Ins Bauhaus nach Dessau
Dessau ist ein Stadtteil der kreisfreien Stadt Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt. Bis zum 1. Juli 2007 war Dessau eine kreisfreie Stadt.[1] Das bisherige Dessau war, gemessen an der Zahl der Einwohner, nach Halle (Saale) und Magdeburg die drittgrößte Stadt Sachsen-Anhalts (bezogen auf die Fläche die zweitgrößte) sowie eines von drei Oberzentren des Landes. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Halle (Saale), etwa 40 km südwestlich, Leipzig, etwa 52 km südlich, und Magdeburg, etwa 65 km nordwestlich. Historisch war Dessau Hauptstadt und Residenz des Fürsten-, späteren Herzogtums Anhalt-Dessau und Anhalt. Bei den Luftangriffen auf Dessau im Zweiten Weltkrieg wurden 80 % der Stadt zerstört, allerdings blieben zahl-reiche Kulturdenkmale der Stadt erhalten. Das Bauhaus Dessau und das Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehören zum UNESCO-Welterbe. (aus Wikipedia)
Ich habe auf Fotos verzichtet. Dessau bietet nicht so richtig viel und bei den Bauhaus-Sachen habe ich Angst, irgendwelche Urheber-Rechtssachen zu verletzen.
Freitag, 08.04.2022
Zuerst war noch dies und das zu erledigen, aber gegen 12 Uhr waren wir auf der Piste: Lübeck, Wismar, Schwerin, auf die A 24 Richtung Berlin (kleines Päuschen zwischendurch), A 10 um Potsdam her-um, A 9 Richtung Dessau, wo wir kurz vor 17 Uhr nach knapp 420 km eintrafen. Das Wetter war april-wechselhaft, meist schien jedoch die Sonne trotz eines kühlen Windes.
In Dessau konnten wir Diesel für 1,90 €/l tanken.
Bei der Fahrt durch die Stadt stellten wir einen gewissen "DDR-Charme" fest: wenig alte Bausubstanz, viel Quaderförmiges, breite Straßen ohne Flair ... nicht gerade einladend.
Wir suchten den SP am Flughafen, konnten ihn schließlich finden und waren enttäuscht. Abgelegen, keine weiteren WoMos, trostlos und öde erschien uns der SP. So wendeten wir uns ab und versuchten es an anderer Stelle. Auf einer Halbinsel zwischen einem kleinen Hafen und der Elbe gibt es Möglichkeiten, das WoMo zu platzieren.
Beim Seesportverein gelang es uns, einen telefonischen Kontakt herzustellen, und nach einigem Hin und Her hatten wir einen ausgezeichneten Platz direkt an der Wasserkante für 14 €. Es gibt einen Stromanschluss und wir haben Zugang zu den sanitären Einrichtungen. Dusche und Strom kosten extra. Wenn wir auch die einzigen Gäste sind, sind wir doch froh, einen so schönen Standplatz zu haben.
Inzwischen war es 19.30. Wir beschlossen, das fußläufig 10 Minuten entferne Kornhaus aufzusuchen und haben dort sehr gut gespeist. Das Kornhaus ist eine Sehenswürdigkeit wegen seines Baustils und wegen seiner Lage direkt am Elbufer.
Jetzt sitzen wir im Bus, die Heizung brummt. Es war ein langer Tag. Morgen gibt es Besuchsprogramm zum Thema Bauhaus.
Sonnabend, 09.04.2022
Abends hat sich noch ein großes Wohnmobil neben uns gestellt. Ansonsten war die Nacht ruhig und wir haben gut geschlafen. Das Wetter war gut, sonnig und kühl.
Nach dem Frühstück sollten erst die Räder aktiviert werden, aber das Schloss, das an dem einen Rad war, ließ sich mit keinem der vorhandenen Schlüssel bedienen. Also: keine Radtour.
Beim Loslaufen entdeckte uns noch der Chef vom Platz und so konnten wir Organisatorisches regeln und bezahlen.
Wir wanderten also ca. 30 Minuten zum Bauhaus-Gebäude, wo wir um 11 Uhr eine Führung gebucht hatten. Das modern aussehende Ensemble von einigen Gebäuden, die z. T. verbunden sind, stammt aus dem zwanziger Jahren und wurde errichtet, als das Bauhaus aus Weimar nach Dessau umgesiedelt wurde. Es handelt sich um eine Art Kunsthochschule, in der in besonderer Weise die Ideen von Walter Gropius und anderen verwirklicht wurden. Es gab auch ein Studentenwohnheim und eine Men-sa/Kantine, eine Bühne, Werkstätten für verschiedene Gewerke, z. B. Metall- oder Textilverarbeitung, Ateliers usw. Ziel war es, Kunst, Architektur und Handwerk miteinander zu verbinden und Neues zu schaffen, ein Großteil davon Alltagsgegenstände wie Lampen, Möbel, Teppiche, Haushaltsutensilien und dergl., aber eben auch Funktionsgebäude oder Wohnhäuser.
Die Führung durch einen promovierten Mitarbeiter war sehr interessant. Vieles, woran man vielleicht arglos vorbei gelaufen wäre, bekam durch seine Erklärungen ein neues Gesicht: Farbgebung, Oberflächengestaltung, technische Einrichtungen, Beleuchtung ..., sogar der Blick in die Küche der Kantine.
