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Von Spanien über Frankreich nach Deutschland ( Frühjahr 2014


euroalex am 18 Sep 2014 00:58:55

Unsere Fahrt vom Winterquartier in Spanien über Frankreich zurück nach Deutschland

Die ersten Tage

„Peng !“Ein lauter, peitschenartiger Knall übertönt das leise Brummeln des Motores. Gebrochene Plastikteile und Spiegelscherben verteilen sich auf einer schmalen, einsamen Straße im Ebrodelta.
Da, wo vor kurzem noch ein großer ( und leider teurer ) Außenspiegel unseres Reisemobiles war, ist nur noch ein häßlicher Metallrahmen zu sehen. Ausgerechnet auf der linken, sprich Fahrerseite, und natürlich am Sonntag !
Der Verursacher des ganzen Schlamassels, ein Lieferwagen, hat angehalten und betrachtet die Reste seines Außenspiegels. “ Und ja, die Straße ist schmal, und aufgepaßt hat er natürlich auch, und schnell, schnell war er natürlich auch nicht, so etwa 50 eher 30 oder doch nur 10 km/h.“ Ich höre mir in Ruhe seine immer besser werdenden Argumente gegen ein Verschulden seinerseits an. In meinem portugiesisch durchsetzten Spanisch erkläre ich ihm dann, dass er mit mindestens 80 km/h unterwegs war, ziemlich in der Mitte der Straße fuhr und - bestes Argument, wir zu zweit seien. Das überzeugt. Sein Spiegel besteht auch nur mehr aus Trümmern, auch so 350€ teuer.
Wir zucken mit den Schultern, geben uns artig die Hand und fahren weiter.
Das ist allerdings leichter gesagt als getan; so ein über 7m langes und 2,40m breites Wohnmobil ist ohne Spiegel kaum zu fahren; und schon gar nicht auf winzigen Sträßlein und verwinkelten Gäßchen im Delta des Ebros, wo es zum Teil um Zentimeter geht.
Gut, dass „Liebes“, meine Göttergattin einen Schminkspiegel hat und ohne jeglichen Protest darauf verzichtet ( ich sag`doch „Göttergattin“). Mit viel Klebeband und Draht ( des Wohnmobilisten bestes Werkzeug), wird ein kleiner, runder Schminkspiegel befestigt und weiter gehts nach Norden.
Nun muss ich uns aber erstmal vorstellen: Karin, genannt Liebes und ich, Alexander sind in der glücklichen Lage Rentner zu sein. Nach einem langen Arbeitsleben, unter anderem 20 Jahre in Portugal, sind wir im sonnigen Spanien hängen geblieben und genießen die warmen Wintermonate am Mittelmeer. Ist`s so März herum ergreift uns eine gar erschröckliche Sehnsucht nach Weite, Reisen, Neues, einfach weg, egal wohin. Zum Behufe der Sehnsuchtserfüllung haben wir uns ein Wohnmobil gekauft und so gehören wir zwischen März und Oktober zum „fahrenden Volk“
Zu erwähnen sei noch, dass Liebes überall und jeden Tag versucht Klavier zu spielen ( mit einem Keyboard ); sie spielt wunderbar, ich höre gerne zu und lasse mich zwischen klassischen und modernen Wohlklängen zum Malen oder Schreiben inspirieren.
Zurück zur Reise: unser erster Halt war ein Stellplatz bei Amposta am Ebro, genannt „Casa da Fusta“. Ein Platz mitten im „Nirgendwo“ Absolut ruhig, kilometerweit Schilf rund herum. Ideal zum Spazierengehen oder Radfahren.Ein kleines Restaurant mit Fahrradverleih ist direkt am Gelände. Leider besteht der Untergrund aus Lehm und Sand, was natürlich deutliche Spuren im Wohni hinterläßt. „Du musst halt die Schuhe gründlich abputzen!“,sagt Liebes. Recht hat sie ja, aber ich glaube ganz fest daran, daß der Schmutz auch ohne mein Zutun ins Mobil gekommen wäre, der iss so!
Am nächsten Morgen ging`s weiter die Küste längs nach Frankreich, genau nach “ Leucate“
Das Städtchen liegt auf einer Halbinsel zwischen Meer und Lagune. Ein traumhafter, schier endloser Strand zieht sich am Meer entlang. Spazierengehen im Sand, das noch kühle Meer zwischen den Zehen, das Rauschen der leichten Brandung, das Geschrei der Möven, Liebes an der Hand, die Sonne im Meer versinken lassen, ach ja, das Leben hat schon was zu bieten.
Der Stellplatz ist nicht besonders schön, aber von Meer und Lagune eingesäumt, der Preis stimmt (7,20 €) und wir schlafen selig in absoluter Ruhe.

