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Norwegen - Mit dem Wohnmobil entlang der Westküste


Gast am 21 Mär 2004 20:00:44

Liebe Freunde, :razz: :razz: :razz:

im Internet sind wir auf diesen wirklich tollen Reisebericht von „Dirk Schröder“ gestoßen, den wir Euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Viel Spaß beim Lesen und vielleicht beim Nachfahren dieser tollen Route.

Norwegen - Mit dem Wohnmobil entlang der Westküste

Schöner könnte die Ankunft gar nicht sein: Auf dem Logenplatz an Deck der Colorline ziehen die Schären, wie die Norweger ihre Inselwelt vor der Südküste nennen, am Betrachter vorbei. Zwischendurch flitzen Motorboote und dümpeln alte Segelschiffe, in der Ferne tauchen die ersten Häuser von Kristiansand auf, wo die Fähre nach einer angenehmen Nachtfahrt am frühen Morgen anlegt.

Norwegens Westen ist das Ziel dieser Reise, die tief eingeschnittenen Fjorde und schroffen Gebirge, das moderne Stavanger, die Hansestadt Bergen und die Jugendstilperle Ålesund, aber auch Wanderungen und Radfahrten werden beschrieben. Zur schönsten Reisezeit, Ende Mai, werden an der Südküste die Ferienwohnungen nach langer Winterpause bezogen und die hübschen "Sørlandstädte" erwachen. Am Ufer der Fjorde blühen die Obstbäume und die satten Farben der Frühjahrswiesen stehen im Kontrast zu den weißen Schneehauben der Berge.

Von Kristiansand entlang der Südküste
Wir steuern unser Wohnmobil, das für die nächsten vier Wochen unser Zuhause sein wird, aus dem Bauch des Fährschiffs der Colorline auf den nächsten Parkplatz, um uns die Innenstadt von Kristiansand zu Fuß zu erschließen. Schon nach wenigen Schritten taucht hinter dem Dom die Altstadt mit ihren weiß getünchten Häusern auf, mit farbig abgesetzten Türen und duftendem Blumenschmuck. Auf Wunsch König Christian IV. wurde die Stadt 1641 schachbrettartig angelegt. Heute ist Kristiansand, die den Namen des Königs trägt, die größte Stadt an der Südküste und Endpunkt der Fährverbindung über das Kattegat.

Als "Die weißen Städte" werden die schmucken kleinen Orte entlang der Südküste in den Prospekten der norwegischen Fremdenverkehrsbüros angepriesen: Lillesand mit seinen hübschen Patrizierhäusern; Grimstad, wo der Dichter Henrik Ibsen in die Lehre ging, Arendal mit seiner restaurierten Altstadt und das malerische Risør, aber auch Mandal im Westen mit dem schönsten Sandstrand und Flekkefjord. Sie alle reihen sich wie Perlen einer Kette aneinander.

Gerade mal 40 Kilometer haben wir von unserer Ankunft in Kristiansand bis Mandal zurückgelegt, doch bei dem Anblick des traumhaften Sandstrandes mit dem angrenzenden Campingplatz Sjøsanden gibt es für uns keine Frage mehr - hier bleiben wir für heute, klappen die Campingstühle auf und genießen unseren ersten Tag in Norwegen. Ob der Lachs, der uns im Restaurant "Sjøsternkroa" (Seestern) serviert wird, wirklich im Mandalselv, dem kleinen Fluß, der vor uns ins Meer mündet, gefangen wurde, kann uns der Kellner nicht sagen, doch die Stadtbroschüre verspricht es den Anglern. Die Geschichte berichtet von solch einem Lachsreichtum, dass die edlen Fische sogar im Stadtwappen verewigt wurden.

Flekkefjord
Ebenfalls an der Europastraße liegt Flekkefjord. Die strahlend weißen Holzhäuser drängen sich am Ufer des schmalen Meeresarms. Gleich am Parkplatz fällt der Pavillon des Fremdenverkehrsamtes durch seine achteckige Bauweise auf. Nicht weit davon entfernt entdecken wir den achteckigen Kirchturm, achteckig sind auch die Erker in der Fußgängerzone und am Grandhotel, das aus dem Beginn dieses Jahrhunderts stammt. Anregung hierzu fanden die Architekten in der baltischen Hauptstadt Riga, zu der im 18. Jahrhundert eine gute Handelsbeziehung bestand. Weitere Fotomotive bieten sich uns im alten Stadtteil "Hollenderbyen" mit seinen schmalen Gassen, niedrigen Puppenstubenhäusern und farbigem Blumenschmuck. Der Name geht auf die Zeit des großen Holzexports nach Holland zurück. Wie vornehm die Oberschicht seinerzeit wohnte, erfahren wir im Stadtmuseum, das in einem 250 Jahre alten Holzhaus eingerichtet wurde.
Riesige Felsen und lange Sandstrände

