Hallo,
ein ganz kleiner Reisebericht über ein paar freie Tage in Beuron!
Am späten Sonntagnachmittag erreiche ich Beuron. Und muss, wie in einem anderen Beitrag geschrieben, feststellen: Ich habe meinen Geldbeutel zuhause vergessen. Ein paar € habe ich noch in Kleingeld, es reicht für eine Übernachtung am Stellplatz an der Donau, Kosten 10 €. Mit Karte kann man dort nicht bezahlen. Es ist etwas umständlich, wenn man länger bleiben will: Zuerst an einem Automat Scheine in Münzen wechseln, dann mit den Münzen den Kassenautomaten füttern. Es ist ruhig, noch drei andere Womos sind da. Vor allem gibt es noch keine Motorradfahrer, die donnern im Sommer immer die Straße nach Friedingen rauf und runter, wohl auch oft ohne DB-Killer …
Mit dem Rennrad mache ich noch eine erste kleine Tour den Pass hinauf Richtung Leipertingen, aber nur zum Anwärmen. Es ist noch kühl und windig.
Am Montag heißt es ausschlafen, ein wenig spazieren gehen. Am Nachmittag dann die längere Fahrt mit dem Rad nach Rohrdorf. Das sind einige Höhenmeter, ich bin noch ungeübt. Am Anfang geht es 4,5 km nur bergauf.
Dann ziehe ich um auf den Womo-Stellplatz Buck, der hinter dem Giant-Store Buck liegt. Er ist teurer mit 17 €, aber dafür kann ich mit dem Handy zahlen. Es ist sonnig, im Windschatten des Womos kann ich draußen sitzen und den Espresso nach dem Mittagessen genießen.
Am Nachmittag geht es dann noch die ganze Straße bis nach Rohrdorf, meine Haxen spüre ich recht deutlich …
Am Mittwoch geht es morgens an der Donau entlang mit dem Gravelbike nach Fridingen. Der Weg ist oft eben, aber es gibt auch ein paar kurze, aber knackige Steigungen. Es ist kalt, die Pfützen oft gefroren, Reif auf den Wiesen. Es ist noch keine Saison, ich bin fast allein unterwegs. Die Ruhe tut gut. Im Sommer ist hier die E-Bike-Hölle los. Immer wieder gibt es neue Ausblicke, andere Felsformationen, das Obere Donautal hat immer wieder eine Überraschung für mich bereit.
Auf dem Rückweg von Friedingen mache ich Rast bei einer liebevoll gepflegten Lourdes-Grotte.
Das Tal, das so friedlich aussieht, hat aber auch eine tragische Seite: Am 17. Oktober 1960 gab es bei einer Mühle einen Erdrutsch auf einer Breite von 200 m und einer Höhe von 100 m. Es stürzten 200.000 m2 Geröll herab, die Mühle wurde 12 m verschoben. Drei Bewohner, die Eltern und ihr 12jähriger Sohn, wurden getötet, nur die 5jährige Tochter wurde lebend geborgen, als man mit den Händen nach den Opfern gegraben hat.
Am Nachmittag gibt es dann nochmals die Tour nach Rohrdorf.
Als ich zurückkomme, hat sich ein Mann mit einem kleinen Ford Nugget von Roadsurfer nahe neben mich gestellt, obwohl weiter weg genug Platz gewesen wäre. Jetzt habe ich die Freude von Tür auf – Tür zu, Heckklappe auf – Heckklappe zu, Seitentüre auf – Ritsch – Seitentüre zu – ratsch.
Abends steht dann noch Nachtfotografie an. Leider ist das bei Vollmond nicht so günstig, aber ich versuche es trotzdem.
Am nächsten Morgen werde ich nicht nur von Ritsch-Ratsch geweckt. Der Fahrer des Ford hat seinen Motor angemacht und lässt ihn laufen, während er spazieren geht. Nach mehr als 5 Minuten kommt er dann zurück. Als ich ihn anspreche, meint er nur, dass er den Motor ausmache. Ich nehme an, dass es ihm zu kalt war und der Nugget keine Heizung hat. Rücksicht – ein Fremdwort. Und beim Verleih sagt man wohl auch nichts zu Camperanstand.
Der Mittwoch bleibt sonst ruhig, der Nugget ist weg, ich bin ganz allein. Der Stellplatz ist zwar nicht so schön, hat aber den Vorteil, dass er durch die Gebäude von der Straße abgeschirmt und ruhiger ist, vor allem, wenn man ganz allein dort steht.
Am Ende des Nachmittages gönne ich mir noch einen besonderen Ruhepunkt. Ich besuche in der Klosterkirche um 18.00 Uhr die Vesper. Das hat nichts mit Brotzeit zu tun. Die Vesper ist das Gebet am Ende der Arbeitszeit, bevor es für die Mönche zum Abendessen geht. Die Vesper wird in Beuron noch lateinisch gesungen, Hefte mit den Texten in Übersetzung liegen aus. Wenn jemand 25 Minuten Ruhe finden will, sei ihm das empfohlen: der Einzug der Mönche in das Chorgestühl, dann der Rhythmus der Psalmen in lateinischer Sprache, die jahrhundertealten Melodien, alles bringt einen selbst zur Ruhe und in einen gleichmäßigen Rhythmus. Nicht vergessen: Danach das Handy wieder auf laut stellen.
Es gibt dann noch einen Spaziergang bei aufgehendem Vollmond, die Sterne über mir.
Am Donnerstag habe ich gut ausgeschlafen – kein Nugget neben mir!
Es geht vorbei am anderen Stellplatz, der auch nur mit zwei Womos besetzt ist.
Die Bäume an der Donau zeichnen sich schön im Nebel ab.