Vom Mittelmeer zum Atlantik

Wir fahren weiter westwärts dem Atlantik entgegen nach „Venerque“ Ein schönes kleines, südfranzösisches Städtchen. Auf dem Weg dorthin begleiteten uns die schneebedeckten Gipfel der Pyreneen. Ein kitschiger Naturfilm spielt sich rings herum ab. Die Fensterscheiben unseres Wohni`s wirken wie Kinoleinwände; die sanften Hügel zur Rechten, am Straßenrand das strahlende Gelb der Himmelsschlüssel und die Farbenpracht der blühenden Bäume und Sträucher; zur Linken die majestätische Größe und Wucht der in der Sonne gleißenden Schneegipfel. Die Straße ist ein sanftes Auf- und Ab und gibt auf jedem kleinen Hügel neue Einblicke in die bezaubernde Landschaft frei. Wir gleiten dahin; die Federung des Wagens spielt angenehm mit der Straße.Wirklichkeit,? Traum ? das Band der Straße verwebt beides.
Der Navi quäckt irgenwas von abbiegen. Also wieder volle Konzentration.
Der Stellplatz liegt unter alten, Schatten spendenden Bäumen; gleich nebenan spielen die älteren Dorfbewohner Boule. Ein kleiner Bach zur Rechten, ein größerer reißender Fluß zur Linken.
Wir machen uns auf, „Venerque“ zu erobern, friedlich natürlich. Unser Tatendrang wird jedoch sehr schnell durch das Ortsende gebremst. Macht nichts, also am Bach entlang, die Beine nach langem Fahren wieder an ihre natürliche Bewegungsform gewöhnen. Der Himmel auf Erden bräche aus , wenn jetzt noch eine kleine Kneipe mit einem frisch gezapften Bierchen unseren Weg kreutzen würde ,--( ich weiß, da trinkt man Wein, tun wir ja auch, aber so ein frisches, nettes , kleines anmutiges Bierchen !? Wahrscheinlich ist es noch zu früh im Jahr um zu „kneipen“
Ist nun das Städtchen den Besuch wert? Unbedingt, es hat was, auch ohne große Sehenswürdigkeit.

Tarbes
Nach einer sehr ruhigen und erholsamen Nacht hat uns die Straße wieder. Die Pyreneen sind immer noch da, die sanften Hügel auch, aber es ist ander als gestern, mehr Verkehr, mehr Konzentration auf`s Fahren.
Der Navi führt uns in Tarbes zu einem alten Bahnhof und dann in den Hinterhof einer Autowerkstatt. Nett angelegt mit kleinen Blumenbeeten, entsorgen kann man, Wasser gibt`s und wir sind in Innenstadt Nähe. 8€ ist ok, zumal noch Strom dabei ist. Also ab in die Stadt, es sind nur 5min.
Wir finden schöne Häuser, alte Fassaden, ein prächtiges Rathaus, geschäftiges Treiben allenthalben. Auf dem Rückweg zum Platz entdecken wir etwas besonderes, den Park. Wunderschön angelegt, verschlungene Wege an seltenen Bäumen vorbei, - und an vielen Pflanzen kleine Tafeln mit Namen und Wissenswertem. Es blüht runherum, fleißige Gärtner richten die Beete und Rabatten her. Ein Pfiff,“ tschuk, tschuk“ ein kleines Bimmelbähnlein zieht bunte Wagen voller lachender Kinder hinter sich her; sogar ein winziger Bahnhof bereichert das Parkszenario. Große Teiche mit buntem Federvieh, kleine Brücklein und angelegte Bachläufe laden zum Rundgang ein.
Einfach schön. An einem kleinen Schlösslein vorbei verlassen wir den Park und suchen unsere Heimstatt auf. Noch ein wenig dem Klavierspiel von Liebes zuhören, das Gesehene sacken lassen, ein bisschen fernsehen und schwupps , schon ist wieder ein Tag vorbei.

Le Houga

Der Atlantik ruft, nur noch einmal wollen wir übernachten; eigentlich egal wo. Zufällig entdecke ich im Bordatlas ein Bild mit lauter Rehen und Hirschen drauf, besagtes Le Houga.
Das ist mir zu komisch aus zu sprechen, so nennen wir es einfach „Hugo“
Hugo erweist sich als ein mitten im nirgenwo verborgenes Dörfchen. Der Navi weigert sich erstmal diesen Platz zu finden ( ist wahrscheinlich unter seiner Würde ) Nach gutem Zureden mittels Geodaten führt er uns in ein scheinbar verlassenes Dorf. Beharrlich verweist er auf eine verfallene Tankstelle als Stellplatz. Aber wo sind die Hirsche und Rehe ?
Unser gesundes Mißtrauen der navigierenden Technik gegenüber läßt uns jedoch weitersuchen. Zwei Hügel weiter, ca 500m außerhalb des Dorfes entdecken wir ein Schild „Ferme aux le cerfs“ mit einem Hirsch drauf. Das Anwesen liegt direkt an der Straße. Der Parkplatz, den wir erstmal für den Stellplatz halten ist schief, kiesig und garantiert mit Straßenlärm untermalt.
Liebes sagt, „das mag ich nicht,wir fahren wieder“ und wir wenden, um den Parkplatz zu verlassen. Beim Ausfahren entdecke ich ein ganz kleines Schild.“ Links den Hügel hoch zum Stellplatz“ sagt das Schild.
Schildern soll man folgen! Ein kleiner Platz oberhalb des Restaurantes, direkt am Zaun eines großen Geheges. Mächtige Rotwildhirsche beäugen uns mißtrauisch. Die Straße ist vom Gebäude verdeckt. Eine kleine, blitzsaubere Toilette, Strom im Überfluß, klares, leckeres Wasser und obendrauf noch ein WLAN Internetanschluß. 7 € inklusive Allem sagt die nette Besitzerin und “ Das mag ich , hier bleiben wir“, sagt Liebes.
Bald darauf klingen wohltönende Klavierklänge „Beethofenschen`s Ursprungs“zu den Hirschen hinüber; - als dann sich noch eine Leinwand munter mit Farben füllt, sind`s die Hirsche wohl zufrieden und trollen sich in die untergehende Sonne. Dass die Abende auch immer so kitschig sein müssen. Die Nacht kommt auf leisen Sohlen und die müden Reisenden schlafen alsbald seelig in ihren Kojen.
Wir bleiben drei Nächte, sind alleine auf dem Platz und glücklich. Am letzten Abend wollen wir uns im Restaurant ein Hirschgulasch schmecken lassen, - wir hübschen uns auf, sogar das Sacko muss aus dem Schrank. Hand in Hand wandern wir nach unten zum Lokal, -- und stellen fest, abends geschlossen, keine Menschenseele weit und breit. Na gut, lebendig sind uns die Hirsche ja eigentlich auch lieber, --- obwohl so ein Hirschgulasch ---.

