Seit Tagen ist schlechtes Wetter angesagt. Schneefälle bis in die Niederungen sind von Antenne Bayern gemeldet. Ich freue mich trotzdem auf diesen Ausflug denn ich bin mir sicher, dass der Schneefall nur auf das Gebiet des Alpenhauptkammes beschränkt ist.
14.10.2009
Gestern habe ich das Gogolobil von seinem Unterstellplatz abgeholt. Und prompt fängt es an zu schneien. Auch heute morgen wirbeln die Schneeflocken vor dem Fenster in Rosenheim. Macht nichts, ich fahre trotzdem. Habe ja Allrad beim Gogolobil – allerdings noch keine Winterreifen, diese kommen erst nächst Woche. Das mit den Winterreifen ist auch so eine Sache, wegen der Spezialgröße der Reifen und Felgen dauert dies nun schon einen Monat seit der Bestellung, da zunächst falsche Felgen gekommen sind. Wie gesagt: ich fahre trotzdem los, denn wann werde ich mal wieder die Gelegenheit haben, alleine mit dem Gogolobil durch die Gegend zu fahren?
Wie soll es anders sein, bei der Abfahrt schneit es schon wieder, die Außentemperatur beträgt nur 1°C. Schnell bin ich mit der aufgeladenen GO-Box auf der Autobahn in Richtung Kufstein/Innsbruck/Brenner. Aber schon bei Kufstein verlasse ich die Autobahn um gemütlich über die Landstraße nach Innsbruck zu zockeln und die Gegend zu genießen, da seit Wörgl jetzt öfters die Sonne vom Himmel scheint. Bei Innsbruck fahre ich jetzt wieder auf die Autobahn um dem Getümmel in der Stadt zu entgehen.
Ab dem Brenner bin ich schon wieder auf der Landstraße, denn ich möchte über den Jaufenpass nach Südtirol fahren und – wenn möglich – am Jaufenpass oben übernachten. Die Felder, Wiesen und Wälder neben der Straße werden zunehmend weißer und dann liegt auch schon der Schnee als geschlossene Schneedecke neben der Fahrbahn. Auf dem Jaufenpass parke ich neben der Edelweisshütte auf 2004m und stelle mich mit der Breitseite des Gogolobils in die Sonne. Eine wunderschöne Aussicht breitet sich vor meinen Augen aus, der Schnee gleißt in der Sonne und es zeigt sich, dass ein paar Hundert Höhenmeter tiefer kein Schnee mehr vorhanden ist. Der Blick in Richtung Süden beweist aber, dass dort auf den Bergen noch nicht der Winter eingekehrt ist und meine Theorie, dass sich der Schneefall auf den Alpenhauptkamm konzentriert, richtig war.
Mit einem Pott grünem Tee sitze ich ganz still im Gogolobil, schaue aus den Fernstern und verinnerliche mir die Landschaft. Am Abend bruzzle ich mir schnell was in der Pfanne und warte auf den Sonnenuntergang. Die tief hängenden Wolken geben dem Ganzen eine besondere Stimmung. Ganz oben am Firmament sind sog. Eiswolken und es wird auch empfindlich kalt. Um 18 Uhr zeigt das Außenthermometer -9°C an. Jetzt bewährt sich die gute Dämmung des Gogolobils, ich sitze schön im Gemütlichen bei einer Flasche Bier und ein paar Chips und schreibe am Tagesbericht. WLAN-Empfang ist hier oben keiner.
Eine Kältebrücke im Gogolobil habe ich jetzt doch entdeckt: der Türrahmen meiner Spezialtüre für den Aufbau ist aus Metall – hier bildet sich Schwitzwasser, was gleich gefriert. Gleiches gilt für das durchgehend massive Türschloss aus Metall. Aber das ist nicht tragisch, denn das Schwitzwasser kann hier gut abtropfen ohne Schaden anzurichten.
Irgendwann fängt es dann an mit dem Schneetreiben, der Wind peitscht die Eiskristalle an das Gogolobil, die Außentemperatur geht auf -15°C herunter und der Wind frischt unangenehm auf. Meine Überlegung ist jetzt: entweder hier bleiben oder etwas tiefer ein windgeschütztes Plätzchen für die Nacht suchen. Ich entscheide mich für letzteres und starte das Fahrzeug. Mit voller Beleuchtung (ich schalte auch die vier oberen Xenon-Scheinwerfer ein, denn die Passstraße ist ohne Gegenverkehr) fahre ich den Jaufenpass in Richtung Meran herunter. Beim Geburtshaus vom berühmten Südtiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer in Sand ist ein großer, leerer Parkplatz, da stelle ich mich endgültig hin.
