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Mit dem Wohnmobil im Lonjsko Polje


Schnecke am 08 Jun 2011 21:42:45

Naturpark Lonjsko Polje: Ein Besuch im Storchendorf Čigoć

Nachdem ich 2009 diesen Reisebericht --> Link von Vadda gelesen hatte, stand für mich fest:
Da muss ich hin!

Gemeint ist der Naturpark Lonjsko Polje im kroatischen Teil der Posavina, jener einzigartigen Landschaft im Überschwemmungsgebiet der Save, ca 80 km südöstlich von Zagreb.



Ende Mai 2011 machten wir uns mit unserem Wohnmobil auf den Weg.

Über die Autobahn A3 ging es von Zagreb in Richtung Sisak. Bereits bei der Ausfahrt Stari Hrastovi wies ein Hinweisschild auf das Lonjsko Polje und unser Ziel, das Storchendorf Čigoć hin.

Wir konnten den Weg nicht verfehlen.

Das Dorf Čigoć liegt auf einer etwas erhöhten Stelle mitten im Überschwemmungsgebiet der Save.



Die Save kann innerhalb kurzer Zeit bis zu 10m ansteigen.
Die Wassermassen werden dann in die durch Dämme eingrenzten Flussauen geleitet, wodurch die Städte Zagreb und Sisak vom Hochwasser weitgehend verschont bleiben.

Die Überschwemmungsflächen sind riesig: Der Naturpark Lonjsko Polje ist fast zwei Mal so groß wie der Bodensee.

In der Regel steht das Wasser dort zwei Mal im Jahr bis zu 2 Meter hoch. Dazwischen ist es Weideland und Brutplatz für viele stark gefährdete Vögel wie Löffler , Seeadler, Schwarzstörche, aber auch für zahlreiche Weißstorchpaare.

Das Lonjsko Polje mit dem Dorf Čigoć gehört zu den 9 bedeutendsten Brutplätzen für Störche in Europa.





Bei uns in Bayern gibt es nur noch wenige Störche und daher galt unser Interesse in den ersten Tagen zunächst mal diesen faszinierenden Tieren.

Es gibt in Čigoć kaum ein Dach ohne Storchennest.
Wenn man bedenkt, dass diese Nester 1 Tonne und schwerer sein können, so staunt man, was die Dächer der alten Holzhäuser aushalten.







Ende Mai waren sehr viele Nester schon besetzt. Ich habe einen Ranger des Naturparks nach der Anzahl gefragt: allein in Čigoć gab es zu dieser Zeit 29 Brutpaare.





Die unmittelbare Umgebung bietet den Störchen alles, was sie brauchen.





Frösche gab es zu Tausenden. Auch die gute Tarnfarbe nützte ihnen meist wenig.





Manche Störche waren wohl mit dem Nestbau noch nicht ganz fertig und schleppten Nistmaterial in das Nest.





In nur wenigen Nestern guckten schon die Jungen über den Nestrand.



Storchenpaare wechseln sich alle 2-3 Stunden bei der Nestwache, dem Brüten oder dem Füttern ab.
Wenn ein Partner ankommt, dann gibt es zunächst ein Begrüßungsgeklapper, oft beginnen sie gemeinsam ihr Gefieder zu zupfen und zu reinigen, bevor der andere dann plötzlich wieder abfliegt.











Beim Spaziergang durch das Dorf sahen wir fast auf jedem Hausdach ein oder zwei Storchennester.

Die alten posavinischen Holzhäuser sind zum Teil 200 Jahre alt und besitzen einen ganz besonderen Charme.

















Bis zum späten Abend, sogar nachts, wechseln sich die Storchenpartner ab.





Während der eine weg ist, hält der andere die Eier ( oder die Jungen) warm.



In Čigoć, aber auch in den andere Orten werden in den alten, oft sehr schön renovierten Holzhäusern immer wieder Unterkünfte angeboten.

Wir hatten uns für „Tradicije Čigoć“ entschieden, einem Holzhaus, das die Familie Barić vor einigen Jahren halb verfallen im Ort gekauft hatte.
In mühevoller Arbeit und unter strengen Auflagen des Denkmalschutzes wurde Balken für Balken nummeriert, abgetragen und auf einer großen Wiese am Ortsrand wieder aufgebaut. 2006 wurde es fertiggestellt.

--> Link

Entstanden ist ein gemütliches Restaurant mit einigen Fremdenzimmern – alle mit authentischer, traditioneller Einrichtung, aber mit allem modernen Komfort, den man gerne hat, einschließlich freiem WLAN. Die Gastfreundschaft war groß.

Für uns besonders schön: hinter dem Haus stehen ca 10 Plätze für Camping zur Verfügung.

