2Greyhoundsontour am 15 Jul 2024 07:52:01 Nach einer entspannten Woche auf Vancouver Island war Mitte Juli 2024 der Mount Rainier NP der Beginn unserer Tour Richtung Niagara-Fälle. Knapp 300 km lagen vor uns. Da die Strecke allerdings sehr gut ausgebaut war, kamen wir flott voran. Bald schon sahen wir den über 4300 m hohen Berg am Horizont. Je näher wir kamen, umso gigantischer wirkte er. Ein bisschen machten wir uns allerdings Sorgen, ob wir überhaupt in den Park hineingelassen werden, denn gestern hatten wir gelesen, dass man dafür im Internet ein Zeitfenster von 120 Minuten zwischen 7:00 Uhr und 15:00 Uhr buchen muss. Unser Versuch, ein solches zu buchen, schlug aber fehl, da keine freien Termine angezeigt wurden. Wir erreichten den Parkeingang gegen 14:00 Uhr. Eine lange Schlange hatte sich bereits auf der Straße gebildet. Als wir am Kassenhäuschen waren, mussten wir lediglich unseren Park-Pass vorzeigen und konnten in den Park hinein fahren. Wir erklärten uns das „Durchwinken“ damit, dass das letzte Zeitfenster um 13:00 Uhr begonnen hatte und nach uns keine weiteren Zeitfenster mehr vorgesehen waren. Im Wildernes Information Center in Longmire holten wir uns Tipps für Wanderungen im Nationalpark. Der Parkranger war sehr nett und zeigte uns insgesamt vier verschiedene Trails. Zudem gab er uns den Tipp, auf dem Cougar Rock Campground zu übernachten. Zum einen ist dieser mit 20 $ relativ preisgünstig und zum anderen benötigt man damit für den Folgetag keine Berechtigungskarte für ein Zeitfenster. Da die Plätze auf diesem Campground nach dem System „First come, first serve“ vergeben werden, fuhren wir direkt dorthin und bekamen tatsächlich noch einen der letzten freien Plätze. Nachdem die Übernachtungsfrage geklärt war, fuhren wir wieder nach Longmire und besichtigten kurz das kleine Museum. Anschließend gingen wir den 4,4 Meilen langen Rundweg hoch zur Rampart Ridge. Um zum dortigen Aussichtspunkt auf den Mount Rainier zu gelangen, mussten wir über 400 Höhenmeter überwinden. Zum Glück führte der Weg durch den Wald, so dass es uns nicht zu warm wurde. Oben beim Aussichtspunkt angekommen, hatten wir einen tollen Blick auf den „Erhabendsten aller glühenden Berge an der pazifischen Küste“. Diese Beschreibung stammt nicht von uns, sondern von John Muir. Nachdem wir ein paar schöne Fotos des majestätischen Berges bei Sonnenschein und blauem Himmel gemacht hatten, ging es wieder an den Abstieg. Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichten wir unser Mausmobil. Die Nacht war vollkommen ruhig gewesen. Kein Wunder, standen wir doch mitten im Wald und waren von den Geräuschen der Strasse abgeschnitten. Nicht einmal Internet- beziehungsweise Telefonempfang hatten wir hier. Nach dem Frühstück gingen wir wie geplant zu den Carter Falls. Diese sind etwa eine Meile vom Campground entfernt. Der Weg führte zunächst durch ein Flussbett und über eine abenteuerliche Brücke. Anschließend ging es bergauf. Wie soll es auch anders sein! Bei den Carter Falls angekommen, waren wir etwas enttäuscht, denn sie waren nicht besonders spektakulär und dazu versperrten Bäume eine freie Sicht. Wir trösteten uns damit, dass wir einen schönen Spaziergang durch einen urwüchsigen Wald machen konnten. Obwohl wir nun schon sehr viele große und hohe Bäume gesehen hatten, faszinieren uns die riesigen Wurzelwerke sowie die großen umgefallenen Stämme, auf und aus denen wieder neue Bäume und Pflanzen wachsen, immer wieder. Nach diesem morgendlichen Spaziergang fuhren wir in Richtung des Visitor-Centers beim Paradise Inn. Unterwegs stoppten wir bei den Christine Falls. Dieser Wasserfall befindet sich unter einer Brücke und ist ganz nett anzuschauen. Ein Stückchen weiter erreichten wir die Narada Falls. Diese waren wirklich sehenswert, da sie breit gefächert aus großer Höhe in die Tiefe stürzen. An deren Fuß bildete sich sogar ein sehr schöner Regenbogen. Beim Visitor-Center angekommen, gingen wir zunächst den kurzen Weg zu den Myrtle Falls. Da heute Freitag ist, waren deutlich mehr Menschen als gestern unterwegs. Der Park-Ranger hatte uns schon vorgewarnt, dass sich am Wochenende und bei dem sonnigen Wetter noch einmal wesentlich mehr Personen im Park aufhalten würden. Bevor wir uns auf den anstrengenden Weg zum Panorama Point machten, stärkten wir uns mit einem Mittagessen. Anschließend zogen wir die Wanderschuhe an, schnappten uns die Wanderstöcke und marschierten los. Der ganze Weg ist eigentlich nur 4 Meilen lang. Allerdings überwindet man dabei fast 600 Höhenmeter. Der Weg startete auch gleich sehr steil. Nachdem wir die größte Steigung überwunden hatten, lag stellenweise noch Schnee auf den Wegen. Da wir unsere Stöcke dabei hatten, kamen wir aber sehr gut voran. Beim Panorama Point angekommen, ruhten wir uns aus und fotografierten den von der Sonne beschienenen Mount Rainier. Anschließend stiegen wir wieder zum Visitor-Center ab. Kurz bevor wir dies erreichten, graste direkt neben dem Weg ein Murmeltier und ließ sich auch von uns nicht stören. Das war unsere Gelegenheit für einige sehr schöne Fotos. Der weitere Weg zu unserem heutigen Tagesziel führte uns durch dichten Wald. Die Straße war in einem sehr guten Zustand, so dass wir gut vorankamen. Am Tipsoo Lake angekommen, kamen wir in ein Gespräch mit einem amerikanischen Ehepaar. Ihnen gefiel besonders unser Mausmobil. Und ehe wir uns versahen, saßen wir zu viert bei Naschereien und angeregten Gesprächen im Mausmobil und plötzlich waren anderthalb Stunden vergangen. Wir gingen deshalb nur noch einmal kurz um den See. Da die Sonne hinter Mount Rainier stand, ergaben sich auch hier keine Spiegelungen im Wasser. Man kann eben nicht immer zur rechten Zeit am richtigen Ort sein. Nach dem Abendessen war nicht mehr Zeit für große Unternehmungen. Außerdem wollten wir heute früh ins Bett gehen, da wir morgen sehr früh aufstehen wollen, um den Sonnenaufgang zu erleben. Pünktlich um fünf Uhr holte uns der Wecker am nächsten Tag aus dem Bett. Wir fuhren auch sofort los. Als wir den Parkeingang für den Sunrise Point erreichten, hatten wir schon eine Autoschlange vor uns (es war gerade einmal 5:20 Uhr!). Beim Visitor-Center angekommen, war die Sonne bereits aufgegangen und tauchte den Mount Rainier in ein orangefarbenes Licht. Schade ! Wären wir eine Viertelstunde früher da gewesen, hätten wir den Sonnenaufgang erlebt. Mangels Internet konnten wir aber nicht nachsehen, wann die Sonne an diesem Ort genau aufgeht. Kurzfristig entschieden wir uns deshalb, einfach über Nacht hier zu bleiben und morgen früh wieder zeitig aufzustehen, um dann den vollen Sonnenaufgang zu erleben. Nach dem Frühstück wanderten wir zum Mount Fremont Lookout hinauf. Wir merkten, dass heute Wochenende ist, denn fast schon karawanenförmig wanderten die Besucher auf den Wegen. Der Anstieg war nicht so steil wie gestern, aber dennoch herausfordernd. Auf dem Weg kamen wir u. a. am Frozen Lake vorbei, der nur noch am Rand gefroren war. Auch blühten wieder viele verschiedene bunte Wildblumen rechts und links des Weges. Aus dem anfänglich sandigen Weg wurde, je höher wir kamen, ein ziemlich steiniger. Am Mount Fremont Lookout angekommen, machten wir eine Pause und genossen den Blick auf die Gegend um uns herum. Hier oben haben sich auch die kleinen Squirrells wieder sehr wohl gefühlt. Für den Rückweg wählten wir ab dem Frozen Lake eine andere Strecke. Wir gingen zunächst hinab zum Shadow Lake, was gar nicht so einfach war, da Schneefelder stellenweise den Weg verdeckten. Am farbenfrohen Shadow Lake angekommen, konnten wir einige schöne Fotos mit Spiegelungen machen. Anschließend gingen wir von dort die Strecke hinauf zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Als wir wieder am Mausmobil angekommen waren, stärkten wir uns. Dies hatten wir uns nach der heutigen Wanderung aber auch reichlich verdient. Anschließend gingen wir in das Visitor-Center und nutzten das dortige Internet. Um 4:45 Uhr wurden wir am nächsten Morgen aus unserem Träumen gerissen. Aber wir wollten es ja so. Um keine Zeit zu verlieren, zogen wir uns nur kurz an und marschierten zu dem Aussichtspunkt, den wir gestern für den Sonnenaufgang ausgesucht hatten. Die Luft war kalt, aber wir hatten uns warm angezogen. Kurz nach Erreichen des Aussichtspunktes kam die Sonne über den Horizont. Von unserer Position aus sah es so aus, als würde der Berg, hinter dem sie aufging, voll glühender Lava sein. Ein spektakuläres Bild ! Je weiter die Sonne über den Horizont kam, umso beeindruckender wurden die Lichtreflexe auf den Bildern. Auf der anderen Seite wurde Mount Rainier in warme Rottöne getaucht. Das war ein sehr schöner Beginn des Tages. Wieder zurück beim Mausmobil richteten wir uns für den Tag her, frühstückten und fuhren Richtung Norden. Als wir an einer Autowaschanlage vorbeikamen, entschieden wir kurzfristig, unser Mausmobil zu waschen. Unglaublich, welche Mengen an Sand und Dreck aus den Ritzen und Fugen floss. Da die Waschanlage nicht sehr leistungsfähig war, wurde es aber nicht ganz so sauber, wie wir es eigentlich wollten. Aber es ist auf jeden Fall um einiges besser als davor. Einige Meilen vor Erreichen des North Cascades NP kamen wir durch Rockport. Da wir unterwegs keinen ansprechenden Stellplatz für die Nacht gefunden hatten, fuhren wir auf den Campingplatz im Howart Miller Steelhead Park. Dort konnten wir uns direkt an den Fluss stellen. Wir waren mutig und gingen in den Fluss hinein, aber nur bis zu den Knien, denn das Wasser wird von Gletschern gespeist und ist dementsprechend eiskalt. Es war aber trotzdem eine Wohltat, denn unsere Mückenstiche wurden dadurch gekühlt - und von denen haben wir auf der gestrigen Wanderung beziehungsweise heute Nacht jede Menge bekommen. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
hemprichm am 15 Jul 2024 19:36:43 Danke für Euren tollen Reisebricht !!! Wir folgen jeder Eurer Etappe mit grossem Interesse und auch auf Eurer webseite. Sind genauso solche Reisenerds wie ihr. Aktuell haben wir uns 4 Monate Auszeit genommen und reisen durchs Baltikum und Skandinavien. Verschiffung nach Kanada ist für 2025 geplant. Evtl kommen wir dann nochmal auf Euch direkt zu was Reiseplanung und Budget angeht.
Gruss aus Hammerfest
2Greyhoundsontour am 20 Jul 2024 06:23:33 Fortsetzung des Reiseberichts Nach einer wunderbar ruhigen Nacht am Fluss fuhren wir zum North Cascades NP Visitor-Center. Hier besorgten wir uns Informationen über Wandertouren und sahen uns den Film über den 1968 gegründeten Nationalpark an. Durch eine beeindruckende Landschaft fuhren wir anschließend zum Aussichtspunkt Gorge Creek Falls. Der Wasserfall war ganz nett, genauso wie die kleine Rundtour, um einen Blick auf den unter uns liegenden aufgestauten Fluss zu bekommen. Ein paar Kilometer weiter erreichten wir den Thunder Knob Trailhead. Hier konnten wir am Straßenrand im Schatten parken. Anschließend machten wir uns auf die knapp 6 km lange Wanderung, die uns durch den Wald stetig bergauf führte. Oben angekommen, hatten wir einen sehr schönen Blick auf den Diablo Lake und die umgebende Bergwelt. Die Tour hatte uns allerdings mehr Zeit als geplant gekostet, weshalb unser Mittagessen mehr ein früher Nachmittagskaffee wurde. Auf unserem weiteren Weg erreichten wir den Diablo Lake Overlook. Hier hatten wir noch einmal einen Blick auf den See aus einer anderen Perspektive. Unangenehm war, dass der Wind sehr aufgefrischt hatte und es an diesem Aussichtspunkt ganz ordentlich wehte. Die nächste kleine Wanderung, welche uns von einem Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung empfohlen worden war, war die Tour hinab zum Ross Dam. Unser Weg führte steil und steinig durch den Wald bergab zur Staumauer. Diese war nicht besonders spektakulär und die Landschaft um uns herum bot ebenso nichts Außergewöhnliches. Insofern und mit dem Wissen, bei der Hitze wieder den steilen Aufstieg bewältigen zu müssen, war der Wandertipp für uns ein Reinfall. Nur die Farbe des aufgestauten Flusses Skagit leuchtete in der Sonne in schönen Türkis- bis Grüntönen. Wie gesagt, war es dann in der Mittagshitze sehr anstrengend, den ganzen Weg wieder nach oben gehen. Zum Glück gab es aber unterwegs den Happy Creek (der heißt wirklich so), dessen eiskaltes Wasser uns wunderbar abkühlte. Beim Ross Lake Overlook hielten wir nur kurz an. Aufgrund der vielen Bäume war die Aussicht sehr eingeschränkt. Nach einigen Kilometern erreichten wir unser Tagesziel Rainy Pass. Auf dem Parkplatz beim dortigen Trailhead stellten wir uns für die Nacht hin. Da wir den Nationalpark-Pass haben, mussten wir keine Gebühren bezahlen. Kein Geräusch störte unseren Schlaf in der Nacht. Erst am morgens gegen 8:00 Uhr kamen die ersten Autos. Nach dem Frühstück gingen wir den kurzen Weg zum Rainy Lake. Dieser Weg ist sogar rollstuhlgerecht geteert. Der See liegt hübsch inmitten der Bergwelt, wirkte auf uns aber nicht besonders spektakulär. Vielleicht lag es an der Tatsache, dass wir voll im Gegenlicht standen. Wir sind deshalb ein Stück weiter gefahren und den Blue Lake Trail gegangen. Dieser windet sich sanft durch den Wald nach oben und endet an eben jenem See. Auf dem Weg konnten wir immer wieder einen Blick auf die umliegenden Berge, teilweise mit wunderschönen Blumenwiesen davor, erhaschen. Auch der Blue Lake ist eingebettet in die Bergwelt, wirkt aber aufgrund seiner Farbe und der Umgebung ziemlich außergewöhnlich. Zudem hatten wir die Möglichkeit, unsere Füße im See abzukühlen, bevor es an den Abstieg ging. Wieder zurück beim Mausmobil stärkten wir uns zunächst und fuhren dann zum Washington Pass Overlook. Zum eigentlichen Aussichtspunkt mussten wir ein kleines Stückchen gehen und sahen von dort sehr imposante Berge sowie den Highway 20, wie er sich tief durch die unter uns liegende Bergwelt schlängelt. Nach diesem Aussichtspunkt verließen wir den North Cascades NP und fuhren Richtung Osten. Die Landschaft wechselte von saftig-grün hin zu gelber Prärie. Nur dort, wo der Boden künstlich begegnet wird, wachsen Obstbäume. Kilometerlang fuhren wir durch Apfelplantagen. Anschließend wandelte sich die Landschaft zu einer hügeligen Prärielandschaft. Tierhaltung sahen wir hier nur vereinzelt. Wahrscheinlich ist es dafür zu trocken. Nur an den Stellen, an denen sich kleine Tümpel gebildet hatten, sahen wir einige kleine Kuhherden. Als die Landschaft flacher wurde, wechselte die Weidelandschaft zu Getreidefeldern. Diese müssen anscheinend nicht künstlich gewässert werden, da wir keine Beregnunganlagen sahen. Kurz vor Spokane fuhren wir auf den Parkplatz des Spokane Tribe Casino. Hier konnten wir kostenlos und ruhig stehen, nachdem wir uns bei der Security gemeldet hatten. Über Nacht hatten wir alle Dachfenster offen gelassen, damit die Nachtluft unser Mausmobil etwas herunterkühlt. So konnten wir ganz gut schlafen. Unser heutiges Ziel war der Riverfront Park in Spokane. Dieser ist das ehemalige EXPO-Gelände von 1974. Neben dem großen Pavillon, der heute für Konzerte genutzt wird, besticht der Park vor allem durch die beiden Wasserfälle des Spokane River. Direkt neben dem Gelände gibt es ausreichend Parkplätze - auch für größere Fahrzeuge. Im Visitor-Center ließen wir uns einen kleinen Plan des Parks geben und schlenderten anschließend zu den unteren Wasserfällen. Diese entstanden der Legende nach, als ein Kojote mehrere Felsen in den Fluss warf, da er die Häuptlingstochter nicht heiraten durfte. Seitdem gibt es oberhalb der Wasserfälle auch keine Lachse mehr. Ein Metallkunstwerk - ein auf einem Pferd sitzender und einen Lachs in Höhe haltender Indianer - erinnert an diese früheren Zeiten. Nachdem wir diesen Wasserfall besichtigt hatten, gingen wir zu den oberen Wasserfällen. Diese sind zwar nicht so gewaltig wie der untere, bestechen aber durch ihre Breite. Um diese Wasserfälle besser sehen zu können, wurde extra zwei Hängebrücken gebaut. Die Temperaturen lagen mittlerweile weit über 30°. Wir gingen deshalb wieder in Richtung des Visitor-Centers, um uns im Gebäude nebenan ein Kaltgetränk zu besorgen. Unterwegs stoppten wir im Pavillon und sahen uns die Entstehungsgeschichte des Riverfront Parkes an. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, dass 1974 auch viele Hippies den Weg nach Spokane gefunden hatten. Ausdrücklich wurde erwähnt, dass diese nackt im Fluss gebadet hatten. Shocking ! In dem Gebäude, in dem wir uns zwei große Kaltgetränke holten, läuft auch ein großes Karussell, was an frühere Zeiten erinnert. Für Senioren gibt es sogar einen Rabatt. Nachdem wir uns etwas abgekühlt hatten, besichtigten wir noch den Clock Tower. Dieser ist der einzig verbliebene Rest der ehemaligen Eisenbahnanlage, auf deren Grund der Riverfront Park errichtet wurde. Nach einer Stärkung fuhren wir weiter Richtung Lewiston und überquerten dabei die Grenze nach Idaho. Die sanft-hügelige Landschaft rechts und links der Straße bestand aus riesigen Getreidefeldern, die bis zum Horizont reichten. Ab und zu waren kleine Gehöfte zu sehen. Oberhalb von Lewiston hatten wir einen sehr guten Blick auf diese Stadt am Clearwater River, bevor wir den steil abfallenden Highway hinunter zum Fluss fuhren. Für unseren Übernachtungsplatz fuhren wir noch einige Kilometer am Fluss entlang und stellten uns auf den Gibbs Eddy Boat Launch. Diesen Platz hatten wir über iOverlander gefunden. Bis etwa 6:00 Uhr morgens hatten wir eine ruhige Nacht und konnten gut schlafen. Danach nahm der Verkehr zu, den wir dank der offenen Fenster leider sehr gut hörten. Aber viel länger hätte es uns sowieso nicht im Bett gehalten, denn die Temperaturen kletterten bereits wieder nach oben. Nach dem Frühstück fuhren wir zum Nez Perce NHP. Dabei folgten wir der Route, die uns Google Maps vorgeschlagen hatte. Dummerweise endete diese an einem verschlossenen Gatter. Wie wir später erfuhren, ist dieses Gatter bereits seit 40 Jahren geschlossen. Wir nutzten deshalb die alternative Route, welche einen kleinen Umweg darstellte, um zum Visitor-Center zu gelangen. Der Nationalpark erstreckt sich über vier Bundesstaaten: Idaho, Washington, Oregon und Montana. Er erklärt die Geschichte und Kultur des Stammes der Nez Perce. Im Visitor-Center konnten wir dazu einen gut gemachten Film ansehen. Des Weiteren erhielten wir dort eine Straßenkarte, auf der 26 Stationen einer möglichen Tour abgedruckt waren (insgesamt gibt es 38 solcher Stationen). Da wir bei diesem schönen Wetter nicht zu viel fahren wollten, beschränkten wir uns nach einem Rundgang über das Gelände beim Visitor-Center und dem Einkauf bei Walmart auf die ausgewiesene Strecke entlang des Highway 12 und 13. Insbesondere Highway 12 verläuft durch das Flusstal des Clearwater River und ist landschaftlich sehr schön. Leider bestehen die angegebenen historischen Stellen nur aus Hinweistafeln. Wir hätten es interessanter gefunden, wenn wir zusätzlich auch Gebäude oder Ähnliches hätten sehen können. So genossen wir einfach die schöne Landschaft. Im Gegensatz zu gestern gab es hier auch viele bewaldete Stellen. In Grangeville erreichten wir den Highway 95 und fuhren diesen bis kurz vor Whitebird. Dort bogen wir Richtung Pittsburg Landing ab, wo morgen unsere Bootstour auf dem Snake River, welcher sich durch den Hells Canyon schlängelt, starten soll. Die Straße führte uns zunächst in Serpentinen nach oben bis zum Aussichtspunkt über den Hells Canyon. Anschließend ging es auf sehr steiler Strecke hinunter zum Fluss. Dort stellten wir uns für die Nacht auf den Parkplatz und nahmen erst einmal ein sehr erfrischendes Bad im Snake River. In der Nacht hatte es etwas abgekühlt, so dass wir relativ gut geschlafen hatten. Trotzdem wurden wir vor dem Wecker wach, da die Temperaturen stiegen, kaum dass die Sonne über den Canyon-Rand lugte. Nach dem Frühstück konnten wir uns Zeit lassen, da die Tour erst um 10:00 Uhr starten sollte. Da sich zwei Frauen allerdings verspäteten, starteten wir erst gegen 10:30 Uhr. Und dann ging die Rauschefahrt los! Wir hatten uns Plätze ganz vorne genommen und bekamen damit jeden Wasserspritzer ab, der in das Boot flog. Auf unserer Fahrt konnten wir die hohen, meist mit mittlerweile gelbem Gras bewachsenen, Berge links und rechts des Flusses bewundern, die den Hells Canyon auszeichnen. Unseren ersten Stopp legten wir bei einer ehemaligen Farm ein. Diese wird heute zum Teil als Museum betrieben und zeigt Ausstellungsstücke aus vergangenen Tagen im Canyon. Auf unserem Weg zum Stopp für die Mittagspause erklärte unser Bootskapitän vieles zum Leben in diesem Canyon in früheren Tagen. Seine Familie ist hier aufgewachsen. So erhielten wir Informationen aus erster Hand. Zudem sichteten wir auf unserer Tour Weißkopfadler und Hirsche. Unsere Mittagspause konnten wir auf einem Picknickgelände im Schatten einnehmen. Die Sandwiches und Getränke waren im Preis inklusive. Zudem nahmen wir nach dem Mittagessen gerne die Möglichkeit wahr, uns im Fluss abzukühlen. Danach wurde die Fahrt richtig aufregend! Einige Stromschnellen waren so stark, dass der Bootsführer das Tragen der Rettungswesten anordnete. Ab und zu wurde auch die vordere Glastür geschlossen, damit das Wasser nicht ungebremst in das Boot hineinkam. Die Fahrten durch die Stromschnellen waren stellenweise wie ein Ritt auf einem wilden Pferd. Wir wurden ganz schön hin und her geschleudert. Mit Erreichen des Staudamms hatten wir den Wendepunkt unserer Tour erreicht. Wir konnten dort das Visitor-Center besuchen. Anschließend fuhren wir wieder zurück. Die Stromschnellen, die heute Morgen schon für Wasserspritzer gesorgt hatten, duschten uns nun stellenweise vollkommen. Wir waren von oben bis unten total durchnässt. Bei Temperaturen um die 40° war das allerdings eine willkommene Abkühlung. Die nassen Kleidungsstücke wurden durch den Fahrtwind, der sich stellenweise wie Luft aus einem Heißluftfön anfühlte, sehr schnell wieder trocken. Kurz vor Erreichen des Einstiegspunktes entdeckten wir noch eine kleine Herde Bighorn-Schafe am Ufer. Zudem legten wir noch einmal einen Badestop ein. Der Snake River erfrischte uns allerdings nur kurz, denn kaum waren wir aus dem Wasser, begann wieder das große Schwitzen. Kurz nach 16:00 Uhr waren wir wieder beim Mausmobil. Die Bootstour hatte uns richtig Spaß gemacht. Wir hielten uns nicht lange auf und fuhren zu unserem heutigen Übernachtungsziel in Riggins. Hier gibt es mitten im Ort einen großen Parkplatz, auf dem man gratis stehen kann. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 23 Jul 2024 06:46:14 Fortsetzung des Reiseberichts Unser heutiges Ziel war die Hauptstadt des Bundesstaates Idaho. Auf der Fahrt dorthin hatten wir sowohl grüne Felder als auch verdorrte Wiesen rechts und links der Straße. Weite Strecken verliefen parallel zu einem Wildwasserfluss. Auf diesem hätten wir nicht mit dem Boot unterwegs sein wollen, denn das war richtig wildes Wasser. In Boise angekommen, fuhren wir direkt zum Kapitol. Fast unmittelbar nebenan fanden wir einen Parkplatz. Da das Kapitol nur unter der Woche Führungen anbietet, durchstreiften wir es auf eine eigene Faust. Wie wir schon oft gesehen hatten, war die Eingangshalle auch hier mit Marmor ausgekleidet. Leider kamen wir in die Sitzungssäle der beiden Kammern nicht hinein. Lediglich in einem Video konnten wir die Räume sehen. Auch blieb uns die Kuppel des Kapitols versperrt - aber damit hatten wir gerechnet, da dies in anderen auch nicht möglich gewesen war. Interessanterweise fand keine Eingangskontrolle statt. Es war zwar ein Security-Mitarbeiter unterwegs, aber weitere Sicherheitsmaßnahmen waren nicht erkennbar. Nachdem wir das Gebäude soweit wie möglich von unten nach oben erkundet hatten, gingen wir zum Julia Davis Park mit seinem schönen Rosengarten und den Springbrunnen mit blau eingefärbtem Wasser. Auf dem Weg dorthin kamen wir an alten Backsteingebäuden vorbei, die früher das Stadtbild prägten. Diese Gebäude sind überwiegend in einem sehr guten Zustand. Viele Restaurants und Cafés haben sich dort angesiedelt und wir konnten der Hitze des Tages bei einem Kaltgetränk und Eis entfliehen. Neben dem Julia Davis Park befindet sich das Idaho State Museum, in dessen Außenanlagen einige der ältesten Gebäude der Stadt ausgestellt sind. Wir hatten kein Interesse, bei dem sonnigen Wetter in das Museum zu gehen und sahen uns die Gebäude deshalb nur von außen an. Für die Nacht fuhren wir auf den Parkplatz von Cracker Barrel. Wider Erwarten verlief unsere Nacht ruhig, obwohl der Highway sehr nah an unserem Übernachtungsplatz vorbei führt. Nach dem Frühstück und Einkauf bei Walmart fuhren wir zum Old Penitentiary of Idaho. Dieses ehemalige Gefängnis war seit 1872 in Betrieb. Aufgrund eines Brandes wurden mehrere Gebäude zerstört, weshalb es 1973 außer Betrieb genommen wurde. Im Rahmen einer Führung ließen wir uns zunächst das Gelände erklären. Im Rahmen der Führung kamen wir auch in den Hinrichtungsraum. Dieser wurde nur ein einziges Mal genutzt. Die übrigen acht Hinrichtungen (ein Häftling entzog sich der Hinrichtung durch Selbstmord) fanden im Freien statt, wofür jedes Mal ein Galgen aufgebaut wurde. Es war schon ein seltsames Gefühl, in diesem Raum zu stehen, in dem ein Mensch hingerichtet wurde. Ebenso beklemmend fanden wir die Strafzellen. In diese fensterlosen kleinen Räume wurden Gefangene ohne Kleidung, nur mit einem Paar Stoffschuhen und einer Decke versorgt, gesperrt, wenn sie sich während der Haft eines Vergehens schuldig machten. Der Aufenthalt dort konnte mehrere Monate andauern. Nett fanden wir die Grabplatte für die Gefängniskatze. Diese war als junge Katze von einem Wärter mitgebracht worden und verbrachte ihr ganzes Leben im Gefängnis (wobei sie sich im Gegensatz zu den Gefangenen überall frei bewegen konnte). Das Frauengefängnis lag außerhalb der Gefängnismauern. Hier waren die Zellen sehr klein. Jeweils zwei Frauen teilten sich eine Zelle mit einem Doppelstock-Bett. Der Raum selber war so groß wie zwei Betten nebeneinander. Interessant war es auch, die Geschichten von manchen Häftlingen zu lesen. So waren einige Frauen zum Beispiel wegen Ehebruchs für mehrere Monate eingesperrt. Dieses Gesetz gilt anscheinend noch heute in Idaho, wird aber nicht mehr angewandt (wer weiß, wie voll dann die Gefängnisse wären). Unser Aufenthalt im Gefängnis dauerte länger, als wir es geplant hatten. Es war deshalb schon Mittagszeit, bis wir wieder bei unserem Mausmobil waren. Da dieses in der prallen Sonne stand, fuhren wir zunächst einige Kilometer auf der uns bereits bekannten Strecke Richtung Norden, um den Innenraum abzukühlen. In Horseshoe Bend fanden wir abseits der Straße einen schönen Schattenplatz am Stadtpark. Nachdem wir uns dort gestärkt hatten, fuhren wir über Riggins weiter bis nach Kooskia. In Kooskia angekommen, stellten wir uns auf den Parkplatz beim Boat Launch für die Nacht hin. Nach dem Frühstück fuhren wir auf dem Highway 12 eine sehr schöne Strecke an einem Fluss entlang durch bewaldete Gegend. Viel Verkehr war auch nicht vorhanden, so dass wir die Landschaft genießen konnten. Mit Erreichen des Lolo-Passes verließen wir Idaho und erreichten Montana. Zunächst säumten Wälder unseren Weg. Später wandelte sich die Landschaft zu einer Mischung aus Wald und Prärie. In Polson angekommen, kauften wir ein und fuhren anschließend auf unseren gebuchten Campground. Nachdem wir uns dort eingerichtet hatten, wuschen wir insgesamt drei Maschinen Wäsche. Dank des schönen Wetters brauchten wir keinen Trockner, sondern konnten alles an der Luft trocknen lassen. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 27 Jul 2024 06:53:34 Fortsetzung des Reiseberichts Da wir auf einem Campground standen, konnten wir nach einer ruhigen Nacht unser Frühstück morgens vor unserem Mausmobil einnehmen. Anschließend richteten wir es abfahrtbereit her. Unser Weg Richtung Norden führte uns am Ufer des Flathead Lake vorbei. Da wir in den Glacier NP tagsüber bis 15:00 Uhr nur mit einem vorgebuchten Permit hätten einfahren können, unterbrachen wir unsere Tour im Flathead Lake SP. Dort verbrachten wir mehrere Stunden mit Lesen, Baden im klaren Wasser des Sees sowie Sonnen. Es war ein richtiges Urlaubsgefühl! Am Nachmittag fuhren wir das kurze Stück bis zum Glacier NP. Als wir dort ankamen, war es nach 15:00 Uhr und so kamen wir ohne Permit in den Park. Im Visitor-Center holten wir uns zunächst Informationen zu möglichen Wanderungen und dazugehörige Karten. Anschließend spazierten wir ein kurzes Stück hin zum touristisch sehr erschlossenen Apgar Village. Es waren sehr viele Besucher dort und am Strand des Lake Macdonald unterwegs. Für uns war es ungewohnt und zu voll. Nach einer Stärkung fuhren wir am Lake Macdonald entlang. Die um uns herumliegenden Berge sahen wir stellenweise nur schemenhaft, da die Luft sehr trüb war. Nach Auskunft einer Rangerin rührte dieser Smog von Waldbränden her (von denen wir zum Glück nichts mitbekommen haben). Beim Avalanche Parkplatz stellten wir uns auf einen der Wohnmobilplätze. Wir haben Glück, dass unser Fahrzeug nur 21 Fuß lang ist, denn ansonsten könnten wir morgen nicht weiter Richtung Osten durch den Park fahren. Allen Fahrzeugen über 21 Fuß ist es aufgrund der engen Kurven der Passstraße verboten, weiter zu fahren. Sie müssen dazu einen Shuttlebus der Parkverwaltung nutzen. Wir hatten unseren Wecker auf 6:00 Uhr gestellt, um noch vor der Hitze des Tages die Wanderung zum Avalanche Lake zu machen. Als wir nach dem Frühstück aufbrachen, wunderten wir uns, dass der Parkplatz schon voll war. Wir hatten es nicht für möglich gehalten, aber bereits um diese frühe Morgenstunde zog es ganze Menschenmassen auch zum Avalanche Lake. Auf unserer Wanderung überholten wir regelmäßig kleine bis größere Gruppen. Am Avalanche Lake angekommen, erschraken wir: Der kleine Strand war voll mit Menschen - und das zu dieser frühen Uhrzeit! Wir gingen deshalb noch ein kleines Stückchen weiter und erreichten einen Seezugang, auf dem weniger Menschen unterwegs waren. Nachdem wir die Wanderung beendet hatten, befuhren wir die Going-to-the-Sun-Road. Wir hatten zwar einen Lageplan der verschiedenen Aussichtspunkte, aber waren am Straßenrand leider nicht bezeichnet. So mussten wir oftmals raten, um welchen Aussichtspunkt es sich handelt. Da wir von West nach Ost fuhren, hatten wir mit unserem Mausmobil keine Probleme bezüglich überhängender Felsen. Für die Gegenrichtung allerdings gab es eine Warnung für alle Fahrzeuge, die höher als 10 Fuß sind. Am Logan Pass angekommen, starteten wir einen Versuch, einen Parkplatz am Visitor Center zu ergattern. Angesichts der Massen von Autos war dies allerdings ein sinnloses Unterfangen. Also machte sich die Greyhoundin schnell auf den Weg, um ihren Stempel zu holen, während der Greyhound auf dem Parkplatz eine paar Runden drehte. Wir hielten uns also nicht lange auf und fuhren nach Erhalt des Stempels umgehend weiter. Beim Jackson Glacier Overlook hielten wir an und konnten in der Ferne die Reste des ehemals mächtigen Gletschers sehen. Leider war der Smog in der Luft immer noch so stark wie gestern, so dass wir die Berge nur schemenhaft erkennen konnten. Als wir am St. Mary Lake angekommen waren, machte der verbrannte Wald keine Lust auf einen Spaziergang. Wir verzichteten deshalb darauf, die in der Broschüre angegebenen Wasserfälle zu besichtigen. Im St. Mary Visitor-Center angekommen, fanden wir gerade noch einen kleinen Platz für unser Mausmobil. Obwohl es ausgeschilderte Plätze für Wohnmobile gibt, werden diese von PKWs zugeparkt. Im Visitor-Center sahen wir uns einen Film über den Glacier NP an. Er war sehr schön gemacht. Allerdings sprang bei uns der Funke nicht über, denn zum einen hatten wir uns viel mehr Gletscher erhofft und zum anderen war uns der Park einfach zu voll. Der Smog und die damit verbundene schlechte Weitsicht trugen ihr übriges dazu bei. Zu unserem heutigen Tagesziel Helena, der Kapitale Montanas, fuhren wir über weite Strecken durch eine Prärielandschaft. Es gab kaum Bäume und das gelbe Gras war bis zum Horizont zu sehen. Erst kurz vor Helena tauchten die ersten Felsen und Bäume auf. Zudem regnete es ganz leicht - ein Naturschauspiel, welches wir schon seit Tagen nicht mehr hatten. In Helena besichtigten wir zunächst die Kathedrale der heiligen Helena. Diese katholische Kirche besticht durch ihre vielen wunderschön gearbeiteten Glasfenster. Für die Nacht stellten wir uns auf den Parkplatz von Home Depot. Wir hatten eine sehr ruhige Nacht. Das hatten wir nicht erwartet, denn wir standen auf dem Großparkplatz eines Baumarktes. Nach dem Frühstück fuhren wir zum State Capitol. Hier konnten wir uns einer Führung anschließen, die um 11:00 Uhr startete. Im Gegensatz zu der Führung durch das alte Gefängnis von Idaho war unsere heutige Führerin sprachlich sehr gewandt, hampelte nicht herum und sorgte überhaupt dafür, dass der Gang durch das Kapitol ein Genuss wurde. Sie wusste sehr viel und konnte dieses Wissen auch sehr gut vermitteln. Es war eine Freude, ihr zuzuhören. Das Capital Building ist sehr schön ausgeschmückt. Auch die großformatigen Bilder beeindruckten uns sehr. Wie nahezu jedes Kapitol in den USA erinnert es in seinem Stil an den griechisch-römischen Baustil. Wir hatten Glück, dass die Sonne schien, denn so leuchteten die bunten Glasscheiben noch viel mehr. Nach dieser wirklich sehr guten und informativen Führung fuhren wir zum Governors Mansion. Dieser ehemalige Wohnsitz der Gouverneure von Montana wurde so renoviert, dass er die Einrichtung widerspiegelte, wie sie um 1900 herum war. Auch hier hatten wir das Glück, dass wir nur vier Personen waren, die durch das Haus geführt wurden. Und auch diese Führerin verstand es, uns durch ihre lebendige Ausdrucksweise in die damalige Zeit zurückzuversetzen. Somit hatten wir schon zwei positive Erlebnisse bei