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Reisebericht durchs Baltikum 2007, vorwiegend Estland


Kai P. am 13 Mär 2008 21:32:04

Vorwort:

Die Reise führte uns zwar durch alle Länder des Baltikums, allerdings konzentrierten sich unsere Reiseziele auf Riga in Lettland und verschiedene Regionen in Estland. In Litauen haben wir lediglich zum Tanken angehalten. Da wir auf dem Hin- und Rückweg in Polen übernachtet haben wollen wir den interessierten Lesern auch diese Eindrücke nicht vorenthalten.
Insgesamt waren wir von Mitte Juni bis Mitte Juli 2007 fast vier Wochen unterwegs. Die Reise kann aber auch in drei Wochen nachgefahren werden. In dieser Zeit haben wir ausschließlich auf Campingplätzen übernachtet. Nicht weil freies Stehen nicht möglich gewesen wäre, sondern weil wir in unserem Sommerurlaub die angenehmen Seiten von Campingplätzen zu schätzen wissen und die Campingplätze im Baltikum sehr weitläufig sind. Sie sind eher mit skandinavischen als mit deutschen Plätzen zu vergleichen.
Wir sind übrigens Siegrid (geboren 1963) und Kai (geboren 1964) und waren mit unserem Dethleffs 5431 unterwegs.
Die angegebenen Kilometer sind die reinen Entfernungskilometer von Station zu Station. Da wir hin und wieder von der Reiseroute abgewichen sind, oder uns auch schon mal verfahren hatten, sind wir tatsächlich mehr Kilometer unterwegs gewesen.

Reiseinformationen hatten wir bei folgenden Adressen per Email angefordert:

Polnisches Fremdenverkehrsamt
Kurfürstendamm 71
10709 Berlin
--> Link


Baltikum Tourismus Zentrale
Katharinenstr. 19-20
10711 Berlin
--> Link

Es wurde uns ein umfangreiches Travel-Paket zugesandt.

Folgende Reiseunterlagen hatten wir zusätzlich an Bord:
Marco Polo, Baltikum, ISBN 3-8297-0258-2
ADAC Länderkarte Baltikum, ISBN 3-8264-1059-9
ADAC Reisemagazin Baltikum, Ausgabe Nr. 94, Sept./Okt. 2006
Mobil Reisen, Baltikum, ISBN 978-3-926145-32-1


Station 1: Deutschland, Frankfurt/Oder
Campingplatz Helene See
--> Link

Wir sind gestern nach Frankfurt/Oder angereist und haben auf dem Campingplatz am Helene See eingecheckt. Der Platz liegt mitten in einem Waldgebiet am See. Davor bietet der Betreiber Übernachtungsplätze für WoMos an. Von hier aus wollen wir unsere Tour durch das Baltikum starten. Da wir zunächst durch Polen nach Riga fahren möchten, bietet sich für uns Frankfurt/Oder als Startpunkt geradezu an.

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Kai P. am 13 Mär 2008 21:33:02

Station 2: Mragowo, Polen
Camping am See (10,-€ pro Nacht)
Strecke: Frankfurt/Oder Poznan, Torun, Olsztyn, Mragowo
Kilometer: ca. 600

Der Wecker holt uns um 07.00 Uhr aus dem Bett. Ich hole noch Brötchen am Kiosk, danach versorgen wir das WoMo an der etwas schlecht erreichbaren Versorgungsstation. Dann geht es über die Grenze nach Polen. Wir fahren die mautfreie Strecke in Richtung Osten. Die Straßenverhältnisse in Polen sind sehr unterschiedlich. Mal sind die Straßen sehr gut, dann wieder so dermaßen schlecht, dass das WoMo fürchterlich durcheinander geschüttelt wird. Am Nachmittag halte ich zum Tanken an und bezahle mit der Mastercard. Diesel heißt in Polen übrigens „On“. Der Literpreis liegt hier bei umgerechnet 0,96 €. In Deutschland hatte ich tags zuvor für 1,14€ getankt.
Gegen 19.30 Uhr erreichen wir den Ort Mragowo. Ursprünglich hatten wir vor Polen zu durchqueren und erst wieder in Litauen zu übernachten. Das Land ist aber riesig groß und die Straßen in einem verhältnismäßig schlechten Zustand. Daher folgen wir den Hinweisschildern zum „Camping am See“.
Der Platz liegt einige Kilometer außerhalb von denen wir mindesten sechs bis acht „gefühlte“ Kilometer auf Schotterpiste zurückgelegt haben. Die Straße wird irgendwann einspurig und es kommt wie es kommen musste, ein kleiner polnischer PKW kommt uns entgegen. Die beleibte Fahrerin macht mit ihrem kleinen Wagen platz und drängt sich regelrecht in das angrenzende Feld. Im Begegnungsverkehr winkt sie uns lächelnd zu und fährt weiter.
Nach einem weiteren Kilometer stehen wir dann vor einem Bauernhaus.
Ein einarmiger Mann kommt auf unser Wohnmobil zu, schaut auf unser Kennzeichen und begrüßt uns auf Deutsch. Seinem Akzent nach stammt er aus Polen. Er ist sehr freundlich und meine Frage ob denn hier der Campingplatz sei bejaht er. Der Mann ist offensichtlich der Besitzer der Bauernhofs, eines dazugehörigen Restaurants und eines riesigen Campinggeländes hinter den Gebäudeteilen.
Wir können in Euro bezahlen. Der Preis für eine Übernachtung inklusive Duschen, Toiletten und Strom zahlen wir 10,-€. Auf meine Frage, ob denn das Restaurant noch geöffnet habe lächelt der Mann uns an und sagt, dass die Köchin leider gerade nach Hause gefahren sei. Er schlägt uns vor, dass seine Frau für uns kocht, allerdings könne sie uns nicht alles von der Speisekarte anbieten. Das Angebot nehmen wir gerne an, stellen das Wohnmobil auf den menschenleeren Platz, schließen uns an Strom an, machen uns frisch und sind danach die einzigen Gäste im Restaurant. Die Chefin kommt und begrüßt uns. Sie spricht keine der Sprachen die wir sprechen und wir sprechen kein Wort polnisch. Trotzdem klappt es mit der Verständigung und wir suchen uns von der Deutschen Speisekarte Kohlrouladen aus. Dazu bestellen wir Bier. Die Beilagen zu den Kohlrouladen sind etwas ungewöhnlich.
Kohlrouladen mit Tomatensauce und Country-Kartoffeln. Das Bier kommt aus der Dose. Wir haben es zwar nicht geschmeckt, aber gehört! Wir sind rundum zufrieden.
Der Campingplatz liegt traumhaft auf einer Anhöhe in einem Waldgebiet unmittelbar an einem See. Man schaut direkt vom Wohnmobil über den See an das andere Ufer. Hier sieht man Wald bis zum Horizont. Schade dass wir morgen schon weiter müssen. Na ja, besser gesagt wollen. Es liegen ja noch einige Kilometer vor uns.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:33:57

