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Reisebericht Südengland - Jurassic coast - Cornwall -London


NuggetG am 01 Jul 2017 16:49:54

Tag 1

Morgens früh um sieben ist die Welt noch in Ordnung, heißt es - blöd nur, dass wir schon um sechs aufgestanden sind. Früh aufstehen ist ja nicht so meins, aber da wir heute entspannt bis nach Calais fahren wollen, macht es natürlich Sinn.
Wir kochen also Kaffee und packen den letzten Rest in Horst und dann geht’s los- um sieben, da ist dann ja wieder alles in Ordnung.

Während unseres Kroatien Urlaubs zu Ostern hatten wir ja mächtig Glück mit dem Wetter, diesmal scheint der Wettergott gerade seine Augen anderweitig zu benutzen, denn kaum hatte Horsti einen warmen Motor fängt es auch schon an von oben Nass zu werden. Aber man kann auch auch nicht immer Glück haben. Und außerdem können sich jetzt endlich alle ein Fass aufmachen, die sich mit den platten Hand vor die Stirn gekloppt haben, als wir unser Urlaubs-Sommer-Ziel verkündet haben ( wer bitte schön fährt denn freiwillig nach England...da regnet es doch sowieso und überhaupt die ganze Zeit...manmanman)

Vom Regen mal angesehen war das einzig spektakuläre an der Fahrt, dass sie komplett unspektakulär war.
Kein Stau, kein Verfahren, keine Panne, die Kinder haben wir unterwegs auch nicht verloren ...( ich hatte an dieser Stelle kurz „leider“ stehen, aber das dann aber wieder gelöscht - das gehört sich ja nicht ;-) )


Unser Ziel für den ersten Tag haben wir schon gegen 14.30 erreicht- das war natürlich wirklich super.

Die Kröte und der Heini haben auch gleich ein Protest-Plakat malen wollen, als sie erfahren haben, dass sie heute Nacht NICHT im Zelt schlafen dürfen. Ach ja, eine unfassbare Neuerung gibt es noch anzumerken: die Kröte hat jetzt auch ein Zelt! Nach diversen „ ich will aber auch in Zelt schlafen“ Diskussionen, haben wir ein zweites ein-Mann Zelt besorgt in den fortan nun unsere Kröte schlafen soll. ( Was zu folge hätte, das der große Chef und ich ALLEINE im Horst wären...das gab es noch nie ….- aber vielleicht bekommt das baldige Schulkind ja doch kalte Füße und schläft doch lieber im warmen Horst ( cooles Wortspiel mal wieder ;-))
Heute Abend werden Sie jedoch zusammen bei uns schlafen, es regnet ja wie bereits erwähnt und da wir morgen früh gleich wieder anreisen lohnt sich das nicht.

Tag zwei

Ab durch den Tunnel.

Wir sind ein bisschen aufgeregt - heute fahren wir durch den Ärmelkanal. Die klassische Route: Calais-Folkshore, allerdings unter durch und nicht oben drüber!!!! ( Wer von unseren letzten Reisen gelesen hat wird wissen warum ;-) )

Wir fragen uns wie das wohl ablaufen wird. Natürlich haben wir uns im Internet informiert, aber so richtig vorstellen können wir es uns nicht.
Wie eigentlich immer sind wir viel zu früh da. Selbstverständlich haben wir den Zettel der zu unserem Ticket gehört gelesen „ Bitte kommen Sie nicht eher als zwei Stunden vor der Abfahrt“ ...aber bitte.... das schaffen wir ja sogar fast. Ein wenig zu eilig hatten wir es dann aber doch , allerdings war das gar nicht schlimm,denn wir können somit sogar einen Zug früher nehmen, das ist natürlich ziemlich lässig und stört uns nicht.
Bei der Pass Kontrolle, werden zum ersten Mal ( und wir haben in zwischen ja so einige hinter uns) unsere Kinder begutachtet. Das verwirrt diese dann auch so gleich. „ Heini, kannst Du mal nach vorne kommen?“ „ ????? Wieso ????? „ (Kind kommt mit dem Kopf nach vorne und guckt sehr fragend) „Muss ich jetzt auch was sagen ???????“ „ Ne, nur gucken!“ Die Kröte träumt so vor sich hin und bekommt nichts mit. Dementsprechend erfolgt eine ähnliche Ansprache nochmal, nur mit dem Zusatz „ Wenn du aufstehen willst , müsstest du dich vorher abschnallen, sonst wird das eng....“

Der Mensch am Schalter war aber sehr geduldig und so kamen wir irgendwann auf das weitläufige Gelände. MIT Duty free! Wir haben aber nichts gekauft. Wir kaufen ja fast nie etwas im Duty free. Obwohl ich glaube, dass gerade Parfum da deutlich günstiger ist, aber ich GLAUBE es halt nur, ich WEIß es nicht. Und ich kann ja da auch immer schlecht Preise vergleichen...obwohl, dies mal hätte ich es ja gekonnt...ich war ja mal ausnahmsweise nicht damit beschäftigt nach lustigen kleinen Tütchen oder Mülleimern Ausschau zu halten. ...wir haben ja noch eine Rückfahrt :-)

Aber gut. Jetzt wollten wir endlich rein- an in den Zug.

