..... dann kann er was erleben..... besonders wenn die Reise zum technischen Überwachungsverein geht.....
Nach über 30 Führerscheinjahren, davon 4 mit Wohnmobil, trete ich an, das Abenteuer der Hauptuntersuchung zum ersten Mal mit einem eigenen Wohnmobil zu durchlaufen. Das "Corpus Delicti" ist ein teilintegrierter "Ahorn Camp T620" auf Ducato-244 Basis mit 15er Führerhaus, Baujahr 05. Der 2.3TDJ hat gerade mal 41tkm. "Ahorn Camp" ist ein relativ unbekannter Importeur aus Speyer, der mal ein paar Jahre lang verschiedene italienische Wohnmobile importiert und mit seinem Logo versehen hat, z.B. Elnagh, CI, Granduca, Riviera oder SEA. Unser Ahorn Camp ist ein umgelabelter McLouis Glen 262.
Da das Kennzeichen-Pickerl im frostigen Februar abgelaufen ist, beschließe ich, wenigstens einen von zwei legalen Monaten zu überziehen, um den Prüfungstermin allmählich in die wärmere Zeit zu verschieben. Mitte März bin ich Nachmittags auf dem Weg zu einer Firma in Herxheim in der Pfalz, leider eine halbe Stunde vor deren Öffnung. Ich überlege spontan, die Zeit auf der nächsten KFZ-Prüfungsstelle zu verbringen um zu sehen, was dabei so alles passieren kann. Per Taschen-Internet stelle ich fest, das es zwar keinen TÜV, aber eine DEKRA in Herxheim gibt. Ich lasse mich hin navigieren und stelle mich an. Irgendwie stehen ausser mir nur große LKWs und Nutzfahrzeuge in der Schlange. Als ich dran bin, fragt mich der Graukittel nach meinem Begehr. "Rundumsorglos-Paket mit HU inklusive AU und Gasprüfung" sag ich. Es tut im Leid, aber hier dürfe keiner eine Gasprüfung machen, und ohne braucht man garnicht anfangen.
Ich ziehe also wieder los, direkt zum TÜV-Rheinland in meiner Heimatstadt Ludwigshafen. Nach Vorkasse von 89€ macht sich der Prüfer an seine bezahlte Arbeit. Am Unterboden stellt er fest: Loch in der Gelenkmanschette am Lenkgetriebe und ausgelaufenes Fett. Das gibt schon mal keine Plakette! "Ob ich Probleme mit Marder hätte?" "In den letzten 30 Jahren nicht" sach ich "Aber jetzt wo sies sagen, vor einem halben Jahr habe ich die Starterbatterie erneuert, dahinter habe ich eine vertrocknete Ratte gefunden". "Könnte auch sein" so seine Vermutung. Ausserdem zeigt der gesamte Unterboden ein rostiges Grundrauschen. "Ob ich mit dem schon öfter ma am Mittelmeer war?" fragt er. "Nöö, vielleicht der Vorbesitzer, hab die Kiste erst seit einem dreiviertel Jahr". Der Bremskraftregler an der Hinterachse sei n bissl fest, das wäre "kein Problem" das n bissl zu ölen und frei zu machen, das könnte ja die Werkstatt mitmachen.
Weiter geht die Prüfung mit den Bremsen.
Gleich wirds lustig ahne ich, und so kommts auch: Als die Hinterachse auf der Rolle steht und er die Handbremse zieht, gibts n par laute Schläge, die Kiste schüttelt sich, und ich wundere mich etwas, das die Hinterachse überhaupt noch dran ist. Als ich das Wohnmobil gekauft hatte, habe ich festgestellt, das mit der Handbremse sofort die Hinterräder blockieren. In diesem Thread --> Link habe ich damals gefragt, wie das sein kann, da ich sowas noch nie erlebt habe. Einige Antworter haben gemeint, dass das "normal" sei, das es sich um eine Feststellbremse für den Stand handelt. Jetzt weiß ich: Das ist falsch! Der Untersuchungsprüfer winkt mir zu, das ich ma mit einsteigen soll, er müße die Handbremse mal "freibremsen". Ich brauche keine Bedneken haben, wenn es sich etwas "unangenehm" anhört. Er fährt aus der Halle, fährt im ersten Gang Schritttempo, zieht die Handbremse und gibt dabei Vollgas. Es knallt, scheppert und quietscht, und nach ein paar Meter funktioniert die Handbremse wieder wie gewohnt als Notbremse. Ich überlege, ob ich mich beim HNO-Arzt auf Ohrenkrebs untersuchen lassen soll, aber jetzt weiß ich, was man unter "freibremsen" versteht. Die Bremsprüfung besteht die Handbremse jetzt, scheint also noch ganz zu sein....
Als nächstes gehts an die Abgasprüfung.
