Momoblog am 29 Jul 2016 17:09:16 Lunde auf Runde Für heute haben wir uns vorgenommen, morgens nicht ganz so schlimm zu versacken und früher aufzustehen. Als Hilfe haben wir das Deckenfenster nur zur Hälfte abgedunkelt. Das klappt auch so gut, dass wir um 8 Uhr tatsächlich aus den Federn kommen. Wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn um zehn nach acht schlagen hier 3 Busse voller Kreuzfahrttouristen auf. Idyllisch! Nach einer Viertelstunde ist der Spuk aber vorbei und wir haben den Blick auf Ålesund in der Morgensonne wieder nahezu für uns. Vom Berg führen zwei Wege nach unten. Zum einen über mehr als 400 Stufen, zum anderen über einen etwas weiter geschwungenen Weg. Wir heben uns die Stufen für den Rückweg auf. Was wieder mal auffällt, ist, wie gelassen und ruhig es in der Stadt zugeht. Rein gar nichts ist zu spüren von der Hektik, die oft bei größeren Städten in der Luft liegt. Hier hat man den Eindruck, dass selbst ein Eilbote grundsätzlich zu Fuß geht und zwischendurch mal einen kleinen Schwatz hält. Sympathisch! Mit Ålesund tun wir uns aber trotzdem schwerer als erwartet. Nachdem wir in allen Reiseführern so viel über die tolle Jugendstilstadt am Nordmeer gelesen haben, waren die Erwartungen dann wohl doch zu groß. Denn auch wenn das Stadtbild von oben nett aussieht, ist es dann im Detail, wenn man durch die Straßen geht, eher unterwältigend. Klar, es gibt ein paar sehr schöne Fassaden. Klar, die steilen Sträßchen haben was von San Francisco. Aber irgendwie ist das ganze dann doch mehr Wuppertal als Weltstadt. Keine neue Lieblingsstadt für uns. Und so verlassen wir die Stadt auch ohne das Bedürfnis noch länger bleiben zu wollen. Es geht noch weiter raus zum Meer: Die Vogelinsel Runde ist unser Ziel! Zwar ist der Wetterbericht eigentlich ziemlich verheerend und sagt nichts gutes voraus, aber die Insel mit der Möglichkeit, die putzigen Papageientaucher zu sehen, steht ganz hoch auf unserer Liste der Dinge, die wir unbedingt machen wollen. Die Fahrt dorthin verheißt auch nichts gutes. Es hat sich mittlerweile, wie an den vergangenen Tagen, grau zugezogen und gelegentlich tröpfelt es etwas. Die Inseln sind wieder mit geschwungenen Brücken verbunden, aber insbesondere die letzten Brücken sind der Kracher: Eine Einbahnstraßenbrücke, die so hoch geschwungen ist, dass man den Gegenverkehr gar nicht sehen kann. Lediglich eine Begegnungsbucht auf dem Scheitel der Brücke ist vorgesehen. Wenn das mal gut geht... Aber trotz aller Befürchtungen: Es geht! Denn viel los ist hier halt nicht mehr. Runde ist die letzte Insel in dieser Kette. Danach nur noch das weite, weite Meer. Wir sind etwas bange, ob wir noch einen Platz auf dem Campingplatz kriegen, da er quasi der einzige legale (und mehr oder weniger auch mögliche) Ort ist, um mit einem Womo zu stehen. Aber wir haben Glück, werden vom netten, deutschsprachigen Personal darauf hingewiesen, dass ein Besuch bei den Papageientauchern erst ab 21 Uhr(!) wirklich sinnvoll sei und kriegen einen First-Class-Platz direkt an der Küste. Mit Picknickbank. Mir kommt es ganz gelegen, denn so kann ich mit den Möwen, die hier an uns vorbeikurven schon mal ein bisschen mit der Kamera üben. Mann, sind die schnell! Mann, sind 300mm Brennweite wenig! Wir sehen ein paar Wanderer auf dem sonnenbeschienenen Weg zu den Vogelklippen. Und hinter ihnen eine schwarze Wand. Au weia, wird das wirklich was werden? Und tatsächlich setzt kurz darauf ein kräftiger Schauer ein. Den möchten wir nicht unbedingt abbekommen, wenn wir später losziehen. Und was ist mit der Kamera? Eieiei... Da es sich aber nicht weiter einregnet, sondern weiter wechselhaft bleibt, ziehen wir uns wind- und wasserfest an und machen uns auf den Weg. No risk, no fun! Und was für eine gute Entscheidung das war! Der Weg geht steil hinauf. Also: Steil! Das erste Stück ist netterweise asphaltiert. Und ich dachte, dass man hiermit schon das steilste hinter sich habe. Aber tatsächlich kommt nach jeder Kuppe, die man erklimmt, noch eine weitere. Dafür sind die Aussichten grandios. Wir fürchten zwar, dass jeden Moment eines der Regenfelder, die man übers Meer ziehen sieht, auch mal bei uns landet, aber bis auf ein bisschen Sprühregen werden wir bis zum Ende des Tages nicht mehr nass werden. Danke, Wetterbericht! Als wir an den Felsen ankommen, wo vor allem die Basstölpel brüten, bin ich zunächst eher enttäuscht. Man kann zwar toll gucken, wie elegant sie an den Klippen entlang segeln, aber zum Fotografieren ist das alles zu weit weg. Wenn das alles sein soll, dann habe ich wohl die falsche Ausrüstung dabei. Hm. Wir genießen immerhin den Anblick und hoffen darauf, dass das große Sonnenloch, was wir auf dem Nordmeer glitzern sehen, zu uns rüber schwenkt. Wir wandern weiter entlang der Klippen und sehen Schwärme von kleinen schwarzen Vögeln übers Wasser rasen. Annette ist sich sicher: Das sind sie! Und ich mache wieder ein langes Gesicht, denn diese winzigen Kerle kriege ich unmöglich scharf vor die Linse. Aber wieder hilft mir mein Scout Annette und entdeckt die ersten Lunde (so, oder Puffins nennt man die Papageientaucher auch), die in den Klippen sitzen. Auch hier kämpfe ich mit Licht und Kamera und wünsche mir mehr Brennweite und mehr Lichtstärke. Hmpf. Aber schon mal ganz gut. Wenn man die anderen Fotografen sieht, die mit noch dickeren Tüten hier rumlaufen, muss ich wohl zufrieden sein. Annette beschließt, sich einfach in eine Mulde am Klippenrand zu legen und dem Treiben zuzugucken. Ich gehe weiter und hoffe auf noch günstigere Positionen und Blickwinkel. Und an jeder Stelle entdeckt man Neues. Plötzlich ist das Licht auf dem Meer ganz famos und mit den segelnden Vögeln ergibt sich ein wunderbares Bild. So schön! Und was ist das für ein großer Schatten da am Himmel? Das muss doch... Tatsächlich: Ein Adler! Und wenn man dem Umriss trauen darf, ein Steinadler. Kommt auf dem Bild nicht so ganz rüber, aber vor allem im Verhältnis zu den anderen Vögeln ist das beeindruckend. Groß. Mächtig. Und wenn ich mich nicht täusche, schwebt er mit einem leckeren Abendessen in den Klauen davon. Kaum bin ich am nächsten Klippenabschnitt angekommen und freue mich über die wieder etwas näher sitzenden Puffins und damit verbunden besseren Bildern, als ich den Blick zum Himmel richte: [Oh my God, it's a double rainbow!]