Die Kröte war besorgt: ist da WIRKLICH das Meer über uns.
Was ist wenn eine Bombe explodiert, wie groß ist so eine Bombe überhaupt und wie sieht sie aus?
Und das finde ich, bei aller Komik mit der wir unseren Alltag versuchen zu meistern echt traurig. Unser Kind- so spielerisch und witzig und kindlich er das auch gesagt hat- wächst im Bewusstsein auf, dass immer und überall, besonders aber an Plätzen an denen viele Menschen reisen oder sich ansammeln Bomben explodieren können. Und uns als Eltern bleibt nichts ,als der Versuch zu erklären was wir selber kaum verstehen und unsere Kinder zu Menschen zu erziehen die mit offenen Augen und Toleranz im Herzen durch die Welt gehen und zu hoffen, dass die Kröte und der Heini,obwohl der Terror in unsere Welt ist, trotzdem verinnerlichen, dass das nicht das Werk einer ganzen Religion ist, sondern von bekloppten Menschen die unsere Werte nicht teilen. Denn wo Gewalt anfängt, hört unsere Toleranz auf- das gilt im übrigen auch für Schienbeine von Brüdern ;-)

Ok, ich bin wohl abgeschweift: ...rein in den Zug also! Mit Horst! Und zwar vorwärts( ist ja keine Fähre, da macht man das ja auch gerne mal Rückwärts) ! Und dann geht es los- wir fahren unter dem Meer durch. Außer das es dunkel draußen ist und wir Druck auf den Ohren haben merken wir aber nichts davon. Und kaum sind wir drin, sind wir auch schon wieder raus. Halbe Stunde, schon ist der Spuk vorbei und wir sind in good old England.

Links,links,links,links...ist das neue Mantra. Mein Mann ist ja schon öfter Linksverkehr gefahren, aber trotzdem ist es am Anfang immer wieder etwas komisch. Da wir aber die nächsten zig Kilometer nur Autobahn fahren hält sich der Angstschweiß in Grenzen,lediglich , dass die langsamen auf einer Mehrspurigen Autobahn auch gaaaaaanz links fahren finde zuerst etwas seltsam- machen aber alle so, dann machen wir auch mit.

Wir kommen gegen halb fünf auf dem Campingplatz an, das Wetter ist : ziemlich gut. Etwas windig, zuerst noch etwas feucht, aber eigentlich viiiel besser als erwartet! Yeah !

Aber Moment mal, hier muss ich ,trotzdem der Tag schon fortgeschritten ist eine neuen Überschrift einbauen:





Speaker´s Corner


Der Platz in Charmouth ist gut gefunden und macht einen drolligen Eindruck: hier läuft alles noch per Hand. Ok, wer will kann WIFI kaufen, aber ansonsten … Jeder Platz und deren Belegung ist auf einer Tafel vermerkt. Da steht dann alles wichtige drauf, Name, An und abreise und Datum. Das Pärchen an dem 80er Jahre Eiche Tresen hat gepflegte 80er Jahre Blusen / Polo Shirts an. Sehr gepflegt, ohne Zweifel, aber halt määächtig Old-School. Alles an diesem Empfang wirkt wie in einem Film, und es ist soooo sympathisch. Bezahlen: natürlich nur cash- gibt es andere Möglichkeiten? Die beiden sind sehr freundlich und haben auch nichts gegen die beiden kleinen Zelte der Kinder einzuwenden, allerdings fragt der Mann erst noch mal lieber seine Frau ( Brav!) Wir bekommen Platz 40 zugewiesen und zwei Kloschlüssel ausgehändigt ( da regt sich bei mir dann aber leise die Angst...wie sieht das Klo aus, wenn der Empfang schon so retro ist ??????) ,sowie einen Zettel mit der Platzbeschreibung ( Farbkopie!!!!!!!! Immerhin)

