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Jahrestreffen der Sami


dietmardd am 21 Jul 2025 00:28:00

Zu Mittsommer (Sommeranfang) ist in Schweden viel los und fast das halbe Land in Feierlaune. An diesem Tag sind auch unzählige schwedische Womos unterwegs und alle SP, CP und Wanderparkplätze voll. Da wir das wussten und die diesbezüglichen Festivitäten schon kannten, haben wir einen großen Wanderparkplatz ausgewählt, der groß genug auch für großen Ansturm ist. Als wir dort ankamen, bot sich uns folgendes Bild. Das war jedoch nur ein kleiner Ausschnitt, denn auch jeder Waldweg stand voll Autos.

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dietmardd am 21 Jul 2025 00:42:07

Wir fanden gerade den allerletzten Platz.

Wir waren überrascht, mitten in das Jahrestreffen der Sami geraten zu sein. Sami ist die eigene Bezeichnung der "Ureinwohner", die bei unkundigen Lappländer genannt werden. Man muss sich das wie ein Landsmannschaftstreffen vorstellen.

Wir waren fast die einzigen Ausländer, bis auf einen niederländischen Missionar und seine Frau, die seit vielen Jahren mehr oder weniger, mehr weniger, die Sami für die evangelische Kirche zu begeistern. Da der niederländische Missionar gut deutsch sprach, erklärte er uns vielen über die Sami.
Die meisten Sami arbeiten weit verstreut in Mittel und Nordschweden, Norwegen und Finnland in ganz normalen Berufen. Nur wenige betreiben noch Rentierzucht oder stellen Silberschmuck her. Allerdings bilden die Sami eine recht geschlossene Parallelgesellschaft.
Einmal im Jahr trifft sich der Großclan, um ihr Selbstverständnis zu pflegen und um Kontakte zu knüpfen, denn aufgrund der weiten Verstreuung haben diese Sami wenig Kontakt zueinander.
Für einen Tag und eine Nacht leben sie mal wie ihre Vorfahren in einer Art Tipi aus Holz.

dietmardd am 21 Jul 2025 00:44:45

So eine traditionelle Unterkunft hat oben im Dach eine verschließbare Öffnung, damit der Rauch des Feuers in der Mitte des Tipis abziehen kann.

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dietmardd am 21 Jul 2025 00:57:50

Von den Erwachsenen war wenig zu sehen. Die blieben in ihren Behausungen oder besuchten die Versammlungshütte.

Die Jugendlichen und ledigen Jungerwachsenen haben sich in traditioneller Kleidung heraus geputzt. Die männlichen Jugendlichen hatten zumeist braune Hosen aus Rentierleder an, die weiblichen Jugendlichen hatten oft traditionellen Silberschmuck - alles durch ihre Mütter hergestellt.

Nun wurde uns klar, welche weitere Funktion das Samitreffen hatte: eine Art Heiratsmarkt. Nur an diesen einen Tag im Jahr konnten die Jugendlichen des Großclanes zusammen kommen und Freundschaften schließen - als Anbahnung künftiger Hochzeiten.

Von 22:00 - 2:00 Uhr fand dann im nächsten Dorf, wo eine Halle gemietet wurde, eine Art Disco statt, wo sich die herausgeputzen Jugendlichen näher kennenlernen konnten.

Die Frau des Missionars - hoch angesehen bei den Jugendlichen, hat meine Frau bei den jungen Sami vorgestellt und damit in ihre Gemeinschaft "eingeführt". Damit waren wir und insbesondere meine Frau eine Art Ehrensami geworden. Da meine Frau besser in Fremdsprachen als ich ist, konnte sie sich jetzt ganz frei mit den Sami unterhalten - in Englisch.

dietmardd am 21 Jul 2025 00:58:53

Hier ein anderes Bild:

dietmardd am 21 Jul 2025 01:00:27

Das ging soweit, dass sie für uns Späße gemacht haben, z.B. eine kleine Pyramide:

dietmardd am 21 Jul 2025 01:12:25

Von der evangelischen Religion wollen die allermeisten Sami nichts wissen. Da sich der niederländische Missionar aber für die Rechte der Sami einsetzt, sind er und seine Frau hoch angesehen. In Sachen Glauben hat der Schamane das alleinige Sagen. Wir haben einen Erwachsenen gesehen, der von mehreren Jugendlichen umringt war. Das war wahrscheinlich der Schamane, denn der hatte eine Hand auf den Kopf eines der Jugendlichen gelegt und sprach alle möglichen Verwünschungen bzw. Segnungen zu diesem Jugendlichen aus. Alle umgebenden Jugendlichen hingen gebannt am Mund des Schamanen. Der Schamane hatte aber nicht mehr die traditionelle Kleidung wie z.B. in Indianerfilmen an, sondern "europäische" Kleidung.