Tipp Nordsjøveggen: Über die Europastraße wäre Stavanger schon in nur zwei Stunden zu erreichen, doch wählen Sie besser die Küstenstraße Nr. 4 . Der "Nordsjøveggen" (Nordseestraße) führt teilweise dicht am Meer entlang. Mit 148 Kilometern ist die Strecke nur geringfügig länger und ein Blick auf die Karte läßt schnell deutlich werden, daß es mit dem Wohnmobil über die kurvigen Straßen wesentlich länger dauern wird, doch die Landschaft versetzt zeitweise in eine andere Welt: Die rundgeschliffenen Felsen, neben denen unser Wohnmobil wie ein Zwerg erscheint, sind von Rissen durchzogen und wirken auf uns wie vorzeitliche Dickhäuter, zwischendrin kleine Seen als Farbkontrast.

Eine ganz andere Szenerie erleben wir nördlich der Hafenstadt Egersund. Die 70 Kilometer lange Küste Jærens entpuppt sich als ein einziger Dünenstrand. Eine weite flache Ebene, die von Feldern überzogen ist. Stichstraßen führen hin und wieder ans Meer. In einem der winzigen Häfen decken wir uns für ein paar Kronen mit Makrelen ein - frisch vom Kutter - und bekommen noch einige Tips für unseren Besuch in Stavanger
Die "Ölmetropole" Stavanger und der spektakuläre Aussichtsberg Prekestolen
Gegen Abend scheint Norwegens "Ölmetropole" Stavanger so richtig lebendig zu werden. Am Kai des Vågen dümpeln Ausflugsschiffe und gleich nebenan findet man vom Biergarten bis zur Disco im einstigen Lagerhaus ein großes Angebot einzukehren. Sommerlich gekleidet bevölkern die Menschen die Restaurantterrassen, trinken ihr "fatøl", wie die Norweger das Bier vom Faß bezeichnen und genießen den lauen Abend, an dem die Sonne länger am Himmel steht, als wir es aus unseren Breiten gewohnt sind. "Stavanger hat in den letzten Jahren durch das Erdölgeschäft einen enormen Aufschwung erhalten" erklärt uns unser norwegischer Tischnachbar in nahezu akzentfreiem Deutsch. "Mitte letzten Jahrhunderts waren es die Heringsschwärme, die quasi vor der Haustür tonnenweise gefischt wurden und direkt in die Konservendose wanderten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts brach dann eine Rezension ein. Als in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts nur wenige hundert Kilometer von hier entfernt die ersten Erdölfelder entdeckt wurden, ging es mit der Wirtschaft wieder bergauf". "In den tiefen Fjorden um Stavanger wurden die Bohrinseln gebaut um dann hinaus zu den Erdölfeldern des Ekofisk geschleppt". "Viele Zulieferbetriebe leben seitdem vom Gold des Meeres". Bjørn, unser Tischnachbar, deutet gegenüber auf ein weißes Lagerhaus, in dem das Seefahrtsmuseum eingerichtet wurde und legt uns den Besuch des ersten Konservenmusuem der Welt nahe. Mit dem Zusatz: "Hier könnt ihr die goldgelben Heringe frisch aus dem Rauchfang probieren" macht er uns den Mund so richtig wäßrig.

Tipp: Wanderung zum Prekestolen (auch Preikestolen). Bei klarem Wetter ein unvergleichliches Erlebnis. Der Prekestolen, Aushängeschild und wohl spektakulärster Steilfelsen der Region, ragt über 600 Meter senkrecht aus dem Lysefjord auf.
Für den 40 km langen Ausflug wählen wir die Fahrräder und reduzieren so die hohen Kosten für die Fährüberfahrt von Stavanger nach Tau auf der anderen Seite des Fjords, die unser Wohnmobil verursacht hätte, auf ein Minimum. Über Fahrradwege rollen wir am Ufer entlang zur Prekestolen - Wanderhütte, dem Ausgangspunkt der Tour. Buchstäblich über Stock und Stein geht es dann zu Fuß weiter durch eine faszinierende Landschaft bergauf. Unerwartet taucht nach gut zwei Stunden der Steilfelsen vor uns auf - ein Anblick, der uns den Atem stocken läßt. Wagemutige Urlauber robben sich auf dem Bauch über das Felsplateau von der Größe eine Tennisfeldes bis an die Steilkante vor, um den einzigartigen Blick in die Tiefe zu riskieren. Aus dieser Perspektive wirken die Ausflugsboote im Lysefjord wie weiße Pünktchen.