Er fährt das Wohnmobil von aussen an die TÜV-Halle ran und traut sich nicht hinein zu fahren, obwohl es wahrscheinlich gepasst hätte. Deswegen muß er den "Abgas-Computer" herbei zerren, der mit seinen tausend Kabel und Schläuchen so aussieht, als wäre es die Sauerstoff-Versorgung vom gesamten Klinikum mit dem Gegenwert eines Kleinwagens. Er schließt das Kabel an die OBD-Buchse meines Ducatos an, gibt die Fahrzeugdaten in den Computer ein und startet das Programm. In großen Lettern sehe ich auf dem Bildschirm "Standgas: 200u/min". Während ich beim Prüfer ein paar Fragezeichen aufsteigen sehe, denke ich noch so für mich, das ich diese 200u/min auch schon auf meinem Smartphone mit 12€-Bluetooth-OBD-Stecker gesehen habe. Hier --> Link wurde schon darüber diskutiert mit dem Ergebniss, das die drei Italiener Fiat, Alfa und Lancia vor 2007 wohl ihr eigenes OBD-Süppchen gekocht haben. Ich versuche vorsichtig den Prüfer zu fragen, ob ich da nich ma was gehört habe, das die drei Italiener vor 2007 ein eigenes OBD-Süppchen gekocht haben? Er ignoriert den vorlauten Unkundigen neben sich, grummelt kurz was mit seinem Arbeitskollegen, dann wird der teure OBD-Stecker wieder gezogen, Drehzahlsensor in dem Motor und Abgaschnorchel in den Auspuff. Die Kiste wird mehrfach auf über 4500u/min gejault und ich schaue in meinem Terminkalender, wann ich Zeit habe für den HNO-Arzt.... Gottlob wurde der Zahnriemen bereits bei 32tkm getauscht, weil er da schon sein Rentenalter von 5 Jahren erreicht hatte...
Die Gasprüfung steht auf dem Programm.
Nachdem er sich die Flaschen angeschaut, die Abschaltung des Gasherdes und den CO2-Gehalt der Heizungsluft geprüft hat, kuckt er sich das Typenschild des Herdes an. "Da is ja ein anderes Modell im Gasbuch drin, da muß ich abbrechen!" "Äh?" "Da muß ne Erstprüfung gemacht werden, ich kann nur Wiederholungsprüfung machen" Na Klasse! Auf der Homepage vom TÜV-Ludwighafen werden nicht weniger als 16 Dienstleistungen angeboten, darunter auch "Gasprüfung für Wohnwagen & Wohnmobile" Von Nur-Wiederholung steht nichts dabei. "Wie kömmts?" frag ich. "Vielleicht wurde der Herd mal ausgetauscht". Wir kucken uns noch das Typenschild des Kühlschranks an: Stimmt auch nicht. Sehr munkelhaft, meint er, lassen sie das ma richtig checken beim Wohnmobilhändler. Fairerweise bekomme ich die vorausbezahlte Gasprüfung gleich wieder zurück erstattet. Mit der bestandenen Abgasprüfung und der nicht bestandenen Hauptuntersuchung verlasse ich also das Schlachtfeld.
Zuhause schaue ich mir das gelbe Gasbuch und die Gasgeräte nochmal genauer an: Der Erstprüfer hat entweder sein Horoskop oder ein Kochrezept eingetragen, aber kein einziges der installierten Geräte! Alles falsche Bezeichnungen und CE-Nummern. Da auf der Vorderseite die Fahrgestellnummer stimmt, kann es zumindest keine Verwechslung des Buches sein. Die letzten beiden Nachprüfungen hat laut Eintragung ein Tauchgeräte-Verkäufer in Karlsruhe gemacht. Der kann ja wohl nur kassiert, aber niemals kontrolliert haben. Ich überlege, ob ich ihn nicht anrufen und mich bei ihm für seine "Arbeit" bedanken soll....
Erfahrungsgemäß ist mein Womo-Händler GÜMA in Mannheim stets ausgelastet, länger als ich mit der Nachprüfung warten darf, und so fällt mir mein letzter Gasprüfer ein, der örtliche BOSCH-Dienst. Ich grüble, ob der Bosch-Dienst Gelenkmanschetten wechseln kann, oder ob der Fiat-Händler auch Gas-Erstprüfung machen darf? Ich würfle mir den Fiat-Händler aus. "Natürlich machen wir auch Gasprüfungen, wir bekommen doch öfters Wohnmobile herein" Hätte ich auch selbst kombinieren können..... "Wir beheben ihnen auch die TÜV-Mängel und machen die Nachprüfung für sie" Aha, also das Rundum-Sorglos-Paket, von dem ich geträumt hatte.... Ich mache also einen Termin und überlasse meinem Vertrags-Händler meine Rollbude. Zwei Tage später ein Anruf: "Schlechte Neuigkeiten!" "Ja bitte?" "Der Bremskraftregler (der angeblich kein Problem ist) ist nicht nur fest, der is kaputt!" "Und wieviel heißt `kaputt`?" "So....hust....300€.....und müßen wir bestellen" "Is scho recht" sage ich freundlich und ich weiß jetzt wieder, warum ich so ungern in Auto-Werkstätte gehe, den es hat noch keine Werkstatt nicht "irgendwas" zusätzliches gefunden. Ich bin der Überzeugung, jeder Automechaniker hat mindestens eine Grundausbildung beim kriminalistischen Ermittlungsdienst für versteckte Mängel hinter sich.....
Paar Tage später ruf ich aus Langeweile morgens mal wieder an: "Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaub, der Meister macht grad Probefahrt". Wahrscheinlich ging die Probefahrt an den Bodensee, denn an diesem Tag höre ich nichts mehr. Wieder einen Tag später: "Wir müßen noch Spur einstellen lassen, das können wir nicht selbst, dann noch beim TÜV vorbei" Auch an diesem und nächsten Tag höre ich nichts mehr von meinem Baby. Aber dann! Gut zwei Wochen nach der Einlieferung und der letzter Tag vor Karfreitag der erlösende Anruf für die Abholung.
Fast emotionslos nehme ich die Rechnung in Empfang: 665,08€
Dafür habe ich auch als einer der ersten die neue Gasprüfplakette am Heck, die nicht mehr goldfarben ist, sondern silber und neuerdings nicht nur das Jahr, sondern auch den Ablauf-Monat anzeigt. Wow!
Wenn einer eine Reise tut.....dann bin ich froh, das diese Reise erst wieder in zwei Jahren ansteht....
Achim

