Im Mai 2025 habe ich meinen Chausson 660 Etape Line 2025 erhalten.
In der Ausstattung wählte ich das Arctic-Paket, das Zubehör-Paket, das Connect-Paket und das Ford Safety-Paket. Dazu kam eine werksseitige Auflastung auf 4,1t.
In der Folgezeit führte ich zahlreiche Um- und Einbauten durch. Der umfangreichste Umbau war die Umrüstung auf LiFePO4. Diesen möchte ich hier beschreiben
Nach langer Recherche im Web und in diversen Foren habe ich die nachfolgende Lösung umgesetzt. Es gibt viele Gründe, warum man die Umsetzung und die Dimensionierung anders hätte machen können oder sollen. Mein Anspruch ist nicht die Perfektion. Iterative Verbesserungen gehören zum Lernprozess, den man als Erstling definitiv durchmacht. Ich bin da immer noch mittendrin. Aber, um dahin zu kommen, muss man einfach mal anfangen. Das habe ich getan. Ich ermutige jeden, der hier aktiv werden möchte, diese Anfangshürden zu überspringen.
Ich beschreibe nachfolgend, wie ich es umgesetzt habe in der Hoffnung, dass es dem einen oder anderen für sein eigenes Vorhaben hilft. Die damit verbundenen Risiken muss jeder selbst abschätzen und tragen.
Da vermutlich viele von Euch eine eigene Meinung zu diesem Beitrag haben, bitte ich jeden von Euch sich vor jedem Kommentar zu fragen: Nutzt dieser Kommentar einem Interessierten und der Community oder brauche ich das nur für mein Ego?
1. Kernkomponenten
Für die nachfolgenden Kern-Komponenten habe ich mich entschieden:
* Renogy Core mini 12V 300Ah LiFePO4 Batterie
+ große Kapazität (2 Stück verbaut, 600 Ah Gesamtkapazität)
+ geringste Abmessungen
+ extrem günstiger Preis
+ ausreichend positives Web-Feedback
+ Shunt und Monitor dabei
- kein BT BMS Interface
* Renogy 3000 W Inverter
+ automatische Netzumschaltung (NVS)
+ integrierter Überlast/Temperatur/Kurzschluss Schutz
+ günstiger Preis
+ ausreichend positives Web-Feedback
- kein integrierter FI
- kein BT Interface
* Victron IP22/30 Ladegerät
+ sehr positives Web Feedback
- hoher Preis
2. Der Einbauplatz in den Sitzkisten.
Eine Batterie hätte ich unter dem Ford-Beifahrersitz untergebracht. Für zwei hat der Platz da nicht gereicht. Außerdem soll die Kabellänge zwischen Batterie und Inverter ja möglichst kurz sein.
Im Auslieferzustand war bereits eine AGM-Batterie in der rechten Sitzkiste eingebaut. Diese Batterie habe ich entfernt und diesen Bereich für den Inverter und das IP22 genutzt. Unter dem Beifahrersitz war eine Vorbereitung für eine zweite AGM Aufbaubatterie vorhanden. Diese habe ich ebenfalls entfernt.
In der linken Sitzkiste war noch sehr viel Platz. Durch den Einbau einer zweiten Ebene oberhalb der Leitungen, Rohre und der Fußbodenheizung hatte ich genau den notwendigen Platz für die beiden 300Ah Batterien und den notwendigen Zusatzkomponenten. Achtung, das Ablassventil für die Dieselheizung muss noch zugänglich bleiben!
3. Der Schaltplan von Chausson mit Übersetzungen. Man muss schon intensiv suchen, um die für das für Umbau relevante Wissen zu extrahieren. Ich habe ihn trotzdem mal hier rein.
4. Das Original-Schema.
So habe ich den ursprünglichen Zustand verstanden. Ich übernehme aber keine Garantie auf Korrektheit und Vollständigkeit.
5. Mein Schema.
Dies Änderungen habe ich durchgeführt:
* zusätzlich Victron IP22/30 als Ladegerät für die LiFePO4 über Landstrom
* CBE 516 auf Lithiumkompatibilität gesetzt (Stellung B)
* BDS 180 ausgebaut und entfernt
* REDARC BCDC1240 auf Lithium umgestellt (orange und grün gebrückt)
* AGM Aufbaubatterie entfernt
* Zwei LiFePO4 Batterien eingebaut
* 3000 W Wechselrichter eingebaut
* Batteriemonitor neben dem Kontrollpanel eingebaut
* zusätzlich: Zusatzsteckdosen, temperaturgesteuerter Lüfter, FI PEN-Brückenlösung
6.Mein Schaltplan.
Die Verkabelung zum Schaltkasten und im Schaltkasten ist notwendig. Das ist nicht trivial und man sollte schon in etwa wissen, was man tut. Die beiden Ladegeräte müssen direkt an den Landstrom, der restliche 230V-Part an den Ausgang des Wechselrichters. Sehr zeitraubend war die Leitungsverlegung quer durch das Wohnmobil für den Batteriemonitor.
7. FI-Problematik.
Bei Landstromanschluss ist alles fein. Bei autarkem Betrieb über den Wechselrichter gibt es eine Schutzleiterproblematik, da keine Erdverbindung vorhanden.
Ob und wie das zu lösen ist, wird in den Foren rauf- und runterdiskutiert, teilweise sehr aggressiv. Ein Konsens war für mich nicht ersichtlich.
8. Renogy Service Feedback.
Um hier weiter zu kommen, habe ich mich an Renogy gewandt und um technische Unterstützung gebeten. Diese kam sehr schnell und am Ende auch mit einem konkreten Lösungsvorschlag.
