Hallo liebe Italienfreunde,
wie ich bereits hier geschrieben hab ( --> Link ), haben wir schon vor längerer Zeit eine traumhafte Reise in die Toskana erlebt.
Über 1 Jahr hat daraufhin die Überarbeitung des Reiseberichts gedauert, aber nun kann ich endlich mit Stolz vermelden: Wir haben fertig! :D .
OK, ok, es gibt hier und da noch einige Feinarbeiten...
Und wie schon bei der oben verlinkten Vorstellung von Monteriggioni möchte ich auch zur Fertigstellung unseres Reiseberichtes --> Link ein weiteres Ziel besonders hervorheben, wo wir uns richtig wohl gefühlt haben und was wir jedem Besucher der Toskana mit an die Hand geben möchten: Volterra!
Volterra bietet für Wohnmobilfahrer wirklich eine Menge, so finden sich dort gleich mehrere Stellplätze, wobei der P 3 Docciola wohl die beste Wahl sein dürfte.
Hier mal die Auswahl aus unserer SP- Datenbank:
P3 Docciola: --> Link
Am Stadio: --> Link
Le Balze (offziell nur PKW): --> Link
Aber auch ein Campingplatz (der bei unserem frühen Besuch im Jahr leider noch zu hatte) findet sich dort.
Und da der CP wie gesagt geschlossen hatte, mussten wir tatsächlich das zweite Mal auf dieser Reise komplett ohne alles "frei stehen".
Der Aufwand hat sich gelohnt!
Volterra haben wir dann am Abend natürlich auch besucht und noch nie hat uns ein mittelalterliches Städtchen so sehr in seinen Bann gezogen, wie Volterra!
Wenn man sich einfach nur ein wenig der Stadt und dem Flair hingibt, fällt es nicht schwer in dieser Kulisse hinter jeden Ecke Geister, Dämonen oder Vampire zu vermuten, was durchaus für einen spannenden Abend gesorgt hat :D
Aber auch kulinarisch kann Volterra punkten!
Von allen auf dieser Reise duchprobierten Pizzas (oder Pizzen?) war die in Volterra wirklich mit die Beste und hat nur ganz knapp den ersten Platz in unserer Pizza- Hitliste verfehlt.
Genauer speisten wir (und das Lokal kann ich jedem empfehlen!) in der Pizzeria da Nanni in der Via delle Prigioni 40.
Aber Vorsicht! Die frische Ofenpizza riecht so verlockend, dass ich mir gleich ein heißes Stück zwischen die Backen geschoben hatte. Und schon war mein Gaumen verbrannt :D
So, nun aber genug der einleitenden Worte, hier präsentiere ich gleich mal unseren Live- Eindruck von Volterra am Abend des 20. März 2008:
Volterra erreichen wir relativ spät gegen halb 6, die Sonne ist beinahe untergegangen und es ist ohne Sonne aber auch wegen der Höhenlage der Stadt empfindlich kalt geworden.
Als erstes rauschen wir an eine Tankstelle an der Ortseinfahrt.
1,35 € sind teuer für den Liter Diesel, aber wir haben es aber auch schon teurer gesehen.
Und da bei Bergfahrten immer wieder die Lampe anging, entschließe ich mich ein wenig nach zu tanken.
Muss ja nicht voll sein. Was wir an Diesel dabei haben, muss man ja auch die Berge mit rauf schleppen. Muss ja nicht sein.
Anja geht bezahlen und hat auch hier das gleiche Erlebnis, wie wir heute Morgen schon in Barberino Val d´Elsa hatten.
Kaum verstehen die Italiener von offensichtlich erkennbaren Touristen ein paar Brocken Italienisch, bekommt man gleich wohlwollend eine kleine Geschichte erzählt und die Leute sind freundlich.
In diesem Fall handelt die Geschichte übrigens von einem geschlossenen Campingplatz.
Na bestens!