( --> Link) Und zwar ein richtig fetter. Mit so intensiv leuchtenden Farben, dass man es kaum glauben kann. Hat da einer im Himmel an den Farben gedreht? Und es wird immer doller: Denn alle anderen Fotografen sind schon zu einem Küstenabschnitt weiter südlich gegangen. Warum? Hier kann man doch schon wirklich gute Fotos schießen? Als ich dann die Leiter zu den anderen hinunterklettere und zum Klippenrand gehe, weiß ich warum. Die Papageientaucher (oder, worauf ein kleiner Junge besteht: Pinguine) sitzen hier quasi in Streichelnähe. Total entspannt, angstfrei und eher neugierig. Bei meinem ersten Vogel gehe ich vor Begeisterung sehr nahe an den Klippenrand. Nicht gefährlich, aber waghalsig genug für Annette, die das nicht mit ansehen möchte, mir nicht mit ihrer Sorge das Fotografieren vergrätzen will und wieder die Leiter hinauf steigt. Lieb von ihr, aber so verpasst sie leider auch die ultimative Puffin-Fotografier-und-Beobachtungsstelle. Denn hier kann man die Kleinen so nah sehen, ihre waghalsigen Ab- und Anflüge genießen, dass es eine Freude ist. Und wenn nicht irgendwann gegen halb elf(!) die Vernunft eingesetzt hätte, die an den halbstündigen Heimweg erinnert, wäre ich vielleicht noch ein Stündchen geblieben. Ein absolutes Highlight! Auf dem steilen und an vielen Stellen sehr matschigen Weg beglückwünschen wir uns zu unserer Entscheidung, den Weg trotz der fragwürdigen Bedingungen gemacht zu haben. Was für ein tolles Erlebnis! Ob man das jetzt noch toppen kann...? Aber selbst wenn nicht: Dieser Abend heute wird uns für immer in Erinnerung bleiben! Vassendenindex Sommerwetter: 11 Pisswetter: 4 Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Momoblog am 29 Jul 2016 20:07:57
Momoblog am 31 Jul 2016 00:45:12 Es trübt sich ein Bewölkt? Check. Dauerregen? Check. Kühl? Check. Wenig Aussichten auf Wetteränderung? Check. Herzlich willkommen im perfekten Vassenden-Wetter. Nachdem wir morgens noch draußen frühstücken können, wird das Wetter ab Mittag immer schlechter. Und so nutzen wir den Tag, um Dinge, die noch getan werden müssen, auf dem Weg zur Insel Vågsøy zu erledigen. "Groß"einkauf im Kiwi (eine der großen Supermarktketten hier in Norwegen) erledigt. Lange Kaffeepause an einem an sich tollen Aussichtspunkt mit Fertigstellung des Blogeintrags für Runde. Wir fahren zwar auch heute eine landschaftlich dolle Strecke, aber durch das trübe Wetter ist die Begeisterung heute einfach mal sehr begrenzt. Wenn man so will, ist die Farbpalette draußen auf die Farben grau, grün und dunkelblau reduziert. Hat auch seinen Reiz, ist aber ohne etwas helleres dabei dann doch etwas monoton. Ehe wir uns versehen ist es Abend geworden und wir erreichen die Insel mit ihrem Hauptort Måløy. Annette hat zu recht moniert, dass wir zwar seit mehreren Tagen am Meer sind, aber immer noch keinen Fisch gegessen haben. Das geht doch nicht! Also schmeißen wir mal wieder Trip Advisor an und stellen fest, dass die Auswahl an Restaurants hier ohnehin begrenzt ist. Und da ein Laden Sushi anbietet und ein weiterer eher ein Asia-Imbiss zu sein scheint, wird die Kraftstasjon inspiziert. Die Preise sind zwar norwegisch-sportlich, aber da wir in Norwegen noch gar nicht essen waren, gönnen wir uns das heute einmal. Nachdem die arme Mia wieder ins MoMo verfrachtet werden musste ("Sorry, no dogs") setzten wir uns hin und bestellten Fischsuppe und Bacalao, den wir eigentlich eher in Portugal vermuten würden. Beides sehr lecker! Und auch schön, sich mal wieder von vorne bis hinten bedienen zu lassen. Aufgrund des weiter miserablen Wetters verschieben wir den eigentlich geplanten Besuch beim Kannesteinen auf morgen und suchen direkt den Stellplatz am Aussichtspunkt Teige auf. Auch hier kann die Strecke durchaus mit unseren bisherigen Erlebnissen mithalten. Teilweise eng, oft steil, irre Ausblicke. Aber leider durch das Pisswetter auch entsprechend beeinträchtigt. Gut, dass wir bis jetzt schon so viele tolle Eindrücke hatten. Da kann man sich wenigstens ausmalen, wie großartig das hier bei schönem Wetter sein muss. Vassendenindex Sommerwetter: 11 Pisswetter: 5
