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Paddellabyrinth Unser kleiner, beschaulicher Campingplatz liegt in der Sonne, doch irgendwas stimmt nicht. Irgendwann kommen wir drauf: Es fehlt hier die morgendliche Betriebsamkeit, die auf einem Campingplatz ab Mitte des Vormittags einsetzt. Hier: Fehlanzeige. Man hört und sieht praktisch niemanden. Alle Bewohner scheinen irgendwie mit sich selbst beschäftigt zu sein. Wir setzen uns raus in den strahlenden Sonnenschein. Nur der böige Wind dürfte etwas weniger stark ausfallen, dann hätten wir es rundum perfekt. Aber das ist jetzt Jammern auf ganz hohem Niveau. Da wir uns gestern schon beim Anblick des schönen, mäandernden Flusses dazu entscheiden haben, hier zwei Nächte zu verbringen, nutzen wir den Tag zum Faulenzen und um mal ein paar Dinge nachzuarbeiten oder aufzuräumen. Das Aufregendste, was passiert ist eine Art Soundcheck in der Mittagszeit. Da wummern auf einmal Bässe über den friedlichen Platz, dass man sich fragt, was da denn los ist. Es stellt sich heraus, dass das nur der Soundcheck für die große Party war, die hier am Samstag stattfinden soll. In die Blaubeeren Erst am späten Mittag machen wir uns auf, um im Wäldchen die Straße runter nach Blaubeeren zu suchen. Es ist ja schon fast ein Skandal, dass wir fast eine Woche in Norwegen sind und noch keine Blaubeeren gegessen haben! Die Suche gestaltet sich mühsamer als gedacht. Üppige Blaubeersträucher sind das nicht, die wir vorfinden. Unser altbewährter Blaubeersammler kommt bei so wenigen Beeren nicht wirklich sinnvoll zum Einsatz. Also müssen wir manuell an die Arbeit. Am Ende haben wir mehr Blaubeeren als erwartet gesammelt und unsere Fingerspitzen sind blaurot durchgefärbt. Da hilft auch Seife nix. Annette zaubert mit unserem Ertrag und ein paar zusätzlichen Himbeeren, die sie auf dem Rückweg entdeckt hat, ihre bewährt gute Blåbär-Kulturmjölk (Dickmilch). Himmlisches Paddellabyrinth Am späten Nachmittag bauen wir dann die Scubis auf und stechen in See. Oder vielmehr: in Fluss. Unsere erste Flusstour mit den Kajaks. Im warmen Abendlicht versuchen wir, unseren Weg durch die vielen kleinen Sackgassen-Arme des ruhig dahinfließenden Flusses zu finden und dabei ein bisschen paddeln zu üben. Ich schaffe es, schon nach der erste Flussbiegung die Orientierung zu verlieren. Ich paddle munter in eine dieser toten Enden hinein und wundere mich, dass Annette mir nicht folgt. Und auch Annette wundert sich, dass ich ihr nicht auf dem richtigen Weg gefolgt bin und bekommt leichte Panikanfälle, wo ich denn abgeblieben sein könnte. Ob da nicht doch ein schäumender Wasserfall hinter der Kurve war? Nein, der einzige Wasserfall, den wir finden, fällt eher in die Kategorie „niedlich“. Und das Wasser, was aus ihm rausströmt, qualifiziert sich auch nicht als Wildwasser. Aber das hat auch noch Zeit. Wir fahren noch ein Stück flußaufwärts gegen die nicht sehr starke Strömung an unserem Campingplatz vorbei in Richtung unserer Blaubeerpflückstelle. Wir hatten von der Straße aus gesehen, dass dort Stromschnellen kommen und wollen mal ausprobieren, wie nahe man ihnen kommt. Man merkt, wie die Strömung, gegen die man anpaddelt, stärker wird. Aber was uns wirklich ausbremst, ist die Tatsache, dass im Flussbett immer häufiger dicke Steine auftauchen, die aber immer knapp unter der Wasseroberfläche liegen, sodass man sie gegen die Sonne paddelnd nicht erkennen kann. Das wird uns dann doch zu heiß und wir wenden die Kajaks und lassen uns, nun gemütlich paddelnd, mit der Strömung treiben. Nur auf dem letzten Abschnitt bis zu unserem Startpunkt müssen wir noch mal gegen den Strom arbeiten. Aber das paddeln wir routiniert weg. Fast schon wie die Profis. Tipps vom Fachmann Nachdem wir uns mit unseren Pølsern vom Grill wieder gestärkt haben, kommt noch mal unser netter Norweger von gestern in seinem E-Rollstuhl vorbei. Wir berichten, wie gut uns das Kajakfahren gefallen hat und auch er schwärmt von diesem Platz, der für ihn noch schöner als sein Wohnort am Meer sei. Besonders toll sei es im Winter, wenn der Fluss zufriere und dann die tollsten Geräusche mache, wenn das Eis knacke und knirsche. Ob sie denn viel Schnee im Winter hier hätten, frage ich. Seine Antwort: Nein gar nicht. Und zeigt mir mit der Hand dabei locker 50 Zentimeter Höhe an… Er gibt uns noch ein paar Tipps für die Weiterfahrt, wo es auch schön sein soll. Aber sein bester Tipp ist der, dem wir jetzt schon eine Woche folgen: Haltet einfach die Augen offen und folgt den kleinen Wegweisern…
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Durchs Kvinesdal Unsere Glückssträhne setzt sich fort. Heute hat der Wind nachgelassen und ein Frühstück im Freien ist nicht nur möglich, sondern Pflicht. Wir kosten unsere Zeit auf dem Campingplatz bis mittags aus und genießen auch heute noch mal die Stille und das entspannte Leben hier. Nach der Ver- und Entsorgung geht es dann los. Wohin, wohin? Wir sind ein bisschen zerrissen. Einerseits haben wir mit unserer „unbekannte Orte auskundschaften“-Strategie Blut geleckt. Andererseits gibt es ja westlich und nördlich von uns ebenfalls richtig tolle Orte zu sehen. Und drittens versuchen wir auch den Wetterbericht ein bisschen mit einzubeziehen. Denn das Wetter wird wohl ab der kommenden Woche deutlich schlechter. Und dann will man nicht unbedingt im Fjordland sein, wo sich der Regen gerne abregnet. Wir entscheiden uns für einen Mittelweg. Wir wollen uns in Richtung Küste bewegen, aber auch noch ein Tal erkunden, dass sich für uns vielversprechend anhört: das Kvinesdal. Achterbahn Auf dem Weg dorthin fahren wir über die RV42, eine der sekundären Verbindungsstraßen, wo es sich gut und (für norwegische Verhältnisse) flott fahren lässt. Was man auf der Karte nicht sieht: wie es permanent auf und ab geht. Also nicht hubbelig mal so, mal so. Sondern: richtig den Berg rauf und dann, gerne auch mal steil, wieder runter. Das Spiel wiederholt sich mehrmals, bis wir dann ins Kvinesdal abbiegen. Das haben wir uns ausgeguckt, weil in einem Reiseführer stand, dass es eine abenteuerliche Streckenführung gibt (sehr gut!) und zum anderen, weil am Ende, im Ort Knaben, ein aufgegebenes Bergwerk steht, was ganz pittoresk aussehen soll. Jettegrytene mal wieder Kurz nachdem wir ins Tal eingefahren sind, finden wir an einem wunderbaren See einen schönen Platz für eine Kaffeepause. Die können wir auch ganz gut brauchen, bevor wir uns ins Tal begeben. Dort gibt es mal wieder Gletschertöpfe, oder wie wir Norweger sagen: Jettegrytene. Diesmal sehen die Auswaschungen jedoch ganz anders aus als in Sild. Die Becken sind eher breit als tief und liegen auf der anderen Seite des an uns vorbeischäumenden Flusses. Aber sehr fotogen sind sie trotzdem. Und Annette und Elli natürlich auch… James Bond lässt grüßen Im weiteren Verlauf teilt sich die Straße. Die RV465 führt links der Kvina vorbei, hat aber auch ein Warnschild: 3,70 Meter Höhenbegrenzung und 2,40 Meter Breitenbegrenzung. Wir folgen mal lieber der Alternativroute rechts des Flusses und sehen nach ein paar Kilometern auch den Grund: Es gibt eine gar nicht mal so vertrauenerweckende schmale Brücke, die diese Beschränkung notwendig macht. Die müssen wir doch auf dem Rückweg dann mal ausprobieren! Am Wegesrand sieht man immer mal wieder die Kvina, die mal ruhig, mal steinig sprudelnd zu Tale fließt. Und am Talende sind wir dann platt. Ein richtiges Feriendorf steht hier! Wären die Häuser hier nicht typisch skandinavisch, würden wir fast glauben, wir seien in einem Skigebiet in den Alpen. Sessellift, Stausee und jede Menge Ferienhäuser. Alles da. Und dann ist da noch das Bergwerk. Es thront oberhalb des Dorfes und unterhalb sieht man eine richtig große Sanddüne. Es ist ein so abgefahrener Anblick, dass es mit ein bisschen Make-up die perfekte Location für den nächsten James-Bond-Bösewicht wäre. Unser Problem ist nur: damit hätten wir hier nicht gerechnet. Es gibt sogar so was wie einen Campingplatz, aber der ist erkennbar für Wintercamping gemacht und im Sommer eine so hässliche Schotterfläche, dass man da nicht wirklich stehen will. Und in der Nähe der Häuser Freistehen ist ein No-go. Wir kehren also dem Ort wieder den Rücken und müssen uns neu orientieren. Rückweg mit Aussicht Als Erstes probieren wir jetzt mal die Überfahrt über die schmale Brücke aus. Ich warte ein bisschen darauf, dass der Spiegel „plöp“ macht, aber es passt – vielleicht an jeder Seite 2 Zentimeter Platz müssen ja auch reichen… Unterwegs halten wir immer mal wieder an, um Fotos zu machen oder einen Platz auf Freistehmöglichkeit zu checken. Aber irgendwie haben wir diesmal kein Glück. Wir beschließen daher, nach Kvinesdal zu fahren, wo es einen Stellplatz im Zentrum geben soll. Der entpuppt sich dann aber als schnöder Parkplatz, auf dem die Womo-Plätze alle vergeben sind. Und so schön ist er nicht, dass wir uns als Alternative, wie schon einige andere Womos, auf eine reguläre Parkfläche stellen. Fjordblick Einen Pfeil haben wir noch im Köcher. Wenn wir der FV551 folgen, soll es noch einen Platz mit Aussicht auf den Fedafjord geben. Probieren wir aus! Es geht auf einer abenteuerlichen Straße mal wieder gut bergauf. Urig norwegisch! Als wir an dem Parkplatz ankommen steht dort schon ein deutsches Pärchen mit seinem gelb-weißen VW-Bus. Das MoMo passt aber noch in Nicht-Kuschelabstand dahinter. Und da die Aussicht wirklich nicht schlecht ist, freuen wir uns über unseren Schlafplatz für die angekündigte Regennacht.
