Da man sein Wohnmobil nicht alle Tage verkauft, hilft es vielleicht dem ein oder anderen Ersttäter.
Alle anderen haben vielleicht zusätzliche Tipps.
Zur Not dient meine Story der Unterhaltung ;-)
Zunächst die Kurzfassung:
Wohnmobil, Dethleffs Alkoven mit Doppelboden, >3,5t, Bj 2006, Neupreis ca. 55k€, erstanden 2011 für 27k€ sollte im November 2021 verkauft werden.
Erst einmal habe ich mich hier im Forum schlau gemacht: --> Link
Danke an alle für die vielen guten Tipps.
Dann habe ich gezielt nach Verkaufsangeboten meines Modells gesucht, um Preisvorstellungen und Angebotstexte zu bekommen.
Daraus habe ich mir meine eigene Preisvorstellung und einen eigenen passenden Angebotstext gebastelt.
Dann habe ich das Mobil an einen landschaftlich ansehnlichen Ort gefahren und habe es von allen Seiten und innen aus allen Perspektiven fotografiert.
Dann bei Mobile.de einen Account erstellt und in aller Ruhe die Annonce erstellt.
Meine Tipps dazu (einige davon aus den Vorschlägen der Foristen hier):
- - Top Tipp Nr. 1 aus dem Forum: GEBT KEINE TELEFONNUMMER ZUR KONTAKTAUFNAHME AN. Mail- oder Appkommunikation reicht für den Erstkontakt aus. Ihr habt viel weniger Stress und mehr Zeit euch die Anfragen anzuschauen und auszusieben mit wem ihr in Kontakt treten wollt.
- Seid ehrlich und listet alle Mängel auf, das erspart am Ende Ärger und Rumgeschachere. Ich hatte vergessen den anstehenden Zahnriemenwechsel anzugeben. War keine Absicht, habe ich aber bei den Verkaufsgesprächen erwähnt.
- Nennt einen fairen Preis. Ich hatte den Wunschpreis ich mit 22k€ (VHB) angegeben. Letzten Endes hätte ich vielleicht noch höher gehen können, aber ich bin zufrieden mit dem Outcome (Spoiler: die Kiste ging für 20.500 € über den Tresen).
- Wenn möglich verwendet zur Kommunikation mit den Interessenten eine individuelle Mailadresse und eine ungenutzte Telefonnummer. Ich bin da etwas paranoid, aber meine WxxApp Nummer gebe ich nur sehr selektiv raus.
- Nehmt vorab Kontakt zu eurer Versicherung auf, wie die Übergabe am besten stattfinden kann. Mein Käufer wollte das Mobil gleich mitnehmen, aber ich hatte Schiss, dass nach dem Verkauf jemand mit meiner Anmeldung durch die Gegend fährt. Ich glaube mit einer entsprechenden Vereinbarung der Versicherung hätte das thema noch eleganter abgewickelt werden können.
Letztendlich hatte ich schon nach einem Tag drei bis vier Interessenten, die ich zu einer Besichtigung einlud.
Bis auf einen nervigen und seltsamen Kandidaten, waren alle Kontakte sehr nett, sympathisch und problemlos.
Verkauft wurde das Mobil am Ende an einen Interessenten, der mich mittags kontaktierte, am selben Tag 300km Anreise auf sich nahm, um das Mobil abends mit Taschenlampe zu besichtigen.
Er wollte es gleich mitnehmen (hatte das Bargeld dabei), aber wir wollten es nicht auf unseren Namen angemeldet aus der Hand geben.
So zahlte er die Hälfte an, der Vertrag (Standardkaufvertrag von Mobile.de) wurde unterschrieben und er nahm die Papiere und Kennzeichen mit und holte es eine Woche später gegen Restbetragszahlung ab.
Alles vollkommen unkompliziert.
Eigentlich hätte ich bargeldlose Bezahlung bevorzugt, da ich als Onlinebankingkunde etwas Stress hatte die 20k€ aufs Konto zu bekommen, aber eine Bekannte ist Kundin bei der Deutschen Bank und da kann man auch größere Beträge am Automaten einzahlen.
Nun die ausführliche, etwas unterhaltsamere Version:
Ich hatte kaum den "Senden-Button" der Anzeige gedrückt, kamen schon die ersten Anfragen: "Bin interessiert, bitte rufen Sie mich an Mobilnummer, Gruß [ausländischer Name]"
Die habe ich erst mal ignoriert.
Dann kam eine Anfrage, ob der Motor der Originalmotor sei. Letzten Endes stellte sich heraus, dass ich im Kopf der Anzeige versehentlich 7800 km statt 78000 km angegeben hatte.
Im Laufe des Tages kamen mehrere seriöse Anfragen, die ich zunächst per Chat abklopfte und mit denen ich dann per Telefon Kontakt aufnahm.
Ein häufiges Thema war die Ablastung und das Leergewicht des Mobils.
Ich hatte komplett verpennt das Mobil leer zu wiegen. Im Schein stand 3160 kg, aber es war direkt nach dem Kauf eine Klima eingebaut worden und bei 3,8t zGG musste ich mir deswegen ja nie Gedanken machen.
Ich war ehrlich und riet ich vom Ablasten ab.
