Zypern Türkischer-Teil
Alle Orts- und geographischen Namen sind entsprechend der türkischen Namensgebung wiedergegeben.
Tag 95: Der erste Tag auf Zypern (Kibris) (11.02.2006) 80 km
Heute ist der 11. des Monats. Vor genau drei Monaten sind wir aus Deutschland aufgebrochen. Wie doch die Zeit vergeht!
Chaos herrscht bei der Abfertigung für die Verschiffung nach Zypern. Vier Behördenstellen, allesamt weit auseinander, müssen angelaufen werden. Ohne Stempel geht nichts. Niemand weiß so richtig wer was wann lädt, denn nun stehen drei Fähren in dem engen Hafen von Tasucu. Zudem regnet es in Strömen. Nochmals müssen wir Gebühren zahlen, € 10,00 für die Abfertigung. Unsere Hoffnung auf dem Oberdeck zu stehen und im Fahrzeug zu schlafen dürfen wir bald begraben. Unser Hotel wird in den tiefen Bauch der Fähre, mittel Aufzug, versenkt und wir müssen raus, da hier alles hermetisch abgeschlossen wird. Der „Salon“, ein eher heruntergekommener Wartesaal muss uns für die Nacht reichen. Um 24 Uhr sollte die Fähre auslaufen, um 3 Uhr morgens ist es dann endlich so weit, wir stechen in See.
Die LKW-Fahrer sind alle auf der Brücke versammelt und irgendwie ergeben sich ein paar Gespräche, auch über den Koran. Ein Thema welches wir Europäer eher tunlichst meiden sollten. Sie verstehen nicht, dass ich, als Deutscher, den Koran gelesen habe und fragen immer wieder nach den Gründen. Es wird eine lebhafte Diskussion.
Es schaukelt ganz schön, obwohl das Meer eher ruhig ist. Liegt es an der sicherlich überladenen Fähre oder an dem eher kleinen Kahn? Wir wissen es nicht! Um 11:30 Uhr legen wir auf Zypern an. Kein Regen! Die Sonne lacht! Es sind 22 Grad! Freude kommt auf!
Die Abfertigung zur Einreise ist wieder ein höchst komplexes Thema. Wieder sind es vier Stellen die wir anlaufen müssen. Die vorletzte ist die Auto-Zwangsversicherung die wir bar bezahlen müssen. TL 120,00 verlangt die zyprische Sigorta (Versicherung) für die vierwöchentliche Haftpflicht. Die Reifen werden halbherzig desinfiziert, mehr als ein halbes Glas Wasser möchte der Herr von der Pestkontrolle nicht investieren. Er müsste ja sonst auch seinen 5 Liter Sprühkanister ständig neu auffüllen und das ist ihm bestimmt zu viel Arbeit, man kann es ihm ansehen.
Lothar hat gleich zwei Probleme und seine Einreise steht, während ich hinter der Grenze warte, auf „wackligen Reifen“. Problem Eins konnte ich für ihn lösen. Sein Camper ist auf seine Tochter zugelassen und er hat keine Vollmacht von dieser, dass Fahrzeug nach Zypern einzuführen. Etwas diskutieren hilft und der Stempel ist im Pass. Das zweite Problem scheint von größerem Ausmaß. Paul, der hinten ganz Cockerspaniel und vorne ganz Pekinese ist hat zwar einen Impfpass, soll aber für vier Wochen in Quarantäne. Das machen die beiden natürlich nicht mit und so ist es jetzt und hier noch fraglich, ob sie die nächste Fähre zurücknehmen, oder doch durchkommen. Ein Tierarzt, der 25 Kilometer entfernt wohnt, wird zur Untersuchung gebeten. Nun heißt es warten.
Es ist 17:00 Uhr, wir stehen auf der gigantischen Landzunge im Osten, im türkischen Teil, direkt am Meer mit einer kleinen Miniinsel vor uns.
Leider ist die Sache mit dem Hund nicht gut ausgegangen, die Einreise wurde verweigert, trotz Impfpass, trotz Verhandlungen und guten Zuredens. Gesetz ist Gesetz und darüber setzt sich niemand hinweg. Die Angelegenheit wurde gar noch komplizierter, denn Lothar und seine Frau durften nicht einmal mehr im Zollhafen bleiben. Hund und Fahrzeug hingegen schon, aber das hätte ja nichts gebracht. Die nächste Fähre geht erst in zwei Tagen und so wurde eine Quarantäne verhängt. Lothar musste mit seinem Camper, samt Paulchen nach Lefkosa (Nicosia) hinter dem Tierarzt herfahren. Die beiden wollen bei ihrem Tier bleiben, kann man ja verstehen. Von Zypern haben sie nun keine Lust mehr. Am Montag soll es zurückgehen in die Türkei und dann sicherlich enttäuscht nach Hause. Wir haben uns verabschiedet und sind selbst ein wenig traurig für unsere neuen Freunde.