Station 3: Lettland, Riga
Riga-City-Camping
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 19,-€
Kilometer: ca. 550
Strecke: Mragowo – Riga

Um 06.45 Uhr werde ich wach und koche Kaffee. Wir wollen früh los und für unsere Verhältnisse ist das sehr früh! Der Himmel ist strahlend blau und es ist viel zu schade, den Platz schon nach einer Nacht zu verlassen. Es nutzt aber nichts und so fahren wir los in Richtung litauischer Grenze. Unterwegs sehen wir immer wieder Störche. Anfangs ist es noch so, dass Siegrid jedes Mal versucht ein Foto zu schießen. Später gehören die Störche auch für uns zum Alltagsbild. Aber trotzdem immer wieder schön anzusehen.
In Litauen tanke ich für umgerechnet 0,86€ pro Liter Diesel. Die Mastercard wird an allen Tankstellen akzeptiert. Vorsichtshalber schaue ich jedoch jedes Mal nach, ob das Zeichen für diese Kreditkarte im Fenster aushängt.
An der Grenze zu Lettland will der Beamte nicht nur unsere Ausweise, sondern auch die Fahrzeugpapiere und meinen Führerschein sehen. Er bemängelt meinen „alten Lappen“. Ich habe immer noch diesen grauen alten Führerschein. Zwischendurch hat es ja schon einige andere gegeben und ich bin eben nicht auf der Höhe der Zeit. In Deutschland kein Problem, hier offensichtlich schon. Der Beamte geht mit unseren Papieren in der Hand zweimal um das Wohnmobil herum, es ist ja Gott sei dank nicht sonderlich lang, und versucht mir dann zu erklären, dass er meinen Führerschein nicht akzeptiert. Ich habe den Eindruck, als wolle er Geld von mir. Ich zeige auf meine Aufkleber in der Windschutzscheibe. Ein Aufkleber der Gewerkschaft der Polizei und einer der International Police Association. Dann erkläre ich ihm, dass ich „Kollege“ bin. Er scheint zu zweifeln. Ich sage ihm noch, dass mein Führerschein in Deutschland und ganz Europa in Ordnung sei. Er gibt mir die Papiere wieder, betont aber noch einmal, dass mein Führerschein in Lettland normalerweise nicht mehr gültig ist. Wir fahren weiter und beschließen zukünftig einen Fahrerwechsel vor den Grenzübertritten zu machen, so dass Siegrid dann fährt.

In Lettland müssen wir die Uhren um eine Stunde vorstellen. Wir kommen bis Riga gut durch. Nur auf den letzten Kilometern vor dem City-Camping kommen wir in einen Stau. Gegen 18.30 Uhr Ortszeit checken wir ein.
Die junge Frau an der Rezeption spricht englisch. Sie erklärt uns freundlich wo wir uns hinstellen können und wo die Toiletten und Duschen sind. Bezahlt wird in Landeswährung.
Das Hauptgebäude wird wohl zurzeit umgebaut, so dass die Sanitäranlagen sich in Containern vor dem Gebäude befinden.

Der Platz liegt an einer Hauptstraße auf einem großen Gelände hinter Wohnhäusern und einem Einkaufszentrum. Der Campingplatz ist ein typischer Stadtcampingplatz, nicht sonderlich schön, aber zweckmäßig ausgestattet. Unsere Nachbarn sind international.

Zum Einkaufszentrum fahre ich mit dem Fahrrad. Es ist aber auch bequem zu Fuß zu erreichen, geschätzte 700 Meter. Im Erdgeschoss befindet sich ein internationaler Geldautomat.

Am nächsten Tag stehen wir gegen 08.30 Uhr auf. Der Himmel ist strahlend blau. Nach dem Frühstück gehen wir zu Fuß in die Stadt. Wir nehmen uns Zeit und brauchen etwa 20 Minuten. In der Innenstadt gibt es zahlreiche touristische Läden und auch eine Touristeninformation. Hier buchen wir für 15,-€ pro Person eine Stadtführung – zu Fuß. Nachdem ich das Geld direkt an die Stadtführerin bezahlt habe marschieren wir los, nur wir drei. Mit einem kleinen Deutschlandfähnchen in der Hand geht unsere Führerin voran und stellt sich mitten auf den Markplatz. Hier schließt sich noch Schweizer Paar an, und die Stadtführung geht weiter. Die Führung dauert etwa 1,5 Stunden. Anschließend machen Siegrid und ich die gleiche Runde noch einmal durch die Stadt, um in Ruhe Foto- und Videoaufnahmen zu machen. Auf Empfehlung der Stadtführerin gehen wir dann nachmittags zum Reval-Hotel. Mit dem Aufzug fahren wir in den 26. Stock. Hier befindet sich die Sky-Bar, die nachmittags auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

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Kai P. am 13 Mär 2008 21:36:25

Station 4: Estland, Voore
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 10,-€ inklusive Frühstück
Kilometer: ca. 300
Strecke: Riga – Valga – Tartu – Voore