Aber der gute Mann weiß Rat und empfiehlt uns den Stellplatz unterhalb der Stadtmauer.
Dieser sei kostenlos und von dort aus sei man nach nur 200 Metern in der Stadt.
Zurück im Wohnmobil konsultiert Anja den Womo- Reiseführer.
Für den eigentlich von uns favorisierten aber nun geschlossenen CP muss eine Alternative her!
Es stehen hier verschiedene Stellplatzvarianten zur Auswahl.
Wir probieren es zunächst mit dem Stellplatz etwas außerhalb in „Le Balze“, einer Kirche, die wohl eines Tages das Zeitliche segnen wird, weil sie zu dicht an einem sich ablösenden Abhang gebaut wurde.
Grandiose Bauleistung...
Der Weg dorthin ist hingegen identisch mit dem Anfahrtsweg zum Campingplatz.
Vielleicht irrte sich der Tankwart ja auch und der CP hat doch schon auf?
Vielleicht erst heute aufgemacht oder so?
Gegen 17:45 Uhr erreichen wir den CP, leider wird die These des Tankwartes durch eine dicke Eisenkette am Zugangstor zum CP untermauert.
Also doch zu :-(
Na gut, dann eben der SP Le Balze.
Wir folgen der Beschreibung des Womo-Führers und finden einen Parkplatz, der offenbar nur für PKW zugelassen ist.
Das Schild deutet auf diese Tatsache zumindest hin.
Die vielen hier anzutreffenden Womo- Besatzungen haben jedoch das Schild entweder nicht gesehen oder es ist ihnen scheißegal, denn neben den vornehmlich anzutreffenden italienischen Besatzungen haben sich sogar auch einige deutsche Fahrzeuge eingefunden.
Der Platz ist teilweise gesperrt und so ist zwischen den ganzen Autos nicht mehr viel Platz für uns. Auch ist dieser Platz eigentlich deutlich zu weit von der Altstadt weg, die wir uns ja auch noch ansehen wollen.
Wir drehen also um und wollen den nächsten Platz am Stadion probieren.
Dieser Stellplatz am "Stadio" ist zwar endlich als Womo- Parkplatz beschildert, aber auch er ist eigentlich unbrauchbar.
Es stehen auch hier schon 3 Womos, aber auch einige LKW und Baufahrzeuge.
Es ist dazu laut und auch ziemlich eng.
Zumal auch dieser Platz eigentlich schon einen anständigen Fußmarsch zur Stadt voraussetzt.
Nee, dann auch den nehmen wir auch nicht...
Wir wählen also final Stellplatz Nummer 3 (La Docciola, P3), der eigentlich schon vom Tankwart empfohlen wurde, der auch im Womo- Führer steht, als einziger auch offiziell ausgeschildert (Schildern nach P 3 folgen) ist und nur 200 Meter von der Altstadt entfernt liegen soll.
Dieser ist dann auch mit Abstand der größte Platz.
Wir finden ein nettes Eckchen und stellen uns neben einen 290er Hymer aus Deutschland und einem flammneuen Wohnmobil aus Italien.
Der Platz selbst ist wirklich sehr groß, hier passen locker 100 Mobile hin, wenn man ein wenig zusammen steht.
In der Hochsaison könnte es aber trotzdem knapp werden.
Dennoch: Der Platz liegt wirklich schön am Fuße der Altstadt. Nur die 200 Meter zur Altstadt sind ein wenig „geschönt“.
Zwar sind es von hier aus nur 200 Meter bis in die Stadt, aber diese 200 Meter sind keine „Entfernungsmeter“, sondern „Höhenmeter“!
Von hier aus führt eine Treppe mit geschätzten 1.874,51 Stufen hinauf in die Stadt.
Aaaahhhh!
Aber von den vielen Stufen lassen wir uns nicht abschrecken!
Nachdem wir geparkt, die Katzen versorgt, uns von Ballast entledigt und den Innenraum gegen Einbruch gesichert haben, machen wir uns auf die Stadt im Abendlicht zu erkunden.