ACHTUNG! Auf Zypern herrscht Linksverkehr. An das Fahren auf der „falschen“ Seite kann man sich recht gut gewöhnen. Das Passieren einer Straße in größeren Ortschaften ist da schon etwas umgewöhnungsbedürftiger, denn das was wir als Kinder schon gelernt haben, immer erst nach Rechts zu schauen, ist hier gefährlich. Will man den Urlaub gesund überstehen, muss man zuerst nach Links blicken, denn von dort kommt der Verkehr.
Wir rollen aus dem Hafen raus, es ist schon 13 Uhr und biegen Richtung Osten ab. Die gigantische Landzunge mit über 100 Kilometern Länge ist unser Ziel. Die Straße ist nur 2 Meter breit, dafür herrscht kaum Verkehr und kommt dann doch mal ein anderes Fahrzeug ist Kooperation und rangieren angesagt. Die ersten 20 Kilometer verschlagen uns die Sprache. Überall fertige, neue Häuser und hunderte mehr im Bau. Riesige Maklerschilder dominieren das Landschaftsbild. Aber, keines der Häuser ist wirklich bezogen und trotzdem wird fleißig weiter gebaut. Die Lage der Häuschen ist teilweise einmalig und direkt am Meer. Die Schilder verheißen auch gleich die Preise: 3 Zimmer-Haus, 80 Quadratmeter, Englische Pfund 80.000. Man setzt wohl auf die Engländer, die hier kaufen sollen, nur tun sie es offenbar nicht. Wer finanziert das eigentlich alles?
Nach den „Neubauruinen“ wird die Landschaft gleich viel schöner. Es ist Frühling auf Zypern. Die ersten Blüten der Mandelbäume schimmern im Sonnenlicht. Viele Kräuter und Wiesenblumen leuchten in bunten Farben. Die Fahrt geht immer am Meer entlang und wir genießen diese wundervolle Kulisse. Vor dem Örtchen Agialousa entscheiden wir uns für einen Stellplatz mit breitem Blick über Klippen, Meer und dem namenlosen, kleinen Inselchen, auf dem gerade einmal unser Hotel Platz finden würde. Hier werden wir die Nacht verbringen. Was Lothar, Barbara und Paulchen nun wohl machen?
Tag 96: Auf dem Weg zum Kap (12.02.2006) 61 km
Langsam rollen wir die wenigen Kilometer die wir an diesem Tag zurücklegen wollen. Die steile Nordküste der Landzunge Karpaz, man mag sie auch Halbinsel nennen, ist zu schön. Eine Bilderbuchlandschaft mit vielen Klippen, goldenen Stränden, dem türkisblauen Wasser und einer unbeschreiblich frühlingshaften Fauna um uns herum. Übrigens begegnen wir hier wieder der Caretta Caretta, der Riesenschildkröte, die hier in den vielen Sandbuchten in den Sommermonaten ihre Eier ablegen, nachdem sie die weite Reise von indischen Ozean bis hierher geschafft haben. Zur Eiablage kommt auch die Chelonia mydas, die leider auch den Namen Suppenschildkröte trägt. Gut das die Zeiten vorbei sind, wo sie an diesen Gestaden ein solches Schicksal erleiden muss. Hier sind die Schildkröten geschützt, denn es soll nur noch 300 – 400 im gesamten Mittelmeer geben. Das ist alles was von einer einst so ungestörten Entwicklung ohne den Menschen in Millionen von Jahren bleib. Die 88 Strandablageplätze Nordzypern sollen besonders gesichert sein. Solche Sicherungszonen finden wir allerdings nicht. Vielmehr sehen wir wie tausende „Neubauruinen“ immer näher an die Strände rücken. Leider auch viel Dreck und Unrat und das nicht nur vom Meer antreibend, nein, auch so abgelagert. Diese Entwicklung ist äußerst bedenklich. Als wir einen Strand entlang laufen finden wir Stangenweise geschmuggelte Zigaretten. Die Päckchen sind völlig durchnässt vom Salzwasser. Musste sie ein Schmuggler schnell über Bord gehen lassen?
Schade das es noch nicht warm genug zum schwimmen, oder sonnenbaden ist. Wir jedenfalls könnten es tagelang hier aushalten.
In Richtung Balalan finden wir eine Gebirgsquelle. Sie soll bei den Griechen als heiliges Wasser spendend verehrt worden sein. Viele Menschen kommen hierher um das kühle Nass zu zapfen. Auch wir füllen den Frischwassertank auf.
Gefunden in der Broschüre des Touristikverbundes Nord-Zypern:
Du schlanker, graziler Mandelbaum, wie anmutig du bist mit deinen Blüten und grünen Früchten! Verschenkst du dich mir selbst in dieser Zeit ohnegleichen im Jahr, wenn du und ich diese Freude teilen?
Und in der Tat, überall finden wir sie, die blühenden Mandelbäume. Aber nicht nur sie. Es blühen die Margaritten, gelbe und weiße, der rote Mohn steht in voller Blüte und Gänseblümchen lassen manche Ebene schneebedeckt erscheinen. Die Natur auf Zypern erwacht schon im November, mit den ersten Regenschauern die nach trockenem und heißem Sommer das Land auffrischen, die Wiesen grünen lassen und den Sand und Lehm in fruchtbares Ackerland verwandeln.