Das Tradicije Čigoć





Rechts hinten die Campingwiese ( einschließlich kleinem Sanitärtrakt in einem alten Schweinestall)



Nachts wurden wir von Fröschen in den Schlaf „gesungen“, morgens von dem Geschnatter der Enten, dem Geklapper der Störche, dem Ruf des Kuckucks, Nachtigallengesang… geweckt.





Frühstück vor dem Wohnmobil mit Blick zu dem Storchennest auf dem Hausdach.







Hier hätte ich stundenlang sitzen können. Aber natürlich erkundeten wir auch noch die Orte entlang der Save und auch die Weideflächen hinter den Dämmen mit den wild lebenden Schweinen, den Schweinehirten und den Rinderherden.

Das war auch Kroatien – aber Leben in Kroatien, wie man es sich nicht vorstellen kann, wenn man nur das Leben an der Küste kennt.


Elke

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felix52 am 08 Jun 2011 21:53:51

Booaaah! :ja:
Das ist mehr als schön.... :)

Schnecke am 11 Jun 2011 17:22:53

Ein Spaziergang durch Čigoć

Čigoć ist ein ca 2 km langes Straßendorf, das auf einem etwas erhöhten Gelände im Naturpark Lonjsko Polje in der Region Posavina errichtet wurde. Die Häuser stehen nur auf einer Straßenseite, auf der anderen Seite beginnt unterhalb des Dammes bereits das Überschwemmungsgebiet der Save.



Lt Wikipedia hat das kleine Dorf ca 130 Einwohner und gehört zur Gemeinde Sisak.
--> Link
Seit 1994 ist es eines der 10 Europäischen Storchendörfer.



Quelle wikipedia
--> Link
„Der Titel Europäisches Storchendorf wird in unregelmäßigen Abständen von der Stiftung Europäisches Naturerbe (Euronatur) an Ortschaften verliehen, die eine besonders große und regelmäßig wiederkehrende Population an Störchen aufzuweisen haben und sich für den Schutz dieser Vögel einsetzen……“

Bilder von den Störchen in Čigoć siehe weiter oben in #1.

Es gibt im NP Lonjsko Polje zwei Informationszentren: eines in Čigoć, das andere im 30 km entfernten Krapje, wo Ranger sich um den Park, aber auch um interessierte Besucher ( auch Schulklassen) kümmern. Er werden Informationsveranstaltungen und auch Führungen angeboten.

--> Link

Čigoć, aber auch die anderen Dörfer im Lonskjo Polje faszinieren neben den Störchen auch durch die Bauweise ihrer Hauser.

Sie wurden aus Balken der widerstandsfähigen Posavinaeiche gebaut.

Fast könnte man denken, man befinde ich in einem Freilichtmuseum.
Čigoć ist jedoch ein bewohntes Dorf.

Die Häuser sind oft 200 Jahre alt, manche sind noch gut gepflegt, viele von ihnen jedoch auch nicht mehr bewohnt oder bewohnbar.









In einem Gespräch mit Mladen vom Restaurant Tradicije Cigoc erfuhr ich, dass selbst alte, baufällige Häuser nicht abgerissen werden dürfen und bauliche Veränderungen langwieriger Genehmigungen bedürfen. Die Anwesen sind als Kulturdenkmäler geschützt.







In vielen Häusern befindet sich unten ein Stall und oben der Wohnbereich. Die Treppe zum ersten Stock ist sehr oft außen angebracht, was es den Leuten ermöglichte, bei einem der vielen Hochwasser, sich über die Außentreppe und mit einem Boot in Sicherheit zu bringen.





Unter den kleinen Dächern ist Platz zum Aufhängen und Trocknen der Maiskolben, die vor allem für die frei lebenden Tupoljeschweine gebraucht wurden und werden.

Auf den meisten Dächern sind Storchennester. Im Laufe der Jahre können diese Nester mehr als eine Tonne schwer werden.





In Cigoc wohnen nicht viele junge Menschen. Die älteren Menschen leben vor allem von der Landwirtschaft.





Aber man kann eine erfreuliche Entwicklung beobachten:

Das Interesse von Naturfreunden aus ganz Europa am Naturpark Lonjsko Polje nimmt zu.

Häuser werden renoviert, werden im Inneren einerseits traditionell eingerichtet, anderseits mit allem Komfort gut ausgestattet und stehen Touristen als Unterkünfte zur Verfügung.







„Ferien auf dem Bauernhof“ wie hier im
Turizam na selo
„Stara hiža“
--> Link



Oder als Restaurant ( mit Zimmern) wie hier in dem schon in #1 vorgestellten Tradicije Ciogc.
--> Link



Hier die Rückseite des Anwesens ( links eine Wiese mit ca 10 Plätzen für Camper)





( Ein weiterer Tipp ist das „Seoski turizam“ der Familie Ravlić in Mužilovčica
--> Link


Elke

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