Hier nun die Beschreibung in chronologischer Reihenfolge:
11.6. Walter versendet den Brief via Einschreiben
13.6. Brief trifft bei DHL Frankfurt ein und geht noch am gleichen Tag zum Zoll
13.6-23.6 Haaaallllooooo Zoll, was macht ihr denn? :?
24.6. Der Briefträger haut mich um 7:30 Uhr aus dem Bett. Er hat ein Einschreiben aus Norwegen - gähn. Warum bin ich auch erst gegen 3:30 Uhr ins Bett?
So sah der Stick:

Deutlich zu erkennen, ein glatter Abriss des Steckers, samt Metallumhüllung. Da müssen wirklich hohe Hebelkräfte auf die Platine gewirkt haben. Ich fürchte schlimmes, hoffe aber das beste, denn es ist eine mehrschichtige Platine. D.h., sie besteht aus 4-5 Schichten mit Leiterbahnen dazwischen. Wenn da eine innen gebrochen ist, wird es richtig ekelig.
Ich habe also erst mal Stick zerlegt und erst mal ein richtiges USB-Kabel angelötet.

Jetzt ist er fertig zum ersten Einstecken in den PC:

Windows ruft sofort nach Formatierung. Der Stick als solches wird zwar erkannt, aber ist überhaupt nicht ansprechbar.

Also jetzt erst mal eine Datensicherung:
Stick in Linux-Rechner eingesteckt. Wird erkannt. Ein Dump des RAW-Files geht nicht, es kommt eine Art I/O-Error (Timeout). :eek:
So jetzt kommt das Teil unter da Mikroskop. Nach längerer Sucherei finde ich endlich, dass die Hebelkräfte einige Beinchen eines Chips auf der Verlötung abgerissen haben (gelbe Fläche, die linken Füsschen).

(Wenn man genau hinsieht, sieht man dass die linken Füßchen nachgelötet sind. Das 1 Cent Stück ist zum Größenvergleich und zum Angeben :mrgreen: )
Kein Wunder, ist doch dort die Platine am schmalsten und wirken dort dann auch die Hebelkräfte erst so richtig.
Mikrolötkolben anwerfen und erst mal 2 Minuten Atem- und Yogaübung, damit die Hand ruhig wird, denn hier geht es verdammt eng zu. O.K., ich gebe ja zu, dass die Yogaübung aus einer Zigarette bestand. :oops:
Die Beinchen des Controllers sind winzig, die Löterei ein Sch....., oder werde ich doch langsam zu alt für so was?
Das verlöten geht jetzt (da winzig) wie folgt:
1) Mit einer Nadel SMD-Lötpaste auf jeden Fuß einzeln auftragen.
2) Mit der Nadel den Fuß nach unten drücken, während man mit dem Mikrolötkolben den Fuß wieder anlötet.
3) Lötkolben zurücknehmen, aber Nadel noch 3 Sekunden drücken.
4) 5 Sekunden warten, nächster Fuß.
Ohne Spezial-Uhrmacherbrille gehr so was nicht. Ihr könnt ja auf dem Bil erahnen, wie winzig die Abstände sind.
Nach nochmaliger Kontrolle unter dem Mikroskop scheint es jetzt o.k. zu sein. Also nochmals 5 Minuten REVAL-Yoga (das geht gewaltig auf die Nerven) :lach:
Wieder ein in den Linux-Rechner und siehe da, der Zugriff geht. *freu*
Also sofort ein dd if=/dev/rsd0 of=rettung bs=......... (kurz gesagt eine physikalische 1:1 Kopie des Speichers.
Das ist so eine Art 1:1 Sicherung der Speicherzellen. Egal, was das für ein Betriebssystem drauf ist, egal welches Filesystem, egal welche Daten. Es werden einfach physisch die Blöcke kopiert. Keine Experimente ohne Datensicherung!!
Nun kommt die eigentliche Rettung:
Die gebräuchlichsten Windows-Rettungtools lassen mich sofort im Stich. Sie können das Filesystem nicht erkennen und somit keine Dateien extrahieren (Windows-Kruscht-Tools *), aber Chip-Bestenliste). Das Problem: Der FS-Superblock ist defekt, Block 0 gar nicht mehr lesbar. :(
*) Nehmt das nicht zu wörtlich, ich bin Linux-Fan. Da muss man zwar mehr wissen, kann aber auch mehr machen als mit den bunten Click-Click Programmen.
Doch da gibt es eine tolle Linux-SW PhotoRec (übrigens auch für Windows im Commandlinemode verfügbar).
Also anwerfen und FS checken lassen. Auch er schafft es nicht, das FS zu erkennen. Da hat es wohl ordentlich im FS gekracht. Nur dass eben diese Software noch viel schlauer ist.
Sie kann einfach den Stick sequentiell ohne Filesystemverwaltung lesen und alle FS-Blöcke ermitteln und dann retten. Das heißt, die nimmt den Stick als eine gesamte Datei, "interessiert" sich (quasi) nicht für das Filesysten und extrahiert dann die Dateien einzeln raus. Das geht immer dann, wenn Dateien ID-Headers haben (Erkläre ich jetzt mal nicht genauer).
Das dauert zwar seine Zeit, aber es klappt hervorragend.

Und nach einer gefühlten Ewigkeit (die eigentlich nur 25 Minuten lang war) hat sie dann auch alles gefunden und in ein Rettungdirectorie gespielt.

Kurzer Test:
Ja, 6242 Files, 2,8GB gerettet. Noch ein kurzer Blick in ein paar Bilddateien - alles o.k. :ja:
Mit ausdrücklicher Genehmigung von Walter auch ein Blick in ein pdf, geht. Allerdings habe ich mich damit begnügt, nur die Kopfzeilen zu lesen. Weiter Inspektionen der Dateien werde ich nicht machen, da mich die Dateien nichts angehen. Das ist der Job von Walter.
Eine Pille muss Walter nun doch schlucken. Wegen Korruption im root-Verzeichnis haben die Directories jetzt nur noch generische Namen. Auch kann es möglich sein, dass ein paar Bilder jetzt im falschen Ordner liegen. Aber laut Protokolldatei hat er ALLE Dateien gefunden.
So, jetzt alles auf einen neuen Stick und nochmals auf eine DVD (doppelt genäht hält besser) ab damit zu Walter. Mal schauen, ob es dieses mal schneller geht.
Den defekten Stick und das Dump-File hebe ich noch so lange auf, bis Walter grünes Licht gibt, dann werden sie vernichtet.
Kurzzusammenfassung:
1) elektrische Defekte beheben (meist nur Lötarbeit)
2) Datensicherung des Sticks!
3) Restaurierung der Daten mittels Photorec --> Link
4) Datensicherung
Naja, 9 mal gehts einfach und einmal ist es halt etwas aufwändiger. Aber nach rund 3 Stunden bin ich dann auch froh, dass die Daten wieder zum Leben erweckt wurden.
Die norwegische Sprache ist halt kompliziert und norwegische Daten sind es wohl auch.
P.S.: Ein herzliches Dankeschön Christophe Grenier und sein tolles Tool PhotoRec. Walter, ich finde du könntest mal auf seinen Donation-Knopf drücken --> Link und ein paar $ spenden. Denn letztlich hat er die Hauptarbeit gemacht und ich finde, man sollte sie dann auch mal belohnen. Aber nicht übertreiben!
Ich hoffe, der eine oder andere kann damit was anfangen. Mal ehrlich, wann habt ihr die letzte Datensicherung gemacht?
Raidy
(Schreibfehler lasse ich drin)