der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Helena. Nach dem Mittagessen fuhren wir hinab in das historische Zentrum von Helena. Die Last Chance Gulch Straße quert die ganze Altstadt und spielt mit ihrem Namen darauf an, dass hier ein paar Goldsucher nach langem erfolglosen Suchen doch noch Gold gefunden hatten. Aufgrund eines Stadtbrandes im 19. Jahrhundert war jedoch von der ursprünglichen historischen Altstadt nicht mehr viel zu sehen. Zwar wiesen Hinweisschilder darauf hin, was hier ehemals gestanden hatte, aber natürlich konnten sie die originalen Gebäude nicht ersetzen. Wir waren deshalb mit unserer Besichtigung relativ schnell fertig und fuhren anschließend nach Virginia City. Auch heute führte unser Weg wieder durch eine hügelige Landschaft, deren überwiegend vertrockneten Weiden uns rechts und links der Straße begleiteten. Nur an den Stellen, welche künstlich bewässert wurden, gab es grüne Pflanzen. In Virginia City angekommen, stellten wir uns am Ortsausgang auf den ausgewiesenen RV-Parkplatz. Nach einer ruhigen Nacht zogen wir nach dem Frühstück los und schlenderten durch Virginia City. Heute waren alle historischen Gebäude geöffnet, so dass wir einen sehr guten Eindruck vom Leben in dieser Stadt um 1870 hatten. Die Bürgerwehr, die damals innerhalb eines Jahres mit 24 Gesetzlosen kurzen Prozess gemacht und sie aufgehangen hatte, existiert heute (zum Glück) nicht mehr. Der Sheriff ist heute auch nicht mehr mit Pferd, sondern mit einem schweren SUV unterwegs. Nach diesem Rundgang gingen wir zum Bahnhof und kauften uns zwei Tickets für die kleine Schmalspurbahn. Diese fährt einmal pro Stunde nach Nevada City. Nach einer kurzen Sicherheitsbelehrung fuhren wir mit dieser offenen Bahn los und erreichten 15 Minuten später das Museumsdorf Nevada City. Um einen Rundgang durch diese Häuser machen zu können, mussten wir zunächst ein Ticket kaufen. Das Ticket hat die Form eines Sheriffsterns und wird einem an das Hemd geklebt. So kann sich jeder Besucher wie ein Sheriff fühlen. Im Gegensatz zu Virginia City sind alle Gebäude ein Museum. Laiendarsteller treten leider nur samstags und sonntags auf. Aber auch so machte es uns Spaß, dieses Museumsdorf zu erkunden und viel über das damalige Leben im wilden Westen zu erfahren. Nach einem ausgiebigen Rundgang stärkten wir uns im einzigen kleinen Restaurant des Ortes. Anschließend fuhren wir mit dem Zügle wieder gemächlich zurück nach Virginia City. Als wir dort ankamen, fing es an, leicht zu regnen. Dies erleichterte unseren Entschluss, heute noch weiter zu fahren, auch wenn der Regen nicht von Dauer war. In Bozeman nutzten wir die kostenlose Ver- und Entsorgungsmöglichkeit im Bond Park. Kaum waren wir auf die Interstate 90 aufgefahren, begann es kräftig zu regnen. Dieser Regen begleitete uns bis Columbus. Im Itch-Kep-Pe Park waren noch genügend kostenlose Stellplätze frei. Wir suchten uns deshalb einen netten Platz unter Bäumen aus und stellten uns für die Nacht hin. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 31 Jul 2024 06:01:50 Fortsetzung des Reiseberichts Der Wind hatte über Nacht nachgelassen, weshalb kein Laut unseren Schlaf störte. Nach dem Frühstück fuhren wir zunächst zu Montana Silversmiths im Ort. Dieses Wochenende wurden dort Führungen durch die kleine Firma angeboten. Wir bekamen eine Privatführung und konnten aus nächster Nähe sehen, wie die Gürtelschnallen hergestellt werden, die uns so gut gefallen. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Little Bighorn Battlefield NM. An diesem geschichtsträchtigen Ort gelang es den Indianern, die 7. Kavallerie unter General Custer zu vernichten. Das Museum wird aktuell gerade renoviert, weshalb die Parkverwaltung in einem Container untergebracht ist. Zum zweiten Mal auf unserer Reise erlebten wir dort eine derart unmotivierte Mitarbeiterin der Parkverwaltung, dass wir uns wirklich fragen, warum sie da saß. Auf unsere Frage nach einem Plan beziehungsweise einer Broschüre bekamen wir ein schlecht kopiertes Blatt Papier in die Hand gedrückt. Erläuterungen zu den auf diesem Blatt angegebenen Nummern fehlten, da diese angeblich unterwegs zu sehen seien. Dummerweise ist das Visitor Center genau am historisch falschen Ende des Weges gebaut. Wir mussten deshalb zunächst 5 Meilen fahren, um die richtige chronologische Reihenfolge der Schlacht nachvollziehen zu können. An einzelnen Stationen waren Tafeln angebracht. Nummerierungen, die einen Abgleich mit dem kopierten Blatt Papier, welches wir bekommen hatten, ermöglichen sollten, fehlten vollständig. Von der Straße aus konnten wir immer wieder kleine Grabsteine sehen, die mitten in der Prärie standen. Später lasen wir, dass diese 1898 aufgestellt worden waren, ohne dass dies allerdings ein echtes Grab ist. Die gefallenen Soldaten wurden alle in einem Massengrab auf dem Last Man Standing Hügel beerdigt. Offiziere erhielten ein gesondertes Grab und General Custer wurde auf dem Arlington Friedhof beerdigt. Wir fanden es schade, dass für diesen geschichtsträchtigen Ort keine Broschüre seitens der Parkverwaltung herausgegeben wird, um das ganze Geschehen etwas plastischer darzustellen. Zwar bot ein Ranger einen Vortrag an, aber als wir dort ankamen, lief dieser schon 15 Minuten. Zudem war er aufgrund der Entfernung und vorbeifahrender Autos sehr schwer zu verstehen. Nach dieser Besichtigung fuhren wir noch ein Stückchen weiter in Richtung unseres nächsten Zieles, dem Theodore Roosevelt NP. Kurz vor Forsyth verließen wir die Interstate 94 und fuhren auf dem alten Highway bis zur Water Spring Rest Area von Forsyth. Dort stellten wir uns für die Nacht hin. Das klare und kühle Wasser der Quelle schmeckt übrigens sehr gut. Wir haben direkt unsere Wasserflaschen damit aufgefüllt. Auf unserem weiteren Weg Richtung Osten stoppten wir heute im Makoshika SP. Dieser kleine Park erinnerte uns an den Badlands NP in South Dakota genauso wie an die Ah-Shi-Sle-Pah Wilderness in New Mexico. Im Visitor-Center ließen wir uns eine Übersicht mit möglichen kleinen Wanderungen und Aussichtspunkten geben. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann als erstes zum Ponderosa Parkplatz. Dort machten wir eine eher unspektakuläre kleine Wanderung durch die Prärie, die mit jenen Ponderosa-Kiefern bewachsen war. Wegen der Bäume hatten wir allerdings auch kaum Fernsicht auf die Felsen um uns herum. Aber es war ein netter Verdauungsspaziergang nach dem Mittagessen. Unsere nächste Tour beim Cap Rock war landschaftlich ganz anders und mit einigen Steigungen schon etwas anspruchsvoller. Hier konnten wir einen Trail gehen, der uns mitten durch eine bizarre, in weiß, gelb, braun und schwarz gestreifte Felslandschaft führte. Höhepunkt war eine natürliche Brücke. Nach dieser schon sehr schönen Wanderung folgte das nächste Highlight bei Kinney Coulee. Auch hier hatten wir die spektakuläre Landschaft und zusätzlich noch ordentliche Steigungen zu überwinden. Obwohl keine Sonne schien und die Temperatur mit 24° eigentlich nicht zu warm war, kamen wir ordentlich ins Schwitzen, aber die Landschaft war es auf jeden Fall wert gewesen. Bevor wir den Park verließen, fuhren wir noch schnell zum Aussichtspunkt auf die Twin Sisters. Ein kurzer Weg führte uns zu dieser Felsformation. Von diesem kleinen State Park aus war es nicht mehr weit bis zu unserem heutigen Tagesziel in Wibaux. Über Harvest Hosts hatten wir die Beaver Creek Brauerei ausfindig gemacht und dort einen Platz für die Nacht bekommen. Obwohl die Bahngleise relativ nah an unserem Stellplatz vorbeiführten, hatten wir eine ruhige Nacht, da zwischen Mitternacht und 8:00 Uhr morgens kein Zug fuhr. Heute lachte wieder die Sonne vom Himmel. Zudem versprach es, wieder ein heißer Tag zu werden. Wir hielten uns deshalb nicht lange auf und fuhren nach Medora in den Theodore Roosevelt NP. Der Ort Medora wurde von einem französischen Adligen gegründet, der hier eine Fleischfabrik errichtete. Sein Unternehmen ging allerdings pleite. Von der Fabrik steht heute nur noch der Schornstein. Der kleine Ort hat sich heutzutage voll auf den Tourismus konzentriert, da der Parkeingang und das Visitor-Center des Nationalparks direkt neben dem kleinen Ort liegen. Im Visitor-Center ließen wir uns Tipps für Unternehmungen geben und schauten uns den schön gemachten Film über diesen Park an. Der ehemalige Präsident Roosevelt hatte die Idee dazu, diese Gegend als Nationalpark auszuweisen, da er nach dem Tod seiner Frau und seiner Mutter inmitten dieser schönen Landschaft wieder neuen Lebensmut geschöpft hatte. Nach dem Besuch des Visitor-Centers planten wir, zunächst den durch den Park führende Scenic Drive zu befahren und die kleinen Rundwege an den jeweiligen Aussichtspunkten abzulaufen. Anschließend wollten wir eine längere Wanderung in einem der beiden ausgetrockneten Flusstäler machen. Aber erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt! Wie geplant, befuhren wir zunächst die durch den Park führende Straße. An den einzelnen Aussichtspunkten hielten wir an und gingen jeweils die kurzen Rundwege. Ein bisschen erinnerte uns die Landschaft im Park an die im gestrigen State Park, nur, dass alles hier viel größer und weitläufiger ist. Zudem gibt es hier den Fluss Little Missouri sowie viele Bisons. Unsere erste Herde sahen wir auch recht bald hinter dem Parkeingang. Anscheinend ist gerade Paarungszeit, weshalb wir das Schnaufen der männlichen Bisons kilometerweit hören konnten. Ausdrücklich waren wir gewarnt worden, uns den Tieren nicht zu nähern, da sie aktuell leicht reizbar sind. So machten wir unsere Fotos aus der Entfernung beziehungsweise aus dem Auto heraus, wenn eines der Tiere direkt neben der Straße stand. Nach dem Mittagessen gingen wir den letzten kurzen Rundweg. Dieser zeichnete sich dadurch aus, dass hier bis 1974 16 Jahre lang unterirdisch Kohle gebrannt hatte. Mittlerweile ist das Feuer erloschen. Wir konnten allerdings an vielen Stellen noch Kohlestaub sehen. Anschließend fuhren wir zum Einstiegspunkt in die von uns geplante längere Wanderung entlang eines Flussbetts. Dummerweise hielt sich dort eine größere Herde Bisons auf. Wir trauten uns deshalb nicht, durch diese Herde zu gehen und fuhren zu dem anderen Flussbett. Aber auch hier wurde uns der Weg durch viele Bisons versperrt. Zudem hatten diese zum Teil Jungtiere, was die Muttertiere gefährlich machte. Wir nahmen deshalb Abstand von unserem Plan und fuhren aus dem Park hinaus zur Cowboy Hall of Fame von North Dakota. Diese befindet sich direkt neben dem Parkeingang. Dieses Museum war sehr interessant gestaltet und zeigte zudem zwei Filme, die das Leben der Cowboys beziehungsweise die Geschichte des Rodeos in North Dakota veranschaulichten. Nach diesem interessanten Besuch schlenderten wir noch ein bisschen durch den kleinen Ort und stärkten uns mit einem Eis. Anschließend fuhren wir zum Friedhof, der oberhalb des Ortes liegt. Die Nacht war total ruhig gewesen. - kein Wunder, standen wir doch direkt neben dem Friedhof und diese Nachbarn sind eigentlich immer sehr ruhig. Unser erstes Ziel heute war das Chateau de Mores. Das Haus ist heute eine State Historic Site. Nachdem wir uns einen Film angesehen und die dazugehörige Ausstellung besucht hatten, besichtigten wir das Haus. Das Obergeschoss bestand fast ausschließlich aus Gästezimmern. Die Elternschlafzimmer waren im Erdgeschoss untergebracht, wobei der Marquis ein Bad nur für sich bauen ließ. Seine Frau musste sich mit einer Waschschüssel im Zimmer begnügen. Nach diesem interessanten Beginn des Tages fuhren wir zum Painted Canyon Visitor-Center. Trotz der Hitze des Tages wollten wir den Painted Canyon Trail gehen, da wir uns davon viele bunte Felsen versprachen. Der insgesamt circa 4 Meilen lange Trail führte uns steil hinab ins Tal, wobei wir allerdings nur wenige interessante Felsen sahen. Bunte Felsen sahen wir - wenn überhaupt - nur in der Ferne. So hatten wir uns das nicht vorgestellt und gingen deshalb etwas enttäuscht wieder zurück. Nach dem Mittagessen fuhren wir etwa 90 km in den nördlichen Teil des Theodore Roosevelt NP. Unterwegs überquerten wir die Zeitzone und leben ab sofort in der Central Standard Time. Da es mittlerweile schon später Nachmittag war (die Uhr wurde eine Stunde vorgestellt) fuhren wir den Scenic Drive im Park direkt bis zum Caprock Coulee Trailhead. Dort gingen wir den etwa 6 km langen Trail im Uhrzeigersinn ab. Dies hatte den Vorteil, dass der Anstieg zwar steil war, aber dafür die zweite längere Hälfte nicht ganz so steil bergab ging. Und hier sahen wir nun wirklich die von uns schon lange herbeigesehnten bunten Felsen. Die Sonne tat ihr übriges, die Farben zum Leuchten zu bringen. Auch wenn wir bei den immer noch hohen Temperaturen ordentlich schwitzen mussten, hatten wir dennoch viel Spaß mit dieser Tour und konnten tolle Fotos machen. Nach über zwei Stunden waren wir wieder am Mausmobil und fuhren noch die restliche Parkstraße bis zum Oxbow Overlook. Hier stellten wir uns auf den Parkplatz für die Nacht hin. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 04 Aug 2024 04:54:53 Fortsetzung des Reiseberichts Unsere Nacht war herrlich ruhig. Am späten Abend glaubten wir sogar, das Schnaufen von Bisons zu hören. Da draußen allerdings kein Mond schien, konnten wir jedoch nichts sehen. Bevor wir den Park verließen, sahen wir uns nach dem Frühstück noch die „Kanonenkugeln“ (eine skurrile Gesteinsformation) an und machten eine kurze Wanderung zum Fluss Little Missouri. Anschließend fuhren wir zum Knife River Indian Villages NHS. Dieser Park lag auf unserem Weg und da wir Stempel und Sticker der Nationalparks sammeln, kam uns dieser gerade recht. Dort angekommen, sahen wir uns zunächst den Film über die hier früher stehenden Indianerdörfer an. Anschließend gingen wir noch durch die Ausstellung und besichtigten einen Nachbau eines sogenannten Sommerhauses der Indianer. Nur wenige Meilen später erreichten wir Bismarck. Da dies die Hauptstadt des Bundesstaates North Dakota ist, fuhren wir direkt zum Capitol. Dieses ist eines von vier Kapitolgebäuden der US-Bundesstaaten, welches im Hochhausstil errichtet wurde. Wir kamen gerade rechtzeitig, um die letzte Führung des Tages mitzumachen. Unser Führer Bob verstand es, uns sowohl die Geschichte des Gebäudes als auch die Lebensumstände in North Dakota interessant zu schildern. In North Dakota sind über 90 % der Landesfläche im Besitz von Farmern. Daneben wird mit der Fracking-Methode Erdöl gefördert. Damit gehört North Dakota zu den vier größten erdölfördernden Bundesstaaten. Insgesamt leben knapp 800.000 Menschen in North Dakota. In der Hauptstadt selber sind dies nur 76.000. Aus diesem Grund wirkt Bismarck sehr ländlich und grün und hat auch keine Downtown mit Hochhäusern. Nach dieser wirklich sehr gelungenen Führung und einem Abstecher, um unser Schwarz- und Grauwasser zu entsorgen, fuhren wir an die Anlegestelle des Louis und Clark Riverboat. Auch hier kamen wir gerade rechtzeitig, um einen Sunset Cruise zu buchen. Nach dem Abendessen gingen wir an Bord und fuhren auf dem Missouri River eineinhalb Stunden spazieren, bis die Sonne untergegangen war. Es war eine Wohltat, nach der Hitze der vergangenen Tage die abendliche Kühle zu spüren. Wieder in unserem Mausmobil, entschieden wir, über Nacht hier stehen zu bleiben. Die Nacht war entgegen unseren Befürchtungen ruhig gewesen. Zwar herrschte bis Mitternacht zum Teil reges Treiben auf dem Parkplatz. Vor allem junge Männer schienen hier ihre PS-starken Fahrzeuge vorzuführen. Dann aber war es ruhig, so dass wir bis 8:00 Uhr schlafen konnten. Bevor wir Bismarck verließen, besichtigten wir noch das frühere Wohnhaus der Gouverneure, welches bis 1960 benutzt wurde. Dieses ist heute eine State Historic Site und kann ohne Führung erkundet werden. Die Einrichtungsgegenstände sind original. Ebenso interessant sind die verschiedenen Tapeten, die im Rahmen der Renovierung zum Vorschein kamen. Ein nettes Highlight ist das Dachgeschoss. Hier spielten früher die Kinder der Gouverneure. In diesem Raum können heute die Besucher mit den Spielzeugen der damaligen Kinder spielen. Sogar eine kleine Kegelbahn war früher eingerichtet worden. Nach diesem kulturellen Beginn des Tages fuhren wir Richtung Fargo. Unterwegs machten wir in Jamestown Halt, um Wasser zu bunkern, einzukaufen sowie im Stadtpark unser Mittagessen einzunehmen. Bevor wir Jamestown verließen, besichtigten wir noch die katholische Basilika St. James. Diese strahlt im Innenraum in frischen Farben und wartet mit sehr schönen Glasfenstern auf, weshalb sie uns sehr gefallen hat. Kurz hinter Fargo verließen wir North Dakota und erreichten den Bundesstaat Minnesota. Auffällig waren hier die vielen Polizeifahrzeuge und Fahrzeuge der State Trooper, die den Verkehr überwachten und bereits den einen oder anderen Fahrer (vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit) aus