In der Vergangenheit war ein Besuch der Passionsspiele in Oberammergau schon desöfteren ein Thema bei uns. Eine wirklich positive Entscheidung ist aber ausgeblieben, nicht zuletzt aufgrund der teuren Eintrittskarten. In zehn Jahren konnten wir es uns ja erneut überlegen. Im Frühjahr 2022 wurde uns durch Zufall und durch ein Angebot eines Users im Wohnmobilforum das lange Überlegen abgenommen. Wir haben bei den Karten und der CP-Reservierung sofort zugegriffen. Somit stand ein Fixpunkt unserer Frühsommertour schon fest. Den folgenden Weg nach Österreich bestimmte eine Hochzeit in der Familie.
So machen wir uns Ende Mai auf den Weg in den Süden Deutschlands. Unseren ersten Stopp machen wir in der schwäbischen Stadt Besigheim mit seiner schönen Fachwerk-Altstadt. Übernachten werden wir auf dem Wohnmobil-Stellplatz mit V+E bei der Minigolfanlage (Gebühr EUR 7,50). Wir starten bei dem schönen Wetter natürlich sofort mit einem Rundgang durch die Altstadt ...

... und landen auch unten am Ufer der Enz mit den bewirtschafteten Ruhezonen.

Nach solch einem Apéritif können wir in der Altstadt nicht mehr den gastronomischen Spezialitäten des Schwabenlandes mit Maultaschensalat und Zwiebelrostbraten widerstehen.


Nach einem ruhigen Schlaf, aber auch mit stark gesunkenen Nachttemperaturen, machen wir am nächsten Vormittag noch einen Stopp in dem nur wenige Kilometer entfernten Bietigheim-Bissingen. Hier hat uns besonders Villa Visconti beeindruckt, die auch als das „Haus der Köpfe“ bekannt ist. Das Gebäude wurde 2002 fertig gestellt und nach der Mailänder Gräfin Antonia Visconti (ca. 1360 – 1405) benannt, die als Ehefrau des Grafen Eberhard des Milden von Württemberg an der Entwicklung Bietigheims beteiligt war.

Auf der Weiterfahrt nach Landsberg am Lech zum Wohnmobil-Stellplatz Waitzinger Wiese mit V+E (Gebühr EUR 7,00) haben wir über einige Kilometer ein fürchterliches Regengebiet passiert. Deshalb warten wir erst noch kurz ab, bevor wir unseren fälligen Stadtrundgang machen.Es ist bewölkt und macht auch nicht so viel Spaß. Deshalb starten wir auch am nächsten Morgen bei strahlend blauem Himmel nochmals zu einem Spaziergang. Manchmal ist es gut, die Unbilden einfach auszusitzen.

Manchmal gibt es dann auch noch gutes Essen in Form von 1/2er Schweinshaxe (für Rentner) und einer Forelle


Nach dem Mittag starten wir aber zur Etappe nach Oberammergau und zu dem "Campingpark Oberammergau". Er liegt am Ortsrand, doch ist alles fußläufig zu erreichen. Zur Orientierung bewegen wir uns wieder ein wenig. Die alpenländischen Häuser mit ihrer Lüftelmalerei sind wunderschön.

In der Stadt dreht sich alles um das Thema "Passionsspiele". Die Oberammergauer warten nun schon darauf, dass es endlich los geht. Durch Corona mussten die Passionsspiele zweimal verschoben werden. Dadurch sind zahlreiche Darsteller aus beruflichen Gründen weggefallen und mussten ersetzt werden. Weil fast die gesamte Bevölkerung irgendwie dabei involviert ist, gibt es an den Aufführungstagen auch nur begrenzte Öffnungszeiten in den Geschäften. Dafür brummt es bei der Gastronomie mit ihren externen Servicekräften. Morgen ist unser großer Tag.

Es ist schwül. Die Kleidungsfrage für das heutige Passionsspiel wird schwierig. Der erste Teil der Vorstellung geht von 14.30 bis 17.00 Uhr, und wird dann mit dem zweiten Teil von 20.00 bis 22.30 Uhr fortgesetzt.Von allen möglichen Parkplätzen fahren Shuttlebusse bis kurz vor die Absperrungen des Passionsgeländes und es entströmen unzählige Besucher. Wir gehen schon mal zum Passionstheater und schauen uns im Foyer die Ausstellung über die Geschichte des Passionsgelübdes an.Der Dreißigjährige Krieg und die Pest wüten über dem Ammergauer Land. So kam es, das die Gemeinde im Oktober 1632 zum Schutz vor weiteren Verlusten das fromme Gelübde ablegt, alle zehn Jahre ein Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus aufzuführen.