Zwischen Yenierenköy und Dipkarpaz finden wir einen Platz für die Nacht, stehen neben einem leeren Kirchlein, direkt am Meer und unter Palmen. Nur ein paar Poster von Heiligen und eine Ständer für Kerzen befindet sich in dem verlassenen Gotteshaus. Kein Stuhl, kein Altar, keine Lampen, keine Statuen, kein Prunk. Die Griechen haben nach der Teilung wohl alles mit auf die südliche Seite genommen. Und dennoch kommen einige wenige Leute noch hierher zum beten. Es gibt eben auch Christen auf der eigentlich islamischen Seite der Insel. Wir folgen wieder unserem Brauch, nehmen, mangels Vorrat im Kirchlein, eine unserer Kerzen, schreiben die Namen unserer Kinder, deren Partner und die unserer nahen Freunde darauf und entzünden sie. Der Abend wir ruhig und die Kojen werden früh in Anspruch genommen.
Tag 97: Gazimaguza, Stadt der vielen Kirchen (13.02.2006) 163 km
Früh geht es los. Viel haben wir uns vorgenommen. Nach so vielen ruhigen Tagen gelüstet es uns einmal wieder nach Programm. Wir rollen die noch rund 30 Kilometer zum Kap auf holprigen, schmalen Pisten. Je weiter wir zum östlichen Ende der Halbinsel oder Landzunge gelangen, desto spärlicher werden die Dörfchen und Anlagen. Der letzte Ort den wir passieren ist Dikapaz. Hier ist wirklich nichts mehr los. Wir sehen wieder die verlassenen Häuser der Griechen, eine Moschee, zwei Kirchlein und das war es dann auch schon. Zu erkunden gibt es hier nichts mehr. Dann biegen wir rechts ab, südlich, Richtung Kap. Hier sind sie, die goldgelben fast noch unberührten Strände. Hier und da mal eine kleine Taverne, oder das, was man hier unter einem Bungalowdorf versteht, drei bis zehn Hüttchen und eine Lokanta, die aber nur in den touristenstarken Monaten auf haben. Fünf Kilometer vor dem Kap passieren wir dann das Kloster des Apostel Andreas, der hier seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Über seinem Grab ist ein Kirchlein erbaut worden. Der Platz ist ungepflegt, heruntergekommen und von „Pharisäern“ der Neuzeit beherrscht. Überall wacklige Buden und Verkaufsstände. Ein Schild besagt, das hier ein Gestaltungsprogramm am laufen ist, zu bemerken ist es allerdings nicht. Wir besuchen den Heiligen Andreas nur kurz, zu abweisend ist der Ort und rollen weiter Richtung Osten. Bald sehen wir hoch auf den Klippen die Fahnen der Türkei und des Türkisch-Zypriotischen Landes wehen. Besonders schön ist es hier nicht mehr. Der Goldstrand, wenige hundert Meter vor der Klosteranlage, hat da schon mehr zu bieten.
Leider spielt das Wetter heute nicht mit und so entscheiden wir uns Richtung Gazimagusa zu rollen und zu bleiben wo es uns gefällt. Das wird gegen Abend zwischen Kloster und Grabstelle des Heiligen Barnabas, nur 2 Kilometer vor der Stadt Gazimagusa sein.
Gazimagusa liegt schon nah an der grünen Grenze zur griechischen Seite der Insel Zypern. Nicht die Neustadt ist interessant, sondern die riesige Stadtbefestigungsanlage die einst hier die Kreuzfahrer errichteten, und die Venezianer weiter ausbauten, nachdem sie den damals kleinen Fischerort Gazimagusa für strategisch relevant empfanden. Und gewaltig ist sie in der Tat, diese Bastion aus hohen Mauern, Steintürmen, Wällen aus Erdreich mit tiefen Gräben davor. Hinter dieser Wehranlage befanden sich einst unglaubliche 365 Kirchen. So auch die Krönungskirche der Lusignans, die hier einst herrschten. Im Jahre 1571 folgte dann die osmanische Eroberung. Die Einfahrt hinter die Stadtmauern ist einfach und ein Parkplatz findet sich auch sogleich. Sodann wandeln wir durch die Stadt, die leider sehr wenig Charme hat. Der große Stadtplatz, direkt am alten Gefängnis ist allerdings nett und einladend angelegt. Wir folgen unserem Plan der 22 historischen Punkte und sind bald überwältig, von den Resten der einstigen Kirchen und der heutigen Lala Mustafa Pascha Moschee, welche früher die Krönungskirche war. Der Anbau eines Minaretts passt allerdings wirklich nicht zur gothischen Architektur. Es erübrigt sich hier alle Sehenswürdigkeiten aufzuzählen und zu beschreiben. In jedem Touristenbüro gibt es kostenlose Broschüren und Pläne, die den Weg weisen. Ein unvergesslicher Besuch allemal. Nicht vergessen sollte man die Teile der Festungsanlage, die, die Engländer bis zu ihren Abzug als Kaserne nutzten. Man bekommt hier ein gutes Bild von der zu Zeiten der Kreuzritter erdachten Kriegslogistik die, die Planer einrichteten, um gegen Angriffe bestens gewabnet zu sein. Ganze Gespanne von Pferdefuhrwerken und Wagen konnten die hohen Mauern umrunden und jederzeit Munition aus den Bunkern nachladen. Leider sind die englischen Truppen mit dem kulturellen Erbe teilweise nicht sehr behutsam umgegangen. Sie richteten ihren Schießplatz so ein, dass die Stadtmauern als Kugelfang dienten. Tennisplatz große Teile der alten Mauern und Anlagen sind so pulverisiert worden. In Gazimaguza kann man sich ein hervorragendes Bild von der Geschichte der Stadt machen und sie wirklich nachvollziehen. 3-4 Stunden Zeit sollte man sich dabei lassen.
