Hallo zusammen
Gerne möchte ich einige Erfahrungen mit obgenannten Wohnmobil, aber auch darüber hinaus, teilen.
Der 2.5 Tdi Motor macht mir bei jeder Nutzung Freude, auch wenn es heute leistungsfähigere und spritzigere Selbstzünder gibt. Er wirkt und tönt solide, hat mich in 11 Jahren nie im Stich gelassen, mittlerweile über 260'000km auf dem Tacho und noch ist kein Ende in Sicht. Einzig der (obligate) 5. Gang musste ich bisher bei 180'00km wechseln. Verziehen hat mir der Motor sogar ein aus Unachtsamkeit über die Hälfte mit Benzin gefüllter Tank, habe einfach fortlaufend immer wieder mit Diesel ergänzt und gut war. Wären die unangenehm wahrnehmbaren stickoxidlastigen Abgase und die (im Teillastbereich auch sichtbare) Feinstaubbelastung nicht, erhielte der Motor nach wie vor meine uneingeschränkte Empfehlung. So ist er, für mich ausser Frage, einfach nicht mehr zeitgemäss.
Die fehlende Abgasregelung erhöht dafür die Zuverlässigkeit durch weniger mögliche Problemfelder und wirkt sich wohl auch auf den Verbrauch günstig aus. Mit einer vorausschauenden und eher gemütlichen Fahrweise liegt dieser immer zwischen 8.5-10L (mit permanenten 3150kg Leergewicht als kleine rollende Werkstatt). Ich werte auch die fehlende elektronische Motorregelung und -überwachung insgesamt als positiv, ich kann so alle Servicearbeiten etc. selber ausführen, müsste bei Problemen nicht ganze Baugruppen auswechseln oder bei der elektronischen Fehlersuche graue Haare kriegen. Das spiegelt sich in rekordtiefen Unterhaltskosten.
Der Motor springt seit Jahr und Tag auf Anhieb an, einzig ein festgefrorenes Kabel vom Gaspedal hat einmal im tiefen Winter die Abfahrt kurz hinausgezögert und aktuell hat das Ausschalten nicht immer auf Anhieb geklappt, was zu einer Anfrage hier im Forum geführt hat und ich rekordschnell die richtigen Hinweise gekriegt habe. Herzlichen Dank nochmals an dieser Stelle allen Helfern und den Betreibern im Hintergrund vom Forum. Ich hatte zuerst, ohne zuvor zu recherchieren, das Zündschloss in Verdacht, das Auswechseln war aber nicht die Lösung, zuletzt war es nur der korrodierte Kontakt vom Leerlaufventil.
Das Wohnmobil wird seit eh das ganze Jahr über genutzt, dafür hält sich das Fahrgestell (Maxiversion aus dem Jahre 1997) mit nun 26 Jahren auf dem Buckel auch noch ganz ordentlich. Da gilt es zwar schon dabei zu bleiben: als Vorkehrung mache ich alle zwei Jahre eine Unterbodenaktion mit Fluid Film, ist sehr angenehm zum Verarbeiten, da hauptsächlich aus Wollfett (Lanolin). Die ordentliche Bitumenschichtdicke in den Radkästen erhalte ich mit regelmässigen Aufträgen. Trotzdem findet das (Salz-) Wasser seinen Weg, zweimal ein grösseres Blech einschweissen, aber bisher nichts gravierendes an den tragenden Teilen, ausser einem eingeknickten Ansetzpunkt für den Wagenheber.
Ein sowas von praktisch veranlagter Vollintegrierter nebenbei bemerkt, nutze ihn mittlerweile zum Reisen sowie auch zum Handwerken, Brennholz transportieren etc. Kein Rost auf der Aussenhaut, dank Verkleidung aus Alu und Front/Heckschürze aus GFK (der Traum nach rostenden Fälzen, Schwellen und Kotflügeln bei VW LT und Co). Einzig, dass die Türbreiten (max. 50cm) manchmal die Transportmöglichkeiten limitieren, schränkt dann und wann etwas ein.
