Ach sind wir pfiffig!
So dachten wir. Aber der Reihe nach:
Im Oktober 2013 fuhren wir Richtung Süddeutschland und schlenkerten kurz durch die Tschechei. Der Sinn dahinter war ein ganz raffinierter. Ende Oktober nämlich waren wir mit dem TÜV fällig und auf der Rückreise aus dem sommerlichen Frankreichurlaub hat uns doch irgendwo ein böser Steinschlag erwischt. Carglass konnte zwar helfen, hatte aber Bedenken, dass die Reparatur langfristig hält. Der kleine Krater in der Frontscheibe ist nämlich soweit unten rechts, dass er schon ein wenig von der Scheibenkrümmung mitbekommt und - na klar - ein haarfeiner Riss kam etwa zwei Zentimeter nach oben gewandert. Dort blieb er seitdem stehen und wenn es nach mir geht, kann er da stehen, bis das Erdöl alle ist. Hauptsache, man sieht ihn nicht. Also ne tschechische Maut-Vignette geholt, draufgepappt und zackbumm war das Problem behoben.
Weihnachten nun fuhren wir für ein paar Tage nach Prag. Weil wir aus beruflichen Gründen erst am 24. früh loskamen, nahmen wir die langweilige Autobahnstrecke an Dresden vorbei und kauften auf dem letzten Parkplatz vor der Grenze wiederum eine Vignette. Am frühen Nachmittag parkten wir auf dem schon andernorts beschriebenen ganzjährig geöffneten
Stellplatz auf der Moldauinsel. Kleiner Spaziergang, danach unseren Minibaum geschmückt, die zuhause vorgebratenen Gänsekeulen in die Pfanne gelegt, Grünkohl warm gemacht und Klöße gerollt, alles aufgegessen und daaaaaannnn - Bescherung!
Alles schick, alles schön.
Zu dem Stellplatz ist hier im Forum schon Alles gesagt. Er liegt günstig, ist ruhig, man hat einen schönen Blick auf den Fluss und die Anbindung an die Altstadt ist auch für Orientierungsgrobmotoriker simpel zu realisieren. Die Nahverkehrstickets gibt's an der Rezeption.
Auf dem Rückweg am 27. wollten wir in Liberec in das erneuerte Spaßbad Babylon und verließen Prag deshalb in Richtung Turnov auf der ebenfalls mautpflichtigen Schnellstraße.
An einer der Ausfahrten stand mit der Schnauze zur Straße ein Polizeiwagen mit Blaulicht. Wir waren angeschnallt, das Licht war eingeschaltet, wir fuhren vorbei und etwa fünfhundert Meter hinter uns bog auch das Blaulicht auf die Piste. Schnell holten sie auf, klemmten sich vor uns und wir wurden aufgefordert, zu folgen.
Schöne Bescherung.
Die beiden Polizisten waren höflich, der eine sprach ein fast akzentfreies Deutsch und als erstes zeigte man mir ein gestochen scharfes Foto von mir am
Steuer unseres Fawkes vom 24. Dezember. Dann ein Weiteres vom 24. und zum Schluss eines mit aktuellem Datum. So gestochen scharf, daß ich das Plissee in meinem Gesicht sehen konnte und mir unwillkürlich an Kinn und Wangen griff.
Fawkes ist unser ebay-Schnäppchen vom Oktober 2012 - ein Phoenix-Alkovenmobil auf Sprinterbasis, zugelassen für 4,6 Tonnen und natürlich mit einer tschechischen Vignette bis 3,5 Tonnen nicht im Entferntesten für die mautpflichtigen Straßen legalisiert.
Also erzählte ich dem guten Mann was vom Pferd.
Daß wir schon im Oktober dieses schöne Land besuchten und uns an einer Tankstelle in Cheb kundig machten, wie das denn mit der Maut liefe und daß der freundliche junge Mann dort mit dem Zeigefinger an den Eintragungen in der Zulassung des Fahrzeuges entlangfuhr, schließlich an der Zahl 3495 in der Spalte G stehen blieb und uns eine Vignette in die Hand drückte. Ich wusste nicht, so sagte ich dem Polizisten, dass sich in der kurzen Zeit die Regeln geändert hätten und wäre natürlich SOFORT und AN ORT UND STELLE BEREIT, dieses klitzekleine Problem aus der Welt zu schaffen. Doch der gute Mann erklärte mir, dass dieser Kerl da in der Tankstelle offensichtlich ein Idiot wäre, denn er hätte nach dem Leergewicht geschaut und entscheidend ist nun mal das zulässige usw...
An Ort und Stelle können wir das LEEEIIIDER nicht klären, denn das Fahrzeug wäre jetzt erfasst und dann folgte ein Protokoll für das für solche Fälle zuständige Hauptzollamt in Liberec.
Auf meine Frage, ob er einen Tipp hätte, wo wir denn nun entlang fahren könnten, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, zeigte er mir auf meiner Karte diverse Möglichkeiten, die er aber jeweils nach kurzer Diskussion mit seinem Kollegen wieder verwarf - zu eng, zu schlechte Straßen.
Dann erklärte er mir, er nähme mich jetzt aus dem Mautsystem, aber nur bis Turnov. Dort ende für dieses Problem sein Zuständigkeitsbereich. Wenn wir weiterführen nach Liberec, sollten wir die Ausfahrt zum Babylon nehmen und könnten an der nächsten Auffahrt wieder Richtung Deutschland reisen. Ohne weitere Fotos, denn gleich nach dem Tunnel, der zwischen Ausfahrt Babylon und der nächsten Ausfahrt zu durchqueren ist, befindet sich die letzte Kontrollstelle vor der Grenze.
Danke, Dekuj etc. pp. Händeschütteln und ab.
Dieser Tage nun kam Post aus Liberec.
Da ich als Lkw-Fahrer so manche Dinge über Mautpreller in Deutschland erfahren habe, die mir das schütter werdende Haupthaar in die Höhe trieben, rechnete ich mit ner kräftigen Ansage.
Ein Kollege, der etliche Kilometer mit der Sattelzugmaschine solo - also nur auf zwei Achsen - die deutsche Autobahn befuhr, vergaß nach Aufnahme des Aufliegers das Umstellen auf fünf Achsen. Er wurde erwischt und zahlte 600 Euro. Der finanzielle Schaden für den Mautbetreiber war allerdings eher marginal.
Wie würde das bei uns werden? Tateinheit oder jede Registrierung für sich? Wann verjährt so was?
Solche Sachen gingen mir seit Weihnachten durch den Kopf.
Na, um es kurz zu machen und nicht in den Verdacht zu geraten, ich hätte Spaß daran, einen missglückten Versuch zivilen Ungehorsams in epischer Breite unters fahrende Volk zu bringen - wir unterstützen die tschechische Regierung mit einer einmaligen Zahlung von 1000 Kronen. Umgerechnet also ziemlich genau 40 Euro. Damit können wir leben.
Merke: viel reden hilft manchmal viel.