Zahlreiche Künstler sind dem Bauhaus zuzuordnen (u. a. Walter Gropius, Hannes Meyer, Mies van der Rohe, die drei Direktoren in Dessau, weiterhin Lyonel Feininger, Gunta Stölzl, Marianne Brand, Laszlo Moholy-Nagy, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Johannes Itten, Josef Albers und viele andere). Im 3. Reich, aber auch zu DDR-Zeiten wurde das Bauhaus staatlicherseits abgelehnt. Erst unter Honnecker gab es einen Aufschwung.
Anschließend begaben wir uns per pedes ins “Zentrum”, wo sich das Bauhaus-Museum befindet, ein 100 m langer und 25 m breiter zweistöckiger Glasquader, erst 2019 eröffnet, der im Wesentlichen Produkte des Bauhauses enthält.
Auch hier hatten wir eine Führung. Diesmal war es eine schnell sprechende und sehr gut informierte Führerin, die ziemlich ausführlich diverse Einzelheiten zu den Ausstellungsstücken besprach. U. a. gab es einige Informationen zum Triadischen Ballett, das bereits ab 1912 von Oskar Schlemmer und an-deren entworfen wurde und sich experimentell und ohne Handlung mit der Beziehung zwischen Figur und Raum beschäftigt. Es ist aber nicht direkt im Bauhaus entstanden und wurde dort auch nie aufgeführt.
Ansonsten sahen wir viele Möbelstücke, vor allem Sitzgelegenheiten, aber auch Tapeten, Teppiche, Bilder, Haushaltsgegenstände … Das anfängliche Interesse erlahmte mit der Zeit, vielleicht auch wegen der vorherigen Führung.
Nah beim Museum ist die Touristeninformation. Hier gab es einen Stadtplan und die Hinweise auf verschiedene Cafés. Bei sich bedrohlich verdunkelndem Himmel liefen wir durch die Fußgängerzone am Rathaus und einem Jahrmarkt vorbei, um schließlich doch schräg gegenüber vom Museum in einem Café zu landen, wo es eine kleine Stärkung gab. Dann ging es - die Wolken wurden immer dichter - zur Marienkirche, dem Schloss mit Schlossplatz und Standbild Leopolds I. (des “alten Dessau-ers”) und zur Tiergartenbrücke über die Mulde, von dort zur Bushaltestelle vorm Museum. Wir wollten mit der Linie 10 zum Kornhaus fahren. Sie wurde auch angekündigt, kam aber nicht. Der nächste Bus brachte uns unentgeltlich zum Bahnhof, dort wartete extra für uns die 11, die uns in die Nähe unseres Stellplatzes brachte, so dass wir am späten Nachmittag am SP ankamen. Die Wolken hatten sich ver-zogen, die Sonne schien, allerdings war der Wind nach wie vor kalt.
Den Abend verbrachten wir im Wohnmobil, versorgten uns aus unseren Vorräten und tranken Wein vom Ätna.
Neben uns hatte sich ein grauer CS-Sprinter neben unseren grauen CS-Sprinter gestellt.
Sonntag, 10.04.2022
Heute ließen wir es bei duchwachsenem Wetter zunächst ruhig angehen. Gegen 11 Uhr fuhren wir los, der andere Sprinter war schon weg.
Wir fuhren zunächst am historischen Arbeitsamt vorbei und kamen dann in die Bauhaus-Siedlung Törten. Dort geht es um kostengünstige Reihenhäuser (ab 57 m² Größe), die wegen der Wohnungsknappheit in Dessau errichtet wurden.
Anschließend waren wir nochmal im Bauhaus-Gebäude, und zwar im Shop, wo sich dies und das Bau-haus-Typische erstehen ließ.
Danach parkten wir bei den Meisterhäusern, liefen zurück zum Bauhaus und schlossen uns der “Führung Meisterhäuser” an, die übrigens von derselben Dame durchgeführt wurde, die uns schon durchs Bauhaus-Museum geleitet hat.
Die im Bauhausstil errichteten Doppel-Villen wurden von der Prominenz der Bauhaus-Professoren zeitweise bewohnt (Gropius, Klee, Kandinsky, Feininger, Schlemmer …). Die Gebäude wurden teil-weise zerstört, anderweitig genutzt, renoviert oder restauriert … Uns fehlte ein wenig das für die Bewohner typische Interieur, es waren im Grunde leere Räume mit besonderer Farb- und Oberflächengestaltung und besonderer Bauweise. – Trotzdem ziemlich interessant.
Danach verließen wir Dessau, kehrten noch bei Burger ein und rauschten dann – zwischen Hagel, Re-gen, Sturm und Sonnenschein – in Richtung Heimat.
Für uns war es ein lohnender Ausflug, obwohl Dessau selbst nicht so viel zu bieten hat, sondern über-wiegend aus Nachkriegs-Wohnblocks besteht. Die blühende Industriestadt (u.a. Junkers Flugzeug- und Motorenwerke) wurde im Krieg zu 80% zerstört. Am 7.3.1945 gab es ein letztes heftiges Bombardement, das viele Menschenleben und 97 % der Altstadt zerstörte.