Wir suchen und finden dann also unseren Platz. Der ist mal wirklich groß und liegt dicht in Richtung Strand und wenn wir uns etwas recken, können wir sogar eine Ecke Meer sehen. ( und auch eine Ecke mehr sehen natürlich, aber das ist ja immer so wenn man sich groß macht)...und er liegt sogar an einer Ecke, oder auf .
Beim „zum Platz fahren“ fällt uns etwas auf , und das hatten wir noch nie – wir sind die einzigen Ausländer! Famos. Ich finde das wirklich witzig, denn wohin wir auch schon gefahren sind- wir waren immer einer von vielen. Irgendwo war immer eine andere Nationalität und bestimmt war auch ein Deutscher dabei. Aber hier : nüscht.
Es stellt sich heraus: die Kombination aus dem Alleinstellungsmerkmalen „ Ausländer“ und „Ecke“ scheint sich hervorragend zu eignen ,wenn man sich gerne Unterhält. Vielleicht wäre es auch egal welcher Nationalität wir angehören und unser prominenter Stellplatz alleine hätte gereicht, aber auf jeden Fall war gleich klar welche Überschrift ich diesem Bericht geben muss: „Speaker´s Corner“ nämlich ! ! „Mittendrin statt nur dabei“ würde allerdings auch gehen, denn das sind wir.
Unsere Kinder sind total angetan- es grüßt uns jeder ( auch wenn man auf dem Platz spazieren geht), und wenn man nicht gegrüßt werden will tut man einfach beschäftigt. Aber ,wenn wir auf unserem Eckplatz sitzen und jemand an uns vorbei geht ( was eigentlich immer der Fall ist ) ist das mindeste was geht ein herzliches „ Morning“ oder „Hello“, meist gefolgt von einem kleinen Bericht wie das Wetter gerade ist, und wie es voraussichtlich Morgen wird, und einer Vorstellung ob derjenige das gut findet oder nicht .
Ich habe mich in diesen mittlerweile zwei Tagen hier auf dem Platz mehr auf Englisch unterhalten als in meinem gesamten Englisch Unterricht in der Schule oder in der Beziehung mit meinem Amerikanischen Ex-Freund . Und sie sind alle nett, richtig nett.
Wobei, so ganz allein unter Engländern stimmt nicht ganz- es gibt hier einen Berliner !!!! Der lebt allerdings schon seit 50 Jahren in England, spricht aber noch ein ganz passables Deutsch- allerdings möchte er, dass wir unser Englisch verbessern und so sprechen wir entweder Englisch oder ein lustiges Mischmasch, welches bestimmt den ein oder anderen Einheimischen verwirrt.
Im übrigen sind bei weitem nicht die ersten Deutschen auf diesem Campingplatz,neeeeeee, letztes Jahr ,so erzählte uns unser Berliner-Jung, gab es doch tatsächlich schon mal einen (!) hier, der kam aus Köln. Und wo er gestanden hat, wusste er auch noch ganz genau zu erzählen. Wir können also keine Fahne hissen- die erst-Entdeckung fand bereits letztes Jahr statt :-(

Die Nacht verlief ruhig, brachte aber noch eine Erkenntnis zu Tage, die ich mir nicht hätte träumen lassen : Die campenden Engländer ( Schublade auf) scheinen auf illuminierte Wohnmobile/ Wohnwagen zu stehen ( Schublade zu) . Ich musste gegen 24 Uhr nämlich noch mal aufs Örtchen und war schier überwältigt welch farbenfroher Anblick sich mir bot. Angefangen bei beleuchteten Eiszapfen, die an einem Wohnmobil hingen, über mehrere bunt blinkende Lichterketten, und einem vier Meter hohem Windspiel welches mit vielen roten und blauen Lichtern versehen war , war alles dabei. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Aber es sieht sehr fröhlich aus. Und außerdem ist der Weg zum Klo dann auch nicht so dunkel.

Die Nacht endet dann jäh um halb sieben. Die Kinder unterhielten sich. Jeder in seinem Zelt liegend. Und nein, die Zelte stehen nicht nebeneinander ….
Immerhin: die Kröte hat seine erste Nacht im Zelt gut überstanden und es werden sicherlich weitere Folgen. Vielleicht auch im Winter- er fand es nämlich total doof, dass es nicht so dunkel war, dass er seine Taschenlampe anmachen konnte....