Gekauft habe ich das Wohnmobil im Jahre 2012 mit 147'000km für heutzutage unglaubliche Fr. 7000.-. Eigentlich war der Ersteigerungspreis über Fr. 8000.-, der Verkäufer hatte aber aus Versehen 127'000km Laufleistung im Inserat angegeben, darauf angesprochen ist er unkompliziert im Preis entgegengekommen. Das Ganze war für mich ein Wagnis, da ich ihn unbesehen ersteigern musste, denn das Angebot hatte ich erst in den letzten Stunden vor Ablauf der Auktion im Internet entdeckt. Es war in der Kategorie Wohnwagen und nicht bei den Wohnmobilen eingestellt worden, dadurch waren die Mitbieter nicht allzu zahlreich, zudem ohne TÜV/MFK und mit Hagelschaden. Auf das Inserat bin ich nur gestossen, weil ich einer Eingebung gefolgt bin und mal nach "Wohnmobil und winterfest" gesucht habe. Radläufe, Bremsen und einiges mehr musste ich nach dem Kauf zuerst erneuern, aber spätestens jetzt nach 11 Jahren kann ich eine äusserst positive Bilanz ziehen. Klar, dass im Laufe der Zeit so einiges und immer mal wieder was Im Aufbau gewerkelt oder erneuert werden musste, sich die Zuwendung synchron zum Alter erhöht. Da ich aber meine optischen Ansprüche in der Ausführung entsprechend reduziert habe und auch nicht mehr alle Reparaturen auf weitere 10 Jahre wie zu Beginn ausrichte, hält es sich noch immer in für mich zumutbaren Grenzen.
Da ich davon ausgehe, dass eine Neuanschaffung oder Ersatz unter Berücksichtigung der grauen Energie etc. unter dem Strich nicht umweltfreundlicher wäre, werde ich das Wohnmobil wohl noch solange wie möglich zu nutzen versuchen, unter Berücksichtigung der Verhältnismässigkeit allfälliger Investitionen in Bezug zum Alter und Zustand. Die Abgasproblematik muss ich dabei halt leider in Kauf nehmen, fühle mich aber schon nicht gerade gut, wenn ich am Berg Fahrradfahrer mit hochrotem Kopf und erhöhter Atemfrequenz überhole. Lebe dafür ansonsten sehr umweltbewusst, kaufe nach Möglichkeit lokale Lebensmittel und mehrheitlich in Bio oder Demeterqualität. Bin schon seit Jahren nicht mehr geflogen, habe ein grosses Haus an eine junge Familie verkauft und lebe seither in einem tinyhouseähnlich ausgebauten Zirkuswagen im hügeligen Grünen, in unmittelbarer Nähe zu einem Waldrand. Bin dank Solarstrom (ausser in den Wintermonaten) stromautark, aber ein Wohnmobil brauche oder leiste ich mir aus verschiedenen Gründen (familiäre, berufliche, persönliche). Ich glaube insgesamt sieht meine Umweltbilanz trotz Wohnmobil nicht schlecht aus, aber natürlich wäre diese ohne Wohnmobil noch besser. Konsequent weiter gedacht noch besser, wenn es mich gar nicht mehr auf diesem Erdenrund gäbe. So weit treibe ich es natürlich nicht, sehe mich auch nicht nur als Last für diese Erde, sondern versuche mit Dankbarkeit und Achtsamkeit der Welt gegenüber einen Ausgleich zu schaffen.
Ein weiterer Ausgleich in meiner Ökobilanz könnte dadurch entstehen, wenn dank meinen Erfahrungen mit Additiven und Ölwechselintervallen ein Umdenken stattfinden und vermehrt "Neuland" zu betreten gewagt wird. Ich werde dazu ein neues Thema eröffnen.
Freundliche Grüsse aus der Schweiz
Eric

