Morgens früh um sieben ist die Welt noch in Ordnung, heißt es - blöd nur, dass wir schon um sechs aufgestanden sind. Früh aufstehen ist ja nicht so meins, aber da wir heute entspannt bis nach Calais fahren wollen, macht es natürlich Sinn.
Wir kochen also Kaffee und packen den letzten Rest in Horst und dann geht’s los- um sieben, da ist dann ja wieder alles in Ordnung.
Während unseres Kroatien Urlaubs zu Ostern hatten wir ja mächtig Glück mit dem Wetter, diesmal scheint der Wettergott gerade seine Augen anderweitig zu benutzen, denn kaum hatte Horsti einen warmen Motor fängt es auch schon an von oben Nass zu werden. Aber man kann auch auch nicht immer Glück haben. Und außerdem können sich jetzt endlich alle ein Fass aufmachen, die sich mit den platten Hand vor die Stirn gekloppt haben, als wir unser Urlaubs-Sommer-Ziel verkündet haben ( wer bitte schön fährt denn freiwillig nach England...da regnet es doch sowieso und überhaupt die ganze Zeit...manmanman)
Vom Regen mal angesehen war das einzig spektakuläre an der Fahrt, dass sie komplett unspektakulär war.
Kein Stau, kein Verfahren, keine Panne, die Kinder haben wir unterwegs auch nicht verloren ...( ich hatte an dieser Stelle kurz „leider“ stehen, aber das dann aber wieder gelöscht - das gehört sich ja nicht ;-) )
Unser Ziel für den ersten Tag haben wir schon gegen 14.30 erreicht- das war natürlich wirklich super.
Die Kröte und der Heini haben auch gleich ein Protest-Plakat malen wollen, als sie erfahren haben, dass sie heute Nacht NICHT im Zelt schlafen dürfen. Ach ja, eine unfassbare Neuerung gibt es noch anzumerken: die Kröte hat jetzt auch ein Zelt! Nach diversen „ ich will aber auch in Zelt schlafen“ Diskussionen, haben wir ein zweites ein-Mann Zelt besorgt in den fortan nun unsere Kröte schlafen soll. ( Was zu folge hätte, das der große Chef und ich ALLEINE im Horst wären...das gab es noch nie ….- aber vielleicht bekommt das baldige Schulkind ja doch kalte Füße und schläft doch lieber im warmen Horst ( cooles Wortspiel mal wieder ;-))
Heute Abend werden Sie jedoch zusammen bei uns schlafen, es regnet ja wie bereits erwähnt und da wir morgen früh gleich wieder anreisen lohnt sich das nicht.
Tag zwei
Ab durch den Tunnel.
Wir sind ein bisschen aufgeregt - heute fahren wir durch den Ärmelkanal. Die klassische Route: Calais-Folkshore, allerdings unter durch und nicht oben drüber!!!! ( Wer von unseren letzten Reisen gelesen hat wird wissen warum ;-) )
Wir fragen uns wie das wohl ablaufen wird. Natürlich haben wir uns im Internet informiert, aber so richtig vorstellen können wir es uns nicht.
Wie eigentlich immer sind wir viel zu früh da. Selbstverständlich haben wir den Zettel der zu unserem Ticket gehört gelesen „ Bitte kommen Sie nicht eher als zwei Stunden vor der Abfahrt“ ...aber bitte.... das schaffen wir ja sogar fast. Ein wenig zu eilig hatten wir es dann aber doch , allerdings war das gar nicht schlimm,denn wir können somit sogar einen Zug früher nehmen, das ist natürlich ziemlich lässig und stört uns nicht.
Bei der Pass Kontrolle, werden zum ersten Mal ( und wir haben in zwischen ja so einige hinter uns) unsere Kinder begutachtet. Das verwirrt diese dann auch so gleich. „ Heini, kannst Du mal nach vorne kommen?“ „ ????? Wieso ????? „ (Kind kommt mit dem Kopf nach vorne und guckt sehr fragend) „Muss ich jetzt auch was sagen ???????“ „ Ne, nur gucken!“ Die Kröte träumt so vor sich hin und bekommt nichts mit. Dementsprechend erfolgt eine ähnliche Ansprache nochmal, nur mit dem Zusatz „ Wenn du aufstehen willst , müsstest du dich vorher abschnallen, sonst wird das eng....“
Der Mensch am Schalter war aber sehr geduldig und so kamen wir irgendwann auf das weitläufige Gelände. MIT Duty free! Wir haben aber nichts gekauft. Wir kaufen ja fast nie etwas im Duty free. Obwohl ich glaube, dass gerade Parfum da deutlich günstiger ist, aber ich GLAUBE es halt nur, ich WEIß es nicht. Und ich kann ja da auch immer schlecht Preise vergleichen...obwohl, dies mal hätte ich es ja gekonnt...ich war ja mal ausnahmsweise nicht damit beschäftigt nach lustigen kleinen Tütchen oder Mülleimern Ausschau zu halten. ...wir haben ja noch eine Rückfahrt :-)
Aber gut. Jetzt wollten wir endlich rein- an in den Zug.