Momoblog am 31 Jul 2016 00:45:51 Adventures Inc. Das ist ja mal angenehm. So schlecht wie wir es nach gestern befürchtet hatten, ist das Wetter heute morgen nicht. Also eher das Gegenteil. Hell und freundlich. Und was für einen Unterschied das für die Aussicht macht! Gestern waren wir einfach nur froh, dass wir unser Ziel erreicht hatten. Heute können wir die tolle Sicht aufs Meer, die gegenüberliegende Küste mit dem Vestkapp und die sich zum Meer hinunter windende Straße zum Leuchtturm genießen. Da macht es auch durchaus Sinn, dass als nächstes Ziel der feinsandige Strand in Refvik auf dem Programm steht. Es ist zwar immer noch kein Badewetter wie wir es am Farstadstrand hatten, aber immerhin trocken. Die Lage könnte malerischer nicht sein: Zur linken grün bewachsene, sanft abfallende Klippen, ein paar Häuschen und der obligatorische Wasserfall darf natürlich auch nicht fehlen. Und was sage ich über mangelhaftes Badewetter? Den norwegischen Kindern macht das gar nichts aus. Sie toben in Bikini und Badehose über den Strand und sind auch vor dem 13-16 Grad kaltem Wasser nicht fies. Und wenn man nur nach der Optik geht, sind Sand und Wasser absolut karibikpreiswürdig. Wir fahren nur wenige Kilometer weiter und starten mal wieder zu einer Wanderung. Oder besser: Einem Spaziergang. Denn den Weg zum Leuchtturm Skongenes Fyr nehmen wir nicht weiter ernst. 1,5 Stunden hin und zurück. Festes Schuhwerk wird empfohlen. Ach was! Da tun es auch unsere Halbschuhe mit gutem Profil. Meine heißen schließlich auch "Camel Active"! Nachdem wir die paar Häuser zu Beginn des Weges hinter uns gelassen haben, teilt sich der Weg. Da wir ohnehin einen Rundweg machen wollen, nehmen wir für den Hinweg den Küstenweg. Zurück wollen wir über den Bergrücken. Eine fatale Entscheidung, wie wir später merken! Zunächst finden wir es noch spannend, den sumpfigen Weg möglichst trockenen Fußes zu bewältigen. Hat ja schließlich gestern auch ganz schön geregnet. Eng und von Wacholdersträuchern fast zugewachsen, kämpfen wir uns weiter durch den Pfad, der aber unzweifelhaft als der offizielle Weg zu erkennen ist. Naja, ein bisschen muss man ja auch was abkönnen. Wir klettern mal bergauf, mal bergab, sinken schon mal was kräftiger in den sumpfigen Untergrund ein und freuen uns, dass wir ja eine kurze Wanderung ausgesucht haben. Kann so schlimm nicht sein. Und an der felsigen Steinküste kann man auch wirklich tolle Muster und Riefen entdecken, die das Meer hier den Steinen verpasst hat. Ist ja auch was. Und gar nicht mehr so weit. An einer Stelle wird es dann mit Mia schwierig, weil man doch eine etwas steilere Passage klettern muss. Die Lösung: Ich erkunde einen Weg über die Klippen. Während ich noch erkunde, wo man lang gehen kann, ruft Annette: "Hier ist ein Wiesel!" Und tatsächlich guckt ein Wiesel vielleicht 2m von Annette entfernt aus einem Loch heraus. Aber anstatt vor dem Hund zu flüchten, wieselt es hin und her und guckt sich das ganze erst mal sehr neugierig an. Verrückt! Wir klettern weiter. Mal durch die Steine, mal wieder auf dem immer noch deutlich erkennbaren Pfad. An einer Stelle wird es dann aber zu kritisch. Die Steine sind algig und rutschig, und der Pfad endet an einer Wand, wo man wirklich hochkraxeln müsste. Für uns vielleicht noch so gerade okay, mit Mia aber nicht mehr zu schaffen, ohne größeres Risiko einzugehen. Also kehren wir gefühlte 100m vor dem Ziel reichlich frustriert um. Aber für einen blöden Leuchtturm unsere oder die Gesundheit des Hundes riskieren wollen wir auch nicht. Und hatte ich schon erwähnt, dass es mittlerweile angefangen hat zu regnen...? Reichlich bedient und von unten her durchnässt bewältigen wir den Rückweg und stellen nachher bei der Lektüre des Wanderführers fest, dass dieser den oberen der beiden Wege empfiehlt... Nach einem stärkenden Kaffee soll es jetzt weiter landeinwärts gehen. Aber auf der Strecke fällt mir auf einmal ein "Der Kannesteinen!" Wegen dieser skurrilen Felsformation waren wir doch ursprünglich überhaupt hierhin gefahren! Also fahren wir noch den Schlenker zur anderen Inselseite. Wieder eine wunderbare einspurige Straße. Am kleinen und recht gut gefüllten Parkplatz baue ich beim Rangieren noch einen Beinahe-Unfall, weil ich in Gedanken schon beim Aussteigen war. Wir kommen aber mit dem Schrecken davon. Zunächst ist es recht voll und ich stelle fest, dass ich mit dem Teleobjektiv hier nichts reißen kann. Denn dazu ist es zu eng und der Winkel zum Fotografieren, aus dem man den Stein in seiner charakteristischen Form sehen kann, ist sehr eingeschränkt. Ist ja kein Problem, denke ich mir, gehe zum MoMo zurück und wechsele das Objektiv. Als ich fertig bin und wieder zurück gehen will, fängt es auf einmal an zu schüttten. Och nö! Also erst mal abwarten und dann einen zweiten Anlauf nehmen. Der klappt dafür dann auch richtig gut. Zufrieden! Jetzt heißt es aber wirklich vom Meer Abschied nehmen. Wir machen einen größeren Sprung landeinwärts. Das Oldental mit dem Briksdalsbreen-Gletscher ist unser Ziel. Wir fahren vorbei an breiten Fjorden und Seen, durch Tunnel, bergauf und bergab. Business as usual. Entspanntes Fahren. Als wir ins Oldental einbiegen sind wir sofort begeistert. Links und rechts erheben sich die Berge mal wieder richtig hoch. Und mich erinnert das irgendwie an den ersten Teil des Zion-Nationalparks. Nur ohne Red Rocks. Dafür aber mit unwirklich grün schimmernden Seen. Absolut traumhaft. Und über allem thront am Ende des Tales der Gletscher Briksdalsbreen. Wer auch immer dieses Tal im norwegischen Tourismusministerium designt hat: Hut ab! Und um die ganze Sache rund zu machen, gibt es auch noch mehrere Campingplätze am See und einer ist schöner gelegen als der andere. Und nett sehen die auch noch alle aus! Wir entscheiden uns für Gryta und werden freundlich willkommen geheißen. Den Stellplatz suchen wir selber aus und auch die Sanitärräume sehen gut aus. Ein Platz zum wohlfühlen! Und als Annette dann noch traumhafte Spaghetti Bolognaise zaubert, sind wir vollauf mit unserer verkorksten Wanderung versöhnt. Denn die tollen Erlebnisse überwiegen bei weitem! Vassendenindex Ein durchwachsener Tag. Für Sommerwetter zu unbeständig, für Pisswetter zu freundlich. Sommerwetter: 11,5 Pisswetter: 5,5 Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Momoblog am 31 Jul 2016 00:48:27