Am schönen, grauen Atlantik !

Mit einer Abschiedsträne im Augenwinkel verlassen wir „Hugo“. Das graue Band der Straße weist nach Westen. Die Sonne hat sich hinter neblig , grauem Dunst verborgen, aber wir sind frohen Mutes, lockt doch das Meer. Unser Ziel ist „Mortagne-sur-Gironde“. Der Platz hat laut Buch alles, also Strom,Wasser, Wlan, Entsorgung für 7,5 € die Nacht. Während unser Mobil die Straße verschlingt, stelle ich mir vor, ich sitze am Meer und fische dicke Doraden, die Liebes mit Musik anlockt. Um diese Zeit werden wir den Platz wohl alleine haben.
Leider teilt unser Navi die Freude auf den neuen Platz nicht mit uns. Partout will es uns zurück zum Mittelmeer führen. Selbst durch mehrere, verschiedene Adresseingaben im Zielort läßt sich das Navi nicht umstimmen; es will zurück nach Osten.(Wahrscheinlich ist das Ding einfach nur verfroren und kann mit dem rauen Atlantik nichts anfangen !)
Liebes übernimmt das Kommando. Das macht Laune, wenn Liebes abbiegen sagt, meint sie abbiegen und nicht dumm rum fragen und , Hut ab , ohne die kleinste Umwegstrecke treffen wir in Montage-sur-Gironde ein. Der Platz ist direkt an der linken Seite des Hafenbeckens. Zu unserer Verblüffung reiht sich Wohnmobil an Wohnmobil. Wir fahren immer weiter von den schönen Plätzen weg, das Hafenbecken geht in einen grauen, schlammigen Kanal über, immer noch alles voll.
Ganz am Ende endlich ein freier Platz. Hier war vor zwei Wochen noch alles unter Wasser, erklärt uns der Platznachbar. Das wiederum erklärt den Schmutz und halbtrockenen Schlamm aus dem unser Stellplatz besteht. Leider geht die Stromversorgung noch nicht, Wasser ist ca. 1 km entfernt, Entsorgung ebenfalls und Wlan ist wohl auch abgesoffen. Macht nichts, laß uns ein wenig den Kanal entlang zum Meer laufen, meint Liebes. Riesige Schilffelder geben nur einen kleinen Blick auf den Weg frei. Nach ca 500 m „Schlammlochslalom“ versperrt uns ein großer Graben den Weg. Leicht angefrustet drehen wir um und gehen an den , wie an einer Perlenschnur aufgereihten Wohnmobilen vorbei Richtung Stadt. Kaum haben wir das letzte Gefährt passiert,- ein Fehltritt auf unebenen Untergrund, der Fuß ist verknackst, - Liebes hilft mir, ich darf mich aufstützen und zurück geht`s in unser mobiles Häuschen. Wenigstens ist der Fernsehempfang gut und der Abend klingt mit einem guten Glas Rotwein versöhnlich aus.
Der nächste Morgen bestand aus grauem, tropfenden Nebel mit netten 8 Grad., also Fahrtüchtigkeit herstellen und los. Leider haben wir nicht mehr Wasser gebunkert ( hat ja jeder Platz )
Unsere Entscheidung die Atlantik Küste hoch zu bummeln hat der Nebel, die Temperatur,
der Wind und die Überfüllung des Platzes ( O-Ton Liebes: „Glaubst Du, dass der nächste Platz an der Küste leerer ist?“) zu nichte gemacht. Liebes zu widersprechen kommt mir nicht in den Sinn und so starten wir nach „Nieuil-Espoir“ im Inland, einfach aus dem Atlas ausgesucht.

Nieuil-Espoir


Der graue Tropfnebel lichtet sich etwas. Die Landschaft links und rechts nimmt wieder Konturen an. Der Frühling ist hier schon weiter als an der Küste; nur schade, daß die Sonne die Farben der Blumen und Blüten nicht erstrahlen läßt.
Das hat sie wohl gehört, denn unverhofft brechen ihre Strahlen durch das Grau. Nach einer schnellen und gründlichen „Himmels Putz Aktion“ breitet sich der milde, goldene Glanz über die Welt vor uns aus. Das satte Grün des Winterweizens, die ersten gelben Löwenzahnblüten, Obstbaumblüten, ja sogar das Gras am Wegesrand fangen an zu strahlen und leuchten , daß es eine Lust ist, hin zu sehen.
Das Gemütsbarometer steigt und steigt; und ein glückliches, verliebtes Pärchen nähert sich der neuen „Tagesheimat“.
Das Städtchen ist einfach schön, es hat alles was man braucht, ein bisschen Puppenstubenartig. Der Stellplatz liegt an einem Parkplatz, der zu Wanderwegen und einer kleinen Seenlandschaft führt. Da unser Wasser zu Ende ist, wollen wir nur eben an der Versorgunsstelle auffüllen.
Da selbst erklärt uns ein angebrachtes Pappschild warum wir ohne Wasser auskommen sollen, die Anlage ist kaput. „ Hier wird´s ja irgendwo Wasser geben“, meint Liebes, und wir machen uns zu Fuß auf, das Städtchen und eventuelle Wasserstellen zu erkunden.
Die lokale Tankstelle ist leider wegen Sonntag geschlossen, andere Wasserspender sind nicht zu entdecken. Wir wollen diesen schönen Platz aber nicht verlassen. Am Rückweg überlegen wir, ob wir irgendwo klingeln und um Wasser bitten sollen.
Vor dem Rathaus stolpere ich fast über ein Hydranten ähnliches Gebilde; das sich bei näherer Betrachtung als Wasserspender entpuppt. Oben ist eine Kurbel angebracht, die durch heftiges Drehen Wasser zu Tage fördert. Wir holen das Wohni und für die verdutzten Einwohner ergibt sich folgendes Bild : Ein großes weißes Reisemobil parkt vor einem kleinem Trinkwasserspender, eine sehr hübsche Frau ( Liebes ) dreht wie verrückt an der Kurbel ,- und ein etwas längeres männliches Wesen versucht tiefgebückt den spärlichen Wasserstrahl mit einer Gießkanne aufzufangen.
Gut, dass nur wenige Leute unterwegs sind, die uns mitleidige Blicke schenken. Nach gefühlten 10.000 Kurbeldrehungen sind dann doch 2 Gießkannen in den Wassertank eingefüllt und wir können unsere „Wasseraktion“ beenden.
Der Tag wird dann noch wirklich schön. Die Spazierwege sind toll angelegt, die Menschen freundlich und für ein „Bonjour“ ist immer Zeit. Schade, dass die Straßencaffee`s noch nicht auf sind. Alles hier wirkt so friedlich, vielleicht etwas gemächlich. Der Abend überflutet uns mit milden Rottönen, der Schlaf kommt schnell, im Traum kurble ich noch etwas Wasser und schlafe dann tief und fest.