An Pfingsten 1634 fand auf dem Oberammergauer Friedhof auf den Gräbern der Pestopfer das erste Passionsspiel mit 60 Darstellern statt. Es war ein reines Männerstück. Selbst heute finden sich unter den zwanzig Sprechrollen nur zwei weibliche Hauptfiguren – Maria und Magdalena.
Dreißig Minuten vor Beginn passieren dann endlich 4.400 Besucher die Einlasstüren und suchen sich ihren Platz.Es ist ein unvorstellbares Passionsspiel. Manchmal stehen über 400 Personen auf der Bühne. Der große Chor mit herrlichen Solostimmen bildet den Rahmen der eigentlichen Handlung und bereitet die Szenen aus der Passion vor. Hinzu kommen lebende Standbilder mit Darstellungen aus dem Alten Testament. Wir sind total überwältigt.

In der Pause gehen wir zu Fuß zurück und bekochen uns selbst. Als wir aber zum zweiten Teil der Passion losgehen, fängt es fürchterlich an zu schütten. Selbst unsere Schirme helfen nicht viel. Zum Glück erwischen wir sofort einen Shuttlebus, der uns bis vor das Passionsgelände bringt.
Und wieder heißt es lange sitzen. Nicht nur für uns ist es schwer. Die Darsteller und Sänger vollbringen eine unwahrscheinliche Leistung. Die Zuschauer sind alle begeistert, ohne es den Darstellern am Ende der Aufführung durch Applaus zeigen zu können. Nach dem Passionsspiel verbleibt niemand von den Darstellern auf der Bühne um den verdienten Applaus zu empfangen, wie es ein „ungeschriebenes Gesetz“ bei einem kirchlichen Spiel vorsieht.
Den Weg zurück zum Campingpark machen wir auch wieder mit dem Shuttlebus. Für uns geht ein beeindruckender Tag zu Ende.
Selbst noch am nächsten Tag stehen wir ganz unter den gestrigen Eindrücken. Da wir den Campingpark noch für zwei weitere Tage reserviert haben, nutzen wir die Zeit für Ausflüge zum Kloster Ettal ...


... und nach Füssen. Es ist die Zeit des 9-Euro-Tickets und wir sind in dem Besitz einer Gästekarte, sodaß wir ohne Zusatzkosten die Busfahrten nutzen können. Füssen geht bis auf die Römerzeit zurück, da die Anfänge des Ortes an der Römerstraße, Via Claudia Augusta, lagen. Und auf dem Schlossberg hat man Überreste eines spätrömischen Kastells aus dem 4./5. Jhdt. n. Chr. gefunden.


Am Freitag, den 03.06.2022 fahren wir nach Benediktbeuren weiter. Dort wollen wir den Wohnmobil-Stellplatz mit V+E am Sportzentrum anfahren (Gebühr EUR 7,00). Auf dem Stellplatz hat man eine schöne Aussicht ins Grüne, ein nahes Freibad mit Restaurant und nur eine kurze Wegstrecke in den Ort. Das Freibad ist somit ideal für eine Abkühlung nach einem heißen Tag geeignet. Ab 16.00 Uhr gilt ein verbilligter Abendpreis von EUR 4,00.

Nach dem Bad geht ein Gewitter mit Starkregen über uns hinweg. Es ist aber gut, denn dadurch wird die Luft wieder besser.
Der nächste Tag steht wieder unter dem Zeichen: "Sonne". Die kleine Wanderung führt uns an die gegenüberliegende Seite des Dorfes, die Klosteranlage. Nach eingehender Besichtigung des Klosters und der Kirche, widmen wir uns den Erzeugnissen des Klosterbraustüberl.




Für den Pfingstsonntag haben wir eigentlich eine Radtour nach Murnau und an den Kochelsee geplant. Daraus wird leider nichts, denn beide Fahrräder haben einen Platten. Im Biergarten des Klosterbraustüberl gibt es heute einen Frühschoppen mit Blasmusik. Das hört sich stattdessen ja auch noch gut an.

Anschließend besuchen wir noch einen Kunsthandwerkermarkt im Kloster und trinken im Kräutergarten des Kloster-Café einen Cappuccino und essen ein Stück Kuchen. Es ist ganz gemütlich hier. Den Rückweg schaffen wir gerade noch im Trockenen, danach geht wieder die Welt unter.
Am nächsten Morgen verlassen wir Benediktbeuren, um nach Bad Tölz auf den Wohnmobil-Stellplatz mit V+E (Gebühr EUR 15,00) an der Königsdorfer Straße zu fahren. Vorher fahren wir von Benediktbeuren aus an den Kochel See, da wir uns im Franz Marc Museum die Ausstellung "Tierschicksale" mit Gemälden von Franz Marc und Paul Klee in Auseinandersetzung mit dem schriftstellerischen Werk von Gustave Flaubert ansehen möchten.