Gleich gegenüber vom Platz führt wie gesagt durch ein Portal eine Treppe nach oben direkt in die Altstadt.
Durch die vielen Treppenstufen ist hier natürlich nun Muskelkraft gefragt, sonst kommt die Wohnmobilbesatzung und die Altstadt nicht zusammen. ;-)
Ach ja, am unteren Ende auf Höhe des Wohnmobilstellplatzes ist ein großes Wasserbassin.
Ich war überrascht hier Fische drin vorzufinden.
Richtig dicke sind dabei.
Wer also eine Angel hat oder sich das Fangen von Fischen mit der Hand zutraut, der kann sich ja mal an diesen Prachtexemplaren versuchen.
Ob es erlaubt ist, dass weiß ich allerdings nicht. ;-)
Die Szenerie mit dem alten Gemäuer, das klare Wasser und dem Plätschern erinnert mich irgendwie an „Tomb Raider“, Teil 1 auf der Playstation 1.
Einer der ersten Level...
Ich muss unweigerlich den kleinen Jingle der Titelmelodie vor mich hinsummen und würde mich nicht wundern, wenn meine Videospielikone meiner Jugend gleich aus dem Wasser steigen würde...
Weg mit diesen merkwürdigen Gedanken, wir brauchen nun alle Kraft, um die „Oberstadt“ zu erreichen.
Der Vergleich mit der „Oberstadt“ passt eigentlich ganz gut und so kraxeln wir, nach Luft ringend, die Treppen hinauf, puh!
Oben angekommen schnappen wir erstmal nach Luft.
Das war wirklich ein ganz schönes Stück Arbeit!
Aber nun sind wir angekommen und dürfen uns als Lohn der Mühe auf ein hoffentlich herrliches leckeres Abendessen ohne „Menü Touristico“ freuen.
Wir schauen uns zunächst einmal um und schlendern dann einfach ein paar Gassen entlang.
Das blöde dabei ist, dass wir keinen Stadtplan dabei haben und müssen uns so ohne Plan in der Dunkelheit orientieren.
Allenfalls ein am Fuße der Treppe geschossene Bild einer metallischen Infotafel nebst bronzenem Stadtplan könnten wir im Notfall zu Rate ziehen. Dummerweise erkennt man darauf eigentlich gar nichts und auf dem geschossenen Bild erkennt man noch viel weniger. Blöd!
Also spazieren wir einfach drauf los in der Hoffnung, dass wir an der ein oder anderen Stelle was nettes entdecken, wo wir uns noch ein kleines Abendessen gönnen können.
Einige hübsch anzusehende Lokale finden wir auch, allerdings ist die dortige Preisgestaltung weniger hübsch anzusehen.
Und überhaupt brauchen wir kein edles mehrgängiges Menü nach ethruskischer Art, uns ist eher nach etwas bodenständigerem...
Wir erreichen den Rathausplatz genannt Piazza dei Priori, und auch dieser ist fast wie leergefegt.
Zu unserer Überraschung ist hier weit weniger los, als zum Beispiel in Radda oder in San Gimigiano.
Wohin sollen wir gehen? Der Nase nach? Weiter treiben lassen?
Der Womo- Reiseführer empfiehlt eine Pizzeria, die „Pizzeria da Nanni“.
Lust auf Pizza haben wir schon, aber ob wir diese Pizzeria ohne Stadtplan finden?
Während wir noch ganz allgemein und ohne festes Ziel durch die Straßen stromern, entdecken wir eher zufällig das Straßenschild "Via delle Pigioni", wo sich die Pizzeria angeblich befinden soll. "Finden wir es heraus" und da wir eh nichts bessers zu tun haben, spazieren wie die Straße einfach mal entlang. Und tatsächlich stehen wir nur ein paar Schritte später ganz unvermittelt und plötzlich vor der Pizzeria. Supi!
