Hier ist der Bericht:
Verstopfte Autobahnen und dazu auch noch Maut - der Schrecken aller Reisemobilisten. Es geht auch anders: Billiger und erlebnisreicher ist eine Alternativroute nach Südfrankreich, an die spanische Costa Brava oder sogar nach Portugal. Der Clou: Sie kostet keine Autobahngebühren und verläuft obendrein auf einer der schönsten Strecken Frankreichs. Das gibt es nicht? Doch, das gibt es. Vergessen Sie auf der nächsten Urlaubsreise die gebührenpflichtige Autobahnfahrt durchs Rhonetal. Fahren Sie entspannt, verschont von Schwerlastverkehr und ständig überholenden Reisebussen auf einer fast neuen Autobahn Ihrem Zielort im Süden Europas entgegen. Reisemobillisten, die im Besitz von Michelin-Straßenkarten sind, finden nicht mautpflichtige Autobahnabschnitte schon, wenn sie ihre Reise planen: Die Karten des Reifenherstellers kennzeichnen jede Teilstrecke auf Europas Straßen, die gebührenpflichtig ist. Alle mautpflichtigen Straßen sind in den sehr genauen Karten zwischen den Kilometerangaben mit roten Markierungsnadeln kenntlich gemacht. Den Anfang und das Ende, wo es nur gegen Bares weitergeht, kennzeichnen die roten Nadeln. Die Abschnitte mit blauen Nadeln sind Balsam für die mautgebeutelten Mobilisten, signalisieren sie doch: Dieser Abschnitt ist kostenlos zu befahren. Das spart bares Geld. Wir beginnen unsere Reise in Breisach. Der Ort liegt zentral im Süden Deutschlands in unmittelbarer Nähe zu Frankreich und hat sich mittlerweile zum Treffpunkt der aus allen Richtungen kommenden Reisemobilisten entwickelt. Auf dem
Stellplatz am Rheinufer finden sich fast immer Gleichgesinnte, die dann gemeinsam Richtung Süden fahren. Gegenüber vom Stellplatz ist schon das französische Rheinufer zu sehen, nur wenige Meter über die Brücke trennen uns von Frankreich. Auf der Rheinbrücke beobachten wir hautnah das Schleusen der oft riesigen Rheinschiffe. Kurz hinter der Rheinüberquerung beginnt schon die D 2, auf kürzestem Wege fahren wir über Ensisheim nach Belfort. Kurz vor Belfort haben wir das erste mal Gelegenheit, die Autobahn zu benutzen. Völlig kostenlos und ohne Mautstelle umfahren wir die Stadt. Allerdings sehen wir dann nicht eine der besterhaltenen Festungen im Osten Frankreichs. Die hinter Belfort weiter nach Lyon und
Paris führende Autobahn ist hinter der Stadt wieder kostenpflichtig. Wer wie versprochen wirklich keinen Euro für Gebühren ausgeben will, muss nun die Autobahn verlassen. Die anderen sollten lieber bis hinter Montbeliard auf der A 36 bleiben. Das kostet nicht viel, aber die Strecke erspart die Fahrt durch die meist vom Fahrzeugverkehr verstopfte Stadt. Auf der D 126 geht es dann zügig weiter nach Besancon. Wir folgen dem Lauf der Doubs, stets am Flussufer entlang führt die Straße durch das romantische Tal. Hinter Besancon wechseln wir auf die gut ausgebaute N 73 in Richtung Dole immer noch dem Lauf des Doubs folgend, der jetzt aber öfter im Tal oder hinter Flussbiegungen verschwindet. Problemlos lässt sich Dole umfahren - dabei ist ein Besuch der Stadt sehr zu empfehlen. Weiter geht es nun über Chalon bis nach Paray-le-Monial, der ersten Etappe unserer Reise. Von Breisach bis in die alte Wallfahrtsstadt haben wir etwa 380 Kilometer hinter uns qebracht. Ein Besuch der riesigen Bastei, die bis ins zehnte Jahrhundert zurückreicht, ist sehr zu empfehlen, ebenso der Abstecher in die Stadt. Wir haben hier zwei Möglichkeiten zu übernachten. In nächster Nähe zur Stadt finden wir an der Bastei zwei große Parkplätze. Für eine Nacht bieten sich die sehr gut beleuchteten Flächen an. Von hier sind es nur wenige Schritte zu Altstadt und Klosterkirche. Wer einen Campingplatz bevorzugt, findet als Alternative den Camping Municipal. Die