Das Reisemobiljahr beginnt wie immer mit der obligatorischen und vom Hersteller vorgeschriebenen Dichtheitsprüfung des Aufbaus in der Fachwerkstatt. Ich selbst habe bereits eine Feuchtigkeitsmessung durchgeführt und bin leider fündig geworden. Sehr hohe Messwerte am Übergang von der Hutze zur Seitenwand. Und die Fachwerkstatt bestätigt meine Messwerte, kann aber erst Hand anlegen, wenn die Herstellerfirma “grünes Licht” für eine Reparatur auf Garantiebasis gibt. Bis dahin kann schon der nächste Garantieantrag an Weinsberg gestellt werden … es regnet durch das Fenster der Hutze. Zwei kurze Regenschauer in diesem Frühjahr haben ausgereicht, um die Undichtigkeit sichtbar zu machen. Nachdem die Innenverkleidung entfernt wurde, zeigt sich, dass sich der dicke Holzsteg von der Seitenwand zur Hutze mit Wasser vollgesaugt hat. Und das sicher nicht nur von dem einen Regenschauer. Sondern wohl von Anfang an! Und das, obwohl die Fachwerkstatt regelmäßig Feuchtigkeitsmessungen durchgeführt hat. Fazit des Tages: Besser selbst regelmäßig zusätzliche Feuchtemessungen mit einem vernünftigen Messgerät durchführen!
Bei dem mehrwöchigen Werkstattaufenthalt lasse ich mir auch gleich eine Gastankflasche einbauen, damit das Schleppen der wirklich “sackschweren” (französischen) Stahlgasflaschen ein Ende hat. Wie bequem ist es jetzt, an der LPG-Zapfsäule anzuhalten und einfach die Gastankflasche zu füllen.
Deshalb beginnt die erste Tour erst an Ostern. Früher wäre es auch in diesem Jahr wegen “Corona” nicht möglich gewesen. Ich fahre mit meiner Frau nach Paris. Wir übernachten auf dem Campingplatz “Camping International de Maisons Laffitte Paris”. Mit dem Wohnmobil in Großstädte zu fahren ist grundsätzlich keine gute Idee, erst recht nicht im Verkehrswahnsinn von Paris. Aber eine Runde im Kreisverkehr um den Arc de Triomphe wäre schon “cool” gewesen! Wir verbringen ein paar schöne Tage in dieser wunderbaren und aufregenden Stadt. Meine Frau fährt dann mit dem TGV zurück nach Freiburg und ich mache mich alleine auf die lange vorbereitete Reise entlang der legendären “Route Nationale 7”.

Paris – Louvre

Paris – Arc de Triomphe de l’Étoile
Die Route Nationale 7 beginnt, wie in Frankreich nicht anders zu erwarten, in Paris. Mitten in Paris. Direkt vor der Cathédrale Notre-Dame. Alle französischen Nationalstraßen beginnen genau hier. Und die bekannteste und längste ist die mit der Nummer 7. Die alte Route Nationale 7, die legendäre Straße um den Süden zu erreichen. Lust und Qual zugleich – Lust für Auge und Gaumen, Qual in meist sengender Hitze, natürlich ohne Klimaanlage, mit oder ohne quengelnde Kinder. Und oft genug im Stau!