Die Kröte war besorgt: ist da WIRKLICH das Meer über uns.
Was ist wenn eine Bombe explodiert, wie groß ist so eine Bombe überhaupt und wie sieht sie aus?
Und das finde ich, bei aller Komik mit der wir unseren Alltag versuchen zu meistern echt traurig. Unser Kind- so spielerisch und witzig und kindlich er das auch gesagt hat- wächst im Bewusstsein auf, dass immer und überall, besonders aber an Plätzen an denen viele Menschen reisen oder sich ansammeln Bomben explodieren können. Und uns als Eltern bleibt nichts ,als der Versuch zu erklären was wir selber kaum verstehen und unsere Kinder zu Menschen zu erziehen die mit offenen Augen und Toleranz im Herzen durch die Welt gehen und zu hoffen, dass die Kröte und der Heini,obwohl der Terror in unsere Welt ist, trotzdem verinnerlichen, dass das nicht das Werk einer ganzen Religion ist, sondern von bekloppten Menschen die unsere Werte nicht teilen. Denn wo Gewalt anfängt, hört unsere Toleranz auf- das gilt im übrigen auch für Schienbeine von Brüdern ;-)
Ok, ich bin wohl abgeschweift: ...rein in den Zug also! Mit Horst! Und zwar vorwärts( ist ja keine Fähre, da macht man das ja auch gerne mal Rückwärts) ! Und dann geht es los- wir fahren unter dem Meer durch. Außer das es dunkel draußen ist und wir Druck auf den Ohren haben merken wir aber nichts davon. Und kaum sind wir drin, sind wir auch schon wieder raus. Halbe Stunde, schon ist der Spuk vorbei und wir sind in good old England.
Links,links,links,links...ist das neue Mantra. Mein Mann ist ja schon öfter Linksverkehr gefahren, aber trotzdem ist es am Anfang immer wieder etwas komisch. Da wir aber die nächsten zig Kilometer nur Autobahn fahren hält sich der Angstschweiß in Grenzen,lediglich , dass die langsamen auf einer Mehrspurigen Autobahn auch gaaaaaanz links fahren finde zuerst etwas seltsam- machen aber alle so, dann machen wir auch mit.
Wir kommen gegen halb fünf auf dem Campingplatz an, das Wetter ist : ziemlich gut. Etwas windig, zuerst noch etwas feucht, aber eigentlich viiiel besser als erwartet! Yeah !
Aber Moment mal, hier muss ich ,trotzdem der Tag schon fortgeschritten ist eine neuen Überschrift einbauen:
Speaker´s Corner
Der Platz in Charmouth ist gut gefunden und macht einen drolligen Eindruck: hier läuft alles noch per Hand. Ok, wer will kann WIFI kaufen, aber ansonsten … Jeder Platz und deren Belegung ist auf einer Tafel vermerkt. Da steht dann alles wichtige drauf, Name, An und abreise und Datum. Das Pärchen an dem 80er Jahre Eiche Tresen hat gepflegte 80er Jahre Blusen / Polo Shirts an. Sehr gepflegt, ohne Zweifel, aber halt määächtig Old-School. Alles an diesem Empfang wirkt wie in einem Film, und es ist soooo sympathisch. Bezahlen: natürlich nur cash- gibt es andere Möglichkeiten? Die beiden sind sehr freundlich und haben auch nichts gegen die beiden kleinen Zelte der Kinder einzuwenden, allerdings fragt der Mann erst noch mal lieber seine Frau ( Brav!) Wir bekommen Platz 40 zugewiesen und zwei Kloschlüssel ausgehändigt ( da regt sich bei mir dann aber leise die Angst...wie sieht das Klo aus, wenn der Empfang schon so retro ist ??????) ,sowie einen Zettel mit der Platzbeschreibung ( Farbkopie!!!!!!!! Immerhin)
Wir suchen und finden dann also unseren Platz. Der ist mal wirklich groß und liegt dicht in Richtung Strand und wenn wir uns etwas recken, können wir sogar eine Ecke Meer sehen. ( und auch eine Ecke mehr sehen natürlich, aber das ist ja immer so wenn man sich groß macht)...und er liegt sogar an einer Ecke, oder auf .
