf eine Enttäuschung treffen. Der Ort liegt nicht am Strand wie erhofft und ist völlig in Richtung Tourismus ausgelegt. Um zu den Ruinen von Patara zu gelangen, bedarf es einmal wieder üppiger Eintrittsgelder, wie überall in der Türkei und am Strand übernachten, da antikes Gelände, darf man nicht. Wir machen vor der Schranke kehrt, denn wir wissen, dass es in Patara nicht viel zu sehen gibt. Die wichtigsten Ruinen und der einstige Hafen sind versandet. Uns lag mehr an Strand und Parkplatz, des der Sage nach von der Wasserfee Lykia und Patarus, dem Sohn Apolls, gegründeten Städtchens. Der Heilige Nikolaus wurde übrigens hier geboren. Der Nikolaus, der den Kindern in Europa auch heute noch den 6. Dezember, mir reichlichen Gaben, beschert.
Wir rollen weiter und erreichen kurz darauf den Ort Kalkan. Kalkan war einst auch überwiegend mit Griechen bevölkert. Es wurde aber nicht zur Geisterstadt, sondern entwickelte sich „fortschrittlich“ im Tourismusgewerbe. Ein Hafen wurde erst vor wenigen Jahren angelegt und seitdem wächst die Stadt in alle Richtungen die Hänge hinauf. Es müssen vornehmlich Engländer sein, die diese Gestade bevorzugen, denn die über 30 Immobilienbüros zeichnen die Angebote in English Pfund aus. Und wahrhaft Englisch sind auch die Preise. Wir finden einen exzellenten Stellplatz unten im Hafen, gegenüber der Marina. Wieder einmal, nach langen Entbehrungen an Qualität von Stellplätzen in der Türkei, stehen wir mit voller Wohnzimmer-Breitseite zur Bucht hin, genießen einen Panoramablick besonderer Güte über die Bucht bis hin zur Insel Meyisti. Das Wasser hier ist türkisfarben und die Steine an den Gestaden sind schneeweiß. Die Sonne geht langsam unter, während ich mein Tagebuch schreibe. Die Steilhänge der Berge tauchen in ein orange-gelbliches Licht. Heute vor zwei Wochen reisten wir in der Türkei ein. Iyi aksamalar (Guten Abend)
Feuer! Fast wäre unser Hotel in Flammen aufgegangen …
Wir wollten schon schlafen gehen, es ist um 22 Uhr, als vier Mofas heranbrausen. Da dies schon zur Gewohnheit geworden ist, wenn immer wir einen schönen großen und ruhigen Platz belegen, denken wir uns auch nicht viel dabei. Wir machen uns bettfertig, wollen schon die Kojen belegen, als Feuerschein durch die Fenster dringt. Ich steige schnell wieder in die Jeans und schaue durch das Heckfenster, im Bad des Campers, nach draußen, sehe bis zu drei Meter hohe Flammen nur zwei Meter von uns aufsteigen. In Windeseile bin ich draußen und hier stehen vier Mofas und ebenso viele Jugendliche, die direkt hinter unserem Hotel ein Feuer entfachen und dies auch noch mittels Eukalytuszweigen zum explodieren bringen, denn die ölhaltigen Blätter nähren die Flammenhöhe. Ich versuche es in englischer Sprache und einer der Jungen versteht mich. Ich weise ihn an das Feuer sofort zu ersticken. Seine lapidare Erwiderung: „Es passiert schon nichts und im übrigem hätte ich hier nicht zu parken!“ Ich zeige auf die Gasflasche, die hinten auf dem Fahrradhalter befestigt ist, aber das scheint ihn auch nicht weiter zu interessieren. Dann werde ich etwas lauter und spreche den Satz, der die Situation grundlegend verändert: „Okay, I call the police!“ Brigitte ist nun auch dem Camper entstiegen und entsprechend entsetzt. Aber die Situation ist schon geklärt. Die Jungens laufen zu der Toilette und schleppen eimerweise Wasser heran. In nur 2 Minuten ist das Feuer gelöscht. Sie endschuldigen sich immer wieder, fast ununterbrochen und fügen hinzu: „No Police please!“ Das hätte leicht schlimm enden können und wir haben Glück gehabt, das der Wind nicht umgeschlagen ist, denn dann wäre die Sache vielleicht anders ausgegangen. So hatten wir diesmal wirklich Glück, oder eben einen Schutzengel, von dem wir glauben, dass er uns sowieso begleitet.
