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Kreta im Winter


Gast am 18 Mär 2007 23:29:47

Teilausschnitt eines Fernreiseberichts KRETA

Tag 28: Am Strand von Githio
Wir legen einen Rasttag ein und bleiben an der Beach. Es wird einfach nur einmal gefaulenzt und ein wenig weiter an diesem Reisetagebuch gearbeitet. Sie Sonne scheint und wir genießen in Badesachen die wärmenden Strahlen der Sonne.
Unsere neuen, treuen Begleiter folgen uns auf Schritt und Tritt. Der Schwarze geht sogar mit uns schwimmen. Am Nachmittag kommt ein Polizeiwagen an dem sonst so einsamen Strand entlang gefahren. Unsere neue „Wachgesellschaft“ versucht sich gar in die Reifen zu verbeißen. Auszusteigen trauen sich die Beamten wohl nicht, denn sie fahren, nach kurzem Stopp, gleich weiter. Nichts passiert! Wir hingegen simulieren, uns an der Sonne labend im warmen Sand liegend, was wohl nun in Deutschland angelaufen wäre.
Die Polizei hätte den Tierfänger beauftragt die Hunde einzufangen und ins Tierheim zu überstellen. Wir wären, obwohl völlig unbeteiligt, es sind ja nicht unsere Hunde, vernommen worden. Ein Polizeibericht würde alles dokumentieren. Mit Durchschlag an das Ordnungsamt, versteht sich von selbst. Das Ordnungsamt hätte, weil ja offensichtlich Aggressivität der Tiere vorlag, Strafanzeige gegen unbekannten Hundehalter erstattet. Und überhaupt, liegt hier ja Steuerhinterziehung vor, die Hunde haben ja keine Steuermarken. Also, auch ein Durchschlag vom Ordnungsamt an das Finanzamt. Ein besonders findiger Ordnungsamtmann erinnert sich dann auch noch, einmal etwas von Fliegenden Hunden gehört zu haben und schaltet, wegen des Verdachts der Vogelgrippe das Veterinäramt vorsichtshalber gleich mit ein. Der Staatsanwalt wäre inzwischen tätig geworden und hätte wiederum Beamte ermitteln lassen. Fotos würden von den Tieren geschossen. Alter, Rasse, Größe, Gewicht, Farbe und besondere Merkmale hätte man peinlichst genau notiert. Ein Tierarzt hätte dabei vermutlich mitgewirkt und seine Ergebnisse mit entsprechenden Kopien an die Staatsgewalt, gegen Gebühr natürlich, zur Verfügung gestellt. Dem Ordnungssinn folgend und das nicht sein darf was durchaus mal sein kann, wäre wohl eine Nachbarschaftsbefragung durch Hilfsbeamte, nach dem Motto, „Wer kennt diese Hunde?“, eingeläutet worden. In kleineren Städten wäre gar in der lokalen Presse ein Bild der Tiere mit Aufruf erschienen. Nach 12 Monaten Widervorlage beim Staatsanwalt wäre dann, nach vorheriger Prüfung der Tiere durch einen Verhaltensforscher, das Verfahren vielleicht eingestellt worden, wäre da nicht diese verdächtige Nähe der Hunde zu uns am Strand liegend, im Protokoll aufgetaucht. Auf diesen Verdacht hin würden wir vermutlich alsbald Post, als Angeklagte, vom Amtsgericht erhalten. Natürlich wäre vorher vom Veterinäramt noch ein Bericht an das Statistische Bundesamt gegangen, so was muss ja schließlich erfasst werden. Inzwischen hätten Dutzende von Schriftsätzen ihre begeisterten Leser auf Seiten unserer Anwälte und der Staatsanwaltschaft gefunden. Mit einem Freispruch hätte das Verfahren, dann gegen uns, hoffentlich, nach irgendwann so 24 Monaten Kleinkrieg mit den Behörden, geendet. Der Schlusssatz des Richters hat dann gelautet: „Die Kosten des Verfahrens fallen der Staatskasse zur Last!“ Wenn, ja wenn, es hier enden würde und der junge, Karriere geile Staatsbeamte der Staatsanwaltschaft, nicht noch in Berufung ginge, denn Hunde fallen nun mal nicht vom Himmel.
Die armen Hunde wären inzwischen vermutlich an Altersschwäche eingegangen. Vorsichtshalber hätte uns das Tierheim, über das Ordnungsamt, da hier die Gewalt des Staates durch Paragraphen besonders greift, schon mal die Kosten für Verpflegung der Tiere, Tierarzt und Tierkörperbeseitigung, in Rechnung gestellt. Frei nach dem Motto „man kann es ja mal versuchen!“
Das alles hätte viel Geld und noch mehr Zeit gekostet, fürwahr, aber so ein Einsatz und Aufwand lohnt sich und schafft ja auch „Arbeitsplätze“ für Beamte und solche die es noch unbedingt werden wollen. Wir lachen laut bei dem durchaus realen Gedankenspiel und wenden uns einmal mehr in der Sonne, ohne dafür Kurtaxe prellen und mit einer Belehrung und teurer Anzeige rechnen zu müssen, während unser Hotel derweil sicherlich vom Strand abgeschleppt würde.

4 Wochen „ … on the Road!“ … was hat uns das gekostet?
Wir sind nun insgesamt rund 3.000 Kilometer gereist, rechnen wir ab Frankfurt, von wo wir eigentlich aufbrachen, die Welt zu sehen. Wir haben fürstlich gelebt in diesen 4-Wochen. Jeden Tag 2-3 Mahlzeiten und darunter meist echte Gaumenfreuden. Wir tranken Wein, Bier und auch ab und an mal einen Schnaps, in Griechenland vorzüglichen Ouzo. Zigaretten und Zigarren nicht inbegriffen. Es hat uns an nichts gemangelt. Fünf Mal waren wir aus und haben in Restaurants oder Tavernen gespeist. Außer zweier Nächte verbrachten wir alle an attraktiven Gestaden der Meere, in herrlicher Gebirgskulisse oder mit 5-Sterne-Panoramen auf mittelalterliche Städtchen wie Krk oder Trogir.
Kosten für Dieseltreibstoffe € 336,00
Mautgebühren € 88,00
Grenzübergangsgebühren Albanien € 48,00
Fähren € 65,00
Lebensmittel € 366,00
Restaurantbesuche € 86,00
Gas € 45,00
Internet und Porto € 30,00
Campingplatz € 11,00
Summe € 1.075,00

Ein für 4-Wochen preiswertes Vergnügen, wie wir finden, vorausgesetzt, man hat ein Hotel auf 4-Rädern und muss keines mieten, was über einen so langen Zeitraum und Reise hinweg eher wenig Sinn machen würde.
Wir beschließen den Tag und feiern unsere so gelungenen, ersten 4-Wochen „ … on the Road!“
Möchten Sie das Kretakapitel, welches nun folgt, erst einmal überspringen, um auf den Peleponnes zu bleiben und hier mit uns mitzureisen, dann lesen Sie bitte weiter ab Tag 48.

Tag 29: Mit der Fähre von Githio zur Insel Kreta
Die ganze Nacht über war unsere „Wachmannschaft“ auf 8 Beinen für uns im Einsatz, um beim ersten öffnen der Tür uns auch noch freudig zu begrüßen. Es gibt Leberwurstbrot und einige Zipfel der harten, roten Bauernwurst. Sie nehmen es dankbar an. Als wird dann starten werden die Gebärden eher traurig und wir fühlen uns nicht anders. Gerne hätten wir sie mitgenommen, aber spätestens an den Grenzen hätten wir die Probleme. Es tut uns unendlich leid, diese lieben Vierbeiner, die übrigens weder unterernährt noch ungepflegt waren, dazulassen.
Nun treibt uns eigentlich der Zufall an. Den Abend vorher haben wir Karten und Beschreibungen studiert. Dabei fanden wir heraus, dass es eine wöchentlich und ansonsten sporadisch je nach Sturmlage, auch im Winter fungierende Fähre von Githio nach Kreta gibt. Die Beschreibungen von Kreta lesen sich so gut, insbesondere die Klimatabelle, so dass wir im Hafen von Githio den Schiffagenten aufsuchen. Unsere 7,30 Meter langes und 3,35 Meter hohes Hotel, inklusive uns, kosten für die Hin- und Rückfahrt Euro 327. Das soll uns die Sache wert sein! Wir buchen, stehen wunderschön im Hafen und schauen auf das ebenso anmutige Hafenstädtchen Githio, gegenüber. Nach einem deftigen Frühstück bummeln wir durch die, um eine künstlich angelegte Hafenlagune, zum Berg hin aufstrebende Stadt. Endlich finden wir auch eine preiswerte Angel, die wir sofort erstehen. Ob jemals ein Fisch daran hängen wird?
In Githio gibt es übrigens einen kleinen Park und hinter dem Park auch ein Internet-Kaffee. Eine gute Gelegenheit, unsere Post zu bearbeiten und Mails zu versenden.
Githio selbst ist eine doch recht schöne Hafenstadt und lädt Besucher freundlich ein. Es gibt genügend Parkraum, auch für das Hotel. Einen kurzen Besuch von Githio können wir empfehlen. Die Stadt war einst der Hafen der Spartaner, die nur 27 Kilometer entfernt ihre Siedlungen hatten.
Nun ist es 16:30 Uhr und wir warten auf die Fähre nach Kreta und den Hafen Kissamos, wo wir anlanden werden. So können wir heute Nacht leider nicht in unserem Hotel verbringen, da aus Sicherheitsgründen der Fahrzeugladeraum verschlossen wird, so der Schiffagent. Wir hoffen nun auf eine gute Küche an Bord der Fähre und berichten morgen darüber, wie die Nacht und die Überfahrt sich gestaltet haben. Vielleicht in einer Woche, in 14-Tagen oder erst nach Weihnachten werden wir wieder in Githio anlanden.

Nacht 29: … wie Jonas im Bauche des Wals
Es ist schon ein alter Seelenverkäufer, der uns hinüber nach Kreta bringen soll. Im Bauch des Schiffes sieht es irgendwie, wie in einer unaufgeräumten Klempnerwerkstatt, aus. Viel Betrieb herrscht außerdem nicht auf dem morschen Pott. Einige wenige Lkw, Pkw und, ausgerechnet direkt neben uns, ein Bestattungswagen mit blumengeschmücktem Sarg darin. Brigitte schaut mich ungläubig an. Ihr sind Schiffspassagen sowieso schon höchst suspekt und nun auch noch das. Ich muss ihr versichern, dass dies kein schlechtes Omen ist und der marode Metallpott sich in einem hervorragenden Zustand befindet. Sie scheint es mir nicht so ganz abnehmen zu wollen. Wir gehen schließlich hinauf in den Salon und schauen, wie die Fähre ablegt. Außer Sandwichs gibt es nichts Essbares an Board des Kahns. Die Türen zur Schiffsgarage werden natürlich nicht geschlossen und überhaupt scheint Sicherheit hier keine große Rolle zu spielen. Wir werden langsam müde und ich kann Brigitte doch noch überreden unser Hotel aufzusuchen, gleich wenn wir dann in unmittelbarer Nachbarschaft des Bestattungsagens schlafen werden. In unserem Hotel finden wir besseres für unsere Gaumen und genießen ein paar Bierchen. Dann legen wir uns schlafen und fühlen uns, bei der Schaukelei, wie einst Jonas sich im Bauch des Wals gefühlt haben muss. Die Fähre stoppt zudem noch auf den Inseln Kithira und Potamia und entleert sich hier fast völlig. Wir und zwei weitere Pkw sind die einzigen in diesem riesengroßen Laderaum und auf dem Weg nach Kreta.
Gegen 2:30 Uhr und nach 9 langen Stunden, spuckt uns der rostige Metallkahn im Hafen von Kissamos auf Kreta wieder aus. Hier finden wir auch gleich ein Plätzchen, um die Nacht weiter zu verbringen.

