Tag 1 - 21.08.2021 - Sonnabend
Etwas nördlich von Paderborn liegt der Ort Hövelhof. Dort gibt es einen kostenlosen SP beim Bahnhof, der sogar über Stromanschlüsse verfügt. Trotz der nahen Schienen und des gelegentlichen Zugverkehrs habe ich dort gut geschlafen und war dann auch bald wieder auf der Autobahn für die nächsten 150 km nach Lingen.
Bielefeld, Osnabrück, Ibbenbüren, Rheine auf der A 30, dann auf die A 31 bis Lingen, alles ging flott, das Wetter war gut, also alles bestens. Dann kam der SP von Lingen: alles besetzt. In Hanekenfähr, meinem Ausflugsziel für morgen, gibt es einen CP mit Stellplätzen, aber es gefiel mir dort überhaupt nicht auf diesem deutschen Dauercampingplatz, zudem war die Rezeption in der Mittagszeit geschlossen. Und zu dem, weshalb ich morgen hierher wollte (“Wasserfall” und Einmündung des Dortmund-Ems-Kanals in die Ems), hatte ich nun auch keinen Bock mehr. Also zu dem, was ich übermorgen machen wollte: nach Twist. Moormuseum, Moorpfade, Moorlandschaften … und ein kostenloser SP. Der allerdings war, wie sollte es anders sein, voll belegt. Dann auch kein Moor!
Ich rang mit mir und war schon in Gedanken auf dem Weg nach Hause. Da fiel mir die Straße der Megalithkultur ein und der entsprechende Prospekt in die Hand. Also auf nach Meppen, von dort nach Sögel und weiter nach Werlte. So verläuft ein Teil der Straße. Allerdings ist es nicht so, dass die Großsteingräber direkt am Straßenrand stehen, sondern in der Regel muss man sich ziemlich abseits begeben. Das habe ich aber nicht getan, sondern in Werlte den kostenlosen SP mit Bezahlstrom gesucht und gefunden, und siehe da, ein Platz war noch frei und mein Kabel war knapp lang genug, um mich an den Strom anzuschließen. Da stieg die Laune dann doch etwas und der Neid auf die sich zufrieden in ihren Klappstühlen vorm Wohnmobil in Lingen räkelnden Glückspilze ebbte ab.
Ich schnappte mir das Fahrrad, fragte Leute in der Nähe nach dem Weg und machte mich auf zu einem der hiesigen Großsteingräber. Ich fand es auch. Es heißt De Hoogen Steener und hat noch einen kleinen Bruder, die Poldenhünensteine. Angesichts anderer Großsteingräber, die ich kenne, wusste mich De Hogen Steener nicht so richtig zu beeindrucken, aber immerhin.

Nun wollte ich auch noch den kleinen Bruder finden. In der Nähe war ein Kunstflugplatz für Modellflugzeuge. Als ich die Leute dort fragte, waren sie sehr nett, zeigten mir auch bei Google die Stelle und waren auch sonst sehr hilfsbereit und beredt, gefunden habe ich es dennoch nicht, aber auf diese Weise eine schöne kleine Radtour in die Landschaft gemacht.
Es gibt auch noch dieses Teil hier in Werlte: Kreuzmanns Mühle.

Also hat sich der Tag nach den vielen Enttäuschungen zu Beginn doch noch gut entwickelt. Und zu allem Überfluss ist ein türkischer Imbiss in 20 m Entfernung.
Tag 2 - 22.08.2021 - Sonntag
Heute war ein ereignisreicher Tag, soviel kann man sagen. Zunächst mal fiel das Einschlafen schwer, denn von irgendwo her hörte man Techno-Musik, zumindest die Bässe und irgendwas Rhythmisches, Saturday Night Feaver in Werlte, dann hatte es in der Nacht heftig geregnet und morgens war alles grau verhangen. Allerdings wurde das Wetter bald sehr viel besser.
Als erstes ging es zur Gedenkstätte Esterwegen beim gleichnamigen Ort.
Das Lager war ab 1933 zunächst KZ für politische Häftlinge. 1936 wurde das Lager aufgelöst und ging über in das KZ Sachsenhausen bei Berlin. 1937 wurde Esterwegen Lager für Straftäter und während des Krieges für von Wehrmachtsgerichten verurteilte Soldaten sowie für Widerstandkämpfer aus westeuropäischen Ländern. Insgesamt gab es in den verschiedenen Emsland-Lagern bis zu 10 000 KZ-Häftlinge und 70 000 Strafgefangene, dazu etwa 100 000 Kriegsgefangene. Etwa 20 000 Menschen verloren in diesen Lagern ihr Leben, vor allem sowjetische Kriegsgefangene. Einer der Häftlinge in Esterwegen war der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky.
Die Insassen wurden überwiegend zur Moorkultivierung eingesetzt. Das Lied “Die Moorsoldaten” ist in dem Nachbarlager entstanden.
Die Ausstellung ist sehr detailliert und informativ. Sie behandelt auch den als „Der Hauptmann“ verfilmten Fall des 19jährigen Gefreiten Willi Herold, der in einer gefundenen Hauptmannsuniform ein Massaker in einem der Lager anrichtete und 1946 verurteilt und hingerichtet wurde.

