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Albanien 2022 - Infos, Reiseeindrücke, Tipps


recycler am 22 Jul 2022 15:22:16

Albanien Juli 2022

Infos, Reiseeindrücke, Tipps

Wir (Lissi und Michael) waren im Juli 2022 für 3 Wochen mit dem Camper in Albanien und möchten kurz und knackig für alle Interessierten ein paar Informationen und Tipps zusammenstellen.

Straßen, Verkehr und Navigation:

Wer nach Albanien reist sollte trotz Navi in jedem Fall eine möglichst aktuelle Karte mitnehmen. Unser Garmin-Navi auf aktuellstem Stand fand viele kleinere Ort nicht und auch Google Maps hilft nicht immer weiter. Straßenzustand variiert von sehr gut (meist auf Schnellstraßen und den wenigen Autobahnen die mautfrei sind) bis zu unbefestigt und brutalen Schlaglöchern. Innerorts sind überall Stolperschwellen auf der Fahrbahn. Also immer besser die Augen auf! Diesel war mit über 2.-- auch mit am teuersten auf der Reise.
Albanien ist ein reiches Land, denn fast jeder fährt Mercedes :-)
Aber nicht nur die alten Kisten, man sieht haufenweise die neuesten Modelle und auch die Edel-SUVs anderer Hersteller alle mit albanischen Kennzeichen, keine Touristenfahrzeuge! Tankstellen, Werkstätten, Autowäscher und Reifen-/Felgenhändler gibt es an jeder Ecke. Der Albaner liebt sein Auto.
Verkehr ist chaotischer wie bei uns. Nicht wundern wenn einem jemand auf seiner Spur entgegenkommt. Er weicht nur Schlaglöchern aus, oder will einkaufen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Grundsätzlich parkt man immer direkt vor dem Geschäft in 1., 2. oder 3. Reihe und schaltet evtl. die Warnblinkanlage an. Vorfahrt hat meiste das größere / stärke Fahrzeug. Gehupt wird eigentlich nie, nur wenn es um Leib und Leben geht. Wer sich wie wir auf andere Fahrweisen im Reiseland schnell einstellen kann, kommt in Albanien gut zurecht.

Währung, Handynetz und Datenkarte:

Die Währung ist albanischer Leke. Ca. 115 Leke sind 1 Euro. Preise kann man ganz gut umrechnen, wenn man einfach die letzten beiden Stellen streicht. An der Grenze oder in den Touristenorten gibt es Wechselstuben oder Schwarzwechsler. Campingplätze und Restaurants akzeptieren z.T. auch Euro, aber zu einem richtigen Urlaub gehört auch eine andere Währung!
Albanien gehört nicht zur EU, daher ist telefonieren und Datentransfer mit der deutschen Karte teuer. O2 und auch Vodafone bieten z.T. direkt an der Grenze Touristenpackages an (wir haben für 15 GB und 100 Roaming-Minuten ca. 16.-- bezahlt. Karte wurde direkt eingebaut und freigeschaltet). Das Handynetz und schnelles Internet ist auch außerhalb von Ortschaften und auf dem Land gut – wir sind ja nicht in Deutschland.

Einkaufen und Infrastruktur:

Die großen Supermarktketten findet man hier fast nicht. Es gibt aber überall kleinere 'Tante Emma-Läden' oder kleinere Kauf- und Warenhäuser mit Dingen des täglichen Bedarfes. Obst- und Gemüse gibt es frisch direkt vom Feld oder Garten am Straßenrand für ganz wenig Geld. Kleiner Tipp: Die Vollsortimentstände mit allen Arten von Obst, Gemüse und Touristenplunder besser meiden. Hier wurden wir 1x abgezogen und haben das 3-4 fache als sonst üblich bezahlt.War evtl. auch nur ein Einzelfall, sonst waren die Verkäufer alle ehrlich und sehr freundlich.

Müll und Abfallentsorgung:

Albanien wird oft als Müllkippe bezeichnet, was wir so nicht festgestellt haben (wir waren eher positiv überrascht). Es liegt mehr Müll in der Natur oder auch haufenweise als Müllkippe wie z.B. bei uns in Deutschland oder in Griechenland. Wir haben aber in den anderen 'Ex-Yugo-Staaten' die wir durchfahren haben, ein ähnliches Bild gesehen. Man bemüht sich wirklich dieses Problem in den Griff zu bekommen und es stehen überall große Abfallcontainer an der Straße, wo man seinen Müll problemlos entsorgen kann. Trotzdem werfen immer noch genug Leute ihren Müll direkt aus dem Auto.

Landschaft und Natur:

Die Natur in Albanien ist recht mediteran (viele Olivenbäume, Oleander) und abwechslungsreich. Wunderschöne Küstenlandschaften (Küstenstraße unbedingt fahren – viel weniger Verkehr wie in Kroatien) wechseln sich mit Berglandschaften und Pässen mit großartiger Aussicht ab. Allein dies ist die Reise wert!

