Tag 1:
Heute starten wir schon um 16:15 Uhr. Unser Ziel heute, den uns schon vertrauten Stellplatz bei Karlsruhe am Rheinufer, erreichen wir erst gegen 21 Uhr. Hinter Stuttgart ist ein Mordsstau – wir sehen erst später im Vorbeifahren, dass sich auf der Gegenfahrbahn ein Unfall mit drei Personenwagen ereignet hat und viele Autofahrer so fasziniert sind, dass auch auf unserer Spur der Verkehr stockt. Wie unpraktisch!
Tag 2:
Die Autos machen auf der Stahlkonstruktion der benachbarten Rheinbrücke einen ziemlichen Lärm, die S-Bahn tut ihr Übriges und so ist die Nacht ziemlich laut. Als erstes fahren wir Richtung Belgien. Dann wieder auf die Autobahn 65, vorbei an Landau in der Pfalz. Pirmasens lassen wir hinter uns und beschließen spontan, uns die Saarschleife bei Orscholz anzuschauen (wollten wir immer schon mal sehen), die ist nur neun Kilometer entfernt. Zuerst landen wir direkt am Fluss, da sehen wir natürlich nicht viel. Das Navi bringt uns zu einem Aussichtspunkt, einem Viewpoint sozusagen, von denen wir im Verlauf des Urlaubs noch etliche andere kennenlernen sollen. Um 12 sind wir da. Bis zum Aussichts- Balkon sind es noch etwa 500 m Fußweg und Flip läuft glücklich ohne Leine. Das Wandern hat sich gelohnt, die Aussicht ist wirklich traumhaft schön. Eine Stunde später sind wir wieder bei unserem fahrbaren Untersatz.Wohnmobil einen Heidenlärm.Bei Erquellines tanken wir für 1,31€ 68,15 Liter , Gesamtpreis 89,75€ und gehen anschließend zum Lidl einkaufen. Früher haben wir immer Unmengen von Wasser in Plastikflaschen mitgenommen, die wir dann Dank des Pfandes leer wieder nach Deutschland zurück transportieren mussten. Jetzt nehmen wir nur eine Grundversorgung mit und kaufen anschließend pfandfreie Flaschen im Ausland. Über die Qualität der Straßen haben wir uns ja schon ausgelassen und trotzdem erreichen wir so gegen 19:50 Uhr den Eurotunnel. Mit den Kleinen gehen wir in die Tierkontrolle, wie zu erwarten war ist alles in Ordnung und – als Zuckerl – dürfen wir früher fahren. Bis 20:30 Uhr starten wir durch die verschiedenen Kontrollen nach Sprengstoff und blinden Passagieren, die diesmal aber sehr zurückhaltend vonstatten gehen. Um 20:45 Uhr fahren wir auf den Zug. Durch das Knacken in den Ohren wissen wir, dass wir uns im Abstieg unter „La Manche“ befinden, über uns ist jetzt das Meer. Um 21:45 Uhr fahren wir auf englischen Boden und stellen gleich mal die Uhr um eine Stunde zurück – Zeit ist halt doch relativ, wie Einstein schon gewusst hatte. Unser erster Stellplatz in England am Patrol Monument (N51°9'24,1" / O1°23'34,9") nahe Dover ist in 35 Minuten erreicht und wir bekommen auch gleich einen schönen Parkplatz. Der Stellplatz, früher ein absoluter Geheimtipp, wird aber schön langsam ziemlich überlaufen. Ein paar Jahre und er ist „verbrannt“, da kommen dann so viele, dass irgendwann mal das Parken verboten werden wird. Die Anlieger dürften von dem Verkehr nicht so begeistert sein. Von daheim bis hierher sind wir 992 Kilometer gefahren, eine ganz schöne Strecke!Tag 3 haben wir nach der langen Fahrt mit Nichtstun und Erholung verbracht.