Morgens versorgen wir das Wohnmobil und quälen uns durch den Stadtverkehr von Riga in Richtung Nord-Ost. Wir wollen bis zur Grenze nach Russland fahren. Unser Ziel ist die Grenzstadt Narva an der Ostssee. Nicht heute – aber in den nächsten Tagen.
Bevor wir die Grenzstadt Valka erreichen machen wir einen Fahrerwechsel. Siegrid fährt das Wohnmobil über die Grenze nach Estland. Nicht, dass ich sie nicht fahren lassen möchte, aber sie sitzt nun mal lieber auf dem Beifahrersitz und mir macht das Fahren nichts aus. So machen wir hinter der Grenze erneut einen Fahrerwechsel.
Wir bleiben auf der A3 bis Tartu. In der Studentenstadt tanken wir, kaufen ein und suchen einen Stellplatz für die Nacht. Ich parke das Wohnmobil im Zentrum und gehe bis zur Touristeninformation. Leider geschlossen! Ein Schild weist darauf hin, dass man sich im Hotel London melden soll. Der Hoteleingang liegt in unmittelbarer Nähe, in der Fußgängerzone. Die junge Frau an der Rezeption erklärt mir sehr freundlich auf englisch den Weg zu einem stadtnahen Wohnmobilstellplatz. Er liegt beim Bed- and Breakfast-Hotel Herne in der Herne Straße. Mit dem Stadtplan vom Hotel in der Hand machen wir uns auf die Suche. Das „Hotel“ ist ein kleines Einfamilienhaus in einem Wohnviertel mit einem hohen Zaun und einer kleinen Wiese dahinter. Es sieht nicht besonders einladend aus, so dass wir weiterfahren.
Wir folgen der A3 weiter in Richtung Narva. Der baltische Campingplatzführer weist einen Platz an einem Gasthaus in Voore aus. Dort fahren wir zunächst vorbei, weil außer dem Gasthaus nichts zu erkennen ist was nur annähernd wie ein Campingplatz aussieht. Wir gelangen auf Schotterpisten und die Gegend wird immer einsamer. Für Freisteher optimal – wir aber wollen einen Campingplatz oder Stellplatz der unseren Ansprüchen genügt. Schließlich fahren wir zu dem Gasthaus zurück. Ich parke auf dem leeren Parkplatz und melde mich im Restaurant. Eine junge Frau, die weder ausreichend englisch noch deutsch spricht, erklärt mir in einem kauderwelsch aus allen möglichen Sprachen und mit Händen und Füßen, dass wir willkommen sind. Wir dürfen uns einen Platz aussuchen. Für die Übernachtung inklusive Toiletten, Duschen und Frühstück bezahle ich umgerechnet 10,-€.

Das Gelände hinter dem Gasthaus ist zunächst als Parkplatz gepflastert. Hieran grenzt ein großes Wiesengelände, mit Holzhütten, Feuerstelle, Hüttensauna mit Tauchbecken, Toilettenhäuschen und Duschen. Und alles für uns ganz alleine – traumhaft!

Ich parke das Wohnmobil so, dass wir auf dem gepflasterten Parkplatz stehen, die Markise aber über eine Wies ausspannen und mit unseren Stühlen darunter sitzen können. Heute Abend wollen wir grillen.

Und dann passiert es! Die Markise ist noch nicht ausgefahren, die Stühle nicht aufgebaut, geschweige denn, dass der Grill schon an ist. In dem Moment als ich das Wohnmobil an die richtige Stelle gefahren und den Motor ausgeschaltet habe, geht es los! Der absolute Wahnsinn, der absolute Kontrast zu der bisher vorherrschenden Stille.

Ein Autokorso kündigt sich durch lautes Hupen an! Der Lärm kommt immer näher, Siegrid und ich schauen uns an und denken beide: Hoffentlich fährt der Krach an uns vorbei. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Das erste Fahrzeug biegt auf den Parkplatz des Gasthauses ein. Alle anderen folgen laut hupend. Innerhalb weniger Sekunden ist Parkplatz rappelvoll mit Fahrzeugen und Menschen, ausgelassene Stimmung macht sich breit. Super, heute ist Party angesagt. Die Wagen stehen so auf dem Parkplatz, dass wir keine Chance zur Flucht haben. Egal – dann ist eben Party angesagt.
Für das Partyvolk sind wir aber offensichtlich Luft. Wir werden keines Blickes gewürdigt, geschweige denn, dass irgendjemand ein Wort mit uns spricht. Anfangs suche ich noch vergeblich den einen oder anderen Blickkontakt um mit einem freundlichen „Hallo“ ins Gespräch zu kommen, aber aufdrängen wollen wir uns auch nicht.

Auf dem Parkplatz ist dann Sektempfang, es handelt sich wohl um eine Hochzeit. Das Ganze dauert etwa eine Stunde und danach geht man geschlossen in einen hinter dem Gasthaus liegenden Partyschuppen. Jetzt haben wir wieder unsere Ruhe. Wir machen den Grill an und gönnen uns erst einmal ein Bier.
Dann kommt ein Ehepaar mit einem Hymer Wohnmobil und Kennzeichen aus Ulm auf den Parkplatz gefahren. Sie erkundigen sich bei uns nach den Modalitäten auf dem Platz. Ich erkläre die Situation und die beiden entscheiden sich, auf einen Platz hinter dem Gasthaus zu fahren.

Wir sitzen lange draußen und genießen die Stille. Als wir später im Alkoven liegen und gerade in den Schlaf gefallen sind beginnt der Krach erneut. Ich werde wach und glaube mitten in einer Disko zu liegen. Gegen 03.030 Uhr ist die offizielle Party wohl beendet, aber ein paar unermüdliche feiern mit lauter Musik aus ihren Autoradios auf dem Parkplatz weiter – direkt neben uns. Ich entschließe mich dazu nicht hinauszugehen und um Ruhe zu bitten. Wer weiß wie viel Alkohol mittlerweile geflossen ist und ich habe ehrlich gesagt Angst vor einer Reaktion die ich dann nicht mehr unter Kontrolle habe. Also lassen wir sie weiterfeiern. Irgendwann gegen 08.00 Uhr machen sie die Musik aus und unterhalten sich nur noch lautstark, als wenn sie gar nicht mitbekommen hätten, dass die Musik nicht mehr spielt.

Gegen 08.30 Uhr steige ich aus dem Wohnmobil und erkenne drei junge Männer, die immer noch Bier trinkend sich anscheinend glänzend unterhalten. Einer von den dreien erkundigt sich in gebrochenem Englisch ob wir eine gute Nacht hatten?
„Yes of course! The night was beautiful, so quiet.” Ich weiß nicht ob sie es verstanden haben, auf jeden Fall haben sie ihren Spaß mit meiner Antwort.