dem Verkehr gezogen hatten. Beim Sivertson Lake stellten wir uns für die Nacht hin. Der See ist von Wald umgeben und voller Seerosen, aber leider gibt es hier sehr viele Mücken, weshalb wir in unserem Mausmobil blieben und nur die Fenster und Türen mit Mückenschutz öffneten. Nach einer ruhigen und störungsfreien Nacht weckte uns die Sonne wieder aus unseren Träumen. Da wir heute eine größere Strecke bis zum Voyageurs NP zurückzulegen hatten, hielten wir uns nach dem Frühstück nicht lange auf und fuhren los. Am frühen Nachmittag erreichten wir das Visitor-Center am Kabetogama Lake. Dort ließen wir uns Tipps geben und schauten darüber hinaus den Film über den Park an. Zu großen Teilen kann dieser nur per Boot erreicht werden. Es gibt allerdings auch einige Wanderwege, die fast alle in der Nähe des Ash River Visitor-Centers liegen. Von einer Wanderung beim Visitor-Center am Kabetogama Lake wurde uns abgeraten, da die Wege aktuell zum Teil unter Wasser stehen und sich demzufolge sehr viele hungrige Mücken auf Wanderer freuen. Wir fuhren deshalb das kurze Stück zum Ash River Visitor-Center hinüber, sprühten uns gegen die Mücken ein und marschierten los. Der Weg führte im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein durch den Wald. Aufgrund der vielen Wurzeln mussten wir stellenweise aufpassen, nicht den Halt zu verlieren. Kaum blieben wir stehen, wurden wir zum gefundenen Fressen für Mücken und Bremsen. Und dabei heißt es doch eigentlich „Don’t feed the Wildlife“. Am Endpunkt der Wanderung angekommen, hatten wir einen netten Blick über den Kabetogama Lake. Wälder begrenzten die Ufer und die Farben Grün und Blau dominierten. Überhaupt haben wir heute auf unserer Fahrt den Bundesstaat Minnesota als einen sehr grünen und flachen Bundesstaat erlebt. Wieder zurück beim Mausmobil entschieden wir, keine zweite Wanderung zu machen. Wir hatten bei der gerade absolvierten bereits genug „Blutzoll“ entrichtet. So fuhren wir ein Stückchen weiter und stellten uns in Orr auf den Parkplatz direkt am Pelikan See. Grundsätzlich hatten wir eine ruhige Nacht. Ab und zu kam allerdings der Zug und machte lautstark auf sich aufmerksam. Dies passierte zum Glück nur in den frühen Morgenstunden, so dass wir dennoch gut ausgeschlafen waren. Anschließend fuhren wir Richtung des Lake Superior. Die Straße dorthin führte überwiegend durch Wald. Kurz hinter Ely begann es zu regnen und hörte den ganzen Tag nicht mehr auf. Für uns, die wir seit Wochen nur Sonnenschein kennen, war das ganz ungewöhnlich. Nach Erreichen des Lake Superior legten wir unsere Mittagspause auf einer Rest Area ein. Danach fuhren wir zum Split Rock Lighthouse. Dieser malerisch gelegene Leuchtturm war bis 1969 in Betrieb. Heute zieht er täglich viele Besucher an, die sowohl den Leuchtturm als auch das ehemalige Leuchtturmwärterhaus besichtigen wollen. Ein gut gemachter Film zeigt die Geschichte des Leuchtturms. Nachdem wir zusätzlich noch das kleine Museum besichtigt hatten, schlenderten wir durch das Leuchtturmwärterhaus und konnten nach Herzenslust Fotos machen. Anschließend bestiegen wir den Leuchtturm. Da er 1910 errichtet worden war, hatte der Leuchtturmwärter nicht mehr eine ganz so schwere Arbeit wie seine Kollegen in anderen Leuchttürmen, die vor 1900 errichtet wurden. Der Leuchtturm thront auf einer steilen Feldwand über dem Lake Superior. Um hier ein schönes Bild machen zu können, gingen wir hinab an den Strand. Zum Glück legte der Regen in dieser Zeit eine kurze Pause ein. Für die Übernachtung hatten wir uns einen Parkplatz am Hafen in Two Harbours ausgesucht. Als wir dort ankamen, konnten wir uns mit der Fahrzeugfront voran Richtung Wasser stellen. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 09 Aug 2024 05:07:28 Fortsetzung des Reiseberichts Ein blauer Himmel mit kleinen Wolken weckte uns. Was ein Kontrast zu gestern! Nach einem kleinen Spaziergang zum Leuchtturm fuhren wir das kurze Stück nach Duluth. Dort parkten wir in der Nähe des Hafens. Wir kamen gerade rechtzeitig, um die Durchfahrt eines Frachters unter der Hubbrücke zu erleben. Nachdem wir noch ein bisschen durch das Marinemuseum geschlendert waren, gingen wir ein Stück des Skywalks Richtung Innenstadt. Dieser geschlossene Skywalk ermöglicht es den Menschen, wettergeschützt in der Innenstadt einkaufen zu gehen. Wir blieben allerdings nicht lange in diesem Skywalk, da die Luft sehr stickig und warm war. Entgegen der Wettervorhersage unserer App wurde es nämlich nicht bewölkt, sondern die Sonne lachte vom Himmel und heizte die Temperaturen auf. Nachdem wir am Ufer entlang des „Lakewalk“ zum Parkplatz zurück gegangen waren, stärkten wir uns noch mit den üblichen Bagels und zwei Pecan-Rolls. Diese waren zwar sehr klebrig, aber total lecker. Gut gesättigt fuhren wir Richtung St. Paul. In Forest Lake stellten wir uns auf die Rest Area für die Nacht. Nach einem Ruhetag wegen Dauerregens war unser erstes Ziel das State Capitol von Saint Paul. Wir kamen gerade rechtzeitig, um eine Führung durch dieses schön renovierte Gebäude mitmachen zu können. Da heute Morgen die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten bekannt gegeben hatte, dass sie den Gouverneur von Minnesota als Vize-Präsidenten einsetzen möchte, war dies natürlich Gesprächsthema während der Führung. Minnesota hat als einziger Bundesstaat ein französischsprachiges Motto: „L‘Etoile du Nord“ oder auf Deutsch „Stern des Nordens“. Dieser Stern ist hier überall allgegenwärtig und soll an die ersten Siedler aus Frankreich erinnern. Zudem wurde im Mai 2024 die Flagge von Minnesota geändert. Sie besteht nun aus einer hellblauen und dunkelblauen Fläche mit einem Stern. Während der Führung konnten wir auch auf den Balkon unterhalb der Kuppel gehen, die Quadriga aus nächster Nähe bestaunen und von dort einen sehr schönen Blick über die Stadt Saint Paul genießen. Nach der Führung gingen wir hinüber zur Kathedrale. Auch dieses Gebäude wirkte mit seinen blauen Glasfenstern sehr beeindruckend. Zudem gibt es hinter dem Hauptalter die Schreine der Nationen. Dies sind kleine Nebenaltäre. Für Deutschland wurde der heilige Bonifatius ausgewählt. Nach einer Stärkung setzten wir unser Mausmobil um und erkundeten Downtown. Interessante Gebäude sowie eine schön hergerichtete Grünanlage mit Brunnen fielen uns sofort auf. In unserem Reiseführer hatten wir gelesen, dass es in der Summit Avenue in Saint Paul die größte Ansammlung viktorianischer Gebäude in den USA geben soll. Sie wurden Mitte des 19. bis ins 20. Jahrhundert gebaut und von Millionären bewohnt. Da diese Straße allerdings sehr lang ist, fuhren wir die Summit Avenue ab, um die Häuser zu entdecken. Zu unserem Vorteil war die Geschwindigkeit auf 25 Meilen begrenzt und es gab ausreichend Parkmöglichkeiten, sobald wir ein schönes Haus als Fotomotiv gesehen hatten. Nachdem wir alle für uns interessanten Highlights von Saint Paul erkundet hatten, fuhren wir ein Stück südlich bis nach Lakeville und stellten uns bei Cracker Barrel auf den Parkplatz. Auch heute begrüßte uns wieder ein sonniger Morgen. Der Tag versprach, wunderschön zu werden. Auf unserem weiteren Weg nach Süden stoppten wir nach Überfahren der Grenze zu Iowa für das Mittagessen in Clear Lake. Wir hatten Glück und fanden direkt am Badestrand des Ortes einen Parkplatz. Natürlich wurden wir auch hier aufgrund unseres deutschen Kennzeichens angesprochen. Überhaupt fanden es bisher alle sehr interessant, dass wir unser Mausmobil extra aus Deutschland nach Nordamerika verschifft haben. Nach dem Mittagessen nutzten wir das schöne Wetter und schwammen ein paar Runden im See. Dieser machte dem Ortsnamen keine Ehre, denn das Wasser war trüb. Anschließend holten wir unsere Liegestühle aus der Garage und ließen uns von der Sonne wärmen. Da wir heute nur auf dem Highway 35 unterwegs waren, kamen wir flott voran. So erreichten wir am späten Nachmittag unseren Übernachtungsplatz beim Iowa Aviation Heritage Center. Hier hatten wir über unsere Mitgliedschaft bei Harvest Hosts eine Zusage bekommen. Zwar zeigte sich beim Aufwachen der Himmel noch bedeckt. Allerdings versprach uns der Wetterfrosch, dass es im Laufe des Tages aufreißen wird. Wir hielten uns deshalb nicht lange auf und fuhren nach Des Moines, der Hauptstadt des Bundesstaates Iowa. Eines der Highlights ist eine Führung durch das Kapitolgebäude. Dieses hat nicht nur eine Kuppel wie andere Kapitolgebäude, sondern gleich fünf. In einer der Kuppeln waren früher die Schlafzimmer für die Richter des Supreme Court untergebracht, da Des Moines mitten in Iowa liegt, damals aber auch als das „Middle of nowhere“ bezeichnet wurde. Für die Wandverschönerung wurden keine Tapeten benutzt. Vielmehr wurden alle Muster von Hand auf die Wand gemalt. Highlight ist die Bibliothek. Diese kann von jedermann genutzt werden, hat aber überwiegend juristische Fachbücher. Nach über eineinhalb Stunden war die sehr interessante Führung vorbei. Mit unserer Führerin hatten wir ebenso Glück, da dies eine quirlige ältere Dame war, die es verstand, alles sehr lebendig zu vermitteln. Unser nächstes Ziel war der Pappajohn Sculpture Park, welcher mitten in der Stadt liegt. Wir waren etwas erstaunt, als wir dort ankamen, denn uns erwartete kein großzügiger Park, sondern ein kleiner Park mitten in der Stadt. Auf diesem sind unterschiedliche Skulpturen ausgestellt. Unter anderem hat hier auch Mark di Suveros eine Skulptur geschaffen. Bonner Bürgern ist er bekannt, da von ihm am Rhein in Bonn eine ähnliche Skulptur aufgestellt wurde. Drittes Highlight unseres Besuchs war das Salisbury House & Gardens. Dieses kann zwar auf eigene Faust besichtigt werden. Aber nur im Rahmen einer Führung kommt man auch in Räume, die ansonsten verschlossen bleiben würden. Als Vorbild diente dem Bauherrn ein Gebäudeensemble aus Salisbury in England. Innen mit sehr viel dunklem Holz eingerichtet und mit Wandteppichen behangen, wirkt das Haus nicht sehr gemütlich. Wir kamen uns eher vor wie in einer alten Burg. Unser Führer wusste - ähnlich wie der Guide gestern im Luftfahrtmuseum - zu jedem Gegenstand etwas zu erzählen und auch nuschelte ziemlich stark. Das ermüdete uns schon ein bisschen! Nach fast eineinhalb Stunden war die Führung zu Ende. Den Garten schenkten wir uns, da dieser nicht besonders groß ist und aktuell nur ein paar Rosen blühen. Nach dieser Führung fuhren wir in Richtung unseres morgigen Zieles und stellten uns für die Nacht auf die Rest Area an der I80 in der Nähe von Underwood hin. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 13 Aug 2024 05:24:55 Fortsetzung des Reiseberichts Unser heutiges Fahrtziel war die kleine Stadt Beatrice in Nebraska. Nicht, dass es dort besondere Sehenswürdigkeiten gibt, aber wenn es schon eine Stadt gibt, die denselben Namen wie die Greyhoundin trägt, dann müssen wir sie auf jeden Fall besuchen. In Beatrice angekommen fuhren wir zunächst zum Visitor-Center. Dieses ist in einem ehrwürdigen alten Gebäude, der ehemaligen Bibliothek, untergebracht. Eine Mitarbeiterin freute sich über die Namensgleichheit und gab uns ein paar Tipps für die Stadt. Als erstes gingen wir zum kleinen Museum hinunter. Da dieses Museum für das gesamte County zuständig ist, gab es zur Stadt Beatrice nur eine kleine Abteilung. Die Stadt wurde zu Ehren seines Gründers nach dessen Tochter Julia Beatrice Kinney benannt. Die übrige Ausstellung ließen wir mehr oder weniger links liegen, da uns diese nicht interessierte. Mittlerweile war es Mittagessenszeit geworden. Wir schlenderten deshalb durch die Straßen der Stadt und suchten nach einer Möglichkeit, unseren Hunger zu stillen. Als wir das italienische Restaurant „Valentinos“ erreichten, kam der Besitzer und teilte uns mit, dass lediglich Außer-Haus-Verkauf stattfinden würde. Das Restaurant selbst würde nur am Wochenende geöffnet, da dann Buffet angeboten wird. Als wir schon weitergehen wollten, rief er uns noch einmal zurück und öffnete für uns das Restaurant. Wir wurden sehr nett bedient und konnten unseren Hunger mit zwei lecker belegten Pizzen stillen. Davor hatten wir uns einen gemischten Salat bestellt. Dieser war zwar relativ langweilig und bestand fast ausschließlich aus Eisbergsalat, aber etwas Frisches sollte es zum Mittagessen schon sein. Als wir gezahlt hatten und gehen wollten, gab uns der Wirt noch eine große Portion Nachtisch mit auf den Weg. Es waren kleine Teigteilchen, die mit einer Karamellsauce übergossen sind. Da wir satt waren, nahmen wir den Nachtisch mit. Unser nächster Weg führte uns zum Homestead NHP. Über den so genannten Homestead Act konnten Menschen 0,6 km² Land kostenlos bekommen und dort Ackerbau bzw. Viehwirtschaft betreiben. Wenn sie dies fünf Jahre getan hatten, gehörte das Land ihnen. Alternativ konnten sie auch schon davor 200 $ bezahlen und besaßen es somit früher. Auf diese Weise bekamen insgesamt 1,6 Millionen Menschen Land. Allerdings wurden nicht alle erfolgreiche Farmer, da Witterungseinflüsse beziehungsweise Wirtschaftsflauten sie zur Aufgabe gezwungen hatten. Nachdem wir einen sehr guten Informationsfilm zu diesem Thema im Visitor-Center angesehen hatten, gingen wir den ausgeschilderten Wanderweg über das Gelände der ersten Person, die über diesen Homestead Act an Land gekommen war. Informationstafeln wiesen unterwegs darauf hin, wie beschwerlich das Leben damals war. Wir hätten nicht in dieser Zeit leben wollen und wissen einmal mehr zu schätzen, wie wir heute leben können. Nachdem wir wieder am Mausmobil angekommen waren, fuhren wir noch ein paar Kilometer bis nach Marysville. Bevor wir uns auf den Parkplatz bei Walmart für die Nacht stellten, fotografierten wir noch einige der großen schwarzen Plastik-Eichhörnchen, die im Ort verteilt aufgestellt sind. Heute standen wir etwas früher auf, denn wir wollten in Topeka nicht nur die Führung durch das Kapitol mitmachen, sondern auch die Führung hoch in die Kuppel. In Topeka angekommen, hatten wir zunächst Schwierigkeiten, einen Parkplatz zu finden: Die halbe Stadt war eine Baustelle. Aber nach einigem Kreisen durch die Stadt erreichten wir einen kostenlosen Parkplatz am Kapitol. Wir kamen gerade rechtzeitig, um an einer Kuppelführung teilnehmen zu können. Der Anfang war noch relativ unspektakulär, da wir in einem Treppenhaus nach oben gingen. Auf dem oberen Gang angekommen, hatten wir einen wunderschönen Blick nach unten in den Eingangsbereich des Kapitols. Anschließend begann der Aufstieg über schmale Treppen mit freiem Blick nach unten. Das war nicht jedermanns Geschmack, weshalb ein Teil der Gruppe unten blieb. Wir waren aber tapfer und gingen ganz nach oben. Eine solch einmalige Chance lassen wir uns doch nicht von weichen Knien kaputtmachen, auch wenn wir dafür 296 Stufen erklimmen müssen. Ganz oben angekommen, schloss die Führerin die Außentür auf und wir konnten auf dem schmalen Balkon über die Stadt blicken. Tief unter uns wartete unser Mausmobil auf dem Parkplatz auf uns. Denselben luftigen Weg ging es auch wieder nach unten. Unsere Körper produzierten dabei sehr viel Adrenalin. Wieder im Erdgeschoss angekommen, konnten wir direkt mit einer Führung durch das Kapitol anschließen. Auffällig ist hier die Farbe Kupfer, da sehr viel mit Kupfer verkleidet wurde beziehungsweise kupferfarbig angestrichen wurde. Auch fielen die großformatigen Bilder auf, die von Künstlern zur Verschönerung der Wände gemalt wurden. Im Gegensatz zu anderen Kapitolgebäuden, die wir bereits besichtigt hatten, strahlt dieses eine schlichte Eleganz aus. Zwar dominiert hier auch der Anklang an griechisch-römische Gebäude, aber es ist kein Zuckerguss- oder Disney-Stil wie in manch anderem Gebäude. Nach der Mittagspause gingen wir das kurze Stück zum Brown v. Board of Education NHP. In dieser ehemaligen Schule wird das Thema der Segregation von schwarzen Schülern behandelt. Erst durch das Urteil des obersten Gerichtes im Jahr 1954 musste diese aufgehoben werden. Es dauerte aber noch Jahre, bis es US-weit umgesetzt worden war. Ein interessant gemachter Film veranschaulichte, welche Probleme die schwarze Bevölkerung u.a. durch die Ungleichbehandlung in der Bildung hatte. Zudem gab es viele Ausstellungsstücke, die die damalige Stimmung im Land gut wiedergaben. Mit diesem Besuch beendeten wir unseren Aufenthalt in Topeka und fuhren Richtung Kansas City. In Kansas City machten wir einen kurzen Stopp bei Cabelas. Zu unserem Übernachtungsplatz bei Cracker Barrel in Independence war es nun nicht mehr weit. Heute stand für uns Jefferson City auf dem Plan. Hier wollten wir das State Capitol von Missouri besichtigen. Für die erste Führung um 11:00 Uhr waren wir zwar zu spät, konnten uns aber zwei Plätze für die Führung um 14:00 Uhr sichern. Die Zeit bis dahin überbrückten wir mit einem Spaziergang durch - nach Angaben von Jefferson City - „Americas most beautiful small town“. Diesem Satz konnten wir nicht so ganz zustimmen. Zwar