Tag 4:
Die Nacht war ruhig und am Morgen lächelt die Sonne über der Grafschaft Kent. Über dem Meer hängt noch ein Schleier und wir drehen eine Runde mit den Hundis. Im Anschluss wartet auf uns ein Original englisches Breakfast im Bluebird Tea Room vor unserer Haustür. Für die Kleinen ist auch was dabei – sie bekommen die Würstchen, die nicht so besonders sind. Wir kennen uns ja jetzt schon ein wenig in St. Margret's aus und so können wir in der öffentlichen Toilette unsere bordeigene ausleeren. Das ist das Tolle an England, es gibt öffentliche WCs wie Sand am Meer. 310 Kilometer geht es jetzt nach Westen, das ist eine ganz schöne Strecke bis zu unserem ersten Ziel, dem Uley Long Barrow nahe Dursleyden. Wir können nochmal einen Blick auf den Hafen und die berühmten White Cliffs von Dover werfen, als wir wieder durch die Stadt fahren. An London vorbei machen wir bei Swindon Päuschen für einen Cappuccino zur Erfrischung der Lebensgeister. Am Uley Barrow kommen wir um 16:40 Uhr an, einem 5500 Jahre alten Grabhügel. Optisch gibt er aber von außen nicht so viel her, daher kein Foto. Die Grabkammer ist mit kleinen Teelichtern beleuchtet. Das verbreitet eine mystische Atmosphäre. Vor uns liegt nun eine Fahrt an Gloucester und dem Meerarm „Mouth of Severn“ vorbei zur Tintern Abbey, einer Zisterzienser- Ruine aus dem 13. Jahrhundert. Als wir um 18 Uhr ankommen, ist sie leider schon geschlossen. Die Entscheidung fällt uns leicht – wir schlafen hier. Auf dem offiziellen Parkplatz ist das Übernachten wie üblich verboten und wir sind etwas ratlos, halten uns aber dran. Ein angeblicher Campingplatz in der Umgebung entpuppt sich als Picknickplatz (ebenfalls no overnight) und das Navi bietet uns auch nur einen Campingplatz in 16 Kilometer Entfernung an, das ist einfach zu weit. So stellen wir uns auf einen großen Parkstreifen am Straßenrand, direkt oberhalb des Flusses, ganz nah an der Ruine und verbringen dort eine schöne und erstaunlich ruhige Nacht. (N51°42'11,2" / W2°41'1,3")
Tag 5:
Die Tintern Abbey ist wunderschön, 1131 von Zisterziensermönchen erbaut und 1336 duch Henry VIII. beschlagnahmt und dem Verfall überlassen. Um 11:30 Uhr steuern wir unser nächstes Ziel an, das Cheepstowe Castle, nur 15 Minuten entfernt. Dort finden wir keinen Platz und so gehen wir alternativ zum nahegelegenen Tesco, Womo hat Durst. So tanken wir 61,77 Liter für 82,71 £, das entspricht einem stolzen Literpreis von 1,339 £, in Euro wären das 30% mehr, also etwa 1,74 €, für Diesel! Unser nächster Stop ist Caerleon, etwa eine Viertelstunde entfernt. Dort können wir die Reste einer römischen Kaserne und eines Amphitheaters, beides um 90 n. Chr. Erbaut, besichtigen. Wer allerdings schon Pompeji und Herculaneum gesehen hat, den kann so leicht nichts mehr beeindrucken. Um nicht missverstanden zu werden: Die Relikte sind schön, die Atmosphäre ruhig und entspannt, der Besuch hat sich auf alle Fälle gelohnt, das werden auch Rica und Flip bestätigen können. Wir spazieren ein wenig umher und sind 15 Minuten später schon wieder auf der linken Seite der Straße. Der Linksverkehr ist nicht schwer zu fahren, wir haben uns schnell dran gewöhnt. Nur an Schnittpunkten mit unmarkierten Fahrbereichen, wie großen Parkplätzen, ertappt man sich anschließend mit seinem Auto manchmal auf der falschen Bahn. Da heißt's: aufpassen! Die normannische Wasserfeste Raglan Castle wartet auf uns und wir hassen es, jemand oder in diesem Fall irgendwas, warten zu lassen. Wieder nur ein kleiner Hupfer, eine halbe Stunde entfernt. Raglan Castle wurde im 12./13. Jahrhundert