Tag 84: Kas (Kasch) an der Lykischen Küste (31.01.2006) 27 km
Eine interessante Fahrt ist es von Kalkan nach Kas (Kasch), denn wir fahren 50-100 Meter über dem Meer und genießen die fantastischen Ausblicke über die türkisfarbene Wasser und die vielen kleinen und großen Inseln. Eine kurze Strecke nur für den heutigen Tag und in Kas angekommen belegen wir einen phänomenalen Stellplatz, direkt im Hafen mit Blick auf Schiffe, Boote und Stadt. Kas ist eine optische Perle an den Gestaden der Lykischen Küste. Den Tourismus kennt man in Kas schon recht gut, aber er hält sich noch in Grenzen und so ist nicht alles verbaut und auf hässlich getrimmt. Die Stadt macht einen sauberen, ordentlichen und vor allem verträumten Eindruck, das gefällt uns. Eines nur klingt schaurig, die hiesige Stimme des Muezzins. Er klingt mehr als schrill und es hallt von den Bergen siebenfach zurück. Da hat uns der Muezzin von Kalkan mit seiner tiefen, sonoren Stimme viel besser gefallen. Aber wir bleiben dennoch, gleich wenn er auch das Aus unserer Träume morgen früh gegen fünf Uhr vom Turm schmettern wird so, als hätte die Apokalypse begonnen. Allah würde es ihm sicherlich nicht verübeln, wenn er erst gegen 9:00 Uhr mit seinen Surengesang beginnen würde und die Touristen ganz sicherlich auch nicht. Wir durchschlendern die Stadt, in der, gleich wie in Kalkan, einst überwiegend Griechen lebten. Ein Teil ihrer Häuser mit den typischen Holzerkern ist noch vorhanden und die Substanz gepflegt. Lykischen Ursprungs hingegen sind die drei Schiffkielsarkophage, von den sich zwei direkt am Hafen und der größte und imposanteste am Ende des Sträßchens mit den vielen griechischen Häusern befindet. Es gibt auch noch ein hellenistisches Ruinendenkmal, das ehemalige Theater, zu besichtigen. Damit hat man Kas auch schon gesehen, wenn man nicht noch Ausflüge in die unmittelbare Umgebung unternehmen möchte. So kann man per Schiff zur versunkenen Stadt und dort tauchen, oder per Glasbodenboot den ungewöhnlichen Anblick erleben. Kas lohnt sich in jedem Fall und wenn man nur den Sonnenuntergang mit einem Bierchen, oder den typischen türkischen Tee in den vielen Tavernen im Hafen genießen will.
Tag 85: Ruhetag in Kas (01.02.2006) 0 km
Am Morgen entschließen wir uns das Hotel nicht zu bewegen. Wir wollen heute „pausieren“ un das heißt ja bekanntlich das Hotel auf Vordermann bringen. Bei dem Bummel durch die Stadt finde ich Spraydosen mit Chrom und mache mich über die unansehnlichen Felgen her. Die Nacht wird sehr stürmisch und es regnet. Die Schiffseigner haben alle Mühe ihre Ausflugsschiffe fester zu vertäuen. Wir fühlen uns in unserem Hotel wie auf hoher See und werden für Stunden kräftig durchgeschüttelt.
Ein Zelt auf einem Laster voller Schrott …
Die letzte Nacht hatten wir Nachbarn. Leider keine in einem Reisemobil mit den man Erfahrungen hätte austauschen können. Nur 25 Meter von unserem Hotel, im Hafen von Kas, können wir miterleben, was sie unter Reisen, Unterkunft und Bewirtung verstehen. Es sind insgesamt vier leute mit drei Lastwagen, wenn man sie noch so nennen kann, denn sie haben ihre Lebensarbeitsjahre mindestens schon vor einem Jahrzehnt überschritten. Zwei dieser Laster sind mit Schrottmetall heillos überladen. Einer bietet noch Platz. Doch Platz für was? Während wir uns in unsere Sessel zurücklehnen, zu Abend essen und dabei einen Spielfilm anschauen, fällt unser Blick immer mehr hinüber, weg vom Bildschirm, zu unseren neuen Nachbarn. Die Vier versuchen verzweifelt eine Plastikplane über das vordere Drittel der Ladefläche zu spannen. Der starke, extrem böige Wind, der selbst uns gehörig durchschüttelt, macht das Unterfangen aber zu einem Misserfolg. Nach rund einer halben Stunde Kampf gegen Wind und Plane, parken sie die Gefährte um und bilden einen kleine Wagenburg. Nun haben sie Schutz zwischen Kaimauer, den Ladewänden zweier LKW und dem aufgetürmten Schrottberg. Als die Plane endlich steht, gehen sie offensichtlich zum gemütlichen Teil über. Ein Kessel dampft, ein kleines Feuer scheint entfacht, alles natürlich auf der Ladefläche versteht sich. Spätere schließen sie auch die letzte Öffnung des Planenzeltes. Es kehrt Nachtruhe ein. Die Vier haben doch tatsächlich die Nacht auf der kalten Ladefläche des LKWs verbracht. Am frühen Morgen steigt wieder Rauch auf, Tschai, der so geliebte Tee macht die Runde. Dann starten sie ihre Klapperkisten. Na dann Gute Fahrt!
Tag 86: Wohnt Zeus in Olympos in einem Baumhaus? (02.02.2006) 183 km
Ein langer Tag war dieser Donnerstag. Erst jetzt, um 17 Uhr stehen wir vor einem Park, mit Blick auf Palmen und Meer in Kemer. Aber an langen Tagen erlebt man bekanntlich mehr und deshalb können wir heute wirklich eine Menge berichten. Es sind übrigens nur noch 50 Kilometer nach Antalja. Fast 2000 Kilometer haben wir in den fast drei Wochen unserer Türkeireise zurückgelegt.