Um 09.00 Uhr gehen Siegrid und ich ins Gasthaus zum Frühstück. Außer uns sind noch vier ältere Damen zu Gast, es könnten Hochzeitsgäste sein. Im Gastraum ist ein Buffet aufgebaut. Es gibt Brot, Aufschnitt, Käse, Marmelade, so etwas Ähnliches wie Omelette und dazu Kaffee. Das Ehepaar aus Ulm setzt sich zu uns an den Tisch und wir kommen ins Gespräch. Die beiden berichten uns, dass sie bis etwa drei Uhr eine unruhige Nacht aufgrund der lauten Party-Musik hatten, danach war Ruhe.
Wir tauschen unsere bisherigen Erfahrungen im Baltikum oberflächlich aus und die zwei erzählen uns noch, dass sie von der Grenzstadt Narva bis nach St. Petersburg fahren wollen. Dann trennen sich unsere Wege.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:38:41

Station 5: Estland, Käsmu
Preis pro Nacht: ca. 10,-€
Kilometer: ca. 150 km bis Narva dann ca. 150 km bis Käsmu
Strecke: Voore – Peipsi See – -Jöhvi - Narva – Jöhvi - Käsmu


Wir brechen auf und folgen der A3 in Richtung Tallin. Dann biegen wir auf Nebenstrecken ab die uns zum Ufer des Peipsi Sees bringen. In der Mitte dieses Sees verläuft die Grenze zu Russland. Unglaublich, aber das wollte ich unbedingt sehen, da wollte ich unbedingt selbst einmal hin, wenn schon nicht nach Russland rein, dann wenigstens bis an die Grenze. Für mich ist so etwas gefühlsmäßig nicht zu beschreiben.
Das andere Ufer ist wegen der Größe des Sees nicht zu sehen. Die Grenze natürlich auch nicht. Wir machen mehrfach Video- und Fotostopps. Auch am Ufer des Sees entdeckt man immer wieder Stellen die zum freien Übernachten einfach einladen – aber wie schon geschrieben – nichts für uns.
Es zieht uns weiter Richtung Nord-Osten. In der Grenzstadt Narva parken wir das Wohnmobil in der Nähe der Grenze und gehen den Rest zu Fuß.
Es ist irgendwie beängstigend, als ob in Russland die Welt zu Ende ist. Hohe Mauern, Stacheldrahtzaun, Niemandsland, Kontrollposten mit Maschinenpistolen, Panzerwagen, Fahrzeughallen mit Gruben für ausführliche Kontrollen. Fotografieren verboten!
Von hier aus sind es bis St. Peterburg nur noch 180 Kilometer, ein Katzensprung. Mich reizt so etwas ja, aber Siegrid bekäme ich nur unter Narkose mit. Außerdem hätten wir zu Hause bereits ein Visum beantragen müssen. Also keine Chance!

Vom Grenzübergang gehen wir bis zur Hermannsfestung. An dieser Stelle erreicht der Fluss Narva die Ostsee. Auf der anderen Seite des Flusses ist Russland. Man kann hinüber schauen. Dort befindet sich Festung Ivanogorod.
Auf dem Gelände der Hermannsfestung ist heute eine Militärschau. Es werden Kanonen, Gewehre, Pistolen und diverse Militärfahrzeuge ausgestellt. Es ist schon interessant zu beobachten, wie unbekümmert auch junge Frauen und Kinder mit den Waffen umgehen. Wir sehen Eltern die ihren Kindern bewundernd die Pistolen in die Hand drücken und damit spielen lassen um sie zu fotografieren. Siegrid findet es nicht besonders lustig, dass ich für meine Videoaufnahmen immer näher an solche Familien herangehe. Aber ich habe den Eindruck, dass es sie auch noch mit Stolz erfüllt wenn die Kinder in diesen Posen gefilmt werden.

Unser heutiges Ziel heißt Käsmu im Lahemaa Nationalpark. Der Campingplatz in Käsmu ist gut gefüllt, aber es ist noch genügend Platz vorhanden. Die überwiegende Zahl der Urlauber sind Finnen. Es ist aber auch eine große Reisegruppe aus Österreich dort. Es handelt sich wohl um eine geführte Tour oder einen Wohnmobilclub, etwa 20 Mobile.
Am Abend wird Volksmusik gemacht, keine estische – NEIN – ÖSTERRREICHISCHE!!!
Nicht das wir etwas gegen österreichische Volklore haben – aber bitte nicht in Estland.

Es wäre ja schön gewesen, wenn unsere österreichischen Freunde eine halbe oder eine ganze Stunde ihren Volksweisen an die anderen Urlauber weitergegeben hätten, aber doch bitte nicht vom frühen Abend bis nach Mitternacht!!
Ich gebe zu, dass die Österreicher selbst, aber auch die Finnen ihren Spaß an der Sache hatten. Wir alten Griesgrame aber nicht!!
Wir hatten nun mal schon eine Nach mit wenig Schlaf hinter uns – und jetzt noch eine vor uns!?

Ja, ja, ich höre schon alle „Freisteher“, die uns bekehren wollen.

Ab 22.00 Uhr spielt auf dem Festplatz des Campingplatzes ein Duo Countrymusic. Dort gehen wir hin und hören eine Weile zu. Dann gehen wir nach Hause und lauschen noch ungewollt der österreichischen Laienschar.

Auf dem Campingplatz gibt es ein offenes WLan-Netz und dank der Börner-Antenne maile aus dem Wohnmobil noch ein paar Zeilen an die Verwandtschaft.

Am nächsten Morgen frühstücken wir draußen. Die Österreicher sind nirgends zu sehen und die Finnen trinken ihr erstes Bier. Am Nachmittag erkunden wir die Gegend mit den Rädern.

Später kommt das Ehepaar aus Ulm auf den Platz gefahren. Sie erzählen uns, dass sie nach ca. 60 Kilometern auf russischer Straße wieder umgedreht seien. Wegen der schlechten Straßenverhältnisse und den drängelnden russischen LKW im Heck.