Die Nacht ist ruhig und das Bett ist durch die Matratzenheizung wohlig warm – auch wenn meine Gogoline nicht da ist…
15.10.2009
Ich lasse mir Zeit beim aufstehen, denn ich fahre heute nicht weit. Aus der Dusche kommt schönes heißes Wasser, dann mache ich mir ein gutes, gemütliches Frühstück. darum muss ich mich auch noch um den Abwasch kümmern und die Betten machen.
Ein Kontrollgang um das Gogolobil herum zeigt, dass die Straßen gestern wohl kräftig gesalzen waren, denn überall sind auf dem Fahrzeug weiße Salzkristalle. Da werde ich wohl auch außen kräftig putzen müssen, wenn ich wieder zu Hause bin.
Während ich frühstücke kommen schon die ersten Touristenbusse zum Andreas-Hofer-Haus. Jetzt wird es ungemütlich, ich räume noch schnell auf und wasche das Geschirr ab und fahre gegen 10 Uhr weiter, denn ich habe meiner Gogoline versprechen müssen, das Fahrzeug sauber zu halten.
Am Parkplatz vor dem Andreas-Hofer-Geburtshaus:
Die Durchfahrt durch Meran ist eine Quälerei, es geht nur im Schritttempo vorwärts. Auber auch der längste Stau hat irgendwann ein Ende und schließlich bin ich auf der Ausfallstraße nach Bozen. Das Navi habe ich so programmiert, dass Autobahnen vermieden werden und daher kann ich gemütlich über die schönen Südtiroler Orte bummeln.
Mein heutiges Tagesziel ist der Campingplatz St. Josef am Kalterer See, aber zunächst fahre ich daran vorbei in Richtung Kurtatsch und Margreid. Zwischen beiden Orten biegt eine Straße rechts auf den Fennberg ab. Diese kenne ich noch von meiner Motorrad-Zeit und weiß, dass es oben auf dem Fennberg hervorragende Schweinshaxen gibt. Das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Die Straße ist steil (13-15%), eng und hat viele Kurven und Kehren (Tornante). Das Gogolobil kann hier seine 176PS voll ausspielen und es geht locker den Berg hoch. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier schwach motorisierte Wohnmobile hochkommen – wenn doch, dann ist es für Fahrzeug und Fahrer eine echte Quälerei. Darüber hinaus sollte der Fahrzeugfahrer „berg-erfahren“ sein, denn wenn auf der Strecke Gegenverkehr kommt, dann wird’s sehr eng. Einem Flachland-Holländer möchte ich hier nicht begegnen.
Die Schweinshaxe am Ziel ist gigantisch und entschädigt für die Fahrerei. Es gibt nur Haxen für 2 Personen zum Preis von 14€. Da ich alleine bin, bringt mir die Bedienung gleich eine Tüte, wo ich mir die Hälfte einpacken kann. Sie (die Bedienung) hat recht: die Portion ist für eine Person nicht zu schaffen, sind doch auch noch Bratkartoffeln mit dabei! Den Rest der Haxe werde ich heute am Abend verspeisen und sie nochmals bei mir im Grill aufbacken.
MEINE Schweinshaxe:
Ausblick ins Etschtal:
Wo ich hinaufgefahren bin, da muss ich zwangsläufig auch wieder runter – die Straße bleibt gleich eng. Zwischendurch gibt es schöne Ausblicke ins Tal, die ich beim hinauffahren nicht so genießen konnte. Manchmal halte ich an und fotografiere.
Durchfahrt in Kurtatsch:
Um 14:30 Uhr komme ich am Campingplatz St. Josef an, sitze mich in die warme Nachmittagssonne und schreibe an meinem Reisebericht. Auch ein kleiner Spaziergang zum See steht auf dem Programm. Die Herbstsonne taucht den See und die Umgebung in ein schönes warmes Licht.
Bei einem schönen Schoppen Weißwein lass ich den Tag ausklingen.