gab es hübsche Häuser in der Innenstadt und es sieht auch gepflegt aus, aber wir haben schon andere Kleinstädte in den USA besichtigt, die diesen Satz wirklich für sich beanspruchen könnten. In den Wohnsitz des Gouverneurs kamen wir heute nicht hinein, da sonntags keine Führungen angeboten werden. So besichtigten wir das prachtvolle Haus nur von außen. Fast direkt neben dem Kapitol fließt der Missouri. Eine Fußgängerbrücke ermöglicht es Besuchern, in einen kleinen Park am Fluss zu gelangen. Er ist ganz nett angelegt und hat als Besonderheit einen Bilderrahmen für Selfies mit dem Kapitol im Hintergrund. Nachdem wir unsere Bilder gemacht hatten und noch etwas Sand für die Sammlung mitgenommen hatten, schlenderten wir zurück zum Mausmobil, um unser übliches Mittagessen zu genießen. Gestärkt gingen wir dann zum Treffpunkt der Führung. Das Kapitol wirkte auf uns von außen relativ langweilig, da es keine bunten Applikationen hat, sondern nur in einem nüchternen Grau strahlt. So waren wir auf die Gestaltung der Innenräume gespannt. Pünktlich um 14:00 Uhr begann die Führung. Interessant waren insbesondere mehrere Wandmalereien, auf die sie uns hinwies. Je nachdem, ob man die Bilder von links oder von rechts betrachtete, wirkten sie vollkommen anders. Auch die Galerie der Büsten von berühmten Persönlichkeiten des Bundesstaates Missouri war sehr interessant. Ein weiteres Highlight der Führung war ein prunkvoll ausgemalter Raum, der die Geschichte des Bundesstaates Missouri von seinen Anfängen bis in die 1940er Jahre darstellte. Die Figuren waren zum Teil überlebensgroß und fotorealistisch gemalt. In den beiden Kammern gab es als Besonderheit bunte Glasfenster, die den beiden Räumen eine wunderschöne Atmosphäre verliehen. Zwar kamen wir nur in einen Raum hinein, aber den Saal des Senates konnten wir durch die Fenster der Eingangstüren sehen. Insgesamt gesehen hat uns die Führung gut gefallen, auch wenn wir akustische Probleme hatten. Das Kapitol selbst strahlt im Inneren eine zurückhaltende Eleganz aus. Wie bei der Außenfassade sind auch hier viele Wände grau beziehungsweise weiß gemalt. Auf diese Weise wirken allerdings die großformatigen Bilder besser. Mit dem Besuch des Kapitols beendeten wir unsere Besichtigung von Jefferson City. Für die Nacht hatten wir etwas außerhalb von Jefferson City über iOverlander einen Platz am Fluss gefunden. „Regentropfen, die an mein Fenster klopfen…“ - so könnten wir in Kurzform den heutigen Tag beschreiben. Aber neben dem Regen gab es natürlich auch noch interessante Sehenswürdigkeiten auf unserer Strecke. So fuhren wir nach dem Frühstück nach St. Louis, um den Gateway Arch NP zu besichtigen. Dieser Bogen soll an die Rolle von St. Louis bei der Ausdehnung der Vereinigten Staaten Richtung Westen erinnern. Wegen seiner strategischen Lage nahe des Zusammenflusses von Mississippi und Missouri war St. Louis ein erfolgreicher Handelsposten. Der Architekt Eero Saarinen entwarf 1935 diesen über 200 m hohen Bogen. Um ihn zu bauen, mussten viele alte Gebäude in der Downtown Area verschwinden. Es dauerte aber noch bis 1963, bis mit den Bauarbeiten begonnen wurde. Die Außenhülle des Bogens besteht aus rostfreiem Stahl. Auf der Innenseite wurde Carbon-Stahl verwendet. Die dadurch entstehende Lücke wurde anschließend mit Beton aufgefüllt. Der Bau und die dabei zu meisternden Schwierigkeiten werden sehr eindrucksvoll in einem Film im Visitor-Center des Nationalparks gezeigt. Nach zweieinhalb Jahren war der Bau vollendet. Mit einer kleinen Gondel kann man an die Spitze des Bogens fahren und hat von dort bei klarem Wetter einen sehr guten Blick bis zum Horizont. Auch wenn das Wetter heute nicht so berauschend war, wollten wir dieses Erlebnis haben und kauften uns zwei Tickets. Die Fahrt mit den Gondeln an die Spitze ist relativ unspektakulär, da man im Inneren des Bogens fährt. Oben angekommen, hat jeder Besucher ein Zeitfenster, um den Blick nach draußen zu genießen. Es war schon atemberaubend, von oben auf die Stadt herab zu sehen. Da die Besucherzahl beschränkt ist, hatten wir genügend Möglichkeiten, Bilder zu machen. Wieder unten angekommen, nutzten wir das Angebot einer VR Brille. Hier hatten wir uns allerdings etwas anderes vorgestellt, als was wir dann sahen. Das Video mit der Brille war die Szenerie um 1850 im Hafen von St. Louis. Allerdings bewegten sich keine Menschen in dem Video, sondern es war eigentlich eine große Fotografie. Zudem hatten wir noch Tonprobleme. Dieser Teil des Besuchs war deshalb kein bleibendes Erlebnis. Nachdem wir uns im dortigen Café gestärkt hatten, erkundeten wir noch die Umgebung des Bogens. Es regnete allerdings sehr stark, weshalb wir uns auf den Skulpturenpark beschränkten. In diesem werden ähnliche Skulpturen ausgestellt wie im Park von Des Moines. Da es bei dem Regenwetter keinen Sinn machte, weiter durch die Stadt zu laufen, fuhren wir zu unserem heutigen Übernachtungsplatz bei Walmart. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 17 Aug 2024 06:10:54 Fortsetzung des Reiseberichts Nach dem Frühstück fuhren wir nach Springfield, der Hauptstadt des Bundesstaates Illinois. Dort angekommen, suchten wir uns einen Parkplatz in der Nähe des Capitol. Witzigerweise waren alle Parkuhren abgeschaltet, so dass wir gratis stehen konnten. Im Capitol bekamen wir eine Privatführung, da außer uns keine anderen Touristen anwesend waren. Unser Führer, ein sehr übergewichtiger Mann, ging mit uns keine Treppen, sondern fuhr mit uns jedes Stockwerk mit dem Fahrstuhl an. Leider wird gerade ein Flügel des Capitol renoviert, so dass wir die Räumlichkeiten des Senats nicht besichtigen konnten. Aber auch so war das Kapitol sehr farbenfroh gestaltet. Interessant, fanden wir, dass sowohl die kupferfarbenen Friese wie auch die kupferfarbenen Statuen kein echtes Kupfer waren, sondern angemalter Gips. Viele der großformatigen Bilder waren auf Leinwand gemalt und anschließend an der Wand befestigt worden. Eine Ausnahme bildete ein etwa 20 × 40 Fuß großes Wandgemälde, welches ein deutscher Künstler in den 1880er Jahren direkt auf die Wand gemalt hatte. Nach der sehr interessanten Führung gingen wir zum Visitor-Center des Ortes. Die ganze Stadt lebt vom Namen Abraham Lincoln. Er ist hier allgegenwärtig. Immerhin hat er in Springfield 24 Jahre gelebt. Überhaupt ist dieser Bundesstaat fest in demokratischer Hand. Auf dem Rasen vor dem alten Capitol hatte Barack Obama seinerzeit seine Bewerbung um das Präsidentenamt bekannt gegeben. Daran erinnert eine große Tafel. Auf unserem Weg zum KOA Campground besichtigen wir den Lincoln Memorial Garden. Hier hatten wir uns einen schönen alten Park vorgestellt. Als wir ankamen, erwies sich dieser Park als Wald. Mehrere Wege führten durch diesen Wald am See entlang und waren mit Sitzbänken bestückt, auf denen Zitate von Lincoln standen. Wir gingen einen Teil dieser Wege und hatten einen netten Verdauungsspaziergang nach unserem Mittagessen. Kein Laut störte unseren Schlaf - kein Wunder, befanden wir uns doch in der Mitte von Nirgendwo. Der heutige Tag stand fast ganz im Zeichen von Abraham Lincoln. Wir hatten uns gestern im Visitor-Center ein kleines Heftchen („Abe’s Hat Hunt“) geholt, in dem die wichtigsten Stationen seines Lebens in Springfield vermerkt waren. Unser heutiger Rundgang begann am Visitor-Center des Nationalparks. Hier kamen wir gerade rechtzeitig, um eine (kostenlose) Führung durch sein Wohnhaus mitmachen zu können. Der Straßenzug um sein Wohnhaus herum wird ebenso von der Nationalparkverwaltung betreut. Insgesamt fühlt man sich in diesem Gebiet in die Zeit von 1860 zurückversetzt. Nach diesem interessanten Beginn des Tages gingen wir als Nächstes zum ehemaligen Bahnhofsgebäude. Hier hielt er seine letzte Rede in Springfield, als er nach der Wahl zum Präsidenten auf dem Weg nach Washington war. Wir waren uns nicht sicher, ob wir das Abraham Lincoln Museum auch besuchen sollen. Eine nette Mitarbeiterin, mit der wir uns längere Zeit über unsere Reise durch Nordamerika unterhalten hatten, verschaffte uns über ihre Mitgliedschaft im Förderverein des Museums zwei kostenlose Tickets. Das Museum stellt verschiedene Lebensabschnitte von Abraham Lincoln mit lebensgroßen Puppen dar. Zudem ist es interaktiv aufgebaut. Man merkte, dass das Museum angelehnt an Disney World aufgebaut wurde, ohne aber dabei kitschig zu wirken. Ursprünglich hatten wir in Anbetracht der Mittagszeit vorgesehen, uns nicht allzu lange in dem Museum aufzuhalten. Am Ende waren es aber dann doch fast 2 Stunden geworden. Die Ausstellung war einfach zu interessant gestaltet, als dass wir einfach hätten durchlaufen wollen. Nach einer Stärkung und einem weiteren Gebäude, welches mit Abraham Lincoln verknüpft war, gingen wir zum Dana-Thomas Haus. Dieses und die gesamte Inneneinrichtung war von Frank Lloyd Wright vor etwa 120 Jahren entworfen worden. Von seinem Baustil her passt es nicht zu den Häusern in der Nachbarschaft. Des Weiteren ist das Grundstück eigentlich viel zu klein ist für ein solch beeindruckendes Gebäude. Für eine Führung mussten wir uns im Internet zwei kostenlose Tickets buchen, da das Haus nur im Rahmen einer solchen besichtigt werden kann. Leider durften während der Führung keine Fotos gemacht werden. Eigentlich unverständlich, aber wir wurden ausdrücklich darauf hingewiesen. Im Gegensatz zu den Häusern, die wir von diesem Architekt bisher gesehen hatten, ist dieses Haus etwas anders konzipiert. So lag der Schwerpunkt hier in einem großzügigen Essbereich sowie mehreren Schlafzimmern, die der Familie zur Verfügung stehen sollten. Im Keller wurde neben einem großen Billardtisch auch eine Bowlingbahn und eine Bibliothek eingerichtet. Ein kleiner Garten gehörte auch zu dem Haus. Allerdings kann heute nicht mehr nachvollzogen werden, wie dieser Garten ursprünglich gestaltet war. Besonders faszinierend fanden wir die hübsch gestalteten Glasfenster. Das Motiv dieser Fenster zog sich durch die gesamte Einrichtung. Des Weiteren waren die Lampen ein Blickfang. Als unsere Führerin uns den Preis nannte, den eine Tischlampe bei einer Auktion vor 20 Jahren erzielt hatte, stockte uns der Atem: Über 1,5 Millionen $ kostete damals die Lampe. Wir wollten uns deshalb gar nicht ausrechnen, welche Summe bei den vielen Lampen im Haus zu Stande käme, wenn sie denn zu verkaufen wären. Nach dieser sehr interessanten und beeindruckenden Führung fuhren wir zurück zu unserem Stellplatz. Der heutige Tag war ein nahezu reiner Fahrtag. Damit wir wenigstens etwas erleben beziehungsweise uns weiterbilden, besichtigten wir kurz vor Chicago das Pullman NM. Hier hatte die Pullman Fabrik ihren Sitz und produzierte die sagenhaft luxuriösen Pullman Eisenbahnwagen. Auf unserer bisherigen Reise hatten wir schon mehrere besichtigen können. Natürlich war auch hier wieder der Name Lincoln präsent, zwar nicht in Form von Abraham Lincoln, sondern in Gestalt seines Sohnes Robert, der die Leitung der Firma um 1900 übernommen hatte. Dies war uns „natürlich“ bekannt, denn wir hatten schließlich im November auf unserer Tour Richtung Süden das Wohnhaus von Robert Lincoln in Vermont besichtigt. Besonders hervorgehoben wurde in der Ausstellung der Streik von 1896. Aufgrund fehlender Aufträge hatte die Firma Pullman den Arbeitern weniger Lohn bezahlt, so dass diese ein Problem hatten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Erschwerend kam hinzu, dass viele der Arbeiter in firmeneigenen Häusern zur Miete wohnten und die Höhe der Miete gleich blieb, obwohl sie weniger verdienten. Als sich die anderen Eisenbahn-Gewerkschaften mit den Arbeitern der Pullman Fabrik solidarisch erklärten, kam es zum landesweiten Streik. Dieser endete damit, dass die Streikführer verhaftet wurden und die Nationalgarde den Streik auflöste. Von der eigentlichen Fabrik steht kaum noch etwas. Die ehemaligen Häuser der Arbeiter sind heute großteils bewohnt. Die ehemalige Markthalle sowie das ehemalige Hotel dagegen verfallen immer mehr. Nach einem Rundgang durch die Siedlung fuhren wir nach Downtown von Chicago. Hier hatten wir von einem Stellplatz mitten in Downtown gelesen, bei dem es angeblich möglich war, über Nacht stehen zu bleiben. Als wir dort ankamen und aufgrund der Schilder nicht genau erkennen konnten, ob wir wirklich über Nacht stehen bleiben können, riefen wir den Betreiber des Parkplatzes an. Ergebnis des Gesprächs war, dass wir gerne über Nacht stehen bleiben können, aber pro Nacht 80 $ bezahlen müssen, da wir mit unserem Mausmobil zwei Parkplätze besetzen. Bei dem Preis mussten wir erst einmal schlucken. Als dann noch eine Metro direkt neben dem Parkplatz laut rumpelnd vorbeifuhr, war für uns klar, dass wir hier bestimmt keine ruhige Nacht haben werden. So fuhren wir zum Truck Marshalling in der Nähe des Football Stadions. Bei der Einfahrt sahen wir große Schilder, wonach das Parken an diesem Wochenende wegen einer Veranstaltung untersagt ist. Als wir aber beim Betreiber nachfragten, erlaubte uns dieser, in der Nähe des Eingangs bis Montag zu stehen. Die Nächte werden hier wahrscheinlich auch nicht ganz ruhig sein, da die großen Trucks diesen Platz ebenso nutzen, aber es wird deutlich ruhiger als in Downtown sein. Zudem kostet hier der Tag nur 39 $. Obwohl wir hier mitten in der Stadt stehen, war die Nacht ruhig. Nur ein kleines Gewitter mitten in der Nacht störte unseren Schlaf. Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Frank Lloyd Wright. Zunächst fuhren wir mit der grünen Metro-Linie in den Stadtteil Oak Park zu seinem Wohnhaus. Hier hatten wir uns Karten für eine Führung besorgt. Da wir früher da waren als geplant, gingen wir zunächst die so genannte Selfguided Tour in der Nähe seines Wohnhauses ab. Dort stehen mehrere Häuser, die er entworfen und gebaut hat. Sie können leider nur von außen besichtigt werden, da sie bewohnt sind. Über den Audioguide erfuhren wir alles Wissenswerte zu den einzelnen Häusern. Anschließend begann unsere Tour durch sein Wohnhaus und sein Atelier unter fachkundiger Anleitung. So erfuhren wir zum Beispiel, dass er einer der amerikanischen Architekten des 19. und 20. Jahrhundert war, die einen eigenen amerikanischen Baustil kreierten. Diese so genannten Präriehäuser zeichneten sich durch eine horizontale Linienführung aus. Die Fenster waren üblicherweise ebenso in einer horizontalen Linie angeordnet worden. Die Dächer wurden entweder als Flachdächer oder Walmdächer mit überstehenden Traufen ausgeführt. Ziel war, das Haus nahtlos in die Landschaft zu integrieren. Gleichzeitig sollten sie ein Sinnbild des amerikanischen Geistes von Demokratie, Pioniergeist und Zusammenhalt sein. Zudem legte er Wert auf Funktionalität und Einfachheit. Sein Baustil spiegelte sich auch in den von ihm entworfenen Möbeln wieder. Diese sind zeitlos und wirken auch heute noch sehr modern. Von den von ihm etwa 400 entworfenen und gebauten Häusern stehen heute noch etwa zwei Drittel und sind großteils bewohnt beziehungsweise - wie wir selbst feststellen konnten - als Museum oder Ausstellungsstück vorhanden. Unser Führer, ein quirliger älterer Herr, brachte seinen Wissen so spannend rüber, dass wir ihm stundenlang hätten zuhören können. Nach über einer Stunde war die Führung zu Ende. Anschließend gingen wir zum Unity Temple, der ebenso von ihm gestaltet worden war. Hier kamen wir gerade noch rechtzeitig, um dieses Gotteshaus auf eigene Faust besichtigen zu können. Witzig fanden wir zwei Sofakissen auf der Bank, auf der der Pfarrer während des Gottesdienstes sitzt. Diese sahen nicht so aus, als wären sie nachträglich hinzugefügt worden. Vielmehr bildeten sie eine Einheit mit dem Sofa. Mit diesem Gebäude hatten wir alle sehenswerten Häuser dieses berühmten Architekten im Stadtteil Oak Park besichtigt und fuhren deshalb nach Downtown. Dort besichtigten wir das von ihm ebenso gestaltete Bürogebäude The Rookery. Zwar wurden in den 1930er Jahren mehrere Elemente von dem neuen Besitzer verändert, aber die Handschrift von Frank Lloyd Wright war immer noch zu sehen. Anschließend fuhren wir mit der Metro wieder zu unserem Mausmobil zurück. Der Nominierungs-Parteitag der Demokraten, welcher am Montag beginnen soll, wirft jetzt schon seine Schatten voraus: Die Absperrgitter rund um das Convention Center werden immer mehr. Mal schauen, wie das am Sonntag sein wird. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
zirbl am 17 Aug 2024 07:44:04 Long Way Home, aber es hat sich bezahlt gemacht wie man sieht und liest. Unsere Reise liegt schon einige Zeit zurück, wir haben die USA 85/86 einmal den Osten und einmal den Westen mit einem Pickup Mobil bereist. Danke für den spannenden Bericht, super cool! Richard