Momoblog am 31 Jul 2016 22:19:56 Grandiose Gletschertour Morgens erfreuen wir uns erst mal an warmer Dusche und leckerem Frühstück mit Prachtaussicht. Der Plan für den Tag ist schnell geschmiedet. Hier ist es schön, also bleiben wir noch eine zweite Nacht. Und machen eine kurze Radtour bis zum Beginn des Aufstiegs zum Briksdalbreen und wandern anschließend das letzte Stück bis zum Gletschersee. Die Radfahrt am Seeufer entlang ist trotz der teilweise engen Straße stressfrei. Sehr wenig Verkehr und rücksichtsvolle Autofahrer. So muss das sein. Wir durchfahren sogar mit mulmigem Gefühl einen engen Tunnel. Gut, dass kein Bus kommt! Ein weiterer Tunnel ist so düster und lang, dass Annette sich weigern würde, dort durchzufahren, wenn es nicht für Fußgänger und Radfahrer die Alternativroute auf der alten Uferstraße gäbe. Am Ende des Tales kommen wir am "Melkevoll Bretun"-Campingplatz an und sind tatsächlich durchgeschwitzt. Denn wir, wohlorganisiert wie wir sind, haben uns mit warmen, winddichten Sachen angezogen - soll ja eisekalt sein, so ein Gletscher. Dumm nur, wenn man dann beim Radfahren merkt, dass die Anstrengung und die Sonne es nicht honorieren, dass wir so vernünftig sind. Wie gerne würde ich jetzt meine dicke Hose ausziehen! Stattdessen gibt es immerhin die zweitbeste Option. Am Campingplatz gibt es nämlich Eis. So ähnlich wie Magnum, aber für mich mit Schoko-Lakritz(!) und für Annette als "Trippel" mit Karamell zwischen zwei Schokoschichten. Trippel-Mjam! Und bei unserem Stop fällt uns auf, wie schön, liebevoll und ordentlich dieser Campingplatz hergerichtet ist. Liegt zwar nicht mehr am See, aber dafür mit Blick auf 2 Gletscher und mehrere spektakuläre Wassserfälle. Und da es uns hier im Tal so gut gefällt, schmieden wir den Plan, dass wir morgen hierhin "umziehen", wenn das Wetter nicht ganz katastrophal wird. Wie haben übrigens feststellen müssen, dass der Gletscher, den wir quasi schon beim Eintritt ins Tal am Ende über allem haben thronen sehen, gar nicht der Briksdalbreen ist! Der ist nämlich noch mal größer und zeigt sich erst jetzt zu unserer Linken. Vor allem dieses ultrahelle Gletscher-Blaugrün hat es mir angetan. Kann ich mich nicht dran satt sehen. Wir machen uns auf den Weg nach oben zum Gletschersee und haben heute das verdiente Kontrastprogramm zu gestern. Der Weg ist bestens ausgebaut, gesichert und diesmal wirklich zum Spazieren. Heute hätten wir die Wanderschuhe, die wir sicherheitshalber (Gletscher!) angezogen hatten, wirklich im MoMo lassen können... Schon nach wenigen Minuten haben wir eine erste grandiose Aussicht auf den großen Wasserfall Kleivafoss, der hier wirklich ein Spektakel veranstaltet. Dem zum einen wird wirklich jeder nass, der an ihm vorbei dem Weg folgt, zum anderen sorgt der ständige Wassernebel in der Luft auch für einen Regenbogen nach dem anderen. Alle, die der Straße hinauf zur Absturzkante folgen, haben ein seliges Grinsen im Gesicht - so schön ist das! So ein bisschen wie auf der Wildwasserbahn, wo man erwartet, nass zu werden, aber hofft, nachher nicht durchnässt zu sein. Auch im weiteren Verlauf werden die Aussichten nicht weniger spektakulär. Der Gletscher rückt immer näher und dominiert das Blickfeld. Wie mag das noch vor 15 Jahren ausgesehen haben, als der Gletscher noch bis zum Gletschersee hinunter reichte? Als wir den See erreichen, gibt es, nachdem wir alles wegfotografiert haben, erst mal ein Picknick. Wir gucken uns die Szenerie an, beobachten das Treiben der anderen Touristen (insbesondere für Asiaten scheint das hier eine Top-Attraktion zu sein) und müssen dann doch immer wieder mal noch ein Foto machen, denn "So schön war das doch eben noch nicht, oder?" Immerhin freuen wir uns hier oben dann doch über unsere wärmende Kleidung - vom Wasser zieht es buchstäblich eisig hinauf zu uns. Auf dem Rückweg schweben wir voller Glücksgefühle bergab und haben auch hier das Gefühl, dass man das alles am liebsten noch mal fotografieren möchte. So weit, wie ein Chinese, der sogar das Toilettenhäuschen wegfotografiert, gehen wir aber dann doch nicht... Überhaupt Chinesen: Wir entdecken 4, die sich offensichtlich in einem Tourishop alle den gleichen, ultimativ geschmacklosen Rentierpulli gegönnt haben. Aber über Geschmack lässt sich ja nicht streiten und freundlich waren sie auch. Und wir hatten unseren Spaß. Die Rückfahrt mit dem Fahrrad ist dann ultimativ entspannt. Wir rollen gemächlich gen Heimat, gucken links und gucken rechts und können einfach nur debil grinsend diese Landschaft an uns vorüberziehen lassen. Besser wird es wohl nicht werden. Aber das hatte ich auf Runde auch schon gedacht... Vassendenindex Tendenziell ein toller Tag, aber zwischendurch doch immer wieder feucht und abends früh kühl. Sommerwetter: 12,5 Pisswetter: 5,5
Momoblog am 04 Aug 2016 00:24:50 Abgekühlter Ruhetag Heute verwirklichen wir unseren Plan von gestern. Was bedeutet, dass wir 10km weiter fahren und auf dem Melkevoll-Bretun-Campingplatz einchecken. Der urige Stellplatz, den wir gestern schon ins Auge gefasst hatten, der an drei Seiten von hohen Findlingen umgeben ist, erweist sich dann aber als doch etwas sehr eng, so dass wir die zweitbeste Möglichkeit wählen. Von unserem Platz hat man jetzt in jede Himmelsrichtung eine andere tolle Aussicht: Nach Norden der See, nach Osten der Briksdalsbreen, nach Süden der Melkevollbreen und nach Westen der Volefoss (oder Vollpfosten, wie Annette ihn liebevoll tauft). Kann man nicht meckern. Wir kommen mal dazu, die Markise auszufahren, uns auf die Bank zu setzen und einfach mal nur zu lesen. Auch schön! Mittags sammeln wir noch Himbeeren, mit denen Annette dann im Omnia einen Zitronen-Himbeerkuchen zaubert. Ansonsten passiert einfach mal nichts spektakuläres. Außer, dass die Sonne heute eine Ruhepause einlegt und es gegen Abend dann doch reichlich kühl wird. Elf Grad ist jetzt nicht so wirklich sommerkompatibel, aber zum Grillen reicht es uns locker! Aber der Wunsch nach mehr Sonne und wärmeren Temperaturen wird größer... Vassendenindex Sommerwetter: 12,5 Pisswetter: 6,5