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Momoblog am 25 Jul 2020 09:38:39
Am Ende der Mole Wir haben nachts ein Problem zu lösen. Gegen Abend hatte sich zuvor ein merkwürdiges, regelmäßig quietschendes Geräusch eingestellt. Mal etwas lauter, mal etwas leiser. Aufgrund des aufs MoMo-Dach prasselnden Regens konnten wir es aber nicht genau lokalisieren. Kommt es aus dem Doppelboden? Aus dem Bad? Vom Kühlschrank? Wir wissen es nicht. Und irgendwann sind wir zu müde, um uns weiter zu kümmern und haben uns auf eine Weise auch dran gewöhnt. Also ab ins Bett! Da kümmern wir uns morgen drum. Dumm nur, wenn man dann nachts um 2 Uhr von diesem Geräusch wieder geweckt wird. Und nicht mehr einschlafen kann. Und sich sicher ist, dass es der Kühlschrank sein muss, der so quietscht. Und sich ärgert, dass der nach ein paar Monaten einen Defekt hat. Und dann nur halb wach in seine Regenjacke schlüpft, um mal von draußen an den Kühlschrank-Lüftungsgittern zu lauschen. Und dann endlich festzustellen, dass das Geräusch nicht vom MoMo stammt, sondern irgendwo aus dem Wald auf der anderen Straßenseite kommt. Wir kommen uns schwer an unsere Episode mit der Geckomaus in den Alabama Hills erinnert vor. Kennt jemand ein Tier, dass nachts so regelmäßig mechanisch quietschende Geräusche macht, dass man diese für eine Maschine hält? Und wundersamerweise ist es, nachdem ich mit der Stirnlampe vergeblich in den Wald geleuchtet habe, für den Rest der Nacht still. Problem gelöst. Hin- und hergerissen Wir sind uns nicht ganz sicher, wie es weitergehen soll. Über allem schwebt der Wetterumschwung, der am Samstagabend wohl ziemlich drastisch sein soll. Starkregen und maximal 15° sind angekündigt. Wir wollen die sonnige Zeit also bestmöglich nutzen. Aber was heißt bestmöglich? Viel fahren und viel sehen? Oder an einem Ort bleiben und die Sonne genießen? Denn ja, nach dem Dauerregen in der vergangenen Nacht ist es morgens wieder sonnig. Wir könnten heute die Strecke Flekkefjord nach Egersund fahren, die ja allen Berichten nach ein Kracher sein soll. Aber auch die Insel Hidra südlich von Flekkefjord lacht uns an – Inseln gehören doch auf unseren Reisen zum Pflichtprogramm! Und dann gibt es ja auch noch die Halbinsel Lista zu erkunden, auf der wir uns gerade befinden. Hier soll es flache, weite Sandstrände geben, die man auf den ersten Blick so gar nicht mit Norwegen in Verbindung bringt. Sommerfrische Wir entscheiden uns für letzteres. Wenn uns Lista nicht gefällt, können wir danach immer noch Richtung Flekkefjord fahren oder Hidra aufs Programm setzen. Es wird überraschend. Denn zunächst ist die Landschaft noch eher norwegisch herb (und natürlich wunderschön). Aber nachdem wir unseren ersten Tunnel seit Langem durchfahren haben, sieht die Landschaft auf einmal viel sanfter aus. Und zusammen mit dem strahlenden Sonnenschein wirkt der Ort Vanse, den wir durchfahren, fast schon wie ein klassischer Badeort für die Sommerfrische. Wenige Kilometer weiter gibt es am Strand von Nordhasselvika den versprochenen Sandstrand, der sich in weitem Bogen in die Bucht schmiegt. Und wir müssen an dieser Stelle ein Geständnis machen: Wir sind durch die Bretagne und Schottlands Äußere Hebriden anscheinend offiziell versaut. So ultimativ kickt uns dieser Strand nämlich nicht, obwohl alles stimmt, was wir darüber gelesen haben: feinsandig, flach ins Wasser abfallend. Aber ein Zielpunkt, von dem wir das MoMo nicht mehr wegbewegen wollen, ist er nicht. Wir fahren weiter nach Borhaug, wo es am Hafen einen Stellplatz geben soll und wollen dann später mit dem Fahrrad zum Strand fahren. Tiefenentspannter Hafen Der Hafen befindet sich nur wenige Kilometer weiter in Richtung des Leuchtturms von Lista. Und er ist ein kleines Womo-Paradies, vor allem für die Rentner, die es sich hier im Schatten ihrer Markise gut gehen lassen. Denn es sind alle Versorgungsmöglichkeiten vorhanden und auch Strom, Waschmaschine, Trockner(!) und WLAN sind kostenlos. Das ist ja mal eine Ansage! Für so ein Kracherangebot ist es noch gar nicht so voll, auch wenn es noch früh am Mittag ist. Wir überlegen hin, wir überlegen her. Eigentlich gefällt es uns gut hier und gegen die Rundum-Sorglos-Versorgung hätten wir auch nichts einzuwenden. Aber irgendwas treibt uns weiter. Wahrscheinlich eine Ahnung. Nervenkitzel Mole Denn ein As haben wir noch im Ärmel. Es soll hier eine Möglichkeit geben, am Ende der Hafenmole zu stehen. Und das klingt ziemlich unglaublich, wenn man es sieht. Denn die Mole ist lang. 750 Meter lang. Und die befahrbare Fläche gute 3 Meter breit. Annette ist kategorisch dagegen, da auch nur draufzufahren. So blöd müsste man ja erst mal sein! Also, so wie ich. Mich reizt die Herausforderung und der tolle Stellplatz am Ende doch zu sehr, als dass ich es nicht versuchen würde. Während Annettes Fingerknöchel sich beim Hineinkrallen in den Beifahrersitz weiß färben, stelle ich vergnügt fest, dass das nun wirklich nicht schwer oder gar gefährlich ist und es unterwegs beruhigenderweise noch Ausweichstellen gibt. Easy! Hier bleiben wir! Am Ende der Mole steht ein pittoreskes Leuchtfeuer für die Hafeneinfahrt und es gibt eine geschotterte Fläche, wo man mit dem MoMo prächtig stehen kann. Erstaunlicherweise sind wir die einzigen, die sich hierhin verirren. Ob es doch noch einen Haken an der Sache gibt? Wir finden ihn zumindest nicht heraus. Die Stelle ist wirklich grandios: Hinter der Hafeneinfahrt sehen wir Motorboote, Surfer und Kiter ihre Runden drehen. Hinter der Mole glitzert das Meer und ein gekentertes Segelboot zeigt, dass es wohl auch tückisch sein kann, hier mit dem Schiff unterwegs zu sein. Wir stellen fest, dass das wohl genau das ist, was wir gerade gebraucht haben. Denn den Plan, mit den Rädern zum Strand zu fahren, verwerfen wir. Einfach in den Windschatten setzen, Sonne genießen, den Blick schweifen lassen. So einfach kann das sein! Belohnung zum Schluss Nachdem wir den Tag so sehr genossen haben, werden wir abends noch mal mit einer Fotosession am Leuchtfeuer belohnt. Es kann wirklich so einfach sein, uns glücklich zu machen. Wir können uns nichts Schöneres vorstellen, als genau das zu tun, was wir gerade machen.
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Momoblog am 27 Jul 2020 00:00:00
Verpasste Gelegenheiten Wir tun uns schwer mit dem Abschied von einem unserer Lieblingsorte dieses Jahres. Zu schön ist der Platz neben dem Leuchtfeuer. Vor allem bei dem immer noch ausgesprochen guten Wetter. Blauer Himmel, Sonnenschein, leichte Brise. Aber der Wetterbericht kündigt nichts Gutes an. Am Nachmittag soll es ungemütlich werden. Von daher machen wir dann doch alles reisefertig und fahren weiter in Richtung Flekkefjord. Shoppingzentrum Je näher wir an Flekkefjord herankommen, umso voller wird die Straße. Und als wir in Richtung Womo-Stellplatz abbiegen, sind da schon drei Womos vor uns. Das kann ja was geben! Was wir auf dem Stellplatz sehen, gefällt uns nicht so sehr. Was nicht heißt, dass es ein schlechter Stellplatz ist. Wohl eher im Gegenteil, wenn man sieht, wie viele Fahrzeuge hier stehen. Es gibt für jedes Womo die Möglichkeit, Tisch und Stühle rauszustellen – also schon mal kein Kuschelcampen. Dumm nur, dass man sich den Platz mit 60 anderen Wohnmobilen teilt. Denn ganz ehrlich: Will ich auf einer Fläche mit dem Charme eines Großparkplatzes stehen, wenn es in Norwegen so viele tollere Möglichkeiten gibt? Wir sind ganz erschlagen davon, dass es hier ein richtiges Einkaufszentrum gibt – so viele Menschen auf einmal haben wir zuletzt auf der Fähre gesehen! Nach einem kurzen Besuch des Outdoorladens und des Spar-Markts sind wir schnell wieder weg. Jetzt wird’s wild Auf den jetzt folgenden Streckenabschnitt sind wir sehr gespannt. Jeder Reiseführer schwärmt von der Strecke Flekkefjord-Egersund auf der FV44. Norwegen im Westentaschenformat solle das sein. Also mit allem, was Norwegen so besonders macht. Wir lassen uns überraschen. Die erste Überraschung ist gar keine: Natürlich haben sie alle recht: Das hier ist Norwegen pur. Es geht bergauf, bergab. Geheimnisvoll düstere Seen vor mächtigen Felswänden. Enge, manchmal abenteuerliche Straßenführung. Wir lieben es! Die zweite Überraschung: Hier ist total wenig los. Ich dachte, dass sich auf einer so fotogenen und sehenswerten Strecke und dem hohen Verkehrsaufkommen in Flekkefjord hier ein Womo an das nächste reiht. Ist aber nicht so. Im Gegenteil: Es ist verblüffend wenig los, sodass ich gemütlich fahren kann und nicht allzu häufig an den Rand fahren muss, um Pkws vorbeizulassen. Auf. Und wieder ab. Zwischendurch fahren wir kurz hinter einem Pärchen, das mit Fahrrädern die Nordsjøruta Richtung Stavanger befährt. Es lässt sich einfach nicht gefahrlos überholen. Und so kriegen wir ein bisschen ein Gefühl dafür, wie anstrengend es sein muss, diese Steigungen mit dem Rad zu bewerkstelligen. Hut ab! Verpasste Pausen Ein bisschen ist trotzdem der Wurm drin. Denn ich habe den schlechten Wetterbericht im Hinterkopf und habe darüber die eigentlich fällige Kaffeepause verdrängt, die man an wirklich schönen Stellen machen könnte – wenn man denn auf den Rastplatz abfahren würde und nicht immer haarscharf daran vorbeifährt und zu spät denkt: „Der wäre ja echt schön gewesen!“ Daher durchfahren wir auch das nett aussehende Städtchen Åna-Sira nur, bevor wir dann am Jøssingfjord endlich ein Plätzchen direkt am Fjord finden, wo es sich gut pausieren lässt. Mit Blick auf einen Fjord ist ja auch nicht schlecht. Direkt im Anschluss dann die nächste verpasste Chance: Zum Aussichtspunkt Helleren führt eine Schotterstraße, die ich Annette zuliebe aber gar nicht erst in Erwägung ziehe. Woraufhin sie mich nur verständnislos anguckt: „Hast du nicht gesehen, wie groß der Parkplatz da war? Und da waren doch die zwei Häuser, die unter die Felswand gebaut sind!“ Irgendwie ist heute der Wurm drin… Von der nächsten Aussichtsstelle können wir immerhin den Fjord von oben sehen. Ruhehafen Von dort ist es dann gar nicht mehr weit nach Sogndalstrand. Dort soll es gleich zwei Gelegenheiten geben, um sich am Hafen hinzustellen. Nach unserer guten Erfahrung von letzter Nacht wollen wir das gerne noch mal haben. Die Anfahrt ist vielversprechend. Durch ein kleines schnuckeliges Dorf und seine verwinkelte Straße kommen wir zum Hafen. Dort ist auch der Stellplatz. Nur leider mittlerweile mit einem eindeutigen Womoverbotsschild: 0-6 Uhr verboten. Schade, der Platz wäre echt super gewesen. Eine nette Norwegerin erklärt mir, dass es aber im Nachbarort Rekefjord ebenfalls einen Stellplatz gebe. Vielleicht würden wir dort ja Glück haben. Annette zeigt auf die Wohnmobile, die man am Ende des Hafens sehen kann: „Oder dort?“ Die Frau zuckt mit den Schultern: „Das ist ja wieder was anderes. Da sind ja keine Schilder.“ Wir werten das mal als „Das stört dort niemanden“ und erkunden unsere Möglichkeiten. Annette entdeckt eine kleine Lücke direkt neben einem Wasserfall. Ein feiner Platz mit Blick auf das Hafenbecken. Den nehmen wir doch gerne! Nachdem wir uns eingerichtet haben, kann ich noch genau eine halbe Stunde zum Fotografieren durch das Hafengelände stromern, bevor der Regen kommt. An dieser Stelle mal ein dickes Daumen-hoch für die norwegische Wetter-App yr.no. So eine App hätte ich gerne auch für Deutschland! Korrekt, superinformativ und noch dazu mit toller Benutzerführung. Für uns hat der Regen was Gutes: Es gibt ein frühes Abendessen! Annette improvisiert mit den in Flekkefjord gekauften Fischfrikadellen eine ausgesprochen leckere Burger-Variante. Und danach? Machen wir es uns im MoMo gemütlich!