Tag Drei: Fussel hunting ( wie unsere Kröte es nennt) (oder auch Fossil-Hunting wie es unter nicht Eingeweihten heißt)

Für heute hatten wir uns vorgenommen nach Lyme Regis zu gehen. Und natürlich nach Fossilien zu suchen, denn die soll es hier an der Jurassic Coast ja zu Hauf geben. Und so marschierten wir direkt nach dem Frühstück los. Low tide ist hier momentan um 12.30, und so zog sich nach dem Frühstück langsam das Wasser zurück und gab den Strand frei, zumindest an den meisten Stellen. An allen anderen Stellen lagen Steine, Steine und nochmals Steine.Und irgendwo in den Steinen sollen die Fussilien sein- aber man weiß halt nicht in welchem. So ein wenig wie beim Ü-Ei, nur das man hier dann halt auch mal erst im 70ten Ei den Schlumpf findet, oder halt den Ammoniten- ist halt „Luck“ wie unser englischer Berliner so treffend gesagt hat.

Kurzer Wetterbericht : sonnig,sonnig,sonnig. Typisch Englische Wetter halt .

Ehe wir los gewandert sind wurde aber erst das kleine Fossilien Museum vor Ort besucht. Eintritt frei, aber eine Donation wird gerne genommen. Es ist wirklich schön gemacht und wir können uns noch ein paar Anregungen und Ideen holen wie wir am besten suchen können. Nach dem Besuch schwärmt der große Chef schon davon einen ganzen Dinosaurier zu finden, man muss halt nur richtig suchen. Ich hoffe er findet keinen, denn sonst würde der Rucksack ,den wir mit genommen haben, bestimmt nicht reichen, außer es ist ein ganz kleiner Dino- die soll es ja auch gegeben haben.

Der Weg nach Lyme Regis zieht sich. Zumal es sich auf den Steinen recht mies laufen lässt aber die Kinder haben Spaß und nölen fast gar nicht rum. Und wir finden sogar was ! Ein paar kleine Ammoniten und Donnerkeile wandern in unsere Taschen und ca. fünfzig Kilo von Steinen die „bestimmt etwas sind“, wir wissen aber halt noch nicht was- sehen aber toll aus. Und wenns halt nichts ist, dann bauen wir einen kleine Schuppen draus.

So wandern wir und kommen tatsächlich auch an.

Was für ein wundervolles Dörfchen. So unglaublich malerisch und typisch englisch , dass man fast meint dass es so was eigentlich gar nicht gibt, das muss Kulisse sein... Ist es aber nicht. Die kleinen verschnörkelten bunten Häuschen strahlen in der Sonne und die Menschen flanieren am Strand, dazu steht ein Straßenmusiker an der Ecke und spielt auf seiner Gitarre. Boah. Hätte ich nicht schon wieder einen Sonnenbrand- ich könnte Stunden am Strand sitzen und den Menschen zu sehen und Eis essen.
Dann wandern wir vom Strand aus in das innere der Szenerie, zu dieser unglaublich schönen Strandpromenade kommen kleine Gässchen mit Geschäften in den ich Monate lang verloren gehen könnte - klappt aber nicht , hab ja Mann und Kinder dabei.
Apropos Mann: Möwen gibt es hier ja sehr viele ( wenn ich jetzt an dieser Stelle einfach einen Punkt setze fänd ich das lustig.....alle würden mit vielen Fragezeichen im Gesicht zurück bleiben und sich für immer fragen“ was hat der Mann mit den Möwen in Lyme Regis zu tun? ) ( Mach ich jetzt auch einfach.) .
Wir bummeln dann eine Zeit lang rum und beschließen dann mit dem Bus zurück nach Charmouth zu fahren. Der Preis ist recht stattlich : 3,50 P für Erwachsene und 2,5o P für Kinder. Aber es ist heiß und spät und wir wollen zurück.
Na gut, ich erzähle doch noch von der Möwe.
Apropos Mann: Möwen gibt es hier ja sehr viele, und sie sind, wie oft in solchen Küstenstädtchen seeeehr penetrant. Und haben keine Manieren. Wir stehen also vor einem dieser pittoresken Lädchen und gucken, da kackt so ein Vieh meinem Mann aber Iowas von gekonnt in den Nacken, dass nicht nur seine Haare angeschissen waren, sondern der stattliche Rest geschickt zwischen Hals und Kragen rutscht. Das macht natürlich ein einfaches Säubern nicht gerade leicht. Hinzu kommt, dass mein Gatte mich ja um einiges überragt, so dass ich von unten das Ausmaß gar nicht erfassen konnte. Ich putze also mehr oder weniger fröhlich vor mich hin, ehe ich bemerke, dass ich , aufgrund der beschissenen Lage, nur den (wenig passendes Bild, aber mir fällt so schnell kein besseres ein)Gipfel des Eisbergs von unten erkennen konnte und das ganze Dilemma eher noch verschlimmerte, weil ich zwar flott von oben putze, aber dadurch das Gros eher weiter nach unten schob...... Aber er hat es überlebt und wir haben ja einen Schlüssel zu den Duschen.

