vadda am 21 Jun 2009 01:37:54 Zu später Stunde möchten wir Euch einmal ein anderes Ziel ans Herz legen:
nicht immer die kroatische Küste - haben wir uns gedacht - das Landesinnere bietet so viel mehr. Das wollten wir auch dieses Jahr erleben, daher war unser Ziel das knapp 80 km südöstlich von Zagreb gelegene Storchendorf
am Naturpark Lonjsko Polje. Wir hatten von der Parkverwaltung den Hinweis auf ein Camp am Ortseingang erhalten, das uns für die nächsten Tage als „Stützpunkt“ dienen sollte.
Jaaaa - wir sind wieder in Kroatien!!!
„unser“ Stellplatz
Ein erster Gang führte durch das Dorf, Storchennester auf vielen der wunderschönen alten Holzhäuser. Es scheint zu stimmen, dass Cigoc (seit 1994 zum europäischen Storchendorf erklärt) mehr Störche als Einwohner beherbergt.
Manche Einwohner wirkten etwas leblos,
andere hingegen waren sehr aktiv.
Impressionen
Gleich geht es weiter.
vadda am 21 Jun 2009 02:09:29 Im Ort besichtigten wir die ethnologische Sammlung von Jagoda und Zlatko Sucic, die aus rund 600 Objekten des täglichen Lebens und der Erwerbstätigkeit der Bevölkerung im Posavina, der mittleren Save-Niederung aus den vergangenen Jahrhunderten besteht. Die Sammlung wurde in die Liste des Kulturerbes Kroatiens eingetragen.
Zlatko erklärte uns in „Gebärdensprache“ (so gut ist unser Kroatisch nach mehreren Jahren Urlaub dort) den Verwendungszweck des Männerwerkzeuges
altes Türschloß
--> Link[/img]
und demonstrierte den Stiefelknecht.
Jagoda führte uns ins Haus und – nachdem das mit den 9 Enkelkindern geklärt war –
und präsentierte uns wertvolle Exponate der kunsthandwerklich gefertigten Textilien, die mit reichhaltiger posavinischer Stickerei versehen sind.
Kissenbezüge von 4 Generationen
Der Webstuhl in Betrieb
Volkstrachten, die zu feierlichen Anlässen auch heute noch getragen werden
Vorbei am glücklichen Hahn und weiteren Storchennestern ging es auf den „Mystery of Cigoc Trail“ , der die Geheimnisse des Lukmarcica Waldes, einer der ursprünglichen Eichenwälder zeigte.
Wir hielten uns nicht lange dort auf, Millionen von Mücken zeigten uns, dass langärmelige Hemden und Hosen sowie aufgetragenes Mückenspray (das dient anscheinend dazu, dem Blut des Menschen ein besseres Aroma zu geben) kein Hindernis für sie sind. Irmgard war zum ersten Male froh, dass ich (noch) Raucher bin.
ein Blick in den Himmel
Am Abend führte uns Mladen Baric durch das Haus. Es wurde von der Familie Baric in 2-jähriger Bauzeit aus einem über 180 Jahre alten, fast zerstörten Holzhauses aus dem Nachbardorf hier wieder in traditioneller Weise aufgebaut. Die einzelnen Balken und anderen Teile wurden nummeriert, um sie - ergänzt durch Teile aus einem weiteren zerstörten Haus - zu neuem Leben und Glanz zu erwecken.
Das ist, wie wir uns überzeugen konnten, hervorragend gelungen. Liebevoll eingerichtete Gästezimmer und demnächst auch ein „Massenlager“ bieten dem Besucher Platz.
Die Tür zum Weinkeller, auch ein uraltes Stück.
Abends fanden sich auch die Störche über dem alten Schweinestall wieder ein, der heute Toiletten und Duschen für die Camper bietet.
Genug der Kultur jetzt geht´s in die Natur. Am Morgen, nach dem freudigen Erwachen
etwas Frühsport
um sich dann auf die Suche nach neuem Nistmaterial zu machen, das Nest muss ja bald fertig sein.