Baugency

Unsere Entscheidungen für den nächsten Stellplatz zeichnen sich durch Beständigkeit aus.
Leider ist die“ Beständigkeit des laufenden Wechsels der Entscheidung“ gemeint, so landen wir oft auf völlig unbekannten Plätzen, ohne vorheriges Wissen was es da so gäbe und was man anschauen solle. Für uns macht das das Wohnmobil fahren aus, sich einfach treiben zu lassen, neugierig auf Alles zu sein und dabei unbekannte schöne Stellen in Europa zu entdecken, die der Tourismus noch nicht vereinnahmt hat.
Eigentlich sollte unsere nächste Station „Les Montils“ sein, ein Platz an der Loire mit allen Annehmlichkeiten, die ein moderner Stellplatz zu bieten hat.
Unser Navi war mit uns guter Laune und führte über kleine Dörfchen und verwundene Landstraßen zum Ziel. Liebes kontrollierte die Strecke mittels der Landkarte ( tieferes Vertrauen zum Navi war noch nicht wieder hergestellt ) und befand den eingeschlagenen Weg mit kleinen Ausnahmen für gut. Das Wetter war gut und selbst die vielen, vielen 30 km/h Zonen, mit das Wohni durchrüttelnden Straßenhindernissen, konnte unsere Laune nicht trüben. Als wir dann noch in einem lokalen Supermarkt zwei regionale Käse erstehen konnten ( sehr geruchsintensiv, aber mindestens genau so lecker) spielten die Mundwinkel nach oben und ein breites, zufriedenes Grinsen machte sich breit.
Das Radio brachte ausnahmsweise, außer sicherlich sehr wichtigen Diskusionen auf französisch, fetzigen Rock zum mithüpfen und singen. Wild im Takt fuchtelnd erreichten wir so den Platz.
Eine Schranke trennte uns jetzt noch von unserem neuen Zuhause. Alle Versuche mit Kreditkarte, Bankkarte und Knöpfedrücken konnte sie nicht dazu bewegen uns den Weg frei zu geben.
Im Radio fing auch wieder die sicherlich sehr wichtige, stundenlange Diskusion auf französisch an. Da wir die Einzigen weit und breit waren, konnten wir auch keine Menschenseele ob der uns völlig unbekannten „Schrankenöffnungsmöglichkeit“ befragen.
Nun denn,“So schön ist der Platz wieder auch nicht !“,sagt Liebes, ich stimme schnell zu, will ich mich doch nicht als „zu doof um eine Schranke zu öffnen“ outen. „Lass´uns weiterfahren“
Eine gute Entscheidung ! Nach ca. 50 km erreichen wir „Beaugency“, eine kleine mittelalterliche Stadt an der Loire. Wir stehen mit einigen wenigen Mobilen direkt am Ufer. Träge zieht der Fluß dahin, schon mächtig groß mit Drang zum Meer. Wenige Schritte entfernt beginnt eine zauberhafte Altstadt. Kleine schulterbreite Gassen, Fachwerkhäuser die sich aneinander lehnen um nicht um zu fallen, Türme aus großen Steinquadern und trutzige Stadtmaueren erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit. Wir lassen uns beeindrucken, spüren die vielen unerzählten Schicksale in diesen engen Gassen und Winkeln.
Ein wenig Verkehrslärm dringt durch die Wände des Wohnis. Von dicken, hohen Bäumen, die den Stellplatz umstehen, beschützt, verbringen wir die Nacht. Es ist sehr schön hier und viel, viel besser als mit wiederspenstigen Schranken zu kämpfen.

Gurgy

Wenn man einfach nach Westen fährt, an Orleans vorbei, auf kleinen Straßen, an Wäldern und Seen längs, bis man keine Lust mehr zum Fahren hat, kommt man, wenn man Glück hat, nach „Gurgy“
Und wenn man dann noch die winzigen Hinweis-Schildchen, die zum Stellplatz führen, fidet, entdeckt man ein Kleinod unter den Übernachtungsplätzen. Keine zwei Schritte vom Wohni entfernt zieht der Fluß Yvonne seine Bahn, langsam fließend und glasklar, sodass man die vielen, sich im Wasser tummelden Fische sieht. Ein Schwanenpärchen kommt heran und bettelt um Futter. Endlose Spazier- und Radwege ziehen sich am Ufer entlang. Das Dörfchen ist schnell durchwandert, hat aber ein kleines „EinkaufsZentrum“ mit vielen regionalen Produkten ( Lebensmittel, Apotheke, Schnecken und Weinladen und Frisör ) . Ein Stauwehr aus dem 18. Jahrhundert trennt einen kleinen Kanal vom Fluß ab. Rundherum Grün und Natur pur. Wir wollen einige Tage bleiben, aber trotz des vielen Wassers rund herum ist die Trinkwasseranlage kaputt. ( Das scheint in Frankreich in Mode zu kommen ) Wir bleiben nach Wasservorrat und - nachdem der letzte Tropfen verbraucht ist ziehen wir schweren Herzens weiter.