Früh machen wir uns auf Kas zu verlassen. Die Straße (Bundesstrasse 400) windet sich hoch in die Berge und wir erleben grandiose Streckenabschnitte mit Fernblick über Mittelmeer und Inseln. Seit Kalkan befinden wir uns übrigens im Gebiet Pamphylien, auch Lykien, genannt. Nach gut einer Stunde Fahrt erreichen wir nahe der Stadt Demre, deren Bürger sich tapfer gegen Ortsumbenennung in „Kale“, durch standhaftes ignorieren des Neunamens zur Wehr setzen, die alte Stadtanlage von Myra, der einst prächtigsten Stadt der Lykier. Strabo berichtet, dass Myra einst zu den sechs einflussreichsten Städten des Lykischen Bundes gehörte. Kale trägt die Bedeutung von Burg und oben in den Bergen über Kale stehen noch die Ruinen selbiger. Uns interessieren an diesem sonnigen Tag jedoch eher die Nekropolen der Lykier, die 400 Jahre v.Chr. in die Felswände geschlagen wurden. Ein überaus eindrucksvoller Anblick, wie auch der, der Arena von Myra, die sich noch in einem erstklassig erhaltenen Zustand befindet. Die Bedeutung Myras findet sich in verschiedenen Aufzeichnungen wieder, so auch, das der Sohn des Kaiser Tiberius im Jahre 18 n. Chr. in Myra weilte und vielleicht noch entscheidender, das der Apostel Paulus, 60 Jahre n.Chr., in Myra, als Gefangener und auf dem Weg nach Rom, hier nachweislich das Schiff wechselte. Paulus begleitet unsere Reisen nun schon ein ganzes Stück. Denken wir zurück an Kreta und Matala-Beach, wo er Schutz vor einem Sturm suchte. Weiter in Kavala, wo er gepredigt haben soll bis nach Ephesus, wo auch sein Bruder im Glauben, Johannes und gar Maria, die Mutter Jesus, damals verweilten. Nun treffen wir ihn als „Gefangenen“ beim Schiffswechsel, auf den Weg nach Rom, in Myra wieder. Doch zurück zu den Ruinen der Lykier. Die Ornamente an den Säulen sind derart filigran gearbeitet, dass dieses Volk die Kunst des Steinhauens perfekt beherrscht haben muss. Leider wurden die Bauwerke, bis auf die Nekropole und die Arena, im Jahre 141 n.Chr. durch ein schweres Erdbeben zerstört. Ferner findet sich in Myra noch die Kirche des Heiligen Nikolaus, der hier in Myra einst seinen Sitz, als Bischoff, hatte. In Simena, nur wenige Kilometer von Myra, finden sich die Reste einer antiken Stadt unter Wasser. Sie ist ebenfalls bei dem Erdbeben, in den türkisfarbenen Fluten versunken. Auch ein Ausflug auf die vor gelagerte Insel Kerkova soll lohnend sein. Hier steht ein Steinsarkophag im Wasser. Das Erdbeben hat ihn dorthin verschoben. Kale selbst sieht so ganz anders aus als andere Städte. Man könnte meinen, sie ist völlig mit Plastikplanen überspannt. Die Ebene um Kale ist überaus fruchtbar und hunderte dieser riesigen Gewächshäuser reihen sich hier aneinander. Wir schätzen das wenigstens 50% der Stadtfläche unter Plastikplanen und Glasdächern verschwindet. Der Sandstrand von Kale kann sich sehen lassen. Er ist über 5 Kilometer lang. Ansonsten hat die Stadt leider kein Flair.
Nach drei Stunden rollen wir weiter Richtung Finike. Es geht wiederum hoch in die Berge, um dann direkt an der Küste entlang zu rollen. Auch auf diesem Streckenabschnitt finden sich Motiv über Motiv. Finike selbst hat außer einem großen Segelboothafen nicht viel zu bieten. Diesem statten wir einen kurzen Besuch ab, um zu sehen, ob wir vielleicht unser Traumschiff hier finden. Wir haben es auch tatsächlich gefunden, aber der Preis ist ebenso traumschiffartig mit „lächerlichen“ € 250.000, billig, wie uns der Broker versichert.
Es geht weiter die Küste entlang und wieder hoch in die Berge. Auf halber Strecke zwischen Finike und Kemer biegen wir ab Richtung Olympos, wo, so behauptet es die türkische Sage, unser guter Freund und Göttervater Zeus gewohnt haben soll. Ob dies in einem Baumhaus war können wir nicht sagen. Wären wir jedoch Zeus gewesen, hätten wir in Olympos ganz bestimmt in den Baumhäusern gewohnt. Nach ca. 11 Kilometern erreichen wir Olympos, nachdem wir erst noch eine kleine Flussdurchquerung mit unserem Hotel bewältigen mussten. Dann biegen wir links ab und können nicht glauben, was unsere Augen uns sehen machen. Wie die wildeste Hippiekolonie liegen die Holzbauwerke vor und über uns. Wild, urig, bizarr, einfach unglaublich, unvorstellbar, wenn man sie nicht selbst gesehen hat. Ein heilloses Durcheinander von Treppen, Gängen, Hütten in den Bäumen und ein Sammelsurium an Holzrädern, Mühlsteinen, Muscheln, Hörner und Tonkrügen bilden eine Unordnung, die schon wieder Sinnhaftigkeit erkennen lassen, weil es anders, oder aufgeräumter niemals so wirken würde. Kaum mit Worten zu beschreiben. Wir parken und besuchen das „Camp“, welches von Osman Kadir, einem deutschsprachigem Türken geführt wird. Schon vor 20 Jahren sind hier die ersten Baumhäuser entstanden. Damals hat sie noch sein Bruder gebaut, berichtet uns Osman und führt uns stolz durch das Gewirr von Holz, Balken, Bäumen und Streben. Wir dürfen ein Baumhaus besteigen und uns darin umsehen. Ein großes Doppelbett, ein kleines Bad. Spartanisch eben, aber dafür auch oben hoch in einem Baum gebaut, dessen Stamm sich stolz durch das Zimmerchen windet. Natürlich gibt es Wärme für den Winter in Form von Heizdecken. Im Sommer kühlt die Klimaanlage in den Baumwipfeln. Ebenso urig die kleine Kneipe, das Restaurant und die Feuerstelle, an der auch jetzt einige wenige Leute sitzen und die Natur und die unglaubliche Kolonie genießen. Wir empfehlen jeden, der auch nur in der Nähe von Antalja ist, Olympos und das Baumdorf zu besuchen. Es hat soviel Charme und Charakter, das manche antike Stätte kaum mit bieten kann.