Ich glaube zwar, dass man auch mit 3,5 t hinkäme, aber der Vorteil des Doppelbodens ist bei einer Ablastung dahin.
Einer fragte auch nach dem "letzten Preis", da er aus Portugal käme und wissen wollte, ob sich der Flug lohnen würde. Ich habe ihm geschrieben, dass die 22k der letzte Preis wären und schüttelte nur den Kopf.
Am nächsten Tag bekam ich auch eine seriöse Anfrage eines Händlers, der mir unverbindlich 20k zusagte und bei Interesse einen Gutachter für ein endgültiges Angebot vorbeischicken würde.
Es war eine ausführliche Anfrage mit genauer Ablaufbeschreibung. Sehr sympathisch. Ich hielt mir das als Notnagel in der Hinterhand.
Am Donnerstag (dienstags hatte ich die Anzeige geschaltet) kamen die ersten Kandidaten.
Ein Papa mit seinen zwei Söhnen. Die beiden zu jung für >3,5. Sie waren sehr begeistert, hatten sogar eine Werkstatt in der Nähe für einen Termin gebucht, um den Unterboden zu begutachten (hatte ich mir nie angeschaut).
Der Papa wollte das Mobil wohl sponsern. Ich schlug vor das gesparte Geld in den großen Führerschein zu investieren. Am Ende scheiterte es trotzdem am Gewicht, die wollten halt noch eine Markise anbauen und hatten keinen Bock auf den großen Führerschein.
Für Freitag hatte ich einen Termin um 13:30 ausgemacht. Der Typ war aber von Anfang an sehr seltsam. Wir vereinbarten den Termin am Dienstag, er fragte mehrmals an, ob wir den Termin vorverlegen könnten. Und obwohl ich ihm klarmachte, dass Freitag 13:30 der früheste Termin sei oder abends (bei Dunkelheit), meldete er sich donnerstags noch mal, ob er am Freitag schon um 10 kommen könne und dann noch mal, ob 12 Uhr möglich wäre.
Zu dem Zeitpunkt war ich dann kurz davor den Kontakt abzubrechen.
Am Freitag um 12 stand der Typ vor der Tür. Meine Frau zeigte ihm das Womo kurz und sagte, er müsse halt bis 13:30 warten, wenn er noch technische Fragen hätte. Ich hatte noch einige Meetings und war schon genervt.
Er meinte er würde warten. Ich traf ihn dann aber nicht am Mobil. Ich versuchte ihn telefonisch zu erreichen, aber es wurde nix. Letztendlich war ich nicht traurig darüber.
Dann kontaktierte mich jemand, der auch wegen der Ablastung fragte und eine Kopie des Kfz-Scheins wollte. Während des folgenden Telefonats stellte sich heraus, dass er und seine Frau wider Erwarten den passenden Führerschein hätten. Er meinte, seine Frau wäre ganz hippelig und ob er das Teil am selben Tag noch anschauen könnte. Ich fragte ihn, wann er da sein könne. Er hatte 300 km zu fahren, also etwa 3 Std. Ich merkte an, dass dann schon dunkel sei und schlug einen Termin am folgenden Nachmittag vor. Egal, der Typ war nicht zu bremsen, machte sich auf den Weg und war gegen 18 Uhr da.
Ein nettes Pärchen, etwas älter als ich, schaute sich alles an und dann ging es auf Probefahrt.
Während der Fahrt fragte er, ob er das Mobil gleich mitnehmen könne.
Ich fragte verwundert, ob er das Geld dabeihätte und er bejahte. Ich befürchtete schon, dass da was faul sei, aber er hatte tatsächlich ein Kuvert mit 20.500 Mücken dabei. Aber sowohl ich und meine Frau hatten Bauchschmerzen das Mobil auf unseren Namen angemeldet aus der Hand zu geben.
Also einigten wir uns darauf, dass er 10.000 € anzahlt, die Papiere, Kennzeichen und einen Schlüssel bekommt. Den Rest gibt es bei Abholung.
Die erfolgte problemlos eine Woche später.
Fazit:
Es war alles halb so wild wie ich befürchtet hatte.
Vielen Dank auch an die Tippgeber hier. Der wertvollste Tipp war das Thema "Keine Telefonnummer", das machte die Sache sehr entspannt.
Ich glaube tatsächlich, dass ich noch mehr hätte rausholen können, aber letztendlich habe ich das Mobil 10 Jahre für 6.500 EURO gefahren. Das ist ein wirklich guter Schnitt, zumal ich vor einigen Jahren noch damit gerechnet hatte das Teil für maximal 13.000 zu verkaufen.
Ich gräme mich nicht.
Die Abwicklung und Funktionalität von Mobile.de war top, kein Spam, kein Generve. Klar bekam ich täglich eine Mail mit dem Angebot gegen Aufpreis die Platzierung des Angebots zu verbessern, aber das ist OK. Ich wurde nicht zugemüllt. Und auch nach dem Abschluss kam kein Spam.
Natürlich hatte ich auch Glück, das ich keine schwindligen Abzocker am Hals hatte, aber ich glaube das lässt sich schon sehr gut über die Methode „Erstkontakt ausschließlich via Mail/App“ steuern. Spätestens beim ersten Telefonat kann man dann einigermaßen mit dem eigenen Idiotendetektor arbeiten.