Ligny-en-Barrois

Ja, es gibt sie noch, die kleinen aber feinen Stellplätze, direkt am Wasser bzw. an einem kleinen Hafen des Marne Kanals, direkt in der Stadt, mit einem freundlichen und Service orientierten Touristbüro. Stadtpläne, Wanderkarten und Fahrradwegkarten werden nicht nur ausgegeben sondern auch erklärt. Die Kosten ? Ein freundliches „merci“!
Die Stadt ist vom Wasser umgeben und unbedigt einen ausführlichen Besuch wert. Tore, Türme und Gebäude aus mehreren Jahrhunderten können besichtigt werden. Alles vorbildlich beschrieben. Eine Besonderheit fiel uns auf: Es gibt jede Menge Frisör-Läden. In dieser Häufung haben wir das in noch keiner Stadt gesehen. Restaurants und Café´s sind reichlich vorhanden, die Preise erscheinen uns für Frankreich sehr günstig.
Der Stellplatz wäre voll belegt etwas eng, aber wer findet ihn schon? Es ist herrlich ruhig, der Straßenlärm ist ab 19 Uhr gänzlich verschwunden. Die Versorgungsanlage ist in tadellosem Zustand, so bunkern wir Wasser soviel in den Tank passt. Alls kleines Sahnehäubchen kommt noch ein guter, kostenloser Wlan - Empfang dazu.
Nach einer ausführlichen Stadtbesichtigungs -Tour entscheiden wir uns dennoch am nächsten Tag weiter zu fahren;( „schließlich haben wir ja nur 6 Monate Zeit und es gibt ja noch so viel zu sehen !!“). der wirkliche Grund ist viel banaler: Im Laufe der ersten 2 Wochen Fahrt hat sich unsere Garage von wohlaufgeräumt zu totalem Chaos entwickelt. Es wird Zeit alles heraus zu räumen und wieder richtig ein zu sortieren. Wir können gar nicht verstehen, wie sich dieses Durcheinander entwickeln konnte, wir waren das bestimmt nicht ?!!
Also suchen wir einen Platz, auf dem wir uns ausbreiten können, ein zwei Tage Füße hoch und fleißig aufräumen, ganz bestimmt, gleich Morgen oder Übermorgen oder --- .

Les Etangs de Mandre

Verdun ist bekannt für die Schrecken des 1. Weltkrieges, die Vorstellung der damaligen Ereignisse läßt uns schauern und frösteln.
Ganz in der Nähe, abseits der großen, damaligen Schlachtfelder, gibt es einen kleinen, völlig unbedeutenden Fleck auf Frankreichs Landkarte: „Les Etangs de Mandre.“ Dieser Stellplatz gibt sich großzügig den Namen „Campingplatz“. Bei aller Liebe zum Minimalismus, bei allem Verständnis für Schlichtheit und Einfachheit, ein Campingplatz ist es nun wirklich nicht! Aber ein netter Platz. Wir stehen an zwei großen Weihern, die eigentlich zum Angeln vorgesehen sind. Windschiefe ,klapprige Kästchen liefern Strom, eine erstaunlich saubere Toilette die in einem seltsamen Wellblech- Schuppen ist. Jede Menge Wasserhähne, an offenen Schläuchen und Leitungen, bastlerartig
zusammen gefügt, geben frisches, gutes Trinkwasser. Niemand vermutet hier Wlan, es ist hier gut zu empfangen und kostenlos. Der Besitzer, Platzwart, Manager, Bauer, Hausmeister und wahrscheinlich Handwerker aller Sparten ohne die gründlichste Ausbildung, ist freundlich und nett.
Wir stehen mit dem Heck an der Wassergrenze und fühlen uns wohl. Der Hund des Platzes kommt schwanzwedelnd vorbei und begrüßt uns wie alte Stammgäste. Eigentlich könnte man hier endlos wandern, radfahren und ähnliche Aktivitäten ausführen ( oder Garage aufräumen ) , aber uns beschleicht eine behagliche Faulheit, die uns am ersten Tag nur die Sonnenstrahlen auf der Liege genießen läßt; auch ein wenig Klavierspiel und etwas malen sorgen für Entspannung -. Morgen da gehen wir´s an, gleich morgen.
Am nächsten Tag regnet es, der Wind zeigt uns seine kühle Seite , wir verbummeln den Vormittag mit viel Kaffee und Internet. Als wir nach diesen gewaltigen Anstrengungen unsere müden Körper zum Mittagsschlaf schleppen, sagt Liebes:“ Ich muß dringend Wäsche waschen.“ Eine unheimliche Androhung, besagt sie doch, daß ich in der Zeit die Garage aufräumen muß !
Der Wettergott hat ein Einsehen, als ich frisch gestärkt vom Bett aufstehe, regnet es wie aus Kannen. Alles ist pitschnass draußen, “ Leider, leider geht Garage aufräumen bei diesem Wetter nicht,“ sage ich zu Liebes. „Aber Wäschewaschen “ Liebes entschwindet mit einem Korb voll Wäsche Richtung Wellblechwaschhaus. Mein Hilfsangebot wird abgelehnt; “ Das ist meine Aufgabe !“
So muß ich mich gezwungener Maßen wieder Kaffee, Internet, Lesen und Fernsehen widmen. Da fällt mir ein, hier gib´s ja keine Waschmaschiene ! Liebes kommt fröhlich zurück, Respekt, sie hat alles mit der Hand im Waschbecken gewaschen, gespült und ausgewrungen ! Da wird mir wieder klar, daß das fröhliche, unbeschwerte „Wohnmobilfahren“ nur mit einer starken, zupackenden, zufriedenen, improvisierenden und unglaublich lieben Partnerin möglich ist. Schön, daß es Liebes gibt, denke ich mir, heute Abend koche ich was ganz Besonderes für sie.!!