Dann rollen wir den Weg zurück zur Hauptstrasse. Es sind noch 26 Kilometer nach Kemer, unserem Ziel für den Tag und Bett für die Nacht. In Kemar stehen wir direkt am Yachthafen unter Palmen. Es sind knapp 20 Grad und über uns in 2550 Metern Höhe leuchtet der Schnee auf der Kuppe des Kartal-Gebirges. Er wird bis etwas Mai liegen bleiben um dann in der sengenden Sonne zu schmelzen und seine Wassermassen in rauschenden Wildbächen in das Mittelmeer zu ergießen.
Gast am 28 Mär 2007 11:47:19 Tag 87: Die Touristenhochburg Kemer (03.02.2006) 0 km
Wir bummeln am Strand entlang. Die Hotels schieben ihre Fronten fast bis in die blaue See. Hier wird überall Deutsch gesprochen und von den Magazinen Focus und Spiegel, bis Stern und natürlich auch Bildzeitung gibt es hier alles, nur eben ein paar Tage älter, dafür etwas teurer. Die Anlagen sind gut gepflegt, nur der Rasen des Parks ist in der sengenden Sonne des letzten Sommers wohl zum Opfer gefallen. Die Fußgängerzone ist breit und großzügig angelegt. Man könnte sich fast in Frankfurt auf der Zeil wähnen, wären da nicht die Palmen, das Gebirge mit den Schneekuppen und eben Geschäfte der ganz anderen Art. Indes die Namen die wir hier treffen sind dieselben: Die Uhren von Breitling, Ferrari, Glashütte und Rolex glänzen in den Auslagen (€ 25 - € 50, je nach Verarbeitung und Ähnlichkeit mit dem Original). Taschen gibt es von Dolce&Gabana, Anzüge von Yves Saint Laurent und Poloshirts von Tommy Hilfinger bis LaCoste. Nur eben sind alles keine Originale. Aus Interesse versuchen wir uns im Handeln. Wichtig für die türkischen Kaufleute ist das erste Geschäft am Tag. Sie glauben, wenn sie gleich morgens schnell etwas verkaufen, prägt dieser Erfolg den Verlauf des Tages. So lassen sie nicht locker und geben entsprechende Rabatte. 30-50% sind teilweise drin, denn geht der Kunde ohne zu kaufen, läuft der Tag dann auch eher schleppend. In den Gehwegen und vor allem vor den Geschäften sind kleine Glasaugen in den Belag eingelassen. Sie sollen böse Geister und den bösen Blick fernhalten.
Kemer ist ein aufgeräumtes Touristenstädtchen. Keine Denkmäler, dafür alles sehr modern und sauber. Das Stadtbild ist wohl überlegt gestaltet und hässliche Hochhäuser und Betonburgen sind nicht zu finden. Alles ist eher dekorativ angelegt. So bietet die Stadt für uns eine Abwechselung, nach all den Ruinen, antiken Stätten, wilden Stränden, chaotischen Baumhäusern und Häfen, die wir besucht haben. Heute machen wir einmal auf Touristen der Vorsaison. Hunderte von freundlichen Guten Morgen n werden uns zu beiden Seiten der Straße zugerufen. Wir grüßen freundlich zurück, denn inzwischen schätzen wir die Türken und ihre Gastfreundschaft. So haben wir einige Vorurteile recht schnell abgebaut. Woher wissen sie nur alle, dass wir Deutsch sind? Wir könnten doch ebenso gut Holländer, Engländer oder Skandinavier sein. Was uns in Kemer noch sehr gut gefällt ist, dass die türkischen Geschäftsleute freundlich einladen, aber nicht so aufdringlich sind wie die im Istanbuler Bazar zum Beispiel, wo man sich ständig einer wogenden Flut von Angeboten entgegenstemmen muss. So macht der Spaziergang dann auch gleich sehr viel mehr Freude und die Kauflaune steigt. Die Währung in Kemer ist der Euro und die Preise der Restaurants sind eher sehr Deutsch und teuer. Ausflüge in die Umgebung, auch in den Nationalpark hingegen, sind preiswert und angemessen. Ein Aktivurlaub ist in Kemer jederzeit drin. Wir werden den heutigen Tag hier verbringen. Morgen geht es dann weiter zu einem Wochenende in Antalja, an der türkischen Riviera.
Tag 88: Antalya, die Riviera Metropole (04.02.2006) 59 km
Eine wunderschöne Fahrt, meist direkt am Mittelmeer entlang und mit den Gebirgen zur Landseite. Nach 45 Minuten sehen wir das Schild: „Antalya 650.000 Einwohner“. Als wir vor 10 Jahren hier waren um die Reise auf der Aida anzutreten, waren es gerade mal 400.000. Die Stadt wächst rasant und gehört innerhalb der Türkei nun zu den wohnflächen-teuersten Städten. Es zieht die Türken nach Antalya, denn das Klima hier ist mild. Mild sind die Winter mit frühlingshaften Temperaturen und Mild die Sommer mit durchschnittlich 10 Grad mehr Kühle als im Inland. Das Mittelmeer gleicht größere Temperaturschwankungen aus, die Sonne erledigt den Rest. Ein angenehmer Lebensraum, was das Klima anbetrifft, das rasante Wachstum hingegen lässt die Stadt ausufern und die Straßen sind überlastet.