Tag 30: Auf der Insel des Göttervaters Zeus 120 km
Nun befinden wir uns auf dem südlichsten Vorposten Europas. Zur nördlichen Seite rauscht das Ägäische Meer und zur südlichen das Libysche Meer an die Küsten dieser geschichtsträchtigen Gestade. Kreta ist eine in der Länge ausgerichtete Insel. Rund 230 Kilometer ist sie lang und zwischen 30 und 80 Kilometer schmal. 8.261 km2 misst ihre Fläche und damit ist Kreta auch die größte Insel Griechenlands, wenn man die Halbinsel Peloponnes nicht als Insel hinzuzählt. Ebenso ist sie damit das fünfgrößte Eiland des Mittelmeerraumes und man höre und staune, gleichzeitig die Wiege der europäischen Kultur. An Landschaft hat Kreta viel zu bieten, über 700 Kilometer Küsten, das immense, weiße Ida-Gebirge, welches sich von Westen nach Osten erstreckt und mit dem 2.456 Meter hohen Oros Idi den höchsten Punkt der Insel markiert. Zwischen den beiden Meeren und den Gebirgen finden sich fabelhafte Hochebenen, schwindel-erregende Schluchten, saftige Täler mit zahlreichen, kleinen, verschlafenen Dörfchen. 600.000 Menschen leben auf Kreta und nennen ihre Felsscholle selbst gerne den „vierten“ Kontinent. Das Klima Kretas reflektiert sich in seiner Lage und Landschaft. In den Gebirgen kann es im Winter durchaus schneien, während an den Gestaden 20 Grad und mehr gemessen werden. Auf Kreta, so die Sage, soll der Göttervater Zeus, der erste der olympischen Götter, geboren worden sein. Die Göttin Athene soll in dem Voulismeni-Süßwassersee in Aghios Nikolaos gebadet haben. Minotauros, das Ungeheuer, halb Menschenkörper, halb Stierkopf, lebte einst auf Kreta, so die Mythen. Kreta war schon in der Jungsteinzeit (6500 – 3000 v.Chr.) besiedelt. Die glänzende Epoche jedoch hatte dieses Land in der Bronzezeit (3000 – 1100 v. Chr.). Die Minoiten bauten hier ihre Paläste und errichteten eine für die damalige Zeit unglaubliche Zivilisation, die dann durch den großen Vulkanausbruch im 15. Jahrhundert vor Chr. auf der Insel Thera vernichtet wurde. Die Araber rissen Kreta an sich, dann kauften die Venezianer die wilde Insel, die Türken erkämpften sich das Eiland, es folgten Erdbeben und Schlachten. All dies, und Zeus, haben diese Felsscholle zwischen den Meeren geprägt.
Wir sind nun gespannt, was die Götter, insbesondere Zeus, für uns bereiten werden.
Von Kissamoss, im Westen der Insel, brechen wir auf um den nördlichen Teil zuerst zu bereisen. Nach 39 Kilometern gut ausgebauter Straßen, stehen wir inmitten der zweitgrößten Stadt Kretas, in Chania. Wir versuchen den Hafen und dort einen Stellplatz für unser Hotel zu erreichen, geben aber schnell auf. Die Straßen zum Meer hin sind eng und regelrecht zugeparkt. Wir haben Mühe zurück zur Hauptstrasse zu gelangen, aber sind des Eindrucks reicher, dass wir diese Stadt besuchen möchten. Es findet sich schließlich ein Platz für den Camper am Rande der Bundesstrasse.
Chania ist eine kleine Perle entlang der kretischen Küste. Ihr Besuch lohnt auf jeden Fall, wenn man das Gebiet um den Hafen herum als Ziel hat. Einst minoische, 1252 von den Venezianern erobert, wurde die Stadt selbst im 2. Weltkrieg stark zerstört. Rund 70.000 Kreter leben in Ghania.
Wir schlendern vorbei an den Akti Enoseos, den riesigen, venezianischen Arsenalen und Werfthallen. Von ursprünglich 23 stehen heute noch sieben. Weiter geht es über malerische kleine Plätze und durch verträumte Gassen zu der 1913 erbauten Markthalle und zum Hafen. Schon bei unserem Spaziergang durch Ghania werden die vielen Einflüsse der Kulturen sichtbar. Aus dem 16. Jahrhundert stammt die Stadtmauer. Wir finden noch Patrizierhäuser, osmanisch geprägte Bauten mit ihren hölzernen Erkern, wunderschöne Brunnen und zahlreiche Hinweise aus der Antike und dem Orient.
Zur Meeresseite gesellen sich Taverne an Taverne, in den Gassen Geschäft an Geschäft. Der Tourismus hat Chania längst entdeckt.
Mangels attraktiven Stellplatzangebots für die Nacht zieht es uns am Nachmittag weiter Richtung Rethymnon, gen Osten. Jeder Reisemobilist hätte bei dem Angebot an erstklassigen Stellplätzen an der Strecke, die wir zurücklegen, seine wahre Freude. Die Landschaft teilt sich erneut, wir reisen durch wunderschöne Kiefernwälder, bemerken die Schluchten zur südlichen Seite, wie auch die aufsteigenden Bergkämme. Die Fahrt alleine ist schon großartig und bietet Panoramen über Panoramen.
In Rethymon angekommen werden wir auch sogleich fündig und parken unser Domizil mit voller Breitseite unterhalb der Festungsanlage im Hafen und, wieder einmal direkt am Meer. Es wird bereits dunkel und wir beschließen den Tag in Ruhe, bei einem Fläschchen kretischen Weins ausklingen zu lassen.

Tag 31: Der 3. Advent in Rethymnon 0 km
Nach Weihnachten ist uns gar nicht zumute, gleichwohl die kretischen Städtchen reichlich weihnachtlich geschmückt sind. Unser Stellplatz im Hafen ist so einmalig wie Rethymnon attraktiv ist. Wir beschließen zu bleiben, denn hier wird sich ein abendlicher Romantikbummel durch die alten Gassen lohnen. 25.000 Einwohner zählt die Stadt, die eine wechselvolle Geschichte vorzuweisen hat. In der Altstadt fühlen wir uns fast in den Orient versetzt. Vielleicht weil heute Sonntag und Advent ist, zieht ein Duft von Weihrauch durch die Gassen. Die Gesänge des orthodoxen Priesters finden ihren Weg aus der Kirche auf den kleinen Platz davor. Minarette ragen in den blauen Himmel und überhaupt erinnern hier viele Bauten mit ihren reichlich geschnitzten Holzerkern an das Land am Bosporus. Die Tis-Narantzes-Moschee verstärkt diesen Eindruck. Ebenso finden sich auch wieder venezianische Einflüsse an Häusern mit meisterhaft geschmiedeten Ornamenten. Rethymnon ist jedenfalls einen Besuch wert.

Tag 32: … bis kurz vor Heraklion 65 km
Die Nacht war stürmisch, der Wind war allerdings recht warm. Die Gischt schäumte über die Kaimauern und besonders hohe und schwere, rollende Wellen verursachten dumpfe Explosionen, als sie sich am meterhohen Beton für immer, nach ihrer langen und weiten Reise über die Kretische See, auflösen mussten. Entsprechend unruhig waren die Nacht und wir daher einmal mehr früh auf. Gegen 9:00 Uhr statteten wir bis etwa gegen Mittag Rethymnon noch einen Besuch ab. Wir wollten einmal die Straßen mit den hunderten von kleinen Shops, geöffnet sehen. Gestern, am Sonntag war ja alles geschlossen und der sonst so quirlige Bereich um den Hafen und die Altstadt einsam und verlassen.
Um 13:00 Uhr brechen wir auf. Es geht Richtung Heraklion. Eine interessante und eindrucksvolle Fahrstrecke, mit sich rasch wandelnder Natur und immer einem Stück Meeresblick zu unserer Linken.
Zahlreiche kleine Fischerdörfer laden zum Verweilen ein. Die großen Bettenburgen die sich die Küste entlang ziehen sind geschlossen. Ihnen wird erst im Sommer, wenn die Touristen Flugzeugladungsweise eingeflogen werden, Leben eingehaucht.
1-A-Stellplätze sehen wir für unser Hotel reichlich im vorbeifahren. Gegen 14:00 Uhr, nach dem Passieren von Rodia, liegt sie vor uns, die Hauptstadt Kretas, mit ihren rund 130.000 Einwohnern. Heute wollen wir uns die Großstadt nicht mehr antun und finden einen kleinen Strand bei dem Ort Gazi, mit weitem Blick bis zur Insel Dia. Wenn es dunkel ist, werden wir die Lichter von Heraklion sich in der kretischen See, spiegeln sehen.

Tag 33: Heraklion und Knossos 35 km
Am frühen morgen kündigt sich einmal wieder ein technisches Problem an. Die Wasserpumpe schaltet nicht mehr ab. Ich stelle den Hauptschalter der Wasserversorgung auf „Aus“ und wir rollen erstmal ein, in Heraklion. Im Hafen zahlen wir brav € 3,00 und dürfen sicher dafür stehen. Ich untersuche die Wasseranlage und finde das Problem, indem ich mich unter dem Hotel hindurchrobbe schließlich beim Wasserkran in der Küche. Warum habe ich nicht gleich dort angefangen zu suchen? Okay! Wir kennen nun das Problem und werden hoffentlich einen Wasserinstallateur finden, der es richtet, denn der große Techniker bin ich nun mal nicht.
Wir statten Heraklion einen Besuch ab, obwohl wir große Städte ja eher und viel lieber meiden. Aber wenn man schon auf Kreta angelandet ist, gehört Heraklion zum Pflichtprogramm und überhaupt würde man uns Kulturbanausen schimpfen, ließen wir das nur 6 km südöstlich gelegene, minoische Knossos aus.
Heraklion ist, was die alte National Straße Kretas anbelangt, gut anzufahren, wenn man auf Abstecher in die Seitenstraßen der Stadt bewusst verzichtet. Denn dort geht’s sehr eng zu. Zum einen durch die schmalen Gassen, zum anderen durch die wilde Parkerei der Heraklier. Wir wandern den venezianischen Hafen, mit seiner überdimensionalen Festungsanlage entlang, lassen den El Greco-Park, der an den großen Kreta gebürtigen Maler erinnert, der allerdings erst in Spanien Furore machte, links von uns liegen und wandeln durch die Altstadt hinauf zum Straßenmarkt. Dort kaufen wir frischen Fisch, Gemüse, Obst und Gewürze ein. Die Stadt mutet ein wenig türkisch an, was das Leben um uns herum anbetrifft. Ein großes Chaos, was in seiner Lebhaftigkeit und dem Wirrwarr wiederum eine gewisse Ordnung erkennen lässt, beobachtet man die Lässigkeit der Griechen und ihren Willen als Teil der Unordnung sich dieser anzunehmen, indem sie auch Anderen alles gestatten, was das Chaos bereichert.
Im Hafen Heraklions liegt eine gute, alte Bekannte vor Anker. Mit ihr bereisten wir 1994 das Mittelmeer und landeten an den Gestaden Israels, Ägyptens, den Inseln Rhodos und Zypern und der Süd-Türkei. Dieses Jahr trafen wir sie schon einmal im Hafen von Messina auf Sizilien. Noch heute träumen wir von der guten Bordküche der Aida, dem Clubschiff der sieben Weltmeere.
Nach diesem zwei Stunden Besuch der kretischen Metropole starten wir den Diesel unseres Hotels und brechen auf nach Knossos, welches nur 6 km südöstlich von Heraklion gelegen ist. Knossos war einst das Zentrum der Minoer. Um 2000 v.Chr. wurde die 25.000 m² umfassende Palastanlage auf einem Hügel und über 3-4 Stockwerke, errichtet. Die Minoer bauten schon damals Kanäle und Röhren in die anmutige Anlage ein, um für fließendes Wasser zur Körperhygiene und für die Fäkalienentsorgung zu sorgen. Die Geschichte besagt, dass Knossos einst durch ein Erdbeben vernichtet, danach zweimal wieder aufgebaut wurde, zuletzt in 1400 bis 1700 v. Chr. . Ein Engländer, Sir Arthur Evans, begann um 1900 mit der Rekonstruktion der Palastanlagen. Seine Arbeiten sind in der Archäologie, wie auch in der Wissenschaft eher umstritten. Wir denken der Besuch war Pflichtprogramm, haben ehrlich unsere € 6,00, pro Kopf, Eintritt bezahlt und ziehen am frühen Nachmittag weiter.
Auf dem Rückweg entdecken wir einen Händler der Gasflaschen anbietet. Schnell probieren wir unseren Adapter, „Hurra – er passt!“, zahlen € 13,00 und tauschen unsere letzte graue Deutschlandflasche gegen eine blaufarbige, von der uns ein gelber Drachen frech angrinst.

