andwein hat geschrieben:• Wird der WR fest in den 230 V Fahrzeugstromkreis, vielleicht sogar mit NVS, eingebunden muss hinter dem WR von einer Fachkraft durch Nullung ein TN-C Netz im Wohnmobil aufgebaut werden. Dazu muss am Ausgang des WR und vor dem externen FI/RCD ...
Dazu habe ich die folgenden Fragen, ggfs auch an den Normenausschuss:
- Was ist eine feste Einbindung? IdR wird ein WR über Schuko angeschlossen, also eine durch Laien bedienbare Steckvorrichtung. Ich beziehe den Absatz auf eine feste Verdrahtung im Womo, was so gut wie niemand so umsetzt.
- Warum von einer Fachkraft? Alle Installationen dürfen grundsätzlich nur von Fachkräften vorgenommen werden. Unnötig.
- Nullung: die klassische Nullung ist seit 50 Jahren verboten.
- TN-Netz, ohne Erdung, nur durch Nullung? Und PE, ohne Erdung? Das wäre ein PA. In meinen Augen entsteht dadurch ein IT-Netz mit Isolationsfehler. Der Absatz kommt offensichtlich mit den Fachbegriffen nicht klar, und die Konstruktion widerspricht den Forderungen der VDE in folgenden Punkten:
- Kein potentialfreier Potentialausgleich (PA); der "Schutzleiter" darf nie mit stromführenden Teilen verbunden werden
- Kein Berührungsschutz (Isolation) des mit der Karosserie verbundenen Aussenleiters
- Kein Schutz bei einem einfachen Isolationsfehler der "Phase" zwischen WR und externem RCD
- Durch Verbindung mit den 12V-Netzen Aushebeln des Schutzes durch Kleinspannung bei einfachem Isolationsfehler +12V gegen "Phase", sowie Blockade des RCD durch Gleichfehlerstrom bei (unbemerktem, hochohmigen) Isolationsfehler +12V gegen "Neutralleiter"
- Die Spannung am Umschaltrelais der NVS kann 600V überschreiten (wär ne schöne Prüfungsfrage, warum)
- ...
Es gibt noch zahlreiche weitere Fehlerszenarien, vor allem, wenn man die Bastelbrücke hinter einer Schuko-Verbindung oder in ein Schuko-Versorgungskabel einbaut. Diese Konstruktionen sind auch völlig ohne Fehler gefährlich, wobei ich betonen möchte, dass der zitierte Absatz der 721 das definitiv nicht hergibt. Allerdings finden sich Forums- und Youtube-Quellen dafür.
Ein weiteres Problem der 721 ist, dass sie sich an Fachanwender richtet, also für Laien kaum verständlich ist, und ausserdem auch nicht frei verfügbar. Verständlichere und zugänglichere Infos finden sich zB bei der BG Bau: --> Link
Ich mag das Beispiel Baustelle. Wenn man weiss, wie dort gearbeitet wird, ist auch klar, dass die Sicherheitsforderungen der BG Bau auch denen genügen müssten, die in ihrem Womo eine mobile Kita betreiben. Das sind die Optionen, die es für einen sicheren Betrieb ohne (!) Elektrofachkraft gibt:
(Diese Grafik ist ein Zitat aus der o.a. Quelle - Rechte beim Rechteinhaber)
Daraus ergeben sich die folgenden Klärungen:
- Die Anzahl der Steckdosen ist vollkommen wurscht. Es geht allein um die Anzahl der (zeitgleich) betriebenen Geräte.
- Bei gleichzeitigem Betrieb mehrerer Geräte muss - nicht im wirklichen Leben, aber nach der Berufsgenossenschaft - eine Abschaltvorrichtung vorhanden sein, die (spätestens) beim zweiten Fehler sicher abschaltet. Dies ist einfach und günstig zu realisieren, indem man pro Gerät einen RCD verbaut, wobei ein Gerät sogar ohne RCD verbleiben darf.
Daher diese Lösung für extreme Sicherheitsfanatiker. Im normalen Gebrauch sind Doppelfehler absurd unwahrscheinlich, und selbst dann greifen noch weitere Sicherheitsmassnahmen wie der Schutzleiter, sodass die Gefährdung durch jede Art von Bastelei Grössenordnungen höher ist. FI gibt es auch zum Zwischenstecken, damit ist eine "Gefährdungsminderung" laiengerecht und problemlos möglich. Ein Auslösen wird man nie erleben, aber genau wie beim Airbag will man das ja vielleicht auch gar nicht.
Gruss Manfred