Wir machten uns auf den Weg dem „Trail Of Posavina People“ hinein in den Naturpark Lonjsko Polje. Doch davon demnächst mehr.
Tipsel am 21 Jun 2009 02:57:55 :daumen2:
Klasse Bilder, gern mehr davon. Und natürlich auch mehr Bericht :wink:
WoRo1 am 21 Jun 2009 08:31:50 Vielen Dank für die tollen Fotos und den interessanten Hinweis auf das Landesinere Kroatiens. Man ist - zu unrecht - immer leicht auf die Küste fixiert.
tekzenchelou am 22 Jun 2009 10:04:51 Klasse!
zufälligerweise fahr ich mit ner Freundin Mitte Juli nach Porec, die Familie hat ein Haus am Meer.
Hab eigentlich vor mir ein Motorrad zu mieten und paar Ausflüge mit der Kamera zu machen, immer nur an einem Ort find ich öde aber das wisst ihr ja schon...
vadda am 22 Jun 2009 16:10:03 Dank, danke für die Blumen.
Wir machten uns also auf den Weg dem „Trail Of Posavina People“ hinein in den Naturpark Lonjsko Polje.
Der im Jahre 1990 ausgewiesene Naturpark umfasst eine Fläche von 506 km² und ist Teil der 1.000 km² Flussauenlandschaft der Save. Sie ist durch die Ramsar-Konvention als Sumpf von internationaler Bedeutung geschützt. Diese zusammenhängende, nachhaltig genutzte Überschwemmungsfläche ist unentbehrlich für den Hochwasserschutz. Für mehrere Wochen im Jahr, im Frühjahr und im Herbst nimmt sie die Wassermengen auf, die die Save über Nacht um 10 m ansteigen lassen können.
Auf einem Deich
Leider konnten wir dem Weg bis zum Ende, zu dem im Wald gelegenen Schweinehaus nicht folgen, da uns die Mücken dort doch erheblich zusetzten. Aber immer wieder Störche,
Seen
und ein im Juli purpurrotes Feuchtgebiet mit Knabenkraut, den wilden Orchideen (voll erblüht leider erst im Juli), über uns ein Schreiadler (leider kein Foto).
Zurück in Cigoc
Nachdem wir den Vormittag per pedes unterwegs waren, sollte es nun mit dem Fahrrad nach Muzilovcica weitergehen - aber davon später mehr.
uschi-s am 23 Jun 2009 03:01:30 Super, ich hoffe, es geht so weiter.
vadda am 23 Jun 2009 17:58:00 Nachdem wir den Vormittag per pedes unterwegs waren, ging es nun mit dem Fahrrad über Kratecko (altes Feuerwehrhaus und die Kirche)
nach Muzilovcica in den Naturpark
und bestaunten die riesigen Pferdeherden auf den Hutweiden.
Es handelt sich um Posaviner Pferde, eine Rasse, die vor Jahrhunderten mit den Kroaten aus Eurasien kamen. Diese Kaltblüter werden hauptsächlich als Zugpferde eingesetzt.
Zurück am Tradicije Cigoc gab es das vorbestellte Peka mit Lammfleisch – lecker!
Die Zubereitung des Peka haben wir leider nicht mitbekommen, da wir den ganzen Tag unterwegs waren – dabei wurde doch dafür extra der neue Grillkamin eingeweiht.
Tur mit leid, dass ich immer nur in Etappen berichten kann, aber nach einem 5-wöchigen Urlaub steht doch sehr viel Arbeit in Haus und Garten an. Es geht aber bald weiter.
vadda am 26 Jun 2009 23:14:11
vadda am 26 Jun 2009 23:29:45 Es folgte ein Besuch im Museum von Zlata und Jaksa Ravlic deren ethnologische Sammlung sowie auch der gesamte Hof zur Aufnahme in das Kroatische Kulkturerbe anstehen.
Ehemaliger Schweinestall, heute Jaksas Büro
Zunächst entdeckten wir die Sammlung auf dem Dach der Sommerküche
Jaksa führte uns durch das aus Eiche gebaute Haus, dass auch hier liebevoll eingerichtete Zimmer für Besucher bereithielt.