Morgen wollen wir weiterfahren und hoffen auf eine ruhige Nacht. Der Gedanke war noch nicht ganz ausgedacht, als unmittelbar neben unserem Wohnmobil das österreichische Akkordeon erklingt und irgendjemanden den wir nicht kennen – und nicht kennen lernen wollen – zum Geburtstag gratuliert.
Super – heute ist Geburtstagsfeier!
Aber Fehlanzeige. Nach zwei Liedern packt der Virtuose sein Instrument ein und gibt Ruhe. Noch vor 22.00 Uhr liegt ganz Österreich im Bett. Und wir bald auch.
Zuvor unternehmen wir aber noch einen kleinen Spaziergang ans Meer.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:40:19

Station 6: Estland, Tallin
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 23,-€
Kilometer: ca. 80
Strecke: Käsmu - Tallin

Nach dem Frühstück fahren wir weiter. Es geht auf der Autobahn in Richtung Tallin. Kurz vor unserem Ziel verdichtet sich der Verkehr auf der mehrspurigen Straße.
Am Straßenrand stehen vereinzelt Fahrzeuge. Die Fahrzeuginsassen machen allesamt einen verwirrten Eindruck. Manche starren nur auf die Straße, andere Streiten sich. Andere sitzen nur in ihren Autos und scheinen zu warten. Der zähflüssige Verkehr kommt zum Stehen. Dann kann ich über die Autodächer vor mir Polizisten erkennen, nicht nur einige, es scheint eine ganze Hundertschaft zu sein.
Alle drei Fahrzeugspuren werden von denen dicht gemacht. Etwa alle 6-8 Meter steht ein Polizist. 10 – 12 hintereinander – auf jeder Spur. Die Polizisten sprechen kurz mit den Fahrern, halten ein Gerät ins Fahrzeuginnere und winken den Verkehr weiter.
Eine Alkoholkontrolle!
Mir geht durch den Kopf: Was war gestern, hast du gestern Alkohol getrunken? Na klar! Ist doch Urlaub! Wie viel? War auch Schnaps dabei? Nein, nur Bier! Sollen wir vorsichtshalber einen Fahrerwechsel machen? Bist du bekloppt? Siegrid hatte doch auch was getrunken! Ja? Ja! Sie können doch besser mich als sie einsperren! Oder? Ich weiß nicht!
Nach diesen Gedankengängen steht auch schon ein Polizist neben dem Wohnmobil. Ich kurbele die Scheibe herunter, er murmelt etwas von blablabla alkohol blablabla und hält mir ein Röhrchen vor den Mund. Ich hole tief Luft und Puste so lange hinein bis der Polizist wieder irgendetwas sagt. Dann dauert es noch einmal eine Ewigkeit von etwa fünf Sekunden bis er mir per Handzeichen signalisiert „OK“ Völlig erleichtert geht die Fahrt weiter und der Stau löst sich auch im Nu auf.

Vor Tallin füllen wir unsere Vorräte an einem Supermarkt auf. Dann geht’s zum Tallin City Camp. Es ist noch relativ früh, kurz vor Mittag, und auf dem Platz ist wenig los. Wir melden uns und der Rezeption an, können und einen Platz aussuchen und schließen das Wohnmobil an Strom an. Dann gehen wir in etwa 30 Minuten zu Fuß bis in die Stadt.
In der Altstadt essen wir im Restaurant Olde Hanse. Hier wird in Trachten bedient und der Kellner sprich ein ausgezeichnetes Deutsch. Keine Ahnung ob es jemanden wirklich interessiert, aber Siegrid isst ein Pfeffersteak und ich einen Fischteller. Es schmeckt ausgezeichnet.

In der Altstadt befindet sich auch die Touristeninformation. Wir kaufen eine „Tallin-Card“ die ab morgen Gültigkeit hat. Damit können wir die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, haben teils freien Eintritt in Museen und andere Vergünstigungen.
Abends probiere ich noch einmal meine Super-Internet-Antenne und siehe da! Ein offenes WLAN-Netz, so dass ich noch ein wenig surfen kann.

Am nächsten Morgen ist es diesig und etwas kühler geworden. Wir nehmen vorsichtshalber die Regenschirme mit. Wir fahren mit dem Bus vom Campingplatz zum Zentrum. Um 10.30 Uhr startet eine Bustour mit deutscher Reiseleitung ab dem Hotel Vira.
Die Tour dauert etwa 2,5 Stunden. Anschließend essen wir in einem Restaurant am Rathausplatz. Die Speisekarte ist auf Englisch und estisch. Wir bestellen mehr oder weniger auf gut Glück. Es schmeckt trotzdem.

Nach dem Essen machen wir noch eine Hop-on Hop-Off Tour. Wir hoppen zwar nicht, lauschen aber den Ansagen aus den Kopfhörern bis uns der Bus wieder im Zentrum absetzt.
Dann geht es mit dem Bus Nr. 34a zurück zum Campingplatz. Das Wetter ist im laufe des Tages wesentlich besser geworden.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:41:24

Station 7: Estland, Insel Saaremaa, Nasva, Campingplatz Mandjala
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 12,-€
Kilometer: ca. 150
Strecke: Tallin – Virtsu (Fährhafen) – Muhu - Saaremaa

Heute Nacht hat es geregnet. Wir frühstücken noch auf dem Campingplatz in Tallin und fahren dann weiter. Wir wollen auf die Insel Saaremaa. Die Fähre geht von Virtsu nach Muhu und von hier aus fahren wir über eine Landzunge auf die Insel Saaremaa. Als wir am frühen Nachmittag eintreffen stellen wir uns die Schlange der wartenden Fahrzeuge und ich bezahle für die einfache Überfahrt umgerechnet 12,-€.
Wir fahren als zweites Fahrzeug an Bord und entsprechend früh auch wieder herunter. Als wir das Schiff verlassen wollen wir an die Küste. Deshalb verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf Nebenstraßen ab die entlang der Küste führen. Durch den Regen in der vergangen Nacht ist es nicht staubig, das ist gut. Dafür ist es matschig. Und der ganze Dreck wird hinter dem Wohnmobil hoch geschleudert und landet auf unseren Fahrrädern, das ist schlecht.
Durch das Heckfenster kann man schon lange nicht mehr schauen. Entlang der Küsten-Schotter-Piste gibt es eine Vielzahl von Plätzen auf denen man übernachten kann. Wir wollen aber auf einen Campingplatz. Und so ist es bereits früher Abend als wir auf dem Campingplatz Mändjala in Nasva einchecken. Wir stellen uns dicht an die Ostsee. Heute Abend hat es angefangen zu regnen. Mit den Regenschirmen bewaffnet gehen wir dann ins Restaurant des Campingplatzes. Wir sind neben einem anderen Ehepaar mit Kleinkind die einzigen Gäste. Siegrid isst Soljanka und ich Schnitzel. (Wir essen nun mal gerne und deshalb schreibe ich auch darüber!)