Stellplätze (freistehend und Campingplätze):

Albanien ist touristisch viel besser erschlossen, als wir es und vorgestellt haben, insbesondere an der Küste. Gerade an der Steilküste mit wenig Strandbereich ist alles zugebaut und in den mittleren Küstenregionen mit Sandstrand ist ebenfalls sehr viel Betrieb in der Ferienzeit und hunderte Badegäste in dem Strandabschnitt. ABER abends fahren die Badegäste alle wieder nachhause und so kann man dort wo noch vor ein paar Stunden Trubel war oft allein am Strand übernachten!

Freistehen ist überall möglich und es findet sich insbesondere in den Bergen und außerhalb der Touristenhochburgen immer gute und ruhige Übernachtungsmöglichkeiten. Aber auch hier gilt: Die besten Plätze sind nicht asphaltiert und ausgeschildert und müssen oft erarbeitet werden, also nicht unbedingt erste Wahl für Weißwarenfahrer.

Campingplätze gibt es relativ viele angefangen von 'Parken im Garten' bis 'Glampingplätze', wie z.B. das Lake Shkoder Resort (sehr zu empfehlen auch das Restaurant – Luxus für relativ wenig Geld, aber auch entsprechend gut besucht).

Unterkunft und Restaurants:

Wer ohne WoMo / Camper reist findet viele Übernachtungsmöglichkeiten angefangen von einfacher Pension bis Luxushotel (je nach Geschmack und Geldbeutel).

Es gibt sehr viele Restaurants, Bars usw. in Albanien. Wir haben hier immer gut gegessen, insbesondere Fisch (Essen ist ähnlich wie in Griechenland, Kroatien, Türkei usw.). Preise sind meist günstiger wie in Deutschland aber in Bezug auf das Prokopfeinkommen relativ hoch.

Bevölkerung und Verständigung:

Albaner sind sehr freundlich und hilfsbereit (auch wenn wir das ein oder andere Mal den Eindruck hatten, daß nicht alle Informationen richtig waren, weil es derjenige selber nicht wusste uns aber lieber eine falsche als gar keine Info gegeben hat). Viele meiste jüngere Albaner sprechen englisch, sonst muss man sich halt mit Händen, Füssen und Google+Smartphone verständigen.

Freizeitaktivitäten:

Wer gern wandert, sollte unbedingt Bergschuhe mitnehmen. Man kann Klettern, Radfahren (wer es mag bei 40 Grad) und auch für Motorradfahrer gibt es viele schöne kurvige und bergige Straßen mit wenig Verkehr. Ein Paradies auch für Offroadfahrer. Wir waren Angeln (keine Erlaubnis erforderlich), haben aber nichts gefangen. Ist wohl ziemlich überfischt. Zum Bootfahren, Paddeln, SUP usw. gibt es viele geeignete Gewässer. Am Meer werden vereinzelt auch Jetski vermietet.

Fazit:

Albanien hat uns sehr gut gefallen. Wer gerne in der Natur freisteht und einen ruhigen, erholsamen Urlaub ohne großen Reglementierungen genießen möchte, wird hier seine Freude haben. In den Sommermonaten ist das Wetter meist beständig schön, aber auch sehr heiß.

Viel Spaß bei Eurer Albanienreise wünschen Lissi und Micha

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louis am 22 Jul 2022 16:39:28

Danke für die Zusammenfassung,deckt sich mit unseren Erfahrungen aus 2019

Louis

kunibertk am 22 Jul 2022 16:39:46

Vielen Dank!

Wie sieht das denn in Albanien (insbesondere beim Freistehen) mit Entsorgung von Grauwasser und Toilette aus? Ich stelle mir immer vor, dass die ganzen Wohnmobile mit west- und nordeuropäischen Nummernschildern hier einfach in die Landschaft ablassen, aber vielleicht stimmt das ja gar nicht? Gibt es immer wieder mal Straßengullys, öffentliche Toiletten etc.?

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recycler am 22 Jul 2022 16:57:34

Wir haben immer beim Besuch auf den Campingplätzen entsorgt und Frischwasser aufgefüllt. … und nach ein paar Tagen freistehen insbesondere am Meer ist tut eine ordentliche Dusche auch gut. So viele Camper und WoMofahrer sind hier auch nicht. Viele nur auf Transit nach Griechenland usw. LG recycler

Kuhtreiber am 22 Jul 2022 17:18:16

Vielen Dank für die Tipps. Nach Albanien wollen wir demnächst auch mal. Kann man auch mit Karte bezahlen oder ist das nicht so üblich?

recycler am 22 Jul 2022 20:17:48

Karte ist eher unüblich soweit wir das Zahlungsverhalten beurteilen konnten.

recycler am 22 Jul 2022 20:26:09

P.S. Zum Thema Küche. Die Verwendung von Gewürzen (auch so simplen wie Salz und Pfeffer) ist in der albanischen Küche eher ungewöhnlich oder wird nur extremst sparsam dosiert. Ist uns überall aufgefallen auch in einem der vermeindlich besten im ganzen Land (Mrizi i Zavsne alias Shade of the fairies).

Ausderasche am 23 Jul 2022 00:46:49

Vielen Dank für Deinen Beitrag. Er deckt sich mit unseren Erfahrungen vor 3 Jahren. (Erfahrungen sind immer subjektiv).

