Kroatien ist ein wunderschönes Land vor allem für den wassersportbegeisterten Camper. Doch liest man auch immer von den Schattenseiten, wie z.B. im Sturm weggerissene Markisen, zerstörte Pavillons, losgerissene Schlauchis, gesperrte Straßen, eingestellte Fährverbindungen ....
Nach mehr als 30 Jahren auf dem Wasser, ungezählten Seemeilen und 1001 Nächten in (mehr oder weniger) einsamen Inselbuchten im anerkannt schönsten Revier der Welt gleich nach der Karibik kann ich vielleicht ein bisschen zu Erklärung der Wetterphänomene und zur Reiseplanung beitragen. Das Folgende gilt nur für die Sommermonate.
Im allgemeinen ist es im Sommer sehr sonnig, trocken und heiß. Der Maestral, ein leichter bis mäßiger Nordwestwind, garantiert gutes Wetter. Er ist der typische Begleiter eines Hochdruckgebietes und frischt regelmäßig um die Mittagszeit auf, um in der Abenddämmerung wieder einzuschlafen. Über der See steht in der Ferne dann leichter Dunst. Die Nächte sind windstill und sehr warm.
Gestört wird diese Wetterlage von regelmäßig auftretenden (!!) Tiefdruckgebieten, die immer von Westen in Richtung Kroatien ziehen. Ein, zwei Tage vorher dreht der Wind auf leichten Südost und es wird sehr heiß. Das Barometer fällt rapide. Jetzt ist Vorsicht angesagt. In Abwesenheit oder Abends würde ich immer die Markise einfahren und das Schlauchi an der Boje gut festmachen.
Tiefdruckgebiete schieben immer eine mehr oder weniger stark ausgeprägt Kaltfront vor sich her, die zunächst auf die Nordadria und mit etwas zeitlicher Verzögerung auf die anderen Küstenteile Kroatiens trifft. Sie bedeuten immer lokale Gewitter, mit etwas Glück "thundery showers" oft aber leider begleitet von "thunderstorms". Die Windgeschwindigkeiten können enorm sein, es blitzt und donnert ununterbrochen und kurz danach stürzen wahre Bäche vom Himmel. Nach einer halben bis ganzen Stunde ist der Spuk meistens vorbei.
Als besonders herausragende Folgen habe ich zuletzt 2019 die leergefegte Bucht "Soline" auf Pasman erlebt. Sie ist an sich gegen alle Winde geschützt und fest am Boden verankerte Bojen garantieren eine ruhige Nacht. Nicht so in dieser. Selbst die größten Yachten wurden wild durcheinander gewirbelt und an ihren 7 Tonnen schweren Betonblöcken der Bojen hängend ans Ufer gedrückt. Wir waren mittendrin, haben das Tau noch schnell durchschneiden können, bevor auf Deck kein Halt mehr möglich war und sind mit Motorkraft die halbe Nacht durch die Bucht gefahren, um uns von dem Chaos fernhalten zu können.
1989 haben wir einen Campingplatz bei Stara Baska auf der Insel Krk gesehen, der von einem Gewitter nahezu leergefegt wurde. Es gab Tote und viele Verletzte. Wir hatten das Glück, diese Nacht in der Marina Punat abwettern zu können. Aber unser Boot wurde dabei trotzdem stark beschädigt.
Dem Gewitter folgt am kommenden Tag immer die Bura. Es ist ein Nordostwind, der von strahlend blauem Himmel begleitet für angenehme Temperaturen und eine enorme Weitsicht sorgt. Das Meerwasser ist stark abgekühlt.
Die Bura ist ein kalter Fallwind und tritt besonders stark an der Küste unterhalb des Velebitmassivs, also zwischen Rijeka und Zadar, und an der Makarska-Riviera, also zwischen Omis und Ploce, auf. Er kann dort ebenfalls Sturmstärke erreichen. Man darf die Bura nicht unterschätzen. Wir haben sie schon sehr oft erlebt. Auslaufen ist dann nicht mehr möglich und ich bin schon auf allen Vieren über die Drehbrücke von Mali Losinj gekrabbelt, weil es mich sonst unweigerlich umgeblasen hätte.
Weitere Folgen sind dann regelmäßig eingestellte Fährverbindungen im Velebit, die Brücke von Krk wird für Gespanne etc. genauso wie die Autobahn für Gespanne und Kfz über 3,5t zwischen Maslenica (bei Zadar) und dem Tunnel Sveti Rok gesperrt. Letztere Sperrung habe ich einmal mit einem Gespann ignoriert. Glaubt mir einfach, wenn ich sage, dass ihr das nicht erleben möchtet. Die Polizei und ein Bußgeld wären das kleinste Problem gewesen.
Die Bura wird dann nach ein bis zwei Tagen - im Velebit etwas später - wieder vom Maestral abgelöst, der dann wieder viele Tage, manchmal sogar ein oder zwei Wochen anhalten kann.
Um so weiter man in den Süden kommt, um so geringer fallen die Schattenseiten der genannten Wetterphänomene ins Gewicht. Die Wetterscheide liegt bei Zadar.
Nach diesen Abläufen kann man fast die Uhr stellen, so regelmäßig laufen sie ab. Das Wetter in HR ist wirklich ein Phänomen. Natürlich gibt es noch weitere Wetterereignisse. Es kann z.B. schon mal der Jugo, ein warmer Südwest, ein paar Tage blasen und manchmal auch länger anhaltenden Regen mitbringen. Das ist aber eher selten der Fall und hat für den Camper auch keine all zu große Bedeutung.