Kai P. am 13 Mär 2008 21:44:12

Station 8: Estland, Insel Saaremaa, Tehumardi, Campingplatz Tehumardi
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 13,-€
Kilometer: wurden nicht gezählt
Strecke: Rundfahrt Insel Saaremaa

Am nächsten Morgen hat es aufgehört zu regnen. Wir machen das Wohnmobil startklar und fahren weiter auf die südliche Halbinsel von Saaremaa, bis nach Sääre. Am Leuchtturm ist ein großer Parkplatz auf dem wir das Wohnmobil abstellen um am Strand spazieren zu gehen.
Zu dem Gelände gehört ein kleines Cafe. Hier gönnen wir uns einen Latte. Anschließend fahren wir am Westufer entlang.
Die kleine Schotterpiste führt uns immer wieder unmittelbar ans Ostseeufer. Auch in diesem Bereich der Insel gibt es genügend viele Stellplätze für die Freisteher.

Plötzlich traue ich meinen Augen nicht. Während wir gemächlich dahinzuckeln steht plötzlich ein Elch am Straßenrand. Ich halte das Wohnmobil etwa 20 Meter entfernt an. Der Elch schaut zu uns hinüber und verschwindet dann in die Büsche. Er bleibt aber wieder stehen, dreht sich zu uns um und scheint uns zu beobachten.
Es dauert eine Weile bis wir reagieren. Siegrid greift sich ihre Foto- und ich meine Videokamera. Es gelingen uns noch ein paar Aufnahmen aus dem Wohnmobil heraus.
Ich steige dann aus und versucht etwas näher an den Elch zu kommen. Dann sehe ich, dass es nicht einer sondern zwei Elche im Gebüsch sind. Als sie mich entdecken ergreifen sie die Flucht. Das waren die ersten Elche die wir in freier Natur gesehen haben. Und das, obwohl wir schon mehrfach in Schweden und Norwegen waren. Fantastisch!
Wir folgen der Küstenstraße weiter und kommen irgendwann auf eine Hauptstraße die nach Kuressaare führt, die Hauptstadt der Insel. Hier parken wir das Wohnmobil und besichtigen die Burg. Kuressaare besitzt übrigens einen ausgewiesenen Stellplatz für Wohnmobile, unmittelbar am Hafen. Wir haben ihn uns auch angeschaut, waren aber nicht sonderlich begeistert. Irgendwie werden die WoMos dort hinter einem Zaun eingepfercht. Da ist uns ein weitläufiger Campingplatz tausendmal lieber.

Deshalb machen wir uns auf wieder auf den Weg in Richtung südlicher Halbinsel. Heute wollen wir auf den Campingplatz Tehumardi. Der Platzwart empfängt uns freundlich auf Deutsch. Das Gelände ist nicht parzelliert, so dass wir uns auf der großen Wiese einen Platz aussuchen können. Wir haben die Auswahl, schattig unter Bäumen oder sonnig.
Im Wohnmobil komme ich dank meiner Super-Internet-Antenne in das offene W-Lan des Campingplatzes.
Heute Abend wird gegrillt.
Wir verbringen einige Tage auf dem Campingplatz. Der Weg zum Ostseestrand führt über die Straße durch einen kleinen Wald. Man ist in etwa fünf Minuten zu Fuß am Wasser. Hier gibt es einsame Badestrände und kleine Buchten.

Lohnenswert ist aber auch der Besuch Kraterfelds Kaali. Der dortige See ist durch einen Meteoriteneinschlag entstanden.

Aus Saaremaa gibt es jede Menge zu sehen. Der Besuch der Insel ist auf jeden Fall lohnenswert und nach Angaben des freundlichen Campingplatzbetreibers ist die Kriminalitätsrate annährend Null.
Der Campingplatz ist gut ausgestattet, und so kann Siegrid zwei Maschinen Wäsche waschen, ich mit derweil um den Dreck am Wohnmobil kümmern und am Abend gehen wir dann in die Sauna. Später gönnen wir uns ein Bier – vielleicht auch zwei oder drei, genießen die Ruhe und Abgeschiedenheit.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:45:30

Station 9: Estland, Pärnu, Campingplatz Konse
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 12,-€
Kilometer: ca. 100
Strecke: Tehumardi – Virtsu (Fährhafen) – Pärnu


Der Himmel ist immer noch blau. Nach dem Frühstück bezahle ich den Campingplatz und wir fahren los. Unterwegs auf der Insel Saaremaa halten wir noch einmal zum Einkauf in Kuressaare an. Anschließend fahren wir in Richtung Virtsu, dem Fährhafen.
In Koigi, einer Moorlandschaft mit vielen kleinen Seen wandern wir etwa zwei Stunden durch die herrliche Gegend. Als wir nachmittags am Fährhafen ankommen wundere ich mich über den erhöhten, fast verdoppelten Preis für die Überfahrt. Der Verkäufer des Tickets erklärt mir freundlich, dass es am „Weekend“ liegt, dann wären die Preise eben höher als unter der Woche.
Von Virtsu nach Pärnu sind es etwa 75 Kilometer auf gut ausgebauter Straße. Der Campingplatz in Pärnu ist gut gefüllt, um nicht zu sagen voll. Es gibt aber noch Ausweichplätze die zwar nicht besonders schön, aber für eine Übernachtung allemal ausreichen. Davon suchen wir uns einen aus und gehen dann erst einmal duschen. Auch auf diesem Platz gibt es ein W-Lan, dessen Passwort an der Rezeption herausgegeben wird – kostenlos.
Am nächsten Vormittag ist große Abreisewelle auf dem Campingplatz und wir können von unserer „Notunterkunft“ auf einen schönen Wiesenplatz wechseln. Neben uns steht ein Paar mit einem blauen VW California und Hamburger Kennzeichen.