Ehrlich, wir haben weder gezielt danach gesucht noch an irgendwelchen möglichen (aber nicht vorhandenen) Hinweisen orientiert, auch haben wir die Pizzeria nicht beim Universum bestellt... ;-)
Einzig die Möglichkeit, dass uns unser Unterbewusstsein irgendwie hier her gelotst haben könnte, wäre möglich, wenn auch wenig wahrscheinlich.
Und so finden wir in der Via delle Prigioni 40 in 56048 Volterra (PI) (abgelesen von der Visitenkarte, die wir hier geschenkt bekommen und eingesteckt haben) die Pizzeria da Nanni.
Von außen macht diese nicht viel her und auch von innen muss man sich auf einfachste beengte Verhältnisse einstellen!
So gibt es nur 3 Tische und sehr sehr enge Holzbänkchen, auf denen man sitzen kann.
Die Bank rechts zur Tür ist so eng, dass ich sogar meinen Bauch einziehen muss, damit ich auf der Bank durchrutschen kann.
Aber der Laden muss gut sein!
Nicht nur, dass hier die Einheimischen essen, auch der dicke Pizzabäcker nascht immer wieder von seinen eigenen Kreationen.
Er hat sich selbst eine Pizza gemacht, diese liegt abseits und er macht sich davon immer ein Stück ab und kaut genüsslich darauf herum.
Wenn es doch nur etwas gemütlicher hier drin wäre...
Ich muss noch immer meinen dicken Bauch etwas einziehen, sonst könnte ich hier auf der Bank an der Wand nicht sitzen.
Der Geschmack einer ofenfrischen Würstel- Pizza (die heißt tatsächlich so!), die nach etwa 15 Minuten Wartezeit serviert wird, reißt dann alles wieder raus.
Diese schmeckt gigantisch lecker!
Anja hat eine Salami Speziale, die mir ebenfalls so gierig schmeckt, dass ich mir an einem besonders heißen Stück den Gaumen verbrenne. AUA!
Aber das war es wert!
Gar nicht teuer ist am Ende die Rechnung, 2 Pizzen und 2 große Cola für insgesamt 18,40 €, wir runden auf einen blauen auf und bedanken uns ganz herzlich für das hervorragende Abendessen.
Überhaupt hat es Spaß gemacht kurz am Leben der Italiener Anteil zu haben.
Ständig ging die Tür auf und zu, ständig kamen Einheimische rein und quatschen mit dem Pizzabäcker und seiner Frau.
Ein ewiges „Ciao Come sta, bene, benissimo, Ah, Ciao Bella, Pronto“ und Co erfüllen den beinahe winzigen Gastraum Raum mit Leben und Lust.
Die Sprache ist eh lustig, wir verstanden zwar nur Bruchteile, aber wie neben Akustik mit Händen, Gestik und Mimik kommuniziert wurde, war einfach traumhaft authentisch und wunderschön anzusehen.
Die duftende und herrlich schmackhafte Pizza tat hierzu ihr übriges.
(Wieder zuhause finden wir bei der Nachrecherche für diesen Reisebericht sogar heraus, dass diese Pizzeria in vielen Reiseführern Erwähnung findet, sogar im Lonely Planet steht sie drin!)
Nach dem Abendessen gehen wir noch ein paar Schritte durch die Gassen und machen einen Verdauungsspaziergang.
Tut gut die frische Nachtluft, allerdings ist dies auch in Kombination durch die Höhenlage der Stadt (über 500 Meter) ein untrügerisches Zeichen dafür, dass uns eine kalte Nacht bevorstehen wird.
Aber "kalt" ist uns nicht nur wegen der kühlen Temperaturen, denn auch aus ganz anderen Gründen kann es einem hier in Volterra mitten in der Nacht eiskalt den Rücken runter laufen.
Nachdem wir die Pizzeria verlassen haben, fällt uns als erstes auf, wie leer doch plötzlich die Stadt geworden ist!
