Ich dachte mir, ich teile mal ein paar Erfahrungen mit einem gebrauchten Wohnmobil allgemein, bzw. einem Laika Evovip 2i im Speziellen...
Kapitel 1: Wieviel Wohnmobil bekommt man fürs Geld?
23000 Euro für ein gepflegtes Wohnmobil. 17 Jahre alt, Iveco 2,8l mit 122 PS100000 km, kein Wintersalz, neuer Zahnriemen, neue Dachfenster, Motorradträger, Solaranlage, max. 7 Schlafplätze. fester Fäkalientank,Etagenbetten, Alkofen, 4.2to zul.Gesgew. 6,80m lang, 3m hoch
Ideal also für eine vierköpfige Familie mit Hund. Nicht billig, aber perfekte Raumaufteilung mit Sofa und alles sehr gepflegt.
Vorteil: 3,5 to sind zu wenig für eine Familie mit Hund, Schlauchboot, Fahrrädern und trallala.
Nachteil: jedes Jahr TüV. Nur 100 kmh, teure Autobahngebühren. ca. 11 Liter Verbrauch
Nach einem Jahr Erfahrung damit: Die Konzeptentscheidung war richtig, die Vorteile waren gravierender.
Kapitel 2: Ängste
Ist das Ding noch dicht? Taugt der Iveco überhaupt was? Können die Italiener überhaupt Qualität bauen, die 18 Jahre und mehr hält?
Dicht? Ja. Zum Glück. Hoffentlich bleibt es so.
Der Iveco erwies sich bis jetzt ganz wunderbar. Braucht kein Öl, läuft schön, hat Kraft. Er braucht bei über hundert recht viel, darf man aber eh nicht und drunter braucht er ca. 10 bis 11 Liter. Das geht.
Qualität? Teils teils. Optik, Design, Raumaufteilung, Holz, Polster, Fenster, Klappen usw. toll. Aber die Technik... Die Elektrik ist ein Graus. Ich weiß nicht, wie es bei anderen Wohnmobilen ist, aber als Techniker wird mir regelmäßig schlecht, wenn ich irgendwo eine Verkleidung abschraube und das Chaos sehe.
Beispiel? Ok: Das Ding hat in der Mitte eine zentrale Lampe, die man schöner Weise vom Eingang, aber auch vom Alkovenbett aus schalten kann. Ein Stromstoßrelais war hier verbaut, wusste ich, weil man es klacken hörte, wenn es schaltete. Blöd, es ging nur manchmal. Vermutung: Es klebt fest, Verschleiß. Also auswechseln. Gemeinerweise verbauen die Womohersteller überall Plastik, der über die Jahre spröde wird
D.h. Bei allen Verkleidungen muss man höllisch aufpassen. Sonst geht mehr kaputt als heil. Die Lampenverkleidung war überall mit kleinen versteckten Minischräubchen festgemacht, ich war durchgeschwitzt, als ich endlich dran war. Dann das Relais. Verbaut ear ein kleiner Wechselrichter, der Wechselstrom für das Stromstoßrelais erzeugte, das es eben ein Wechselspannungsstromstoßrelais war. Vermutlich hatten sie grad kein anderes. Ersatzteile gibts nicht mehr. (Ich hab inzwischenalle Händler und auch Laika selbst durch - ich habs aufgegeben da was zu hoffen.) War hier aber auch kein Problem, die ganze komische Verdrahtung raus, ein einfaches Gleichspannungsteil rein und alles war gut.
Noch ein Beispiel: Die Tür für den Aufbau hatte einen Riss in der PlastikInnenverkleidung. Nicht schlimm, aber unhübsch und man will nicht, dass es schlimmer wird, also ausbauen und mit Epoxyd kleben und versteifen. Dabei entdecke ich ein Bündel Kabel. Die Tür hatte Zentralverriegelung, wusste ich davor nicht, der Vorbesitzer vermutlich auch nicht. Dumm: Die Tür geht ja 180 Grad weit auf und zu. Der Hersteller hat da einfach normale Kupferleitungen verwendet. Die sind natürlich nach ein hundert mal Tür auf - Tür zu alle abgenudelt. Ich habe neue, flexiblere Leitungen eingesetzt, mal sehen, wie lang die halten.
Kapitel 3 Was alles kaputt war und kaputt ging:
Blinkgeber - Kontrolllampe für Motorradträgerlampen ging nicht.
Diverse Plastikteile gerissen - bisher könnte ich alles kleben. Ersatzteile gibts nicht.
Stromstoßrelais
Zentralverriegelung
Eine Fensterverriegelung - 10 Euro Fa. Seitz. Hab es noch nicht, hoffentlich passt es.
Schubladenverriegelung - Verschlissen 10 Euro. Reimo.
Toilettentürverriegelung - gebrochen 10 Euro. Fritz Berger.
Kühlschrank, schlechte Kühlleistung mit Gas - Düse gereinigt, dazu halbe Dusche zerlegt um da ran zu kommen.
Abwasser und Fäkalienschlauch zum Ablassen.15 Euro
Ein paar Dosen Silikonspray um unzählige Quietschgeräusche zu beenden und alles mögliche zu schmieren und zu pflegen.
Drei Dosen Epoxydharz.
Eine Dose Karosseriekleber.
usw.
Das neueste und greislichste: Die Fäkalienanlage. Der Laika hat zwei Fäkalientanks. So kann man länger irgendwo campen und ist nicht auf Campingplätze angewiesen. Außerdem kann man durch die zwei-Tank-Technik schön auch eine Thedfordkassete befüllen und kann sich so auf Campingplätzen ohne Bodenöffnung gut behelfen. Dumm: der Schieber (Ventil) zwischen den Tanks ist undicht. Toilettenflüssigkeit verbleibt nicht im ersten Tank, sondern geht ungenutzt in den zweiten. Gerüche entstehen... Ich bin dran. Befürchte aber den großen Tank ausbauen zu müssen. Ob ich Ersatzteile brauche und bekomme, weiß ich noch nicht.
Kapitel 4: Kosten
Schön: Man braucht selten Campingplätze und spart so Geld. Außerdem kann man selbst kochen, Brezeln aufbacken etc. Prima für unterfinanzierte Familien.
Unschön: Man braucht als Wohnmobilist Sachen, von denen man zuvor nicht mal wusste, dass es sie gibt:
Wohnmobilreiniger Außen - Muss Kunststoff, Aluminium und dichtungfreundlich sein, aber trotzdem diese schwarzen Streifen, die sich nach ein paar Wochen bilden entfernen können.
Gas - etwa eine Flasche pro 10 Tage (für Kühlschrank, Herd und Backofen) ca. 15 Euro
Schmiermittel.
Kleber.
Spezialtoilettenpapier.
Toilettenflüssigkeit bzw. Tabs ( 1 Euro pro 20 Liter = 1 Euro täglich bei einer gut genährten Familie)
Wasser und Stromgebühren ( je ca. 1 Euro auf den meisten Stellplätzen)
Stellplatz. ca 10 Euro
Wintergarage Miete (50 Euro / Monat)
Fazit bisher:
Macht Spaß, War kein Fehler, aber man braucht etwas Kleingeld und muss technisch geschickt sein, sonst wirds frustrierend und teuer. Ein älteres Wohnmobil ist also nicht nur ein Urlaubsgerät, sondern eher ein komplettes Hobby.
Ich ergänze den Bericht von Zeit zu Zeit und hoffe dem einen oder anderen bei seinen Kaufüberlegungen geholfen zu haben.
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