Momoblog am 04 Aug 2016 00:25:23 Von tiefen Wolken und engen Kiefern Das, was sich gestern schon ankündigte, bestätigt sich heute morgen: Vassenden-Wetter. Die Wolken hängen tief im Tal. Was rein optisch durchaus seinen Reiz hat. Denn der grüne See, an dem entlang wir das Oldental verlassen ist nicht nur spiegelglatt, sondern tatsächlich auch ein Spiegel für die Landschaft. Bei diesem Wetter ersparen wir uns schweren Herzens den Abstecher zum Geirangerfjord - nächstes Mal! Stattdessen geht es nach Stryn zum Vorräte auffrischen. Und Annette entdeckt ein kleines Fischgeschäft, das auch Mahlzeiten zum Mittagstisch anbietet. Und die Fischsuppe, die man dort serviert bekommt, rangiert bei mir sicher in den Top5. Mmmhh! Auf der Weiterfahrt fällt uns schon von weitem der große Parkplatz am See für das Jostedalsbreen Nasjonalparksenter auf. Auch hier spiegeln sich Höfe und Wiesen im dunklen See. Sonne wäre uns aber dann doch lieber! Die Ausstellung mit Tieren und Pflanzen im Senter ist gut gemacht, wenn auch kein Pflichtprogramm. Und den austauschbaren Touristennepp können wir beim zweiten Mal auch schon nicht mehr sehen... Nach kurzer Zeit verlassen wir dann die Straße 15 und wechseln auf den Gamle Strynefjellvegen, die alte Passstraße Richtung Grotli. Hinauf ist die Straße trotz mehrerer Serpentinen und schmaler Spur easy zu fahren, da asphaltiert und mit genügend Ausweichstellen versehen. Und selbst Annette stellt nachher überrascht über sich selbst fest: "Ich hatte gar keine Angst!" Leider können wir von der tollen Sicht hinunter ins Tal nur wenig sehen, da wir immer mehr in die Wolken hineinfahren. Je höher wir kommen, um so scheußlicher wird das Wetter. Auf der Passhöhe sehen wir eine Gruppe von Wanderern, die sichin Nebel, Regen und Kälte (8°) offensichtlich für eine Gletscherwanderung fertig machen. Na, Prost Mahlzeit...! Leider wird mit der Passhöhe die Straße auch deutlich schlechter. Lehmig-schotterig, was sich in der Lenkung dann etwas seifig anfühlt, iiih! Dazu noch Serien von Schlaglöchern - bisher die ekligste Fahrbahn der Reise. Was bedeutet, dass ich ziemlich konzentriert fahren muss und wenig von der Landschaft mitkriege, die sich neben uns immer mehr aus dem Nebel befreit. Da sind milchig-türkise Seen, raue Landschaft und Steinhaufen en masse. Und als dann später auf einmal noch die Sonne das ganze bescheint, wird es sogar teilweise spektakulär schön! Trotzdem bin ich froh, als wir wieder auf die 15 zurückkehren und auf dieser bestens ausgebauten Straße auf einmal luxuriös-bequem mit 80 dahincruisen. Wie entspannend! Für uns stellt sich jetzt das Problem, wie weit es heute noch gehen soll. Die grobe Richtung ist Richtung Sogndalsfjord. Also Richtung Süden. Aber ob wir heute noch die ganze Sognefjellet-Straße schaffen? Und wäre es nicht besser, diese wohl auch sehr sehenswerte Strecke erst morgen, bei angekündigtem Sonnenschein zu machen? Wir fahren also mal rechts, mal links von der Straße ab. Gucken uns Stellplatzvorschläge an und verwerfen sie. Und sind plötzlich schon in Lom gelandet. Das ist zum einen ein Verkehrsknotenpunkt, wo die Sognefjelletstraße los geht, zum anderen gibt es hier mal wieder eine Stabkirche zu sehen. Und die gefällt mir von außen so gut, dass ich hier auf den Parkplatz fahre. Diese immer halb verbrannt aussehenden Kirchen haben einfach was. Ich gehe gucken und fotografieren, Annette isst aufgrund des miesen Wetters und Hungers lieber noch Reste von unserem gestrigen Kuchen. Wir beschließen, auf die Sognefjelletstraße zu fahren und die Augen nach Übernachtungsplätzen offen zu halten. Die Augen offen zu halten fällt bei dieser Streckenführung nicht schwer. Wie so oft, fährt man entlang eines rauschenden Flusses, der sich hier so malerisch durch die Landschaft schlängelt, dass es einfach Spaß macht, sich das anzugucken. Nur Stellplätze sind rar gesät. Am Parkplatz Liasanden aber werden wir fündig. Nur, warum gibt es einen extra Parkplatz für Busse und Wohnmobile? Und warum gibt es ein Warnschild, dass nur Fahrzeuge bis zu 2m Breite hineinfahren sollen? Die Antwort ist einfach: Es ist ein verdammt schmaler Weg, der durch auch noch leicht schräg stehende Kiefern führt, die hier ein Wäldchen neben dem Fluss bilden. Optimistisch fahre ich dennoch hinein. Wäre doch gelacht! Schon in der ersten Kurve ist es reichlich eng, passt aber. Ein Hoch auf das MoMo! Und hinter dieser Kurve finden wir dann auch unseren Platz für die Nacht. Oberhalb des rauschenden Flusses. Fein! Etwas später kommen übrigens zwei deutlich längere Womos und versuchen ihr Glück. Während Nummer Zwei est mal abwartet, sondiert Nummer Eins die Lage und kapituliert dann vor einer wirklich bösen Engstelle - das rückwärts Raussetzen erledigt er dann aber ausgesprochen souverän. Chapeau! Vassendenindex Sommerwetter: 12,5 Pisswetter: 7,5