Pärnu ist ein beliebter Badeort. Das macht sich auch in der Größe der Parzellen für Wohnwagen und Wohnmobile bemerkbar. Dickschiffe dürften hier ihre Probleme bekommen. Ansonsten ist der Platz sehr schön angelegt. Er liegt unmittelbar am Ufer des Pärnu-Flusses und man geht in ca. 15 Minuten bis zum Strand.
Wir haben immer noch glück mit dem Wetter, so dass wir einige Tage (genau genommen nur zwei) einfach nur faulenzen, in der Sonne liegen, gut essen gehen und alles tun und lassen, was man im Urlaub nun mal tut oder lässt.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:46:15

Station 10: Polen, Wigierski
Internetadresse:
Preis pro Nacht: ca. 10,-€
Kilometer: ca. 580
Strecke: Pärnu, Estland – Wigierski, Polen

Der Wecker klingelt um 08.00 Uhr. Nach dem Frühstück verlassen wir bei strahlend blauem Himmel den Campingplatz und sind endlich wieder „on the road“. Unterwegs wird das Wetter immer schlechter. Vor der Grenze von Litauen nach Polen hat sich eine lange Schlange von LKW gebildet. Am Ende der Schlange kann ich die Grenze noch nicht sehen. PKW ziehen an uns vorbei, während die LKW-Fahrer sich offensichtlich auf eine längere Wartezeit einstellen. Ich entschließe mich auch an den LKW vorbeizufahren. Bei Gegenverkehr wird es manchmal etwas eng, aber es scheint niemanden zu stören. An der Grenze muss ich kurz anhalten und die Aufbautür öffnen. Ein Grenzbeamter schaut in das Wohnmobil. Er will auch noch einen Blick in den Sanitärraum werfen. Kein Problem, Tür auf, kurz reingeschaut und dann dürfen wir weiterfahren.
In Suwalki tausche ich unser Bargeld in Slotys. Wir kaufen noch einmal ein und fahren dann weiter in Richtung Augustow. Auf der Suche zum Naturschutzgebiet Wigierski fahren wir manche Strecke doppelt, es ist sehr schlecht ausgeschildert. Dann trauen wir uns einfach eine kleine Straße „in die richtige Richtung“ zu fahren und sind plötzlich mitten drin, im Naturschutzgebiet. Das Paar aus Hamburg hatte uns dieses Ziel empfohlen und langsam wird es wirklich Zeit ein Lager für die Nacht zu finden.

Wir steuern den ersten Campingplatz an. Ich habe leider vergessen den Namen zu notieren, aber er liegt traumhaft an einem See.
Eine junge Frau, ich vermute die Tochter des Betreibers, spricht englisch mit uns. Sie erklärt uns, dass der Platz 40 Sloty, also etwa 10,-€ pro Nacht kostet. Dafür gibt es Strom, Toiletten, Dusche und – unbezahlbar – diese super Aussicht über den See. Wir suchen uns einen Platz in der hintersten Ecke aus. Leider gibt es hier keinen Stromanschluss. Bevor ich dem jungen Mann, vermutlich der Bruder der jungen Frau, klarmachen kann, dass wir keinen Strom benötigen, legt er auch schon etliche Meter Stromkabel zu unserem Wohnmobil. Das nenn´ ich Service.

Noch am späten Abend, es ist bereits fast dunkel, wird der Campingplatz etwas voller. Eine ganze Horde von jungen Leuten kommt mit PKW mit Anhänger, Boten und Zelten auf den Platz. Sie bauen ihr Lager auf und haben reichlich Spaß. Aber es hält sich alles in Grenzen.

Auch dieser Platz lohnt einen längeren Aufenthalt. Aber wir wollen weiter.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:47:11

Station 11: Polen, Leba, Campingplatz Marco Polo
Internetadresse:
Preis pro Nacht: ca. 11,-€
Kilometer: ca. 470
Strecke: Wigierski, Polen – Leba, Polen

Heute Morgen scheint die Sonne. Zum Frühstück sitzen wir im Wohnmobil, denn die Temperatur ist noch sehr niedrig. Unser Tagesziel ist der Ort Leba, ein Badeort an der polnischen Ostseeküste. Die polnischen Straßen sind teilweise in einem sehr schlechten Zustand. Für die Tagesetappe sitze ich runde 10 Stunden hinter dem Lenkrad. Mehr muss ich wirklich nicht haben. Unterwegs wird das Wetter immer schlechter und als wir uns durch Danzig stauen steht das Wasser auf der Straße.
Der Badeort Leba ist nicht nur bei Ausländern sondern auch bei den Polen beliebt. Und so freut es mir umso mehr, dass man in der Rezeption des Campingplatzes Marco Polo mit uns deutsch spricht. Ich bezahle beim einchecken sofort für eine Übernachtung und ich schließe das Wohnmobil bei strömenden Regen an Strom an.
Später bewaffnen wir uns mit unseren Regenschirmen und gehen in den Ort. Nicht sehr weit, alles fußläufig gut zu erreichen. Heute wollen wir Fisch essen. In einem gut besuchten Restaurant finden wir einen Platz und bestellen für Siegrid Sola mit Spinat und für mich Zander. Lecker! Zum Essen gibt es Bier und dann wollen wir das trinken, was alle im Restaurant trinken, Wodka!
Ich bestelle bei der Kellnerin zwei Wodka und als sie die Gläser bringt denke ich zuerst, nein, kein Wasser, wir wollen Schnaps, Wodka! Denn die Gläser sind so groß und so gefüllt, als ob man in einem Deutschen Restaurant Mineralwasser bestellt hätte.
Egal, das Zeug muss rein, in uns. Und was soll ich sagen, es geht sogar. Ohne eine Miene zu verziehen setzen wir das Glas an, nehmen einen kräftigen Schluck spüren wie der Wodka die Kehle herunter rinnt. Schmeckt gar nicht schlecht.
Bevor das Trieseln im Kopf beginnt machen wir uns auf. Ich bezahle die preiswerte Rechnung und wir machen noch einen ausgedehnten Spaziergang bis zum Hafen und ein Stück am Strand entlang. Als wir nach Hause kommen regnet es immer noch.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:48:22

Station 12: Polen , Kollberg, Campingplatz Baltic
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 15,-€
Kilometer: ca. 170
Strecke: Leba, Polen – Kollberg, Polen

Das Wetter ist immer noch bescheiden. Ich glaube, dass wir im Nord-Osten während unserer Reise fast immer besseres Wetter hatten als in Deutschland. Je weiter wir uns Richtung Süd-Westen bewegen, umso schlechter und vor allem kälter wird es.
Von Badewetter keine Rede mehr. Als wir in Tallin im Cafe saßen und mit zu Hause telefonierten waren es dort nur 9 Grad – und das im Hochsommer.