Das Gelände zeigt kaum etwas Erhaltenes, macht allerdings die Dimensionen deutlich. Die Anordnung der Baracken wird durch Buschgruppen angedeutet.
Hinter dem Gelände erstreckt sich eine weitläufige Moorlandschaft, die man auf einem Weg aus Holzstegen erkunden kann.

Nach diesen beeindruckenden und berührenden Impressionen war das zweite Ziel des Tages die Festung Bourtange, die grenznah in den Niederlanden liegt und eine in sich geschlossene Einheit bildet. 1580 erteilte der Prinz von Oranien den Auftrag zum Bau dieser Festung, die den Spaniern den Weg nach Groningen abschneiden sollte. Heute ist es ein idyllisches, lebendiges Örtchen, umgeben von monströsen Wällen und Gräben und von vielen Touristen als Ausflugsziel genutzt.

Zur Freude vieler Touristen wurde um 15 Uhr eine Kanone fachgerecht und mit lautem Getöse mehrfach abgefeuert.

Das dritte Ziel heute erreichte ich in prasselndem Starkregen. Lathen, eine kleine Stadt, an die sich die Versuchsstrecke für die Entwicklung des Transrapid schmiegt. Man sieht die Bahnlinie auf Stelzen, eine Art Bahnhof

und einen Waggon.

Dazu gibt es noch ein Mahnmal für die bei einem Transrapid-Unglück ums Leben Gekommenen. Dieser Vorfall führte auch zur Einstellung des gesamten Projekts.

Auf dem Weg zu Tagesziel 4 kam ich auch durch Papenburg und an der Meyer-Werft vorbei, wo ich tatsächlich ein Riesenschiff, die Aida Cara, draußen liegen sah. Ich aber fuhr weiter, erst auf der A 31 und dann über Jemgum, Midlum, Critzum, Hatzum und Nendorp zum Ziel und das war in Ditzum an der Emsmündung, quasi fast gegenüber von Emden, nahe der holländischen Grenze…
… und der dortige Reisemobilhafen Ditzum Am Deich war natürlich voll! Immerhin ließ mich der Manager für 11,50 € praktisch auf seinem PKW-SP stehen, wo es auch noch im Preis enthaltenen Strom gab. Man bekommt auch einen Code für ein Toiletten-/Duschhaus.
Es ist bewölkt hier und windig und auch kühler. Ich werde wohl morgen wieder abfahren.
Bei einem längeren Spaziergang habe ich mir alles angesehen, was ich wichtig fand: Deiche,

die Ems,

den Hafen,

den Ort selbst mit Windmühle


und einigen Restaurants in Hafennähe … und viel mehr ist hier auch nicht.
Tag 3 - 23.08.2021 - Montag
Heute war ein wettertechnischer Traumtag: Sonnenschein bis zum Abwinken, leichter Wind …
Dann ging es los. Flussaufwärts 20 km bis zur Autobahn, auf der bis hinter Emden und dann in die Natur. Zuerst nach Wybelsum und von dort auf immer enger werdenden Straßen und Wegen direkt an die Ems. Ich kam zum Siel und Schöpfwerk Knock, nebenan befindet sich der eindrucksvolle Turm einer Radar-Überwachungsanlage.

Von dort führte mich der Weg nach Rysum, Loquard und Campen. Hier kann man wieder zur Ems abbiegen und landet bei der Leitfeueranstalt Campen, dem mit 67 m Höhe zweithöchsten deutschen Leuchtturm, seit 1892 immer noch in Betrieb. Seine Stahlkonstruktion erinnert ein wenig an den Eiffelturm.


Zurück in Campen ging es weiter nordwärts: Groothusen, Manslagt und Pilsum waren die nächsten Orte. In Pilsum ging es wieder ab zur Ems zum Pilsumer Leuchtturm. Ich war nicht der Einzige, der zum Turm wollte. Es gibt inzwischen dort einen gebührenpflichtigen Parkplatz mit zwei Imbissständen und viele, viele Menschen. Die meisten scheinen mit E-Bikes unterwegs zu sein. Alles wandelt oder fährt zum Turm, der auch wirklich nett aussieht, gerade bei diesem tollen Wetter. In dem Turm kann man wohl standesamtlich heiraten.

Ich hielt mich eine knappe Stunde dort auf, dann wollte ich mir einen weiteren Touristenmagneten anschauen: das Fischerdorf Greetsiel. Es gibt dort einen großen SP, der war aber komplett besetzt. Auf dem PP davor gab es zwar schöne Wohnmobilbuchten, allerdings nur für Tagesgäste. Übernachten ist dort verboten. Dann haben sie es auch nicht verdient, dass ich mir Greetsiel anschaue! Aber was nun? Aus der App wählte ich mir Marienhafe aus, schön abseits, da wird doch was frei sein. Es war ein schöner Platz, aber alle Stellflächen waren besetzt, nichts zu machen. Also weiter in die Einöde, und zwar nach Rechtsupweg, ein einsamer Platz bei den Sportanlagen, kostenlos mit Bezahlstrom. Auch hier: 3 von 5 Plätzen waren schon besetzt, ich war Nr. 4, bekam den letzten Stromanschluss, und Nr. 5, eine alleinreisende Dame meines Alters, machte direkt hinter mir die Sache komplett. Mit ihr und noch einem Pärchen aus Nr. 1 gab es noch ein nettes Gespräch.
Jetzt, 19 Uhr, sitze ich hinterm Womo in der Sonne, schreibe dieses und schaue einer weiblichen Fußballmannschaft beim Training zu, trinke ein kühles Bier und denke, so schlecht hab ich’s denn ja nun auch nicht.