Wahre Hilfsbereitschaft …
Nun noch die Sache mit dem Wasserkran. Immerhin tropft es in unserem Wohnzimmer durch den Anschlussschrank auf den Boden, um dann unten am Fahrzeug auszutreten.
Wir finden einen Laden, vor dem Rohre und Waschbecken sich in die Höhe stapeln. Von den Griechen gelernt nur dann akzeptiert zu werden, wenn man zum allgemeinen Chaos beiträgt, parke ich das Hotel dann auch ebenso frech auf der Schnellstraße und überquere den vierspurigen Fahrdamm, zum Klempner. Vor mir sitzt eine betagte Dame, die sich mit einem jungen Mann unterhält. Natürlich verstehe ich nicht was sie sich erzählen. Nach rund zehn Minuten bin dann endlich ich dran und beginne die Konversation, wie könnte es anders sein mit den Worten „Do you speak English? No!? – German may be!? No?! No! Der junge Mann der schon auf dem Weg nach draußen war wendet seinen Schritt und bietet an zu dolmetschen. Ich nehme gerne an und erkläre das Problem. Er schaut mich etwas ungläubig an und wir beschließen eine erneute, abenteuerliche Fahrbahnquerung, um ihn vor Ort den Schaden zu vermitteln. Er versteht sofort und erklärt, dass es um diese Zeit, und überhaupt, sehr schwierig ist einen Installateur zu bekommen und das, dass, ganz schön kosten wird. Kein Problem mit Geld, gebe ich ihm zu verstehen, denn wir wollen ja in unserem Camper trocken leben und ihn nicht etwas zum Aquarium ausbauen. Mangels Installateur vor Ort, bietet er seine Hilfe an. Er sieht wohl die Ungläubigkeit in meinen Augen und beschreibt, dass er Lehrer an der Technischen Hochschule sei, und das, ausgerechnet im Fach Wasserinstallation. Wie mir geholfen wird ist mir egal, das Problem lässt sich im Blaumann so gut lösen, wie von einem Akademiker, wenn er denn weiß was er zu tut ist und mit Wasserzange und Schraubzwinge umgehen kann. Der junge Mann fragt mich noch, ob ich einem Griechen, der in Deutschland ein Problem hätte, auch helfen würde. Ich versichere ihm, dass ich ebenso helfen würde, wenn ich es denn könnte, zumindest würde ich vermittelnd wirken. Er zeigt mir schnell, dass er das kann und sein Fach versteht, denn er erkennt, dass der Wasserkran, eine Einhebelmischerbatterie auch noch eine elektrische Finesse aufweist. Über zwei Kabel mit der Wasserpumpe, zwecks Druckerzeugung in den Leitungen, verbunden ist und bei Bedienung sofort diese, eben jene Pumpe, zum laufen bringt. Erstmal ausbauen lautet die Devise und nach wiederum mehreren wagemutigen Fahrbahnquerungen, nun nur noch meinerseits, zwecks Werkzeugbeschaffung, geht er die Sache forsch an. Ich nehme nun die Rolle des Handlangers ein. Das Problem ist relativ schnell ausgebaut. Nun geht es ans überlegen. Eine Mischerbatterie mit integriertem Schalter, in Heraklion, eher Fehlanzeige. Eine normale Mischerbatterie, kein Problem. Der Mann, so um die 33 Jahre wird er sein, entpuppt sich als sehr gewissenhaft und Macher. Nach einigen Telefonaten, spürt er ein Geschäft für Bootszubehör auf und erklärt dem Mann am anderen Ende der Leitung, oder besser des Satelliten, die Funktionsweise meines Problemmischers. Worte nützen nicht viel, offensichtlich gibt es da ein Teil was helfen könnte, aber das muss man vor Ort anschauen. Er lädt mich in seinen Kleinwagen ein und es geht hinab zum Hafen. Unterwegs bekomme ich noch das eine und andere historische Stadtbild erklärt und Nachhilfeunterricht in Sachen griechischer Geschichte. Nach 20 Minuten sind wir da. Schnell entpuppt sich das, dass, was auf Schiffen optimal, für ein Reisefahrzeug untauglich ist. Es geht weiter durch die Stadt in einen anderen Laden. Hier gibt es dann zwar den Einhebelmischer, nicht aber mit Schalter. Egal, das Ding wird für € 26,50 angeschafft. Die Pumpe muss dann eben per Schalter extra geschaltet werden. Den Schalter gab es dann auch gleich dabei. Unterwegs unterhalten wir uns noch über unsere Reise und sind einer Meinung, dass der Euro alles wesentlich verteuert hat und ich lieber wieder die DM und er die Drachme in der Tasche und auf dem Konto hätten. Am Reisemobil beginnt er schnell mit dem Einbau und improvisiert hier und da und nach alles in allem zweikommafünf Stunden ist das Werk vollbracht. Ich zücke meine Geldbörse und reiche ihm € 70 mit einem ehrlich gemeintem Dankeschön. Der junge Mann fragt zurück, ob ich ihn beleidigen wollte. Er verstand sein Tun als Hilfsbereitschaft. Er erinnerte mich an seine eingangs an mich gerichtete Frage, ob ich denn einem Griechen in Deutschland helfen würde. Ich hätte dies bejaht und so würde er das als Gastfreundschaftsleistung verstehen. Ich fühle mich irgendwie beschämt. Ich frage ihn noch ob er gerne Whisky trinkt und ich ihm eine gute Flasche aus meiner „Bordapotheke“, immerhin 20 Jahre alten schottischen Single Malt aus den Highlands, als Dank überreichen dürfte. Er verneinte, ich dankte ihm vielmals und wir verabschiedeten uns.
Wir haben in Griechenland soviel Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erfahren, dieses Erlebnis hier hat uns beide überwältigt.
Gegen Abend verlassen wir Heraklion, um einen ruhigen Hotelparkplatz am Meer zu finden. Nur 10 Kilometer weiter, in Kokkini Hani, werden wir fündig. Die Sonne versinkt und wir hatten einen erfolgreichen und dankbaren Tag. Vielleicht sollten wir im menschlichen Umgang miteinander alle etwas griechischer werden, wie schön könnte es dann in Deutschland sein.
Gegen später Stunde verabschiedet sich unsere alte Bekannte noch. Ihre Lichter scheinen weit über das Meer bis zu uns an der kretischen Küste. Die Aida hat abgelegt und steuert in Richtung Kykladen. Wie gerne würden wir nun auf dem Achterdeck sitzen und unsere Gaumen verwöhnen lassen.

Tag 34+35: Lassithi-Hochebene und Aghios Nikolaos 97 km
Ein fröhliches Kalimera und schon geht es weiter. Wir verlassen die Küstenstraße, die alte National-Straße, in Richtung Süden bei Chersonissos. Die Lassithi-Hochebene ist deutlich ausgeschildert, es sind von der Küste rund 28 Kilometer hoch hinauf in die kretischen Gebirgsmassive, in Richtung des 2.148 Meter hohen Dikti-Gebirges. Wir durchrollen einige, an unserem Wege liegende verträumte Gebirgsdörfchen, die allerdings nicht, wie in so vielen Reiseführern angepriesen, von malerischer Qualität sind. Die Straße in die Berge ist gut ausgebaut und dennoch rollen wir sehr langsam, um die atemberaubenden Panoramen die sich uns bieten aufzunehmen. Schon denken wir die Hochebene erreicht zu haben, als nur noch gewaltige Gebirgszüge vor uns liegen, werden jedoch hinter dem Pass erfahren, dass hier erst die fruchtbare und wie mit einem Spachtel glatt gezogene, grüne Ebene vor uns liegt. Eingerahmt von 20 Örtchen am Rande der Felder und in einer Höhe von 900 Metern, standen hier einst über 7.000 Windmühlen. Leider sind diese heute aus dem Landschaftsbild verschwunden. Es muss ein überwältigender Anblick einst gewesen sein, diese Ebene mit den sich im Winde drehenden Tüchern und Segeln betrachtet zu haben. Technik ersetzt heute, was einst das Auge erfreute und damit ist ein großes Stück Anziehungskraft verloren gegangen. Wir sind uns sicher, man wird den Fehler, wenn erst die Touristen ausbleiben, schnell erkennen und korrigieren. Wenn das geschieht, ist die Lassithi-Hochebene bestimmt wieder einen Besuch wert. Die Anfahrt war es allemal.
Die Witterung an diesem Tag bietet uns die Hochebene in einem Schleier aus Nebelschwaden und Sonne. In der Nähe des Örtchens Psicho befindet sich die Grotte, in der einst der spätere Göttervater Zeus geboren und aufgewachsen sein soll. Die Höhle ist abseits gelegen und kann nur mit festem Schuhwerk, dicken Pullovern, sicherheitshalber einer Flasche Wasser ( … in den heißen Sommermonaten) über steinige Käme, erreicht werden. In den Zeiten, in denen sich die Touristenflut (noch) über die Hochebene ergießt, bieten die findigen Bauern für ein paar Euro ihre Esel zum Beritt zu der Grotte, an.
Wir finden keinen Esel an diesem Tag, der bereit gewesen wäre uns Zeus näher zu bringen und verlassen das Hochplateau gegen Mittag, Richtung Aghios Nikolaos und nehmen diesmal die Route über Malia und kommen so noch etwas schneller in Richtung Osten voran.
Aghios Nikolaos liegt am Hang über dem Golf von Mirabello. Die Stadt, die erst 1870 an alter Dorfstelle neu erbaut wurde, bietet wenig an Geschichte. Nur im Voulismenisee, einem 60 Meter tiefen Süßwassersee, der über einen Kanal mit dem Hafen verbunden ist wird berichtet, das einst die Göttin Athene, ein Bad genommen haben soll.
Wir steuern wie fast immer auf unserer Reise den Hafen an. In den Häfen findet sich fast immer ein Plätzchen mit großzügiger Ausleuchtung und natürlich am Wasser, zwischen oder nahe den bunten Fischerbooten. So auch hier! Für € 3,00 mieten wir die rund 20 m² die wir für unser Hotel brauchen, gleich für den ganzen Tag und die ganze Nacht und haben genügend Zeit den Ort zu erkunden. Erfreulicher weise hat der Ort zudem ein ungesichertes Lan-Netzwerk und wir können am Abend all unsere E-Mails lesen und verschicken und berufen natürlich bei solch einer Gelegenheit einen Chat für den Abend ein. Einige Freunde treffen sich ein und wir berichten über die Reise und beantworten gerne die Hunderte von Fragen. Die Nacht ist ruhig und wir nehmen nur das singen der Maste und Rahen wahr, die durch den leichten, warmen Wind in Schwingungen geraten.
Aghios Nikolaos gefällt uns sehr gut. Nicht Großstadt mit nur knapp 10.000 Einwohnern, aber auch kein Provinzdörfchen. Eigentlich genau richtig und auch noch gut platziert auf einem Berg und somit zweigeteilt, vom Wasser umgeben. Die Bergseite zum Segelhafen ist eher die ursprüngliche, einfache Seite mit den vielen, kleinen, griechischen Geschäften. Oben auf dem Berg ist ein kleiner Park mit Palmen und zur Fährseite hin geht es hingegen viel touristischer zu. Im Sommer werden wir es vielleicht nicht so mögen, nun aber im Winter, präsentiert sich alles als wäre es ausschließlich für uns gemacht und da. Die Stadt ist für das Weihnachtsfest gut gerüstet. An jeder Laterne brennen abends Lichter mit den verschiedensten Symbolen. Hier ein Tannenbaum, dort ein Segelschiff, dann wieder eine Sternschnuppe. Der Höhepunkt allerdings ist ein riesiges, nur aus Lichtern bestehendes Segelschiff, welches ca. 15 Meter in den Himmel ragt. Genau darunter stehen wir. Zu allen Seiten haben wir einen phantastischen Ausblick. Zur einen Seite die See mit ihren Inseln und einen Teil des nördlichen Festlandes, zur anderen auf den Teil des Hafens, um den sich die vielen kleinen Tavernen und Geschäfte schmiegen. Ein Blick aus der Windschutzscheibe präsentiert uns das Treiben der Fischerboote und das Kommen und Gehen der Fähren. Aus dem Bad sehen wir die See und ein Teil des Festlandes gegenüber. Aghios Nikolaos können wir sehr empfehlen, es hat Flair, wirkt freundlich, vielseitig und einladend, gleichwohl es kaum geschichtliches hier zu bestaunen gibt. Sehr schön ist der kleine See mit seinen vielen Ente und den romantischen Tavernen drum herum. Fährt man allerdings weiter Richtung Osten, kommen dann wieder Geschichte und antike Stätten, die Minoische Siedlungsreste einer Totenstadt, die wir allerdings überall auf Kreta, in der einen, oder anderen Form, finden und durch jede Ruine müssen wir auch nicht stapfen. Überhaupt haben wir noch nie so viele Hinweise auf antike Stätten gesehen wie auf Kreta. Es scheint ein regelrechter Ausgrabungsboom im Gang zu sein. Immer wieder sehen wir auch die Europäischen Schilder die wohl besagen, das es hier um finanzielle Förderung geht, lesen hingegen können wir sie nicht, eigentlich schade.