Normalerweise würde mich so etwas ja erfreuen und scheinbar haben sich wirklich die ganzen Touristen nach und nach aus der Stadt zurück gezogen, aber nun ist es mir eigentlich schon fast ZU ruhig.
Unwillkürlich dreht man sich beim Schlendern durch die Gassen des öfteren um.
War da hinten ein Schatten? Hat sich da auf dem Hausdach etwas bewegt?
Einige wenige Passanten sind noch unterwegs, teilweise mit langen Mänteln und Hüten oder Mützen, die tief ins Gesicht gezogen sind. Sie huschen vorbei, kreuzen nur kurz unseren Weg.
Das mittelalterliche Ambiente, welches vorhin im Abendrot noch total majestätisch und wuchtig gewirkt hat, wandelt sich nun durch Schatten und Dunkelheit plötzlich zu einer umfangreichen Kulisse für echte Gruselfilme!
Glück hat man, wenn einige der Geschäfte noch geöffnet sind, oder wenigstens das Licht noch brennen haben.
Denn in diesen nach wie vor hell erleuchteten Gassen sind die Lichtverhältnisse durch die baubedingte gedrungene Atmosphäre und durch die wuchtigen und rundherum festen Mauern natürlich beeindruckend.
Spendet aber nur eine einzelne Lampe fales Licht, kommt einem die Szenerie schon ein wenig gespenstisch und weitaus mystischer vor.
Gut, wir haben jetzt nicht wirklich Angst, aber die mittelalterlichen Bauten mit den schmalen Gassen, gepaart mit dem frischen Wind, der durch die wenigen Äste und Bäume streift und die hin und wieder plötzlich auftauchenden geheimnisvollen Gestalten um uns herum können durchaus die Phantasie beflügeln!
So wäre es absolut nicht verwunderlich, wenn uns gleich ein Dämon, ein Geist, ein Schattenelf, ein Werwolf oder gar ein echter Vampir begegnen würde.
Ein wenig hat die Szenerie was von Rollenspielen im Internet oder auf dem PC. Wer mal "Baldurs Gate" gespielt hat, weiß in etwa, was wir meinen. ;-)
Aber nicht nur eine mittelalterliche Feste im dunklen Abend sowie die Erinnerung an ein Computerspiel aus längst vergangenen Zeiten reicht aus, um die Sinne einerseits positiv aufgeregt zu pushen und andererseits auch wirklich und leibhaftig die Sinne zu schärfen. Droht denn echte Gefahr?
Wohl eher nicht.
Spannend ist es aber trotzdem und es ist fast so, als würde man sich wirklich ein echtes Abenteuer mit Figuren aus anderen Dimensionen wünschen.
Nur welche sollten das sein?
Anja und ich tauschen uns darüber aus, interpretieren uns gegenseitig, was wohl am besten in diese Szenerie passen würde.
Besonders die Vampire bilden dabei die wahrscheinlichste Variante!
Wir können es nicht erklären, warum dies so ist, aber die überlegene Erhabenheit der alten Gebäude (die Geschichte der Stadt Volterra geht weit bis ins 4te Jahrhundert zurück!) mit ihrem gotischen kathedralenähnlichen aber auch gleichzeitig gruftigen Baustil wirken total edel und erwecken so gar nicht den Eindruck eines verfallenen oder abgeschmackten Gruselkabinetts, wo sich Dämone, Trolle, Lykaner oder Schattenelfen aufhalten oder besser gesagt "hausen" würden.
Nein nein, das hier in Volterra ist ganz klar ein anderer, deutlich höherer Level, für den wir einfach nicht die richtigen Worte finden.
Aber nachdem wir uns erstmal ein wenig gegenseitig hochgeschaukelt haben, erwarten wir eigentlich hinter jeder der nächsten Ecken plötzlich einem der edelsten untoten Wesen gegenüber zu stehen, die die Sagen, Mythen und Legenden vergangener Tage hervorzubringen haben: Vampire!