Beim „zum Platz fahren“ fällt uns etwas auf , und das hatten wir noch nie – wir sind die einzigen Ausländer! Famos. Ich finde das wirklich witzig, denn wohin wir auch schon gefahren sind- wir waren immer einer von vielen. Irgendwo war immer eine andere Nationalität und bestimmt war auch ein Deutscher dabei. Aber hier : nüscht.
Es stellt sich heraus: die Kombination aus dem Alleinstellungsmerkmalen „ Ausländer“ und „Ecke“ scheint sich hervorragend zu eignen ,wenn man sich gerne Unterhält. Vielleicht wäre es auch egal welcher Nationalität wir angehören und unser prominenter Stellplatz alleine hätte gereicht, aber auf jeden Fall war gleich klar welche Überschrift ich diesem Bericht geben muss: „Speaker´s Corner“ nämlich ! ! „Mittendrin statt nur dabei“ würde allerdings auch gehen, denn das sind wir.
Unsere Kinder sind total angetan- es grüßt uns jeder ( auch wenn man auf dem Platz spazieren geht), und wenn man nicht gegrüßt werden will tut man einfach beschäftigt. Aber ,wenn wir auf unserem Eckplatz sitzen und jemand an uns vorbei geht ( was eigentlich immer der Fall ist ) ist das mindeste was geht ein herzliches „ Morning“ oder „Hello“, meist gefolgt von einem kleinen Bericht wie das Wetter gerade ist, und wie es voraussichtlich Morgen wird, und einer Vorstellung ob derjenige das gut findet oder nicht .
Ich habe mich in diesen mittlerweile zwei Tagen hier auf dem Platz mehr auf Englisch unterhalten als in meinem gesamten Englisch Unterricht in der Schule oder in der Beziehung mit meinem Amerikanischen Ex-Freund . Und sie sind alle nett, richtig nett.
Wobei, so ganz allein unter Engländern stimmt nicht ganz- es gibt hier einen Berliner !!!! Der lebt allerdings schon seit 50 Jahren in England, spricht aber noch ein ganz passables Deutsch- allerdings möchte er, dass wir unser Englisch verbessern und so sprechen wir entweder Englisch oder ein lustiges Mischmasch, welches bestimmt den ein oder anderen Einheimischen verwirrt.
Im übrigen sind bei weitem nicht die ersten Deutschen auf diesem Campingplatz,neeeeeee, letztes Jahr ,so erzählte uns unser Berliner-Jung, gab es doch tatsächlich schon mal einen (!) hier, der kam aus Köln. Und wo er gestanden hat, wusste er auch noch ganz genau zu erzählen. Wir können also keine Fahne hissen- die erst-Entdeckung fand bereits letztes Jahr statt :-(
Die Nacht verlief ruhig, brachte aber noch eine Erkenntnis zu Tage, die ich mir nicht hätte träumen lassen : Die campenden Engländer ( Schublade auf) scheinen auf illuminierte Wohnmobile/ Wohnwagen zu stehen ( Schublade zu) . Ich musste gegen 24 Uhr nämlich noch mal aufs Örtchen und war schier überwältigt welch farbenfroher Anblick sich mir bot. Angefangen bei beleuchteten Eiszapfen, die an einem Wohnmobil hingen, über mehrere bunt blinkende Lichterketten, und einem vier Meter hohem Windspiel welches mit vielen roten und blauen Lichtern versehen war , war alles dabei. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Aber es sieht sehr fröhlich aus. Und außerdem ist der Weg zum Klo dann auch nicht so dunkel.
Die Nacht endet dann jäh um halb sieben. Die Kinder unterhielten sich. Jeder in seinem Zelt liegend. Und nein, die Zelte stehen nicht nebeneinander ….
Immerhin: die Kröte hat seine erste Nacht im Zelt gut überstanden und es werden sicherlich weitere Folgen. Vielleicht auch im Winter- er fand es nämlich total doof, dass es nicht so dunkel war, dass er seine Taschenlampe anmachen konnte....
Tag Drei: Fussel hunting ( wie unsere Kröte es nennt) (oder auch Fossil-Hunting wie es unter nicht Eingeweihten heißt)
Für heute hatten wir uns vorgenommen nach Lyme Regis zu gehen. Und natürlich nach Fossilien zu suchen, denn die soll es hier an der Jurassic Coast ja zu Hauf geben. Und so marschierten wir direkt nach dem Frühstück los. Low tide ist hier momentan um 12.30, und so zog sich nach dem Frühstück langsam das Wasser zurück und gab den Strand frei, zumindest an den meisten Stellen. An allen anderen Stellen lagen Steine, Steine und nochmals Steine.Und irgendwo in den Steinen sollen die Fussilien sein- aber man weiß halt nicht in welchem. So ein wenig wie beim Ü-Ei, nur das man hier dann halt auch mal erst im 70ten Ei den Schlumpf findet, oder halt den Ammoniten- ist halt „Luck“ wie unser englischer Berliner so treffend gesagt hat.