Tag 36: Die traumhafte Küstenstraße nach Sitia 80 km
Aghios Nikolaos ist ein schönes Städtchen, aber, wir wollen weiter und wir verlassen den Ort schön recht früh am Morgen, ohne jedoch vorher auf den Geburtstag von Brigitte anzustoßen. Schon vorher am Abend lagen die beiden kleinen Geschenkpäckchen unter dem kleinen künstlichen Tannenbaum, der am Fenster steht und uns etwas weihnachtliche Zeit und Gefühle vermittelt.
Dann geht’s los. Die alte Küstenstraße von AG Nikolaos nach Sitia muss man einfach gefahren sein. Die Landschaften, mal entlang der kretischen See, mal hoch oben über die Ausläufer der Gebirge bietet Tausende von Eindrücken und so manchen Schnappschuss mit der Kamera. Wie schön diese Welt doch ist, wie viel sie fürs Auge und Gemüt anzubieten hat, wenn man ihre Anmut, Ehrlichkeit, Reinheit und Wahrheit wahrnehmen, gar annehmen oder in sich aufnehmen, will.
Über die Berge kommend begrüßt uns gegen Mittag Sitia, mit ihren vielen weißen und sandfarbigen Häusern, in das Licht der Sonne eingehüllt. Was für ein Anblick, genau das ist was wir suchen und ein einfacher flacher Strand uns niemals vermitteln kann. Sitia, im Nordosten der Insel gelegen, hat heute rund 7.500 Einwohner. Wir empfinden diese Stadt als noch nicht verdorben von Tourismus und Industrie, erfreuen uns einmal mehr im Hafen, mit Blick auf Sitia und vielen tänzelnden und bunten Fischerbooten, dem Gefühl zu reisen, andere und fremde Länder und Menschen kennen zu lernen. Spontan nach einem ersten Bummel fällt die Entscheidung: Wir bleiben länger als nur einen Tag und eine Nacht, denn Sitia soll auf uns wirken, der Anblick ist einfach zu schön und so romantisch.
Am Abend feiern wir Brigittes 53sten Geburtstag in einer Taverne, die sie sich schon vorher ausgesucht hat. Es ist nicht eine der vielen Touristentavernen, sondern eine urige und nur von den Einheimischen besuchte Gaststätte. Während die anderen Tavernen kaum Gäste vorweisen können, herrscht hier eher gedrängte Dichte. Draußen vor der Taverne dreht ein älterer Grieche über dem Holzkohlegrill diverse Fleischspieße. Es dampft, knistert und riecht nach Braten, Gewürzen und Olivenöl. Wir wählen drei Gänge aus, unter anderem auch die berühmten, kretischen Schnecken und werden als Dank für unseren Besuch auch noch mit frischen Obst und zwei Raki bedankt.

Kretische Gebirgsschnecken, ein besonderer Gaumenschmaus …
Gourmets sagen, dass die Schnecken von Kreta und besonders die der bergischen und unbestellten Gegenden, die Besten und Schmackhaftesten sind. Sie sind nicht mit den französischen Weinbergschnecken zu vergleichen. Eher klein und etwas härter ist ihr Fleisch ist ihr Geschmack ebenso, wie der Honig, geprägt von den besonderen Kräutern Kretas. In den Restaurants werden sie angeboten. Wir empfehlen Kretische Schnecken in der Pfanne zubereitet und in einer braunen Thymian- und Rosmarinsoße. Ein wahrhafter Genuss. Wir fanden besonders die kleineren Schnecken, deren Fleisch härter und knuppiger ist, besonders lecker.

… der kretische Honig, ein ganz besonderer Saft
Kretischer Honig ist über alle Maßen aromatisch und geht von goldgelber bis dunkler Farbe mit goldenem Schimmer. Seine aromatischen Eigenschaften erhält er von den besonderen Pflanzen und Kräutern der Insel. Die Imker auf Kreta stellen ihre Bienenkörbe dort auf, meist in gebirgigen Regionen, wo es keine Anbaufelder gibt und keine Pflanzenschutzmittel angewendet werden. Man sollte den Honig, der nicht ganz billig ist, auf jedem Fall probieren. In kleinen Märkten bekommt man ihn rein und direkt vom Fass. 1 Liter kostet rund € 10,00.

Tag 37: Ruhetag in Sitia 0 km
Die Nacht über hatte es heftig geregnet. Der grobe Staub ist vom Hotel abgewaschen. Am Morgen jedoch scheint die Sonne und das Thermometer zeigt angenehme 23 Grad im Schatten. Wir bummeln durch die kleinen und engen, nun sehr belebten und quirligen Gassen Sitias. Hoch oben am Berg liegt die alte Venezianische Festung Kazama. Von ihren Mauern haben wir einen weitreichenden Blick über die Stadt, den Hafen und können die letzten Winkel der nordöstlichen Küste und unserer weiteren Ziele schon einmal optisch ins Visier nehmen. Wir bleiben heute im Hafen und finden auch Trinkwasser vor. Der Tank wird wohl zum 100sten Mal gefüllt. Kaum zu glauben, kommenden Sonntag schreiben wir den 4. Advent.

600.000 Reisemobile …
… sollen in Deutschland zugelassen sein. Wir dachten, wir würden in diesen warmen Gefilden eine Menge Rentner, in ihren fahrenden Hotels, hier und dort an Häfen oder markanten Punkten als Nachbarn, für eine oder zwei Nächte, gewinnen und den einen oder anderen Tipp austauschen können. Weit gefehlt! Während es wohl viele nach Spanien zieht, haben wir bisher auf unserer Reise nur vier Reisemobilisten getroffen. Auf Kreta gar nur Einen. Wir sprechen oft darüber, warum das südliche Griechenland und die Inseln dieses wunderschönen und so abwechslungsreichen Landes nicht von den rollenden Heimen frequentiert werden. Dabei liegen wir vom Breitengrad her schon im nördlichen Nordafrika unterhalb der Gestade von Marokko. Beirut liegt auf unserem Breitengrad zum Beispiel. Das Klima, hier im Winter, ist angenehm. Die Griechen sind freundlich und gar nicht aufdringlich. Die Landschaften sind atemberaubend. Es gibt keine Verbotsschilder für die von uns nachgefragten und so heiß ersehnten Stellplätze in Häfen und am Meer, wie sie z.B. in Italien und Spanien an jeder schönen Ecke zu finden sind. Griechenland ist ideal im Winter, finden wir und genießen die Ruhe und die Freiheit zu stehen, wo es uns gefällt und beliebt, immer an den schönsten Aussichten, dort, wo man nicht einmal eine Baugenehmigung für ein 5-Sterne-Hotel bekommen würde.

Tag 38: Kloster Toplou, Vai`s Palmen bis zur Südküste 120 km
Es treibt uns einfach weiter voran. Sicherlich hätten 1-2 Tage Sitia unseren Seelen noch mehr gefälliges Baumeln geboten, aber …, wir wollen Neues sehen, erleben, entdecken. Am frühen Morgen brechen wir auf und ahnen noch nicht, welch überwältigenden Schönheiten der Tag uns heute bietet. Nach rund 20 Kilometern Fahrt, entlang der nördlichen Ostküste erreichen wir das Kloster Moni Toplou. Die Klosteranlage, in der heute noch Mönche ein gottgefälliges Leben, leben, stammt aus dem 17. Jahrhundert und war einst ein Bollwerk des Widerstandes der Kreter gegen die Türken und Zuflucht gegen die Deutschen im 2. Weltkrieg. Die Besichtigung von Moni Toplou lohnt sich sehr. Die Anlage selbst ist überaus gepflegt, interessant und vielseitig angelegt. Es finden sich viele kleinen Gärtchen, Höfchen mit einladenden und schattigen Eckchen zum ausruhen, wie auch die Mönche den Gästen gerne ein bescheidenen Tee mit Honig mit Joghurt reichen. Höhepunkt ist der Vorplatz mit dem Kirchlein. Im Sommer schieben sich die Touristen durch das abgelegene Kloster. Wir nun, mitten im „tiefem“ kretisch-warmen Winter, haben den Vorzug alleine zu sein und alles in Ruhe auf uns wirken zu lassen. Ein Mönch zieht an uns vorbei uns entbietet uns sein freundliches Kalimera. Als wir den Kirchenplatz schon verlassen wollen, ruft jemand hinter uns her. Es ist der Mönch, der eben noch freundlich grüßte. Ich dachte schon er würde schimpfen, so hörte es sich an, da ich, einmal wieder, Fotos gemacht habe, was offensichtlich nicht so gern gesehen wird. Aber …, weit gefehlt, er schließt für uns das Kirchlein auf und wir dürfen eintreten. Atemberaubend was wir hier sehen dürfen. Alte Fresken zieren die Wände, ein wunderschöner kleiner Altar, viele typisch orthodoxe Metallleuchter und unbeschreiblich schön, gemalt aus der Hand eines Mönches vor vielen, vielen Jahren, die Geschichte des alten und des neuen Testaments in kleinen Bildern, aneinander gereiht, verwoben in Farben, verknüpft in Geschichte zu einem wahren Epos für die Augen in einem Bild von ca. 1,30 m x 1,00 m. Bis ins kleinste Detail, für uns nur mit Brille zu erkennen, rankt sich um den Galwarienberg in der Mitte alles, was die Geschichte des Glaubens ausmacht. Wir verharren für bestimmt 15 Minuten alleine vor dem Bild und danken dem Mönch ehrfürchtig für seine Gastfreundschaft. Gerührt verlassen wir das Kloster.
Vor dem Kloster sitzt ein ärmlich gekleideter Mann so vielleicht im Alter von 50 Jahren. Ein Auge wurde ihm zugenäht. Er kommt zu unserem Camper, spricht ein paar Sätze, die wir nicht verstehen. Was macht man in einer solchen Situation, wir geben ihm ein paar Euro, er bedankt sich und setzt sich wieder auf die Mauer. Wir werden ihm an diesem Tag noch einmal begegnen, fern ab vom Kloster.
Über herrliche Berge und von karstiger Landschaft bis hin zu heideartigen Faunen geprägt, zieht sich unser Weg nun zur einstigen minoischen Stadtanlage Itanos, am Karphatischen Meer. Das erste was wir erblicken ist eine friedliche Badebucht mit feinem, weißem Sand, eingerahmt von Felsen und beschattet durch riesige Palmen. Eine echte Postkartenidylle. Jeder der seinen Urlaub in südlichen Gefilden bucht, muss ein solches Bild im Kopf haben. Vorbei an dem Strand erklimmen wir die Hügel über dem Meer und erkunden die Reste der antiken, minoische Siedlung. Ein altes Haus, immens in seinen Ausmaßen ist noch so gut erhalten, was die Außenmauern anbetrifft, das wir uns das Leben vor rund 3500 Jahren hier gut ausmalen können. Beeindruckend auch hier, der Verlauf in Stein gehauener Leitungen zur Trinkwasserversorgung. Nach gut einer Stunde verlassen wir Itanos und fahren quasi nur einmal um die antike Hochebene herum um dann am nord-östlichsten Punkt Kretas anzugelangen, in Vai. Es ginge noch ein paar hundert Meter weiter, aber hier tut sich militärisches Sperrgebiet auf und Vai ist somit Endstation für jeden Besucher. Vai bietet einen noch traumhafteren Strand als die kleine Bucht vor Itanos. Wir sind inmitten des geschützten Reservates der Palmen von Vai. Ein Wald, … ein wahrer Urwald, mit hunderten von riesigen mehrstämmigen und wild verzweigten Palmen beschattet hier die Küste und unmittelbares Umland. Niemand darf den Palmenwald betreten. Es ranken sich zahlreiche Geschichten über seine Geschichte und Entstehung. So soll der Gott Apollo im Schatten der Palmen geboren sein. Seiner Zwillingsschwester Artemis gab er einen Palmsprössling, die diesen wiederum pflanzte. Daraus entstand dann ein Palmenwald. Soweit die Geschichte aus der Antike. Aus viel jüngerer Geschichte wird gemutmaßt, das einst ägyptische Soldaten Palmen mit nach Itanos brachten, wo sie campierten und den Itanern bei der Verteidigung gegen die Angriffe ihrer Nachbarn beistanden. Dies klingt plausibel, trieben doch die Minoer schon reichlich Handel mit den ägyptischen Nachbarn, wird berichtet. Auch spannend klingt die Legende von den Piraten, die hier, im 16. Jahrhundert nach Chr. Auf Beutezug gingen und irgendwann einmal Kokosnüsse als Beute machten, mit ihnen nicht viel anfangen konnten und sie weiträumig verstreuten. Wie immer der Palmurwald von Vai entstanden sein mag, ein Besuch ist überwältigend und sollte auf jeden Fall unternommen werden. Allerdings, die großen Busparkplätze vor Vai lassen erahnen, welche Touristenströme hier im Sommer an den Strand und unter den Schatten der Palmen von Vai gehetzt werden. Wir genießen es völlig alleine zu sein und nur das Rauschen des Windes in den Palmen und die leichte Brandung als Musik in unseren Ohren zu genießen.
Gegen Mittag ziehen wir weiter über Paleokastro zur Schlucht der Toten bei Kato Zakros. Schon die Fahrt von steinigen Bergketten hinunter zum Strand eröffnet hunderte von Panoramen. Kato Zakros ist eine kleine Bucht mit Sandstrand und einer handvoll verwegener Tavernen am Ufer. Schon hinter den Tavernen beginnt antikes Gebiet. Hier werden zurzeit wohl mit Hochdruck Reste eines weiteren minoischen Palastes ausgegraben. Die Schlucht des Todes beginnt hinter der antiken Stätte und trägt den Namen, weil die Minoer hier ihre Toten zur letzten Ruhe gebettet hatten. Auch hier, sind wir völlig alleine. Niemand ist am Strand. Nur ein kleines, blaues Fischerboot zieht seine Netze in Küstenähe vorbei an Kato Zakros.
Von hier geht es zurzeit nicht weiter in Richtung Südküste am Libyschen Meer, wo wir die Nacht verbringen wollen. Hier, auf diesem verlassenem Eckchen der Erde, steht der Einäugige vom Kloster wieder an der Straße. Er erkennt uns und winkt freudig und aufgeregt als er unseren Camper wieder erkennt. Nun verstehen wir auch was er wollte, wir sollten ihn am Morgen mitnehmen. Nun wartet er auf den Bus zurück zum Kloster. So haben vielleicht unsere wenige Euros ihm an diesem Tage den Ausflug in die Landschaft ermöglicht.
Eine neue Straße befindet sich jedoch im Bau zwischen Nord und Süd. Eine kurze schnelle Verbindung soll es werden. Auf ein freundlich aufforderndes Nicken eines Olivenbauern hin versuchen wir unser Glück, die im Bau befindliche Piste, zwecks Abkürzung zur Durchquerung Kretas zu nutzen. Nach 5 Kilometern geben wir, durchgeschüttelt, auf, obwohl uns nur noch 7 Kilometer von unserem Ziel trennen. Die Gefahr einen Achsbruch zu erleiden, oder gar hier, wo nicht mal Esel und Ziege mehr grasen, mit Panne liegen zu bleiben.
Der Weg über die Berge ist nicht weit, aber dafür sehr zeitaufwendig. Wir durchfahren zahlreiche, arme, kleine Örtchen und erreichen am späten Nachmittag Koutsouras und erleben eine völlig aufgebrachte Libysche See mit bis zu 4 Meter hohen Wellen, die nur wenige Meter vor unserem Camper mit Wucht und Getöse und geklacker der bis zu 5 Kilo schweren Kiesel an Land treffen. Was für ein Tag war dies. Was haben wir gesehen und erlebt. Das Kloster Toplou, das einst so stolze Itanos, die Palmen von Vai, die Schlucht der Toten von Kalo Zakros und die Querung der Gebirge zum Libyschen Meer. Das alles auf nur 120 Kilometern. Zufrieden hauen wir uns in die Kojen.