Es war für uns schon ganz eindrucksvoll, unverhofft für einige Stunden am Leben der Sami teilzuhaben.

Beduin am 21 Jul 2025 06:27:55

Danke für zeigen und schreiben, sehr spannend das!

stegi am 21 Jul 2025 10:15:50

Hallole,
danke für den Bericht. Wo war dieses Treffen in Lappland?
Stegi, der Fragende

TiborF am 21 Jul 2025 11:46:10

:daumen2: dafür - sehr interresanter Bericht.

dietmardd am 21 Jul 2025 11:48:31

Wo war dieses Treffen in Lappland?


Zunächst: Lappland ist woanders, als die meisten denken. Die Provinz Lappland ist im Norden von Mittelschweden. Die nördlichen Provinzen in Schweden heißen anders. Auch in Nordschweden leben viele Sami, aber auch in Norwegen und Finnland. Für die Sami sind diese Grenzen quer durch ihr Siedlungsgebiet gezogen und ohne Belang.

Das Jahrestreffen der Sami war im Norden von Mittelschweden. Den genauen Ort möchte ich nicht schreiben, damit künftige Jahrestreffen der Sami nicht durch Wohnmobilisten überflutet werden und das Jahrestreffen zu einer Freakshow wird. Das würde etwas den früheren Völkerschauen ähneln, einer Art temporärer Sami-Zoo. Das wollen die Sami sicher nicht.

Die Wohnmobilisten hätten bestimmt keine bösen Absichten, aber die Sami würden sich so fühlen.

pipo am 21 Jul 2025 11:54:57

Tolle Eindrücke.. Herzlichen Dank :ja:

dietmardd am 21 Jul 2025 13:40:33

Das Verhältnis zwischen Schweden und Samen ist nicht immer konfliktfrei. In der Vergangenheit gab es immer mehr schwedische Siedler in ihren Gebieten, die vom Holzeinschlag oder Gewinnung von Bodenschätzen und deren Verarbeitung leben.

Auf der einen Seite gibt es Förderprogramme für das Volk der Samen, in letzter Zeit z.T. auch grenzüberschreitend.