Entlang der Küste zur Hansestadt Bergen
Bergen - so heißt unser nächstes Ziel. Vor Jahren noch wäre der direkte Weg von Stavanger nach Norden eine "Himmelfahrt" geworden, doch inzwischen wurden die kleinen Fjordsträßen zur Reichsstraße Nummer eins ausgebaut. Um das ehrgeizige Bauvorhaben zu verwirklichen, entstand nördlich Stavanger der längste Unterseetunnel der Welt für Autos, und Fähren sind auf den übrigen Fjordstrecken im Pendelbetrieb unterwegs. An jeder Zahlstelle allerdings wünschen wir uns ein ganz kleines Gefährt, denn die Passage wird nach Fahrzeuglänge berechnet und das geht bei 6,30 Metern für unser Wohnmobil ganz schön ins Geld. Trotz der schnellen Tunnelverbindung wählen wir die etwas längere Variante über das preisgekrönte Küstenstädtchen Skudeneshavn auf der Insel Karmøy (øy ist übrigens der norwegische Name für Insel) und machen eine Zwischenstop in Haugesund.

Der sprichwörtliche Regen bleibt in Bergen aus
In der Hansestadt Bergen steuern wir gleich den Wohnmobilstellplatz am Rande des Zentrums an. Ein Tip, den uns ein Urlauber bei der Fährüberfahrt gegeben hatte. Mit Stromanschluß, heißen Duschen und Blick auf den regen Schiffsverkehr könnte es nicht besser sein. Zudem sind wir mit unseren Fahrrädern in knapp 15 Minuten mitten im historischen Zentrum. Die viel fotografierten Hansehäuser am Kai stehen auf der UNESCO-Liste schützenswerter Kulturdenkmäler. In einem der Lagerhäuser, dem Finnegård, wurde ein Kontor wie zur Zeit der deutschen Hansekaufleute als Museum eingerichtet. Nach der kurzen Exkursion in die Vergangenheit geht es mit der Zahnradbahn hinauf zum Hausberg Fløyen wo der Blick weit über die Stadt zwischen den sieben Hügeln reicht. Bei dem großen Fischangebot in Bergen bleibt heute abend unsere Bordküche geschlossen. Einen Vorgeschmack bekommen wir bei Krabben und Gravlachs (gebeiztem Lachs) bereits auf dem Fischmarkt. Am Abend lassen wir uns im Gourmet-Restaurant Einhorn (Enhjørningen) verwöhnen. Eingerichtet in einem alten Hansekontor unterstreicht die einzigartige Atmosphäre das Gaumenvergnügen.

Für die weltberühmten Musikfestspiele kommen wir leider einige Wochen zu spät, nicht aber für einen Besuch der Villa Grieg, dem einstigen Wohnsitz des berühmten Komponisten Edvard Grieg. Hier in der kleinen Gartenlaube am Fjord entstand u.a. das Musikstück "Peer Gynt", das den Zuhörer in die geheimnisvolle Welt der Trolle entführt. Weniger bekannt sind die Werke des Geigers Ole Bull, dessen faszinierendes Heim wir auf Lysøen besuchen

Abstecher aufs Hochplateau Hardangervidda
Am äußersten Ende bei Eidfjord wurde ein neues Museum mit dem Ziel errichtet, die enormen Kontraste von den Lachsflüssen am Fjord bis hinauf zur Hardangervidda, dem größten Hochplateau Europas mit wild lebenden Rentieren, Schneehühnern und gewaltigen Gletschern, zu beleuchten. Atemberaubend ist ohne Frage ein Panoramavideo, das die Landschaft aus Perspektiven zeigt, die der Urlauber sonst nie zu Gesicht bekäme.