Tag 4 - 24.08.2021 - Dienstag
Lange geschlafen, Nr. 1 und 5 waren schon weg.
Wieder begann ein wunderschöner Sonnentag. Mit Hilfe der Sygic-App hatte ich mir einige Sehenswürdigkeiten herausgesucht, die ich abklappern wollte, um den Tag in Wilhelmshaven auf dem SP an der Schleusenstraße zu beenden.
• Das erste Ziel: In Großheide gibt es ein Moor- und Waldmuseum, klingt doch erst mal interessant. Es war schwer zu finden. Im Rathaus gab es einen heißen Tipp: Kirchenstraße. Als ich endlich dort anlangte, gab es auch das Museum, allerdings war es geschlossen. Vor einer Woche hatte gerade eine Windhose eine Schneise durchs Gelände gezogen und war unmittelbar zwischen Museum und Kindergarten durchgesaust. Einige Verwüstungen (beschädigte Dächer, entwurzelte Bäume usw.) konnte man noch direkt sehen.

• Das zweite Ziel: das Evermeer oder das Ewige Meer, es ist Deutschlands größter Hoch-moorsee, 1500 m lang und 600 m breit und gehörte zu einem riesigen Hochmoorgebiet zwischen Aurich und Westerholt, das mehr und mehr kultiviert worden ist. Am Ende der Zufahrtsstraße ist ein Café und ein Parkplatz mit komfortablen Toilettenhaus. Von dort führt ein Fuß-/Bohlenweg in das Seegelände bis zu einem Aussichtspunkt. Von dort führt ein weiterer Weg zurück zum Parkplatz. Der war aber gesperrt. Trotzdem: eine interessante Gegend, bevölkert übrigens von zahlreichen aufrecht fahrenden e-Bike-FahrerInnen im fortgeschrittenen Alter. (Irgendwie sehen die alle gleich aus - ich mit meinem ja wahrscheinlich auch.)

• Das dritte Ziel: die Windkraftanlage in Schweindorf. Dort soll man tatsächlich auf so einen hohen Mast mit Rotor auffahren können und dann alles erklärt bekommen. Das Ganze geht natürlich nur mit telefonischer Anmeldung, logisch, hätte ich mir auch denken können. Nach Schweindorf bin ich nach dem Tanken (1,309/l) trotzdem gefahren, schon wegen des Namens.
• Das vierte Ziel: Schweindorf und Nenndorf gehören zu Westholt, wenn ich das richtig verstanden habe. In Nenndorf soll es in der Gartenstraße 1 eine Touristeninformation geben. Als ich die Adresse aufsuchte, landete ich in einem Wohngebiet mit Einfamilienhäusern und ohne Touristeninformation.
• Das fünfte Ziel: Spottershill bei Wittmund, wohl ein Fliegerhorst. Ich weiß es aber nicht, weil ich das Teil nicht gefunden habe.
• Das sechste Ziel: Schloss Jever ließ ich mangels Motivation rechts liegen, obwohl es ausgeschildert war.
• Mein siebentes Ziel: Burg Kniphausen in Wilhelmshaven: siehe Ziel 6!
• Mein achtes Ziel: der SP an der Schleusenstraße in Wilhelmshaven. Dieser Platz war – natürlich! - komplett belegt. Den SP auf dem Fliegerdeich habe ich erst gar nicht aufgesucht.
• Mein neuntes Ziel: der SP in Delmenhorst. Diesen habe ich gegen 18 Uhr aufgesucht und es war tatsächlich noch ein Plätzchen frei. Ich ging in mich. Weshalb sollte ich hier jetzt noch eine Nacht verbringen, wo doch 200 km weiter mein Bettchen auf mich wartet. Und so fiel die Entscheidung nicht schwer.
• Mein zehntes Ziel: nach Hause, dort traf ich nach flotter Fahrt gegen 20.30 Uhr ein.
Fazit: Immerhin 2 von 10 Zielen erreicht! Guter Schnitt!
Wenn das so weitergeht, macht das Wohnmobilfahren und -übernachten bald keinen Spaß mehr. Das kann’s doch nicht sein, dass auf jeder in Frage kommenden Fläche bereits ein Wohnmobil steht, dass man Hotspots gar nicht erst anzufahren braucht und selbst im Abseits nur mit Glück einen Platz findet.
Und eine letzte Bemerkung: Danke, frankjasper8, für deine Anregungen. Es war nicht das erste Mal, dass ich deinen Wegen gefolgt bin.

