Bevor's ein Bezahlartikel der FAZ wird:
Großfusion unter Wohnmobilvermietern
Wohnmobile nach Art von Airbnb: Über Camper-Plattformen mieten Urlauber das Zuhause auf Rädern von Privatleuten. Nach F.A.Z.-Informationen fusionieren die beiden größten Betreiber Europas.
Urlauber können Wohnmobile nicht nur kommerziell mieten – sondern auch privat nach Art von Airbnb. In dieser Branche der Camperplattformen kommt es nach F.A.Z.-Informationen zu einer Großfusion: Goboony aus den Niederlanden und Yescapa aus Frankreich haben sich zusammengeschlossen – woraus Europas Marktführer und einer der drei größten Anbieter der Welt entstehen soll. Die entsprechenden Verträge seien unterzeichnet, beide Parteien wollten das auf der Camping-Leitmesse „Caravan Salon“ in Düsseldorf bekannt geben, ist in der Branche zu hören. Der Wert der Transaktion wird auf 100 Millionen Euro beziffert. Yescapa halte eine Mehrheit der Kapitalanteile, doch sei vertraglich die Gleichberechtigung beider Partner vereinbart.
Die Anbieter stellen Onlineplattformen bereit, über die Urlauber von Privatleuten deren Wohnmobile mieten können. Der Markt kam zuletzt wieder in Bewegung: Der namhafte deutsche Konkurrent Paulcamper aus Berlin ließ sich von der australischen Camplify übernehmen. Die niederländische Camptoo – wesentlicher heimischer Wettbewerber von Goboony – wurde Ende vergangenen Jahres für insolvent erklärt. Kunden werden beim Aufsuchen der Website jetzt auf Goboony umgeleitet. 30.000 Fahrzeuge im Angebot
Goboony und Yescapa gelten als größte Camperplattformen Europas. Die Niederländer bezeichneten sich im F.A.Z.-Gespräch im vergangenen Jahr als Nummer zwei – gleichauf mit Paulcamper und etwas hinter Yescapa. Sie wollten die Franzosen noch 2022 überholen, wie ihr Ko-Chef Foppe Mijnlieff sagte – was am Ende nicht gelungen ist. Das fusionierte Unternehmen soll 30.000 Wohnmobile in zehn Ländern anbieten und 210 Mitarbeiter beschäftigen. Yescapa hatte in der Vergangenheit Shareacamper in Deutschland, Areavan in Spanien sowie einen französischen Anbieter übernommen, Goboony wiederum Geschäfte von Camptoo.
Im Zuge des Zusammenschlusses entsteht eine Holding mit Sitz in Amsterdam, operativ arbeiten beide Seiten aus ihren jeweiligen Ländern weiter. Die vier Gründer – Mijnlieff und Mark de Vos auf Goboony-Seite und Benoit Panel und Adrien Pinson von Yescapa – sollen im Management sitzen, Vorstandsvorsitzender wird Yescapas stellvertretender Vorstandschef Sergio Branco. Die Unternehmen arbeiten vorläufig unter den Namen Yescapa und Goboony weiter. Mindestens bis zum Jahr 2026 sollen beide Marken, Geschäftsmodelle und Plattformen bestehen bleiben.
Beide auch in Deutschland aktiv
Yescapa ist in Deutschland seit dem Jahr 2016 auf dem Markt, Goboony seit vergangenem Jahr. Das Geschäftsmodell nutzt aus, dass Wohnmobileigner ihre Fahrzeuge oft nur ein bis zwei Monate jährlich nutzen. Den Rest der Zeit können sie die Fahrzeuge über eine der Onlineplattformen vermieten – ähnlich wie das bei Ferienhäusern schon lange gang und gäbe ist. Die Plattformbetreiber erhalten für die Vermittlung eine Provision, das Goboony-Management bezifferte sie im F.A.Z.-Gespräch auf 17,5 Prozent. Auf der Goboony-Plattform wird jedes Wohnmobil im Durchschnitt fünf- bis sechsmal im Jahr gemietet, so jedenfalls die Aussage im vergangenen Jahr.
Wie weiter zu hören ist, wollen Yescapa und Goboony weitere Mittel von Start-up-Investoren einwerben. Die bestehenden Aktionäre No Such Ventures und MAIF Avenir sowie iXO Private Equity sollen kürzlich 7 Millionen Euro eingeschossen haben.