Tag 39: Hierapetra nach Matala Beach 135 km
Die Nacht war nicht gerade leise. Die laute Brandung, das rollen und klackern der Steinkiesel am Ufer, der peitschende Sturm und ein starker Regen, der sich dem Spektakel der Natur noch hinzugesellte. Am Morgen schien die Natur wieder völlig harmlos. Das Meer unschuldig, mit leichten Wellen das Ufer benetzend, der Himmel mit einem strahlendem Blau so anmutend, als hätte sich in der Nacht gar nichts auffälliges unter seinem Firmament ereignet. Das Thermometer zeigt ebenso völlig unschuldige 23 Grad.
Wir brechen auf, Hierapetra, die südlichste Stadt Europas und somit auch die Winterwärmste steht auf dem Zielplan. Nur 36 Kilometer von Aghios Nikolaos gelegen, ist hier die kürzeste Querung von Süd- nach Nordkreta möglich. Vor uns liegen entlang der Küste nur rund 32 Kilometer, um in die von rund 12.000 Einwohnern besiedelte Stadt zu gelangen. Wir wollen Hierapetra mit seiner venezianischen Festungsanlage im Hafen besuchen. Einst lag hier der antike Hafen Hierapydna und war Mittelpunkt des minoisch-ägyptischen Handels über das Libysche Meer.
Nach 40 Minuten Fahrtzeit liegt sie vor uns, die größte und südlichste Stadt Europas. Schön sieht sie aus, aus der Ferne. Der lange Sandstrand, die Festung mit Hafen und die im Licht schimmernden, weißen Häuser. Leider, ja leider nur von Ferne. In Hierapetra angekommen wird uns schnell klar, dass wir uns die Festung anschauen und uns schnellstens wieder auf den Weg begeben. In Hierapetra scheiden sich wohl die Geister der Entwicklung in den Richtungen Landwirtschaft, Industrie oder Tourismus und noch scheint nicht klar zu sein, wie sich das optisch einmal auswirken soll. Um den Hafen herum ist alles auf Tourismus ausgelegt, schaut man auf die Fassaden und nicht zu vergessen die Preise, bei denen die Gastwirte wohl auf die Dümmlichkeit nordischer Besucher ausgerichtet zu sein scheinen. Hinter den Fassaden sind Dreck und Unrat, Straßen die uns mit ihren Löchern eher an Tirana in Albanien erinnern. Ein Chaos an Kabeln und Strommasten gen Himmel schauend und überhaupt nach dem Regen der letzten Nacht ist hier alles eher überflutet mit brauner Brühe. Wir möchten keine vernichtenden Urteile aussprechen, tun dies hier aber bewusst. Hierapetra kann man sich sparen, ersparen, es sei denn, man ist auf einen Ballermann-Urlaub aus und trinkt sich jeden Abend die Schönheit der Stadt herbei, indem man entlang der hundert Tavernen mit Gleichgesinnten um die Wette gröhlt. Kein Stern bekommt die Stadt von uns und wir ziehen weiter.
Es geht über die Berge und den Ausläufern des 2.148 Metern hohen Dikti-Gebirges, welches wir von nördlicher Seite auf dem Weg zur Lassithi-Hochebene schon befahren haben. Es ist der 4. Advent.
105 Kilometer werden es noch sein, bis wir den Platz finden, der unseren hohen und winterlichen Anforderungen an einen Stellplatz für unser Hotel entspricht. Auf zur ehemaligen Hippie-Kolonie, auf nach Matala-Beach, lautet die Devise für Heute.
Über die Fahrstrecke nach Matala-Beach lässt sich nicht viel sagen. Bergig geht es zu, einige Ausblicke zum Meer hin, aber eben nichts dramatisches, wie am Tag zuvor. Dennoch, viele kleine Buchten und Badestrände mit lieblichen kleinen Fischerorten soll es entlang unserer Route zur Meeresseite hin geben. Die Ortschilder verheißen auch die Namen dieser Orte. Die Straßen dorthin können wir allerdings nicht befahren. Sie sind zum größten Teil nicht einmal befestigt und Geröll und Steigungen, wie auch Gefälle von 10% und mehr könnten unserer Reise ein schnelles Ende bereiten. So müssen wir verzichten und rollen weiter auf Asphalt. Am späten Nachmittag erreichen wir den einstigen Strand der Hippiekolonie und können direkt und unglaublich mit voller Breitseite unserer Hotels zwischen Strand und Hippiehöhlen parken. Vor uns liegt die panoramenartige Bucht und spendiert uns zudem einen Blick auf die Insel Paximadia.

Hippiestimmung am Strand von Matala
Es wird schon dunkel, aber ich muss unbedingt noch in eine solche Höhle hinein, die in ihrer jüngsten Zeit ihrer Geschichte Wohnort für Hippies waren, in steinzeitlicher Geschichte den ersten Menschen Zuflucht boten und unter römischer Herrschaft zu Begräbnisstätten wurden. Wie mag es hier in den wilden Sechzigern ausgesehen haben. Damals hatten wir doch fast alle lange Haare, trugen Blümchenhemden und Armeejacken mit der Aufschrift „Make love – No war!“ Das Atomgegnerzeichen prangerte unübersehbar auf dem Rücken. Ich schaue aus einer der Höhlen hinunter zum Strand, sehe vor meinem geistigen Auge lauter junge Menschen im Kreise sitzen. Einer spielt Gitarre, ein anderer taktet das schellende Tamburin gegen seine linke Hand, die Mundharmonika jammert mit zittrigen Tönen, viele der Anderen singen und tanzen barfuss im warmen Sand dazu. Der Schein des Lagerfeuers erhellt die Bucht und die Gestalten und taucht alles in eine gespenstische Kulisse. War es gerade Cat Stevens, der da in die Saiten griff? Hier soll er doch sein berühmtes „Tea fort he Tillerman“ - Album komponiert haben, oder war es jemand der Donovans „Atlantis“ und den „Universal-solider“ zum Besten gab, oder gar Barry Macquieres raue Anklage des „Eve of destruction“ aufspielte? Janis Joplin, sang an dieser Beach ihre Proteste gegen den Wind und in die Brandung. Das war die Folklore der Sechziger Hippiekultur und ich kann sie förmlich noch hören und summe gerne mit. Ich schau ich mich um und will den Kerzenschein aus den Höhlen flackern sehen, die Düfte von Räucherstäbchen inhalieren und den Bratenduft von frisch gefangenen Fisch dazu genießen. Was für eine Zeit war das damals! Was ist aus den Hippies geworden? Warum haben sie sich überlebt? Warum war ihre Bewegung von nur so kurzer Dauer? Fragen über Fragen. Ich werde darüber nachdenken müssen, denn das Thema fasziniert mich nun von Neuen. Mich, den Typen der selbst einst schulterlanges Haar trug, Gitarre in einer Band spielte, die Mao-Bibel stets in der Gesäßtasche der Jenas mit sich trug und für den das kommunistische Manifest biblischen Charakter besaß. Was waren wir nur für Träumer? Wir wollten die Welt verbessern! Ist es den Anderen auch so wie mir ergangen? Jobben, Studium, Kinder, Ehe, Job, Karriere, Wohlstandsbäuchlein, Häuschen, das berühmte Bäumlein pflanzen und die Geschichte setzt sich so fort, gleich der unserer Eltern und deren Eltern? Am Ende unseres Dranges nach Freiheit und einer von anderen Werten bestimmte Gesellschafts(un)ordnung stand die Anpassung an die Gesellschaft und ihrer “ bewährten-gelebten“ Ordnung, die uns doch so verhasst war. Wir blickten damals auf die Geschichte zweier Weltkriege zurück und stellten sie natürlich in Frage, während in Vietnam die Amerikaner begannen ihr vernichtendes Agent Orange zur Entlaubung ganzer Urwälder und todbringendes Napalm abzuwerfen, um gleich ganze Dörfer und Landstriche zum verglühen zu bringen. Junge Amerikaner zogen in den Krieg ins Ferne Asien. Menschen, so jung, oder so alt, wie wir es gerade einmal waren, ließen dort ihr Leben. Wer zurückkam, die grüne Hölle überlebt hatte, war für immer gezeichnet, psychisch und viele physisch. Klar waren wir gegen jede Art kriegerischer Auseinandersetzung, Frieden bestimmte unser Denken. War es gut so, das sich die Hippies überlebt haben, oder schlecht? Hätte beides, dass Alte und das Neue, nicht irgendwie verschmolzen werden können? Was hätte aus einer anderen Gesellschaftsform und Werteordnung werden können? Wir werden es wohl nie erfahren, denn die Chance wurde verpasst es zu probieren. Wie von den Spartanern, ist von den Hippies nicht viel übrig geblieben. Beides lebt nur noch in der Geschichte fort.
Es wird dunkel, die bunt gekleideten Hippies, die eben noch schemenhaft vor meinen Augen tanzten, sangen und lachten sind wie Geister aus einer fernen Zeit mit dem letztem Licht entschwunden. Der Platz ist wieder einsam geworden. Ich blicke hinunter auf den treuen Camper, auf unser Hotel und Zuhause und komme gleich zum naheliegendsten Gedanken: Was wird Brigitte heute gekocht haben? Wie banal das Leben doch ist, aber man hängt eben an dieser Banalität, sie ist ein Teil von uns geworden. Ich verlasse den Felsen etwas wehmütig, um ihn morgen, bei Tagesanbruch nochmals und diesmal mit Brigitte zu erklimmen. Ein freundliches Kalinichta und wuchtiges Jammos auf den heutigen Tag und die goldene Zeit der Hippies, die nichts weiter als Frieden wollten auf der Welt, Liebe und Frieden für alle und nur das der Erde entnehmen, was man zum (Über)-Leben brauchte. Ich bin dankbar, diese Zeiten miterlebt, mitgefühlt zu haben und schäme mich dafür keinesfalls, auch wenn, einem ehemaligen Vorstandsvorsitzendem aus Deutschland eine solche Vergangenheit als Schwäche und schwerwiegendem Fehler beim Karrierestart auszulegen ist. Vielleicht ist es jetzt, wo ich 53 Jahre alt bin, Zeit, meine, mir damals aufgepresste, alte Werteordnung hier in den alten römischen Gräbern rituell abzulegen, und, für mich eine neue Ordnung, ein neues Leben und sinnvolle Aufgabe zu suchen. Dies ist ein wichtiger Gedankenimpuls und ich weiß, es wird etwas Neues folgen, den alten Pfaden vermag ich nicht mehr zu folgen. Aus Protest öffne ich später alle Fenster des Reisemobils, lege von Bob Dylan „ … like a Rolling Stones“ in die CD-Maschine und drehe den Regler auf volle Phonzahl. Es schallt zurück von den Felswänden. Das mag eine lächerliche Geste sein, … aber es tut irgendwie gut, es befreit sogar, … wir singen es nun Beide lauthals in die Brandung und den Wind, „ … Like a Rolling Stone!“ „ Jammos!“ (Prost), auf alle, die unseren Zeilen, bis hierhin gefolgt sind.