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Momoblog am 27 Jul 2020 11:02:18
Ruhetag deluxe Der Wetterbericht hat ja so was von recht. Nachts schüttet es, morgens schüttet es. Kein Wetter, bei dem man gerne raus möchte. Außer dem Norweger, der mit T-Shirt und Shorts an uns vorbeigeradelt kommt. Brrr! Wir machen zunächst mal einen gehörigen Hüttenbrumm und erfreuen uns am trockenen MoMo und dem Ausblick auf die Boote im Hafen. Wir planen, wie es weitergehen soll. Der Wetterbericht für alles, was westlich von uns oder im Fjordland ist, sieht verheerend aus. Da hätten wir bis zur Abreise vielleicht mal 2 trockene Tage und ein bisschen Sonne. Ganz anders sieht es aus, wenn man nach Osten guckt. Ab Mittwoch wieder trocken und dann sogar ziemlich freundlich. Da fällt die Entscheidung leicht, dass Egersund morgen dann unser westlichster Punkt wird und wir von da an wieder Richtung Langesund fahren, von wo dann unsere Fähre nach Hirtshals fahren wird. Malerisches Sogndalstrand Annette macht sich trotz des Regens mit den Hunden ins Zentrum des Dorfes auf und kehrt mit vielen hübschen Fotos und der Auskunft, dass es ganz schön voll dort ist, zurück. Geheimtipp Rekefjord Die nette Norwegerin, die ich gestern wegen des Stellplatzes gefragt hatte, gab uns noch den Hinweis auf den Stellplatz im Nachbarort Rekefjord mit auf den Weg. Den wollen wir heute zumindest mal ausprobieren. Vielleicht ist der ja was. Wir fahren also 5 Kilometer in die nächste Bucht. Hier sieht es noch mal deutlich fjordiger aus als in Sogndalstrand. Und das ist auch bei diesem Trübwetter einfach nur schön. Wir fahren vorsichtig in die Straße am östlichen Seeufer, denn es sieht hier nicht unbedingt so aus, als würde da noch ein Stellplatz kommen. Es ist ein enges Sträßchen. Und als sich die Straße zwischen zwei Häusern durchquetscht und ein Tunnelwarnschild daneben auftaucht, stellen wir das MoMo erst mal kurz ab und erkunden den weiteren Verlauf sicherheitshalber zu Fuß. Nach 300 Metern sehen wir so etwas wie ein Hafengelände. Aber kein Hinweis auf einen echten Stellplatz. An einer Stelle, die aussieht wie ein Pier, ist eine norwegische Familie am Angeln. Ich frage nach, ob sie von hier seien und dies hier ein möglicher Stellplatz sei. Die Frau strahlt mich an und sagt „Ja, sicher! Natürlich könnt ihr euch hier hinstellen, das stört hier keinen.“ Als wäre es das normalste auf der Welt, wenn sich ein Wohnmobil an einen kleinen Hafenanleger stellt. Jetzt sehe ich auch das Plakat, dass man bitte mit der Go-Marina-Appbezahlen solle. Und da kann man in der Tat angeben, dass man kein Boot, sondern ein Womo ist, brav seine 125 Kronen zahlen und sich dann so hinstellen, wie man es sonst nur auf kitschigen Social-Media-Posts sieht: An drei Seiten von Wasser umgeben und mit Panoramablick auf die Fjordbucht von Rekefjord. Perfekt! Fjordschnuckelig Da der Regen gerade mal eine Pause eingelegt hat, mache ich mich auf Fototour. Unterwegs gibt es so viele schnuckelige Häuschen mit Rosenbeeten, eine halbverfallene Ruine und natürlich Ausblicke auf den Fjord. Herrlich! Und als ich wiederkomme, werde ich von einem dampfend heißen Kakao empfangen. So geht das! Besser als Fernsehen Den Rest der Zeit könnten wir getrost mit dem Blick aus dem Fenster verbringen. Mit den sich um eine Krabbe streitenden Möwen, den ein- und auslaufenden Booten oder den Joggern, Radlern und Anglern, die unseren Platz besuchen. Es gibt immer was Neues zu sehen. Da fällt der immer wiederkehrende Regen überhaupt nicht ins Gewicht. Es ist eher ein Ruhetag deluxe!
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Momoblog am 28 Jul 2020 09:18:29
Schwanz in Sicht Der Regen setzt sich fort. Und bis Mittwoch ist da keine Besserung in Sicht. Wir passen also unser Reiseverhalten an. Sprich: ausschlafen und gammeln. Man verpasst eh nicht viel. Erst gegen Mittag machen wir uns auf den Weg nach Egersund, dem westlichstem Punkt unserer diesjährigen Reise. Die Landschaft ist auch hier wieder sehenswert, aber das trübe Wetter macht sie nicht so fotogen, wie sie eigentlich ist. Und wir sind froh, dass wir den deutlich spektakuläreren Teil der Strecke Flekkefjord-Egersund mit seinen Engstellen und Steigungen noch bei besserem Wetter sehen durften. Shoppen in Egersund In Egersund machen wir Station, um traditionell im Sport Outlet zu shoppen. Langjährige Leser wissen Bescheid: Wir können nicht an uns halten, wenn wir dort sind, weil die Preise erstaunlicherweise günstiger als in Deutschland sind. Ich glaube, es gibt nicht viele Dinge, die billiger als bei uns sind. Aber im Draußen-was-machen-Land Norwegen sind Outdoorprodukte erstaunlich preiswert. Wir müssen gestehen: Außer der Brücke vom Parkplatz zum Einkaufszentrum haben wir von Egersund dann auch nicht viel gesehen… Familientrip zum Penis Nördlich von Egersund gibt es eine geologische Kuriosität, die wir uns nicht entgehen lassen wollen. Der Trollpikken hört sich auf Norwegisch doch sehr niedlich an. Die englische Version, der Troll Dick, kommt einem bekannter vor und wenn man dann weiß, dass ein Pikken ein Schwanz ist, kommt man der Sache schon näher. Aber der Fels, zu dem hier alle hinlaufen, ist definitiv nicht mehr jugendfrei. Der hat Viagra bis zum Abwinken genommen und ragt stramm in die Höhe. Und anscheinend ist es in Norwegen ein fröhlicher Familienausflug, gerne auch mit kleinen Kindern, sich diesen steinernen Ständer zusammen anzugucken. Also prüde sind sie nicht, die Norweger! Matschepampe Vom Weg dorthin sind wir zunächst überrascht. Eine Fahrstraße? Das ist aber nicht sehr norwegisch. Ach, hätte ich bloß den Mund gehalten. Denn als der Weg dann doch querfeldein geht, wird es eine rechte Matschepampe, durch die wir uns bei leichtem Regen die Höhenmeter zum Trollpikken emporarbeiten. Und Regen und Wind werden gefühlt mit jedem Meter mehr. Nicht so ganz gemütlich. Als wir den Steinpenis schließlich erreicht haben, sind wir etwas unterwältigt. Er ragt zwar, wie versprochen, angemessen steil empor. Aber das Wetter lädt jetzt nicht wirklich dazu ein, coole Dickpics zu schießen. Zum einen wegen der grauen Suppe, zum anderen möchte man nicht den steilen, matschigen Zugang zum Schwanz machen, um dort oben vom Wind weggepustet zu werden. Obwohl: Mit der Schlagzeile „Blöd-Tourist stürzt von Trollpenis“ kommt man sicher in die Bild-Zeitung, oder? Wildes Gyadalen Wir fahren weiter durch das Gyadalen ins Sirdal. Die Strecke erinnert uns ein bisschen an die Fahrt durchs Glencoe in Schottland. Nur mit dem Unterschied, dass hier die Straße besser und der Verkehr geringer ist. Was bedeutet: mächtige Berge links und rechts, ein wild sprudelnder Fluss neben der Straße und graues Wetter. Wir sind trotz des Dauerregens begeistert. Und als wir an die Terland-Klopp-Steinbrücke kommen, hat der Regen sogar mal ein Einsehen und wir können für einen kleinen Fotostop aussteigen. Aber kurz darauf wird der Regen stärker und stärker und als wir in Tondal, unserem Zielort ankommen, regnet es so ordentlich, dass wir gerne auf einen Abendspaziergang verzichten. Aber der Stellplatz direkt am Sirdalsvannet ist super. Zwar keine Facilities, aber asphaltiert und recht eben. Unsere einzige Sorge: Dass der Dauerregen den See zum Überlaufen bringt…
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bonjourelfie am 28 Jul 2020 14:22:09
Was ihr alles so entdeckt...tssstsss! Danke fürs Teilen und weiterhin schöne Entdeckungen.