nächste Etappe bringt uns ins Zentralmassiv. Jetzt erreichen wir in Kürze jene Autobahn, die Paris mit dem Mittelmeer verbindet. Auf der D 482 von Paray nach Roanne und weiter über Thiers ist es nun nicht mehr weit bis zur eigentlichen Autobahn. Von hier stoßen wir nach wenigen Kilometern auf die A 75 südlich von Clermont Ferrand. Verschont von Mautstellen gelangen wir kostenlos auf einer sehr guten und neuen Autobahn nach Südfrankreich. Nur ganz wenige Lastwagen rumpeln auf dieser Strecke. Ganz selten bekommen wir einen Reisebus zu sehen. Zurückgelehnt, vollkommen entspannt und stressfrei genießen wir die wunderschöne Fahrt durch das Zentralmassiv. Auf sanften Steigungen führt die A 75, ohne dass wir viel davon bemerken, auf etwas über 1.000 Meter Seehöhe. Ohne größere Steigungen verläuft die Autobahn nun durch herrliches Gebirge, unterbrochen von weiten Ebenen. Kühne Brücken überspannen tiefe Täler. Selbst im Winter bei stets gut geräumten Straßen ist diese Route eine tolle Alternative zur meist überfüllten und stark befahrenen Rhonetal-Autobahn. Von Paray bis zur Aus- oder Auffahrt 28 St. Flour sind es etwa 270 Kilometer. Hier findet der Reisemobilist, falls der kleine Stellplatz voll ist, am Hotel Anger einen öffentlichen Parkplatz zum Übernachten. In den Wintermonaten ist die Ver- und Entsorgungsanlage auf dem Stellplatz außer Betrieb. Macht nichts, auf den Rastplätzen entlang der Autobahn gibt es genug davon. Der Aufstieg zur Altstadt, gelegen auf einem kleinen Berg, ist leicht zu schaffen. Die alten Häuser und der wunderschöne Rundblick entschädigen für die leichten Mühen der Bergwanderung. Am nächsten Tag fahren wir geradewegs durch den Ort zur Autobahnauffahrt 29. Schön ist die Raststätte in der Nähe von Millau: Bei einer Kaffeepause im Mobil lassen sich Flugzeuge beobachten, die direkt auf dem daneben befindlichen Sportflugplatz starten und landen. Interessant ist auch ein Besuch auf dem Parkplatz namens Aire Archeologique. Grabungsbeispiele und Schautafeln führen hier Reisende in Vergangenheit und Geschichte dieser Gegend. Wir nähern uns nun Millau, dem einzigen Wermutstropfen dieser wunderschönen Reiseroute. Kurz vor der Stadt endet vorläufig die Autobahn. Es gibt bislang keine andere Möglichkeit: Wir müssen in das Tal. Der Weg führt geradewegs durch die Stadt, am anderen Ende erst geht es wieder hinauf zur weiter führenden Autobahn. Das ändert sich sicher in absehbarer Zeit. Eine Brücke, die das weite und tiefe Tal überspannt, ist bereits im Bau. Wird dieses Bauwerk fertig, gelangt der Urlauber ohne Unterbrechung und ohne Mautstellen bis nach Beziers in Südfrankreich. Von dort ist es nicht mehr weit nach Montpellier oder Narbonne. Stressfrei und verwöhnt von einer stellenweise atemberaubenden Landschaft haben wir das Mittelmeer erreicht - ohne die Urlaubskasse zu strapazieren. Für Reisende auf dem Weg nach Spanien bietet sich jetzt noch einmal vor der Grenze die Möglichkeit, in Frankreich zu übernachten. Die Stadt Le Boulou hat seit kurzem einen Stellplatz ausgewiesen. Der kleine, ruhige Übernachtungsplatz befindet sich kurz vor dem eigentlichen Stadtkern. Die Zufahrt ist, von Narbonne gesehen, links hinter dem Friedhof und ausgeschildert. In die Stadt sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Eine einfache Möglichkeit zum Entsorgen ist vorhanden. Die beschriebene Reiseroute macht einen kleinen Umweg, gegenüber der sonst üblichen Fahrt durch das Rhönetal ist sie etwa 50 Kilometer länger. Die ersparten Autobahn-Mautgebühren gleichen das jedoch mehr als aus. Auch nicht zu vergessen ist die Kraftstoffersparnis, welche die Reisekasse entlastet. Besonders aber lohnt sich die Route wegen der schönen Landschaft. Wolfgang Starke
Wolf