Ich habe seit November einen VW-California Beach (T6.1, ohne Landstromanschluss) auf dem Hof stehen, der mein Alltagsfahrzeug ist, in dem man auch mal spontan übernachten kann.
Eigentlich ein super Auto, aber das Batteriemanagement von VW ist beim T6.1 seeeehr interessant.
Die Bordbatterie (BB, 75AH AGM) verfügt über einen Shunt, der die Ein- und Ausgangsströme misst. Im Bus-System ist die Kapazität der BB fest hinterlegt. Den Ladezustand der BB wird berechnet, nicht über die Spannung ermittelt.
Wenn lt. Berechnung die BB leer ist, werden Verbraucher (z.B. Standheizung) knallhart abgeschaltet, egal wie die Spannung ist.
Lustig wird’s, wenn man kurz vor Ankunft am Reiseziel die DPF-Regeneration durchgeführt werden soll (passiert bei meinem Motor etwa alle 300 km). Dann werden vorher BEIDE Batterien (Starter UND Bordbatterie) kräftig entladen, damit die Lichtmaschine während der Regeneration auf Vollast laufen kann um mehr Last auf den Motor zu bringen und so die Abgastemperatur zu erhöhen.
D.h. die Chancen nicht schlecht, trotzt zwischenzeitlich zu 100% gefüllten Batterien mit nur 60% in der Aufbaubatterie am Zielort anzukommen! Super VW! DAS macht bei einem Camper unglaublich viel Sinn! Das Trennrelais während der Regeneration zu öffnen, sodass nur die Starterbatterie in diesen Prozess eingebunden ist (wie bei allen anderen Fahrzeugen) bekommt die Softwareabteilung von VW anscheinend nicht gebacken.
Zweites (nerviges) Problem: Wegen einer ungünstigen Positionierung des Temperatursensors (vom vorderen Ausströmer der Standheizung wird die warme Luft direkt zum Sensor geblasen) schaltet sich die Standheizung immer wieder aus um kurz darauf wieder neu anzulaufen. Beim Anlauf wird leider deutlich mehr Energie verbraucht, als wenn die Heizung durchlaufen würde. Bei mir ist die Standheizung im Winter nach ca. 28 Stunden wegen Strommangel abgeschaltet worden und Mensch und Hund mussten frieren, bzw. den Motor laufen lassen um wieder Strom in die Batterien zu bekommen.
Ich benötige mindestens 2 volle Tage Wärme im Auto! Also musste die Kapazität der BB erweitert werden.
Durch die interne Restkapazitätsberechnung funktioniert ein einfaches Parallelschalten einer 2.Batterie nicht, da der Bus immer noch von 75AH Gesamtkapazität ausgeht, auch wenn man die eine 200AH Batterie dazuschaltet.
Daher habe ich mir einen anderen Weg überlegt und umgesetzt.
Zunächst habe ich einen Landstromanschluss in den Bus eingebaut (DEFA-System).
Eine 100AH LiFePo4-Batterie (LFP) speist jetzt bei Bedarf (per Schalter schaltbar) über einen Votronic-Standby-Lader-Pro (SB-Pro) maximal 8A in das Bordnetz. Dazu wurde der Ausgang des SP-Pro mit dem Pluspol der BB und einem Massepunkt unterm Beifahrersitz angeschlossen. So bekommt das Bus-System den eingehenden Strom mit und zeigt auch an, dass die BB gerade geladen wird.
Gespeist wird der SB-Pro über die LFP, die saugend in eine der Staukisten passt (erleichtert die Ladungssicherung ungemein). Diese wird bei Landstrom über ein Victron IP-22 (15A) oder über eine Solartasche wieder aufgeladen.
230V-Steckdose mit Landstrom-Anzeige und 2 Anderson-Einbaustecker für den Anschlus an die BB und eine Solartasche
Die LFP ist hinter dem IP22 festgezurrt. Die gesamte Elektroinstallation lässt sich aber innerhalb einer Minute (2 Schrauben lösen) herausnehmen um an die LFP zu gelangen.
Gestern hatte ich die Installation dann abgeschlossen und einen ausführlichen Test gemacht.
Die Bordbatterie war zu ca. 60% geladen. Ich habe die Standheizung auf Dauerheizen gestellt und dann die LiFePo4- mit 13,2V (über den SB-Pro einstellbar) in den Verbund geschaltet. Die Standheizung lief und aus der LiFePo4 wurden 11A-12A gezogen. Lt. Camperunit wurde gleichzeitig die AGM mit 9A geladen. Die Differenz von 2-3 Ampere gehen für den Betrieb der Standheizung und Lade- und Transformations-Verluste drauf. Das war zu erwarten. Nach ein paar Stunden zeigte die CU dann eine volle AGM mit Spannung von 13,2V an und einen aktuellen Verbrauch von 0 Ampere. Aus der LiFePo4 wurden etwa 1,5A gesaugt (Standheizung und Licht). Heutemorgen zeigte sich dasselbe Bild, nur dass die Restkapazität der LiFePo natürlich entsprechend des Verbrauchs der
Standheizung über die Nacht reduziert war.
Perfekt, exakt so hatte ich mir das vorgestellt!