Im ehemaligen Stall mit Heuboden auch eine große Glockensammlung des Vaters (ein Teil im Bild)
Hofgebäude mit Pferden, Hühnern, Gänsen, Ziegen... (auch hier wird das Campieren angeboten)
Jaksa
und Bergziege
Auf dem Rückweg entdeckten wir in einem Vorgarten auch typisch Deutsche Einflüsse!
Der nächste Morgen begann (nicht zum ersten Mal) mit einem Besuch des „Chefs“ der Familie Baric und Daniel, einem seiner Mitarbeiter. Normalerweise trinke ich vor 8.00 Uhr keinen Alkohol, aber kann man einen Sljivovica ausschlagen (ich nicht)?
vadda am 26 Jun 2009 23:32:20 Die Internet-Verbindung lässt mich im Stich, muß ich in der nächsten Nacht weiter machen.
vadda am 09 Jul 2009 20:52:11 Nachdem ich mich nun lange Zeit mit meiner Schnecken-DSL rumgeplagt habe, soll es endlich weiter gehen.
Der nächste Morgen begann (nicht zum ersten Mal) mit einem Besuch des „Chefs“ der Familie Baric und Daniel, einem seiner Mitarbeiter. Normalerweise trinke ich vor 8.00 Uhr keinen Alkohol, aber kann man einen Sljivovica ausschlagen (ich nicht)?
Unser Ziel war heute das knapp 30 km entfernte Krapje. Mit dem Fahrrad unterwegs die typischen Bauerndörfer, erbaut in althergebrachter Holzbauweise - dem Posavina-Stil -, die mit ihrer traditionellen Vieh- und Landwirtschaft diese einzigartige Flusslandschaft prägen. Die Posavina ist eines der eindrucksvollsten Beispiele kroatischer Bauernkultur und das letzte Beispiel authentischer Auen-Bewirtschaftung in Mitteleuropa.
Doch mehr als das! Die Bilder einer urtümlichen Fluss- und Kulturlandschaft voller Szenen eines fast schon vergessenem bäuerlichen Lebens mit alten Sitten und Bräuchen können auf Stadtbewohner einen malerischen, schon exotisch anmutenden Reiz ausüben. Diese beiden Frauen ließen es sich nicht nehmen, die Hacke aus der Hand zu legen und uns zuzuwinken. Man fühlt sich wie in einer längst vergangenen Zeit (Kommentar Irmgard: Wie in Filmen aus den 50ern mit Liselotte Pulver).

vadda am 09 Jul 2009 21:02:30
vadda am 09 Jul 2009 21:10:29 Es hakt mal wieder - vielleicht geht es gleich weiter...
vadda am 09 Jul 2009 21:24:16 Das Dorf Krapje ist bekannt für ihre zahlreiche gut erhaltene traditionelle Häuser, und außergewöhnlich reiche Jagd und Angelplätze. Daher ist es keine Überraschung, dass das Dorf nach einem Fisch benannt ist. Der Karpfen (Cyprinus carpio) um genau zu sein oder "Krap" wie es die Einheimischen nennen (den sollten wir abends auch noch geniessen).
Die Pfarrkirche aus dem Jahr 1831
Eines der Holzhäuser
Eigentlich waren wir etwas enttäuscht. An praktisch jedem Gebäude hing ein Wahlplakat für die bevorstehende Bürgermeisterwahl – sah sehr bescheiden aus (daher wenige Bilder). Zudem war der Beobachtungsturm am ornithologischen Wildgehege „Krapje-Djol“ verschlossen und wir konnten die Löffler- und Reiherkolonien, Kolkraben, Schrei- und Seeadler nicht beobachten.
Gleich geht es weiter (hoffentlich)...
vadda am 09 Jul 2009 21:28:31 Ein Versuch noch - sonst gebe ich auf :evil:
vadda am 09 Jul 2009 21:56:57 Sei´s drum wir wurden entschädigt: Zufällig begegneten wir einem Naturschützer aus dem Großraum Nürnberg, mit dem wir uns an den vergangenen Abenden unterhalten haben. Er wies uns den Weg zu einem Stall mit „Wollschweinen“, den Turopoljer Schweinen, der typischen Schweinerasse der Region (herzlichen Dank Norbert!!!). Diese gehören zu den gefährdeten Haustierrassen, deren Bestand an reinrassigen Tieren als Folge des Kroatienkrieges arg dezimiert wurde (1993 soll es nur noch 20 – 30 Stück dieser Art gegeben haben).