LGElfie
Momoblog am 30 Jul 2020 10:36:52
Regensee Es pladdert. In der Nacht so unaufhörlich und heftig, dass Elli sich wohl an das Unwetter in Torla erinnert und kläglich um unsere Aufmerksamkeit jammert, damit wir sie vor dem Regen beschützen. Das ist jetzt der Teil an einer Norwegenreise, der immer leicht nervt. Die Tage, in denen das Thema Regen, Regen oder Regen lautet. Aber für morgen ist Besserung angesagt und wir beschließen, noch eine weitere Nacht auf unserem Platz in Tonstad zu bleiben. Nicht, weil er so schön ist, sondern so praktisch. Der asphaltierte Untergrund sorgt dafür, dass wir nicht wegschwimmen und Annette mit den Hunden gut ihre Gassirunden drehen kann. Und die Lage am See sorgt dafür, dass man was zu sehen hat. Wetterkapriolen Wir können hier nämlich immer schon 5 Minuten vorher verlässlich sehen, was uns als nächstes Wetterereignis erwartet. Denn die Regengebiete ziehen von Süden nach Norden und so sehen wir auf dem See schon von Weitem, was kommt. Die weiß-graue Wand zieht zuverlässig auf uns zu, hinterlässt eine nasse Spur und verschwindet in Richtung Norden. Und mit ein bisschen Glück ist dann sogar ein Regenbogen zu sehen. Abgesoffenes Boot Unser spannendstes Ereignis des Tages ist eine Rettungsaktion für ein durch die Regenmengen abgesoffenes kleines Motorboot. Wir wundern uns noch, warum da in kurzer Zeit zwei Pkws in flottem Tempo vorfahren. Es stellt sich heraus, dass wohl eine Art Hafenwacht, bestehend aus 2 Männern in orangen Westen, kontrolliert hat, ob alle Boote noch okay sind. Und die haben festgestellt, dass ein Boot schon ziemlich Schlagseite hatte und den Eigner angerufen. Wir beobachten gespannt, wie sie zu viert das Boot stabilisieren, sodass man genug Wasser herausbekommt und das Schiff Zentimeter für Zentimeter wieder auftaucht. Kurzer Spaziergang In einer Regenpause machen wir einen Erkundungsgang in die „Stadt“. Also eigentlich gehen wir nur zum zentralen Extra-Supermarkt und in die Tourist-Information, die sich in einer Bibliothek befindet und aus einem Tisch mit ausgelegten Flyern besteht. Immerhin finden wir dort Tipps mit vielversprechenden Wanderungen für den morgigen Tag. Aber für heute ist dann nur noch Gammeln im MoMo angesagt. Ganz unspektakulär.
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Momoblog am 30 Jul 2020 10:37:56
Hochwasserfall Wir sind froher Hoffnung. Nach dem Aufwachen ist doch tatsächlich der Himmel blau und es sieht so aus, als würde die Sonne endlich zurückkommen. Na ja, fast. Denn bis wir aufbruchbereit sind, im Supermarkt eingekauft, an der Tankstelle getankt und vier- und entsorgt haben, ist der Regen wieder am Start. Nicht so heftig wie in den letzten Tagen, aber langsam nervt es. Aber in jedem Ying steckt auch ein Yang. Und dieses Yang wird uns heute viel Freude machen. Durch die anhaltenden und starken Regenfälle ist die Sira, der Fluss, der sich durch das Sirdal schlängelt, zu einem breiten und an den Engstellen reißenden Strom geworden. Es ist mehr als beeindruckend, mit welcher gewaltigen Kraft das Wasser hier durchströmt. Und es ist auch mächtig Landunter. Manchmal sehen wir sogar regelrecht kleine Wäldchen abgesoffen unter den Wassermassen. Wow! Dorgefoss Als wir die Steigung zum Dorgefoss hochfahren stockt uns kurz der Atem: Was ist denn hier los? Ein lautes Getöse, Wasserschleier über dem Tal und Gottseidank ein guter Parkplatz - die waren nämlich auf dem bisherigen Stück eher rar gesät. Wir sind uns ziemlich sicher, dass das im Moment wirklich viel Wasser sein muss, was hier zu Tal stürzt. Denn sonst würde dieser Wasserfall sicherlich in allen Reiseführern im Pflichtprogramm stehen. Wie sich das Wasser hier schäumend und tobend seinen Weg sucht ist wirklich absolut beeindruckend. Vor allem, weil man so unfassbar nah dran ist. Meine Kamera läuft heiß! Wir haben wirklich schon tolle Wasserfälle in Norwegen gesehen, aber dieser hier gehört zu (zumindest mit diesen Wassermengen) meinen absoluten Favoriten. Und das will ja was heißen, weil wir auch schon unter einem Wasserfall geduscht oder einen hintergangen haben. Oder den höchsten unregulierten Wasserfall Norwegens bestaunt haben. Geplatzte Wanderpläne Wir halten uns lange an diesem tollen Wasserfall auf. Vielleicht zu lange? Denn als wir am Wanderparkplatz für den Storeknut ankommen, zieht es sich zu. Die Wanderung zum Storeknut sollte eigentlich unser zweiter Knuten auf dieser Reise werden. Nach der fantastischen Wanderung zum Lindeknuten haben wir da richtig Lust drauf. Das Problem: Es bleibt nicht beim Zuziehen, alsbald schüttet es wieder mal wie aus Kübeln. Och nööö! Wir schreiben die Wanderung ab und trinken stattdessen erst mal einen Kaffee. Und kommen dann doch wieder mal arg ins Staunen über die Norweger. Neben uns parkt ein Auto und eine Norwegerin macht sich in aller Seelenruhe wanderfertig und stiefelt tatsächlich im strömenden Regen hoch zum Storeknut. Was sind wir doch für Pussies! Aber so ganz geben wir nicht auf. Als Plan B wollen wir eine Uferwanderung entlang der Sira machen, die in Kvæven am Fjellmuseum losgehen soll. Und da der Regen nur noch tröpfelt wollen wir jetzt beweisen, dass uns so ein bisschen Regen ja schließlich auch nicht abhalten kann. Wir stiefeln also los und schon auf den ersten Metern gibt es durch das tolle, düstere Licht jede Menge Fotomöglichkeiten. Aber nach 500 Metern endet unsere Wanderung abrupt. Wir sollen hier nämlich die Sira auf einer Brücke überqueren. Das sollte man wohl im Moment lieber mal sein lassen... Aber auch hier ergeben sich natürlich wieder tolle Gelegenheiten zum Fotografieren und die Kamera läuft heiß. Wann sieht man schon mal einen Golfplatz unter Wasser? Grandioses Fjell Etwas frustriert, dass es auch heute wieder nichts mit der Bewegung wird, fahren wir weiter in Richtung Byglandsfjord. Auf der Karte sieht das aus wie ein kurzes Verbindungsstück vom Sirdal zum westlich gelegenen Tal der Otra. In Wirklichkeit wird es ein Highlight unserer Reise. Dieser Abschnitt auf der RV45, einem Teil des Suleskarvegen führt nicht einfach von A nach B. Es geht erst mal einen Pass bergauf. Und auf dem Fjell angekommen, geht es dann auf einer allenfalls 1-½-spurigen Straße bergauf und bergab, dass es eine reine Freude ist. Und noch viel besser wird es, wenn der Regen nachlässt und dann sogar mal die Sonne durchkommt und einzelne Stellen beleuchtet. Das ganze vor dem eher dunklen Himmel ist ganz, ganz großes Norwegenkino! Und als wäre der Grandiositätsfaktor nicht ohnehin schon am Anschlag, spendiert uns die Natur noch einen Regenbogen am Ende der Straße. Was kommt denn noch? Na ja, wie wäre es mit einem Blick hinab ins Tal mit einem Panorama das durchaus auch in den Yosemite-Nationalpark in den USA passen würde? Entspannendes Setesdal Nach so viel Sinneseindrücken sind wir regelrecht dankbar, als wir im Setesdal auf die RV9 in Richtung Norden abbiegen. DIe Straße ist bestens ausgebaut, so dass man tatsächlich mal mit 80km/h und eingeschaltetem Tempomat cruisen kann. Die Landschaft ist immer noch mehr als toll und auf die kargen Steinwände zur linken sind geschmackvoll zwei Wasserfälle drapiert. Einfach so. Weil sie das halt können mit der Landschaftgestaltung in Norwegen. Hinter Valle finden wir dann den Picknickplatz Honnevje vor, wo sich die Otra in zwei Teile teilt. Schon wieder mächtig viel Wasser! Wir beschließen, dass dieses Spektakel dann ganz gut zu unserem Hochwassertag passt und parken das MoMo am Rand des Flusses. Wäre aber wirklich besser, wenn der Regen, wie vom Wetterbericht angekündigt, jetzt endlich aufhört. Denn sonst kriegen wir in der Nacht nasse Füße!