Und weiter geht es nach Bad Tölz. Auch hier scheint auf dem Parkplatz viel Wasser geflossen zu sein. Bei einem kleinen Besuch in der Stadt, stellen wir fest, dass sich seit dem letzten Besuch nicht viel verändert hat.

Wir gehen lieber wieder zum Wohnmobil zurück und genießen noch die letzten Sonnenstrahlen. Mit Stühlen und einem kleinen Tisch, Apéritif und Knabberzeug ziehen wir an die Uferpromenade. Es finden sich sogar ein paar Schwimmer in der Isar. Als sich der allabendliche Regen mit ein paar Tropfen ankündigt, verziehen wir uns ins Wohnmobil.
Es wird Zeit von Deutschland Abschied zu nehmen. Für uns gibt es heute einen etwas längeren Fahrtag, deshalb macht uns der momentane Regen auch nichts aus. An der Rastanlage Irschenberg kaufen wir ein Zweimonatspickerl für EUR 28,00, und dann fahren wir bei Salzburg in die Berge. Übernachten werden wir, wenn alles klappt, in Bad Ischl auf dem Wohnmobil-Stellplatz Kaiserinsel mit V+E (7 Plätze und Gebühr EUR 8,00/Tag, von 19 – 07 Uhr kostenlos). Die sieben Plätze sind alle belegt. Ich warte noch auf dem Großraumparkplatz und kann kurz danach auf dem freiwerdenden Stellplatz einparken.
Mit Regenjacke und Regenschirm machen wir uns letztendlich mal auf den Weg zu einem kleinen Rundgang durch Bad Ischl, dem „berühmten“ österreichischen Kurort im Salzkammergut.Denn dort hat sich der Habsburger Kaiser Franz Joseph I. eine Villa im Biedermeierstil erbauen lassen. in der er einst die Sommermonate verbrachte. Auf dem Anwesen befindet sich auch das Marmorschlössl, ein Teehaus, das der Kaiser für seine Gemahlin Kaiserin Elisabeth (Sisi) errichten ließ. Seit dem zog es die Österreicher zur Kur nach Bad Ischl. Selbst heute begegnen uns die die Kaiserlichen Hoheiten auf Schritt und Tritt.

Aber auch ein schlimmes Ereignis nahm hier seinen Anfang. Am 28.07.1914 verfasste Kaiser Franz Joseph I. in der Kaiservilla in Bad Ischl das Manifest „An meine Völker!“ in dem er dem Königreich Serbien als Folge auf das Attentat von Sarajevo, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Ferdinand und seine Frau ermordet wurden, den Krieg erklärte. Dies führte zum Beginn des Ersten Weltkrieges.
Am nächsten Morgen machen wir bei Sonnenschein fast den gleichen Spaziergang noch einmal. An der Ecke Pfarrgasse/Adalbert-Stifter-Kai befindet sich die heutige Residenz Elisabeth mit der gleichnamigen Restauration. Kaiser Franz Joseph I. hat in dem Vorläufer-Hotel am 18. August 1853 seinen Geburtstag gefeiert, und am Tag darauf wurde dort auch die Verlobung mit Prinzessin Elisabeth in Bayern bekannt gegeben. Für uns ist dies natürlich Anlass genug in solchen Räumen auch einmal zu speisen.


Nachdem wir gut gegessen haben, fahren wir in Richtung Steiermark, vorbei am Geburtsort von Hubert von Goisern und auch an der Skiflugschanze am Kulm,

nach Gaishorn am See.Wo wir dann schon in der Obersteiermark sind. Der dortige Wohnmobil-Stellplatz mit V+E (Gebühr EUR 12,00 zuzügl. EUR 1,20 p.P. für die Gästekarte) entsteht auf dem ehemaligen Campingplatz. Momentan ist er für 15 Wohnmobile ausgelegt. Der Ort selbst ist verschlafen und wird noch einige Belebung benötigen.

