nachdem der Urlaub schon einige Wochen zurück liegt, möchte ich den Bericht gerne abschliessen. Deshalb stelle ich den letzten Teil hier in's Forum, wohl wissend, daß noch einige Fehler enthalten sind; die werde ich zügig ausbessern.
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Immer noch Samstag, den 7. Juni
Von Dubrovnik nach Trpanj, auf der Halbinsel Peljesac,
das könnte der Leitspruch für den Rest des Tages sein. Allerdings würde er zu kurz greifen, den auf dem Campingplatz dort warten liebe Verwandte und mit der Ankunft dort bekommt dieser Tag sicher nochmals richtig Schwung.
Peljesac ist die zweitgrößte Halbinsel Kroatiens, schmal, aber 70km lang.
Deshalb freuten wir uns etwas zu früh, als wir gegen Mittag von der Küstenstraße links nach Ston abbogen, sind es doch immer noch 55km langsame Landstraße, bis zum Ziel.
Unterwegs wurden flugs noch die Vorräte aufgestockt, der Treibstoffbunker von "Apollo 13" wurde bis zum Rand gefüllt und wir fieberten dem Wiedersehen mit Waldameisens Eltern entgegen.
Als wir vor dem kleinen Campingplatz vorfuhren, fanden wir die vorderste Stellplatzreihe schon gerecht zwischen Womos aus Deutschland und Österreich aufgeteilt. Macht aber nichts, wir hatten einen Platz in der zweiten Reihe reserviert, direkt neben dem Wohnwagen von Gisela und Harald, den besten Schwiegereltern der Welt.
Apollo13 wurde unter Bäume bugsiert, die nächsten Tage wird es nicht bewegt, die Wäscheleine wurde gespannt, das Sonnendach ausgefahren, Tisch und Stühle aufgestellt, ... unglaublich, was aus dem kleinen Heckstaufach so alles an's Tageslicht kam.
Dann ertönte der Essensgong, Gisela tischte das angekündigte Gulasch auf, dazu gab es Wein aus den umliegenden Weingärten und wir glitten langsam in diese eigenartige Zufriedenheit, die entspanntes Urlauben ausmacht.
Das Highlight des Tages (vom Umarmen der Schwiegermama einmal abgesehen) wurde am späten Nachmittag von Ivo präsentiert.
Ivo ist der stolze Senior-Besitzer des Campingplatzes, der mit unermüdlichem Fleiß diesen Platz über Jahre hinweg auf- und ausbaute.
Wie mir Gisela erzählte, ist es zur Tradition geworden, daß Ivo eine junge Ziege vom Grill spendiert, diesmal war es - jahreszeitlich bedingt - ein junges Schaf.
Wir hatten uns viel zu erzählen, so wurde der Abend zeitlos und wir lebten für Stunden nur in der Vergangenheit.
Schon lange habe ich der ersten Nacht auf diesem Campingplatz entgegengefiebert.
Die Gegend hier ist für eine muntere Population an Goldschakalen bekannt, und für Nachtigallen.
Für den Genuß des melancholischen Vogelgesanges war es, Anfang Juni, leider schon zu spät.
Die Schakale dagegen haben uns nicht enttäuscht. Immer wieder begann eine Welle des Geheuls, weit entfernt, oben in den Hügeln, um sich dann den Hang hinunter zu ergießen, sie lief um den Campingplatz bis in die Büsche nah am Strand.
Ich habe bisher noch keines dieser scheuen Tiere zu Gesicht bekommen, nur deren Spuren im Staub.
Sonntag, der 8. Juni
Ausschlafen!
Nichts vorhaben!
Einfach leben!
Ein herrliches Gefühl - eine Zeit lang.
Dann muß ich doch irgend etwas unternehmen.
Das Wetter war wieder einmal im Wandel, es wurde schwül, über dem Meer verdunkelte sich der Himmel, eine Stimmung, die zum Photographieren reizt.
Wie gebleichte Saurierknochen sah er aus, der Baum, den es hier an die Küste gespült hat, vor dem dunklen Himmel sieht das Holz noch bleicher aus.
Und da war doch noch etwas? Ach ja, die Fußball EM!
Ich muß gleich gestehen, daß Waldameise viel mehr von Fußball versteht als ich und auch mehr Interesse an den Übertragungen zeigte, aber es hält sich auch bei ihr in Grenzen.