Momoblog am 04 Aug 2016 00:25:55 Back to the Fjord Das Wetter ist freundlicher, hurra! Zwar nicht so sonnig wie erhofft, aber auf jeden Fall kann man die Berggipfel entlang der Sognefjellet-Straße sehen. Das ist schon mal deutlich mehr als wir gestern hatten. Die Strecke ist wirklich so schön, wie wir sie uns nach all den Schilderungen vorgestellt haben. Das Schöne: Obwohl dies ja eine der heftig beworbenen "Nationalen Touristveger" ist, haben wir die Strecke und die Landschaft nahezu für uns. Es stehen zwar ab und zu an den Aussichtspunkten Autos und man begegnet hin und wieder Fahrzeugen. Aber zu keiner Zeit ist es auch nur annähernd überlaufen, stressig oder unangenehm. Die Streckenführung ist aber auch wirklich genial. Nach einer Kurve tut sich eine völlig neue Ansicht auf ein breites Tal auf. Links ein Gletscher, rechts ein See, vor einem das Fjell. Oder andersrum. Da lässt sich die Natur nicht lumpen. Das Problem an dieser Strecke: Man möchte wirklich an **jedem** Aussichtspunkt anhalten, denn "So schön war das eben noch nicht, oder?" Wir schaffen es heldenhaft, eher an jedem dritten und vierten Aussichtspunkt stehen zu bleiben, auch wenn es schwer fällt. Besonders angetan hat es uns die Passhöhe mit ihrem Blick auf gleich mehrere Gletscher. Und wie es unser Reiseglück will, kommt sogar zaghaft ein wenig blauer Himmel zum Vorschein. Bei der Abfahrt stehen wir mal wieder an einer sensationellen Aussicht und sehen vor uns den reilzvollen Tindevegen an der anderen Talseite emporklettern. Trotzdem entscheiden wir uns mit unserem mittlerweile zum Standardsatz gewordenen Mantra "Beim nächsten Mal" für den Weg weiter hinab ins Tal. Hier wird die Strecke deutlich steiler. Und enger. Oder kommt uns das nur so vor? Aber wie das hier nun mal immer so ist: Am Ende kommt ein Fjord. Und den fahren wir entlang. Unterwegs mal ein kurzer Stop in Luster, wo wir eine der wirklich seltenen reinen Bäckereien entdecken. Total urig, mit brennendem Feuer im Ofen. Und mit leckeren Zimtschnecken, die wir uns selbstverstänlich nicht entgehen lassen. Nach einem Shopping-Stop in Sogndal geht es dann auch schon in Richtung Stellplatz für die Nacht. Da wir uns noch die Option offen lassen wollen, ob es morgen mit der Fähre in den Næroyfjord geht oder ob wir übers Aurlandfjell fahren (immerhin beides absolute Topempfehlungen) visieren wir einen Platz in der Nähe vom Fährort Kaupanger an. Dort treffen wir es urig an. Das ganze nennt sich zwar Campingplatz, ist aber letzlich nur eine Wiese am Fjord. Aber die Lage ist top. Und der Preis mit 100NOK auch sehr zivil. Vor allem, und das ist der Clou für uns heute abend, weil Feuerholz für ein Lagerfeuer inklusive ist. Also genehmigen wir uns einen Stellplatz mit Top-Deluxe-Fjordblick, bauen Tisch und Stühle auf und bauen uns ein Lagerfeuer. Und lecker Abendessen an der frischen Luft mit Fjord: Mehr geht nun wirklich nicht! Vassendenindex Sommerwetter: 13,5 Pisswetter: 7,5 Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Momoblog am 04 Aug 2016 23:04:23 Home of crazy roads Nach einem Frühstück mit herrlichem Blick auf Fjord und Haussteg geht es los Richtung Aurlandfjord. Und dafür muss man erst durch einen langen Tunnel und noch im Ende des Tunnels finden sich die Wartespuren für die Fähre nach Fodnes. Wahrscheinlich, weil sonst einfach kein Platz wäre...Was ein irres Land! Auf der anderen Seite angekommen, geht es nach wenigen Metern erneut in einen 8km langen Tunnel. Und wenn wir gewollt hätten, hätten wir mit dem fast 25km langen Laerdalstunnel noch einen drauf setzen können. Wollen wir aber nicht. Für uns geht es jetzt hinauf aufs Aurlandsfjellet. Oder, wie Annette es interpretiert, ins Auenland. Naja... Denn lieblich ist diese gewaltige Landschaft nun nicht gerade. Dafür aber mit den Blicken auf den Fjord immer wieder beeindruckend. Die Passstraße, die auch Schneestraße genannt wird, windet sich in schmalen Sträßchen immer weiter hinauf. Wir freuen uns, dass es so wenig Gegenverkehr gibt - Ausweichen wäre hier an sehr vielen Stellen eine aufregende Geschichte. Für ein Radrennen finden sich bei den übelsten Hubbeln und Löchdern in der Fahrbahn Warnungen auf der Fahrbahn: "Careful" - "Danger" - "Finish"... Am ersten "echten" Aussichtspunkt ist es dann aber gleich gerappelt voll. Mehrere Womos und PKWs sorgen dafür, dass ich erst mal provisorisch halb auf der Fahrbahn parken muss. Keine 5 Minuten später ist der Platz dann fast leer... Besonders gefällt uns hier mal wieder die architektonische Gestaltung des Aussichtsplatzes mit einem fast 180° reichenden, großen kreisförmigen Weg und einer ähnlich langen Sitzbank. Und als Tüpfelchen noch die "Bärenhöhle" mit Kunstinstallation. Auch hier geben sich die tollen Aussichten die Klinke in die Hand. Eine nach der anderen hat sich schick gemacht und möchte zu Recht bewundert werden. Da kann man fast schon Schönheitsstress kriegen! Auch der nächste größere Parkplatz ist knubbbelvoll - bis auf den Platz fürs MoMo: Glück gehabt! Denn auch hier ist die Szenerie ausgesprochen pittoresk. Steine mit Flechten, fluffiges Moos, ein See mit Wasserfall umrandet von Schneefeldern. Mann, Mann, Mann! So fahren wir weiter bis zur kargen Passhöhe, gucken anderen Touristen bei einer Schneeballschlacht zu und sehen im Hintergrund schon die Fjordtäler auftauchen. Und was hinauf fährt, muss auch wieder hinunter. Annette betet ihr Mantra von der Motorbremse und das MoMo und ich versuchen alles, um ihr die Abfahrt so angstfrei wie möglich zu machen. Die norwegischen Straßen eher weniger. Denn 8-10% Gefälle gehören hier zum guten Ton und Leitplanken werden bei weitem überschätzt. Und wenn man einem Womokollegen begegnet, müssen beide trotz Ausweichstelle gerne auch mal über die Randbegrenzung fahren. Nichts für schwache Nerven! Als wir den Stegastein, diesen großartigen Steg über dem Aurlandfjord, erreichen, ist Annette schon bedient und riecht stinkende Bremsen. Gut, dass wir jetzt ein Päuschen einlegen! Es ist pickepackevoll hier. Nix is' mit