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Momoblog am 30 Jul 2020 22:58:27
Flechtensteine Wir befinden uns jetzt langsam aber sicher auf dem Heimweg. Von jetzt an geht es nach Süden. Und so wie es aussieht, für die letzte Woche wieder mit deutlich besserem Wetter. In Rysstad fragen wir im Fjellmuseum, ob wir wieder Wanderempfehlungen kriegen. Die sind nämlich oft auf einem Abreißblock erhältlich und enthalten dann einen Kartenüberblick und eine kurze Beschreibung. Beim ausgelegten Infomaterial finden wir sie nicht, aber auf eine Nachfrage holt sie ein älterer Norweger aus dem Schrank – die werden wohl nicht allzuoft nachgefragt... Wir haben die Wahl zwischen einer Wanderung oberhalb von Rysstad oder auf einer Skiloipe im Wintersportgebiete von Brokke. Wir entscheiden uns für Letzteres. Was uns nicht so ganz klar war: Dafür müssen wir fast die ganze Steigung des Suleskarvegen wieder hinauf fahren. Und landen gegenüber vom Alpinsenter in einer durchaus üppigen Ansammlung von Ferienhütten. Scheckige Steine Unser erster Anlauf zum Wandern endet nach wenigen Metern. Die auf der Karte eingezeichnete Brücke existiert nicht mehr so wirklich. Obwohl, man könnte schon noch drüber kommen... Im zweiten Anlauf kommen wir dann aber wirklich zur Loipe. Die weist im Sommer ein paar Besonderheiten auf. Zum einen läuft man über Brücken mit absurd hohen Geländern. Erst mit ein bisschen Nachdenken kommen wir drauf: Im Winter ist man dort halt 50 cm höher unterwegs! Zum anderen ist dies der unnorwegischste Weg, den wir auf dieser Reise erwandern. Breiter als manche Straße, die wir unterwegs schon mit dem MoMo benutzt haben, kommt irgendwie kein rechtes Norwegenfeeling auf. Wobei wir auch hier wieder etwas Neues entdecken. Es gibt hier ganz eigenartig gescheckte Steine. Sie haben rötliche Flecken, gelbe Flechten und etwas, das wie kleine schwarze Äderchen aussieht. Inmitten der schrillgrünen Sumpfgräser und Moose ist das wirklich ein außergewöhnliches Farbenspektakel. Es sieht teilweise so aus, als hätte die Natur den Sättigungsregler in der Farbbearbeitung auf Anschlag gestellt. Aber alles in allem fühlt sich das weniger wie eine Wanderung an, sondern eher wie ein verlängerter Spaziergang um die Talsperre zuhause. Wenngleich das umgebende Panorama dann doch etwas beeindruckender ist. Breites Setesdal Unsere Abfahrt ins Setesdal bringt eine Neuerung mit: Annette schafft es, wie versprochen, nicht im Sitz nach unten zu rutschen und dauernd „Motorbremse!“ einzufordern. Vielleicht sollten wir alle steilen Abfahrten einfach zweimal machen – der Gewöhnungseffekt scheint zu wirken. Auch in Richtung Süden ist die FV9 eine breit ausgebaute Straße, auf der man die Höchstgeschwindigkeit auch mit dem MoMo mal erreichen kann. Fühlt sich alles so an, als würde man durch die kanadische Wildnis fahren. Am Reiårsfossen machen wir kurz Station. Auch hier sind es gewaltige Wassermassen, die den Berg hinunterströmen. Aber im Gegensatz zu gestern ist das zu groß und zu weit weg, als dass man das wirklich fassen und verarbeiten kann. Tankstellen-Verwirrung Auf dem Weg zum Südende des Byglandsfjords kommen wir zu einer Tankstelle mit dem erträglichen Preis von 1,25 €, wo wir volltanken, um das Thema für Norwegen abhaken zu können. Denn Tanken in Norwegen ist wirklich ein Lotteriespiel. Wir haben Preise im Korridor von 1,05 € bis zu 1,45 € gesehen. Und anders als bei uns kann man nicht wirklich vorhersagen, an welchem Ort, zu welcher Zeit und in welcher Frequenz sich hier die Preise ändern. Es gibt teure Tankstellen bei Supermärkten und billige Markentankstellen. Man zahlt viel in einer größeren Stadt mit gut frequentierten Tankstellen, aber wenig in der Pampa. Oder natürlich auch alles gerne umgekehrt. Alles schon gesehen. Wir haben bis jetzt bei jedem unserer Norwegenbesuche versucht, da eine Gesetzmäßigkeit herauszufinden, sind aber jedesmal gescheitert. Oder hat jemand von euch da irgendeinen nachvollziehbaren Hinweis für uns? Luxus Camping Für die kommenden 2 Tage gönnen wir uns einen echten Campingplatz. Der Neset-Campingplatz ist nach übereinstimmender Meinung hierfür genau das richtige. Ein ausgesprochener Wohlfühlcampingplatz soll dieser Platz am südöstlichen Ende des Byglandfjords sein. Eine Besonderheit ist die kleine Landzunge, auf der es halbkreisförmig verteilte, asphaltierte Stellplätze mit Grasfläche daneben gibt. Da wir um 15 Uhr ankommen, haben wir noch ein bisschen Hoffnung, einen davon zu ergattern. Wir drehen also eine langsame Runde mit dem MoMo und halten die Augen offen. Aber alles besetzt oder reserviert. Mist. Aber bei einem Stellplatz, an dem ich schon vorbeigefahren bin, da ein Zelt daneben steht, ruft Annette „Stop!“ und fragt bei den Zeltbewohnern nach. Und sie hat das richtige Näschen: Das Zelt gehört nämlich zum Nachbarplatz und es gibt in der zweiten Reihe auch noch einen Platz für uns. Hurra! Wir genießen es sehr, nach den vergangenen Regentagen mal wieder Tisch und Stühle aufzubauen. Und als wäre es geplant, kommt auch die Sonne mehr und mehr zum Vorschein, sodass wir nachmittags dann unter einem nahezu vollständigen blauen Himmel sitzen. Das heißt: Ich sitze und Annette wirbelt durchs MoMo, um alles auf Vordermann zu bringen. Eigentlich wollten wir auch noch mit den Booten aufs Wasser. Aber der zwischendurch recht starke Wind zaubert weiße Schaumkrönchen aufs Wasser. Da verschieben wir das besser mal auf den nächsten Tag! Abends machen wir dann erst eine Erkundungsrunde über den Campingplatz und sind wirklich überrascht, wie riesig das Gelände ist. Die hier überall herumhoppelnden Kaninchen sind ja äußerst putzige Rasenmäher. Aber wenn man mit zwei Hunden unterwegs ist, kann das auch ganz schön anstrengend werden… Wir lassen uns aber nicht davon abhalten, uns über den klaren Himmel und zur Abwechslung heute mal über einen Mondaufgang zu freuen.
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bonjourelfie am 31 Jul 2020 14:56:43
Eure Schlechtwetterbilder von gestern sind sooo schön, ich glaub ich fahr nur noch bei Regen nach Norwegen! Stattdessen muss ich gleich bei Sonne mein diesjähriges erstes Bad in einem schwedischen See nehmen!! Ach, ich liebe ganz Skandinavien...
LGElfie, die seit heute in Schweden ist
Momoblog am 01 Aug 2020 22:36:25
Paddelsommertag Was wir heute erleben, ist unser erster richtiger Sommertag. Also, schöne Tage hatten wir ja schon viele. Sonnige auch. Aber ein schöner, sonniger und warmer Tag fehlte uns bis jetzt noch in der Sammlung. So ein Tag, wo man sich freut, dass man auch mal in den Schatten darf. Wo Sonnenbrandgefahr besteht. Dieser Tag war heute. Der Wetterbericht hatte ihn schon angekündigt und für uns ist es eine willkommene Gelegenheit, die Kajaks aufzubauen und auf den See hinauszuschippern. Im Gegensatz zu gestern hat der Wind nachgelassen und wir fahren über eine nahezu windstille, glatte Wasseroberfläche. Die einzige Herausforderung, die es gibt, sind die Wellen, die die vorbeifahrenden Motorboote erzeugen. Wobei wir uns wundern: Für einen so populären Urlaubssee (ein Mitcamper sprach gestern vom Gardasee Norwegens) ist auf dem Wasser erstaunlich wenig los. Und was uns wirklich überrascht, ist das völlige Fehlen von Segelbooten. Ob man als Segel-Norweger, der was auf sich hält, natürlich wie ein Wikinger auf dem Meer unterwegs ist? Wetten, dass…? Es macht richtig Spaß, mit den Kajaks über den Byglandsfjord zu gleiten. Wir haben uns eine Insel am fern gegenüberliegenden Seeufer als Ziel ausgeguckt. Unterwegs zeigt Annette auf ein Haus, was wir etwas weiter rechts von dieser Insel auf einer Anhöhe sehen können. Annette ist sich todsicher: Das ist auch eine Insel. Ich bin schlau und checke das mal eben am Handy: Nein, am rechten Seeufer gibt es keine Inseln. Annette lässt aber nicht locker: „Wetten?“ Ich, siegesgewiss: „Na klar!“ Ehrlicherweise sage ich ihr, dass ich das fachmännisch am Handy überprüft habe. Wir wetten trotzdem. Lakritzeis gegen Salzkaramelleis. Und je näher wir dem Haus kommen, umso mehr dämmert mir, dass ich bestimmt kein guter Kapitän wäre. Denn es ist natürlich eine Insel, die nur etwas weiter rechts von unserer ursprünglich angepeilten Insel liegt, sich aber eben immer noch auf der linken Seeseite befindet... Wir umrunden die Insel, die laut Google Maps Sinesøya heißt, und beneiden ein wenig (nur ein wenig) die Leute, die das Haus auf der Insel bewohnen. Denn es sieht an diesem Sonnentag aus wie das perfekte Urlaubsparadies. Die Kinder spielen auf den flachen, sanft ins Wasser absinkenden Felsen und springen gelegentlich ins Wasser, die Eltern sitzen gemütlich am Tisch vor dem Haus. Und Blaubeeren sammeln kann man im Zweifelsfall dort auch noch. Miniinsel für uns Bei der Umrundung von Sinesøya müssen wir übrigens gut aufpassen. Denn die riesigen flachen Felsen liegen teilweise tückisch nur wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Was aber mit gutem Hingucken kein Problem darstellt: Das Wasser ist glasklar. Direkt neben Sinesøya gibt es eine kleine Miniinsel. Gerade groß genug, dass es ein paar Bäumchen, Heidekraut und Moose darauf gibt, aber so klein, dass man sie mit wenigen Schritten durchmessen hat. Ideal für ein kleines Picknick. Und für Elli, die nach einer Stunde stillsitzen erst mal ihre dollen 5 Minuten kriegt und wie ein Berserker eine Runde nach der anderen dreht, um sich mal auszupowern. Danach findet sie die Insel aber genauso gemütlich wie wir. Wir gehen an Land und genießen diesen kleinen Ort, der für eine Stunde nur uns gehört. Da das Wasser im Byglandsfjord angeblich das Wärmste in ganz Norwegen ist, haben wir das für euch mal getestet. Nun ja. Es ist vielleicht wärmer als eisig, aber kälter als warm. Was es in jedem Fall ist: mordsmäßig erfrischend! Sonnenbad Nachdem wir die guten 2 Kilometer wieder zurückgepaddelt sind, merke ich, dass das Paddeln Muskelgruppen beansprucht, die ich wohl noch ausbauen sollte... Jetzt ist erst mal ausruhen angesagt. Und es passiert etwas, was wir auf dieser Reise so auch noch nicht hatten: Es ist wirklich so sonnig und so heiß, dass wir nach einiger Zeit auch gerne etwas Schatten haben möchten. Und daher kommt das erste(!) Mal, seit wir das neue MoMo haben, die Markise zum Einsatz. Ein bisschen blöd ist nur, dass die Sonne schon so weit rum ist, dass der dadurch gewonnene Schatten eher minimal ist. Aber besser als nichts. Abendfrieden Abends schmeißen wir dann noch mal den Grill an. Wir haben nämlich eine neue Entdeckung gemacht. Man kann im Supermarkt Fischburger kaufen, die wirklich nach richtig gutem Fisch schmecken. Angeblich mit 85 % Fisch. Und wenn man reinbeisst, glaubt man das auch. Sehr lecker! Auf der abendlichen Hunderunde komme ich noch dazu, eine Besonderheit vom Neset-Campingplatz abzulichten. Es wimmelt hier nämlich von Kaninchen. Das waren ursprünglich mal Hauskaninchen. Die sind dann angeblich aber irgendwann mal ausgebüchst und haben sich dann vermehrt wie die... Kaninchen. Und jetzt findet man sie verteilt über den ganzen Campingplatz. So scheu, dass sie sich nicht anfassen lassen, aber so entspannt, dass sie sich gerne auch mal langgestreckt unter ein Auto legen. Man hat den Eindruck: Das sind hier die wahren Hausherren. Da der Wind abends dann doch wieder empfindlich kühl wird, geben wir unseren Plan für eine Mondscheinpaddelrunde auf und packen die Kajaks wieder ein. Und wie das dann so ist: Pünktlich zum Sonnenuntergang lässt der Wind doch wieder etwas nach und diese tolle Sonnenuntergangsstimmung hätten wir dann doch gerne auf dem Wasser erlebt.