Schnell kommt man sich nun natürlich doch ein wenig dabei beobachtet vor und sofort fallen mir die verschiedensten Handlungsstränge von Vampirfilmen wie zum Beispiel "Interview mit einem Vampir", "Blade", "Underworld" oder einfach nur "Dracula" ein... ;-)
Die Krönung ist dabei ganz besonders der diffus beleuchtete Piazza dei Priori, den wir ein weiteres Mal auf unserem Rundgang durch Volterra passieren und jetzt deutlich zurückhaltender besichtigen.
Nun, in totaler Dunkelheit, stehen wir mutterseelenallein auf dem Platz und wundern uns einmal mehr, warum außer uns keiner die Stadt Volterra bei Nacht erkundet...
Letztendlich kehren wir, mehrheitlich durch die reale Kälte und weniger durch die Anwesenheit irgendwelcher Schattenwesen getrieben, dann aber doch zum Wohnmobil zurück.
Komisch, das Herabsteigen der Treppen ist viel einfacher, als das Hinauf steigen :-)
Und obwohl die Treppen und unser Stellplatz in der "Unterwelt" viel diffuser beleuchtet sind, als die Gassen der "Oberstadt", fühlen wir uns mit jedem Schritt, der uns näher zu unserem Wohni bringt, ein Stückchen besser.
Wir können es nicht so recht beschreiben, aber "irgendwas" war anders in den Gassen von Volterra!
Es ist mystisch, es ist geheimnisvoll, es kann für Gänsehaut sorgen! Aber es ist nicht angsterregend oder gruselig, sondern mehr "aufregend", ohne genau den Grund dafür zu kennen...
Wir können nur jedem empfehlen einmal selber Volterra bei Nacht zu besichtigen! Es ist wirklich traumhaft!
Gegen kurz vor 8 sind wir zurück am Wohnmobil.
Alles ist in Ordnung, niemand hat bei uns „reingeschaut“.
Minki und Dori waren auch brav, warten schon im Alkoven auf uns.
Stockfinster ist es mittlerweile draußen geworden, ein bisschen fühle ich mich wie in einem getauchten U-Boot.
Wir laufen auf Batterie...
Wir müssen nun haushalten mit Strom und Energiereserven sowie Wassertank und Lager.
So langsam verstehe ich ansatzweise, warum man sich 2 und mehr Batterien mit fetter Ladekapazität ins Womo packt.
Die Truma läuft und zerrt an unseren Gasreserven, aber ich denke wir werden auf jeden Fall hinkommen.
Wir leben ja noch immer aus unserer 11kg- Flasche, die in 2 Monaten ihren ersten Geburtstag mit uns feiern wird. ;-)
Mal sehen, ob es dazu überhaupt kommt, oder ob wir die vorher leer bekommen werden.
Für den Notfall haben wir ja noch immer die komplett gefüllte 5er dabei.
Eigentlich unglaublich.
Dies ist schon die zweite Nacht auf dieser Reise, wo wir uns einfach dahin stellen, wo es schön ist.
Und bezahlen müssen wir auch nichts.
Ob es ein weiteres Mal gut gehen wird???
21:30 Uhr:
Wir sitzen zusammen im verbarikadierten Wohnmobil und suchen uns schonmal die weitere Route für morgen und einen möglichen CP raus, den wir besuchen können.
Wir finden auch einen möglichen Platz im CampingCard- Führer, der für 14,- € die Nacht in der Nähe von Cecina anbietet und der auch geöffnet ist
Perfekt.
Aber erstmal müssen wir die Nacht auf dem Stellplatz überstehen.
Seit unserer Ankunft ist es mir schon aufgefallen, in der Nachbarschaft bzw. in der Ferne bellen die Hunde wie verrückt!
Irgendwann müssen die doch auch mal müde werden?
Oder doch nicht?
Einer ist besonders hartnäckig, setzt nun schon seit über 1,5 Stunden nur zum Luft holen ab und bellt dann unentwegt und unbeeindruckt weiter.