der Handvoll Leute, die den Ausblick bewundern, wie es in den Prospekten immer aussieht. Das sind hier schon ein paar mehr! Aber die Aussicht hinunter in den Fjord ist auch wirklich zu schön und die gewagte Architektur der absolute Knaller. Gut gemacht, Norwegen! Unter uns sehen wir schon Aurland. Sieht alles putzig aus von hier oben - da wollen wir runter! Also wieder rein ins MoMo und mal eben den Rest fahren. Dass dieser Teil dann wirklich der hundsgemeinste von allen wird, steht ja nirgends... Wir haben aber das Glück, dass vor uns ein holländisches Womo fährt, was uns quasi den Gegenverkehr wegräumt. Und das ist von Fahrrad Über Motorrad bis Womo so ziemlich alles. An dieser Stelle Hut ab vor der norwegischen Omi, die völlig cool mehrere 100 Meter bergab zurücksetzte, damit wir 2 Womos an ihr vorbei kommen. Es fühlt sich fast schon dekadent an, nach dieser Strecke einfach auf einer normalen Straße weiterzufahren. Deswegen machen wir das auch nur kurz und parken erst mal für einen kleinen Bummel durch Aurland. Ein wirklich nettes kleines Örtchen. Und wenn man von unten hinauf zum Stegastein guckt, denkt man sich "Och, so hoch ist das doch gar nicht!"... Nach kleinem Einkauf (wo ich auf einer Postkarte das heute so passende Tagesmotto "Home of crazy roads" finde) und Stärkung in der örtlichen Bäckerei (wieder sehr lecker!) steuern wir unser Tagesziel Flåm an. Der dortige Campingplatz soll gut sein und von dort könnten wir morgen entweder Bötchen fahren oder mit der berühmten Flåmbahn fahren. Mal gucken. Aber erst mal kriegen wir einen Kulturschock. Denn am Campingplatz ist richtig was los. Anscheinend ist gerade allgemeine Ankunftszeit. Der winzige Parkplatz an der Rezeption ist voll. Auf der Straße kann man auch nicht wirklich stehen. Also beschließe ich, es norwegisch zu machen. So wie bei den bisherigen Campingplätzen auch. Erst mal Platz suchen und dann ganz entspannt anmelden. Da habe ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Gestikulierend pfeift uns Mama Platzwart zurück. So ginge das aber nicht! Erst ordnungsgemäß anmelden! Und scheiße da stehen würde ich jetzt ja wohl auch mal. Und einfach reinfahren ginge gar nicht. Man würde gleich an seinen Platz geleitet und eingewiesen. Hm. Okay. Alles klar. Ich reihe mich also in die Schlange ein, die sich an der Rezeption gebildet hat. Und noch während ich gerade bezahle, kommt Sohn Platzwart und fordert mich auf, dass ich jetzt aber sofort das MoMo wegfahren solle. Wie sind die denn hier drauf? Brav folge ich ihm, der auf seinem Fahrrad flott voran fährt. Wir fahren an der Entsorgungsstelle vorbei, die wir eigentlich dringend nutzen wollten. Wir wollen ihn ja schließlich nicht verlieren und noch weiter in Ungnade fallen... Am Stellplatz werde ich eingewiesen und darauf hingewiesen, dass ich einen halben Meter nach links korrigieren müsse - er brauche den Platz schließlich noch. Auf meine Nachfrage wegen der Entsorgung kriege ich nur die Antwort, dass wir das ja schließlich vorher hätten fragen können. Er hätte sich ja lange mit Annette unterhalten. Diese "Unterhaltung" drehte sich aber nur um das Thema, warum Annette daas MoMo nicht wegfahren könne... Und überhaupt: Entsorgen ginge jetzt gerade mal gar nicht, weil ja so viel Verkehr wäre. Also: Gastfreundlich kennen wir von den Norwegern echt anders! Wir beschließen, uns lieber über das erstaunlich sonnige Wetter zu freuen. Denn tatsächlich ist es mit 20° endlich mal sommerlich und wir freuen uns, dass wir mit kurzen Sachen draußen sitzen können. Und abends Grillen: Super! Das mit dem Grillen verschieben wir aber ganz spontan, da es hier in Flåm eine Brauerei mit Gaststätte geben soll, die bei Trip Advisor auch gelobt wird: Ægir BrewPub. Die Fotos sehen gut aus und die Bewertungen sind gut bis sehr gut. Machen wir! Als wir die paar Meter zum Schiffsanleger rüber gehen, schwindet unsere Begeisterung aber recht schnell. Alles ist hier ausgelegt auf den schneller Touristennepp. Die Gebäude zwar durchaus geschmackvoll, aber irgendwie riecht es nach Abzocke. Wir gehen aber trotzdem mal zur Brauerei, finden das Gebäude und das Interieur ansprechend und sind hin- und hergerissen: Bauchgefühl oder Schwarmintelligenz folgen? Die norwegischen Preise für eine Mahlzeit muss man beim Speisekarte-Studieren sowieso ausblenden. Mit etwas mulmigen Gefühl lassen wir uns einen Tisch im Restaurant zuweisen. Todesmutig bestelle ich mir die "Viking Plank", ein 5-Gang-Menü, bei dem jeder Gang von einer anderen Biersorte begleitet wird. Und nein, den Preis wollt ihr nicht wissen... Als das Brett mit dem Esssen zusammen mit einem Brett voller Biergläser aufgetischt wird, stelle ich mit einer gewissen Erleichterung fest, dass das alles schon mal sehr gut aussieht. Und mit Befriedigung stelle ich wenig später fest, dass es auch noch schmeckt und mit Begeisterung, dass tatsächlich jede Biersorte einen deutlich anderen Geschmack hat und hervorragend zum jeweiligen Gang passt. Sogar zum Nachtisch. Dolle Sache! Als wir satt und zufrieden das Restaurant verlassen stellen wir fest, dass es sich eingeregnet hat. Zwar nur ein leichter Landregen, aber trotzdem freuen wir uns dann über unser muckeliges MoMo.
Vassendenindex Sommerwetter: 14,5 Pisswetter: 7,5
mwdd am 05 Aug 2016 14:29:34 Danke für den Bericht! Eine Frage (ich plane eine Rundtour in Norwegen im kommenden Jahr): Da Du hier doch öfter die Befahrbarkeit bestimmter Wegstrecken ansprichst - was genau ist eigentlich das "MoMo"? Alkoven hast Du erwähnt, aber Länge, Breite, Höhe und Basisfahrzeug würden mich noch interessieren... Danke und eine gute Zeit noch!