Auf dem Campingplatz in Leba hole ich morgens Brötchen und wir frühstücken in aller Ruhe. Danach machen wir das Wohnmobil startklar und fahren auf kleinen Straßen an der Küste entlang in Richtung Kollberg, polnisch Kolobrzeg. Unterwegs halten wir an und wagen einen Spaziergang.
Aber nach wenigen Metern bekommen wir den Pelz nass. Und bei dem Wind nutzt uns auch kein Regenschirm, so dass wir uns wieder ins Wohnmobil verkriechen, trockene Sachen anziehen und weiterfahren.
Auf dem Campingplatz Baltic in Kollberg herrscht gegen 15.30 Uhr noch Pause. Wir parken vor der Schranke und machen einen Gang über den Platz. Als wir zurückkommen ist die Rezeption geöffnet und wir checken für eine Nacht ein.
Es regnet und so trinken wir erst einmal ein „Ankommensbier“.

Später gehen wir essen.
Irgendwie merkwürdig. Ich glaube, dass man bei schlechtem Wetter öfter essen geht. Oder aber wir tun das nur, oder aber ich habe ansonsten nichts für unser Reisetagebuch zum Aufschreiben. Egal, wir essen jedenfalls wieder Fisch. Siggi Forelle, die ist lecker und ich Seezunge, die ist sehr fettig. Deshalb brauch´ ich jedenfalls einen Wodka zum nachspülen und Siegrid trinkt aus lauter Sympathie einen mit. Auf dem Weg nach Hause fängt es wieder an zu regnen.

Kai P. am 13 Mär 2008 21:49:11

Station 13: Deutschland, Kühlungsborn, Campingplatz
Internetadresse: --> Link
Preis pro Nacht: ca. 35,-€
Kilometer: ca. 420
Strecke: Kollberg, Polen – Kühlungsborn, Deutschland

Das Wetter bleibt äußerst durchwachsen und zum Ende des Urlaubs wollen wir uns noch einmal so richtig etwas gönnen. Daher beschließen wir, nach Kühlungsborn zu fahren. Auf dem Campingplatz verbringen wir die restlichen Urlaubstage. Wir fahren mit den Rädern die schöne Küste entlang, liegen dick angezogen am Strand, gehen abends lecker essen und fahren nach nicht ganz vier Wochen von dort nach Hause.

Was bleibt zu sagen:

1.) Beim nächsten Mal würden wir die Fahrräder nicht mehr mitnehmen. Wir haben sie zuwenig gebraucht
2.) Masuren und die polnische Ostseeküste haben wir praktisch nur auf der Durchreise erlebt. Hier werden wir mit Sicherheit noch einmal für einen längeren Zeitraum hinfahren.
3.) Andere Reisemobilfahrer haben ganz bestimmt ähnliche Erfahrungen an anderen Orten gemacht. Das Baltikum ist auf jeden Fall eine Reise wert.
4.) Unser besonderer Dank gilt dem Betreiber des Campingplatzes Tehumardi.
Danke für das Tetrapack Apfelsaft das du uns geschenkt hast! (Vielleicht zeigt ihm ja jemand diesen Bericht)
5.) Vier Wochen waren ausreichend Zeit für diese Tour. Da wir ja noch einige Tage in Deutschland verbracht haben, kann man sie auch in drei Wochen bequem fahren.
6.) Vielleicht bekomme ich Siegrid doch noch dazu einmal mit mir nach St. Petersburg zu fahren? Wenn nicht, ist aber auch nicht schlimm.

Ich wünsche allzeit eine knitterfreie und gute Fahrt!

Anne42 am 13 Mär 2008 21:54:46

Hallo Kai
ich warte schon gespannt auf die Fortsetzung :razz: :razz: :razz: :razz:

Anne42 am 13 Mär 2008 22:20:52

Hallo Kai, während du den zweiten Teil gepostet hast, war ich dazwischen!!
Dein Bericht ist Klasse und ich denke er wird so manchen dazu anregen auch einmal dort hin zu fahren. :daumen2:

Ausderasche am 13 Mär 2008 22:25:34

:daumen2: :daumen2: :daumen2: :daumen2: :daumen2:

Schöner Bericht...Osteuropa macht schon Spass...und wenn dann das Wetter noch stimmt, ist es bestimmt doppelt so schön!


Frank

eva b. am 14 Mär 2008 10:43:35

Endlich mal wieder ein Reisebericht. Schööön...
Tja - das Wetter war im letzten Jahr nicht nur im Osten sehr durchwachsen. Aber Ihr habt es offensichtlich mit Gleichmut genommen - hattet ja auch schöne Tage. Was mir an den (leider sehr kleinen :lupe: ) Fotos auffällt, ist, dass Ihr auf den Campingplätzen viel Platz um das Mobil herum hattet. Da wir nicht gerne so eng stehen, reizt uns eine solche Tour schon, zumal die Landschaft teilweise wirklich beeindruckend zu sein scheint.
:dankeschoen: für den schönen Bericht!

mayon am 14 Mär 2008 11:51:25

:D Super Reisebericht! DANKE!
:blume: :flower: :kleeblatt: :zustimm:

Gast am 14 Mär 2008 12:24:01

Hallo Kai P.

Danke für den schönen Reisebericht, man war fast dabei. Schade nur, daß die Bilder so klein sind, oder kann man die noch woanders größer sehen?
Habe den Bericht in einem durchgelesen. So und nun suche ich erstmal einen Campingplatz und trinke einen Wodka xxl:D

Gast am 14 Mär 2008 19:26:48

Eine schöne Reise habt ihr beiden da gemacht.....eins möchte ich noch anführen .... auf dem Stellplatz in Saremaar (Kurasare) standen wir ganz alleine und fühlten uns hinter Gitter sicher und wohl......

Gast am 14 Mär 2008 20:50:30

Hallo Kai, auch wir waren fast 4 Wochen im Baltikum, allerdings auch Littauen und ebenfalls bis nach Tallinn. Auf der Rückfahrt hatten wir wie Du die unheimliche Begegnung mit dem Spielzug aus Österreich, nämlich in Trakai. Der gesamte Campingplatz wurde für Stunden beschallt. Fast peinlich! Ansonsten hat dieser Urlaub unser Europabild wohltuend abgerundet.

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