Am Abend stehen wir auf dem Gelände des Klosters des Heiligen Barnabas, direkt zwischen Kloster und seiner Grabeskirche. Das Kloster wird angestrahlt und bietet eine romantische Kulisse.
Nachtrag: Während ich hier sitze und den Bericht schreibe, klopft es an unser Hotel. Eine betagte Dame, die nur 50 Meter von uns ihr Häuschen hat, möchte uns zum Kaffe einladen. Wir bitten sie in unseren Camper, interessiert schaut sie sich alles an und erzählt ein wenig, viel Englisch kann sie nicht, aus ihrem Leben. Ihr Sohn, so verstehen wir sie, ist in jungen Jahren auf Zypern als Soldat gefallen. Da wir heute müde sind, verabreden wir uns auf den Morgenkaffe bei ihr und sind gespannt was sie noch zu erzählen hat, denn sie lebte einst auf der heute griechischen Seite in Limasol und musste nach der Teilung nach Nord-Zypern „auswandern“. Als hätten auf Zypern, der immerhin drittgrößten Insel des Mittelmeeres nach Sizilien und Sardinien, nicht beide Volksgruppen Platz, um ein friedliches und freundschaftliches Leben zu teilen.
Tag 98: Hl. Barnabas, St. Hilarion und Kap Korucam (14.02.2006) 134 km
Der Heilige Barnabas hat uns Ruhe geschenkt diese Nacht. Allerdings haben wir Vollmond und es wurde empfindlich kalt. Als wir aufwachen sind es nur noch 10 Grad im Hotel. Schnell schmeißen wir die Heizung an. Es ist ein frühes erwachen an diesem Tag.
Zunächst besuchen wir das Grabmal des Heiligen Barnabas, des Märtyrers und Vertrauten des Apostel Paulus. Im benachbarten Salamis ( 5 Kilometer nördlich von Gazimagusa, 2 Kilometer von seiner Grabstelle) fand er als Märtyrer den Tot, denn seinem Glauben wollte er nicht abschwören. Sein Leichnam liegt in einer kleinen, bescheidenen Kapelle, 150 Meter vom gleichnamigen Kloster, das Kloster des Heiligen Barnabas, entfernt. Ein osmanischer Bau ist das Kloster, mit einer kleinen, später angebauten christlichen Kapelle mit Glockenturm.
Das Kirchlein, die Grabesstelle, ist offen und Licht flutet durch die Fenster in das Gebäude. Viel, außer ein paar billige Druckikonen, dekorieren den Raum nicht. Dann steigen wir hinab in die Kellergewölbe. Es ist dunkel, riecht etwas modrig, auch nach Kerzenwachs und Weihrauch. Die Decken sind von den vielen Kerzen die hier entzündet wurden rauchgeschwärzt. Unten angekommen ist seine ewige Ruhestätte gleich rechts angelegt. Ein Strauß Lilien schmücken die kleine Steinbank vor seinen in Stein gemeißelten Sarkophag.
Über dem Deckelverschluss liegt eine rote Samtdecke mit Goldtrasseln. Den kleinen Raum schmücken Heiligenbilder und Gaben, wie Olivenöl, Wasser und Nüsse. Von der Grabesstelle geht eine merkwürdige Ausstrahlung aus, oder wir empfinden es nur so.