gebaut und – wie soll es anders sein – 1536 zerstört. Scheint ein großes Hobby gewesen zu sein: Castles zerstören. Dem frönte damals offensichtlich jeder, der ein Schwert halten konnte und wer nicht mal dazu in der Lage war, der ließ zerstören. Sehr schön anzuschauen und zu erkunden. Um 15:30 Uhr machwen wir uns auf zum Skenfrith Castle. Eine halbe Stunde später stehen wir vor den Ruinen der 1100 errichteten Burg. Diese sehen anders aus: eine hohe Schutzmauer außen, an der Küche, Ställe und Unterkünfte lagen. Das Herrenhaus war als großer Tower in der Mitte angelegt. Den Hunden gefällt's hier, sie dürfen ohne Leine herumtollen. Flip nimmt im benachbarten Fluss gleich ein Bad. Wieder dreissig Minuten später fahren wir schon weiter. Grundätzlich möchten wir nach Blaenavon zu einem Bergwerk, einem Industriedenkmal der UNESCO, aber das Navi lässt uns kreuz und quer rumfahren, liegt wahrscheinlich an der Ungenauigkeit der POIs (Ponts of Interest). Nach einer Irrfahrt im Kreis sind wir wieder am Berwerk, alles schaut aber geschlossen aus. Von dort sind es noch etwa vier Kilometer bis zum angepeilten Campingplatz am Whistle Inn (N51°46'59,8" - W3°7'11,5"). Wir finden zunächst einmal einen einsamen freundlichen Scotch- Terrier, der offensichtlich zum Platz gehört und einen Engländer, gerade selbst angekommen, der uns mitteilt, dass keiner anwesend ist. Ein Wasserhahn mitten auf der Wiese – Frischwasser ist schon gebongt! Plötzlich taucht ein alter Mann auf, der uns fragt, ob er die Toiletten für uns aufsperren soll. Muss er nicht, haben wir an Bord. Er meint dann noch, wir sollen uns „da oben" irgendwo hinstellen, nur nicht auf die Wiese“ und er käme dann morgen früh zu uns, zum Kassieren. Er müsse jetzt über Nacht nach Cardiff und nein, das Lokal habe heute Ruhetag. Schade, aber kein Problem, wir haben ausreichend Spaghetti und Tomatensauce und so tafeln wir wieder mit unserem National- Urlaubsgericht. Die Gegend ist narrisch einsam, nur etwa 500 Meter entfernt ist ein Bauernhof, auf dem man die Hunde bellen hören kann – und die Schafe blöken. Das Wetter war heute sehr schön und wir sind 152 Kilometer gefahren.
Tag 6:
Die Nacht war dank der Abgeschiedenheit des Platzes unbeschreiblich ruhig, nur ab und zu gibt ein Schaf Laut. Leider fängt es gegen 4 Uhr früh an zu tröpfeln. Auch beim Aufstehen ist das Wetter nicht besser, zusätzlich liegt dichter Nebel über der Landschaft. Kein Klima, um Sonnenbräune zu bekommen. Wir fahren wieder nach Blaenavon zum Bergwerk. Wir parken auf einem winzigen Parkplatz ein, um Rolls zu kaufen, alles ist hier supereng, ein Renault Clio ist das Maximale, was man hier fahren sollte! Das Ironwork kann leider nicht mehr besichtigt werden, es lohnt sich wahrscheinlich nicht, zu wenige Touristen verirren sich hierher. Im Reiseführer wurde einem noch der Mund wässrig gemacht – man könne mit einem Aufzug runter in die Mine fahren – hm, ist wohl nichts mehr. Dafür kreuzen wir nochmal quer durch Blaenavon und sehen dabei die Überreste der Industrieanlage und des Bergwerks, die unter dem Schutz der UNESCO stehen. so wenden wir uns dem nächsten Ziel zu: dem Caerphilly Castle aus dem 13. Jahrhundert (Bilder unten und oben).
Wer interessiert ist und auch die zugehörigen Bilder sehen möchte, kann dies auf meiner Website tun: --> Link
Ich würde gerne hier den ganzen Reisebericht verfassen, ist aber ziemlich lang und es würde meine Ressourcen sprengen, das Ganze nochmal anzufertigen.
Auch ein Eintrag im Gästebuch schadet nicht, da hab ich dann wenigstens ein kleines Feedback.
Viele , Sindbad