Wieder bei Horst zeigen wir unserem Berliner, der auch Fossilien Unter ist unsere Funde und er stellt fest, dass wir uns ein kleines Gartenhaus bauen können und packt dann seine Funde aus...tze....Angeber.... aber mal im Ernst: der hat es drauf. Riesige Dinger sind das. Respekt. Aber wie er schon sagte ist halt Luck....oder vielleicht doch nicht nur ;-)



Fortsetzung folgt....

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NuggetG am 02 Jul 2017 18:19:35

Der vierte Tag

Der Tag startete erst einmal freundlich, aber früh, vielleicht hätten wir nicht sparen sollen, und für das Kind das Zelt kaufen sollen, in dem es immer dunkel ist, das hätte uns SICHER einige Stunden mehr Schlaf beschert..das war wohl am falschen Ende gespart – mist. So werden wir jetzt von den Gesängen und Monologen eines 6Jährigen geweckt, der sich der Kräftigkeit seiner jungen Stimme nicht bewusst ist.
Natürlich ist es einerseits wunderbar ,wenn man ein fröhliches Kind hat, das voller Enthusiasmus in den Tag startet, anderseits ist es einfach unglaublich früh. Da hat eine Überdosis Fröhlichkeit bei mir einfach fatale folgen....die Dosis macht das Gift- und eine feine Dosierung hat unsere Kröte nur drauf, wenn es um Ordnung um Sauberkeit geht, nicht aber bei Lautstärke und Empathie.

Da mir am Morgen diese Überdosis deutlich auf die Nerven geschlagen ist, bleibe ich mit dem Heini hier im Lager. Der Chef und die kleine Nervensäge gehen auf eine Wanderung.
Daher kann ich von diesem Erlebnis nur aus zweiter Hand berichten. Es gab riesige wilde Tiere zu sehen ( Kühe) ,die auf einem nicht zu verachtend hohen Berg wilde Laute von sich gegeben haben ( muuuh) . Auf dem Gipfel angekommen wurde ein Geocache gehoben, der fies in wildem und unwegsamen Gelände verborgen gelegen hat ( Brombeersträucher), danach war es unbedingt nötig die Wunden die sie sich geholt haben oral zu kühlen ( Eiscreme)( Die es da oben im übrigen in eigenartigen Sorten gab - z.B. Blaubeere/Bohne, leider war ich ja nicht da um mutig zu testen, und die Männer hatten ihren Mut ja schon beim Aufstieg verbraucht)

Der Heini und ich hatten hier aber auch Kämpfe zu fechten....Ich sag nur „Spanische Verben“ Olé
Wer jetzt den höheren Gipfel bei der jeweiligen Tätigkeit erklommen hat....da kann jeder seine eigene Meinung bilden....

Der Rest des Tages ging im Regen unter.
Immerhin kann ich noch berichten, dass wir, unabhängig von der unterschiedlichen Nationalität, noch eine exotische Ausnahme bilden : Wir haben keinen Hund. Ernsthaft ich glaube JEDER hier auf dem Platz hat mindestens einen Hund! Ich finde das toll, ich liebe Hunde. Jetzt stell man sich aber meine Freundin Claudia vor- die hat panische Angst vor Hunden...na bravo. Entweder sie würde ,so Konfrontationstherapie mäßig , vollkommen geheilt und mit einem Rottweiler an der Leine vom Platz tanzen, oder den Urlaub absolut isoliert im Bus verbringen und das an Wasser ausschwitzen, was momentan ,mengenmäßig, auf unser Dach prasselt.
England ist nur was für Hundeleute.

...und Entenleute ( wobei ich nicht sicher bin, ob es das Wort gibt) . Wir haben hier ebenso viele Enten wie Hunde auf dem Grün. Die sind wirklich drollig die Kinder geben ihnen Namen und schwören, dass sie sie auseinander halten können.Ich als Frau sehe immer nur ein Entenweibchen und viel zu viele Männer,die der armen immer hinterher laufen. Ich hoffe inständig, es sind ihre Kinder.
Die Hunde und die Enten leben im übrigen in friedlicher Co-Existenz, kein Krieg ,kein hinterher Gelaufe, oder Gebelle, und das obwohl, rein rassetechnisch wirklich viele Jagdhunde dabei sind.