Anders sah das schon bei unseren österreichischen Womo-Nachbarn aus. Die habe den kleinen "Fehler" gemacht, ihre Landesflagge am Womo zu zeigen und um einen aufgestelleten Fernseher herum der modernen Art von "Brot und Spiele" zu huldigen, dumm war dann nur, daß im Spiel Österreich gegen Kroatien die Österreicher unterlagen.
Das gab dem kroatischen Fanclub eine ausgezeichnete "Angriffsmarke" für die Demonstration ihrer Freude über den errungenen Sieg.
Hupend, trötend und grölend umkreisten sie einige male die Womos des geschlagenen Gegners, zweimal ging es quer durch den Campingplatz, dann war der Spuk vorbei.
Montag, der 9. Juni
Die Zeit, hier auf dem Campingplatz, hat bei weitem nicht die gewohnte Erlebnisdichte, wie die Tage davor, mit dem Ergebnis, daß in der Erinnerung die Tage schrumpfen und die Zeit viel zu schnell verging.
Aber einige besondere Erlebnisse gab es doch.
Zum Beispiel das Basteltalent Harald. Heute sollte es Fisch geben und mir gefiel die pfiffige Idee des Entschuppers.
Schön, sahen sie aus, die Fische, geschmeckt haben sie noch viel besser.
Für den weiteren Nachmittag war wieder einmal Bewegung angesagt, wir richteten die Fahrräder, packten genügend Wasser in die Rucksäcke und auf ging es.
Leider, wirklich auf, was das Zeug hält, und das in dieser schwülen Hitze.
Harald gab das Tempo vor, Waldameise folgte ihm dicht auf den Fersen, und ich brummelte und keuchte hinterher. So sind sie halt, Waldameise und ihre Familie, die reinsten "Kampfwanderer".
Unser Ziel war der kleine Hafen von Duba Peljeska, 15 km westlich von unserem Campingplatz. Die Straße dorthin ging zuerst sehr steil bergauf, um später die gewonnene Höhe in einer rasanten Bergabfahrt wieder preiszugeben, also genug Strecke zum Schwitzen - in beide Richtungen; aber ich berichte jetzt besser der Reihe nach.
Auf dem Anstieg, weg von der Küste, in Richtung einer Kapelle, trafen wir eine Frau mit einer Tragetüte, die den steilen Weg zu Fuß erklomm. Wir wechselten so gut es ging unsere Meinung über die Hitze und fuhren weiter, der herbei gesehnten Rast an der Kapelle entgegen.
Dort saßen wir nicht lange im Schatten, als unsere Bekanntschaft von eben auch eintraf. Sie kramte in einer Tasche und holte einen Schlüssel hervor, auf den selbst Petrus neidisch sein könnte und schloss damit die Kapelle auf, um frische Blumen in die vorhandenen Vasen zu stellen.
Dann erzählte uns "die Frau", ich weiß leider nicht mehr ihren Namen, daß die Kapelle eine Kirche sei, genau genommen eine Marienkirche.
Im Innern war es dunkel und kühl, auch deshalb nahmen wir gerne das Angebot einer kurzen Besichtigung an.
Wieder draussen rasteten wir noch kurz,
dann strampelten wir weiter.
Bei der Schussfahrt bergab wurden die Ohren angelegt und den Bremsen blind vertraut.
Hui - macht das Laune, über den Rückweg reden wir jetzt nicht.
Nach einer Kehre bot sich ein besonders schöner Ausblick, nach Osten hin, zur kroatischen Küste.
In Peljeska angekommen, machte sich etwas Enttäuschung breit. Außer den Mauern des Hafens und einigen Steinhäuschen gab es nichts besonderes zu sehen, es gab nicht einmal die Möglichkeit ein Getränk zu sich zu nehmen, dabei hatte ich mich so auf einen kleinen Kaffee gefreut.
Nun ja, wir hatten ja das lauwarme Wasser im Rucksack.
An die Hafenmauer waren schlanke bleiche Holzstämme gelehnt, deren Zweck ich nicht erraten konnte (Walfischangeln für Riesen?), aber als Motiv waren sie jedenfalls zu gebrauchen.
Auf dem Weg zurück trat der Gedanke an den wartenden Fisch und Wein heftig mit in die Pedale.