Kurzer Wetterbericht : sonnig,sonnig,sonnig. Typisch Englische Wetter halt .
Ehe wir los gewandert sind wurde aber erst das kleine Fossilien Museum vor Ort besucht. Eintritt frei, aber eine Donation wird gerne genommen. Es ist wirklich schön gemacht und wir können uns noch ein paar Anregungen und Ideen holen wie wir am besten suchen können. Nach dem Besuch schwärmt der große Chef schon davon einen ganzen Dinosaurier zu finden, man muss halt nur richtig suchen. Ich hoffe er findet keinen, denn sonst würde der Rucksack ,den wir mit genommen haben, bestimmt nicht reichen, außer es ist ein ganz kleiner Dino- die soll es ja auch gegeben haben.
Der Weg nach Lyme Regis zieht sich. Zumal es sich auf den Steinen recht mies laufen lässt aber die Kinder haben Spaß und nölen fast gar nicht rum. Und wir finden sogar was ! Ein paar kleine Ammoniten und Donnerkeile wandern in unsere Taschen und ca. fünfzig Kilo von Steinen die „bestimmt etwas sind“, wir wissen aber halt noch nicht was- sehen aber toll aus. Und wenns halt nichts ist, dann bauen wir einen kleine Schuppen draus.
So wandern wir und kommen tatsächlich auch an.
Was für ein wundervolles Dörfchen. So unglaublich malerisch und typisch englisch , dass man fast meint dass es so was eigentlich gar nicht gibt, das muss Kulisse sein... Ist es aber nicht. Die kleinen verschnörkelten bunten Häuschen strahlen in der Sonne und die Menschen flanieren am Strand, dazu steht ein Straßenmusiker an der Ecke und spielt auf seiner Gitarre. Boah. Hätte ich nicht schon wieder einen Sonnenbrand- ich könnte Stunden am Strand sitzen und den Menschen zu sehen und Eis essen.
Dann wandern wir vom Strand aus in das innere der Szenerie, zu dieser unglaublich schönen Strandpromenade kommen kleine Gässchen mit Geschäften in den ich Monate lang verloren gehen könnte - klappt aber nicht , hab ja Mann und Kinder dabei.
Apropos Mann: Möwen gibt es hier ja sehr viele ( wenn ich jetzt an dieser Stelle einfach einen Punkt setze fänd ich das lustig.....alle würden mit vielen Fragezeichen im Gesicht zurück bleiben und sich für immer fragen“ was hat der Mann mit den Möwen in Lyme Regis zu tun? ) ( Mach ich jetzt auch einfach.) .
Wir bummeln dann eine Zeit lang rum und beschließen dann mit dem Bus zurück nach Charmouth zu fahren. Der Preis ist recht stattlich : 3,50 P für Erwachsene und 2,5o P für Kinder. Aber es ist heiß und spät und wir wollen zurück.
Na gut, ich erzähle doch noch von der Möwe.
Apropos Mann: Möwen gibt es hier ja sehr viele, und sie sind, wie oft in solchen Küstenstädtchen seeeehr penetrant. Und haben keine Manieren. Wir stehen also vor einem dieser pittoresken Lädchen und gucken, da kackt so ein Vieh meinem Mann aber Iowas von gekonnt in den Nacken, dass nicht nur seine Haare angeschissen waren, sondern der stattliche Rest geschickt zwischen Hals und Kragen rutscht. Das macht natürlich ein einfaches Säubern nicht gerade leicht. Hinzu kommt, dass mein Gatte mich ja um einiges überragt, so dass ich von unten das Ausmaß gar nicht erfassen konnte. Ich putze also mehr oder weniger fröhlich vor mich hin, ehe ich bemerke, dass ich , aufgrund der beschissenen Lage, nur den (wenig passendes Bild, aber mir fällt so schnell kein besseres ein)Gipfel des Eisbergs von unten erkennen konnte und das ganze Dilemma eher noch verschlimmerte, weil ich zwar flott von oben putze, aber dadurch das Gros eher weiter nach unten schob...... Aber er hat es überlebt und wir haben ja einen Schlüssel zu den Duschen.
Wieder bei Horst zeigen wir unserem Berliner, der auch Fossilien Unter ist unsere Funde und er stellt fest, dass wir uns ein kleines Gartenhaus bauen können und packt dann seine Funde aus...tze....Angeber.... aber mal im Ernst: der hat es drauf. Riesige Dinger sind das. Respekt. Aber wie er schon sagte ist halt Luck....oder vielleicht doch nicht nur ;-)

Fortsetzung folgt....