Die Hunde der Nachbarschaft stimmen immer mal wieder mit ein, so höre ich etwa 4 oder 5 verschiedene Hunde heraus.
Erinnert mich ein wenig an das „Bellophon“ aus dem Zeichentrickfilm 101 Dalmatiner.
Na dann...
22:20 Uhr:
Auf einen Schlag haben alle Hunde das Bellen eingestellt.
Wie merkwürdig...
Anja schreibt mittlerweile Postkarten, ich tippe weiter am Tagesbericht.
22:35 Uhr:
Störung am Bellophon wurde offenbar durch einen herbei geeilten Hundetechniker schnell und kompetent behoben!
Alle Hunde bellen endlich wieder auf gewohnter Lautstärke.
Auch der Technikerhund ist nun offenbar als Hund Nummer 5 oder 6 hinzu gekommen, bellt jetzt munter mit.
Ahhh!
Die Temperaturen fallen weiter, draußen sind es noch 8°C, drinnen haben wir dank der Truma noch knappe 18°C und dabei läuft die Truma nur auf 1/3 Stärke.
Scheint so, als würde die totale Abschottung mit Thermomatten und herunter gezogenen Fensterrollos sowie abgedeckten Spalten und Ritzen wirklich etwas bringen.
Unsere beiden Katzen haben wir heute übrigens nicht mehr angeleint.
Beide haben sich wie es zu erwarten war fast nur im Alkoven aufgehalten.
Sie haben offenbar gelernt, dass es dort am wenigsten vom Motor brummt und auch sonst die geringsten Fahrgeräusche gibt.
Dori schläft eigentlich fast den ganzen Tag unter einer Decke oder hinter dem Kissen, Minki schaut meist (auch während der Fahrt) aus dem vorderen Alkovenfenster.
Wie zu erwarten war kann Minki tatsächlich wenigstens etwas von dieser Reise abgewinnen.
Sie schaut gern aus dem Fenster und Auto ist sie dabei auch schon immer gern gefahren.
Sorgen um beide brauchen wir uns nicht zu machen.
Beide haben kapiert, dass das Brummelding spätestens gegen Abend abgestellt wird.
Dann kommen beide recht schnell hervor, freuen sich über eine leckere Portion Thunfisch oder Putenwurst und erledigen die täglichen Geschäfte wie Katzentoilette, Rundgang, Wedel fangen spielen und die Menschen anderweitig ärgern.
23:00 Uhr:
Alle sind versorgt und es wird langsam still um uns herum.
Die letzten Stadtbesucher sind ebenfalls zu uns „herab“ gestiegen und haben sich in ihren Wohnmobilen eingegraben.
Auch die Hunde sind ruhig geworden, nur der lauteste von allen bellt hin und wieder einsam in die Nacht.
Es wird Zeit zu Bett zu gehen.
Hoffentlich bleibt es ruhig in dieser Nacht!
Abgesehen von den "realen" Bedrohungen wie Einbrechern, Dieben, Strolchen oder klopfenden Versicherungsvertretern ist da noch immer ein Rest des mulmigen Gefühls, welches wir vorhin in der Stadt gespürt haben.
KM- Stand bei Abfahrt: 180.811
KM- Stand bei Ankunft: 180.872
gefahrene Kilometer: 61
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Wer wissen mag, ob uns die Vampiere in der Nacht doch noch gebissen haben :wink: oder ob das "Bellophon" die abendliche Ruhe nochmals gestört hat, den lade ich ein gern auch den Rest unseres nun endlich fertig gestellten Reisetagebuchs zu studieren.
Dort findet sich natürlich nun auch alles andere, was wir in der Toskana und auf dem Rückweg nach Norden noch entdeckt haben. Pisa, Florenz, Lucca, die Cinque Terre oder der der Lago Maggiore sind nur einige der weiteren Highlights: --> Link
Ciao!