Viele Terrier, Dackel , Bassets ( DIE finde ich echt sehr niedlich) und Spaniel, nur unser neuer Nachbar schlägt aus der Art, allerdings kommt der auch LONDON und sagt er hat den Hund zum Schutz- es ist ein Dobermann. Da wir ja auch noch nach London wollen hatte ich ihm vorgeschlagen , dass wir ihn uns ausleihen- aber er wollte nicht. Netter Kerl im übrigen ( klein, stämmig mit vielen Goldkettchen und Ringen und natürlich Glatze). Vor zwei Jahren hat er seine Frau inflagranti mit einem anderem Kerl im Bett erwischt und den beiden ordentlich was auf die Glocke gegeben- das er danach ordentlich Ärger bekommen hat findet er heute noch unfassbar ungerecht. Aber ganz ohne Witz, er ist wirklich nett. Hat mit seinem Wohnmobil schon fast ganz Europa bereist und ohne Wohnmobil den halben Rest der Welt. Nette Menschen hier.

Menschen ,die ihre ganz eigene Art haben mit dem Sau Wetter umzugehen, das uns hier seit zwei Tagen begleitet. Ist das Wetter schön, freuen sich alle und man philosophiert über das Wetter von heute, und von morgen und alles ist lovely- ist das Wetter so wie jetzt ( einfach scheiße, um es mal deutlich auf Deutsch zu sagen) , dann werden einfach die guten Seiten gesucht. So hörte ich Z.b. heute morgen auf in der Dusche „ naja, es ist immerhin gut für den Rasen“ und später dann „ gut für die Enten“ (darauf musste ich allerdings einwerfen, dass ich „halt keine Ente sei“ … ) Dieses „gut für die Enten habe ich heute ein paar mal gehört, es scheint fast ein geflügeltes Wort zu sein ( Achtung – Wortwitz), wenn dem so ist befürchte ich , dass das Wetter hier öfter „ gut für die Enten ist „- vermutlich gibt es deswegen so viele hier ...( das erklärt allerdings nicht die vielen Hunde)




Fortsetzung folgt....

oder auf [url]luetkemeier.jimdo.com[/url]

HUGOSTRATZ am 03 Jul 2017 08:23:35

Das fängt doch schon mal sehr vielversprechend an!

Bin gespannt, wie es weitergeht^^

G.H.

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NuggetG am 03 Jul 2017 22:57:36

Tag fünf.
Es gibt so gut wie nichts zu berichten - es regnet. In einer kurzen Regenpause gehen die Männer zum Strand und jagen, recht erfolgreich, noch ein paar Fossilien. Dann regnet es weiter. Jeder kann sich ausmalen wie die Stimmung mit zwei Kindern und zwei Erwachsenen in einem Ford Nugget ist, nachdem es fast zwei Tage ununterbrochen regnet.
Immerhin : wir sind noch vollzählig, das finde ich schon eine immense Leistung.
In einer weiteren Regenpause gehen wir in den Ort einkaufen. Der Charme dieser kleinen Orte hier hat eine echte Wirkung auf mich. Diese alten Häuschen, zum großen Teil 500 Jahre alt , nehmen mich sofort gefangen und ich stelle mir unwillkürlich vor hier zu leben. Es sieht alles so ...englisch aus. Als ich am örtlichen Pub vorbei gehe könnte ich wetten, dass sich gerade Barnaby und Miss Marple zu prosten ,um sich dann übers Wetter und Hunde zu unterhalten.
Überall blühen üppig die Blumen in den Vorgärten und Schulkinder in Uniform steigen aus dem Bus aus um nach Hause zu gehen. Love it.

So geht der Tag langsam zu ende. Die Kröte schläft heute in Horst, es ist einfach zu feucht da draußen. Der große lässt sich aber nicht bequatschen und schläft im Zelt- hoffentlich bleibt er trocken.

Tag sechs, Aufbruch nach Eden

Für heute stand ein Stellplatzwechsel an, wir wussten zwar noch nicht wohin, aber der Plan sagte eindeutig : Eden Projekt angucken! Also packten wir am morgen die nassen Zelte zusammen und stellten fest : ein neues Zelt unterscheidet sich in erstaunlicher Weise von einem Zelt, dass schon ein paar Regenschauer auf dem Buckel hat. Die neue „Kammer des Schreckens“, wie ich die Zelte der Jungs ab heute nennen werde, nachdem ich sie heute ausgeräumt hatte, musste nur kurz abgeschüttelt werden, schon war sie einigermaßen trocken. Die alte Rattenhöhle hingegen, war voll gesaugt wie ein Schwamm. Ich denke zu hause wird eine Ladung Imprägnierung fällig.

Nachdem wir alles gepackt hatten sind die kleinen Männer noch kurz bei unserem Bengländer vorbei. Die Freude war nicht zu toppen, als die beiden mit jeweils einem stattlichen Stück Ammonit wieder gekommen sind. Danke Bernard!

