Für mich ist das ein No-Go Grauwasser einfach so abfließen zu lassen. Für mich! Ich bin ein Kind der 80er, der Umweltschutzgedanke ist mir bereits in Kindertagen in Fleisch und Blut übergegangen, ich trenne unseren Müll, habe es aber nicht geschafft meine Brut mit dem selben Enthusiasmus dazu zu bringen. Da landet auch mal ein benutztes Tempo im gelben Sack. Ich bin auch nicht perfekt, gebe mir aber Mühe mein mögliches zu tun. Viele, die ihr mögliches tun, erreichen mehr, als wenige, die perfekt sind. :wink:
Aber zurück zum Thema: erst beim letzten CP hat mein Liebster mitbekommen wie sich an der Entsorgungsstation zwei ältere Herren fast in die Haare bekommen haben, weil mein Schatz unser Grauwasser ordnungsgemäß in die Entsorgungsrinne abgelassen hat. Der eine fand es totalen Humbug (man könne das auch auf dem Platz einfach so versickern lassen) und der andere versuchte ihn zu bekehren. Aber das funktioniert so nicht. Nur durch Einsicht handelt man anders (ich schreibe bewusst nicht: besser). Wenn mich jemand versucht zu bekehren, kann es passieren, dass ich extra auf stur schalte. Es war auch in dem Fall so: die Diskussion wurde lauter und die Hähne haben beide das Feld geräumt (oder waren wir gefahren, weil Tank und Kassette leer).
Selber Urlaub anderer Ort: in Berlin, mitten in Deutschland, antwortete der SP-Betreiber! einem Wohnmobilisten, der etwas abseits stand auf die Frage, wie er mit seinem Grauwasser an die sehr schlecht zugängliche Entsorgung käme, er könne es auch direkt versickern lassen :wall: Wir haben unser Grauwasser mitgenommen und am nächsten SP entsorgt.
Mein Mann und ich sind beide der Meinung, unsere Abwässer möchten wir nicht neben unserem Mobilehome versickern lassen. Alleine wegen Geruch und Insekten. Aber auch wegen der Nachfolger auf unserem Platz. Das machen wir zu Hause ja auch nicht - wir sind (nicht ohne Grund) an die Kanalisation angeschlossen.
Andererseits… Was mache ich zu Hause groß anders, als beim Campen? Ich dusche, ich koche, ich wasche ab. Na gut: Ich geh auch auf die Toilette. Aber meine Abwässer sind lange nicht so konzentriert, weil ich zu Hause nicht so sportlich auf möglichst niedrigen Wasser-Verbrauch achte. :gruebel:
Da könnte ich es zu Hause doch eigentlich auch machen, wie noch vor 45 Jahren zB bei meiner Oma:
Da wurde das Wasser in die Wiese gekippt und das Klo war kein WC sondern ein Donnerbalken, einmal im Jahr brachte man den Dung auf Felder und Wiesen aus. Aber damals wusch man sich noch mit einem Stück Kernseife, die auch für die seltener gewaschene Wäsche verwendet wurde und hatte 1x in der Woche Badetag. Es wurde viel weniger Chemie ins
Abwasser gegeben und das Wasser war noch ein wertvolles Gut, das von Hand per Eimer ins Haus getragen und auf der Küchenhexe erwärmt wurde.
Heute geht (fast) alles in die Kläranlage und mittlerweile wird dort an einer vierten Reinigungsstufe gearbeitet um Microplastik und andere Stoffe zu entfernen, die herkömmliche Kläranlagen mit drei Reinigungsstufen noch nicht bewältigen können. Soviel am Rande.
Nur weil es immer noch viele gibt, die gedankenlos oder aus Bequemlichkeit oder gar Überzeugung ihr Grauwasser in der Botanik entsorgen, heißt es nicht, dass das richtig ist oder ich es auch so machen muss. Wenn ich das sehen würde, würde ich auch freundlich darauf hinweisen, „da unten bei Ihnen ist etwas nicht ganz dicht …“. Mein Mantra: mit gutem Beispiel voran.
Noch ein interessanter Fakt zum Thema Grauwasser in den Gully: Wir hatten am Dienstag das Thema und nach kurzer aber intensiver Recherche war klar: oftmals nicht erlaubt. Warum? Weil immer mehr Gemeinden auf Trennsystem setzen: Regenwasser und Abwasser werden nicht mehr in einem Rohr entsorgt, sondern das Regenwasser wird vom Abwasser getrennt in Gewässer oder Sickeranlagen geführt. Einfach mal nach Trennsystem und Mischsystem gockeln. Als ich das gelesen habe, habe ich den Gedanken sofort wieder verworfen, bei „Not“ das Grauwasser in den Gulli laufen zu lassen (die Frage stellte sich nämlich uns Newbies, als wir in Berlin abgereist sind).
Da frage ich lieber mal bei einer Kläranlage, die auf dem Weg liegt, ob sie unser Wasser entgegen nehmen.
Soweit das Wort zum Sonntag