Joachim260 hat geschrieben: ...wenn deine Blattfedern nicht auf den Anschlagdämpfern aufliegen bringt eine Zusatzluftfeder nichts...
Das hatte ich zunächst auch gedacht, wurde allerdings durch die Praxis eines Besseren belehrt.
Auch wir haben mit unserem 3,5t Adria Coral auf Maxi-Chassis mit einem rumpeligen, augenscheinlich viel zu harten Fahrwerk zu kämpfen. Speziell kurze, kleine Fugen und Stöße gehen spürbar in den Aufbau. Etwas Abhilfe brachte die Anpassung der Reifendrücke auf die tatsächlichen Achslasten lt. der hier im Forum verfügbaren Michelin-Tabelle (wir fahren die OEM-Bereifung). So richtig zufrieden waren wir mit dem Ergebnis aber nicht.
Etwas später haben wie eine Goldschmitt-ZLF an der Hinterachse nachgerüstet - allerdings nur, weil wir das Heck für Fährauffahrten hochpumpen wollten für mehr Bodenfreiheit. Die Üerraschung kam dann hinterher bei der ersten Probefahrt: Das Abrollverhalten über Fugen und kleine Löcher - vorher unser Hauptkritikpunkt - war deutlich besser geworden.
So weit so gut, ich war zufrieden, wollte aber auch verstehen, wie ich mit einer Zusatzfeder eine eigentlich schon zu harte Feder komfortabler machen kann. Klingt eigentlich unlogisch. Nach etwas Überlegung bin ich der Sache aber näher gekommen, und ich denke, dass ich den Grund dafür gefunden habe.
Meine Theorie: Mit einer ZLF hebt man das Heck auch mit dem üblichen Fahrdruck bereits um einige cm an. Die eigentliche Blattfeder wird dadurch um ebendiese cm entlastet, die ZLF hingegen wird belastet. In Summe ist die Kraft, mit der beide Federsysteme die Starrachse auf den Boden drücken, gleichgeblieben - denn die Achslast hat sich ja auch nicht verändert. Nur wird diese Kraft jetzt anteilig auf das System der Blattfeder (unkomfortables Ansprechverhalten) und das System Luftfeder (weiches, progressives Ansprechverhalten) verteilt.
Grundsätzlich ist es dabei so, dass bei angehobenem Heck die ersten cm des Federwegs zu einem höheren Anteil von der ZLF abgefedert werden, da eine Blattfeder konstruktionsbedingt schon bei geringen negativen Federwegen sehr viel Federkraft einbüßt. Erst bei stärkeren Bodenwellen und Stößen kommt die Blattfeder wieder stärker in's Spiel. Im Ergebnis fährt man daher mit einem ZLF weicher über kurze Stöße und Fugen, obwohl die eigentliche Federrate (="Härte") des Aufhängungssystems tendenziell härter geworden ist.
Das gleiche Phänomen sieht man übrigens bei umgerüsteten Serienfahrzeugen im Rennsport. Ein reines, nicht straßenzugelassenes Rennfahrwerk für die Rundstrecke wie z.B. das KW Competition bietet zwar nur wenige Zentimeter positiven Federweg bei extremen Federraten, rollt aber dennoch subjektiv seidenweich über kleine Bodenunebenheiten. Er stärkere Stöße gehen voll in die Karosserie, weil der Federweg dafür natürlich nicht ausreichend ist. Das Geheimnis sind da die extrem kleinen Losbrechkräfte der hochwertigen Dämpferelemente des Fahrwerks bei Kosten in fünfstelliger Höhe.