Tag 40: Matala-Beach und Agia Galini 28 km
Der Tag beginnt mit Sonnenschein, die Nacht hatte es, wie die Nacht davor, geschüttet was die Schleusen des Himmels aufgestaut und hergeben konnten. Mit dem Aufgehen der Sonne erstrahlen die Felsen von Matala-Beach nun freundlich und strahlend in ihrem ihnen eigenen Ockerton. Nach einem starken Kaffee sind wir für die Höhlen gut gerüstet.
Wir beschreiten die romantische Bucht, in der Zeus, nach dem Raub der Europa, an Land gegangen sein soll. Die Gestade, an denen der Apostel Paulus, auf seinem christlichen Feldzug Richtung Norden, bei starkem Seegang, Zuflucht gesucht haben soll. Brigitte und ich erklimmen die recht gut zu „bezwingenden“ Felsen und Höhlenplätze. Einige der Höhlen sind sogar miteinander verbunden, bilden richtigen Wohnraum und Zimmer, wenn man bescheidene Maßstäbe ansetzt, wie es sicherlich, in der Jungsteinzeit der Fall war und für die Hippies einfach nur schick. Unser Blick richtet sich nun aber mehr in die Betrachtung der Höhlen als Begräbnisstätten. Deutlich sind die in Stein gehauenen Lagerstätten zu erkennen. Selbst die „Kopfkissen“ der Lager der letzten Ruhe sind aus Stein gehauen. Kleine Opferstöcke für Gaben an die Toten in Form von Nischen in den Sandstein geschlagen sind erstklassig erhalten. Brigitte, die irgendwie alles immer noch deutlicher als ich unter die Lupe nimmt, erspäht dann auch sofort Reste von Muscheln und Austern, die im Stein fossilienartig eingebettet sind. So hoch stand einst das Meer. So hoch rauschten hier die Wellen an Land und bauten vielleicht aus diesen Urgewalten die ersten Felslöcher, die später zu dem was wir heute sehen, ausgebaut wurden. In den Höhlen hat es den Anschein erhaltener, wenn auch sehr verblichener Wandmalereien, die aber eher urzeitliche Symbole darstellen. Wir können nicht glauben, dass sie rund 250.000 Jahre alt sind. Es werden wohl Übrigbleibsel der Höhlenkinder der Sechziger sein. In einer Höhle entdecken wir ein richtiges kreisrundes Symbol, das entgegen den typisch rauen Oberflächen des Sandsteins eher glatt geschliffen erscheint. Wir betrachten es genauer und erkennen dann, dass es sich um Ying und Yang handelt, den chinesischen Symbolen für Ausgeglichenheit. Das hatte bestimmt kein Jungsteinzeitmensch hergestellt. Gegen Mittag verlassen wir Matala-Beach, um zu dem Dörfchen Agia Galini zu gelangen. Dort angekommen finden wir im Hafen einen erstklassigen Stellplatz mit Blick auf die Hafenanlage, den nun schon gewohnten bunten Fischerbooten und die Berge. Die letzten zwei Tage waren ereignisreich genug, um nun mindestens mal wieder ebenso zwei Tage auszuspannen. Und dann ist da ja noch die Frage die uns sehr beschäftigt, wo werden wir Heiligabend verbringen?

Weihnachten mit der Familie, der Plan hat sich geändert …
Wir wissen es nicht erst seit gestern, so wie geplant, läuft Weihnachten nicht ab. Unsere Kinder werden nicht einfliegen und den Heiligabend mit uns verbringen. Das wurde nun schon vor zwei-drei Wochen klar. Die Weihnachtstage liegen nicht urlaubsverlängernd und wenn schon … und denn schon …, möchten unsere Kinder, wenn wir schon einladen, das ganze mit einem richtigen, kleinen Urlaub verbinden. Bisher haben wir diese Tatsache verdrängt, nun sind es aber nur noch fünf Tage und wir stellen uns dem Wunsch unserer Kinder und deren Partnern. Sie haben ja Recht. Billigflüge gibt es zu Weihnachten keine und Linienflüge sind nun mal teuer, so teuer, wie ein Pauschalurlaubsangebot mit Hotel und Verpflegung. Nächster Termin ist März-April, doch wo werden wir dann sein? Die Zeit wird es zeigen. Nun werden wir Weihnachten alleine verbringen, nur wo, ist die Frage? Wir diskutieren darüber. Heiligabend soll schon ein Höhepunkt werden, auch wenn die eigentlichen Höhepunkte, nicht einfliegen. Das stimmt doch schon sehr traurig.

Tag 41: (Un)Ruhetag in Agia Galini …? 0 km geplant, 127 km gefahren
Was macht man an einem Ruhetag? Faulenzen, lesen, Fernsehen schauen? Weit gefehlt! Eine Wäscherei wird gesucht und dorthin verschleppt was der Reinigung bedarf. Großeinkauf steht auf dem Programm, ebenso, wie das suchen einen funktionierenden Internet-Kaffees zum Übermitteln der vielen Texte und Fotos. Ebenso ist Post zu beantworten. Das Hotel wird von Grund auf gereinigt. Diesmal gar der Teppichboden shampooniert. Nur von außen bleibt das Hotel unansehnlich, denn Waschanlagen, wo wir den Camper reinigen könnten gibt es hier nicht und durch eine LKW-Waschanlage möchte ich unsere Plexiglasscheiben nebst Solaranlage und Satellitenschüssel auf dem Dach, nicht jagen. Wenn das alles erledigt ist, beginnt der Mühsaal des Ausruhens und es kommt fast ein Gefühl von Langeweile auf, so sehr hat man sich an die Abwechslung vorbeihuschender Landschaften, Gestade und verträumter Örtchen gewöhnt.
Agia Galini ist ein altes Fischerörtchen, welches es verstanden hat das Notwendige, den Fischfang und die Landwirtschaft mit dem Ersehnten, den Einkünften vom Fremdenverkehr zu einer gelungenen optischen Mischung zu vereinen. Etwas, wovon, Hierapetra, noch Lichtjahre entfernt zu sein scheint.
Ansehnliche Häuschen und Hotels schmiegen sich an den Berg. Alles macht einen frischen, freundlichen und auch griechischen Eindruck. Der Hafen ist gepflegt. Mit viel Liebe wurden Palmen gepflanzt und Bänke am Wasser platziert. Die Hafenanlage ist aufgeräumt und die auf Trockendock stehenden Kähne sind gut in Schuss und tragen zu einer gelungen Gesamtoptik der Anlage bei. Die Lage des Ortes ist landschaftlich wunderschön. Die riesigen Massive des Gebirges gen Norden, darunter die fruchtbaren Ausläufer und dann der Berg, an denen sich Häuschen an Häuschen reihen. Überrascht sind wir auch von den Geschäften. Hier gibt es noch den ursprünglichen Bäcker, Metzger und Gemüseladen. Alles macht einen sauberen nicht verdorbenen Eindruck, gleichwohl der Tourismus eine große Industrie für Agia Galini darstellt.
Wir tätigen unseren Einkauf. Beim Metzger zahlen wir für rund 3 Kilo Schweinelendchen und Koteletts € 10,00. Bei der netten Dame, in deren Gemüselädchen es so aufgeräumt und gemütlich wie in einem Wohnzimmer ist, zahlen wir nach einigen Minuten, denn sie schaut gerade die Verfilmung des Lebens des Christopher Reeves, den sie wohl abgöttisch verehrt, für 3 große Fleischtomaten, 2 Orangen, 3 Zitronen, 4 Zwiebeln und 4 kleine französische Zwiebeln ganze € 1,60. „Oh Europäische Beamten, die ihr in Brüssel aus lauter Langeweile und zur Rechtfertigung Eurer überzogenen Gehälter und Spesen für alles Normen und Gleichheit in Größe, Farbe, Beschaffenheit und Preisen, in allen Ländern anstrebt, versagt hier in Griechenland und lasst die Preise wo sie sind“, schießt es mir durch den Kopf. Auch ich genehmige mir wieder einmal 4 Päckchen Zigaretten und nehme die Großpackungen mit je 24 Stück für nur € 2,50 pro Päckchen. Immerhin stolze € 5,70 in Deutschland. Das deutsche Bier bei Lidl, erfreulicher Weise ohne Dosenpfand, zu erstehen der halbe Liter für € 0,35. Nicht das ich gegen Recycling bin, nein bestimmt nicht, aber auf so engen Raum die Dosen einer Woche oder mehr zu lagern ist unzumutbar.
Nach so vielen guten Erfahrungen in Griechenland, muss zwangsläufig die Negative irgendwann kommen. Wir wussten, dass sie kommt und heute war ihr großer Tag! Gegen Mittag klopft es an unser Hotel. Ein junger Hafenbeamter steht vor uns und entschuldigt sich vielmals. Er weist uns an, den Wagen aus dem Hafen zu entfernen. Der Grund sei weder der Camper, der ja ordentlich, nicht störend und kaum sichtbar und auf einem ausgewiesenem Parkplatz, geparkt ist. Auch hätten sich die Fischer und die kleinen Shops im Ort über uns als Gast und Einkäufer gefreut. Grund sei, ein Mann, der seinen großen Einfluss, leider in den negativen Sinn einsetzt. Wer könnte dies anderes sein, als der Campingplatzbesitzer der Stadt. Sein Platz liegt außerhalb der Stadt, was für uns sowieso ein Grund gewesen wäre ihn zu meiden. Vielmehr ist dieser Platz auch keine Stelle die wir frequentieren würden. Alles diskutieren nützt nichts. Auch der Hinweis, dass wir ja auf einem Parkplatz stünden und unser Fahrzeug nun mal ein KFZ sei, für die, dieser Platz geschaffen wurde. Auch stünde hier ja kein Schild „Parken verboten – Camping verboten“, oder ähnliches. Wir haben 2 Stunden Zeit unser Hotel zu entfernen. Leider, denn hier gefiel es uns sehr gut. Wir sahen auch den ersten Schnee, der in der letzten Nacht gefallen war, hoch oben in den Bergen des Dikti-Gebirges.
Ein deutschsprachiges Ehepaar nimmt die Diskussion wahr und erklärt uns, dass der Campingplatzbesitzer selbst jene Hotels und Tavernen der Polizei meldet, die einem Camper erlauben den Parkplatz zu nutzen während er dort sich verköstigen lässt, oder gar ein Zimmer im Hotel gebucht hat, um einmal wieder in einem richtigem Zimmer zu schlafen und ein Vollbad zu nehmen. Selbst die Vermieter von Appartements trauen sich nicht an einen Wohnmobilfahrer zu vermieten, um dem Ärger mit der Polizei zu entgehen. Es muss sie eben doch geben, die maffiaähnlichen und von Beziehungsgeflecht durchsetzten Strukturen, die anderen Interessen Schaden, um eigene durchzusetzen. Schade, dass sich gerade die Polizei solchen Strukturen in Agia Galina unterwirft. Reisemobilisten, die Ihr diesen Bericht lest, meidet den Campingplatz mit dem Namen „No Problem“,. Der Name seines Platzes scheint auch sein Programm zu sein. Nur wer bei ihm Geld lässt hat in Agio Galina „ … no Problem!“
Wir entschließen uns aufzubrechen und starten das Hotel gegen 12 Uhr Mittags. Ein wenig sauer sind wir schon.
Wir verlassen die Südküste, weil die weiteren Dörfchen Richtung Westen und entlang der Küste nicht viel zu bieten haben, oder eben kaum erreichbar sind, da es befestigter Straßen bedarf, wenn man mit einem Reisemobils, wie wir es haben, unterwegs ist.
Über die Berge geht es von Mires, westlich vor Hierapetra, nach Heraklion, zurück zur Nordk