Momoblog am 05 Aug 2016 18:05:18 Hallo Micha,
Das MoMo ist ein Knaus Sky Traveller 500D. Mit 5,61m sehr klein und handlich. Und wir vermissen nix, außer dass wir manchmal einen neidischen Blick auf Fahrzeuge mit großer Heckgarage werfen... ;-)
Liebe Grüße, Michael
Momoblog am 06 Aug 2016 23:29:10 Urlaub vom Urlaub Komischerweise wachen wir heute ungewöhnlich früh auf. Leider hat das Wetter nicht das gehalten, was wir uns gestern erhofft hatten und stattdessen brav gemacht, was der Wetterbericht angekündigt hat. Es ist trüb und grau. Die Wolken hängen tief. Und wir haben den Vassenden-Blues. Denn bei dieser grauen Suppe sind wir nicht sonderlich motiviert, die Bahnfahrt und Wanderung im Flåmtal zu machen und den teuren Trip in den Næroyfjord finden wir mit eingeschränkter Sicht auch nicht so pralle. Trotzdem machen wir nach dem Frühstück einen morgendlichen Weg zum Anleger, denn eine alte Freundin will begrüßt werden: Die Koningsdam ist wieder da! Und mit ihr naturgemäß Unmengen an Leuten. Das sind wir einfach nicht mehr gewöhnt - Lange Schlangen an den Schaltteern für Bahnfahrt und Fjordfähre. Ein Gewimmel wie in Grindelwald... Und in uns reift eine Entscheidung, mit der wir seit ein paar Tagen schwanger gehen: Ist es jetzt einfach mal genug mit grandios, großartig und genial? Und mit trüb, graugrün und kühl? Wir haben in den letzten Wochen so viele tolle Sachen gesehen und haben den Eindruck, dass wir satt sind. Satt im Sinne von voll, nicht im Sinne von satt haben. Dieses Festmahl an Eindrücken will jetzt einfach mal verdaut werden. Und da wir für die Rückfähre ohnehin noch den Weg nach Trelleborg vor uns haben, können wir den Rückweg doch auch etwas früher in Angriff nehmen und dafür noch ein bisschen Sonne, Ruhe, Seen und Meer genießen. Wie verlockend das auf einmal klingt: Einfach nur in Shorts und T-Shirt rumlaufen! Ins Wasser springen, weil einem so warm geworden ist! Und als wir uns das ausmalen, sind wir auf einmal Feuer und Flamme. Los geht's! Vor der Abfahrt müssen wir aber noch das Entsorgen erledigen. Und gut, dass wir heute etwas früher dran sind: Vor uns warten schon 4 Fahrzeuge und als wir endlich dran sind, reicht die Schlange an Fahrzeugen schon einmal um den Block... Auf dem Rückweg nehmen wir sogar noch eine Attraktion mit, die ich schon abgeschrieben hatte. Der 24,5km(!) lange Laerdal-Tunnel mit seinen cool beleuchteten Zwischeninseln fährt sich wirklich sehr entspannt. Und diese Inseln sorgen dafür, dass es ein bisschen Abwechslung gibt. Annette hätte zwar immer noch lieber auf einen so langen Tunnel verzichtet, macht aber zum Ausgleich tolle Fotos während ich die Spur halte. Der Weg führt uns nun Richtung Oslo. Wir kriegen quasi noch einmal alles geboten, was an Norwegen toll ist. Breite geschwungene Talstraßen, eine Passfahrt durch eine halbe Mondlandschaft, Wasserfälle, später fast schon liebliche Seenlandschaften und zunehmend Kulturlandschaften. Und als wir den Osloer Ring mit nur einem kleinen Stau hinter uns lassen, werden wir fast ein bisschen wehmütig: Das war er jetzt also, der Norwegenteil des Sommers 2016. Gleichzeitig freuen wir uns aber bei der im flacher und waldreicher werdenden Landschaft mit jedem Kilometer mehr auf Schweden. Wir haben uns die Gegend um Årjäng als Zielgebiet ausgesucht, weil wir sie letztes Jahr von unserem tollen Campingplatz in Grinsby so gut in Erinnerung haben. Da wir gerade von einem Campingplatz kommen, wollen wir eigentlich mal wieder eine Nacht frei stehen. Aber ein No-Thrillls-Platz in Sanda würde auch Geld kosten. Und warum sollen wir uns eigentlich nicht unseren Lieblingscampingplatz nach einem langen Fahrtag gönnen? Manchmal hat man echt einen Pin im Kopf! Also steuern wir voller Vorfreude "unser" Camp Grinsby an und beim Anblick der vertrauten Anlage strahlen wir beide wie die Honigkuchenpferde. Ein Stellplatz ist für unsere Verhältnisse recht schnell gefunden. Und als wir dann in der friedlichen Abendstimmung auf den See hinaus gucken, stellt sich ein ganz, ganz warmes Zuhause-Gefühl ein. Alles richtig gemacht! Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> LinkUnd der Rest der Reise geht dann im Schwedenbeitrag weiter: --> Link
mwdd am 08 Aug 2016 11:55:59 moensters hat geschrieben:... Das MoMo ist ein Knaus Sky Traveller 500D. Mit 5,61m sehr klein und handlich. Und wir vermissen nix, außer dass wir manchmal einen neidischen Blick auf Fahrzeuge mit großer Heckgarage werfen... ;-)
Danke Dir! Dann werde ich mit meinen 5,99 hoffentlich auch zurecht kommen ;) Gute Fahrt noch!
Momoblog am 08 Aug 2016 12:05:26 Die 40cm werden den Kohl nicht fett machen. Ich war aber vor allem bei Begegnungen mit anderen großen Fahrzeugen froh, dass wir so gut in die Ausweichstellen gepasst haben.
Viel Spaß auf eurer Tour!
Liebe Grüße, Michael
bAsh am 16 Aug 2016 15:12:57 Bin grad auf deinem Blog und habe mich begonnen durch die Tage zu lesen. :) Schöne Fotos bisher und ich bin gespannt was noch kommt... Vielen Dank dafür!
Wir dürfen uns auf den September freuen, lange geht es nicht mehr.
Kleine Frage wegen den Gasbetankungen.. Wir sind da wirklich pure Anfänger.. Kann man da auch die blauen Campingaz 2.75kg Flaschen befüllen? Kann man dieses Flaschen überhaupt selber befüllen?
Momoblog am 17 Aug 2016 23:33:13 Keine Ahnung, wie das mit den kleinen Gasflaschen ist. Vielleicht machst du mit der Frage mal einen eigenen Thread auf? Ich kann dich aber gut verstehen. Ich wusste auch nicht, was uns in Mönsterås erwartet. Es war dann eher simpel: Leere graue 11kg-Flasche auf eine Waage stellen, Befüllungsschlauch anflanschen und auffüllen. Ging in ein paar Sekunden. Liebe Grüße und viele Erlebnisse im September! Michael
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