Wir finden nach einigem Kreisen durch das Gewühl den kleinen Hafen von Yat limani und unser frühes Eintreffen dort hat sich gelohnt, denn der Parkplatz hier im Hafen ist noch leer und wir können uns gut positionieren. Unfassbar, das Parken hier ist noch kostenlos. Wir stehen mit dem Heck an der aufsteigenden Klippe. 12 Meter über uns ein Restaurant mit wallenden Palmen und angenehm leiser Musikbeschallung. Vor uns der Hafen, in dem wir schon wieder auf einen alten Bekannten treffen. Hier beendete Paulus, der Apostel, seine erste Missionarsreise. Nach einem ausgiebigen Frühstück brechen wir auf, Antalya zu erkunden. Entlang des Hafens werden lautstark einstündige Bootsausflüge angeboten. Je mehr Schiffe wir hinter uns lassen, desto rasanter fallen die Preise, für ein und diesselbe Reise. Die ersten Kapitäne wollten noch € 15 pro Person, am Ende der Reihe war die Deflation dann bei TL 5 (€ 3,00) pro Person angelangt. Doch wir wollen heute nicht aufs Wasser, wir wollen laufen. Es geht nun die Treppen hinauf zur Altstadt und damit auch zum eigentlich sehenswerten Teil Antalyas. Die Händler unterwegs sind freundlich aufdringlich, die Geschäfte laufen wohl eher schleppend und sie müssen Umsatz machen. Wir können uns aber nicht für Teppiche aus Seide, Teller aus Keramik, Tücher aus Baumwolle und Wasserpfeifen erwärmen, gleich wenn wir die tollsten Beschreibungen in unserer Sprache bekommen. Hier scheinen wirklich alle Deutsch zu sprechen.
Der Blick von den Terrassen ist einmalig. Über das türkisblaue Meer schweift der Blick über die Olympos Gebirge im Nationalpark und über den Hafen. Grandios was die Natur sich hier hat einfallen lassen. Das Wetter spielt auch mit, wir haben 18 Grad im Schatten. Wir durchstreifen die kleinen engen Gassen und finden sogar das Terrassenrestaurant wieder, wo wir vor 10 Jahren zu Mittag einkehrten. Es hat sich nicht verändert und ist immer noch so romantisch wie es damals war. Nur die Preise betragen heute das 3-4-fache. Entsprechend gering besucht sind die Restaurants hier am Steilhang und der Stadtmauer. Liegt es nur an der Vorsaison? Eine Straße weiter lädt uns ein Teppichhändler zum Tee ein. Er spricht erstklassiges Deutsch und wir unterhalten uns eine Weile. Er erklärt uns seine Teppiche. Wir geben wiederholt zu verstehen, dass wir keinen kaufen können und wir mit den Reisemobil unterwegs sind. Trotzdem er versucht es weiter, wir lassen ihn gewähren. Einen wirklich atemberaubenden, schönen Seidenteppich mit den Maßen 3 x 4 Meter preist er besonders an. € 28.000 soll er kosten, fast geschenkt, meint er. In Deutschland würden wir dafür locker das Doppelte bezahlen. Sieben Jahre wurde an ihm gearbeitet, fährt er fort, bevor er dann ans Telefon gerufen wird. Wir schlürfen den Tee und sein Partner gesellt sich derweil zu uns, damit wir auch ja weitere Betreuung erfahren. Emil ist sein Name und er setzt die Erklärungen fort, erzählt von demselben Teppich. Die beiden hatten sich wohl nicht gut abgestimmt, denn die Antwort auf meine Frage nach dem Preis fällt nun völlig anders aus. Nun kostet er nur noch € 15.000! Wir müssen grinsen, bedanken uns für den Tee und ziehen weiter. Auf dem Hochplateau stehen wir vor dem mehr als heroischen Denkmal Mustafa Kemal Atatürks, als Reiter. Hier oben an die Klippen befinden sich einige Restaurants, die einen wundervollen Panoramablick über das Mittelmeer bieten. Wir kehren auf einen Drink ein und sehen unser Hotel tief unter uns im Hafen stehen. Dann besuchen wir den Bazar und folgen der Palmenstraße zum Hadrianstor. 14 Punkte listet unser Reiseführer auf, die des Besuches wert sind. Nach 2 Stunden haben wir alle besucht, denn sie liegen alle nah beieinander. Am späten Nachmittag sind wir zurück in unserem Hotel und machen es uns gemütlich. Bei dem Stellplatzangebot, werden wir auch den Sonntag noch hier in Antalya verbringen. Morgen werden wir den Tag einfach nur verbummeln.
Nachtrag am nächsten Morgen: Man kann einem Stellplatz bei Tag nicht ansehen, was die Nacht bringt. Und diese Nacht war fürchterlich. Gegen Abend wurden die hübschen Restaurants oben auf der Klippe umfunktioniert in Discotheken. Die Beschallung war entsprechend und die Flucht nach vorne, raus aus Antalya war uns durch wilde Parkerei um unser Hotel herum verwehrt. So zahlten wir zwar keinen Eintritt, waren aber inmitten von Hipp-Hopp bis Rock gefangen. Erst gegen 5 Uhr verließen die letzten die Bars. Dann gab es vier Stunden Schlaf und wir brachen auf. Denn noch so eine Nacht müssen wir uns nicht antun. Bye-bye Antalya, du laute Stadt. Du hast uns am Tage gut gefallen, doch Deine Nächte klingen schrill, sind zu schrill für uns.