16.10.2009
Ich koche zwar gerne und auch gut (das behaupten zumindest diejenigen, die schon bei mir gegessen haben) aber alleine für mich zu kochen macht nicht so viel Vergnügen. Trotzdem habe ich mir heute ein gutes, opulentes Frühstück gemacht. Da es aber – obwohl die Sonne scheint - draußen in der Frühe noch zu kalt ist zum zu frühstücken, öffne ich die Heckklappe und frühstücke im Gogolobil und genieße den schönen Tag. Klar, schauen die Leute wegen dieser Klappe und einige sagen auch, dass sie mich darum beneiden. Einer der Passanten muss gleich ein Foto davon machen:
Nach dem Frühstück kommt noch der Abwasch und auch der Boden wird rausgekehrt, denn die Brösel vom Frühstück müssen beseitigt werden.
Im morgendlichen Telefonat mit meiner Gogoline sagte sie mir, dass es zu hause in Rosenheim saukalt ist und Schneeflocken vom Himmel fallen. Da bin ich doch lieber hier in der Sonne, wo es um 11 Uhr an einem wildstillen Ort in der Sonne gemessene 21-22° hat.
Gegen Mittag nehme ich meine Nordic-Walking-Stöcke und mache in der Sonne einen ausgedehnten Marsch rund um den Kalterer See. Anschließend lege ich mich in die Herbstsonne und schlafe im Liegestuhl auch prompt ein. Ein so ein kleiner Vorruhestand ist gar nicht mal so dumm sondern richtig erholsam. Ich male mir aus, wie es ist, wenn am 01.01.2010 – also in weniger als 2 ½ Monaten der echte Ruhestand beginnt und ich sozusagen Privatier bin. Ich werde es langsam angehen lassen. Das beginnt bereits heute, denn ich wollte eigentlich heute die neue SAT-Anlage ausprobieren und einstellen – ich habe es einfach auf morgen verschoben…
Zum Abendessen mache ich mir mit Paprikaschoten, Zwiebeln, Südtiroler Speck und Nudeln eine gemischte Nudelpfanne, dazu ein Glas Weißherbst . Und jetzt bin ich pappsatt!
Jetzt muss ich noch den Abwasch machen und dann habe ich Feierabend. Mal schaun, was im lokalen Fernseher kommt, denn der DVBT-Empfang ist hier am Platz recht gut. Die Flasche Weißherbst ist noch offen und muss auch noch ausgeleert werden.
17.10.2009
Eigentlich wollte ich heute weiterfahren, aber ich habe einfach als „Vorruheständler“ keine Lust dazu. Das „Zigeunerleben“ gefällt mir zunehmend: einfach ohne persönliche oder dienstliche Zwänge und ohne Rücksicht auf Urlaubsanspruch udgl. dableiben oder weiterfahren, ganz nach Lust und Laune. Ich freue mich schon darauf, wenn zwei Monate nach mir auch meine Gogoline pensioniert wird und wir beide gemeinsam dies genießen können.
So, heute mache ich das Gogolobil gründlich sauber, aber vorher probiere ich noch den Backofen aus und mache mir Kirsch-Schoko-Muffins zum Kaffee am Nachmittag:
Die schauen nicht nur so gut aus – die schmecken auch so gut!. Nebenan ist ein nettes, älteres Ehepaar in einem Wohnwagen, denen habe ich zwei Muffins geschenkt – sie freuen sich riesig und wollen, nachdem sie probiert haben, auch sofort das Rezept haben.
Zufälle gibt es, die gibt es gar nicht: nachdem mir der gestrige Marsch um den See so gut getan hat, dachte ich mir, das mache ich heute noch mal, dieses mal aber im Uhrzeigersinn. Und so gehe ich zunächst in Richtung Campingplatz Gretel am See und biege dann nach rechts ab auf den Seerundweg. Es kommen mir einige Leute entgegen und plötzlich ist auch ein bekanntes Gesicht darunter: meine Tante Annemie! Die habe ich bestimmt schon zwei Jahre nicht mehr gesehen – und jetzt durch Zufall hier! Das „Hallo“ ist groß und wir unterhalten uns eine zeitlang. Sie ist gerade mit einer Reisegruppe und dem Bus unterwegs und war vorher in Meran und Bozen.