[/quote="recycler"] Gerade an der Steilküste mit wenig Strandbereich ist alles zugebaut und in den mittleren Küstenregionen mit Sandstrand ist ebenfalls sehr viel Betrieb in der Ferienzeit und hunderte Badegäste in dem Strandabschnitt. ABER abends fahren die Badegäste alle wieder nachhause und so kann man dort wo noch vor ein paar Stunden Trubel war oft allein am Strand übernachten!
[/quote]

Und in den zurückfahrenden Tagesgästen vor allem am Wochenende mitzuziehen, ist ätzend und zum Teil wegen der riskanten Überholmanöver der Heimfahrenden auf den Bergstraßen nicht ungefährlich. Und in den Strandbereichen gab es Staub zu schlucken von zu und ab fahrenden Fahrzeugen auch auf dem CP hinter der Standstr stehend ohne Ende.

Wir empfanden das als so fürchterlich, dass wir uns in die Gebirgsbereiche zurückgezogen haben und erst im Norden an die großen Stränden hinaus gefahren sind. Mit tollem Service übrigens!

Unser Eindruck: Albanien macht den gleichen Fehler wie Spanien und ballert die schönen Gebirgs-/Strandbereiche mit Hotels-/Appartments zu.

Gruß
Frank

squashbernd am 24 Jul 2022 11:06:46

Dann will ich auch noch meinen Senf dazugeben. Ich war im Frühjahr 2021 einen Monat lang in Albanien unterwegs.Meine Eindrücke kurz zusammengefaßt:
Positiv: Wunderschöne Landschaft sowohl an der Küste als auch und besonders im Landesinneren,sehr freundliche und hilfsbereite Menschen,gutes Preis-/Leistungsverhälnis
Negativ:leider fürchterlich vermüllt (viel schlimmer als von meinen Vorrednern beschrieben),Straßenzustand sehr "wechselhaft", ohne Vorwarnung wird sehr gute Straße durch Absätze,Schlaglöcher,etc unterbrochen.
Mein Fazit: Ich bereue meinen Aufenthalt dort nicht, finde aber besonders die Müllproblematik abschreckend.
Gruß Bernd

gordan am 24 Jul 2022 11:33:39

squashbernd hat geschrieben:….Mein Fazit: Ich ….finde aber besonders die Müllproblematik abschreckend. Gruß Bernd


Das kann ich zu 100% zustimmen. :)

Gruß Gordan

kunibertk am 24 Jul 2022 22:48:15

recycler hat geschrieben:Man kann Klettern, Radfahren (wer es mag bei 40 Grad)


Wie ist denn das Radfahren so? Eher Mountainbike (Berge und schlechte Wegstrecke), Rennrad (Berge und Asphalt), oder gibt es auch gute Möglichkeiten auf relativ ebenen Strecken mit Asphalt oder guten wassergebundenen Böden? (Abgesehen von Ohrid-See, wo das wohl geht.) Dedizierte Radwege gibt es vermutlich wenig, oder? Man wird eher auf der Straße fahren? Wie gehen denn die albanischen Autofahrer mit Radfahrern um?

recycler am 25 Jul 2022 08:15:03

Ja beim Radfahren eher offroad mit geeignetem Material. Aber die Bergpässe sind meist leer. Haben auch ein paar Radcamper gesehen. Aber ehrlich Radfahren bei 40 Grad und mehr zu dieser Jahreszeit würde ich mir schenken. LG recycler

kunibertk am 25 Jul 2022 22:01:19

recycler hat geschrieben:Ja beim Radfahren eher offroad mit geeignetem Material. Aber die Bergpässe sind meist leer. Haben auch ein paar Radcamper gesehen. Aber ehrlich Radfahren bei 40 Grad und mehr zu dieser Jahreszeit würde ich mir schenken. LG recycler


Danke, wir wollen im September / Oktober dort sein, da ist es klimatisch hoffentlich weniger stressig. Aber für Offroad sind unsere Räder nicht geeignet. Wir bevorzugen eher Radwege entlang von Flüssen oder auf stillgelegten Bahntrassen, wo es flach ist. Beides erwarte ich in Albanien (und den Nachbarländern) nicht so, aber vielleicht gibt es ja doch noch positive Überraschungen.

zirbl am 21 Aug 2022 15:22:31

Herzlichen Dank, das war sehr informativ und hilfreich. Wir planen im Herbst eine Balkanreise, Montengreo und Albanien.
LG
Richard "Zirbl"

stoppie am 21 Aug 2022 15:56:18

recycler, auch von mir ein herzliches Dankeschön für Deinen Reisebericht - umfangreiche Themen kurz verfasst - top. :top:

bert am 09 Jul 2023 10:18:09

Sehr schöner Bericht, Danke dafür.
Bei und geht es in zwei Wochen Richtung Albanien.
Das mit dem Müllproblem hört man leider oft.
Gab aber auch in Griechenland viele Berghänge die als Müllkippe benutzt wurden.
Bin schon gespannt.

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