2Greyhoundsontour am 21 Aug 2024 02:03:34 Fortsetzung des Reiseberichts Heute stand der Besuch des ersten NFL-Spiels unseres Lebens auf dem Plan. Um 12:00 Uhr mittags sollte die Partie der Chicago Bears gegen die Cincinnati Bengals starten. Wir ließen uns deshalb nach dem Frühstück Zeit. Um 10:00 Uhr marschierten wir Richtung des Soldier Field Stadions los. Der PKW-Parkplatz neben unserem Stellplatz hatte über Nacht eine wundersame Inflation durchgemacht: Gestern kostete er noch 17 $ und heute 50 $ (am Abend waren die Schilder wieder auf 17 $ gestanden). Eine ganz schöne Abzocke, wenn man bedenkt, dass dies die einzigen Parkplätze in der Nähe des Stadions sind. Die Sportbegeisterten ließen sich davon aber nicht stören und bauten bei ihren Autos Holzkohlengrills auf, räumten Campingmöbel raus und feierten eine Party bereits vor dem Spiel. Im Stadion angekommen, ließen wir uns von der Atmosphäre mitreißen. Unsere Plätze waren auf der Tribüne ganz oben. Weiter unten waren uns die Plätze zu teuer gewesen. Aber selbst von unseren Plätzen am oberen Rand der Tribüne hatten wir einen sehr guten Blick auf das Spielfeld. Kurz vor 12:00 Uhr mittags begannen die Vorbereitungen und die Mannschaften liefen ein. Nach einem kräftigen Regenguss und dem Abspielen der Nationalhymne startete das Spiel. Es war eine tolle Stimmung im Stadion. Ganz ohne Krawalle und Randale, die man immer wieder mal in deutschen Fußballstadien erlebt, denn alle Zuschauer benahmen sich. Auch wurden keine Feuerwerkskörper oder ähnliche Dinge angezündet. Während der letzten 15 Minuten hatte der Himmel die Schleusen aufgerissen und es schüttete. Wir hatten dünne Plastikponchos dabei und schützten uns notdürftig. Der Stimmung im Stadion tat dieser Wassereinbruch allerdings keinen Abbruch. Nach knapp 3 Stunden war das Spiel zu Ende. Die Heimmannschaft Chicago Bears hatte 2:0 gewonnen. Alle Zuschauer verließen gesittet das Stadion. Es war eine tolle Erfahrung für uns! Mittlerweile war es nach 15 Uhr und wir hatten noch kein Mittagessen gehabt. Wir gingen deshalb nach Downtown hinein und stärkten uns mit einem leckeren, reichlich belegten Sandwich. Anschließend schlenderten wir durch die Hochhausschluchten und gingen den Fußweg am Fluss beziehungsweise am Michigan See entlang. Nachdem wir uns noch zwei Bootstickets für morgen gekauft hatten, gingen wir geschätzt 5 Kilometer zu Fuß zu unserem Mausmobil zurück. Blauer Himmel begrüßte uns, als wir die Vorhänge beiseite bezogen. Leider blieb dieses Wetter nicht lange und der Himmel bewölkte sich. Ein bisschen sah es sogar nach Regen aus. Wir ließen uns davon aber nicht abschrecken und gingen wieder zu Fuß nach Downtown. Unser erstes Ziel war der Millennium Park. Hier war das besondere Highlight eine verspiegelte Plastik. Trotz des bewölkten Wetters konnten wir nette Fotos machen. Unser nächstes Ziel war das Chicago Cultural Center. Wir waren begeistert von der Gestaltung der Treppenhäuser. Diese waren wie in alten Schlössern wunderschön unter Einsatz von viel Marmor hergerichtet. Auch die Kunstausstellung, die sich in dem Gebäude befand, gefiel uns. Highlight war das Werk einer Künstlerin, die über 1000 Schalen getöpfert hatte, um in diesen Geld zu sammeln. Sie wollte damit auf die Verschuldungssituation von Studenten hinweisen. Anschließend schlenderten wir zur Magnificent Mile. Nachdem wir den Chicago River überquert hatten, gab es rechts und links viele interessante Gebäude zu sehen. Zum Teil ragten sie ganz schön weit in den Himmel. Kein Wunder, wurde doch das erste Hochhaus der Welt auch in Chicago gebaut. An einer alten Kirche machten wir kehrt. Zum Glück war sie geöffnet und wir konnten auch das Innere besichtigen. Nach einer Stärkung zur Mittagszeit gingen wir zum Navy Pier. Dort angekommen, mussten wir noch ein paar Tropfen aushalten. Dann aber riss der Himmel vollständig auf und wir hatten blauen Himmel über uns. Wie anders sahen gleich die Häuser um uns herum aus! Nach dieser Besichtigung wurde es Zeit, zur Anlegestelle der CHICAGO‘S LEADING LADY zu gehen. Wir hatten uns gestern Karten für eine Architekturfahrt durch die Hochhausschluchten von Chicago auf dem gleichnamigen Fluss gebucht. Im Heck des Schiffes fanden wir sehr schöne sonnige Plätze mit freier Rundumsicht. Die folgenden anderthalb Stunden erhielten wir so viele Informationen, dass wir uns gar nicht alles merken konnten. Wir fanden es aber interessant, dem Moderator zuzuhören. Er wusste zu jedem Gebäude eine kurze Geschichte zu erzählen. Spannend fanden wir auch, dass die Stadt Chicago seinerzeit den Chicago River in den Mississippi umgeleitet hatte, damit die Trinkwasserversorgung der Stadt aus dem Lake Michigan nicht gefährdet war. Viel zu schnell war die Zeit vorbei. Wir hätten nichts dagegen gehabt, wenn die Tour länger gedauert hätte. Anschließend gingen wir zur Nicholas J. Melas Centennial Fountain, da dort zu jeder vollen Stunde ein starker Wasserstrahl über den Fluss sprühen sollte. Warum dies heute nicht passierte, wissen wir nicht. Wir gingen deshalb in das Chicago Brewhouse am Chicago River und stärkten uns dort inmitten der Hochhäuser. Es war ein schöner Abschluss unseres Besuchs in Chicago. Statt mit der Metro zurückzufahren, beschlossen wir, zu Fuß zum Mausmobil zurückzukehren. Unterwegs stoppten wir noch bei der wunderschön beleuchteten Clarence F. Buckingham Memorial Fountain. Es war schon später Abend, bis wir unser rollendes Heim erreichten. Bevor wir Chicago ganz verließen, fuhren wir noch zum Frederick C. Robie House, welches von Frank Lloyd Wright entworfen und gebaut worden war. Dieses Haus wurde, wie auch das Wasserfall-Haus und der Unity Temple im Stadtteil Oak Park, in die UNESCO Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Es war gar nicht so einfach, in der Nähe des Hauses einen Parkplatz zu finden. Mit etwas Suchen allerdings schafften wir es, unser Mausmobil am Straßenrand abzustellen. Im Eintrittspreis enthalten ist neben der offiziellen Führung durch das Haus eine selbst geführte Tour durch die Nachbarschaft des Hauses. Als es 1910 gebaut wurde, standen noch keine Häuser in dieser Gegend. Erst später baute die Universität mehrere Gebäude im neugotischen Stil in direkter Nachbarschaft. Die Tour durch die Nachbarschaft war ganz nett, da wir hier gut sehen konnten, in welch außergewöhnlichem Stil das Haus von Frank Lloyd Wright konzipiert worden war. Für die Führung durch das Haus fanden wir uns im Innenhof des Hauses ein. Die Fläche des Hauses nimmt fast das gesamte Grundstück ein. Es wirkt aber nicht gedrängt, sondern fast schon spielerisch leicht durch seine aufgelockerte Bauweise und Pflanzungen. Im Gegensatz zu anderen Häusern, die wir von diesem Architekten bereits besichtigt hatten, fehlte hier nahezu das komplette Mobiliar. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass es viele Jahre von der Universität als Schlafstätte und für Büros genutzt wurde. Nach Übertragung des Hauses an den Frank Lloyd Wright Trust wurde es aufwändig von 2016-2018 renoviert. Obwohl kaum Möbel vorhanden waren, schaffte es unsere Führerin dennoch, das möblierte Haus vor unserem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Zudem besticht das Haus, auch ohne Möbel, durch die vielen wunderschönen Glasfenster, die offene Bauweise und die Lampen. Nach der Führung verließen wir Chicago endgültig und fuhren auf der I94 Richtung Norden. Als wir die Bundesstaatsgrenze nach Wisconsin überquert hatten, änderten wir unsere Pläne kurzfristig und fuhren Richtung Madison, der Hauptstadt des Bundesstaates Wisconsin. Leider ist Wisconsin anscheinend nicht so camperfreundlich wie zum Beispiel Oregon oder Washington State, weshalb wir etwas suchen mussten, bis wir unseren Wasservorrat auffüllen konnten. Dank iOverlander fanden wir eine Quelle mit frischem Wasser. Zum Glück hatten wir unsere Gießkanne dabei, da ein Wasserschlauch dort nicht angebracht werden konnte. Nach einem Zwischenstopp bei Walmart zur Vervollständigung der Vorräte fuhren wir weiter bis nach Madison und stellten uns im Duane F. Bowman Park für die Nacht hin. Nach dem Frühstück fuhren wir zum State Capitol. Parkplätze für unser Mausmobil gab es dort nicht, weshalb wir zum Lake Mendota fuhren und uns dort auf einen kostenlosen Parkplatz am See stellten. Wir kamen gerade rechtzeitig zu einer Führung durch das State Capitol. Dieses ist sehr opulent gestaltet. Das Wappentier des Bundesstaates, der Dachs, ist allgegenwärtig. Der Präsentationsraum des Gouverneurs ist eine Kopie aus dem venezianischen Dogenpalast. Lediglich die Bilder wurden an den Staat Wisconsin angepasst. In den Bildern steckt (wie so oft) sehr viel Symbolik. Es dominiert die römisch-griechische Götterwelt. Interessant war die Darstellung von Nord-, Zentral- und Südamerika sowie dem Atlantik und Pazifik. Dieser Mittelteil wurde auf der einen Seite von Europa mit den Ländern Frankreich, Deutschland und Großbritannien und auf der anderen Seite von Asien mit den Ländern China, Japan sowie Mikronesien eingerahmt. Jedes dieser Länder wurde durch eine griechische Gottheit dargestellt. Nach einer Stunde war die Führung zu Ende. Anschließend hatten wir Gelegenheit, den unteren Rand der Kuppel zu begehen. Dort befindet sich ein Museum, welches die Entstehungsgeschichte dieses Kapitols beschreibt. Bis es die heutige Fassung erhielt, war es insgesamt zweimal abgebrannt. Nach dieser Führung gingen wir zum Convention Center am Lake Monona. Dieses war von Frank Lloyd Wright entworfen worden. Es dauerte allerdings mehr als 35 Jahre nach seinem Tod, bis seine Pläne verwirklicht wurden. Seine Handschrift war unverkennbar. Interessant war eine Ausstellung von Porträts des Architekten, welche in seinen letzten Lebensmonaten aufgenommen wurde. Nachdem wir dieses Convention Center besichtigt hatten, gingen wir zurück zu unserem Mausmobil. Wir kamen wieder am Capitol Building vorbei, wo eine Band irische Musik während der Mittagspause spielte. So dauerte es länger, bis wir unser Mausmobil erreicht hatten. Nach dem Mittagessen gingen wir noch ein paar Schritte am Lake Mendota entlang und fuhren anschließend zu unserem heutigen Tagesziel, der SteelTank Brewing Co. Dort hatten wir über Harvest Hosts einen Stellplatz für die Nacht bekommen. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 25 Aug 2024 03:23:30 Fortsetzung des Reiseberichts Unser erstes Ziel für heute war die kleine Stadt Sheboygan am Lake Michigan. Beim Visitor-Center konnten wir unser Mausmobil kostenfrei abstellen. Es wurde uns sogar angeboten, dass wir auf dem Parkplatz übernachten können. Nachdem wir uns einige Tipps geholt hatten, gingen wir entlang des Flusses zum Leuchtturm. Der Fußweg ist sehr gut ausgebaut. Man merkt, dass dieser Ort auf Sommertouristen eingestellt ist. Der Leuchtturm ist relativ schmucklos, weshalb wir uns nicht lange aufhielten. Unser weiterer Fußweg führte uns zum Cape North. Dabei konnten wir etwa die Hälfte der Strecke barfuß durch den weichen Sand des Ortsstrandes zurücklegen. Es war ein herrliches Gefühl, den warmen Sand und die Sonne zu spüren. Nachdem wir Cape North erreicht hatten (welches uns empfohlen wurde, da hier dasselbe Gestein wie bei den Niagarafällen vorkommt), gingen wir zurück in den Ort. In der Markthalle kauften wir noch leckeres Brot, Käse und Schinken für unser Abendessen. Auf unserer Fahrt nach Sheboygan hatten wir kurz vor Erreichen des Ortes eine überdimensionale amerikanische Flagge gesehen. Nach einer Stärkung im Mausmobil fuhren wir deshalb zu dieser weltgrößten freihängenden amerikanischen Flagge. Diese befindet sich am längsten Flaggenmast Nordamerikas, welcher etwa 100 Fuß höher als die Statue of Liberty ist. Die aus Nylon gefertigte Flagge mit den Ausmaßen 70x140 Fuß wiegt allein 250 Pfund. Sobald die Flagge Abnutzungserscheinungen zeigt, wird sie ausgetauscht. Dies geschieht etwa alle 130 Tage. Als wir vor dieser Flagge standen, mussten wir unseren Hals ganz schön recken, um die Spitze des Flaggenmastes zu sehen. Es war schon ein fantastisches Schauspiel, diese Flagge im Wind wehen zu sehen. Damit beendeten wir unseren Besuch in Sheboygan und fuhren zu unserem heutigen Tagesziel nach Manitowoc. Dort hatten wir beim Fährhafen einen Stellplatz über IOverlander gefunden. Es war noch nicht zu spät am Tag, weshalb wir das schöne Wetter für einen Spaziergang nutzten. Unser heutiges Ziel war die Door Peninsula. Dort besichtigten wir als erstes den Whitefish Dunes SP. Zunächst führte uns unser Weg am kilometerlangen Sandstrand entlang der Whitefish Bay. Es war schön, bei diesem sonnigen Wetter barfuß durch den warmen Sand zu gehen. Unser Ziel war die höchste Düne von Wisconsin, der Old Baldy. Da der öffentliche Strand irgendwann zu einem privaten Strand wurde und wir die Düne auf diesem Weg nicht erreichen konnten, drehten wir um und gingen den dritten Strandzugang nach oben auf den kombinierten Fuß- und Fahrradweg. Nach einigen 100 m ging rechts ein Plankenweg ab. Wir marschierten diesen entlang, stiegen viele Stufen nach oben - und dann standen wir auf dem „Aussichtspunkt“. Leider sahen wir von dort keine Düne, da diese mittlerweile mit Bäumen und Gras bewachsen ist. Ein bisschen enttäuscht traten wir den Rückweg an und erreichten nach einer Tour von etwas mehr als 5 Kilometern wieder unser Mausmobil. Nach der mittagstäglichen Stärkung fuhren wir ein paar Kilometer weiter zum Cave Point County Park. Die Höhlen können nur vom Wasser aus gesehen werden. So mussten wir uns damit begnügen, am Ufer entlang zu gehen und die zerklüfteten Felsformationen ohne Höhlen zu sehen. Auch führte der „Weg“ über Wurzeln sowie Steine und wir mussten aufpassen, nicht zu stolpern. Da die Fläche des County Parks sehr klein ist, waren wir mit unserer Tour sehr schnell am Ende. Es war noch nicht allzu spät, weshalb wir weiter nach Baileys Harbour fuhren. Ein paar Kilometer hinter dem Ort erreichten wir das Cana Island Lighthouse. Dieser hübsche und auffällige Leuchtturm wird heute nicht mehr genutzt und ist ein Museum. Wir kamen gerade rechtzeitig vor der Schließung des Museums, um uns die Anlage ansehen zu können. In früheren Jahren war der Leuchtturm mit einem Leuchtturmwärter und seinem Gehilfen besetzt. Oftmals war der Gehilfe die Ehefrau des Leuchtturmwärters. Dies hatte den Vorteil, dass beide Ehepartner Geld verdienten und so auf ein Monatseinkommen von zusammen 1000 $ kamen. Für damalige Verhältnisse war dies ein gutes Familien-Einkommen. Nachdem wir uns die Anlage ausgiebig angesehen und natürlich die 97 Stufen des Leuchtturms erklommen hatten, fuhren wir zurück nach Baileys Harbour. Dort machten wir einen Spaziergang zum Ober- und Unterfeuer, welches Schiffen noch heute den Weg in den Hafen weist. Die Anlage stammt ebenso aus dem 19. Jahrhundert, weshalb vor allen Dingen das Haus, in dem das Oberfeuer untergebracht ist, sehr hübsch anzusehen ist. Da die Leuchtfeuer heute aktiv betrieben werden, ist das Haus auch bewohnt, weshalb die Inneneinrichtung nur mit einer angemeldeten Tour besichtigt werden kann. Nach einer „eiskalten“ Stärkung gingen wir zurück zu unserem Mausmobil, welches wir auf dem Parkplatz der Bücherei abgestellt hatten. Diesen Tipp hatten wir über iOverlander bekommen. Nach dem Frühstück fuhren wir in den kleinen Ort Ephraim. Dieser liegt direkt am Lake Michigan. Wir konnten dort einige hübsche Häuser besichtigen. Anschließend fuhren wir in den Peninsula SP. Unseren ersten Stopp legten wir beim Eagle Tower ein. Als wir dieses imposante Holzgerüst erklommen hatten, hatten wir einen guten Blick über den Lake Michigan. Nach einer Wanderung stand uns heute nicht der Sinn, weshalb wir anschließend zum Eagle Bluff Lighthouse weiterfuhren. Auch dieser Leuchtturm ist heute als Museum eingerichtet. Allerdings ist er hinsichtlich des Leuchtfeuers noch in Betrieb, weshalb der Turm nicht bis zur Spitze bestiegen werden kann. Nachdem wir die Anlage ausgiebig besichtigt hatten, verließen wir den Park. Vor dem Ausgang des Parks gab es zu unserer großen Freude eine Dumpstation und gleichzeitig die Möglichkeit, kostenlos Frischwasser zu bunkern. Wieder gut versorgt, verließen wir die Upper Door Peninsula und fuhren zu unserem heutigen Tagesziel Marquette. Unterwegs überquerten wir eine Zeitgrenze und befinden uns ab sofort in der Eastern Standard Time Zone. Diese verkürzt unseren Tag um eine Stunde. Auf unserem Weg nach Marquette hatten wir gelesen, dass es dort ein Restaurant „Steinhaus“ gibt. Kurz entschlossen entschieden wir, dort zu Abend zu essen. In diesem Restaurant wird deutsche Küche inklusive importierter Biere angeboten. Der von uns bestellte Sauerbraten mit Spätzle kam dem deutschen Original schon sehr nahe. Insgesamt gesehen waren wir mit unserer Wahl sehr zufrieden und fuhren anschließend gut gesättigt zu Walmart, um dort zu übernachten. Gefühlt war die Nacht viel zu schnell vorbei. Immerhin fehlte uns eine Stunde. Nach dem Frühstück fuhren wir das kurze Stück zum Presque Isle Park. Gleich zu Beginn der Halbinsel fanden wir einen Parkplatz im Schatten. Anschließend umrundeten wir auf dem Fußweg die Halbinsel. Sie ist berühmt für ihre rotbraunen und schwarzen Felsen. Der Lake Superior hatte gerade aufgrund der Windstille absolut keine Wellen, so dass der blaue Horizont und das Wasser optisch miteinander verschwammen. Da es an dieser Halbinsel keinen Sandstrand gibt, war das Wasser außergewöhnlich klar. Nach diesem Morgenspaziergang fuhren wir zum Marquette Harbor Lighthouse. Dieser Leuchtturm sticht besonders hervor, da das Haus komplett rot angestrichen ist. Für 13:00 Uhr bekamen wir noch zwei Tickets für die Führung. Eine junge Frau erklärte uns die Geschichte der Gebäude wie auch der Rettungsstelle, die bis 1991 in diesen alten Gebäuden untergebracht war. Witzig fanden wir die Geschichte vom Abriss eines dieser Gebäude im Jahr 1983: Mit Sprengstoff wurde das Haus in die Luft gejagt, ohne aber die Bevölkerung und Behörden davor zu unterrichten. So waren viele Anwohner erschrocken, als plötzlich Ziegelsteine vom Himmel fielen. Nach dieser interessanten Führung fuhren wir nach Munising. Dort kauften wir bei Pictured Rocks Cruises zunächst zwei Karten für die erste morgige Schiffstour entlang der Küste. Anschließend gingen wir in das Visitor-Center des Pictured Rocks National Lakeshore. Das dortige Personal wirkte nicht besonders engagiert. So war ihnen zum Beispiel schon seit längerem bekannt, dass die Sticker für den Nationalpark nicht mehr vorrätig waren. Statt neue Exemplare zu bestellen, wurde einfach nichts getan. Wir nahmen uns deshalb nur einen der ausliegenden Prospekte und besichtigten den Munising Wasserfall. Dieser kleine Wasserfall ist nicht besonders spektakulär, aber das einzige Highlight, welches in unmittelbarer Nähe zum Visitor Center zu besichtigen ist. Da es im Ort verboten ist, mit dem Wohnmobil über Nacht zu stehen, fuhren wir drei Meilen außerhalb zur Tankstelle Circle K. Dort stellten wir uns etwas abseits für die Nacht hin. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