Das Hochplateau fasziniert durch seine Weite, die von der untergehenden Sonne in pastelfarbenes Rot getaucht wird. Hier und da kleine Ferienhütten, kniehohe Sträucher, sonst nur Seen und Wasserläufe, die die Vidda prägen. Das Hinweisschild "Geiteost" veranlaßt mich, blitzschnell auf die Bremse zu treten. Hier wird der typisch norwegische Ziegenkäse direkt vom Hersteller angeboten. Wir haben Glück und kommen gerade rechtzeitig zur abendlichen Melkstunde. So können wir beobachten, wie die Milch zu braunen runden Objekten verarbeitet wird, die mit Ziegenkäse, wie wir ihn kennen, nicht das geringste gemeinsam haben. Nach einer ersten Geschmacksprobe werden Sie es mehr für ein Karamelbonbon halten. Knut beschreibt in gebrochenem Deutsch die Herstellung: "In einem großen Bottich wird die Milch rund 12 Stunden bei milder Hitze ständig gerührt, wobei sie karamelisiert". "Nach weiteren 12 Stunden wird die braune Masse in Formen gefüllt". "In den echten Geiteost kommen keinerlei Chemikalien und trotzdem ist er über Monate haltbar". "Übrigens wurde der bekannte Käsehobel aus Lillehammer eigens für den Geiteost erfunden", schließt er seine Ausführungen ab, "damit die Scheiben möglichst dünn auf die leicht gesalzene Butter und das Knäckebrot gelangen".

Tipp: Mit dem Mountainbike über die Hardangervidda
Bei Haugastøl beginnt eine Schotterstraße, auf der man per Rad den Norden der Hardangervidda erkunden kann. Im letzten Jahrhundert wurde mit dem Bau der Eisenbahnlinie über die Hochfläche nach Bergen begonnen und der parallel verlaufende Bauarbeiterweg vor einigen Jahren von Mountainbikern "entdeckt". Bis zur höchstgelegenen Bahnstation Finse (1399 m) wird man manchmal noch von Autos eingestaubt, die zu ihren Ferienhäusern fahren, ab Finse gehörte die Strecke dann ausschließlich den Radlern. Die Anstrengungen werden nach jeder Biegung mit neuen großartigen Ausblicken belohnt. Eisschollen des Gletschers Hardangerjøkulen treiben bis in den Sommer hinein auf dem tiefblauen Bergsee, nebenan stürzen reißende Bergbäche in eine tiefe Schlucht. Das spektakulärste Stück des Rallarvegen, wie der Bauarbeiterweg bezeichnet wird, führt von der Bahnstation Myrdal in Haarnadelkurven steil zum Auerlandsfjord nach Flåm hinunter.
Als Rücktransport kann man die Eisenbahn wählen, die auf den Radtourismus bestens eingestellt ist. Zudem gehört sie zur spannendsten Eisenbahnfahrt Nordeuropas. Zwei Tage sollte man für die gesamte Strecke einplanen, mit Übernachtung in Myrdal oder Flåm. Wer die Strecke als Tagesausflug plant, sollte mit der Bahn bis Finse fahren. Von der Bahnstation aus sind es bis Flåm 60 Kilometer vorwiegend bergab. Bei rechtzeitigem Aufbruch bleibt genügend Spielraum für die Rückfahrt per Bahn, wobei Sie bei der Planung bedenken sollten, daß die Expresszüge keine Fahrräder transportieren. Robuste Räder werden direkt an den Bahnstationen Haugastøl und Finse vermietet.
Von Fjord zu Fjord

Am nächsten Tag stehen wir mit unserem Wohnmobil in Flåm. Die über 100 Kilometer lange Strecke von der Hardangervidda zum Seitenarm des Sognefjords verlauft über den Wintersportort Geilo nach Hol und dann über die Straße Nr. 50 durchs Sundalen an den Auerlandsfjord. Er gehört mit dem noch schmaleren Nærøyfjord zu den Höhepunkten der Fjordlandschaft. In Flåm besteigen wir das Personenboot, um uns in aller Ruhe durch den extrem engen Seitenfjord nach Gudvangen und wieder retour fahren zu lassen. Wie Spielzeugfiguren kommen wir uns neben den schroffen Granitfelsen vor, die in dem engen Nærøyfjord zu beiden Seiten weit über eintausend Meter aufragen. Die Hauptroute, die Europastraße 16, führt von Gudvangen per Autofähre durch den Fjord nach Fodnes, um über Lærdal weiter ins Gebirge anzusteigen. Wir entscheiden uns für die alternative Paßstraße, nachdem uns zwei Einheimische versichert haben, daß die Route zu dieser Jahreszeit bereits für Wohnmobile passierbar ist. Zwei Stunden benötigen wir schließlich für die Auffahrt - nicht etwa weil die Straße so schmal ist, ganz im Gegenteil, doch die Ausblicke sind im Abendlicht so gigantisch, daß wir jede Parkmöglichkeit nutzen, um die Landschaft im Foto festzuhalten. Auf 1300 Meter erwartete uns dann Eiseskälte und so hohe Schneewände, daß sich unser stattliches Wohnmobil daneben verstecken konnte. Als wir uns schließlich auf dem Campingplatz in Lærdalsöyri einfinden, schickt die Sonne zum Abschluß des Tages ihre warmen Strahlen noch einmal weit in den Fjord
Wo Stabkirchen und Gletscher dicht beieinander liegen

Bevor wir mit der Autofähre den Sognefjord antsteuern- den längsten und tiefsten Fjord Norwegens, führt uns ein Abstecher von 30 Kilometern zur berühmten Stabkirche Borgund. Die über 800 Jahre alte Holzkirche blieb so gut erhalten, dass sie bei Restaurierungen vielen anderen Stabkirchen als Vorbild diente.