„Geschäftsabschlüsse“ auf Türkisch …
Wir müssen heute dazulernen, denn überaus ausgefeilt sind die Verkaufstechniken der türkischen Geschäftsleute in Antalya. Beginnen wir mit unseren verrückten zwei Erlebnissen gleich im Hafen. Ein älterer Herr sitzt hinter einem Tisch. Auf dem Tisch ist ein weißer Hase, der genüsslich an einem Salatblatt knabbert. Führt er den Hasen heute aus? Natürlich schauen wir hin und der Alte winkt uns auch noch freundlich lächelnd herbei. Wir denken dabei doch nicht gleich an die Schmälerung unsere Reisekasse. Er zeigt wie der Hase aus einem kleinen Holzregal mit ca. 50 kleinen Zetteln, offensichtlich wohlüberlegt, denn er lässt sich Zeit bei der Auswahl, einen herausknabbert und uns diesen brav, vor uns auf den Tisch fallen lässt. Der Alte drückt mir den Zettel unversehends in die Hand und ich lese mein Tageshoroskop darauf. Der smarte Alte verlangt glatt 2 Euro für seinen und den Trick seines Hasens. Ein teures „Vergnügen“. Geschäft ist Geschäft, auf Türkisch! Der Alte bekommt einen Euro und ist auch glücklich damit. Wir ziehen weiter. Die nächste Lektion folgt prompt. Ein junger Türke trägt auf seinem Kopf ein riesiges, silbernes Tablett. Darauf kleine gerollte türkische Pizzas. Hunger haben wir nicht, aber der Anblick ist echt witzig. Wir stehen in guter Position auf den hohen Terrassen und schießen Fotos. Er bietet sich freundlich an eines von uns gemeinsam zu machen. Wir nehmen an. Dann gesellt er sich zu Brigitte, hinter der sich das ganze Panorama des Mittelmeeres und der Gebirge ausbreitet. Der clevere Pizzamann bietet an doch ein Foto von Gitte und ihm zu machen, das müsste doch gut kommen mit dem Tablett auf dem Kopf. Ich schieße ein Foto und er bedankt sich und „schenkt“ uns dafür eine Pizza, die wir ohne es zu wollen oder zu ahnen blitzschnell in die Hand gedrückt bekommen. Nun stehen wir beiden da mit den zwei Rollpizzas, wissen gar nicht wie uns geschah. Geschäft ist Geschäft, auf Türkisch! Wir dürfen 4 Euro berappen und der junge Kerl macht sich von dannen. Um seinen hohen Preis im nach hinein zu entschärfen ruft er uns noch zu, dass er nun davon wieder ein paar Tage in die Schule gehen kann. Wir müssen lachen über soviel Dreistigkeit und unsere eigenen Dummheit. Aber, die Pizzas schmecken uns dann doch noch ganz gut.
Tag 89: Unter dem Torbogen Kleopatras in Side (05.02.2006) 79 km
Die Fahrt nah Side ist angenehm, der Asphalt leise. Zu sehen gibt es allerdings nicht viel, höchstens der Blick auf das Taurus-Gebirge. Das neue Side mit seinen Hotelburgen meiden wir und folgen der Beschilderung „Antikes Side“, von der Bundesstraße 400 her kommend. Wir durchfahren schon bald, zum ersten mal auf unserer Reise, eine Ruinenstadt mit dem Camper, an deren Ende wir unter dem Kleopatrabogen hindurchrollen. Dann kommt der Parkplatz rechter Hand. Für TL 6,00 können wir 24 Stunden stehen. Günstig, zudem sich nebenan saubere Toilettenanlagen befinden und wir den Frischwassertank befüllen können. Der Platz ist zudem sicher, da sich am Eingang die Taxis aufreihen und ein Schrankenwärter ein Auge auf die Fahrzeuge hat. Schließlich will man für einige Stunden die antiken Städten und den Hafen durchschlendern.
Side war einst eine der bedeutensten Handelshäfen, mit, jedoch, sandigen Problemen. Immer wieder versandte der Hafen und musste regelmäßig und erneut vertieft werden. Manche kennen noch das Sprichwort „Das ist wie der Hafen von Side“, welches man gebrauchte, wenn eine Arbeit kein Ende nehmen wollte. Side (Selimiye) bedeutet Granatapfel. 190 v.Chr. berichtet die Geschichte von der Seeschlacht von Side. Alexander der Große kam auch durch diese Stadt auf seinem Weg nach Osten. Über die Stadtgeschichte ließen sich ganze Bücher schreiben. Wir empfehlen den Kauf eines kleinen Buches, welches für nur € 3,00, allerorts angeboten wird. Das Ruinenfeld ist beeindrucken. Die große Arena ist gut einsehbar und erhalten. Eindrucksvoll der Kleopatra-Torbogen und die Reste der Apollon- und der Athena-Tempelanlagen. Der Besuch lohnt sich und ist ausnahmsweise einmal, sehr ungewöhnlich für die Türkei, kostenfrei. Der Hafen wird, wie könnte es auch anders sein, gerade einmal wieder ausgebaggert. Es ist eben der Hafen von Side.
In der Dunkelheit erleben wir dann das Schauspiel der beleuchteten Ruinen. Ein traumhafter, sehr ernster und doch romantischer Anblick. Nach Antalya schlafen wir hier in völliger in Ruhe.
Von Side aus (8 Km) kann man in Manavgat noch den Wasserfall „ Büyük Selale“ besuchen und wem es nach den Ruinen von Side nach noch mehr Geschichte gelüstet, der fährt noch etwas weiter nach Seleukeia.