Die Fahrt zum Eden Projekt verlief wieder reibungslos ( von den Reibungen auf der Rücksitzbank mal abgesehen) Dank Navi und Ausschilderung war auch alles zu finden. Auf der Fahrt googelte ich nach einem Campingplatz und rief dort an, um zu fragen, ob wir für einen Nacht bleiben können. Jippi- klappt. Wir hatten eigentlich geplant einen Brit-Stop zu machen, aber da wir ja nur ein Not-Klo im Horst haben,und die Kinder ja nicht im Pubs dürfen war uns ein Campingplatz mit allen Vorzügen dann doch sicherer.

Das Eden Dings ist wirklich eine Reise wert, zumindest ,wenn man in der Nähe ist. Für Teenager, die Botanisch keinerlei Interesse verspüren nur bedingt geeignet „ Zu voll, überall Menschen und alles ist grün, und dann noch die Wärme, und überhaupt .“

Es gibt mehrere Gewächshäuser, davon ein Regenwaldhaus und ein Mediterranes, beide sehr liebevoll und aufwändig gepflegt.
Es gibt viel zu essen und wir müssen zu geben, so richtig lecker waren die Burritos und der Rest nicht wirklich. Entweder es schmeckte nach nichts oder scharf, aber das Ambiente stimmt und Essen ist ja Geschmackssache . Danach noch einen Kaffee Latte und der war wirklich total lecker !

Wir haben uns bei weitem nicht alles angesehen, und sicher hätten wir noch stundenlang alles erkunden können, der Tag war aber schon Fortgeschritten und wir wollten noch unbedingt zur Sky-Wire. Also, eigentlich wollte nur ich, aber ich wollte unbedingt. Die Kröte hätte sich auch an dem Kabel in die Tiefe gestürzt, aber es gab eine Altersbeschränkung, daher musste er leider unten bleiben.
Für alle die keine Ahnung haben was ich da gemacht habe: man geht auf einen hohen Berg, oder Turm, oder was auch immer,aber hoch muss es halt sein- dann wird man in ein Gurtzeug gepackt, Helm auf und ab geht die Luzie, aufgehängt an einer Rolle, den Berg runter, Kopf voran.
Die größte Herausforderung war der Mann der uns eingewiesen hat...meine Güte hat der schnell gesprochen...dann noch ein Witzchen eingebaut, eine kleine Frage hier einen Sicherheitshinweis da..und ich saß da und dachte die ganze Zeit „ Hoffentlich entgeht mir nichts wichtiges“ Dicht gefolgt von einem panischen „ Nicht denken, zuhören, sonst rast vielleicht mein Helm alleine in die Tiefe“ Immerhin, ich habe brav an den gleichen Stellen gelacht wie die Einheimischen und ernst geguckt, als alle anderen auch Ernst geguckt haben. Der letzte Eindruck zählt.
Ich denke ich habe ihn auch ca. 6 mal gefragt, ob er denn wirklich daran denkt meine Kamera einzuschalten , sollte ich abstürzen könnte man danach wenigsten sagen:“ Boah, hätte die im Englisch Unterricht besser aufgepasst, könnte sie jetzt noch leben“

Die Fahrt war dann auch wirklich toll, müsst ihr machen! Kostet 25 Pfund, plus 5 für die Handykamera Halterung.

Das Eden Dings ist wirklich eine Reise wert, zumindest ,wenn man in der Nähe ist. Für Teenager, die Botanisch keinerlei Interesse verspüren nur bedingt geeignet „ Zu voll, überall Menschen und alles ist grün, und dann noch die Wärme, und überhaupt .“
Das Fazit vom Chef und mir fällt deutlich gnädiger aus, und die Kröte ist sowieso recht interessiert an allem. Wären wir allein unterwegs gewesen und gleich morgens , dann hätten wir gut einige Stunden mehr darin verbracht ( bestimmt schon alleine deswegen, weil der Eintritt mit 27,5 Pfund nicht gerade ein Schnäppchen ist . Kinder zahlen 14 Pfund, ab einem Alter von 5)


Nach meinem kleinen Adrenalin Kick, haben wir den Campingplatz für die Nacht angesteuert und auch gut gefunden. Er liegt direkt an der M390 und nennt sich Eden Holiday Park. Was soll ich sagen: wirklich nette, witzige Menschen, scheint recht weit verbreitet zu sein in England.
An der Rezeption kam dann die Überraschung, nachdem wir ja auf dem letzten völlige Exoten waren, standen hier vor uns ein Pärchen aus Holland, und damit nicht genug, nach uns kam ein Paar aus Deutschland rein. Die für zwei Monate durch England, Schottland und Irland touren. Mutige Menschen, denn sie scheinen kaum ein Wort Englisch zu sprechen, das wird bestimmt spannend.