Seine Geschichte liest sich so: Geboren wurde Barnabas in Salamis. Er war der Sohn einer jüdischen Familie und studierte in Jerusalem. Im Jahre 45 n.Chr. kam er zurück nach Zypern und begann mit dem Apostel Paulus das Christentum zu verbreiten. Deswegen wurde er von den Leuten seiner eigenen Abstammung umgebracht. Sein lebloser Körper wurde zunächst im Hinterland versteckt und später ins Meer geworfen. Dies wiederum sahen die Anhänger von Barnabas. Sie entrissen den Körper den türkisblauen Fluten und versteckten ihn, zusammen mit den Schriften des Apostel Mattheus, die Barnabas so sehr schätzte und wenn immer es ging mit sich führte, was damals natürlich sehr gefährlich war. Christen wurden verfolgt. Als die Juden hier von hörten, verfolgten sie die Anhänger von Barnabas. Diese flüchteten in eine Höhle in der Nähe der Stadt Nicosia und gelangten später nach Ägypten. Die geheime Grabesstelle geriet in völlige Vergessenheit und wäre sicherlich niemals auch gefunden worden. Es gab ja niemanden mehr der von der Erde, in der Barnabas seine Ruhe finden sollte, zeugen konnte. 432 lange Jahre gingen ins zyprische Land. 432 lange Sommer, 432 ebenso lange Winter. Generationen von Zyprioten wurden geboren und Generationen vergingen wieder. Dann, nach unvorstellbaren 432 Jahren hatte der Bischoff Anthemonios von Zypern einen Traum. In diesem Traum sah er Barnabas tot liegend in seinem kalten Grab. In den gefalteten Händen hielt er das Evangelium des Apostel Mattheus. Was der Bischoff noch sah in diesem Traum, war die Offenbarung der Grabesstelle. Umgehend begab er sich mit Arbeitern im Gefolge zu dem geheimen Ort und ließ sie graben. Schon bald wurden sie fündig, denn so präzise war dieser, sein, des Bischoffs Traum. Er stand vor dem Grab, öffnete den Steindeckel zu einem Sarkophag. Was der Bischoff dann sah, war ein genaues Spiegelbild seiner nächtlichen Eingebung. Der Heilige Barnabas lag dort. In den gefalteten Händen noch immer die Schriften des Heiligen Mattheus. Das musste der Beweis sein. Der Bischoff verbrachte dann die Gebeine nach Istanbul und präsentiere diese und seine denkwürdige Geschichte dem Führer Zeno. Dieser wiederum glaubte dem Bischoff. Hierdurch wurde die Selbständigkeit der Zyprischen Kirche erlangt und an der Stelle des Grabes im Jahre 477 n.Chr. das Kloster erbaut.
Dies ist die Geschichte, sie ist verbrieft, man darf ihr getrost folgen.
Dieses ist der zweite Traum der zum Auffinden wichtiger Stätte führte sollte. Wir erinnern uns an Ephesus und dem Wohnort der Maria nach dem Tode Jesus-Christus. Es war die Nonne Emmerich, die des Nachts die Eingebung im Traume hatte. Und nun, hier, ein Bischoff, der im Schlafe so deutlich sah wo Barnabas ruhte, das sein Grab so „schnell“ gefunden werden konnte.
Im Kloster selbst befindet sich eine Ausstellung über Fundstücke. Vasen, Amphoren, Metallmesser, Keramikspielzeug, Büsten und vieles mehr. Noch eindrucksvoller ist die Sammlung von Ikonen aus den letzten Jahrhunderten, die sich in der Klosterkirche befindet.
Gegen 10:30 Uhr sind wir mit der Besichtigung fertig und drehen unser Hotel gen Westen, nach Lefkosa (Nicosia). Die Stadt erreichen wir nach 30 Minuten Fahrt auf gutem Asphalt. Schon bald befinden wir uns in der Innenstadt der Metropole, sind umringt von drängelnden Autos, Staub und Gestank. Einen Parkplatz in der Nähe der Altstadt mit ihren Mauern und Moscheen finden wir nicht. Irgendwie gefällt uns das alles nicht und wir entscheiden uns einfach weiter zu rollen, zum nächsten Stopp, St. Hilarion, der wunderschönen Burganlage auf den 750 Meter hohen Bergen, 6 Kilometer vor Girne, der Fährhafenstadt, in der wir vor wenigen Tagen anlandeten.
Die Straße nach St. Hilarion und Kantara führt steil bergauf. 20% Gefälle und mehr sind teilweise zu bewältigen. Leider, wieder einmal, wie so oft hier in Nord-Zypern, befinden sich in diesen exponierten Gebirgen Kasernen und Millitäranlagen. Anhalten und fotografieren verboten, trotz fabelhafter Panoramen über die Berge, die Stadt Girne und das Meer. Langsam finden wir diese Millitärpräsenz nervend. Nach 5 Kilometern erreichen wir den höchsten Punkt, wo noch Fahrzeuge verkehren können. Dann geht es zu Fuß steil bergauf und vor uns liegen nicht weniger als 450 Stufen. Erst dann wird sich das volle Panorama in 720 Metern Höhe, am Eingang zur Karpaz-Halbinsel, die wir in den letzten Tagen bereisten, entfalten.