Über fünf Etagen zieht sich das Dach bis fast zum Boden herunter, mit kleinen Holzschindeln gedeckt und Drachenfiguren geschmückt. Innen riecht es nach Teer, mit dem das Holz konserviert wurde, um während der Jahrhunderte der Witterung zu trotzen. Nur spärlich dringt Licht durch runde Luken herein, die an Bullaugen eines Wikingerschiffes erinnern. Auch die Dachkonstruktion läßt die hohe Kunst der Zimmerleute erkennen. Die Stabkirchen, die einzigartig in der Welt sind, entstanden zu Anfang dieses Jahrtausends, als die Wikinger christianisiert waren und ihre berüchtigten Raubzüge im gesamten europäischen Raum allmählich zurückgingen.

Die Gletscher fließen bis weit an den Fjord
Mit der Autofähre setzen wir zur anderen Seite des Fjords nach Sogndal über. Seit 1994 führt ein Straßentunnel vom Hauptort unter dem Gletscher Jostedalsbreen hindurch nach Norden und erspart uns den langen Weg außen herum über Førde. Wie alle neuen Brücken und Tunnel in Norwegen wird ein Teil der Kosten durch eine Benutzermaut finanziert.
Tipp: Gletscherwanderungen In Sogndal, dem Hauptort der Region, kann man sich beim Fremdenverkehrsamt über die verschiedenen Gletschertouren erkundigen. Für die kurzen Touren brauchen Sie keine besonderen Kenntnisse, Wandererfahrung reicht aus. Die Gletschertouren werden von erfahrenen guides geführt, Steigeisen und Sicherheitsmaßnahmen werden gestellt. Sehr schön ist die Tour über die Gletscherzunge Nigardsbreen.

Im Breemuseum, dem Gletschermuseum auf der anderen Seite des Tunnels, erfahren wir einiges über die Entstehungsgeschichte des größten Gletschers in Nordeuropa. Hier auf der Westseite fließen die Gletscherzungen bis weit ins Tal hinunter. Weniger als zehn Kilometer ist der Suphellebre vom Fjærlandsfjord entfernt. Der Gletscherausläufer Bøyabreen wirkt von der verglasten Terrasse der Cafeteria zum Anfassen nahe. Das Postkartenmotiv Brigdalsbreen mit der bequemen Zufahrt per Pferdekutsche, gehört zu den Werbeträgern der Region. Am unmittelbaren Rand der Gletscherzunge schlägt uns Eiseskälte entgegen. Unten in den Gletscherspalten ist das Glucksen des Wassers zu hören und nicht weit von uns entfernt stürzt Eis in den Gletschersee. Eismassen türmen sich am Ende des lieblichen Oldendalen auf, das über eine 25 Kilometer lange Straße erschlossen ist. Auf der Wiese des Camping Oldevatn finden wir direkt am See einen traumhaften Stellplatz für die Nacht. Zum Abendessen gibt es frische Seeforellen, die wir von unserem norwegischen Nachbarn angeboten bekommen - einem leidenschaftlichen Angler, wie sich bei einem Glas Øl, einem norwegischen Bier, herausstellt. Norwegen ist ein Eldorado für Angler, und zwar das ganze Jahr hindurch. Besonders gefragt sind die Lachsflüsse, die an der Westküste im Meer münden. Als die beste Fangzeit gilt in dieser Region Mitte bis Ende Juni, wenn die Lachse flußaufwärts zu den Laichplätzen wandern. Exemplare von einem Meter Länge und 10-20 Kilogramm sind hier keine Seltenheit. Während im Meer das Angeln kostenlos ist, wird für den Fang im Süßwasser eine Gebühr erhoben. Teuer sind erfolgversprechende Plätze nahe den Vertiefungen im Fluß, wo sich die Lachse sammeln. Diese Bereiche sind meist über Jahre im Voraus ausgebucht. Im letzten Jahrhundert entdeckten reiche Engländer den Zweikampf mit dem König der Fische als sportliche Herausforderung.