Tag 90: Alanya im Gewittersturm (06.02.2006) 69 km
Noch rollen wir bei schönem Wetter. Die Fahrt ist angenehm, das Taurus-Gebirge begleitet uns mit Blick nach Norden. Wir nehmen in Alanya gleich die erste Straße rechts und befinden uns an einem wunderschönen, langen Sandstrand (Kleopatra-Strand), von wo aus wir auch den Blick auf den Burgberg und die alte Festung genießen können. Allerdings hapert es hier mit dem Parken an dem goldenen Strand und da der Tag noch jung ist, rollen wir die steile und sehr enge Straße hinauf zur Burg, die im 13. Jahrhundert von Seldschuken gebaut wurde. Von oben werden wir bestimmt einen guten Rundumblick haben und unseren Stellplatz ausfindig machen können. Und tatsächlich, der Blick ist mehr als atemberaubend. Senkrecht unter uns befindet sich der „Rote Turm“ und gleich nebenan eine Palmenallee direkt am Hafen. Gedanklich buchen wir die 8 Meter Parkfläche die wir brauchen. Später nehmen wir sie auch wie gewünscht in Beschlag. Ganze € 2,00 zahlen wir dafür und bekommen Trinkwasser und sogar noch einen Parkwächter zur Bewachung unseres Hotels. Was mehr können wir uns wünschen?! In Alanya wimmelt es von Deutschen, die hier überwintern. Einige klopfen an, fragen wohin die Reise geht und geben uns wertvolle Tipps zur Weiterreise. Hier lernen wir auch Lothar und Barbara mit Hund Paule kennen. Das Ehepaar hatten wir auf dem Weg nach Alanya bereits überholt. Nun treffen wir uns zufällig auf der Festungsanlage und verabreden den gleichen Stellplatz.
Von der Festung und schwindelnder Höhe, schießen wir unzählige Fotos über die Bucht, Stadt, Meer und Palmen. Am Nachmittag stehen wir dann im Hafen. Lothar und Barabara gesellen sich zwei Stunden später zu uns. Wir haben einen wunderschönen Hotelblick auf den Roten Turm, der 33 Meter hoch und einen Durchmesser von 29 Metern hat. 1225 wurde er erbaut. Wir schauen über den Hafen, die vielen Boote auf Alanya und die Hausberge, die am nächsten Morgen nach einem gewaltigen Gewittersturm mit weißer Schneespitze ins Tal grüßen. Am Nachmittag durchstreifen wir Alanya, die moderne, gepflegte, saubere und einladende Stadt an der Türkischen Riviera. Für den Abend verabreden wir uns mit dem Ehepaar aus Dresden auf ein Bier in einer der kleinen Kneipen oben am Hang. Sie ist urig eingerichtet und drei junge Musiker spielen eine Mischung aus orientalischer Musik, gepaart mit rockigen Gitarrensolos aus jüngerer Zeit. Vom Wirt bekommen wir noch Tipps für die Weiterreise, während Paule, halb Cocker – halb Pekinese, genüsslich die gerösteten Kichererbsen vertilgt. Ein netter Abend, mit netten Leuten. Gegen 22 Uhr fällt die Klappe für diesen Tag, oder besser das Hupbett herunter.
Tag 91: Alanya in Ruhe genießen (07.02.2006) 0 km
Die Nacht war unruhig, ein Gewitter nach dem anderen zog über uns hinweg. Die ungeheuren Wassermassen die sich vom Himmel und den Steilhängen über uns stürzten, verwandelten die Straße im Hafen in einen Kanal. Gut das es dann den Weg in den Hafen fand, sonst wäre unser Hotel bestimmt zu einem Hausboot geworden. Der Morgen ist noch bedeckt und kühl. Gegen Mittag bricht die Sonne durch und der Himmel wirkt schon viel freundlicher. Lothar und Barabara verabschieden sich, sie wollen weiter Richtung Cap Anamour. Wir hingegen möchten noch Alanya besuchen. Vielleicht sehen wir uns ja wieder, bestimmt sogar, denn Reisemobilisten suchen doch immer die gleichen Plätze auf, die, in Häfen, an Stränden oder besonderen Aussichtspunkten, die ein normales Hotel aus Beton selten eher aufweisen kann. Alanya hingegen gefällt uns, auch wenn die Stadt doch recht groß und touristisch ist. Sie hat 60.000 Einwohner. Sie ist eine kleine, aber doch sehr moderne Metropole, die viel zu bieten hat und natürliche über erstklassige Sandstrände verfügt.
Tag 92: Die Südküste, über Anamour nach Silifke (08.02.2006) 291 km
Der Regen will kein Ende nehmen. Wir entschließen uns früh unseren wunderschönen Stellplatz in Alanya im Hafen aufzugeben und weiter zu reisen. Es geht weiter Richtung Osten. Zielpunkt für diesen Tag sollte Cap Anamour sein, doch wir werden viel weiter reisen, gleich bis kurz vor Silifke, dem Fährhafen Tasucu, von wo aus die Fährverbindungen nach Zypern laufen.