Die Tickets kosten 8 Euro pro Person und die Damen die sie verkaufen, sitzen in einem kleinen Raum, in dem ein Feuer prasselt und Tee auf dem Herd steht. Es ist warm hier, ganz anders als draußen, wo ein starker Wind die Berge umweht. Ich sagte ihnen noch als freundlichen , wie schön warm sie es doch hätten und wir müssten nun raus, hoch auf den Berg. Sie lächeln und erwidern, dass uns auch bald warm würde, wir würden schon sehen. Und wie recht sie doch hatten. 450 Stufen, plus steiler Wege führen hinauf zu St. Hilarion, der stolzen Festungsanlage auf den steilen Bergkämmen. Da wird einem ganz schön warm.
Leider konnte, trotz dieser einmaligen, fast uneinnehmbaren Lage, auch diese Burg seinem Schicksal nicht entgehen. Sie wurde zum Spielball der Eroberer und später von den Venezianer geschleift, was soviel heißt wie zerstört. Dazwischen erlebte sie Prunkzeiten. Die Bergburgen Buffavento, St. Hilarion und die städtischen Festungen von Kyrenia (Girne) waren in byzantinischer Zeit strategische Lagen. Über die Existenz wird erstmals in den Analen des Richard Löwenherz berichtet, der den Despoten und Machthaber Zyperns, Isaak Komnenos, vor sich herjagte. Im 13. Jahrhundert waren es die Auseinandersetzungen zwischen den Lusignans und Invasoren. Im 14. Jahrhundert kamen noch die Genuaer ins Spiel.
Der Blick der Stufe für Stufe fantastischer wird, eröffnet weite Panoramen bis hin zum Ostkap der Kantara und tief hinab, 720 Meter, nach Girne und den türkisen Wassern des Mittelmeeres. Es ist anstrengend hier hoch zu gelangen. Wir pusten kräftig bei jedem Tritt. Aber es lohnt sich. Auf der ersten Plattform angekommen finden wir die Reste einer byzantinischen Kirche, den Küchen der Burganlage, den Gemächern der Edelleute und den Plattformen, auf denen sich die damals so Einflussreichen amüsierten. Der König John Turm will nochmals mit über 100 Stufen, die in das Gebirge geschlagen sind, bezwungen werden. Brigitte will sich das nicht noch antun und so begebe ich mich alleine auf den mühsamen Weg. Nach 30 Minuten habe ich es geschafft, bin oben, ganz oben. Ich schieße insgesamt über 120 Fotos, so hat Brigitte dann wenigstens den Blick per Bildschirm über die phänomenale Aussicht. Dann beginnt der Abstieg und nach knapp einer Stunde treffen wir wieder zusammen. Dann marschieren wir gemeinsam zu Tal und zu unserem Hotel.
Weiter geht die Fahrt Richtung Girne. Heute wollen wir aber nur noch Ruhe genießen und lenken in Richtung Kap Korumcam (Korumscham), den nördlichsten, westlichen Punkt Zyperns. Hinter dem Örtchen Sadrazamkö rollen wir 4 Kilometer auf nicht asphaltiertem Weg. Dann erreichen wir den Leuchtturm, der über uns weit ins Mittelmeer hinein sein Licht blinken lässt. Zu allen Seiten haben wir Blick auf das heute so stürmische Meer. Wir beschließen den Tag und genießen die absolute Ruhe hier draußen. Nur Wind und Wellen singen ihr Lied.
Nachtrag um 19:30 Uhr: Wir stehen so einsam, so fernab von jeglicher Zivilisation, das wir uns auch völlig sicher fühlen. Niemand wird den Weg hierher finden, waren unsere Gedanken als wir den Platz belegten. Dem widersprechend kommt gegen 16:30 Uhr ein eher betagter, roter, Mercedes-Benz an diesen einsamen Ort. Hinter dem Steuer ein junger Mann mit fettigen, langen Haaren, der auch sonst keinen vertrauensseligen Eindruck hinterlässt. Er hat ein kleines Mädel dabei, sie mag 5 bis 7 Jahre alt sein. Kein freundlicher , kein mit einem Lächeln verschenktes Mehaba, wie wir es von den Türken her gewohnt sind. Nur einen schalen Blick den wir ernten. Eben sprachen wir von Träumen und Eingebungen, Signalen, die aus der Tiefe unseres Inneren Ichs kommen. Bildern, die wie Stimmen zu uns sprechen. Irgendwie haben Brigitte und ich nach diesem „Besuch“ auch eine Eingebung. Sie lautet, hier vielleicht besser nicht die Nacht zu verbringen. Wir packen und rollen die 5 Kilometer Schlammpiste bis zur nächsten Siedlung und somit auch Licht spendenden Laternen. Vielleicht sollte man überhaupt vielmehr sich nicht nur seine Träume erfüllen, wie wir es gerade tun, vielleicht sollte man auch mehr auf Eingebungen, Träume und Intuition vertrauen, sie sorgfältig behandeln und mehr nachdenken, bevor wir Entscheidungen treffen. Wir müssen ja nicht gleich die Grabstellen eines Heiligen entdecken, gehen aber vielleicht mancher Gefahr so aus dem Wege. Unser Gefühl für diese Nacht hat sich jedenfalls wesentlich verbessert.