Atemberaubend: Vom Geirangerfjord zum Trollstigveien
Für den nächsten Tag steht "Die goldene Route" auf unserem Programm - so wird die Straße von Stryn über den berühmten Geirangerfjord zum Trollstigveien bei Åndalsnes bezeichnet. Sie ist trotz vieler Serpentinen auch mit Wohnmobilen zu befahren, wie uns der Campingwart beruhigt. Nicht schlecht staunen wir, als plötzlich zwei junge Snowbordfahrer an der Straße stehen und mitgenommen werden wollen. "Oben liegt noch viel Schnee" beantworten sie unsere fragenden Blicke "und auf dem Gletscherausläufer Tystigbreen kann man sogar das ganze Jahr über fahren", informieren sie uns. Tatsächlich erwartet uns auf dem Fjell, wie die Norweger das Gebirge bezeichnen, noch reichlich Schnee und die Seen sind ab 1000 Meter dick zugefroren, die Straße ist zum Glück eisfrei.

Bis auf 1476 Meter Höhe geht es mit unserem Mobil hinauf, um vom Aussichtsberg Dalsnibba den Geirangerfjord inmitten der verschneiten Bergkulisse zu erleben. Nach langer Kurbelei hinunter an den kleinen Fjordort Geiranger lassen wir die Kontraste bei dem Genuß eines Eisbechers auf uns wirken. Der Geirangerfjord gehört zu den großen Naturschauspielen des Landes, das jedes Jahr über 60.000 Besucher und rund 100 Kreuzfahrtschiffe anzieht. Bei der Weiterfahrt zeigt der Fjord uns wieder eine ganz anderen Seite: die zarten Wasserfälle Brautschleier und sieben Schwestern werden sichtbar und die Fähre kommt für das Foto als Beweis der Dimensionen gerade recht.

Trolle, Trolle, Trolle
Nach 70 Kilometern und einer Fährpassage empfangen uns zahlreiche Souvenirstände, in denen die typisch norwegischen Trollfiguren in allen Varianten und Größen verkauft werden - wir haben den Trollstig erreicht: Über elf Haarnadelkurven windet sich die Straße hier über die volle Breite den Hang hinauf, um den Höhenunterschied von 800 Metern zu überwinden. 1936 wurde in hochalpiner Landschaft die spektakulärste Streckenführungen Skandinaviens in den Berg gehauen. Durch Ausweichbuchten ist sie in der Zwischenzeit auch für Ausflugsbusse befahrbar und Parkstreifen bieten Möglichkeiten für Fotostops.

Die Jugendstilstadt Ålesund
Ab Åndalsnes führt uns die gut ausgebaute Fjordstraße flott nach Ålesund, dem nördlichen Wendepunkt unserer Tour. Tipp: Lassen die Stadt vom Hausberg Aksla auf sich wirken, Der Blick über viele kleine Inseln, auf der sich die Hafenstadt erstreckt, ist einmalig. Frachter, Segler und kleine Jachten ziehen durch die Sunde und täglich legen die Postschiffe auf ihrer Strecke von Bergen nach Kirkenes hier einen Zwschenstop ein.
Bei einem Bummel durch die Altstadt entdecken wir schließlich die viel fotografierten Jugendstil - Häuser, verziert mit Sonnenblumen, Trauben oder farbigen Ornamenten. Sie wurden nach dem großen Stadtbrand 1904 im damals aktuellen Baustil errichtet und sind heute einzigartig in Norwegen. Große Unterstützung erhielt die Stadt beim Wiederaufbau durch den deutschen Kaiser Wilhelm, der einen Faible für die Fjordregion entwickelt hatte und oft in den Norden reiste.

Viele Tausend Seevögel aus nächster Nähe
Unsere Nordlandreise lassen wir mit einem einmaligen Naturschauspiel auf der Insel Runde ausklingen, wo jedes Jahr 600.000 - 700.000 Seevögel an Steilfelsen brüten. Bei einer Bootsfahrt führt uns der einheimische Skipper ganz dicht an die Brutkolonien heran, zeigt uns Baßtölpel, Krähenschaben, Trottellummen und einige andere der über 200 Arten. Besonders fotogen sind die kleinen Papageientaucher, die mit fünf, acht oder zehn kleinen Sandaalen im Maul zu ihren Nestern flattern, die sie tief in den Hang gegraben haben. Mit Gogsør Camping haben wir einen idealen Platz, direkt am Meer und nur eine halbe Stunde Fußweg von den Brutplätzen auf der Westseite entfernt. Der Besitzer Ole Gogsør kümmert sich rührend um seine Gäste und versorgt uns mit vielen guten Tips, um die Tiere aus nächster Nähe zu beobachten, ohne sie zu stören. Runde ist südlichstes Brutgebiet großer Seevögelkolonien und bequem per Brücke zu erreichen.