Inzwischen haben wir hier eine „Deutsche-Reihe“ aufgemacht, denn zu uns gesellte sich noch ein Kölner. Ich muss ihn glatt morgen mal fragen, ob er letztes Jahr in Charmouth gewesen ist.

NuggetG am 05 Jul 2017 09:41:23

Tag sieben

Ich muss an dieser Stelle mal eine kleine Lanze für unseren Campingplatz brechen- obwohl wir ja nur einen Nacht waren hätten wir uns durchaus vorstellen können, dort länger zu bleiben. Alleine das Badezimmer ist einen längeren Aufenthalt wert. Jaaa, BADESZIMMER! Denn in den Sanitärgebäude gab es drei Badezimmer. Jedes mit Toilette, Waschbecken und Dusche ausgestattet- ein Träumchen! Es war zwar nicht alles neustes Baujahr, aber gepflegt und sauber. Wobei man wirklich sagen muss, was die Sauberkeit angeht, so waren bislang alle Campingplätze vorbildlich.
„Please mob the shower after you used it“ !

Unser Übernachtungsplatz war im übrigen der „Eden Holiday Park“ , die Leute waren...fast wird es schon langweilig... total lovely. Es gibt immer wieder nette kleine Gespräche und Leute die einem ein Lächeln ins Gesicht bringen Z.B. die nette ältere Lady, die mir heute morgen im Sanitärgebäude entgegen kam- nur mit Bademantel bekleidet. Sie lächelte herzlich aber sah sehr durchgefroren aus, nur in ihrem Mantel mit Badelatschen . Kam rein , sah mich und sagte „ Maybe I should have to dress up first...“ „ But you´re looking lovely“ ( und das meinte ich ehrlich so, denn auf ihrem Dunkelblauen Bademantel waren lauter kleine pink Herzchen) „ Thank you Honey, but it´s a little bit too cold outside“

Nach dem Duschen und dem Frühstücken mussten wir auch schon wieder packen, was ja inzwischen sehr schnell geht und ab ging es nach St. Ives.

Da wir kaum noch Lebensmittel hatten, haben wir auf der Fahrt, die ja ruck zuck geht, nach einem Supermarkt Ausschau gehalten. Bei einem der vielen, vielen, viiiiiielen Kreisel, haben wir dann gleich zwei entdeckt- einen Lidl, und eine M&S Foodhall. Zuerst sind wir zu M&S rein und stellten aber fest, dass es zwar ganz spannende Sachen gibt, aber nicht so ganz das was wir brauchten. Also sind wir noch mal zu Lidl ,um uns mit den Grundnahrungsmitteln zu versorgen ( Cola, Chips, Nudeln) ( naja, nicht nur, aber die waren auch dabei )
Dann ging die Fahrt weiter zum Polmanter Holiday Park. Da in der Buchungsbestätigung ausdrücklich stand, dass man nicht nach Navi fahren soll, haben wir uns daran natürlich gehalten und sind der Ausgedruckten Beschreibung gefolgt. Das klappte sogar erstaunlich gut.

Der Campingplatz hier ist wirklich groß, Er liegt nicht direkt an St. Ives, aber der nette (!) Herr an der Rezeption meinte es sind 20 Minuten, bis nach St.Ives- damit können wir gut leben.
Unser Stellplatz ist wirklich riesig ! Es war etwas schwierig die richtige Position zu finden, damit der Horst einigermaßen grade steht, aber nachdem wir ihn drei mal umgeparkt haben können wir heute Nacht bestimmt ohne Kopfschmerzen schlafen.
Da das Wetter inzwischen zwar nicht mehr ganz so nass ist, aber dafür umso windiger, muss der Heini heute Nacht nochmal neben seinem nervigen kleinen Bruder schlafen- was ordentlich Diskussionen gab...Morgen geht’s dann wieder nach draußen...in die Freiheit.

NuggetG am 08 Jul 2017 21:40:13

So, den restlichen Reisebericht gibt es auf unserer Internetseite. --> Link



NuggetG am 09 Jul 2017 09:06:47

Sorry, der Link war falsch

Hier der korrekte

--> Link

WomoMary am 24 Aug 2017 18:20:05

Hallo NuggetG,
Danke für deinen unterhaltsamen Reisebericht! Ich erinnere mich daran, dass es unter anderem auch dein Bericht war, der mich inspiriert hat, nach Motorsportevents in England zu schauen und schwuppdiwupps.... ist man selbst auf der Insel :) .... --> Link

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