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Momoblog am 02 Aug 2020 16:25:38
Back to basic Eine merkwürdige Nacht liegt hinter uns. Irgendwo auf dem Campingplatz wurde gefeiert. Sehr lauthals. Auch noch um 3 Uhr nachts. Zu unserem Glück so weit weg, dass wir nicht bei jedem „Hey!“ senkrecht im Bett stehen, aber auch so, dass man nicht wirklich ruhig schläft. Wir wissen schon, warum wir gerne irgendwo im Nirgendwo stehen. Entsprechend verschlafen und spät kommen wir in die Gänge. Dabei steht doch heute eigentlich eine coole Wanderung auf unserem Programm. Hinauf zum Årdalsknapen, einem Berg oberhalb des Campingplatzes. Wir wollen noch einen zweiten Lindeknuten entdecken. Etwas zu steil Es startet ideal. Die Wanderung beginnt direkt am Campingplatz, sodass wir das MoMo nicht mal bewegen müssen. Aber dann geht es sofort steil bergauf. Also: steil. Und das ganze verbunden mit dem norwegischsten aller Wege: Stock, Stein, steil, schmal. Puh! Wir kommen schon auf den ersten 500 Metern ganz schön aus der Puste. Nachdem wir uns noch mal 500 Meter weiter nach oben gearbeitet haben, kommen wir an eine Stelle, die kribbelig ist. Feuchte, glitschige Felsen oder matschiger Waldboden und steile Schrittfolgen. Kann man machen. Muss man aber nicht. Denn bis hierher hat uns der Weg nicht wirklich begeistert und die Vorstellung, dieses steile Stück zum Schluss nach einer ordentlichen Wanderung mit Puddingbeinen noch zu machen, reizt uns jetzt auch nicht wirklich. Wir kehren um. Schöne Aussicht Für den Rückweg wählen wir eine etwas weniger steile Variante, die 300 Meter südlich des Campingplatzes auf den See trifft. Und schwuppdiwupp sieht es wieder anders aus. Der Weg ist bei Weitem nicht so unwegsam und wir können sogar ein kleines Picknick machen und den Blick auf Camping und See genießen. Reicht uns. Als wir am See ankommen, studieren wir das Wanderschild und können nur bestätigen: sehr anspruchsvoll. Abfahrt Von dem knappen Stündchen sind wir trotzdem gut durchgeschwitzt. Nachdem wir uns noch mal geduscht haben, brechen wir unsere Zelte am Byglandsfjord ab. In Evje frönen wir noch mal unserer Sport-Outlet-Sucht und frischen unsere Vorräte auf. Für uns schließt sich hier ein Kreis, denn vor einer guten Woche sind wir hier auf dem Weg ins Kvindesdal schon mal vorbeigekommen. Ein sicheres Zeichen, dass sich die Reise dem Ende nähert. Drifter Wir sind auf der Suche nach einem Platz für die kommende Nacht, der ungefähr auf halber Strecke Richtung Lillesand liegt. Denn in Lillesand und den anderen Orten am Meer in Richtung Langesund soll es noch ein paar Tage Sommer geben. Richtung Westen: eher nicht so. Heute wollen wir noch nicht ganz so weit kommen. Wir fahren die sehr entspannte FV 9 entlang mehrerer Seen Richtung Süden. Auf Höhe von Skarpengland biegen wir ab und finden immer häufiger die merkwürdigen kreisrunden oder wellenförmigen schwarzen Spuren auf der Fahrbahn. Das Driften, bei dem dieser schwarze Reifenabrieb entsteht, gehört in Skandinavien irgendwie zur Folklore dazu. Immer wieder sieht man die Spuren auf der Straße. Aber so extrem und gehäuft wie gerade hier haben wir es noch nie gesehen. Da gibt es regelrechte Pirouettenkreisel oder sehr gleichmäßige Schlangenlinien. Es hat fast schon etwas Kunstvolles. Wer sich für so was interessiert: Besser (und häufiger) als hier in Skarpengland wird es wohl nicht mehr. Seecamping Hinter Skarpengland wird die Straße zu einsam, dass sich das Driften hier wohl nicht mehr lohnt. Wir werden aber mit einer wieder etwas anders aussehenden Landschaft belohnt. Alles wirkt hier etwas beschaulicher und nur noch gezähmt wild. Aber es ist immer noch unverkennbar Norwegen. Wir landen schließlich auf dem Bjønndalen Campingplatz. Der Kontrast zum Platz in Neset könnte gar nicht größer sein. Statt des großen Byglandsfjord gucken wir auf den sehr übersichtlichen, aber trotzdem schönen See Løyningsvannet. Statt Asphalt haben wir Gras unter den Rädern. Statt Trubel, Party und Kindergejauchze gibt es gerade mal 20 Plätze. Und die Wahrscheinlichkeit, dass wir hier eine Mutter wie am Sandkasten in Neset sagen hören „Claude-Jean-Pierre, das machen wir nicht, mit der Schippe auf den Kopf hauen!“ ist auch eher gering. Trotz fehlendem Luxus fühlen wir uns wohl. Anscheinend sind diese kleinen, familiären, beschaulichen Plätze eher was für uns. Und als ich abends beim zahnreduzierten, freundlichen Platzwart Alf unsere 150 Kronen bezahle, fühlt sich das sehr nach guter alter Zeit an.
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Momoblog am 03 Aug 2020 08:53:59
Tømmerrenna In der Nacht hat uns diesmal ein Tropfgeräusch auf Trab gehalten, von dem wir nicht sagen konnten, woher genau es kommt. Auf jeden Fall nicht aus dem Wasserhahn. Erst, als den Ausgleichskeil unter dem Vorderrad wegnehme, dämmert es mir. Es kommt nämlich ein Schwall Wasser vom Dach hinunter. Anscheinend waren wir so perfekt ausbalanciert, dass das Regenwasser vom Dach nur tröpfchenweise abfließen konnte. Vorzugsweise, wenn man sich im Alkoven umdreht. Sachen gibt’s! Sensationelle Zufallsentdeckung Auch heute wollen wir wieder ein paar Kilometer Richtung Meer machen. Auf dem Weg auf einer kleinen Nebenstraße fällt uns auf, dass hier viele Autos geparkt sind und sich Familien auf einen Ausflug begeben. Komisch, wir hatten doch gar nichts über eine große Attraktion in dieser Ecke gelesen? Am Kraftwerk des Steinfossen wenden wir kurzentschlossen, fahren die paar Meter zum größeren Parkplatz zurück und machen uns bereit für einen kleinen Spaziergang, um uns den Wasserfall anzugucken, zu dem hier anscheinend alle laufen. Nachdem wir die Brücke überquert haben, sehen wir sowohl Fluss als auch Wasserfall. Aber weder die schäumende Otra noch der aus dem Berg sprudelnde Wasserfall sind der Star. Das ist hier die hölzerne Tømmerrenna (Flößerrinne) von Vennesla, die neben dem Fluss entlang führt und heute nicht mehr zum Flößen von Baumstämmen aus dem Hinterland benutzt wird, sondern eine 1a-Touristenattraktion ist. Denn in der hölzernen Rinne läuft man ca. 4 Kilometer flussaufwärts. Was eine abgefahrene Wanderung Am Anfang einigen wir uns darauf, dass man das ja auch mal gemacht haben muss und wollen nach der ersten Biegung bald wieder umkehren, da wir ja nur auf einen Mini-Fotostop eingestellt sind. Aber daraus wird schnell mehr, weil es einfach zu verlockend ist, sich bei dem prächtigen Wetter, das wir heute haben, auch noch den nächsten Ausblick zu gönnen. Und den nächsten. Aber jetzt drehen wir um? Boah, hast du die Brücke gesehen? Weiter! Wir geraten regelrecht in einen Sog, der uns immer nach dem nächsten Ausblick gieren lässt und werden von den abwechslungsreichen Ausblicken, der faszinierenden, an manchen Stellen leicht verfallenen Rinne und dem einfachen Vorwärtskommen immer weiter die Tømmerrenna hochgesogen. Wir können einfach nicht aufhören! Zu einfach, zu schwer Was diese Strecke ausmacht, ist die gleichzeitige absolute Sicherheit und Problemlosigkeit bei gleichzeitigem Nervenkitzel. So eine irre Kombination haben wir noch nie erlebt. Es sind wirklich viele Familien unterwegs und die Kleinen laufen gefahrlos, weil ja links und rechts alles abgeschlossen ist. Aber gleichzeitig wird es kribbelig, wenn man jemandem begegnet, weil sich dann einer auf die Seite lehnen muss, damit der andere passieren kann. Und wenn Elli dann auf die Idee kommt, dass sie über den Rand springen muss, um Platz zu machen, geht der Puls dann doch hoch… Die 2 Hängebrücken über den Fluss, der übrigens wieder mächtig Hochwasser hat, sind dann richtige, schwingend vibrierende Highlights der Tour. Für Annette mit ihrer Höhenangst gar nicht so leicht zu meistern, aber sie schafft es vorbildlich – sie meint nur, dass der Angstschweiss doch etwas länger zum Trocknen brauche. Zug verpasst Hinter der Picknickarea Paulengård zweigt dann eine Art brüchiger Damm zum stillgelegten Kraftwerk Kringsjå ab. Wenn man die Wasserkraft der Otra hier sieht, kann man fantasieren, dass sie das Kraftwerk einfach geschrottet hat. Wir beschließen, die Tømmerrenna eine Weile zu verlassen und auf der anderen Otraseite weiterzugehen, bis wir wieder auf die Rinne treffen. Der Weg ist auch hier superleicht zu begehen, da es ein Forstweg ist, an dessen Rändern mächtig viel Feuerholz geschichtet ist. Und an einer Stelle gibt es sogar Holzthröne für Annette und Elli! Auf dem Rückweg hoffen wir noch, die Setesdalsbanen für ein Foto zu erwischen. Auf dem Hinweg haben wir die Dampflok nur tuten hören, aber leider nur teilweise sehen können. Das wäre sicher ein ziemlich tolles Bild, wenn man die Dampflok über der wild schäumenden Otra erwischt. Steht auf meiner To-do-Liste, wenn wir hier noch mal hinkommen. Denn das ist ein Ort, zu dem man sicher mehr als einmal hingehen kann! Hinterland Noch ganz verzückt fahren wir weiter zu unserem Ziel, dem See Ogge. Wir sind hier gerade mal 40 Minuten von der Großstadt Kristiansand (na ja, 111.000 Einwohner) entfernt, aber hier gibt es schon Norwegenromantik pur. Schotterstraßen vorbei an Seen, wo ein Haus eine schönere Aussicht als das nächste zu bieten hat. Tolle Gegend! Wir finden einen Parkplatz vor, den wir uns besser gar nicht wünschen könnten. Es gibt sogar einen Anleger für Boote. Uns zieht es nach einer ausgedehnten Mittagspause aber in die Blaubeeren. Die wachsen nämlich im Wäldchen hinter dem MoMo und warten nur darauf, von uns gepflückt und von Annette zu leckeren Blaubeerpfannkuchen verarbeitet zu werden. Was wir dann natürlich auch gerne machen. See für uns allein Zum Sonnenuntergang machen wir noch einen kleinen Weg zum benachbarten Kanuübernachtungsplatz auf einer kleinen Halbinsel. Die Kojen sind aber verwaist und wir sind die einzigen Besucher an diesem Abend. Es wirkt fast schon ein wenig gespenstisch, dass dieser Ort, an dem bestimmt 10–15 Leute übernachten könnten, so verlassen ist. Aber wir genießen die Stille und den Frieden dort und gucken der Sonne beim Untergehen zu. Ist das schön hier!