Die junge Katze in der Klosterkirche des Heiligen Barnabas …
Ich merke, dass etwas zwischen meinen Beinen herumschleicht, als ich die ersten Ikonen fotografiere. Ein Blick nach unten schafft Klarheit. Eine noch ganz junge, schwarz-weiße Katze scheint Gefallen an mir gefunden zu haben, schleicht um mich herum Plötzlich springt sie völlig unerwartet an meinen Beinen hoch, krallt sich in die Jeans, klettert weiter, findet Halt in meiner Jogging-Jacke und schafft es bis auf meine Schultern. Dort wandert sie von einer Seite zur anderen, umschmust mich dabei und brummt ihr Lied. Ich kann kaum fotografieren, schiebt sie doch ihr Köpfchen immer wieder zwischen Fotoapparat und meinen Gesicht. Beachte doch mich nicht die alten Bilder, scheint sie zu sagen. Ich streichele sie immer wieder und versuche einige Schnapsschüsse von uns beiden zu machen, die, wie sich später leider herausstellt, alle nichts geworden sind. Nach 10 Minuten scheint sie des Spiels überdrüssig und verlässt meine Schultern über meinen Rücken mit einem kühnen Sprung auf die kalten Marmorplatten des Kirchenfußbodens. Ich wandere weiter durch die Ikonensammlung, sie folgt mir zwischen den Beinen auf Schritt und Tritt. Ich muss aufpassen sie nicht zu treten. Dann wiederholt sich das Spiel von vorne. Wieder klettert sie an mir hoch, erreicht meine Schultern und liebkost meine Wangen mit ihrem kleinen Gesichtchen. Dabei singt sie ihr Brummlied mit tiefem Bass. Noch zweimal wiederholt sich das Geschehen. Erst als ich die Kirche verlasse springt sie endgültig von meinen Schultern und folgt mir auch nicht weiter. Die Jeans und die Jacke haben einige Fäden lassen müssen, ich selbst habe allerdings keinen Kratzer abbekommen. Brigitte, die schon im Camper war, sieht die misslungenen Fotos während ich ihr meine Geschichte erzähle. Zuhause haben wir eine gleich aussehende Katze, wenn auch an Jahren so vielmehr älter. Sie ist, während wir Reisen bei unserem Sohn in Düsseldorf. War da etwas Telephatie im Spiel?
Das Telefon klingelt und Lothar ist am anderen Ende der Leitung …
Damit hätten wir fast nicht mehr gerechnet. Haben wir uns doch in den letzten Tagen wiederholt gefragt, was aus unseren neuen Bekannten, Lothar, Barbara und dem Hund Paulchen geworden ist. Dann heute der Anruf. Sie sind gut wieder in der Türkei im Hafen von Tasucu angelandet. Wir erzählen kurz was wir erlebt haben, dann berichtet Lothar erleichtert. Sie haben Paulchen und sich samt Camper auf dem Quarantäne-Gebiet einschließen lassen. Paulchen brauchte in keine Hundebox und durfte die Vorzüge der bequemen Sitze im Camperhotel genießen. Auf Herrchen und Frauchen musste er nicht eine Minute verzichten. Wir sind froh, dass alles so relativ gut ausgegangen ist. Nun werden die drei weiter östlich reisen und vielleicht bis zur syrischen Grenze vorstoßen. Wir wurden gewarnt uns tief nach Anatolien hinein zu bewegen. Lothar wurde indes ermutigt. Er verspricht nach seiner Heimkehr Mitte März sich zu melden. Wir sind darauf jetzt schon gespannt!
Zypern Griechischer-Teil
Alle Orts- und geographischen Namen sind entsprechend der griechischen Namensgebung wiedergegeben.
Tag 99: Über die Grüne Grenze (15.02.2006) 171 km
Wieder eine regnerische Nacht, aber ruhig, wir haben ausgezeichnet geschlafen. Früh rollen wir nach Süden, nach Gützelyurt, wollen dort über die Grüne Grenze. Leider geht das nicht, denn die United Nations haben alle Straßen aufgerissen, um diese, nun, nach der Möglichkeit freizügigen Reisens, neu zu bauen. So müssen wir zurück nach Lefkosa und durch die geteilte Stadt nach Nicosia. Schon verrückt was hier abläuft und welch politisches Durcheinander die Engländer diesem Land für Jahrzehnte verordnet haben. Doch damit soll es nun endlich vorbei sein. Die Insel soll wieder zusammenwachsen, politisch gesehen.
Lefkosa-Nikosia, eine Stadt, aber geteilt, wie einst Berlin, nur eben nicht mit den mörderischen Grenzanlagen des Kommunismus. Die UN (United-Nations) halten hier Wacht. Ihre Präsenz ist zu bemerken. Fahrzeugkolonnen mit den Zeichen UN unübersehbar an allen Seiten, Wachtürme mit der UN-Flagge und, nicht zuletzt, die Grenzen selbst.