Doch zunächst zur Reise. Die Strecke ist landschaftlich, nachdem wir uns 40 Kilometer von Alanya gen Osten entfernt haben, wunderschön. Sie zieht sich vielfach hoch in die Berge und eröffnet Panoramen bis hinüber zur Insel Zypern. Und immer leuchtet das türkisblaue Meer. Wir erreichen nach drei Stunden Anamour, wo ein Wolkenbruch hernieder geht, dass ein Fahren fast unmöglich wird. Straßen sind überflutet oder unterspült. Überhaupt sind die Straßen hier im rauen Kilikien sehr schlecht. Nach diesem Regenguss lichten sich die Wolken und wir können uns die Nekropole Anamour anschauen. Hier sind die gut erhaltenen Reste einer ganzen Stadt, die nur für die Toten, am Hang, mit Blick über das Meer gebaut wurde, zu bestaunen. 350 Grabhäuser finden sich hier. Der Reichtum muss enorm gewesen sein, wenn die Bürger für ihre Verstorbenen ganze Grabhäuser bauen konnten. Es finden sich hier auch ein Odeon, Apostelkirche, Theater, Zitadelle und ein Aquädukt. Am Ostausgang de Stadt und direkt an der Staatsstrasse 400, kann man die Burganlage aus dem 11. Jahrhundert nicht übersehen. Sie ist eine der best erhaltenen Burgen Europas und gewaltig in ihren Ausmaßen. Sie liegt direkt am Meer. Die Stadt selbst hat allerdings sehr wenig zu bieten und erscheint unattraktiv, so dass es uns weiterzieht. Gegen Abend erreichen wir den Hafen von Tasucu und treffen Lothar und Barabara wieder. Nun werden Pläne geschmiedet, nach Zypern über zu setzen. Das Hotel und uns zwei Personen nach Girne auf Zypern zu verschiffen, kostet stolze € 165, für nur eine Überfahrt. Nicht eben billig, im Vergleich mit den Fährpreisen nach Kreta.
Nach einem ausgiebigem Bummel und Abendessen in einer der Tavernen im Hafen, verschlägt es uns schon bald in die Kojen. Wir stehen wie meistens mit der Breitseite zum Meer und Hafen, können zuschauen, wie die Fischer bei Sturm ihre Boote verzurren.
Tag 93: Kaiser Barbarossa und die Heilige Thekla (09.02.2006) 53 km
Wir unternehmen einen Ausflug, ansonsten wird es ein ruhiger Tag. Ziel ist die Schlucht, in der im Jahre 1190, der Kaiser, Friedrich Barbarossa I, im Schluchtenfluss Saleph, ertrank. Heute werden die aus den Bergen kommenden Wasser allerdings Göksu-Fluss genannt. Ein simpler Gedenkstein erinnert an den Platz, wo der Deutsch-Römische Kaiser die Fluten durchqueren wollte. Seine Rüstung wird ihn in die Tiefe gerissen haben. Damit war der Kreuzzug vorbei, denn er war mit seinen Truppen über das Taurus-Gebirge kommend,, nachdem er die Stadt Konja überfiel und plünderte, eigentlich auf den Weg nach Palästina. Nach seinem Tot marschierte sein führungsloses Heer zurück. Lothar und Barbara begleiten uns in unserem Hotel.
Die Landschaft ist atemberaubend, die Schluchten von kolossaler Größe und Anmut und einen Besuch wert. Die Anfahrt erfolgt über den Ort Silifke, den man über die Küsten- und Staatsstrasse 400 erreicht. Dann folgt man für 8 Kilometer der Verbindungsstrasse Richtung Mut und die Schlucht tut sich vor einem unübersehbar auf. Der Gedenkstein an den Kaiser steht auf einem kleinen Parkplatz.
Die Heilige Thekla, Schülerin des Apostel Paulus, lebte und starb unweit Silifkes in Ayatekla. Aus Schriftstücken des 2. Jahrhunderts geht hervor, dass sie in einer Höhle in Seleukeia lebte. Der Ort wurde nach ihren Tot zu einem Wallfahrtsort, der weit ins Abendland hinein bekannt war. Heute stehen in Ayathekla nur noch Ruinen.
Silifke selbst ist keinen Besuch wert, es sei denn man möchte sich die Burgruine anschauen, an der man auf dem Weg zum Barbarossa-Denkmal sowieso vorbei kommt. Sie ist nicht zu übersehen.
Sackgasse Türkei, es geht nicht mehr weiter …
Unsere Pläne den Iran und Pakistan zu durchqueren legen wir endgültig auf Eis und somit geht es für uns nicht mehr weiter in Richtung Osten, zum Dach der Welt, den Spuren Alexander des Großen zu folgen. Zurzeit brennen Botschaften und Häuser westlicher Bewohner in den islamischen Ländern. Fahnen werden verbrannt, auf den Straßen herrscht Aggression, Wut, Chaos. Mohammed wurde beleidigt, das ist so ziemlich das schlimmste was man einen Mohammedaner antun kann. Schuld sind die Karikaturen eines Dänen, die veröffentlich wurden. Wir müssen Übergriffe oder Angriffe auf uns befürchten. Entführungen ebenfalls nicht ausgeschlossen. Und selbst wenn sich die Lage beruhigt, was, wenn wieder jemand auf die Idee kommt gegen Allah, Mohammed oder den Koran zu argumentieren oder zu verunglimpfen. Die Wut gegen uns Europäer hat sich aufgestaut. Es wäre unverantwortlich die Route wie geplant fortzusetzen. Nun denken wir um und werden erst einmal Zypern bereisen, um dann zu entscheiden, wie die verbleibenden 9 Monate für uns aussehen werden.
In den Nachrichten gestern wurde Deutschland im tiefsten Winter gezeigt. Ebenfalls Chaos auf den Straßen, Wasserwegen und Flughäfen. Doch dieses Chaos ist überschau- und beherrschbar. Die teils sehr radikalen Islamiten hingegen nicht.
Gast am 28 Mär 2007 11:48:47 ... wer weiter mit uns reisen möchte, der sollte nun unter den Foren, das Forum "Inseln" wählen und unter "Mit dem Reisemobil auf Zypern" von Jeff K. weiterlesen.
Gute Reise
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