Saarburg


Wir fahren durch das „Dreiländereck“ Richtung Trier. Es ist sonnig, aber eiskalt. Als wir an einem Parkplatz anhalten, jagt ein Graupelschauer die Idee des Wanderns aus unseren Köpfen.
5 Grad, sagt das Thermometer, “ Sch...... Wetter “, sagen wir. Der Bordatlas wird gewälzt.
„Laß uns doch eine Stadt anschauen, wenn´s regnet, können wir immer einkehren.“ „Gute Wahl“, sage ich.
Bei dem Bemühen eine kleine, sehenswerte Stadt zu finden, stellen wir fest, daß die ollen Römer überall in dieser Gegend ihre Fußstapfen hinterlassen haben. Der Rest der Orte ist auch uralt und hat einiges zu bieten. Geschichte zum Anfassen gibt es rund herum.
Wir entscheiden uns für „Saarburg“. Trier und Saarbrücken kennt jeder, aber wer kennt schon Saarburg? Die Anfahrt über viele, kleine Sträßchen ist abenteuerlch. ( Die Hauptverbindungs Straße ist leider gesperrt ) Die Wege taugen vielleicht gerade mal was für Extrem-Wanderer, aber nicht für ein 4 Tonnen Wohnmobil. Wir kämpfen uns tapfer durch die Berglandschaft und können die Strecke durch sehr langsames Fahren etwas entschärfen.
Der Stellplatz in Saarburg ist vom Feinsten! Direkt an der Saar mit Anschluß an schier endlose Rad- und Wanderwege. Die Anlage ist sehr gepflegt, die Aufnahme sehr freundlich und nett.
( Wenn man bloß alles verstehen würde, das hier gesprochene “ Saarländisch“ ist doch sehr gewöhnungsbedürftig.) Ein kleiner Fußmarsch die Saar entlang bringt uns in die Stadt. Hoch über dem Fluß thront eine ziemlich gut erhaltene Burg. Die Stadt ist scheinbar ein kleiner Touristen- Magnet, die Sprachen wirbeln durch einander, als wir die Innenstadt erforschen. Viele Geschäfte aller Art; viele nette Kneipen säumen unseren Weg. Am Rückweg hat uns dann ein nettes Bistro eingefangen.
Bei frisch gezapftem Bier erzählt uns der Wirt einige Schwänke aus seinem Leben und betont, dass- morgen die schönste Zeit im Jahr beginne. Wir überlegen, Frühlingsanfang war schon, Rente ? wohl eher nicht, Geburtstag oder so ? „Weit gefehlt, morgen fährt meine Frau für drei Wochen a l l e i n e in den Urlaub !!“, sagt er, - und seine Augen strahlen.
Warum nicht ? Jedem das Seine, denken wir uns.


Thalfang


Über manche Stellplätze braucht man gar nicht viel berichten; sie sind da, zweckdienlich, ganz nett, mit Allem was man braucht. In Thalfang steht man direkt hinter dem Hallenbad auf der einen und dem kleinen aber feinen Stadtpark auf der anderen Seite. Nachts ruhig, viel zum Spazierengehen.
Es geht ziemlich stark bergauf und bergab; man sollte schon ein wenig geübt im Wandern sein. Das war`s dann aber auch, - und nach einer Nacht ging`s weiter nach Bingen.

Bingen


Der Platz ist schön, gepflegt und 100m vom Rhein entfernt. Jede Parzelle hat einen eigenen Wasser und Abwasseranschluß. Es ist ruhig, Vogelgezwitscher. Ab und an ein gewaltiges Rauschen; der Zug fährt nicht all zu weit entfernt vorbei. Neben dem Platz ist ein „Hundeübungsplatz“ , ist er in Betrieb, kann das ständige Gebell ziemlich nervig sein, aber es ist aus zu halten und die schöne Lage wiegt die Unannehmlichkeiten auf.
Wir zwei Hübschen wollten ein wenig Bingen besuchen. Busfahren ( Haltestelle nur 100 m entfernt ) kommt für uns „Wanderer“ ja nicht in Frage, also los, den Rhein entlang. Irgendwo später ein Schild „Bingen 3,5 Km“. Kein Problem, das Wetter ist schön, die Schritte füllen den Weg. Am Ufer längs, durch einen zauberhaften Park, ein bißchen Umweg hier, ein bißchen da. Endlich die Stadt,
Schaufenster bummeln, Straß´auf Straß´ab. Im Rücken zwickt´s, kann nicht !! Jetzt bloß keine Schwäche zeigen, was soll Liebes wohl denken !
Weiter geht es hin und her im Städtchen. Liebes schaut mich etwas zweifelnd an : “ Sollen wir zurück lieber den Bus nehmen? “ „Wegen mir nicht !“ klingt´s aus mir. Also los, der Rückweg wartet. Nach kurzer Strecke, natürlich schon ein gut Stück weg vom Busbahnhof, kehren wir im „Zollamt“ ein. Das Hinsetzen ist mit einigen Au´s und Oh´s und der Frage: „Was tut da unten eigentlich so weh? - ach,so meine Beine“ begleitet. Wir gehen jetzt schon über 2 Stunden ohne Pause und sind ob der weichen Kneipensitze dankbar. Nun ißt am Nebentisch ein Pärchen einen riesigen hausgemachten „Burger“ Der Duft des frisch gegrillten Rindfleiches dringt lüstern in unsere Nasen.
Das „Frischgezapfte“ schmeckt herrlich, aufstehen und weitergehen will grad´ Keiner,- so gesellt sich ein wirklich unglaublich großer und schmackhafter „Burger“und hand geschnittene „Pommes“ zu ein wenig „Hopfen-Erfrischungsgetränk“ Leider haben wir nicht bedacht, daß wir diese Köstlichkeiten zusätzlich zu unserem, sich mit jedem Schritt scheinbar vergrößertem Gewicht,
nach Hause tragen müssen.
Nach weiteren gut 3 bis 4 km , vollem Bauch und grauslichen Rückenschmerzen, gilt die Devise: Ja nicht stehen bleiben, sonst geht´s nicht weiter.
Am Rheinufer sind aber auch kaum Taxi´s verfügbar, ( wir hätten sofort eins genommen !) so schmerzen die letzten Schritte zum Wohni doch sehr; - als wir in unsere Sessel fallen kommt ein wenig Stolz auf, wir sind gut 4 Stunden stramm gelaufen - der Abend wird nicht mehr lang.
Am nächsten Tag will Keiner das Wort „Spazierengehen“ in den Mund nehmen, - so verbringen wir die Zeit mit Klavierspielen und malen, - im Sitzen natürlich !!