Route Nationale 7

Paris – Point Zero © Wikipedia
Ich kenne die Geschichten rund um diese “französische Route 66” von meinen regelmäßigen Besuchen als Austauschschüler und später mit dem “Deutsch-Französischen Jugendwerk”. Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre war ich oft zu Gast in Bron, einem Vorort von Lyon. Und die RN7 führt direkt durch diese südfranzösische Großstadt. Und in meiner französischen Gastfamilie wurden oft Geschichten über diese legendäre Straße erzählt. Vor allem Geschichten von schweren Auto- und LKW-Unfällen.
Was liegt also näher, als diesem 996 Kilometer langen Stück Asphalt einmal selbst zu folgen? Die „Route Nationale 7“, die „Straße der Sehnsucht“ in den Süden, war einst für Millionen Franzosen der Begriff für Urlaub und Ferien. Seit 2006 ist der Name offiziell verschwunden, doch der Mythos der legendären Straße lebt weiter.
„On est heureux Nationale 7“, singt Charles Trenet 1959 in seinem Chanson über die berühmte Urlaubsroute der Franzosen. Seit mehr als 100 Jahren zieht der Sommerhimmel an der Côte d’Azur die Massen aus Paris und Umgebung an. Zwischen 1950 und 1960 gab es kaum einen Franzosen, der nicht in den Ferien ans Mittelmeer fuhr. Und schon nach den ersten Kilometern stand man im Stau.
Meist am 14. Juli, dem Nationalfeiertag, begann die gemeinsame Fahrt zur Loire, durch die Auvergne und entlang der Rhône in die Provence bis zum Mittelmeer.
Ich fahre also in Paris los, komme an Fontainebleau mit seinem prächtigen Schloss vorbei, schaue mir in Fontenay sur Loing das herrlich kitschige Kirchlein “Notre Dame de la Route” an. Vom USB-Stick höre ich französische Schlager und Chansons aus den 70er Jahren. Ich lasse mir Zeit, fahre entspannt und fröhlich meinen Weg und finde: Ich habe es gut!

Fontainebleau – Château
In Pouilly-sur-Loire ist der erste Höhepunkt der Reise. Genau 200 Kilometer vom Pariser “Point Zero” entfernt befindet sich eine Tankstelle. “Les 200 Bornes” ist heute noch eine Tankstelle, aber auch eine Bar und ein kleines Restaurant mit einem günstigen Fernfahrermenü. Damals war es auch ein kleines Hotel mit Zimmern „Grand confort“, also mit Waschbecken.

Pouilly-sur-Loire – Les 200 Bornes
Vorbei an La Charité-sur-Loire komme ich nach Nevers, durchquere Magny-Cours mit seiner legendären Rennstrecke, raste in Moulins und erreiche nach einigen Tagen Lapalisse. Diese kleine Provinzstadt hat eine besonders enge Beziehung zur Route Nationale 7.
Alle zwei Jahre findet der “Bouchon de Lapalisse” statt, eine Inszenierung des legendären kilometerlangen Staus in Richtung Süden, der sich jedes Jahr zu Beginn der französischen Schulferien in Lapalisse bildete. Hunderte von Oldtimern kommen in die Stadt, um den Aufbruch in die Ferien zu simulieren. Mit Gendarmen, Mechanikern und Tankwarten werden Szenen aus dieser Zeit nachgestellt (mehr als 1.000 Oldtimer, rund 3.000 Teilnehmer und fast 20.000 Besucher).
Über Roanne erreiche ich die Großstadt Lyon, die drittgrößte Stadt Frankreichs (und das zweitgrößte Ballungszentrum). Lyon ist wie Paris nur bedingt für Wohnmobile geeignet. Ich reserviere mir einen Platz auf dem örtlichen Campingplatz (Camping International de Lyon). Mit Bus und Metro bin ich in knapp einer Stunde im Zentrum. Und ich bin begeistert! Lyon ist eine der schönsten Großstädte, die ich kenne!
Ich verbringe einige Tage in dieser schönen Stadt und spüre … Südfrankreich ist nicht mehr weit! Und die ersten 450 Kilometer der “Route Nationale 7” sind geschafft.

Lyon – Place des Jacobins
Und dann wache ich nachts auf und habe schreckliche Zahnschmerzen. Was soll ich tun? Soll ich zum Zahnarzt gehen und ihm mein Leid klagen? Ich könnte mich sicher verständlich machen, aber ob ich seine Diagnose verstehe, weiß ich nicht. Also warte ich noch einen Tag, die Zahnschmerzen werden natürlich nicht besser und ich mache mich auf den Heimweg. Sind ja “nur” knapp 500 Kilometer. Diagnose zu Hause: alles halb so schlimm, tut halt weh! Und nach einem kurzen “Heimaturlaub” geht es wieder zurück nach Frankreich auf die Route Nationale 7.

Morgennebel bei Vienne
Ich kann leider nicht den kompletten Reisebericht hier hochladen.
Weiter geht's deshalb hier: --> Link
Viel Spaß beim weiterlesen ...

