Wir haben gerade eine Tour durch die Mitte des Stiefels an den Sporn, dann im Zickzack zur Absatzsohle um danach kreuz und quer durch Sizilien abgeschlossen.
Überal haben wir sehr nette und hilfbereite Menschen angetroffen, sind durch wunderbare Landschaften gezogen und habe das guuuute Essen genossen.
Negativ ist uns nur der oft katastrophale Zustand der Strassen und die oft völlig undurchsichtigen Verkehrs/Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgefallen.
Angefangen hat es südlich von Florenz mit endlosen 50kmh Begrenzungen. Wenn mal 70kmh zugelassen waren und vielleicht danach sogar die Geschwindigkeitsbegrenzung gänzlich aufgehoben wurde, dann konnte man sich sicher sein, dass kurz danach, meist gut in einen Busch eingewachsen, ein 50kmh-Schild einen Ortsanfang markierte mit unmittelbar danach folgender Radaranlage. Dieses Spiel konnten wir weit bis in den Süden beobachten.
Südlich Spoleto (SS3) darf man z.B. auf einer reichlich für drei Spuren ausreichenden Strasse auf ca 15-20km Länge wegen einer Baustellenabmarkierung auf locker über die gesamte Breite schwingenden Spuren mit mittigem Dopelstreifen auf einer fast fehlerlosen Strassenoberfläche gerade mal 30kmh schnell fahren. Bauarbeiter, Materialien oder irgendwelche Maschinen waren nicht zu sehen. Dafür aber einige recht offiziell aussehende bemütze und grimmig dreinschauende Uniformierte mit reichlich Kundschaft. Diese speziellen Uniformierten mit Kundschaft findet man fast überall an begrenzten Strecken. Das scheint aber die Einheimischen nicht davon abzuhalten diese Beschränkungen als reine Anregungen für die eigene Fahrgeschwindigkeit anzusehen.
Des öfteren waren endlos gerade Strassen ohne irgenwelche erkennbare Problemzonen auf 50kmh begrenzt. Diese Strassen hatten meist einen einwandfreien, oft recht neu aussehenden Belag. Wenn die Begrenzungen aufgehoben waren, dann war Vorsicht geboten. Dann wurde es schnell seeehr dreidimensional.
Interessant ist auch, dass in vielen Gebieten bereits mehrere hundert Meter vor einem der vielen Kreisverkehre die Geschwindigkeit auf 30kmh begrenzt wird. Gewöhnungsbedürftig ist auch, dass Autobahn und Schnellstrassenzufahrten generell auf 40kmh begrenzt sind. Auch wenn sie bis zu mehr als 1km lang sind.
Ich habe mir geschworen, dass ich bei Wiedegeburt Verkehrszeichenproduzent in Italien werde. Speziell für Schilder mit 10, 20, 30, 40 und 50kmh Begrenzung. Da scheinen die Einsatzmöglichkeiten unerschöpflich.
Die Behebung der sehr weit verbreiteten, oft brutalen Strassenschäden geschieht in Italien offensichtlich weitgehend durch das Aufstellen von Baustellemarkierungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen und einer Reduzierung der befahrbaren Spuren, speziell auf Autobahnen. Neben den abmarkierten Spuren hat die Natur durch intensives Wachstum schon den Rückeroberungskampf begonnen. Da grünt es auf dem Asphalt.
Viele Brücken sind nur einspurig befahrbar. Wenn es ganz schlimm wird, dann mit Ampelregelung. Da wird gezielt auf Verschleiß gearbeitet.
Besonders unangenehm sind die Stoßstellen der Brückenbauteile. Da geht jedesmal ein harter Schlag durchs Womo. Kritisch wird es, wenn diese Brücken eine enge Kurve bilden. Dann fängt die ganze Fuhre an bei jeder Stoßstelle seitlich wegzuhüpfen. Und Brücken gibt es sehr viele.
Bei der Heimfahrt ab Genua waren die beschrieben Verkehrs-Problemchen kaum noch vorhanden.
Erstaunt waren wir auch, wie flüssig und unproblematisch der Verkehr in dem angeblich so chaotischen Palermo oder anderen Städten war. Aufpassen muß man natürlich auf die reaktionschnellen Aktivitäten der anderen Verkehrsteilnehmer. Aber da kenne ich schlimmere Gegenden.
Wenn wir mal in eine Engstelle gerieten, dann war das nie ein Problem, dass jemand wartete oder dass ganze Kolonnen zur Seite fuhren, damit wir gut durch kamen.
Die Dieselpreise lagen zwischen 1,54 und 1,79€/Liter
Insgesamt hat uns die Tour sehr gut gefallen. An die landestypischen oben beschriebenen Eigenarten gewöhnt man sich. Es ist für uns, die aus italienischer Sicht Nordlichter, nur zuerst etwas gewöhnungsbedürftig. Das Land ist eine Reise wert. Besonders noch bevor sich die kommerzielle Nutzung der historischen Orte ähnlich wie in Taormina oder Syracusa mit der Verunstaltung weiter verbreitet.