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Momoblog am 04 Aug 2020 09:43:54
Kajak und Knuten Gestern haben wir das Paddeln ja wegen des auffrischenden Windes lieber mal verschoben. Zu hubbelig sah uns die Wasseroberfläche für uns ungeübte Anfänger aus. Heute Morgen ist es zwar kein spiegelglatter See, aber mit den kleinen Wellen werden wir wohl fertig. Die Boote kriege ich heute in Rekordzeit aufgebaut. Es lohnt sich, eine Sache mehrmals zu wiederholen. Irgendwann kann man es dann auch fehlerfrei. Herrlicher Ogge Wir fahren hinaus auf den Ogge und finden es richtig klasse, dass man hier um kleine Inselchen herumkurven kann und dauernd etwas Neues zu sehen bekommt. Es ist ein ganz anders Gefühl als auf dem im Vergleich riesigen Byglandsfjord. Das Fahren gegen den Wind macht nach einiger Zeit sogar ein bisschen Spaß. Die Kajaks tanzen auf den kleinen Wellen, gegen die wir anfahren und wir kommen uns wie mutige Entdecker vor. Nach einer Dreiviertelstunde machen wir Pause auf einer kleinen Insel. Hier müssen wir uns richtiggehend eine Anlegestelle suchen, denn so ganz klar kann man nicht erkennen, wo man jetzt gut an Land kommt. Wir landen in einer grasigen Bucht, die Elli sehr erleichtert zum Anlass nimmt, sich mal die Beine zu vertreten. Man muss aber auch sagen, dass sie das Leben als Bordhund super meistert – wobei sie nicht wirklich begeistert von unserem neuen Hobby und vor allem ihrer Schwimmweste scheint. Auf dem Rückweg umrunden wir noch zwei Inseln und gucken schon etwas neidisch auf die schicken Ferienhäuschen auf den Inseln. Vielleicht sollten wir doch mal einen Ferienhausurlaub in Verbindung mit dem Paddeln ausprobieren? Oder direkt eine Mehrtagestour mit Zelten? Das ist schon sehr super hier. Noch ein Knuten Da der Tag noch jung ist, brechen wir nach dem Kaffeetrinken auf und suchen nach weiteren so tollen Parkplätzen mit Anlegesteg in dieser Gegend. Das wäre doch was! Aber leider finden wir auf den kommenden Kilometern, die wir den Ogge entlangfahren, praktisch gar keine Möglichkeit zum Parken, geschweige denn zum Übernachten. Dafür gibt es an den möglichen Stellen einfach zu viele Häuser in der Nähe. Aber auch so sind wir mehr als zufrieden. Denn das Wetter ist göttlich, die Landschaft sehr skandinavisch und die Straße spannend. Nur schnell ist man hier eher nicht unterwegs. Uns gefällt’s. Annette hat fleißig recherchiert und wieder einen Tipp ausgegraben, der nicht in unseren Reiseführern steht, sich aber sehr vielversprechend anhört. Wir wollen nach der positiven Erfahrung mit dem Lindeknuten einen weiteren Knuten besteigen. Den Heimdalsknuten. Das gibt’s doch gar nicht Es gibt einen großen Parkplatz, auf dem wir die einzigen Besucher sind. Und da er schön an einem See gelegen ist, wissen wir auch schon, wo wir schlafen werden: Das ist super hier! Der Weg hinauf auf den Knuten ist super ausgeschildert. Da kann man nichts falsch machen. Erst folgt man der Fahrstraße und gewinnt so schon einige Höhenmeter, bevor es in den Wald geht. Hier sind es dann immer wieder fein gestrickte rote Wanderschals, mit denen die Bäume gewärmt werden. Sieht gut aus! Was wir dann aber wirklich nicht haben kommen sehen, ist das Haus, dass hier über einem See thront. Wie zum Teufel haben die das denn an diese komplett unzugängliche Stelle bekommen? Da hat doch jetzt nicht wirklich ernsthaft jemand alle Baumaterialen auf diesem Stolperwaldpfad hier hochgetragen! Denn mit Fahrzeugen kann man dieses Haus definitiv nicht erreichen. Oder gibt es hier in Norwegen einen Hubschrauberdienst, der fertige kleine Norwegerhäuser dorthin fliegt, wo man sie haben will? Rundumaussicht Auf den letzten Metern vor der Knutenspitze bin ich mir fast sicher: Das wird nichts mit der Aussicht. Die Bäume scheinen zu hoch zu sein, als dass man von oben wirklich Weitsicht haben könnte. Falsch gedacht. Auf den letzten paar Metern geht es hinauf und plötzlich ist man auf einem Plateau, das man vorher nicht mal erahnen konnte. Sehr cool. Und der versprochene Rundumblick ist nicht nur touristisches Marketing, sondern wirklich wahr. Eine Besonderheit, die ich so auf einem Aussichtspunkt noch nie gesehen habe, ist die Anzeigetafel, welcher Gipfel oder welcher Ort wo zu finden ist. Man dreht eine Art Peilstab und kann anhand der Beschriftung dann nicht nur sehen, wie der Punkt heißt, sondern auch wie weit er weg ist. Das will ich ab sofort auf allen Gipfeln haben – superpraktisch und macht Spaß! Spaß macht es aber auch, einfach die Abendsonne auf dem Plateau zu genießen. Das ist richtig liebevoll eingerichtet, sogar mit einem wahrscheinlich ausrangierten Esstisch für die zwei Bänke. Und ich frage mich schon wieder: Wie kriegt man den Kram hier hoch? Das einzige, was optisch nicht so ein Hingucker ist, ist der Mobilfunkmast. Aber wenn ich dafür die hervorragende Netzqualität in Norwegen kriege, ist das wohl ein annehmbares Opfer. Noch mal zur Schule gehen Für den Rückweg gibt es sogar einen Alternativweg, sodass wir nicht genau den gleichen Weg zurück gehen müssen. Er führt uns vorbei an ganz schön abgeholzten Wäldchen zu den hübschen Norwegerhäusern von Heimdal. Wenn man die sieht, wird das Bullerbü-Feeling schon recht groß. Unterwegs sehen wir den Wegweiser zur Skule, aber der Groschen fällt bei mir erst kurz vor der Ankunft am MoMo. Hatte ich das nicht auf visitnorway.de gelesen? Das war doch bestimmt die ehemalige Dorfschule, die man jetzt als Sehenswürdigkeit hergerichtet hat? Also mache ich mich noch mal auf den Weg zur Heimdal Skule. Und meine Erwartungen werden mehr als erfüllt. Das ist eine kleine Zeitreise in die Welt, die unsere Eltern noch kennen. Denn im Jahr 1958 wurde die im Jahr 1900 erbaute Schule geschlossen und soll sich in genau dem Zustand befinden, den sie damals hatte. Glaubt man sofort! Es ist wieder mal eine dieser kleinen Entdeckungen am Wegesrand, die ich an unserer Art zu reisen so liebe. Da wäre man im Leben nicht extra für hingefahren, ist dann am Ende aber froh, dass man es gefunden hat. Es beeindruckt mich auch wieder, dass es in Norwegen einfach möglich ist, so etwas unverschlossen zu lassen, ohne dass vandaliert wird oder Dinge gestohlen werden. Der einzige Vandalismus, den ich beobachten konnte, waren die Tafelbeschriftungen durch die Kinder, die dort zu Besuch waren. Ein kleiner, aber feiner Geheimtipp!
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Julia10 am 04 Aug 2020 09:52:39
Super interessanter Reisebericht :) mit vielen kleinen Detailis und Beschreibungen.
Danke fürs Einstellen :) Einige Infos sind für die nächste Norwegenreise gespeichert ;D
Lancelot am 04 Aug 2020 10:51:14
Ich sag auch VIELEN DANK für diesen interessanten RB und die supertollen Fotos dazu :!: Bin sehr beeindruckt :ja:
:dankeschoen:
volkermuenster am 05 Aug 2020 09:00:13
Moinsen an das Mönsters-Team,
das war mal wieder ein super Reisebericht mit vielen tollen Fotos von euch.
Vielen lieben Dank fürs mitnehmen.
Bei mir geht es am 22.08. los nach Norwegen - ich hoffe es klappt alles gut. Ich werde den Bericht aber vorher nochmal lesen um ein paar Tipps abzugreifen :-)
PS: ich mag eure sympathische Art zu schreiben. :-)
Gruß der Volker
Momoblog am 05 Aug 2020 09:52:53
Vielen Dank für die lieben Worte, freut mich, dass euch die Berichte gefallen. Und wenn ihr ein paar Tipps für die nächste Reise daraus mitnehmen könnt, umso besser!
Ein paar Tage sind wir ja noch unterwegs, es gibt also noch ein bisschen Nachschlag an Berichten. Wir sind schon gespannt drauf, wie wir uns nach 4 Wochen "ohne" Corona (so fühlte sich das an) wieder in Deutschland eingewöhnen werden.