Für die Rückreise wählen wir die Schnellverbindung über Åndalsnes bis Dombås, wo die gut ausgebaute Europastraße sechs in 330 Kilometern nach Oslo zur Fähre führt

Norwegen ist bestens auf Wohnmobilurlauber eingestellt. In jedem größeren Ort finden Sie Entsorgungsstationen für Chemietoiletten und die Möglichkeit Frischwasser nachzufüllen. Die Campingplätze sind komfortabel und liegen meist wunderschön am Meer, an einem Bergsee oder dicht am Fjord. Manche vermieten Ruderboote zum Angeln. Überfüllung ist selbst zur Ferienzeit im Hochsommer auf norwegischen Campingplätzen ein Fremdwort. In einigen Städten werden im Sommer spezielle Plätze für Wohnmobile (Bubil) ausgewiesen, die mit Stromanschluß und Versorgungsstation ausgestattet sind. Wildes Campen ist noch nicht verboten, wird seit einigen Jahren allerdings nicht mehr gerne gesehen, da zu viele schwarze Schafe in Norwegen unterwegs waren und ihre Spuren hinterlassen haben. Die Verbotsschilder "Camping forbud" mehren sich.

Das Straßennetz wird in einem unglaublichen Tempo verbessert, eine aktuelle Straßenkarte kann so manchen Umweg ersparen. Einige Strecken sind für Wohnwagengespanne grundsätzlich gesperrt, auf anderen Paßstraßen besteht Wintersperre. Aus der speziellen Karte "Norge med Campingvogn", die beim Norwegischen Fremdenverkehrsbüro gratis erhältlich ist, kann man den Straßenzustand sehr gut herauslesen. Auf jeden Fall sollte man das Rückwärtsrangieren mit großen Wohnmobilen und Anhängern beherrschen, da es an schmalen, kurvenreichen Strecken manchmal eng werden kann. Parken ist in den größeren Städten wie Oslo, Stavanger, Bergen, Trondheim mit Wohnmobilen ein ernsthaftes Problem. Hier steuert man besser den Campingplatz an und wählt die öffentlichen Verkehrsmittel bzw. das Fahrrad.

Na, das war doch wirklich ein Leckerbissen für Norwegenfans

Anzeige vom Forum

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Rudi Roehrich am 22 Mär 2004 13:11:13

Hallöchen Norwegenfans ,
der Bericht ließt sich gut . Wir hatten allerdings andere Erfahrungen
gemacht betreff : Küstenstraße .

Wir sind vor ein paar Jahren die Küstenstraße von Oslo nach Stavanger
gefahren . War ganz nett , aber nicht die schönste Strecke in Norwegen .
Danach ging es nach Bergen . War schon schöner in Bergen .
Empfehlen kann ich eine Tour durch die Fjordgegend . Viel schöner !!!
Wir hatten damals 6 Wochen Urlaub im Stück gemacht ... super !!!
Auch Urlaube von 4 und 5 Wochen Länge wurden in Norwegen von uns
durchgeführt .
Dieses Jahr geht es wieder nach Norwegen für 5 Wochen :
Am 1. Juli geht es mit der Stena-Line von Frederikshavn nach Oslo !
Diese Fährverbindung ist die Günstigste !! Kostet für ein Wohnmobil
bis 10m Länge incl. 2 Erwachsene + 1 Kind nur 124 Euro !
Fähre legt um 10 Uhr in Dänemark ab . Die Colorline ist teurer !!
Nach Ankunft in Oslo geht es dann in die Fjordgegend .....


:tanz::tanz::tanz:

Gast am 22 Mär 2004 14:51:51

Hallo Anna und Volker
Das habt ihr wirklich gut gemacht, wir fahren diesen Sommer nämlich genau dorthin. ffffffffffffffffffffrrrrrrrrrrrrrrrrrrreeeeeeeeeeeeeeeeeuuuuuuuuuuuuuu
Hätte man vorher wissen müssen - wir haben am 7.7 bei color line gebucht. Von Hiithals nach Kristiansand 357 Teuros !

Anzeige vom Forum


Rudi Roehrich am 22 Mär 2004 14:54:10

Hallo Joxy12 ,
kannst Du das noch rückgängig machen oder hast Du schon bezahlt ?
Vielleicht rechnet es sich ja . Ein Versuch ist es wert , oder ???


