Erfahrungsbericht Solaranlage fürs Wohnmobil
2019 wollte ich für meinen Hymer Exsis I504 (Bj 2014) eine Solaranlage nachrüsten. Ziel:
1) Erhalt der Batterieladung über den Winter
2) Erweiterung der autarken Zeit ohne externen Stromanschluss z.B am Stellplatz: Licht, Handies, Laptop, Fernseher, Alarmanlage und sonstige Bordtechnik, aber nicht Kühlschrank, der läuft mit Gas wenn wir keinen Landstrom haben.
3) Nachladen des Akkus eines E-Bikes
Bin zu meiner Hymerwerkstatt und hab gefragt was sie empfehlen. Der Servicemann empfahl eine Anlage mit 2 Solarmodulen (ich glaube jeweils 100W), MPPT Regler und einer zweiten Aufbaubatterie. Wobei man nicht einfach eine neue Batterie parallelschalten könne, sondern zwei neue gleiche Batterien kaufen sollte. Kosten mit Montage u MwSt komplett ca 3000 EUR. Das war mir zu viel.
Hab viel im Internet gelesen und mich schließlich für eine kleine, aber erweiterbare Anlage entschieden, auch erstmal ohne zweite Aufbaubatterie. Wollte zunächst Erfahrungen sammeln, u.a. sehen ob der nächste Schritt eine zweite Aufbaubatterie oder ein zweites Modul sein sollte.
Gekauft hab ich eine Komplett-Anlage bei Offgridtec, weil die auf meine Fragen sehr kompetent geantwortet haben. Es ist die mPremium mit einem 100W Solarmodul (aus deutscher Produktion), Victron MPPT Solarregler, allen Kabeln, Befestigungsteilen, Kabeldurchführung und dem Klebeset für insgesamt 360 Euro (Stand August 2019).
Für den Einbau hab ich ein Wochenende gebraucht. Hauptaufwand: ich wollte das dicke Solarkabel vom Dach zur Batterie unsichtbar im Seitenholm der Aufbautür verlegen. Hat auch geklappt, aber Ausbau und Einbau des Türrahmens war viel mehr Arbeit als gedacht. Ansonsten ging der Einbau reibungslos nach der Anleitung.
Für die Konfiguration and Anzeige aller Daten und Ladeparameter gibt’s von Victron eine app fürs Smartphone. Ist mir lieber als ein zusätzliches Anzeigemodul im Wohnmobil, bietet mehr Informationen, ua die Ladestatistiken einen Monat zurück.
Erfahrung nach 15 Monaten:
1) Ladungserhaltung über den Winter klappt prima. Früher hab ich das Womo alle 4 Wochen einen Tag an die externe Steckdose angeschlossen, das ist nicht mehr nötig, die Batterie ist praktisch immer voll (fast keine Verbraucher, nur die Alarmanlage läuft durch).
2) Erweiterung der autarken Zeit beim Stehen ohne externen Stromanschluss: klappt prima und bisher unbegrenzt. Der Kühlschrank läuft mit Gas, der normale Verbrauch durch Licht, Handies, Laptop, Fernseher und Bordtechnik wird nachts von der Batterie verkraftet und tagsüber von der Solaranlage wieder aufgefüllt sofern das Wetter nicht wirklich schlecht ist.
3) Aufladen des Akku’s eines Ebikes: hier wird es spannend bei dieser kleinen Anlage. Funktioniert nicht, wenn der Ebike-Akku (Bosch Powertube 500) wirklich leer ist und das Aufladen über Nacht erfolgen soll. Das schafft die Batterie nicht, da wäre also eine zweite Aufbaubatterie nötig.
In der Praxis geht es meistens trotzdem: bei normaler Fahrweise ist nach einer 60-70km Radltour höchstens die Hälfte der Akkukapazität verbraucht; außerdem sind wir meist am Nachmittag zurück, so dass Aufladen (in diesem Fall ca 2,5 Std) noch bei Tageslicht erfolgt und schon teilweise gleichzeitig von der Solaranlage wieder ausgeglichen wird. Die Batterie geht zwar mit reduzierter Kapazität in die Nacht, es hat aber bisher immer gereicht. Wenn am nächsten Tag die Sonne scheint, ist die Batterie schnell wieder voll.
Fazit: bis jetzt reicht die kleine 100W Anlage für meinen Zweck, ich werde weder eine zweite Aufbaubatterie noch ein zweites Solarmodul anschaffen.