9. FI: Lösung mit Zusatzrelais.
Als Ergebnis habe ich folgende Dinge umgesetzt:
a. Die Schuko-Stecker müssen phasenrichtig in den Inverterausgang gesteckt werden. Das „erzwinge“ ich mit einem beschrifteten Winkelstecker, den man quasi fast nicht falsch herum einstecken kann.
b. Über ein Relais (NC) schalte ich nur bei autarkem Betrieb ohne Landstrom den ausgangsseitigen Nullleiter zu einer PEN-Brücke. Bei Landstrom ist PE durchverbunden.
c. Ich habe einen zusätzlichen FI am Inverter ausgangsseitig nachgeschaltet. Den hätte ich vielleicht sparen können indem ich alles über den bereits verbauten FI laufen lassen hätte. Ich wollte aber nicht zu tief in die Chausson-Elektrik eingreifen.
d. Den zweiten Ausgang des Inverters wollte ich nicht ungenutzt lassen und habe ich direkt mit einer Steckdose an der Sitzkiste verbunden. Nach meiner Erkenntnis ist das sicher und zulässig, da es sich hier elektrisch um ein IT-Netz handelt.
Mit einem Steckdosentester habe ich die korrekte Verkabelung und das Auslösen des FI erfolgreich verifiziert.
10. Einbauplanung Sitzkiste.
Hier mein Einbauplanung. Es ist knapp, aber die zwei 300 Ah Batterien und der 3000W Inverter lassen sich mit allen Zusatzkomponenten (Kabel, Shunt, Hauptschalter, Sicherung, Busbars, IP22, Lüfter mit Sensor, Zusatzsteckdose, Remote-Schalter, FI und PEN-Brückenschaltung) unterbringen.
Die zweite Ebene habe ich so vorbereitet, dass ich das komplette, auf einer Siebdruckplatte extern verkabelte und getestete System (ohne Batterien) auf einmal einsetzen konnte. So geht das auch wieder raus, falls ich irgendwann mal auf die untere Ebene zugreifen muss.
11. 12Volt - Verkabelung.
Hier gilt es, die Kabel in der Länge zu optimieren und im Durchmesser an die Leistungsdaten anzupassen. Auch die notwendige Kabelschuhe sind auszuwählen. Für die Auslegung habe ich viele Information von Amumots Webseite extrahiert und daher auch von dort die Kabel bezogen. Liste im Bild.
12. Vor dem Umbau.
Hier gesammeltes Bildmaterial vom Originalzustand.
13. Nach dem Umbau.
So sieht es jetzt aus.
14. Kosten:
War ein großer Faktor für mich. Habe mich daher für den Selbstbau mit günstigen Komponenten entschieden. 600Ah mit 3000W Wechselrichter für 1891 Euro muss man erst mal hinbekommen. Der zeitliche Aufwand ist jedoch enorm und geht, da Eigenleistung, nicht in meine Kostenrechnung ein.
15. Dimensionierung:
Vermutlich fragt sich mancher: „Warum zum Teufel brauche ich 600Ah und 3000W?“. Diese Frage ist sehr berechtigt. Auch ich habe am Anfang versucht, meinen Bedarf zu kalkulieren. Leider bin ich als Camper noch nicht so erfahren, dass ich mich auf den zukünftigen Bedarf mit allen Eventualitäten (Kompressorkühlschrank, Wasserkocher, Kaffeemaschine, Induktionsplatte, Klima, Heißluftfritteuse, Campingmodus freistehend bzw. Stellplatz, etc.) festlegen wollte.
Ich habe abgeschätzt, wie hoch der Aufwand für den Umbau sein würde und festgestellt, dass der Unterschied zwischen genau dimensioniert und überdimensioniert keine große Rolle spielt und mich für die Überdimensionierung entschieden. Hinzu kam natürlich auch noch, dass durch die Auflastung auf 4,1t Gewicht keine Rolle spielt und die Kompaktheit dieser 300Ah Renogy Mini Batterien genau reingepasst haben.
Muss man nicht so machen, kann man aber!
16. Ausblick:
Als nächstes hatte ich geplant, die PV-Module auf dem Dach zu erweitern. Das ist elektrisch m. E. weniger herausfordernd. Der Fokus, meine ich, liegt hier mehr auf der Montage.
Im ersten Praxistest ( drei Wochen Nordfrankreich) habe ich nun festgestellt, dass ich durch die Fahrten, durch das 100 Wp Modul auf dem Dach und durch das sporadische Laden auf dem Stellplatz (600Ah sind in 14h über Nacht nachgeladen) immer mehr als ausreichend Strom zur Verfügung hatte.
Diese Erfahrung hat mich nun dazu bewogen, die PV-Erweiterung so lange zu pausieren, bis mir im realen Campingmodus der Strom knapp wird.
17. Fazit:
Einen Erstumbau mit einem fabrikneuen Fahrzeug muss man sich erst mal trauen. Der Planungs- und Umbauzeitaufwand ist hoch. Die Risiken sind auch nicht zu vernachlässigen (Garantie, Schäden, Gefahren). Andererseits kennt man danach die Bordelektrik und besitzt einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Ich habe im Web leider keinen Umbaubericht für einen Chausson 660 oder Challenger 240 gefunden, der mir da gesamtheitlich geholfen hätte. Ich hoffe, mit diesem Beitrag denjenigen Hilfe zu geben, die ähnliches vorhaben und vor der Entscheidung stehen, es zu tun oder es sein zu lassen.
Ich bin zufrieden und würde es jederzeit wieder tun.