Andererseits gibt es auch Probleme, z.B.:
- Viele Schweden schauen etwas geringschätzig auf die Sami herab, weil in deren Augen auf niederer Zivilisationsstufe.
- Der größte Teil der Sami ist inzwischen sesshaft, besucht Schulen und arbeitet, oft in weniger qualifizierten Berufen, da viele Sami eher bildungsfern eingestellt sind.
- Eine Integration bzw. Assimilation findet kaum statt. Die Samen bilden eine eigene Nation und damit eine Parallelgesellschaft.
- Schweden ist sehr religiös. Etwa 90 % sind evangelisch, der Rest sind vorwiegend islamische Migranten und Sami. Die schwedische Staatskirche hat viel Macht und Einfluss in der Gesellschaft. Da die meisten Sami bei ihrer Naturreligion bleiben und sich nicht missionieren lassen, gelten die Sami als arme Heiden.
- Schweden hat riesige Wälder, aber auch einen extremen Raubbau an den Wäldern. Außer in den Naturparks gibt es kaum erwachsene Bäume. Die Bäume werden schon mit einem Stammdurchmesser von 5 ... 10 cm geschlagen und dienen in erster Linie als Brennstoff, denn Bretter kann man aus den dünnen Stämmen nicht sägen. Die Rodungsflächen werden erst viele Jahre später wieder bepfanzt. Im Norden nimmt auch der Bergbau recht zu. Beides hat die Folge, dass es immer weniger Bäume mit Flechten gibt. Diese Flechten sind die einzige Nahrung der Rentiere im Winter.
- Die Sami sind ein ursprüngliches Nomadenvolk. Ihre Stammesgebiete sind in deren Augen Gemeineigentum. Diese Ansicht kollidiert mit dem Eigentumsbegriff der Schweden - egal ob Privat- oder Staatseigentum. Vergleichbar ist es mit Kain und Abel in der Bibel. Es gibt in Schweden ein Gesetz, dass die Samen nur Anspruch auf die Landesflächen erheben können, die sie dauerhaft bewohnen oder bewirtschaften. Ansonsten verlieren sie die Eigentumsrechte. Deshalb haben die Sami riesige Landesflächen eingezäunt, nicht wegen der Rentiere, sondern um das Eigentumsrecht zu wahren. Dieser Punkt ist der Hauptkonfliktpunkt zwischen Schweden und Samen.
- In der Vergangenheit hat Schweden grenzenlos islamische Migranten ins Land gelassen und diese im ganzen Land verteilt. Seit einigen Jahren hat Schweden für islamische Migranten das Land absolut dicht gemacht. Die Schweden haben viele Probleme mit den islamischen Migranten, vor allem in den Vorstädtem von Malmö, Stockholm, Göteborg, Uppsala und einigen weiteren, wo es fast täglich Schießereien zwischen verschiedenen Drogenbanden gibt. Die Samen haben nicht mehr die nationale Sonderrolle, weil es jetzt nicht mehr nur eine Minderheit gibt. Auch das Verhältnis zwischen Sami und islamischen Immigranten ist konfliktbeladen, da letztere teilweise sehr rücksichtlos sind und ihre Wut gern an den Schwächsten der Gesellschaft auslassen - mit Gewalttaten, Messerstechereien usw.. Der schwedische Staat kann in den Randgebieten der Großstädte nicht mehr das staatliche Monopol auf Gewalt durchsetzen und dort kaum noch die schwedischen Bürger schützen. Die Sami fühlen sich nicht mehr vom Staat geschützt. Auch deshalb bevorzugen die sesshaften Sami eher Dörfer und Kleinstädte. Dort ist die schwedische Welt noch in Ordnung, nahezu kriminalitätsfrei.

Allgemein: Trotz religiöser Unterschiede und der o.g. Konfliktgebiete haben wir keine solchen Spannungen erlebt bzw. in Gesprächen mit dem niederländischen Missionar erfahren, dass es zu Gewalttaten zwischen Schweden und Samen kommt. Die Samen sind sehr konfliktscheu.

mefor am 21 Jul 2025 21:38:18

dietmardd hat geschrieben:...
Wir waren überrascht, mitten in das Jahrestreffen der Sami geraten zu sein. Sami ist die eigene Bezeichnung der "Ureinwohner", die bei unkundigen Lappländer genannt werden. Man muss sich das wie ein Landsmannschaftstreffen vorstellen.
....

Danke für den tollen Bericht und die Bilder. Sehr beeindruckend!

bstocker am 21 Jul 2025 21:54:47

Danke fuers Herzeigen!
Ich dachte immer, das Jahrestreffen sei Anfang Februar?

LG Bernd

Kuhtreiber am 21 Jul 2025 22:30:19

bstocker hat geschrieben:Danke fuers Herzeigen!
Ich dachte immer, das Jahrestreffen sei Anfang Februar?

LG Bernd


Ist es auch :D

bstocker am 21 Jul 2025 22:34:52

Kuhtreiber hat geschrieben:Ist es auch :D


Die Bilder sind aber lt exif-Daten vom Juni.

Kuhtreiber am 21 Jul 2025 22:44:56

bstocker hat geschrieben:
Die Bilder sind aber lt exif-Daten vom Juni.


Ich schätze mal die treffen sich öfter :D
Wir waren mal 3 Tage in Norwegen auf eine CP von Sami. War sehr interessant. Am Abend saßen wir alle in einem großen Zelt und der Betreiber erklärte viel von ihrer Lebensweise. Sehr nette Menschen.

bstocker am 21 Jul 2025 22:49:47

Kuhtreiber hat geschrieben:Ich schätze mal die treffen sich öfter :D


Das denke ich auch :) :ja:

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