macagi am 25 Aug 2024 08:14:47 Habe jetzt erst gesehen dass ihr in Madison wart. Da habt ihr doch glatt Clasen's Bäckerei verpasst! --> Link
2Greyhoundsontour am 29 Aug 2024 05:48:19 Fortsetzung des Reiseberichts Wir hatten eine total ruhige Nacht, obwohl es sich bei unserem Stellplatz um eine Tankstelle handelte. Wir schliefen sehr gut, denn kein LKW störte unseren Schlaf. Wir hatten uns den Wecker etwas früher gestellt, da wir um 10:00 Uhr eine Schiffstour entlang der bunten Felsen gebucht hatten. Wir waren pünktlich um 9:00 Uhr da. Obwohl die Abfahrt erst in einer Dreiviertelstunde sein sollte, stellten sich die ersten bereits um 9:15 Uhr an. Kurz vor 10:00 Uhr begann das Boarding und wir nahmen uns Plätze in der hintersten Reihe. Und dann begann die Tour. Mit Rauschefahrt fuhren wir zu den ersten bunten Felsen. Leider stand die Sonne für Fotos sehr ungünstig. Unterwegs sahen wir viele Paddelboote und beschlossen kurzfristig, eine solche Tour am Nachmittag bei besseren Lichtverhältnissen zu machen. Unsere Schiffstour führte uns bis zu den Spray Falls. Auf dem Rückweg hatten wir beim East Channel Leuchtturm sehr gute Lichtverhältnisse. Hier konnten wir endlich vernünftige Fotos machen. Um 12:00 Uhr waren wir wieder zurück im Hafen und fuhren zum Anbieter Uncle Ducky’s Outdoor Adventures. Hier buchten wir für den Nachmittag und frühen Abend eine sechsstündige Paddeltour. Da die Tour um 15:00 Uhr losgehen sollte, nutzen wir die Zeit bis dahin für das Mittagessen. Gleichzeitig bereiteten wir uns für den Abend einen Couscous-Salat zu, den wir auf die Paddeltour mitnahmen. Während der sechsstündigen Paddeltour war eine Pause für das Abendessen geplant und jeder war informiert worden, dass er sich selbst etwas mitbringen soll. Wir waren pünktlich zum Beginn der Paddeltour in der Nähe des Miners Beach. Nach dem Einchecken wurden wir zum Strand gefahren. Dort bekam jeder eine Spritzdecke, eine Schwimmweste und das Paddel. Und dann ging unsere Tour los. Wie anders waren die Lichtverhältnisse jetzt im Vergleich zu heute Morgen! In den buntesten Farben leuchteten die Felsen. Dank unserer Paddelboote kamen wir sehr nahe an die Felsen heran und konnten sogar in kleine Höhlen hineinfahren. Das machte Spaß, denn die Sonne schien vom blauen Himmel und wir hatten kaum Wellen. Beim Lover‘s Leap Bogen drehten wir um und fuhren ein kurzes Stück zu einem Strand zurück. Nach der Pause paddelten wir das restliche Stück zum Ausgangspunkt zurück. Wir waren das erste Boot, welches am Strand anlegte. Wir stellten uns wieder für die Nacht bei der Tankstelle Circle K hin. Und wieder hatten wir eine sehr ruhige Nacht. Dieser Übernachtungsplatz bei der Tankstelle ist wirklich zu empfehlen. Die Strecke zu unserem heutigen Tagesziel Sault Ste. Marie könnte man auch als langweilig bezeichnen. Überwiegend führte die Straße kerzengerade durch eine Waldlandschaft. So erreichten wir noch vor der Mittagszeit den Ort. Unser erster Weg führte uns zu den Soo Locks. Diese Schleusenanlage verbindet den Lake Superior mit dem Lake Huron. Wir kamen gerade rechtzeitig, um die Schleusung eines großen Frachtschiffes in den Lake Superior beobachten zu können. Anschließend sahen wir uns die Ausstellung im nebenan liegenden kleinen Museum an. Interessant fanden wir, dass der Bau der Schleusen damals auf den Widerstand der Bevölkerung stieß, da mit den Schleusen viele Lagerarbeiter und Transporteure überflüssig wurden. Diese hatten sich darauf spezialisiert, die Waren von einem See zum anderen zu transportieren. Anschließend gingen wir am Wasser entlang, um die historischen Reste der ältesten und nicht von Indigenen errichteten Siedlung in Michigan zu besichtigen. Vom ehemaligen Fort steht überhaupt nichts mehr. Lediglich vier Häuser stammen noch aus den Anfangstagen des Ortes. Auf dem Rückweg zu unserem Mausmobil fuhren wir im Tower of History mit dem Aufzug noch nach oben. Von dort hatten wir einen sehr guten Blick auf die Stadt. Dieser Tower war früher die Kontrollstelle für die Schleusen gewesen. Nach dem Mittagessen besichtigten wir das Museumsschiff VALLEY CAMP. Dieses ehemalige Frachtschiff beherbergt viele Ausstellungsstücke, erinnert an Schiffsunglücke und gibt einen Überblick über die Entwicklungsstufen der Technik. Besonders beeindruckend fanden wir einen Film über den Untergang eines Frachtschiffes im Jahr 1958. In diesem Film schilderten die Besatzungsmitglieder (von Schauspielern nachgestellt), wie sie den Untergang des Schiffes und ihren Überlebenskampf, den sie aufgrund des eiskalten Wassers und der für heutige Verhältnisse mageren Ausrüstung verloren, erlebten. Nur zwei der fast 40 Besatzungsmitglieder überlebten dieses tragische Unglück. Nachdem wir noch das Oberdeck mit den Unterkünften besichtigt hatten, wurde es angesichts der Temperaturen um 30° Zeit für eine Abkühlung. Wir hatten heute Vormittag bei unserem Rundgang durch den Ort eine Eisdiele entdeckt und gingen dorthin. Das Eis schmeckte lecker und war für amerikanische Verhältnisse günstig. Anschließend fuhren wir zu unserem heutigen Übernachtungsplatz bei Walmart. Der blaue Himmel der letzten Tage scheint uns verlassen zu haben, denn beim Aufwachen regnete es. Auf unserem Weg nach Süden überquerten wir die Mackinac Brücke. Diese trennt den Lake Michigan vom Lake Huron. Der weitere Weg zu unserem Tagesziel verlief unspektakulär. Wir erreichten deshalb schon am Nachmittag den Sleeping Bear Dunes NLS. Unser erster Weg führte uns in das Visitor-Center. Nachdem wir uns dort den Film über den Park angesehen und uns Tipps für Unternehmungen im Park besorgt hatten, fuhren wir den Pierce Stocking Scenic Drive ab. Auch wenn es etwas regnete, stiegen wir dennoch aus und gingen durch den weichen Sand zu den jeweiligen Aussichtspunkten. Bei der höchsten Düne angekommen, wurde mit Schildern ausdrücklich davor gewarnt, durch den Sand hinab zum Lake Michigan zu gehen. Der Weg hinab stellt sich einfach dar, aber der steile Aufstieg durch den tiefen Sand bedeutet 450 Fuß Höhenunterschied. Wir verzichteten auf dieses Abenteuer, denn wir konnten bei anderen (sportlich, jungen) Touristen sehen, welche Schwierigkeiten sie hatten, die Düne wieder hinauf zu steigen. In unseren Augen sehr leichtsinnig verhielt sich ein älteres Paar, welches die Düne hinab gegangen war. Wir hoffen für sie, dass sie nicht gerettet werden müssen. Nachdem wir den Scenic Drive abgefahren waren, fuhren wir zum Inspiration Point, einem Aussichtspunkt auf den See Glen. Dieser liegt mitten im Wald oberhalb des Sees und ist total einsam. Nach dem Abendessen sahen wir uns noch einmal die Unterlagen des Sleeping Bear Dunes NLS an und stellten dabei fest, dass wir mit unserem Mausmobil noch innerhalb der Grenzen dieses Parks sind. Aus Rückmeldungen von iOverlander erfuhren wir, dass die Ranger hier genau kontrollieren und bei Übernachtungen innerhalb des Parks 150 $ Strafe fällig werden. Dieses Risiko wollten wir nicht eingehen und fuhren 4 km weiter nach Burdickville. Dort stellten wir uns im Old Settlers Park für die Nacht hin. Nach einer ruhigen und ungestörten Nacht versuchten wir hier im Park, unseren Wasservorrat aufzufüllen. Allerdings waren sämtliche Wasserhähne abgestellt. Da wir Wasser noch für zwei Tage haben, war dies nicht so schlimm. Unser erstes Ziel war der Port Oneida Historic District. Hier stehen mehrere alte Häuser, die zur Blütezeit der Dampfschifffahrt erbaut worden waren. Damit die Maschinen der Schiffe liefen, wurden Unmengen von Holz benötigt, die hier bereitgestellt wurden. Als die Dampfmaschinen auf Kohle umgestellt wurden, brach der Handel ein und die Ortschaft verfiel. Die Häuser konnten wir nur von außen besichtigen, da diese anscheinend nur einmal im Jahr an einem Festtag geöffnet werden. Auf unserem Weg zum Glen Haven Historic Village konnten wir am Campground unser Wasservorrat auffüllen. Auch der kleine Ort Glen Haven erlitt das gleiche Schicksal wie Port Oneida. Hier werden die Häuser allerdings noch genutzt. So existiert der Dorfladen, ein Hotel, ein Museum sowie die Schmiede. Nach der Besichtigung dieses kleinen Ortes fuhren wir zum Dune Climb. Hier konnten wir die große Sanddüne erklimmen, um von dort einen Blick auf den Lake Michigan zu erhaschen. Nach dieser letzten Tour im Sleeping Bear NLS führte uns unser Weg Richtung Süden durch Waldlandschaften und unspektakuläre Ortschaften. Beim Point Betsie Lighthouse stoppten wir und besichtigten wir zunächst das Leuchtturmwärterhaus. Dann bestiegen wir den Leuchtturm, von welchem wir einen schönen Blick auf den Michigansee hatten. Nach dem Mittagessen fuhren wir die restlichen Meilen nach Holland. Hinter dem Ort stellten wir uns für die Nacht auf die Rest Area am Freeway 196. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 02 Sep 2024 00:25:11 Fortsetzung des Reiseberichts Grauer Himmel begrüßte uns beim Aufwachen. Das waren keine schönen Aussichten für heute! Je weiter wir Richtung Süden fuhren, umso mehr verschwand das Grau des Himmels. In St. Joseph angekommen, fuhren wir zu den beiden kleinen Leuchttürmen, die die Hafeneinfahrt markieren. Nachdem wir beide besichtigt hatten, waren die letzten Wolken am Himmel verschwunden. Kurz entschlossen entschieden wir, den Tag heute am Strand zu verbringen. Die Wellen waren wie am Meer, nur, dass es kein Salzwasser war. Nach einem herrlichen Tag in der Sonne mit gutem Lesestoff fuhren wir zu unserem heutigen Übernachtungsziel in Benton Harbor. Über Harvest Hosts hatten wir eine Brauerei gefunden, bei der wir über Nacht stehen dürfen. Je weiter wir Richtung Süden kamen, umso mehr riss der Himmel auf. Zudem stellten sich unsere Uhren eine Stunde zurück, da wir wieder die Central Standard Time haben. Als wir den Indiana Dunes NP erreichten, hatten wir blauen Himmel und 30°. Im Visitor Center ließen wir uns Tipps geben, was in diesem Park sehenswert ist. Zudem wurde uns zu unserer großen Freude bestätigt, dass wir auf dem Parkplatz des Visitor-Centers über Nacht stehen dürfen. Der Nordteil des Parks hat mehr Sehenswürdigkeiten als der Südteil, weshalb wir uns heute auf den Nordteil beschränkten. Unser erster Weg führte uns zum Kemil Beach und weiter zu den sogenannten „Century of Progress Homes“. Diese wurden anlässlich der Weltausstellung 1933 in Chicago gebaut und als Zukunft des Wohnens ausgestellt. Nach der Weltausstellung wurden sie an den jetzigen Standort transportiert. Die Häuser sind heute bewohnt. Eine Besichtigung der Innenräume ist deshalb nicht möglich. Vom Baustil und den verwendeten Materialien her sind die Häuser unterschiedlich: Es wurden sowohl Natursteine wie auch Metallplatten verwendet, um die Häuser zu bauen. Ein Blockhaus war ebenso dabei, um einen naturnahen Baustil darzustellen. Nach dieser Besichtigung fuhren wir weiter Richtung Norden zum Central Ave Beach. Hier machten wir einen längeren Strandspaziergang. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur, weshalb wir häufiger unsere vom heißen Sand erhitzten Füße kühlten. Der letzte Besichtigungspunkt war der Mount Baldy Beach. Hier befindet sich die höchste Düne des Parks. Nach einem kurzen Weg durch den Wald erreichten wir den Strand. Wie die meisten Dünen hier, ist auch diese Düne fast überwiegend mit Gras bewachsen. Bevor wir unseren Stellplatz beim Visitor-Center ansteuerten, fuhren wir noch schnell zur Chellberg Farm. Diese war von schwedischen Auswanderern erbaut und betrieben worden und befindet sich innerhalb des Nationalparks. Auf unserem Stellplatz beim Visitor-Center planten wir unsere weitere Tour und besorgten uns schon einmal Eintrittskarten für das Henry Ford Museum in Detroit. Heute verließen wir den Lake Michigan. Davor nutzten wir allerdings das schöne Wetter und gingen noch einmal an den Strand. Die Temperaturen waren angenehm und das Wasser erfrischte. Am Horizont konnten wir die Silhouette von Downtown Chicago sehen. Die Fahrt zu unserem heutigen Tagesziel war unspektakulär. Unterwegs wurde uns wieder eine Stunde abgezogen, da wir in die Eastern Standard Time Zone kamen. In Lansing angekommen, stellten wir uns auf den Parkplatz bei Cracker Barrel. Wir hatten eine wunderbar ruhige Nacht, obwohl wir auf dem Parkplatz von Cracker Barrel standen. So etwas hatten wir noch nie erlebt. Blickgeschützt durch eine große Hecke störte kein Geräusch unseren Schlaf. Unser erster Weg führte uns in die (kleine) Altstadt von Lansing. Der große Parkplatz dort ist am Wochenende kostenfrei. Die ganze Stadt wirkt sehr entspannt, da es keine geschäftige Downtown mit vielen Wolkenkratzern gibt. Wir schlenderten ein paar Straßen der Altstadt entlang und sahen uns von außen das Turner-Dodge-Haus an. Leider ist es am Wochenende nicht geöffnet. Anschließend fuhren wir zum Capitol Building, welches am Wochenende ebenso geschlossen ist. Dank des schönen Wetters hatten wir allerdings genügend Gelegenheiten, ein paar sehenswerte Fotos des Gebäudes zu machen. Danach schlenderten wir durch das Regierungsviertel. Die Gebäude gruppieren sich rechts und links einer breiten Fußgängerallee, welche an der Michigan Hall of Justice endet. Unser letzter Besichtigungspunkt in Lansing war das kleine, aber sehr sehenswerte Museum über die Automarke Oldsmobile. Viele Automodelle und die Geschichte der Marke konnten wir dort entdecken. Der Oldsmobile Curved Dash war von 1901 bis 1904 die erste Automobil-Baureihe der Olds Motor Works und das erste - noch vor Ford - in Großserie hergestellte Auto. Zudem war es seinerzeit auch mit über 19.000 Exemplaren das meistverkaufte Auto der Welt. 1908 übernahm General Motors das Unternehmen und verwendete bis 2004 die Marke Oldsmobile weiter. Insgesamt wurden bei General Motors 35 Millionen Oldsmobile hergestellt. Damit war in den 1960er- und 1970er-Jahren Oldsmobile eine der erfolgreichsten Marken in den USA. Die Marke stand für technische Besonderheiten und Innovationen. 2004 stellte General Motors die Produktion von Fahrzeugen der Traditionsmarke Oldsmobile komplett ein. In zwei Fahrzeuge konnten wir sogar einsteigen und den Flair einer 120-jährigen Geschichte am eigenen Leib erfahren. Witzig fanden wir auch die Kinder-Version eines Oldtimers. Es wurden einfach alle Maße des Originals halbiert. Dieses Fahrzeug war allerdings mehr als Werbegag gedacht. Mit einem Einkauf bei Whole Foods beendeten wir unseren Aufenthalt in der Hauptstadt des Bundesstaates Michigan. Anschließend fuhren wir nach Detroit, wo wir uns auf den Parkplatz von Walmart für die Nacht hinstellten. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 06 Sep 2024 05:08:57 Fortsetzung des Reiseberichts Für heute hatten wir uns Karten für das Henry Ford Museum of American Innovation besorgt. Es ist nur 6 km von unserem Parkplatz entfernt und so hatten wir es schnell erreicht. Auf dem Parkplatz vor dem Museum waren genügend Plätze frei. Wie der Name schon sagt, werden in diesem Museum neben den Fahrzeugen der Marke Ford (und anderer Marken) amerikanische Erfindungen ausgestellt. Diese reichen von Möbeln über Maschinen aller Art bis hin zu Flugzeugen. Sogar ein Haus ist ausgestellt: Das Dymaxion-Haus war ganz aus Aluminium gebaut und kreisrund. Leider scheiterte die Umsetzung am fehlenden Firmenkapital. So wurden insgesamt nur zwei Häuser gebaut. Den Bereich der Energie erzeugenden Maschinen übersprangen wir, da es uns zum einen nicht so sehr interessierte, stillstehende Maschinen anzusehen und zum zweiten die Temperatur hier so runter gekühlt war, dass wir froren. Im Ausstellbereich der Flugzeuge dagegen hielten wir uns länger auf. Mittels großer Video-Leinwände fühlten wir uns, als würden wir fliegen. Bei Lamy‘s Diner stärkten wir uns nach diesem ersten Teil des Rundgangs. Originalgetreu ist hier ein großer Wohnwagen ausgestellt, in dem früher (und jetzt heute im Museum) Essen serviert wurde. Wir fühlten uns um 50 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Nach dem Mittagessen besichtigten wir den Austellungsbereich der Fahrzeuge. Interessant war die Ausstellung der ehemaligen Präsidenten-Limousinen. Sogar das Fahrzeug, in dem John F. Kennedy ermordet wurde, war ausgestellt. Da es von späteren Präsidenten nachträglich modifiziert wurde, ist es nicht mehr ganz original. Anschließend ließen wir uns durch die Ausstellung der verschiedenen Fahrzeuge treiben. Diese reichen vom ersten Automobil, welches Henry Ford gebaut hatte, bis zu Autos der Gegenwart. Daneben gibt es Rennwagen wie auch Fahrzeuge zu sehen, mit den Höchstgeschwindigkeiten erzielt wurden. Mittlerweile war es später Nachmittag geworden und wir hatten unsere Füße langsam rund gelaufen. Wir sahen uns deshalb im Schnelldurchlauf noch die Eisenbahnabteilung an. Witzig fanden wir die verschiedenen Waggons, die auf einer Miniatur-Eisenbahnanlage eingesetzt wurden. Unter anderem gab es eine Draisine, die von zwei m&m-Figuren bewegt wurde. Zum Abschluss unseres Besuchs besichtigten wir noch den Bus, in dem sich damals Rosa Parks geweigert hatte, einem Weißen ihren Platz zu überlassen. Morgen werden wir uns mit dem Greenfield Village den zweiten Teil des Museums ansehen. Für die Nacht fuhren wir wieder auf dem Parkplatz von Walmart. Nach dem Frühstück kamen zwei Polizeibeamte zu unserem Mausmobil, da sie sich unser Kennzeichen am Heck nicht erklären konnten. Wir klärten sie auf, dass es sich um ein deutsches Fahrzeug handelt und hatten anschließend noch ein sehr nettes Gespräch mit den beiden Beamten. Anschließend fuhren wir wieder zum Henry Ford Museum, um heute das Greenfield Village zu erkunden. Dieses Village besteht aus fast einhundert historischen Gebäuden (17. Jahrhundert bis zur Gegenwart), die Henry Ford hierher zusammengetragen hat bzw. Gebäuden, die hier bereits standen. Er wollte damit zeigen, wie die Amerikaner seit der Gründung des Landes gelebt und gearbeitet haben. Unter anderem ist hier die Fahrrad-Werkstatt der Gebrüder Wright zu sehen. Im hinteren Bereich der Werkstatt bastelten sie das erste Flugzeug der Welt zusammen, welches mit Motorkraft abhob. Dies alles wurde uns von einem sehr quirligen älteren Herrn erklärt. Wir hätten ihm stundenlang zuhören können, so lebendig waren seine Schilderungen. Auch in vielen anderen Häusern hatten Mitarbeiter beiderlei Geschlechts - meist in historischer Kleidung - interessante Fakten zu den Bewohnern und historischen Hintergründen zu erzählen. Viel Spaß machte uns auch die Fahrt mit einem alten Model T Fahrzeug von Ford. Wir durften das Fahrzeug zwar nicht selber fahren, aber es war schon ein besonderes Gefühl, in dieser „Tin Lizzy“ zu sitzen und das Village auf diese Weise zu erleben. Auch die Dampfeisenbahn, die das Gelände umfährt, ist ein Erlebnis für sich. Wir bekamen zwar jede Menge Rußpartikel von der Dampflok ab, aber zum Glück hatten wir keine hellen Kleidungsstücke an. So konnte es uns egal sein. Für Kinder und für Erwachsene, die im Herzen jung geblieben sind, bot sich eine Mitfahrt auf dem alten Karussell an. Natürlich haben wir diese Möglichkeit wahrgenommen. Zu guter letzt haben wir auch noch eine Kutschfahrt durch das Village genossen. Wir hätten es nicht gedacht, aber wir verbrachten auf dem Gelände einen ganzen Tag, ohne dass es uns langweilig wurde. Es gab soviel zu entdecken und so viel Interessantes zu hören. Am Ende waren wir unter den letzten Besuchern, die das Gelände verließen. Für die Nacht fuhren wir wieder auf den Parkplatz von Walmart. Vor unserer Weiterfahrt machten wir noch einen Abstecher in die Downtown von Detroit. In der Nähe des Visitor-Centers bekamen wir einen Tagesparkplatz für 7 $. Das Visitor-Center befindet sich im 10. Stock eines Hochhauses und ist von außen nicht als solches erkennbar. Eine Security-Mitarbeiterin zeigte uns allerdings, wie wir dort hinkommen können. Nachdem wir uns genügend Tipps und Unterlagen besorgt hatten, gingen wir als Erstes zum Guardian-Hochhaus. Dies war ein ehemaliges Bankgebäude und wurde um 1928 im Art Déco-Stil erbaut. Heute befinden sich Geschäfte, Büros und kleine Schnellrestaurants in diesem farbenfrohen Gebäude. Ohne Führung konnten wir das Erdgeschoss und die ehemalige Bankhalle besichtigen. Über die Hart-Plaza mit ihren Skulpturen und dem großen Wasserspiel kamen wir an den Detroit River, der die USA und Kanada trennt. Nach einigen Metern erreichten wir das fünftürmige GM Renaissance Center. Der Automobilhersteller hat hier ein markantes Ensemble gebaut und u.a. das höchste Gebäude von Detroit geschaffen. Natürlich gab es in der großen Empfangshalle eine Ausstellung mit wunderschönen Autos vergangener Jahrzehnte. Aber auch aktuelle Modelle waren zu sehen. In den Turm und damit über die Dächer von Detroit konnten wir leider nicht gelangen, da dies für Besucher nicht möglich ist. Nach dem Mittagessen bei Panera schlenderten wir zum Campus Martius Park. Die Downtown von Detroit unterscheidet sich deutlich von der in Chicago. Die Gebäude sind vielfach niedriger und zwischen den modernen Glaspalästen stehen noch viele ältere Häuser. Insbesondere in der Woodward Avenue konnten wir noch einige ältere Bauten aus der Gründerzeit sehen. Auf dem Bürgersteig gibt es mehrere Tafeln, die geschichtliche Hintergründe erläutern. Wir gingen diese Straße bis zum Fox-Theatre, welches aber leider geschlossen hatte. Mittlerweile war es später Nachmittag geworden. Wir beendeten deshalb unseren Rundgang und gingen zu unserem Mausmobil zurück. Bis zu unserem Übernachtungsplatz bei Cracker Barrel in Monroe war es nicht weit. Nach dem Frühstück erhielten wir zunächst eine schlechte Nachricht aus Halifax. Statt wie geplant am 30. September sollen wir unser Mausmobil bereits am 27. September abgeben, da der 30. September in Halifax ein Feiertag ist. Wir müssen unsere Rundreise deshalb drei Tage früher beenden und werden uns stattdessen drei Tage in Halifax aufhalten und das bei den gepfefferten Hotelpreisen. Na, wir werden das Beste daraus machen. Anschließend fuhren wir zum River Raisin National Battlefield Park. Dieser Nationalpark erinnert an die Gefechte im Januar 1812, als die dortige amerikanische Armee im Kampf gegen die Briten und die mit diesen verbündeten Indianerstämmen nahezu ausgelöscht wurde. Diese Niederlage führte zu einem Trauma der amerikanischen Streitkräfte. Erst im Oktober 1812 gelang es den amerikanischen Streitkräften, die Briten zu verjagen. Die Beteiligung der indigenen Stämme an den Kämpfen wurde später als Vorwand für den Indian Removal Act genommen, was zur Vertreibung aller Indianer westlich des Mississippi führte. Im Visitor-Center konnten wir zu diesem Thema einen sehr gut gemachten Film sehen. Anschließend unterhielten wir uns längere Zeit mit einem Ranger. Er hatte ausreichend Zeit, da wir die einzigen Besucher waren. Nach dieser Lehrstunde in amerikanischer Geschichte fuhren wir zu unserem heutigen Tagesziel. Da wir dringend Wäsche waschen mussten, hatten wir uns auf einem Campground bei Milan in Ohio eingebucht. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
2Greyhoundsontour am 10 Sep 2024 02:30:00 Fortsetzung des Reiseberichts Zum Glück hatten wir nicht allzu lange geschlafen, denn im Gegensatz zu gestern zeigte sich der Himmel am Morgen nicht blau, sondern dunkelgrau. Auch warnte unser Wetterfrosch uns vor kräftigem Regen. Wir beeilten uns deshalb, die Markise einzurollen und alles zu verstauen. Kaum waren wir damit fertig, begann es ergiebig zu regnen. Uns schwante nichts Gutes für den Besuch des Cuyahoga Valley NP. Je näher wir diesem kamen, umso mehr riss die Wolkendecke auf und der Regen hörte auf. Als wir beim Visitor-Center des Parks angekommen waren, lachte schon wieder die Sonne vom Himmel. Der Cuyahoga Valley NP war der erste Nationalpark in Ohio. Durch den Park schlängelt sich der Cuyahoga River, was in der Indianersprache so etwas wie gewundener Fluss bedeutet. 1974 wurde das Gebiet zunächst zu einem nationalen Erholungsgebiet erklärt. Im Jahr 2000 wurde dann daraus der Nationalpark. Beliebt in diesem Park sind Wanderungen und Kanufahrten sowie Radtouren auf einem etwa 30 km langen Trail. Da wir weder Kanus dabei hatten, um den Fluss zu befahren und auch unsere Fahrräder daheim lassen mussten, beschränkten wir uns auf drei Wandertouren. Unsere erste Tour führte uns zu den Blue Hen Falls. Ein etwa 3 km langer Weg, welcher bergauf und bergab durch den Wald führte, brachte uns zu diesen kleinen Wasserfällen. Jetzt im Spätsommer lief entsprechend wenig Wasser über die Felskanten. Es war dennoch ein hübscher Wasserfall, der malerisch im Wald lag. Anschließend fuhren wir zu den Brandywine Falls. Hier gingen wir einen etwa 3 km langen Rundweg, welcher an den Wasserfällen endete. Die Wasserfälle waren eine Enttäuschung, da das Wasser lediglich in einem dünnen Rinnsal über die Kante spritzte. Unser heutiges Highlight waren die Ledges. Eine etwa 5 km lange Wanderung führte uns an Felsformationen entlang, die zum Teil über 10 m hoch aufragen, wild-romantisch zerklüftet und farbenprächtig sind. Der Weg durch dieses Steingewirr führte über Stock und Stein durch den Wald. Kaum waren wir wieder bei unserem Mausmobil angelangt und losgefahren, begann es zu regnen. Nach ein paar Kilometern war aus dem Regen bereits ein Wolkenbruch geworden, der uns viele Kilometer Richtung Erie-See begleitete. Stellenweise war die Sicht auf dem Highway durch das aufgewirbelte Wasser sehr eingeschränkt. Zudem wurden wir durch einen Stau gebremst, welcher sich aufgrund eines Verkehrsunfalls gebildet hatte. Spät erreichten wir Erie und stellten uns dort auf den Parkplatz von Cracker Barrel. Kühle Temperaturen und dazu ein kräftiger Wind - das war für uns das Zeichen, wieder auf lange Hosen umzusteigen. Gern haben wir es nicht gemacht, denn wir hatten uns an kurze Hosen und T-Shirts beziehungsweise Kleid gewöhnt. Nach dem Frühstück fuhren wir zunächst zum Leuchtturm Presque Isle. Dieser befindet sich auf der Halbinsel, welche der Stadt Erie vorgelagert ist. Interessant bei diesem Leuchtturm am Erie-See war, dass er zwischenzeitlich um etwa 6 m aufgestockt wurde, damit sein Lichtschein weiter zu sehen ist. Der Erie-See ist der flachste See und wie die übrigen der großen Seen ist auch er ein einziger großer Schiffsfriedhof. Die Lichtkegel der amerikanischen und kanadischen Leuchttürme reichen heutzutage bis etwa zur Mitte des Sees, so dass sich Schiffsführer nunmehr leicht orientieren können und nicht Gefahr laufen, zu stranden. Nachdem wir den Leuchtturm und das Leuchtturmwärterhaus ausgiebig besichtigt hatten, fuhren wir in Erie an den Hafen. Das Wetter lud allerdings nicht dazu ein, die Stadt zu Fuß zu erkunden, denn immer wieder prasselten heftige Regenschauer auf uns nieder. Vor unserer Weiterfahrt nach Buffalo hielten wir noch am Erie Land Lighthouse an. Nur wenige Meter von diesem entfernt stand der erste amerikanische Leuchtturm, welcher (genau wie sein Nachfolger) von den Wellen unterspült und weggerissen wurde. Der jetzige Leuchtturm steht auf festem Boden und deshalb noch heute. Das Leuchtfeuer ist heute allerdings inaktiv. Zum Leuchtturm gibt es kein Leuchtturmwärterhaus zu sehen und die Aussicht von oben war aufgrund von Wind und kräftigem Regen mäßig. Um trockenen Fußes zu unserem Mausmobil zurückkehren zu können, unterhielten wir uns noch eine Weile mit der Mitarbeiterin und fuhren anschließend nach Buffalo. Im Buffalo stellten wir uns einem Tipp von iOverlander folgend in der Nähe des Vergnügungsviertels auf einen Schotterplatz. Wir hatten eine sehr ruhige Nacht auf unserem Stellplatz. Das einzige Geräusch war der Regen, der ab und zu fiel. Noch vor dem Frühstück fuhren wir zum Martin House. Dieses von Frank Lloyd Wright zwischen 1903 und 1905 gebaute Haus liegt in einer Wohngegend und wir waren gewarnt worden, dass die Parkplätze knapp sein könnten. Zum Glück hatten wir damit kein Problem und fanden direkt vor dem Haus einen freien Parkplatz. Nach dem Frühstück und einem Einführungsvideo begann unsere zwei Stunden dauernde Tour. Das Gebäude-Ensemble besteht aus drei Häusern: dem Martin House, dem Barton House und dem Haus für den Gärtner. Die drei Häuser sollten Beispiele für Wohnmöglichkeiten für alle Einkommenschichten sein: das Haus des Gärtners für niedrige Einkommen, das Barton House für die Mittelklasse und das Martin House für Millionäre. Wir fingen mit dem Haus des Gärtners an. Schon dieses war sehr prächtig im Stil von Frank Lloyd Wright gestaltet. Es hat die typischen bunten Glasfenster und ist noch großteils im Originalzustand. Anschließend besichtigten wir das Martin House. Schon direkt im Eingang hatten wir einen umwerfenden Blick quer durch das ganze Haus und die Pergola hin zu einer Statue der Göttin Nike. Über 30 m weit reichte der ungehinderte Blick. Die Pergola sowie das sogenannte Conservatory (ähnlich einem Glashaus mit vielen Pflanzen) waren rekonstruierte Bauten, da die Originale im letzten Jahrhundert abgerissen worden waren und durch Wohnhäuser ersetzt wurden. Das Innere des Martin House war einfach umwerfend. Große lichtdurchflutete Räume, viele Aufenthaltsmöglichkeiten und interessante Details wie zum Beispiel eine in Heizungsschächten versteckte Bücherei ließen uns die Pracht erahnen, in der die damaligen Bewohner lebten. Im Schlafzimmer waren wir allerdings enttäuscht, denn das Bett war gerade einmal 1,60 m lang. Obwohl die Bewohner länger waren, bestand der Architekt trotzdem auf diesem kurzen Bett, da ansonsten die Symmetrie des Raumes gestört würde. Wir waren froh, dass dies nicht unser Schlafzimmer ist. Durch die Pergola gingen wir in das Conservatory. Auch dieses war eigentlich nicht im Sinne der Bauherren gewesen (diese wollten ein einfaches Gewächshaus für Gemüse und keinen kleinen botanischen Garten). Dennoch bestand der Architekt Frank Lloyd Wright darauf, es in diesem Stil zu bauen. Den Abschluss unserer Tour bildete das Barton House. Dieses war gebaut worden, bevor das Martin House gebaut worden war und sollte als Testprojekt fungieren. In dem Haus lebte die Schwester von Darwin Martin mit ihrem Ehemann. Das Haus war sozusagen eine kleine Kopie des späteren Martin House. Nach diesem beeindruckenden Rundgang durch das Gebäude-Ensemble fuhren wir zum Graycliff House. Dieses hatte sich Darwin Martin als Sommerresidenz ebenso von Frank Lloyd Wright am Steilufer des Erie-Sees bauen lassen. Auch hier gab es wieder zwei Häuser zu besichtigen: das Haupthaus sowie ein etwas kleineres Haus, in dem die Garagen untergebracht waren, und in dessen Obergeschoss später die Tochter der Martins mit ihrem Ehemann und zwei Kindern wohnte. Das Haupthaus steht parallel zur Abbruchkante der Steilküste. Im lichtdurchfluteten Erdgeschoss befinden sich die Speisezimmer, ein Ruhezimmer sowie das große Wohnzimmer mit Essbereich und die Küche. Im Obergeschoss sind mehrere Schlafzimmer und die Bäder untergebracht. Hatten wir bislang bei Häusern von Frank Lloyd Wright den so genannten Präriestil gesehen, war dieses Haus überwiegend aus Kalksteinen der Uferböschung gebaut worden, auch gibt es hier keine bunten Glasfenster (da die Hausherrin immer weniger sah und mehr Licht brauchte). Die Steine waren nicht überall verputzt worden, sondern großteils sichtbar, teilweise mit versteinerten Muscheln. Auch der Bodenbelag bestand vielfach aus Steinplatten. Das nebenan stehende kleinere Garagen(haus) dagegen gefiel uns nicht, denn hier waren die Räume sehr verschachtelt und es fehlten die lichtdurchfluteten offenen Räume, wie wir sie bisher von den Häusern von Frank Lloyd Wright „gewohnt“ waren. Nach dieser Führung schwirrte uns der Kopf. Immerhin hatten wir über vier Stunden in beiden Gebäude-Ensemble verbracht. Wir fuhren deshalb zurück zu unserem Stellplatz von gestern Abend und planten den letzten Abschnitt unserer großen Tour bis Halifax. Und damit endet dieser Reiseabschnitt. Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link
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