Wirr durch Nordhessen


Nach unserem nordspanischen Außenspiegel-Abenteuer hat uns ein lieber Kollege von der Facebookgruppe „Wohnmobil - schönstes Hobby der Welt“, der Dirk ein Neuteil zu einem erschwinglichen Preis angeboten (vielen Dank noch Dirk), der in Hungen wohnt. Heute ist Donnerstag, morgen, Freitag wollen wir ihn abholen
„Hungen“ ist nicht gleich jederman geläufig, - nach intensivem Kartenstudium, - Vergrößerung des Maßstabs, - Brille aufsetzen und - ja da ist es ja !! Mitten in Nordhessen. Einen Stellplatz gibt es da auch, also nichts wie hin. Der Platz ist am Rande eines Dorfes und hat eigentlich Strom und Wasser, - wenn da dieses Schild nicht wäre : „Außer Betrieb ! “ Wir sehen uns näher um, wir sind das einzige Wohnmobil, ein paar Haufen Kies an Rande, soll wohl auf dem Platz verteilt weden, ein alter Lieferwagen, - ein großer Bus der irgendwie den Motor nicht ausgeschaltet bekommt und blaue Abgasschwaden über den Platz verteilt. Als dann noch ein aufgemotzter PKW seine Kurventauglichkeit auf Kies testet, ist das für uns zuviel „Idülle“ und wir beschließen weiter zu fahren!.
In Friedberg, gleich um´s Eck gibt es einen großen Caravan Händler mit Übernachtungsmöglichkeit ! Wir sehen uns einige Mobile an, Alles was uns so richtig gefällt hat Preisschilder daran, die auch einem Einfamilienhaus zur Ehre gereichen würden. Das Angebot zwischen all den Fahrzeugen die Nacht stehen zu dürfen, lehnen wir dankbar ab und beschließen weiter zu fahren.
Der Bordatlas behauptet, daß in Laubach vor einem Campingplatz ein Stellplatz mit Wlan zum Verbleib einlädt. Nichts wie hin !
Die Straße wird enger und enger, „Der Navi spinnt schon wieder,“ meint Liebes. “ Wir drehen um“, meine ich. Dieses Vorhaben ist aber wegen dem Verhältnis der Straßen(Weg)breite zur Fahrzeuglänge nicht möglich. Wir hoffen nur noch, daß nichts entgegenkommt, oder der Weg in einem Acker endet. Nach Erklimmen einer kleinen Anhöhe entdecken wir zu unserem großen Erstaunen einen Campingplatz im vor uns liegendem Tal.
Kurz vor dem Eingang weist ein Schild den Weg zum Stellplatz, einer großen Wiese mit tief eingegrabenen Reifenspuren. Es ist schon spät - und vielleicht kann man ja am Rand des Fahrwegs stehen bleiben, ohne ein zu sinken.
Wir wollen am Empfang des Platzes den Wlan-Code erfragen und uns für eine Nacht anmelden. „Wlan?, am Stellplatz?“ Der junge Mann schenkt uns ein mildes Lächeln, “ Hier am Campingplatz ja, aber nur die ersten zwei Reihen, - und nur, wenn sie Telekom Kunde sind!“ “ Und seien sie vorsichtig die Wiese ist noch ziemlich feucht und tief.“ Wir lehnen dankend ab und beschließen weiter zu fahren!
Es ist schon spät, ich habe keine große Lust mehr durch Nordhessen zu gurken. Liebes entdeckt einen Platz in der Nähe : „Lich“
Ohne große Erwartung kommen wir an. Drei Plätze unter Bäumen an einem Park am Stadtrand. Eigentlich recht nett. Wir wollen, wenn wir schon hier sind, Lich ansehen.
Zu unserem großen Erstaunen entdecken wir ein richtig schönes, mittelalterliches Städtchen. Wir bummeln durch die Straßen; als wir dann noch eine nette Kneipe entdecken, kennt die Freude keine Grenzen. Im Überschwang der Gefühle, - und nach Genuß eines vorzüglich gebratenen Zanders, entgleitet uns etwas die Kontrolle über die Anzahl der „Bierchen“.
Arm in Arm, leicht schwankend aber nach einem langen Tag doch sehr zufrieden, geht´s nach Hause. Hoffentlich hat unser Schnarchen die Anwohner nicht verschreckt !!

