
Das Ziel der Urlauber auf der N7 war damals, in der Zeit ohne Autobahnen, das östliche Mittelmeer um Cannes und Nizza, das Ziel der Reisenden auf der N6 das Piemont und Italien. Der Weg nach Süden hat seinen eigenen Reiz und verspricht eine Reise durch ausgedehnte Weinberge des Burgund, weite Flusstäler bis hinunter in die Alpen an die italienische Grenze.
Ich liebe es, den alten, historischen Nationalstraßen Frankreichs zu folgen. Ich bin auf der Suche nach den alten Michelin-Schildern, nach den verblassten Werbeplakaten an den Fassaden der Häuser und nach allem, was den Charme der Straßen von damals ausmacht. Und die Nostalgie. Und die französische Kultur entlang der Strecke. Langsam, im Rhythmus der Entdeckungen die ich mache, werde ich diese Reise zurücklegen.

Route Nationale 6 (in südlicher Reihenfolge als D605, D606, D906, D306, D1006)
Ich beginne meine Reise am “Point Zero” der französischen Nationalstraßen im immer wieder schönen und aufregenden Paris. Ich verlasse die Stadt über die Porte de Charenton und schon beim Durchqueren der Millionenstadt bekomme ich den ersten authentischen Eindruck von damals: Stau! Dann durch die Banlieue, die berüchtigten Pariser Vororte, durch das langweilige Umland mit unzähligen Hypermarchés und Fastfood-Ketten, vorbei an Melun und durch die Wälder von Fontainebleau. Die Spannung steigt, ich bin voller Vorfreude.

Paris – Panthéon

Paris – Sacré-Cœur

Paris – La Defence
Bevor ich Fontainebleau erreiche, durchquere ich noch im Speckgürtel von Paris das Provinzstädtchen Montgeron. Von hier gibt es für Radsportfreunde Interessantes zu berichten. Vor der “Auberge du Réveil-Matin” wurde am 1. Juli 1903 die erste Tour de France für Radfahrer gestartet. Heute ist der Ort Pilgerstätte für viele Radsportfans.
Die N6 umfährt Fontainebleau in einem großen Bogen. Die ursprüngliche Straße führte in vielen Kurven und Bögen durch die Stadt, Staus waren an der Tagesordnung. Aber auf der Umgehungsstraße erreiche ich bequem meinen Übernachtungsplatz in einer alten Allee, die direkt zu einem der Eingangstore des Schlossgartens führt. Die Straße ist mit handballgroßen Pflastersteinen ausgelegt. Fahren ist hier fast unmöglich, das Wohnmobil ächzt und klappert an allen Ecken und Enden. Aber die Straße ist auch schon mehrere hundert Jahre alt!
Die Stadt selbst hat leider nicht viel zu bieten. Die Hauptattraktion ist das Schloss und der 22.000 Hektar große Wald von Fontainebleau. Es gibt ein paar nette Bistros und Restaurants, die Bedienungen sind unfreundlich, das Essen lässt zu wünschen übrig. Die Gastronomie lebt von Tagesbesuchern.
Aber das Schloss von Fontainebleau ist einen Besuch wert. Das ehemalige Jagdschloss wurde 1528 zu einem Palast im italienischen Stil umgebaut, in dem sich der Hof regelmäßig aufhielt. Als Residenz von 34 Königen und zwei Kaisern ist Fontainebleau das einzige Schloss, das fast acht Jahrhunderte lang von französischen Herrschern bewohnt wurde. Mit seinen 1500 Zimmern ist es eines der größten Schlösser Frankreichs und das am reichsten ausgestattete Europas. Das Schloss von Fontainebleau ist ein wahres Juwel.

Fontainebleau – Château

Fontainebleau – Château

Fontainebleau – Château

Fontainebleau – Château

Fontainebleau – Château – Schlossgärten
Am südlichen Rand des Waldes von Fontainebleau liegt das malerische Mittelalterstädtchen Moret-sur-Loing. Ich spaziere durch die Gassen der historischen Altstadt, lasse mich bei einem Kaffee von den Menschen in den Gassen und auf den Plätzen unterhalten und besuche das kleine Museum auf den kleinen Inseln des Loing.
Hier kann man, wenn man wie ich zu den Naschkatzen gehört, die Herstellung und den Verkauf des wunderbaren Sucre d’Orge, einer der ältesten Süßigkeiten Frankreichs, miterleben. Sie werden seit 1638 von den Benediktinerinnen von Notre-Dame nach einem unveränderten “Geheimrezept” hergestellt.
Moret-sur-Loing ist so ein typisch französisches Städtchen, weswegen in Frankreich so liebe. Ein liebenswerter Ort mit hübschen Gassen und Plätzen, einer Platanenallee am Ortseingang, mittelalterlichen Fachwerkhäusern, charmanten kleinen Cafés, einem Flüsschen, das durch den Ort fließt und das von einer Brücke mit weit geschwungenen Bögen überspannt wird. Und das Städtchen taucht aus dem Nichts auf. Kein Reiseführer weist darauf hin, welches Kleinod sich hier im Nirgendwo verbirgt. Es ist eine Freude, hin und wieder solche Entdeckungen zu machen.
Die N6 führt damals wie heute mitten durch das enge Stadtzentrum (von der neue Umgehungsstraße bin ich bewusst abgebogen) und durch zwei der vier Stadttore. So konnte ich unfreiwillig ausprobieren, ob mein Wohnmobil durch die schmalen und niedrigen Tore passt. Und … es hat geklappt! Aber nur knapp … Seit den Anfängen der motorisierten Zivilisation bringen die beiden hübschen Tore die Autofahrer zur Verzweiflung.

Moret-sur-Loing
Den Rest des Reiseberichts könnt ihr auf meiner Blogseite lesen: --> --> Link
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