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Gast am 18 Mär 2007 23:31:01


Gast am 18 Mär 2007 23:33:27


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Flywolf am 18 Mär 2007 23:39:09

Hallo Jeff!
Ich hab da ein kleines Problem. Foto 1 und 3 kann ich nicht zuordnen, aber Foto 2 ist eindeutig Dubrovnik, also nicht auf Kreta.
Wolf

kirsche.ndh am 19 Mär 2007 08:20:14

Toller Bericht.

conga am 19 Mär 2007 10:04:19

Jeff,
ich finde es unglaublich, wie viele aktuelle Reisedetails und wichtige Landesinfos Du in Deinen Berichten verarbeitest. Dabei noch "menschlich" und spannend geschrieben. Super!
Ich nehme an, Du hast schon während der Reise vieles notiert?!
Nur ein Problem habe ich mit Deinen Berichten und Fotos: wann soll ich das alles lesen und anschauen ? Aber es zieht mich immer wieder zu den Berichten.

Gast am 19 Mär 2007 15:32:39

Hallo Conga,

mein Laptop ist immer dabei und ich verarbeite den Tag meistens am Abend. (Nach Einbruch im Reisemobil in Israel war dieser allerdings gestohlen und mit ihm 700 ungesicherte Fotos).
Danach folgt die Reisevorbereitung für den nächsten Tag. Ich lese dabei viel über die Geschichte des Ortes, die Menschen und der Besonderheiten, oder lese es meiner Frau vor, die dabei gerne kocht.
Manchen altertümlichen Zeitgenossen folge ich gar, wie dem Apostel Paulus (... gleichwohl nicht fromm im Sinne der Kirche und doch gläubig im Innern), Alex dem Großen, Ibrahim Pascha, Barnabas, den Minoern, Moses, nicht zu vergssen.
Ich könnte bestimmt über 100 Namen aufzählen. Habe auf diesem Tripp erstmals die Bibel gelesen, aber auch den Koran. Dann bin ich ein absoluter Fotofreak. Und so kommt das alles zusammen. Jeff

Gast am 20 Mär 2007 10:43:56

Kre 3: Hier standen wir im Hafen von Agio Nicolaos
Kre 2: Dito
Kre 1: Auf der Lassithi-Hochebene

Gast am 20 Mär 2007 16:21:27

Tag 42: Spinalonga und zurück nach Aghios Nikolaos 35 km
Die Nacht war ruhig, niemand klopfte an unser Hotel und mahnte zur Weiterfahrt. Wir freuen uns darüber. Zeitig brechen wir auf, um die versunkene, dorische Stadt zu besuchen. Schnorchler und Taucher haben hier ihre antike Unterwasserwelt, die es zu erkunden gilt. Wir verzichten allerdings auf ein Bad im Meer, es herrscht Nordwind, in den Gebirgen fällt Schnee und es sind eiskalte 10 Grad plus, die wir allerdings viel kälter erleben, denn der Wind von Norden schneidet uns durchs Gesicht.
Gegen Mittag verlassen wir die Gegend um Olus und Elounda und kehren zurück an unseren Stellplatz in Segelhafen von Aghios Nikolaos. Vorige Woche bei unserem Besuch dort wollte die Dame an der Kasse noch € 3 für 24 Stunden haben, heute € 6. Ein wenig lamentieren hilft und sie kurbelt die Schranke auch für drei Euro hoch. Gegen Abend schlendern wir durch die vielen kleinen Gässchen hinunter zum Voulismeni-See. Werden wir die Göttin Athene dort vielleicht baden sehen? Der Sage nach hat sie hier einst ein Bad genommen. Leider, heute, nicht, auch ihr wird es zu kalt sein an diesem Tag, um diese Jahreszeit. So gehen wir griechisch essen, genießen Raki und verbringen den Abend dann in unserem Hotel und Dank Wireless-Lan mit Freunden im Chat.
Morgen wollen wir einen Ruhetag einlegen!

Wie man Garnelen das fliegen beibringt …
Die Angel musst ja nun endlich einmal ausprobiert werden. Im Hafen von Aghios Nikolaos wünschte Brigitte mir lachend ein „Petri-Heil“, als ich mit ganzen Gerödel loszog Richtung Kaimauer. Zunächst fällt mir auf, das ich die Angel ja verkehrt herum aufgespult habe und damit die Leine nicht über die dafür vorgesehene Rolle läuft. Kein Problem! Kurzerhand wird der Haken an eine Laterne gebunden und ich bewege mich rund 150 Meter langsam von dieser weg, bis die gesamte Leine von der Rolle gespult und gespannt ist. Zwei Spaziergänger habe ich dabei fast erlegt, denn sie stolpern über die fast unsichtbare Schnur. Endlich kann ich nun auch das Gerät auf linkshändig umstellen. Schnell bewege ich mich zurück in Richtung Laterne und spule auf was das Zeug hält. Hurra! , die Angel ist nun einsatzbereit. Die Garnele wird nun per wuchtiges Ausholen der drei Meter langen Rute zu Wasser gelassen. Nah-Ja, zu Wasser ist vielleicht übertrieben, es sieht eher wie der Start eines Jumbo-Jets aus, denn ich sehe, wie sie einem Vogel gleich, in die andere Richtung fliegt als der Haken und die Bleigewichte. Dies sehr zur Freude einer Möwe, die im Sturzflug auf die Wasseroberfläche fliegt und meine Garnele stiehlt. Der Haken ist nun erstmals gewässert, ohne Köder, und ich rolle die Leine wieder ein. Das geht aber nicht so einfach, irgendwas hält den Haken fest. Ein Hai wird’s nicht sein denke ich und ziehe fester. Die Angel peitscht zurück, ohne Gewichte, ohne Haken. Erneut wird alles bestückt, eine neue Garnele – ein neues Glück.
Der Vorgang wiederholt sich und tatsächlich, nachdem sich weitere Möwen die zweite und dritte Garnele genüsslich einverleibt haben, landet die vierte im Hafenbecken, fest am Haken. Nun ist Geduld angesagt! 5 Minuten sind vergangen. Geduld? Weis ich denn, ob die Garnele nicht längst gefressen, der Fisch entkommen ist? Erneut wird eingezogen was die Rolle hält und zur großen Überraschung, ist was am Haken. Ich spüre es genau. Es zieht und gibt auch wieder nach. Aber sehr langsam. Ein Oktopus vielleicht? Ich ziehe, gebe nach, ziehe wieder an und langsam aber sicher verringert sich der Abstand zwischen mir und meinem Abendessen. Es muss was großes sein, denn die Angelrute biegt sich stark durch, wenn ich anziehe. Inzwischen schauen mir einige Kinder gespannt zu. Als der Haken endlich in Nähe der Kaimauer gespult ist mache ich mir auch schon Gedanken, wie ich den schweren Fang, ohne Käscher, über die 2 Meter hohe Kaimauer hieven kann. Den Gedanken kann ich schon bald wieder fallen lassen. Was ich geangelt habe ist ein Bootstau mit jeder Menge grüner Algen dran. Na jedenfalls habe ich damit die Dorfjugend belustig, denn ich habe laut lachendes Publikum, um mich herum versammelt. Ich probiere es immer und immer wieder. Ich wünsche schon, eines der Fischerboote käme in den Hafen und ich könnte einen Fisch kaufen. Aber die sind ja dann schon ausgenommen, was ich nicht kann, weil es mir schlecht dabei würde, und das nähme mir dann Brigitte auch wieder nicht ab. Ein guter Fang wäre für sie überzeugend, dass sich die Investition in eine Angel gelohnt hat. Das Fazit der Angelei an diesem Tag ist der Verlust von rund 15 Garnelen, (… immerhin ein bescheidenes Abendessen! ) rund 20 Metern Angelschnur, 8 Gewichten, 5 Haken und 6 Ösen. Schade! Zurück im Camper hat Gitte schon ein Steak in die Pfanne gehauen. Wie konnte sie nur wissen, dass es heute Abend keinen Fisch gibt, frag ich mich?

Tag 43: Alles unter Wasser 3 km
Brigitte nimmt es als erstes wahr. Der Teppichboden im Bad ist, an der Schrankwand, völlig durchnässt. Was folgt ist ein Einsatz der den ganzen Morgen andauert. Schrank leer räumen und da ist eine Menge verstaut. Verkleidungen und Deckel abbauen und so weiter. Was war geschehen? Vermutlich durch die ständigen Bewegungen die ein Fahrzeug dieser Art nun mal aushalten muss, hat sich eine Schlauschelle gelöst und Wasser tritt aus. Kleine Ursache – große Wirkung! Unsere, über Internet, an den Hersteller gerichtete Anfrage wurde nicht beantwortet. Wer will uns auch schon hier am Ende der Welt helfen können. Rod, der Mann, der den Bootsshop im Hafen leitet und an den ich mich zuerst mit der Bitte um Hilfe gewandt hatte, kommt in der Reparaturzeit dreimal vorbei. Er ist ein Engländer der irgendwann einmal hier hängen geblieben ist, tippt immer wieder auf eine defekte Wasserpumpe und preist seine Pumpen lobend an. Man merkt, wie er darauf spekuliert, eine an den Mann, oder in diesem Fall, an das fahrende Hotel zu bringen. Meiner Bitte um physischer Hilfe wollte oder konnte er nicht nachkommen, ihm lag wohl eher ein kleines Geschäft im Sinn. Die Schelle war schnell repariert und wenn schon alles ausgepackt ist, dachte ich, kann ich auch gleich die Runddusche reparieren und baue sie vollständig aus. Rod schaut zu und staunt entgeistert, was in solch einem Camper alles drin ist, während er derweil seine Cola schlürft und sich auf unserer Sitzecke rekelt. Er vergisst nicht hier und da, wenn ich einmal um die Ecke schaue, erneut den Hinweis mit der Wasserpumpe anzubringen und schlägt vor diese doch einfach mal nur so zu tauschen um dann zu sehen was passiert. Ich kann den Sinn darin jetzt noch nicht entdecken, den sie läuft ja, dabei soll sie aber gerade nicht laufen, wenn kein Wasser gezapft wird. Auch der Schaden an der Dusche ist schnell behoben, es war nur ein Kontaktfehler im Wasserkran, der beim Bedienen desselben neben dem Wasserfluss auch einen elektrischen Impuls an die Pumpe geben soll. Soviel hatte ich ja schon von unserem so hilfsbereiten, griechischen Freund in Heraklion gelernt. Rod schaut verdutzt darüber, dass ich es alleine geschafft habe und resümiert, dass er das alles auch hätte reparieren können und nun sicherlich um € 50 reicher wäre, hätte er nur mit angepackt. „Tja, Rod, zu spät, mein Lieber!“ Alles wird wieder eingebaut, die Schrauben sicherheitshalber zusätzlich eingeklebt und siehe da, die Wasserpumpe funktioniert so, wie sie auch funktionieren sollte. Rod bekommt von mir für die gesellige Unterhaltung, die Ratschläge aus sitzender Position erteilt und das nett gemeinte Angebot in Sachen Wasserpumpe eine gute Flasche Rheinwein aus der Bordapotheke. Glücklich und mit besten Wünschen für ein friedliches Weihnachtsfest zieht er von dannen. Wir wechseln indes den Standort in Richtung Fährhafen, auf der anderen Seite der Stadt, da wir, wie wir in der Nacht zuvor bei unserem Herumbummeln gesehen haben, ein Panoramastellplatz über das Meer, die Inseln und die Stadt geboten bekommen. Das ganze dann auch noch kostenfrei. Wir laden uns selber ein diesen Platz, unterhalb eines aus Hunderten von Lichtern in den Himmel gezeichnetes Segelboot, freudig anzunehmen. Es ist nun 15 Uhr und wir ruhen uns nun wirklich aus. Es war ja auch ein ganz schön aufregender Vormittag. Brigitte ist stolz auf mich, sagt sie, denn für einen handwerklich völlig Unbegabten hätte ich doch ein technisches Problem recht gut gemeistert. Ach!, … so ein Lob tut auch mal ganz gut, und sauge es tief in mich hinein.