Weilrod und Weilburg

Wer den Unterschied zwischen Tag und Nacht nicht so genau kennt, sollte diese beiden Plätze anfahren. Zum Einen „Weilrod“ : Der Platz liegt direkt an einer viel befahrenen Straße, am Eingang „grüßt „ ein großes Schild: „Erst anmelden ( sprich bezahlen ) dann Parken“ Ach so, die Reisemöbilfahrer sind wahrscheinlich alles „böse Buben“ die nach dem Parken nicht mehr bezahlen wollen!
In einem kleinen Häuschen nimmt man dann einen Umschlag, steckt für das Woni 7,€ und für jede Person 1,5€ in einen Umschlag. Unschlüssig habe ich den Umschlag in der Hand: Ist das jetzt das Reisemobil mit 2 Personen 7€, ( wie überall üblich ) und jede weitere Person 1,5 € ?
Der Besitzer oder Pächter des Platzes arbeitet in der Nähe und sieht mein Zweifeln. „Natürlich für jede Person 1,5€“ sagt er. Freundlich klingt anders. Im Bordatlas steht mit Wlan; auf meine Frage nach dem Zugang, bekomme ich zur Antwort: „Sie müssen Wlan von der Kneipe nehmen, das machen Alle so !“ Freundlich klingt ganz anders.
Die Kneipe ist direkt am Platz, ein beliebter Treff für schwere Motoräder, die gerne jeden in der Umgebung am satten und sehr lauten Klang ihrer Maschinen teilhaben lassen. Auf die Wlan Anfrage bekommen wir ziemlich unhöflich “ Das gibt es nur für zahlende Gäste !!“ zu hören.
Eigentlich ist spätestens jetzt bei uns der Zeitpunkt erreicht auf die im voraus bezahlte Gebühr zu verzichten und weiter zu fahren; aber wir sind müde und beschließen zu bleiben.
Der Schwerlastverkehr wird im Laufe der Nacht weniger,( wir stehen etwa 30m von der Straße weg ) irgendwie schlafen wir dann doch.
Am nächsten Morgen verlassen wir diesen ungastlichen Ort in dem Bewusstsein nie wieder diesen Platz an zu fahren.

Auf Grund der gemachten Erfahrung erwarten wir von „Weilburg“ eigentlich nichts Besonderes, aber als wir ankommen sehen wir einen großen, schönen Platz direkt an einer Lahnschleife.
Es gibt Strom, niemand will die Standgebühr “ vor dem Parken“ und ein sehr freundlicher Angestellter der Stadtverwaltung kommt am Abend um zu kassieren. Er hat auch gute Tipp´s für Ausflüge und Wanderungen. Wir fühlen uns gut aufgehoben und erfreuen uns an unserer neuen „Heimat“.
Die Stadt ist sehenswert, ein Sahnehäubchen ist die Burg mit ihren bunten, bestens angelegten Gärten. So macht es Spaß zu reisen und zu erleben.
Wir bleiben bleiben 2 Tage, machen ausgiebige Wanderungen die Lahn entlang und staunen, was die Stadt so alles auf die Beine stellt. Die Nächte sind ruhig, wir sind gut erholt und zufrieden.
Vielleicht sollten die Betreiber von „Weilrod“ „Weilburg“ mal ansehen, so geht Stellplatz !, so geht freundlich !, und zum Lernen soll es ja angeblich nie zu spät sein!

Andernach


Erst gluckert´s nur ein bischen, dann -, ein wenig sprudeln und blubbern wie eine kleine Quelle, eher unscheinbar, - na gut , jetzt doch etwas mehr, ein kleines schüchternes gurgeln,-
Wir sollten jetzt besser zurück treten, meint der erklärende Geologe; - und dann erwacht das Urtier,- fauchend und zischend erhebt es sich, mit brutaler Gewalt wirft es eine 60m hohe Wassersäule dem Himmel entgegen. Dicke, schaumige Wasserteppiche fallen platschend herunter; einzelne Tropfen funkeln wie Diamanten als sie sich aus der weißen Wassersäule lösen und der Schwerkraft folgen. Unheimlich, kraftvoll und fazinierend schön, - Der Geysir von Andernach ist ausgebrochen. Wir stehen da und staunen.
Langsam wird es weniger, das Monster geht schlafen,- jetzt nur noch wie ein Springbrunnen, das Zischen wird leise, das Blubbern kommt wieder, - nun sieht man nur mehr eine kleine Wolke aus CO2 Gas aufsteigen. Im nächsten Moment ist alles wieder friedlich, die Vögel zwitschern, die warme Aprilsonne blitzt zwischen den Bäumen, - weit und breit kein Urtier mehr, der Geysir schläft.
Wir gehen zurück zum Schiff und gleiten langsam über die Rheinwellen zurück zum Stellplatz. Der Platz hat heute eher etwas von einer Sardinenbüchse, aber rechts und links stehen nette „Mitsardinen“,- und der freie Blick aus unserem Mobil über den Rhein ist die Enge allemal wert.
Andernach selbst hat viel zu bieten, die alte Stadtmauer umgibt noch immer trutzig die alten Häuser, - kleine gemütliche Cafe´s und Kneipen laden zum verweilen ein.
Wir bummeln durch die Fußgängerzone. Die eine oder andere Kleinigkeit wandert in unsere Einkaufstüte, - eigentlich wollten wir ja nur mal schauen, aber wenn ich jetzt so das Gewicht der Tasche in meiner Hand spühre, - nichts kaufen ist irgenwie anders!
Wir können Andernach und die Besichtigung des Geysires nur empfehlen, eine kleine Perle am Rhein, wir werden gerne wiederkommen.

Ende erster Teil

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