Heute Morgen hängen die Wolken sehr tief. Für unsere weitere Planung haben wir einige Möglichkeiten. Da wir auf dem Weg zur Hochzeit erst Mitte Juni im Gebiet vom Südburgenland sein wollen, können wir uns die Zeit in der Südsteiermark vertreiben. Hinter Graz verlassen wir die Autobahn und fahren nach links ins Dreiländereck: Österreich, Ungarn und Slowenien. Ich habe für die heutige Übernachtung St. Stefan im Rosental ausgesucht. Das wir dafür steil bergauf und bergab auf schmalen Straßen fahren müssen, hätte ich nicht gedacht. Was ich aber nicht erwartet habe ist, dass wir bei dem kostenlosen Stellplatz mit V+E (15 Plätze) hinter der Rosenhalle auf einen voll ausgestatteten Platz im Grünen kommen. Zudem ist ein Freibad direkt nebenan. Sankt Stefan im Rosental ist auch noch der Geburtsort von dem Sternekoch Johann Lafer.

Für uns beginnen hier mehrere schöne Tage mit faulenzen, schwimmen, zwei Besuchen beim Buschenschank Nagl-Hiebaum und natürlich dem Besuch vom Rosengarten. Leider sind ein Teil der Rosen durch den vielen Regen schon frühzeitiger verblüht.


Bei einem Besuch des Buschenschanks läßt es sich Lena nicht nehmen, den Uhudler, hier als Ruhudler verkauft, zu probieren.

Der Uhudler ist ein Wein der vorwiegend im Südburgenland angebaut wird und als Direktträger aus verschiedenen Urreben hergestellt wird. Die Trauben aus Hybridsorten gelten als besonders widerstandsfähig gegen die Reblaus und bestimmte Pilzkrankheiten. Sie müssen deshalb auch nicht chemisch behandelt werden. Der Uhudler schmeckt intensiv nach Walderdbeeren oder schwarzen Johannisbeeren.
Anfang des 20. Jhdt. kam das Gerede auf, dass der Uhudler aufgrund des höheren Pektingehaltes, einen hohen Anteil an Fuselölen und Methanol enthalten würde. Deshalb wurde er zum Verkauf verboten. Als Haustrunk durfte er noch weiter angebaut werden. In 1992 ist der Uhudler durch Nachuntersuchungen rehabilitiert worden und darf im Burgenland angebaut und verkauft werden. Eine Lockerung für den gesamten EU-Raum wurde am 1. April 2019 abgelehnt.
Wir haben ihn probiert und brauchen ihn nicht EU-weit. Er schmeckt wirklich süß und ganz stark nach Walderdbeeren. Dabei erinnert er mich vom Geschmack an einen Aufgesetzten aus Walderdbeeren, Wodka und Zucker, den ich fabriziert habe. Der steht seit ein paar Jahren noch immer im Schrank.
Am Sonntagvormittag, dem 12.06.2022, erfrischen wir uns im Schwimmbad (Eintritt EUR 2,30 für zwei Zeitstunden). Danach nehmen wir Abschied von Sankt Stefan im Rosental. Wir wollen nach Kaindorf-Obertiefenbach zu einem weiteren Buschenschank mit Übernachtungsmöglichkeit. Es geht wieder bergauf und bergab. Dabei ist auch ein Gefälle mit 19 %. Trotz allem landen wir noch beim Buschenschank Schleiss. Wir bekommen auch auf Rückfrage einen Übernachtungsplatz gegenüber, wo wir ruhig stehen können.

Nach Sankt Stefan sind wir wieder in unserem normalen Rythmus. Heute wollen wir in Richtung Jennersdorf oder Bad Loipersdorf fahren. Wenn jemand diese Fahrt auf einer Straßenkarte verfolgt, hält er uns für verrückt. Seit wir aus Richtung Graz gekommen sind, bewegen wir uns auf ein großes „W“ zu. Nachdem wir gestern in nördlicher Richtung unterwegs waren, fahren wir heute wieder in südlicher Richtung.
Mittagessen in Bad Waltersdorf und Spaziergang bei Bad Blumau in der Therme Rogner Bad Blumau. Das Thermalbad liegt im Thermen- und Vulkanland Steiermark. Gestaltet wurde die Therme von Friedensreich Hundertwasser. Einfach toll!


Als nächsten Wohnmobil-Stellplatz mit V+E (Gebühr EUR 10,00) haben wir uns den Buschenschank „Sieglhof“ in Unterlamm bei Loipersdorf ausgesucht. Die Anfahrt geht natürlich wieder hinauf. Dafür haben wir aber eine herrliche Aussicht.

Da wir nicht nur dem Wein hinterher jagen, darf es am nächsten Tag zum Campingplatz nach Jennersdorf gehen. Dabei überfahren wir zum ersten Mal die Landesgrenze von der Steiermark ins Burgenland. Auch hier ist nebenan ein Freibad zum Abkühlen.









