Bergziege musste natürlich ihren Finger an die Steckdose halten.
Vorbei an zum Trocknen aufgehängtem Käse...
...ging es zurück zum Camp der Familie Baric, wo Mladen uns den traditionellen Krap am Stock zubereitete.
Ein Genuß!!!
Nach dem Essen wurde uns immer das regionale Gebäck gereicht – danke Mladen!
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von einer Region, die uns seit unserem Besuch sehr am Herzen liegt. Eine Herzlichkeit und Gastfreundschaft, wie sie an der Küste Kroatiens manchmal nicht so ausgeprägt ist, verbunden mit einer einzigartigen Auenlandschaft, dem Reichtum an seltenen Pflanzen- und Tierarten sowie dem reichen historischen Erbe entlang des Flusses.
Am Schluss muss ich mich noch für die langen Ladezeiten der Seite entschuldigen - war mein Fehler - neues Aufnahmeformat, neue Software, habe da wohl einiges falsch gemacht. Aber ich hoffe trotzdem, dass Euch der Bericht zu einem Aufenthalt in dieser einzigartigen Gegend inspiriert.
Tipsel am 09 Jul 2009 22:08:22 Einfach nur traumhaft. Danke, dass wir daran teilhaben dürfen
:daumen2:
bertel am 10 Jul 2009 08:50:33 Hallo vadda,
ein klasse Bericht. Bitte mehr davon..... :-o
Wollschweine kenne ich aus Ungarn.
Sieh mal:
--> Link
bertel
uschi-s am 10 Jul 2009 10:41:45 Hallo Klaus,
das war mal wieder Spitzenklasse. Tolle Fotos und schöne Beschreibungen. Bei uns ist ja in drei Wochen so weit, dann geht es Richtung Kroatien. Ich bin gespannt auf diese neuen Eindrücke. Wir haben uns erst einmal einen leinen Bereich vorgenommen, die Inseln Krk und Cres, weil man da auch wandern kann, wenn die Temperaturen es zulassen.
Roadrunner1278 am 13 Jul 2009 14:26:58 Hallo,
klasse Bilder und Bericht. Wir sind gerade auch in Kroatien momentan auf Krk und fahren morgen zu den Plitvicer Seen. Dein Bericht macht wirklich lust mal nicht nur am Meer zu sein, vor allem liebe ich Holzhäuser!
Andre
uschi-s am 13 Jul 2009 14:31:47 Auf Krk? Da wollen wir im August auch hin. Auf welchem CP seid Ihr denn? Gibt es spezielle Empfehlungen für die Insil?
maxe am 13 Jul 2009 15:09:06 :daumen2: :kette:
Super tolle Bilde, und ein netter Bericht, danke.
vadda am 14 Jul 2009 09:24:46 Danke, danke für die Blumen.
Roadrunner1278 hat geschrieben:Hallo,
klasse Bilder und Bericht. Wir sind gerade auch in Kroatien momentan auf Krk und fahren morgen zu den Plitvicer Seen. Dein Bericht macht wirklich lust mal nicht nur am Meer zu sein, vor allem liebe ich Holzhäuser!
Andre
Andre, dann seid ich ja in Plitvice nicht weit vom Lonjsko Polje entfernt, wünsch euch auf jeden Fall viel Spaß.
vadda am 30 Aug 2011 21:48:58
Gast am 31 Aug 2011 08:16:21 vadda hat geschrieben:Nachdem ich mich nun lange Zeit mit meiner Schnecken-DSL rumgeplagt habe,
Wasn das? DSL für Frauen oder was?
Ansonsten: Echt interessante Bilder - sieht gut aus.
Ich war schon so oft in Kroatien, aber ich komm einfach nicht weg vom Meer :(
Geht nicht.
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