Liebe Grüße, Michael
Momoblog am 05 Aug 2020 09:55:42
Weiße Stadt Huch! Wir hatten ganz vergessen, dass es in Norwegen auch im Sommer nachts schon mal kalt wird. Anscheinend sind wir hier in einem Kälteloch: 7° zeigt das Thermometer morgens. Das Gute daran: Es war eine klare Nacht und morgens scheint die Sonne. Auf unserer Weiterfahrt treffen wir noch mal auf den Tovdalselva. Treue Leser werden sich erinnern: Das ist der Fluss, der aus dem Rjukanfossen im Tovdal gespeist wird. Wir genießen ein letztes Mal auf dieser Reise einen wilden Fluss und enge Sträßchen. Denn ab Birkeland wird die Landschaft zusehends lieblicher und die Straßen breiter. Bevor wir ans Meer fahren, wollen wir noch mal entsorgen. Sicher ist sicher. In Birkeland gibt es eine skurrile Station, die den anscheinend doch recht dummen Durchschnitts-Womofahrer ans Händchen nimmt, damit er alles richtig macht. Deutlicher kann man das nicht signalisieren, oder? Das ist aber voll hier! Heute machen wir Ernst und fahren wirklich nach Lillesand ans Meer. Von dem, was wir gelesen haben, könnte das am ehesten unserer Art von Hafenstadt entsprechen. Wir sind gespannt. Denn wir haben auch gelesen, dass man besser früher als später am Womo-Stellplatz am Hafen sein sollte, wenn man dort noch einen Platz kriegen will. Die Anfahrt zum Stellplatz führt einen mitten durch die schmalen Sträßchen des Ortes. Gut, dass an jeder Kreuzung Wegweiser stehen, sonst würde ich davon ausgehen, dass das Navi mal wieder spinnt und mich durch eine Fuzo lotsen will. Am Stellplatz sind wir aus zwei Gründen bass erstaunt: Vor uns kommen 2 Wohnmobile an, die sich aber dann auf einem als reinem Wohnmobil-Parkplatz (ohne Übernachtung) gekennzeichneten Randstück platzieren. „Glück gehabt!“ denkt der Micha und fährt forsch zu den bereits dort stehenden Fahrzeugen, um einen Superplatz für das MoMo zu finden. Aber denkste, alles ist um kurz nach 12(!) voll besetzt. Und wie sich rausstellt sind die anderen Fahrzeuge am Rand quasi in Warteschleife falls doch noch jemand wegfährt. D’oh! Der zweite Grund für unser Erstaunen ist, dass es hier so was wie einen Platzwart gibt, der auch noch fließend deutsch spricht und uns schelmisch fragt, ob wir vielleicht einen Platz suchen würden? Er macht uns keine Hoffnung darauf, dass das klappt, aber auf unsere Frage, ob wir vielleicht hier irgendwo auch noch parken könnten, um uns die Stadt wenigstens anzusehen, dreht er freundlich ab und sagt nur „Folgt mir!“, um uns an einen kleinen Rasenfleck am Rand zu lotsen, wo das MoMo perfekt geparkt ist. Lecker Essen Und da wir ja immer extremst flexibel sind, streichen wir mal schnell die Übernachtung und das geplante Abendessen am Hafen und erkunden die Stadt bei Tage. Und das stellt sich als sehr gute Entscheidung heraus. Wenn es ein perfektes Wetter für eine Hafenstadtbesichtigung gibt, dann muss es wohl dieses sein. Strahlend sonnig, nur ein paar Wölkchen am Himmel, eine sanfte Brise und angenehmste Temperaturen. Unser Plan war es eigentlich, abends im Hos Oss Essen zu gehen, weil wir doch etwas weniger frischen Fisch gegessen haben als wir vor dem Urlaub gedacht hätten. Aber es spricht nichts dagegen, das auf ein Mittagessen vorzuziehen, oder? Noch dazu bei perfekten Bedingungen. Also setzen wir uns hin, gucken Leute und Hafen und freuen uns auf Moules Frites (die hier sehr gut sein sollen) und ein Skagen-smørbrød. Beides ist dann auch so gut wie erhofft und wir stellen fest, dass es nach dem Smørrebrød in Gjøv erst das zweite Mal ist, dass wir auf dieser Reise auswärts essen. Aber immerhin haben wir beide Male den richtigen Riecher gehabt. Empfehlung! Stadtbummel Auch einen Stadtbummel haben wir ewig nicht gemacht (und auch nicht wirklich vermisst). Das letzte Mal eigentlich in Løkken. Denn in Risør war a) Sonntag und b) Abend. Das gilt nicht. Apropos Risør: Wahrscheinlich bin ich da ein wenig ungerecht, aber wenn ich mir eine weiße Stadt in Norwegen aussuchen müsste, wäre das sicherlich Lillesand. Risør hat wahrscheinlich mehr Reiche und Schöne zu bieten, aber mehr Charme hat meiner Meinung nach Lillesand mit seinem bogenförmigen Hafen und der netten kleinen Einkaufsfußgängerzone. Aber vielleicht ist das auch alles Quatsch und Risør hätte mir bei diesem tollen Wetter genauso gut gefallen. Planlos Nachdem wir in Lillesand einmal auf und ab gegangen sind, wird es Zeit für die Weiterfahrt. Wir könnten uns vorstellen, einen guten Platz in den Schären zu nehmen und dort den Rest des Tages zu verbringen. Wir probieren den Platz an der Svennevig Bru aus und sind überrascht, wie voll es hier schon ist. Bei einer Tasse Kaffee und einem Eis diskutieren wir darüber, ob wir hier bleiben wollen. Die Aussicht auf das Wasser spricht sehr dafür, der eher ungemütliche Platz direkt neben der Straße eher dagegen. Loipen in Dømmesmoen Wir hatten gelesen, dass es in Dømmesmoen noch einmal gute Möglichkeiten zum Wandern, eine dicke Eiche und viele Blumen im Hagebruksmuseum und sogar Ibsens Kräutergarten (der Dichter wollte wohl mal Apotheker werden) geben soll. Kann man sich ja mal angucken. Wir parken auf einem großen, leeren Parkplatz hinter dem Kräutergarten neben einem Fußballfeld. Das könnte auch ein lauschiger Übernachtungsplatz sein! Zunächst aber gehen wir mal auf eine komplett widersprüchliche Wanderung. Widersprüchlich, weil es mal total nett und schön ist, dann aber wieder eher für unsere mittlerweile verwöhnten Norwegen-Augen unterwältigend. Eine gute Sache ist, dass es ein Loipenwanderweg ist. Wie wir seit Brokke wissen, heißt das, dass wir bedenkenlos auch mal wieder unsere blinde Mia mit auf eine längere Runde nehmen können. Auch die Natursteinmauer gefällt uns – fast so, als wären wir plötzlich in Schottland gelandet! Was leider nicht so toll ist, sind die massiven Baumrodungen, die immer ziemliche Lücken in der Landschaft hinterlassen. An einer Stelle sieht es aus, wie neuerschlossenes Bauland, das zukünftig bebaut werden soll. Wogegen ja nichts zu sagen ist. Aber auch hier gilt: Wir sind halt etwas verwöhnt… Dafür ist die Natur da, wo sie intakt ist, nach wie vor einfach schön und wir genießen noch einmal unseren letzten Sonnentag. Denn der Wetterbericht sagt für unseren letzten vollen Norwegentag leider noch einmal, dass es regnen soll. Schreck in der Abendstunde Wir erklären unseren Parkplatz neben dem Fußballfeld zum Nachtquartier, da er offensichtlich so aussieht, als würde es hier nun wirklich niemanden stören, wenn man eine Nacht dort steht. Falsch gedacht. Als wir schon in Richtung Feierabend unterwegs sind, sieht Annette einen Hundespaziergänger grimmig entschlossen mit gezückter Kamera auf das MoMo zukommen. Ich spreche ihn an, ob das hier verboten sei oder ob er eine Alternative wüsste, aber bis auf ein böses „You can’t stay here!!“ ist aus ihm nichts rauszukriegen. Gut, dass es in Norwegen im Sommer lange hell ist. Die Sonne ist zwar schon untergegangen, aber bis zum nächsten Platz, den wir bei Park4night finden, müssten wir es noch beim restlichen Tageslicht schaffen. Es kommt dann aber sogar noch besser. Auf dem Weg kommen wir an der Fjære Kirke vorbei. Davor gibt es einen großen, asphaltierten Parkplatz, wo bereits ein anderes Womo steht. Wir stellen uns (in gebührendem Abstand) dazu und hoffen, dass wir nicht noch einmal vertrieben werden.
Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Momoblog am 06 Aug 2020 08:51:43
All inclusive Unser letzter kompletter Tag in Norwegen ist leider grau und regnerisch. Aber es gibt auch gutes zu berichten. Unsere Nacht neben der Kirche war friedlich und unspektakulär. Die Bauarbeiter, die hier letzte Arbeiten am neuen Parkplatz vornehmen, nehmen von uns herzlich wenig Notiz und auch andere offizielle Stadtfahrzeuge parken neben uns und fahren wieder weg. Anscheinend stört sich niemand an unserer Anwesenheit. Beruhigend. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Irgendwie ist der heutige Tag noch mal eine ganz gute Zusammenfassung dieser Südnorwegenreise. Alles (bis auf Sonnenschein), was für uns als Erinnerung zu dieser Reise gehört, taucht im Laufe des Tages irgendwann noch mal auf. Shopping Was macht man, wenn das Wetter eh bescheiden ist: Richtig, in eine Stadt oder ein Einkaufszentrum gehen. Wir peilen noch mal den Sport Outlet in Arendal an, wo ich vielleicht doch noch die Wanderhose kriegen könnte, die mir in Egersund so gut gefallen hatte, aber leider eine Nummer zu klein war. Erfolg habe ich leider keinen, aber dafür wandern noch ein paar Shirts in unsere Einkaufstasche und wir stellen fest, dass Jürgen Klopp wirklich ein Weltstar ist. Ebenfalls eine Neuentdeckung ist für uns der Laden Holdbart. Das ist so eine Art norwegisches Preis-Paradies, wo die normalerweise teuren norwegischen Produkte aus den verschiedensten Kategorien zu ganz humanen Preisen verkauft werden. Während wir vor der Weiterfahrt noch mal einen Kaffee trinken, bestaunen wir den regen Verkehr, der hier herrscht. So viele Autos haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Und vom Verkehrsfluss herrschen hier eher italienische Verhältnisse. Da wird gehupt oder ohne Beachtung von Vorfahrtsregeln losgefahren. Der stärkere mit der lauteren Hupe gewinnt. So kann Norwegen also auch sein! Hafenstadt Unser Plan ist es, noch bis Kragerø, einer weiteren netten Hafenstadt, zu fahren und uns dort für die Nacht hinzustellen. Aber als wir dort ankommen, sind wir nicht gerade begeistert. Man fährt über eine Schlaglochpiste auf eine grobe Schotterfläche, wo man sich dann hinstellen darf. Absolut unschön und nicht mal mit einer schönen Aussicht, wie gestern noch in Lillesand. Warum hier alle Plätze (für die man auch noch bezahlen soll) belegt sind, ist uns schlicht rätselhaft. Ein paar Meter weiter stadteinwärts gibt es noch einen ebenso unschönen Parkplatz, auf dem man aber nur maximal 10 Stunden stehen darf. Wir parken, da wir uns die Stadt jetzt, wo wir mal da sind, natürlich auch angucken wollen. Hier ist jetzt mal nicht alles weiß, sondern es sind viele Häuser neben weiß auch in den typischen Norwegerfarben gestrichen. Aber, wie Annette richtig bemerkt, ist alles auch ein bisschen runtergekommen. Als hätte die Stadt ihre besten Tage hinter sich. Zu Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass auch viel gebaut wird und vielleicht eine große Modernisierung der Stadt geplant ist. Uriges Hinterland Da nun klar ist, dass wir hier nicht bleiben wollen, haben wir noch einen Platz in der Nähe von Langesund ausgekundschaftet. Der Weg dahin führt uns noch einmal über eine dieser engen Straßen entlang hoher Felsen und kleiner Seen, die immer so verwunschen wirken. Wir genießen es sehr, noch einmal dieses unnachahmliche Norwegengefühl beim Fahren zu haben (und freuen uns, dass es Gegenverkehr nur an harmlosen Stellen gibt). Fischburger Bei Brevikstranda gibt es einen riesigen asphaltierten Parkplatz am Ivarsand-Badeplass. Nicht sehr schick, dafür aber mordspraktisch. Denn wir können uns einen Platz problemlos aussuchen und uns beim Abendessen schon mal auf den Schärenspaziergang freuen. Das Essen ist nämlich auch eine unserer Neuentdeckungen: Fischburger. Kann man sich im Supermarkt kaufen, dann ein Brötchen mit Sauce und Gurken vorbereiten, Fischburger einlegen und schlemmen. Superschnell, superpraktisch, superlecker. Danach können wir zum Sonnenuntergang noch hinunter an den Ministrand gehen. Von dort führt sogar ein Wanderweg die Küste entlang, auf dem wir aber nach einiger Zeit wieder umkehren, weil er eher zu den Hütten, als ans Meer führt. Aber eine urige „Wanderung“ haben wir auf diese Weise auch noch bekommen. Schärenglück Wir wollen lieber noch in die Schärenfelsen klettern und dort den Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang genießen. Den Sonnenuntergang müssen wir zwar abschreiben, aber ansonsten ist es noch mal toll. Der Duft des Meeres und der frische Wind tun einfach gut. Wir gucken also dem Angler bei seinen Wurfversuchen zu und sind dankbar, dass wir die Gelegenheit genutzt haben, in diesem Sommer doch ins Ausland zu fahren. Besser hätte man diesen Corona-Sommer nicht verbringen können.
Das ganze mit Bildern gibt es in unserem Womo-Blog: --> Link
Vielen Dank fürs Mitlesen!
Mal sehen, wo es uns als nächstes hinzieht - und wohin man dann noch reisen darf...