Dienstag, der 10. Juni
Nach der Berg-Sonderprüfung gestern, war heute wieder etwas mehr Geruhsamkeit angesagt.
Und Cevapcici, einmal mindestens muß diese Köstlichkeit auf den Grill, die Frage ist nur, wie würzen?
Die Fahrräder waren schnell gesattelt und ab ging's, Richtung Trpanj, zum Metzger.
Hackfleisch für Cevapcici, verlangten wir, was veranlasste, daß der Metzger eine fertig vorbereitete Mischung aus Hackfleisch und Gewürzen in eine große runde Dose gab, diese fest verschloß und die gewünschten Cevapcicis "herauskurbelte". Fertig - alle Probleme gelößt.
Nach dem Abendessen genoss ich zur späten Stunde die frischere Luft am Strand.
Mittwoch, der 11. Juni
Der heutige Tag war Badetag. Bei den Bildern vom vergangenen Sonntag, die mit dem gebleichten Baumstamm in Vordergrund, sieht man weiter draußen im Meer einen kleinen Felsen. Das ist die Wendemarke für Gisela und Harald, wenn sie die Lust überkommt, sich durch Schwimmen sportlich zu betätigen. Von ihnen erfuhren wir auch, daß sich dieser Fels als Sprungturm hervorragend eignet, zumindest ist das die Meinung der Dorfjugend.
"Wie wäre es, Waldameise, Lust zum Schwimmen?"
Harald wurde gebeten, von unseren Hüpfern Bildern zu machen. Dazu wurde das Stativ am Strand aufgebaut, und mit effektiven 320mm Brennweite und nachträglicher Ausschnittvergrößerung gelang tatsächlich ein brauchbarer Schnappschuß.
Und - ACTION!!
Donnerstag, der 12. Juni
Morgen wollen wir weiter, Richtung Heimat, mit zwei Fahrtunterbrechungen.
Demnach ist heute unser letzter Tag bei Gisela und Harald.
Aber wie immer hat alles seine mindestens zwei Seiten. Wie schon erwähnt, mag ich Abschiede nicht. Auf der anderen Seite machte sich bei mir langsam der Campingkoller bemerkbar, zu lange an einem Platz, ich muß weiter - modernes Nomadentum. Immer wenn der Nordwind weht, wer den Film Chocolat kennt, der weiß was ich meine.
Wie verbringt man "einen letzten Tag"?
Für die erste Tageshälfte werden wir der Aufgabe eine Antwort zu finden entbunden - es regnet.
Das hat auch was, wenn man im Trockenen sitzt.
Und für draußen gibt's den Regenschirm, wenn man hat auch zwei.
Für den Abend steht noch etwas ganz besonderes auf der Tagesordnung!
Eine Einladung bei Mira, zum Pizza essen.
Mira lebt in Trpanj, wunderbar oben am Hang gelegen, mit einer unglaublichen Aussicht über die Stadt und auf das Meer, und ein wenig Reklame sei erlaubt, sie vermietet auch Zimmer/Wohnungen.
Und - Mira macht wirklich unglaublich gute Pizzas!
Sie ist mit Gisela und Harald gut bekannt und wir wurden kurzerhand mit eingeladen.
Der Regen war nicht von Dauer und der Spaziergang zu Mira's Domizil führte durch die frisch gewaschenen engen Gassen von Trapnj.
Habe ich schon mal den Begriff Kampfwandern erwähnt?
Danke Mira, es war ein schöner Abend und die Pizza ist wirklich einmalig.
Und ja, da war doch noch etwas? - Ah - die Fußball EM
Freitag, der 13. Juni
Ein guter Tag für eine Fahrt auf der Fähre.
Allerdings sollten wir dazu deutlich vor frühen 6 Uhr morgends am Hafen sein, deshalb wurde am Vortag schon alles für die Reise verstaut und das Womo nahe dem Ausgang des Campingplatzes geparkt.
Nach dem Wecken war nicht mehr viel zu tun und Apollo 13 verlies langsam und leise den Stellplatz der letzten Tage.
Im Hafen von Trpanj wurden wir von der Sonne begrüßt, die einen Weg durch die Wolken zu uns fand.
Die Fähre war pünktlich, die wenigen wartenden Fahrzeuge wurden schnell verladen, ganz ohne die gewohnte Hektik.