Auf meinem weiteren Rundweg um den See komme ich auch an vielen Apfelplantagen vorbei – heute habe ich wenigstens den Fotoapparat mitgenommen. Ich denke mir: so ein Apfel wäre jetzt gut – soll ich mir einen nehmen? Aber da sind Hinweisschilder, auf denen steht: „Dem Wanderer die schöne Aussicht, dem Bauern seine Ernte“. Und diese Schilder halten mich letztlich davon ab, einfach so einen Apfel zu nehmen. Da sehe ich einen Apfelbauer bei seiner Plantage stehen und frage ihn, ob er mir ein oder zwei Äpfel verkauft. Nein, sagt er, er schenkt sie mir und pflückt zwei Äpfel vom Baum und gibt sie mir. Ich denke mir: Ehrlichkeit wird doch belohnt….
Zu hause ist Sch….wetter, das sagt mir zumindest meine Gogoline am Telefon, der ich anschließend von diesem Treffen berichtete. Mir kommt es so vor, als ob ich schon zwei Wochen unterwegs bin, das zeigt den guten Erholungseffekt. Gogoline hat allerdings zeitlang nach mir – und ich auch nach ihr.
Heute koche ich nicht, sondern gehe in das Restaurant des Campingplatzes. Speckknödelsuppe und anschließend Hirtenmakkaroni mit einem kleinen Salat sind die Belohnung für meine heutige körperliche Ertüchtigung.
Nach dem Essen sitze ich noch eine zeitlang mit den netten Wohnwagennachbarn zusammen und wir plaudern über dies und das bis es uns friert.
18.10.2009
Nachdem die Sonne wieder über die Berge hochgekommen ist wird erstmals sichtbar, dass es auch hier in der Nacht einen richtigen Nachtfrost hatte. Aber heute ist Abreisetag und nach einem gemütlichen Frühstück, Ent- und Versorgung des Gogolobils und Bezahlung der CP-Gebühren mache ich mich auf den Weg. Zunächst fahre ich nach Bozen und von dort bis Blumau, wo ich die Hauptstrße verlasse und 15 Kehren nach Steinegg hinaufdüse. In Steinegg haben wir früher mal Urlaub gemacht und so kenne ich die Gegend mit der tollen Aussicht auf den Rosengarten. Ein kleiner Trachtenumzug begrüßt mich und das Gogolobil.
Die Kirche und der idyllische Friedhof von Steinegg (ich möchte aber trotzdem dort noch nicht begraben sein...):
Wie ich so dasitze und den weiteren Weg vor meinem geistigen Auge vorüberziehen lasse – ich möchte noch über den Karrerpass zum Sellajoch und dort übernachten – wird mir klar, dass ich eigentlich etwas Heimweh habe. Ich rufe daher meine Gogoline an und kündige für den Abend mein Kommen an.
Aussicht auf den Rosengarten von Steinegg aus:
Am Karerpass hat es -5°C und es ist überhaupt nicht heimelig. Also schnell ins Fassatal hinunter und Richtung Sellajoch. Das Gogolobil saust den Pass hoch, dass es eine wahre Freude ist. Das Wetter macht aber überhaupt keine Freude, denn hier schneit es sogar. Ich bin daher über meine vorherigen Entscheidung froh, dass ich heimfahre.
Am Karerpass:
Auffahrt zum Sella-Joch:
Auf dem Sella-Joch:
Im Grödnertal sind an den Hängen schon die Schneekanonen im Einsatz, damit Reserveschnee für die Wintersaison gemacht wird. Der Herbst ist unweigerlich vorbei! Über St. Ulrich geht es aus dem Tal hinaus und der Weiterweg führt über den Brenner, Innsbruck und Kufstein wieder heim.
Fazit
Es war ein schöner Ausflug und ich habe vom Alltag gut entspannen können. Außerdem bin ich dem schlechten Wetter, das zu Hause herrschte, einfach davon gefahren.
Trotzdem: gemeinsam mit meiner Gogoline zu fahren macht wesentlich mehr Spaß, denn irgendwann wird es etwas langweilig, so alleine zu reisen. Das habe ich u.a. auch daran gemerkt, dass ich für mich nur das notwendigste gekocht (obwohl ich eigentlich sehr gerne und auch gut koche) und dann auch noch so wenig wie möglich Geschirr benutzt habe.
Nächstes mal fährt Gogoline wieder mit!!!
Habe die Ehre
Gogolo