:tanz::tanz::tanz:

Gast am 22 Mär 2004 15:10:58

Ueber Internet bestellt , bezahlt und abgebucht.
Aber wir wollen ja sowiso die westküste rauf bis etwas über Bergen und dann rüber nach Oslo und via Südschweden runter nach Rostock.

Ritschi am 23 Mär 2004 09:41:38

...Hi an alle die dieses Jahr nach Norwegen wollen und eine kurze Info:

Wir waren letztes Jahr Ende August in Norwegen. Nach 3 Tagen Regen am Stück hat es die Trollstigen-Straße "weggespült". Norwegenkenner werden wissen, wie schnell bei dem felsigen Untergrund die Flüsse und Wasserfälle anschwellen. Genauso schnell ist jedoch der Spuk dann wieder vorbei. Jedenfalls sind wir die Straße am nächsten Tag, obwohl gesperrt wegen Lebensgefahr, zu Fuss hoch. Wir mussten uns über haushohe Geröllberge kämpfen. Teilweise war nur noch die Teerdecke vorhanden...darunter gings mehrere 100 m senkrecht bergab.
Auf Nachfrage an dem Campingplatz am Fusse der Straße sagte man uns, dass dies in der Form wohl noch nie passiert sei, obwohl es bestimmt nicht selten regnet in Norwegen. Sie rechneten mit 1-2 Jahren Reparaturzeit. Ich befürchte, dass Ihr die Straße vielleicht noch gar nicht befahren könnt. Wenn keine Auto fahren ist es zu Fuss hoch jedoch noch schöner, wenn auch anstrengender.

Trotzdem allen viel Spaß in Norwegen!!

Gast am 23 Mär 2004 10:04:47

Tja, man fährt nicht des Wetters wegen nach Norwegen ! :)

Gast am 23 Mär 2004 10:20:31

@Ana-Volker,

da habt Ihr aber einen wirklich tollen Bericht fabriziert :razz: :razz: :razz:

Gast am 23 Mär 2004 20:19:57

@ chama,

nee nee, wir wollen uns nicht mit fremden Federn schmücken, der Bericht ist von "Dirk Schröder", wir haben ihn Euch nur zur Verfügung gestellt. :oops:

Gast am 23 Mär 2004 20:52:00

@ Ana-Volker,

danke für die Aufklärung
:magic:

hammchief am 31 Mär 2004 20:27:28

Hi Rudi,

kostet die Fähre von Frederikshavn nach Oslo 124 Euros für eine Tour oder Hin und Rück?
Gisbert grüßt :ertrink:

Rudi Roehrich am 01 Apr 2004 06:24:44

Hallo Gisbert ,
nur die Hinfahrt . Wenn Du mir Deine E-Mail-Adresse gibst , dann
sende ich Dir eine von mir ausgearbeitete Übersichtsliste aller
Fährverbindungen nach Norwegen / Schweden .


:tanz::tanz::tanz:

hammchief am 01 Apr 2004 09:28:45

Tach Rudi,
SUPER Service, Danke. Mailadresse kommt.
Beste , Gisbert :top: :top: :top:

Rudi Roehrich am 01 Apr 2004 11:57:02

Hallo hammchief ,
Deine E-Mail-Adresse ist unbekannt !!! :cry:
Wat nu ?????
:?: :?: :?: :?: :?:


:tanz::tanz::tanz:

hammchief am 03 Apr 2004 18:09:21

Ja, ja,
da war was zu viel, man schreibt sich selbst ja so selten.
Die korrekten Angaben sind unterwegs,
danke, Gisbert :shy:

Rudi Roehrich am 05 Apr 2004 08:53:22

Hallo Gisbert ,
die Liste über Fährverbindungen ist unterwegs .


Bis dann
:tanz::tanz::tanz:

hammchief am 07 Apr 2004 18:33:15

Tach Rudi,
besten Dank für die Liste. :licht: Die gibt mir schon mal Anhaltspunkte, was auch finanziell auf mich zukommt.
Beste , Gisbert :gut:

baer am 07 Apr 2004 21:08:23

hallo roxy!
in bergen stellt euch auf den platz bei der eishalle. duschen, wc, haltestelle für bus, alles vorhanden.
kenne diese stecke schon auswendig, kann nur sagen suuper. habe sie befahren von norden nach süden. d.h. vom nordkapp bis bergen, von dort nach oslo und weiter nach trelleborg zur fähre.
lg
Baer

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