Nach kurzem aber herzlichem Abschied von Gisela und Harald, die noch einige Wochen in Kroatien bleiben werden, versorgten wir uns auf dem kleinen Schiff mit Kaffee und sahen zu, wie Trpanj langsam dem Blick entschwand. Dann wendeten wir uns dem Ziel zu, die Hafenstadt Ploce.
Die Krka Fälle, daran vorbeigefahren sind wir schon einige Male, doch diesmal wollten wir diese Sünde nicht begehen.
Die Autobahn brachte uns schnell nach Nordost bis in die Nähe der Wasserfälle, nach wenigen Kilometern Landstrasse erreichten wir den Stellplatz Camp Krka. Dieser Platz wird sehr engagiert als Familienbetrieb geführt und ich kann ihn nur wärmstens empfehlen.
Als das Womo gut untergebracht war, strampelten wir mit den Fahrrädern in Richtung Eingang zum Krka Park. Dabei kamen wir auf der kleinen, wenig befahrenen Straße, die wir als Empfehlung der Hausherrin von Camp Krka mitbekamen, zügig voran.
Am Parkplatz angekommen wartete schon einer der Busse, die im Pendelverkehr die Touristen über eine schmale, serpentinenreiche Straße befördern.
Durch die Regenfälle der letzten Tage führte die Krka reichlich Wasser, der Rundwanderweg durch die Wasserwelt war ein Genuß für alle Sinne.
Als wir den Besuch der Krka Fälle planten, haben wir aufgeschnappt, daß man zumindest in einem der Seen baden darf. Kann ja sein, daß das stimmt, war unser Kommentar, deshalb wird für die Wanderung auf jeden fall die Badehose mit eingepackt.
Am nordöstlichen Ende des Rundweges führt ein Holzsteg über die abfliesende Krka. Von dieser Brücke sprangen junge Burschen in das Wasser des Sees, in welchen sich die letzten Fälle der Krka ergießen. Das muß die Stelle sein, folgerten wir, und bogen vor dem Steg in Richtung Ufer ab. An den Bäumen gab es die bekannten Verbotstafeln, die das Badeverbot tatsächlich nicht enthielten.
Wir sahen wenige Schwimmer, dafür einige Beobachter.
Wir hatten den "Badestrand" erreicht, jetzt fehlen nur noch die Umkleidekabinen.
Wir entschlossen uns an den Rand eines Gebüsches zu stellen, und so, etwas verdeckt durch den Partner die Kleider zu wechseln, als wir weitere Badewillige aus einem dunklen Loch im Gebüsch heraustreten sahen.
Absolut genial gemacht, dachten wir, im Dunkel unter dem Laub verborgen war ein großer freier Raum, vor einer Felswand, von welcher Wasser als kleines Rinnsal im Felsenboden eine Pfütze bildete. Der Ideale Platz, um sich nach dem Baden, bevor man in die Sandalen schlüpft, auch noch schnell die Füße zu waschen.
Und dann ging einer meiner Träume in Erfüllung, den ich auch schon mehrmals an den Plitvitzer Seen verspürte: Wie toll wäre es, in diesem Wasser baden zu dürfen.
Wir durften!
Das ist Lebensfreude pur!
Wieder zurück auf dem Camp Krka gab es Gegrilltes, Salat und Wein, und die letzte Nacht in Kroatien.
Samstag, der 14. Juni
Heute begann die Heimreise, welche uns zuerst nach Bled führte, um dort auf einem total überfüllten Campingplatz die letzte Übernachtung unterwegs anzutreten.
Sonntag, der 15. Juni
Wir verlassen Bled zur frühen Morgenstunde, die Nebel hängen noch über den Wäldern,
und gelangen ohne weitere Schwierigkeiten über Salzburg, München und Stuttgart nach Hause, froh erwartet von unseren beiden Katzen, die uns am Abend unserer Heimkehr nicht mehr von der Seite wichen.
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Mittlerweile ist es schon wieder einige Wochen her, daß unsere erste große Womotour ihr rühmliches Ende fand. Für uns war es ein ganz besonders gelungener Urlaub, der bestimmte Fäden mit Knoten versah, aber auch neue, noch offene Fäden anlegte.
"Apollo 13, ich glaube, das ist der Beginn einer ganz besonderen Freundschaft"
Waschbaer