Tag 44: Weihnachtseinkäufe in Aghios Nikolaos 0 km
Der kälteste Tag unserer Kretareise liegt vor uns. Das Thermometer zeigt nur noch 9 Grad plus. Es regnet und auch in der Nacht trommelten die Tropfen auf unser Flachdachhotel. Dies ist kein Tag für Ausflüge beschließen wir, bleiben in Aghios Nikolaos und werden uns mit Lebensmitteln für Weihnachten versorgen. Brigitte kauft auch das berühmte, traditionelle, griechische Weihnachtsbrot, welches besonders dekoriert an der Oberfläche, wie ein Geschenk, eingepackt wird. Das Weihnachtsbrot fehlt nie auf einer weihnachtlichen Tafel und unterscheidet sich optisch, manchmal auch mit einem Kreuz verziert, von den Broten der anderen Tage des Jahres. Das Kreuz, seitlich auch als „X“ zu deuten, weist auf den ersten Buchstaben des Alphabets hin, mit dem auch der Name von Jesus Christus, in orthodoxer Schreibweise, beginnt. In manchen Gegenden, insbesondere auf Kreta, wird in der Mitte eine Wallnuss eingebacken. Eine kleine kretische Taverne im Hafen, mit Blick über das Hafenpanorama und die Stadt, buchen wir für den kommenden Heiligabend, nachdem wir das Menü haben erklären lassen. Der Koch, er spricht recht gut unsere Sprache, beschreibt mit wilden Gesten und immer mit der Hand zum Mund fahrend, sein exquisites Angebot. Kretische Schnecken sind dabei, frischer Fisch, Tintenfisch, am Morgen des Heiligenabends gefangen, wie auch Muscheln, gehören dazu. Das wird ein Gaumenschmaus der besonderen Güte und damit beschenken wir uns gegenseitig. Darauf freuen wir uns jetzt schon.

Tag 45: Heiligabend in Aghios Nikolaos (24.12.2005) 0 km
Brigitte schmückt unser „Hotel“. Ein kleiner, reichlich behangener Weihnachtsbaum, wenn auch aus Plastik, ziert unseren Tisch. In der Mitte des Tisches ist das Weihnachtsbrot sorgfältig platziert, so wie es Brauch ist, auf Kreta. Die Fenster zieren Silbergirlanden und überhaupt sieht es schon sehr nach Weihnachten aus. Eine Zimtkerze verbreitet angenehmen Duft. Das zweite, eher bescheidene Bäumchen mit Lametta, steht hinter der Frontscheibe und neben ihm verweilt das aufblasbare Weihnachtsmännchen mit dem Rucksack, an dem sie die Kinder schon in den letzten Tagen beim Vorbeigehen an unserem Hotel erfreut haben: „Mama, kommt in dem Auto der Weihnachtsmann?“
Die Stadt, Aghios Nikolaos, ist heute ruhiger geworden, eine Art feierliche Stille ist eingekehrt. Weihnachtsmusik schallt dezent aus den Lautsprechern rund um den Hafen. Kinder ziehen als Nikolaus verkleidet durch die Geschäfte, singen ihr Liedchen, begleiten dies mit dem klingeln einer Triangel und werden dafür beschenkt. Ich sitze im Segelhafen und beantworte Weihnachtspost und versende Karten.
Da wir im Fährhafen stehen und die einzige Wireless-Lan-Verbindung nur im Segelhafen besteht und es zudem stürmt und etwas regnet, breite ich mich mit meinem Powerbook unter einer Telefonhäuschenbedachung aus. So bleibt die Technik zwar trocken, dafür läuft mir aber der Regen vom Hals den Rücken hinunter.
Hoch oben in den Gebirgen rund um Aghios Nikalaos hat es geschneit. Die weißen Bergkuppen glänzen über der Stadt. Draußen herrscht Sturm und es sind nur noch 5 Grad plus. Die Heizung im Hotel läuft und wir haben es gemütlich. Nun ist es bereits 16 Uhr und wir freuen uns auf das heutige Weihnachtsmenü. Gegen 18 Uhr ziehen wir uns fein an und auf geht’s, in die kretische Taverne am Hafen. Der Chef und Koch erklärt was er an Delikatessen zubereiten kann. Die Entscheidungen sind schnell gefallen, 3 Gänge sollen es werden. Zuerst kretische Miesmuscheln mit Kräutern aus den Bergen in Olivenöl fein angebraten, dazu Weihnachtsbrot und hausgemachten Rotwein. Der zweite Gang, auf den wir uns am meisten gefreut haben, besteht aus Gebirgsschnecken. Mit Rosmarin, einem Hauch Knoblauch und etwas Fenchel angemacht schmecken sie wieder einmal hervorragend. Zu Abschluss folgen Riesengarnelen vom Grill, gereicht mit einer gebackenen Kartoffel mit viel Olivenöl. Wir mochten es gar nicht glauben, aber Kartoffel passt, wenn so zubereitet, exzellent zu den Prawns. Nach rund zwei Stunden dinieren zieht es uns zurück zum Hotel. Uns dürstet nach einem kalten Bierchen oder zwei und einen Raki. In den späten Stunden des Heiligabends stürmt es noch. Wir sprechen über die 27 Heiligabende die wir schon gemeinsam begangen haben, soweit wir sie noch zusammen bekommen. Dann lese ich die Weihnachtsgeschichte vor:
„Der Wind ist frostig. Schnee fällt vom Himmel und treibt von Sturm getrieben fast schon waagrecht durch die Luft, als ich durch die Straßen meiner Stadt hetze, um letzte Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Es war bereits der Tag des Heiligenabends. Schon am frühen Nachmittag war ich mit den Einkäufen fertig, war voll gepackt mit Kartons, in denen sich allerlei Geschenke befinden. Es wird noch kälter, ein eisiger Sturm fegt durch die Gassen und ich beeilte mich schnell nach Hause zu kommen, als ich durch Schnee und Sturm ein junges Mädchen wahrnehme. Sie ist vielleicht gerade mal 12 Jahre alt. Trägt nur eine dünne Jacke, Halbschuhe, keine Handschuhe, keine Mütze und keinen Schal. Ich sehe, wie sie friert und ihr Gesichtlein ist vom kalten Wind gerötet. Der Sturm peitscht ihr ihre langen Haare immer wieder ins Gesicht. Ich rufe zu Gott: „Herr, wie kannst Du das zulassen, solch eine Armut an Deinem Geburtstag, am Heiligabend?“ Doch ich bekam keine Antwort, hatte wohl auch keine erwartet. Das Mädchen geht auf der anderen Straßenseite parallel zu mir und ich kann sehen, fühlen, spüren, wie sie zittert und friert. Der Anblick ist so erbärmlich, dass ich mit Gott schimpfte: „Typisch von Dir Gott, das arme Mädchen erfriert fast und mir gibst Du nicht mal die Antwort, wie Du dem Mädchen helfen willst!“ Ich gehe eine Weile weiter in der engen Gasse, nun fast neben dem Mädchen, als ich eine Stimme höre: „Siehst Du denn nicht, ich habe dem Mädchen doch schon geholfen, warum schimpft du dann mit mir?“ Ich schaute zu der Kleinen herüber und sehe, dass sie immer noch so ärmlich ausschaut wie vorher und eher noch mehr friert und zittert. Ich grolle zu Gott zurück: „Du hast Ihr geholfen? Wie denn? Nichts hat sich geändert, nichts hast Du getan Gott und wirst es auch wohl nicht!!“ Die Stimme antwortete mir: „Doch, ich habe ihr schon vor 53 Jahren geholfen, indem ich Dich erschuf!“
Etwas Göttliches werden wir nur erleben, wenn wir selbst bereit sind anderen selbstlos zu helfen. Frohe Weihnachten!

Tag 46: Zurück zum Fährhafen von Kissamos (25.12.2005) 233 km
Wie schnell sich das Wetter doch ändern kann. Gestern eisige 5 Grad und Sturm, heute angenehme 18 Grad und Sonnenschein. Gestern eiskalter Wind vom Norden, heute von Süden, von Afrika, mild herüberwehend.
Noch einmal durchrollen wir heute die Insel, diesmal von Ost nach West. Morgen Mittag gegen 11:30 Uhr geht unsere Fähre zurück nach Githio. Durch den Sturm gestern haben sich die Fahrpläne geändert. Es heißt nun schon diese frühe Fähre zu nehmen oder eine ganze Woche zu warten. Das wollten wir nicht, es soll ja weitergehen. So rollen wir die neue Bundesstraße über Heraklion, Rethimno und Chania nach Kissamos und erinnern uns gerne an die fantastischen Stellplätze und die zahlreichen Stadt- und Küstenbesuche. Am frühen Nachmittag stehen wir im Fährhafen und ich probiere noch einmal die Angel aus. Erfolg hatte ich dabei nicht. Nur die Fischschulen haben sich wohl an den Garnelen erfreut, denn, was am Haken hing, war nach jeweils 2 Minuten abgeknabbert. Gegen Abend werden wir den Stellplatz direkt am Wasser tauschen und uns in die Schlange der LKWs einreihen, die bereits zum Verladen werden warten. Das wird diesmal eng. Wir haben ein offenes Ticket und sollte der Platz nicht reichen, dass ist schon mal klar, müssen wir Kreta verlängern.
16 Tage waren wir Gäste des Göttervaters Zeus. 16 Tage haben wir uns an und auf Kreta erfreuen dürfen. 1.078 Kilometer hat unser Hotel dabei zurückgelegt. Ziehen wir Bilanz, ob sich die Kosten für Fähre und Überfahrt gelohnt haben, so gibt es zwei einstimmige und entschlossene „Ja“ –Stimmen. € 328, das war es wert, definitiv! Wer nur die Sonne genießen, an der Poolbar Cocktails serviert bekommen möchte, um abends dann in den Hochburgen des Trubels und in den vielen Diskos bis zum frühen morgen zu feiern, dem wird Kreta das sicherlich bieten. Ihm wird sich aber Kreta nicht offenbaren. Kreta ist kein „Standort“, Kreta ist eine Reiseinsel. Wer wenig Zeit mitbringt und atemberaubende Landschaften und verträumte noch ursprüngliche Örtchen und das Kretische überhaupt erleben will, dem sei die Ostküste empfohlen. Das Hafenstädtchen Sitia ist ein idealer Ausgangspunkt. Im Umkreis von nur 50 Kilometern gibt es, so empfanden wir Kreta, die schönsten Erlebnisse und atemberaubende Naturspektakel. Alles von Kreta haben wir nicht gesehen. Zahlreiche Strände und sicherlich traumhafte Buchten mit Häfen und Dörfern entnehmen wir einem Reiseführer, sind hier noch, um entdeckt zu werden. Wäre es Sommer, würden wir sicherlich länger bleiben und oftmals Stühle und Tisch aus dem Stauraum an den Strand stellen. So ist es Winter und uns verlangt es mehr nach Entdeckungen, als nach Meer und Sand. Es hat sich gelohnt, dieses Kreta. Stellplätze für ein Reisemobil brauchen Sie im Winter nicht zu suchen, es gibt sie an jeder Ecke, mit traumhaften Panoramen und niemand wird sie vertreiben, wenn Sie Agio Galini meiden.
Wenn Sie Zeus besuchen, vergessen Sie nicht den kretischen Honig zu probieren. Er ist kein Vergleich zu dem was deutsche Supermarktketten an Auswahl zu bieten haben. Vergessen Sie auch nicht wenigstens einmal kretische Schnecken in Thymian und Rosmarin zu genießen. Wer Ihnen jemals erzählt hat Schnecken wären schleimig, der hat wahrscheinlich noch nie welche gegessen, zumindest nicht die, dieser bezaubernden und verzaubernden Insel des Göttervaters Zeus.

quez am 21 Mär 2008 23:05:21

Ich bin immer noch ganz berührtvon diesem Reisebericht. Wir waren schon sehr oft mit dem WOMO auf Kreta und es zieht uns immer wieder hin. Man spürt das nahe Afrika, es ist in der Nebensaison ein Paradies für Wohnmobilisten, vor allem der Südosten.

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