Die Stadt selbst, hüben wie drüben, bietet kein erbauliches Bild. Sicherlich hat die Altstadt ihre Reize, wir durchfahren sie nur, weil ein acht Meter langer Parkplatz beim besten Willen nicht zu erspähen ist. Wir sehen die Festungsmauern aus dem 16. Jahrhundert, das obligatorische Denkmal des Atatürk, welches in jeder Stadt, jeden Dorf, jeder Verkehrsgabelung gottgleich aus uns hernieder blickt. Die Venezianer haben die Festungsanlage gebaut. Auch gibt es noch viele Moscheen, Kirchen, das große Stadtmuseum „Levention“ und ein Kunstzentrum. Das Gewühl dieser großen Stadt ist uns allerdings zuviel. Wir finden nach einigen Umwegen dann endlich die Grenze.
Natürlich gibt es auf türkischer Seite keine Hinweisschilder zum griechischen Teil, noch nicht. Umgekehrt ist das genauso der Fall. Die Landkarten die man im türkischen Teil kauft, weisen keine Richtungen in den griechischen Teil auf und natürlich, gilt das ganze auch wieder umgekehrt. Jeder ignoriert das Vorhandensein des anderen, politischen Teils der Insel. Die Karte die wir am Nachmittag im griechischen Teil kaufen besagt sogar, das der türkische Teil eine verbotene Zone ist in die man nicht einreisen kann. Jedenfalls haben wir es geschafft, sind drüben, haben die Demarkationslinie „überrollt“. Die Desinfektion am Grenzübergang war allerdings ein Witz. Wir müssten eine Lauge durchfahren und dann, uns auf einen desinfizierten Teppich stellen. Dies mit den Schuhen, die wir anhatten. In meinem Fall ordinäre Filzpantoffel, die ich nur im Camperhotel anhabe. Die Schuhe mit denen wir normal laufen, mussten nicht auf den grauen Teppich. Welch eine Logik, aber das ist uns nun egal. Noch dreißig Kilometer und wir sind in Larnaka, stehen im Hafen, wieder mit frecher Breitseite zum besten Ausblick auf Boote, Hafen, die Lichter der Stadt am Abend und, zum ersten mal auf dieser Reise, den hereinschwebenden Flugzeugen, ohne die Lärmbelästigung mitgeliefert zu bekommen. Brigitte hat seit gestern eine Erkältung. Wir werden erst einmal zwei Tage ruhen, um sie zu genesen. Viel mehr gibt es an diesem Tage nicht zu berichten. Selbst keine Fahrtbeschreibung ist zu liefern, denn die Landschaft ist eher langweilig von Nicosia nach Larnarka.
Larnarka wurde auf den Überresten des antiken Kitium gebaut. Lazarus war hier einst zuhause. Sehenswert ist in Larnarka eigentlich nur die Uferpromenade mit den vielen Palmen, der Salzsee am westlichen Ende der Stadt, der im Winter gut gefüllt, im Sommer trocken ist. Hier sehen wir Pelikane und ganze Schwärme von Flamingos. Beeindruckend auch die am anderen Ende des See gelegene Hala Sultan Tekesi Denkmal, zur Erinnerung an die Tante des Propheten Mohammed.
Das Christentum geht bis in die Anfänge auf Zypern und so auch in Larnarka zurück. Der erste Bischof der Stadt war kein anderer als Agio Lazaros (Lazarus). Nach seiner Auferweckung von den Toten durch Jesus-Christus verbrachte er hier seine neu gewonnenen Lebensjahre. Über dem Platz wo man seine Gebeine vermutet steht heute eine Kirche, die seinen Namen trägt. Es finden sich noch einige wenige historische Baudenkmäler am Rande der Stadt, wie etwa ein römisches Aquädukt.
Allzu spannend ist die Stadt nicht und so gestatte ich mir mich heute auch kurz zu fassen.
Wir sind wieder in „Griechenland“ und ich sage Kalinichta und sicherlich werden wir uns heute Abend noch ein zünftiges Jammos zurufen, denn, es gibt wieder Ouzo.
Tag 100: Den 100sten Tag erklären wir zum Feiertag! (16.02.2006) 0 km
100 Tage ist ein Grund zum Feiern …
Wo ist nur die Zeit geblieben? Vor 100 Tagen brachen wir auf, begann unsere so lange Reise von 365 und einen Tag. Nun sind schon 100 Tage rum. Heute Abend werden wir die 100 Tage zelebrieren. Es gibt Riesengarnelen und Krabbenfleisch. Dazu ein Fläschchen griechischen Weinbrands.
Zu berichten gibt es heute eigentlich gar nichts, denn wir ruhen. Zum Glück komme ich noch über den Flughafen ins Internet und kann Mails beantworten und Fotos verschicken.
Tag 101: Kap Dolos (17.02.2006) 38 km
In der Nacht bekomme ich starke Schmerzen in den Knien. Kann kaum schlafen. Es ist auch kein Muskelkater oder Überanstrengung, denn wir ruhten ja den ganzen Tag. Am Morgen finden wir das Problem rein zufällig heraus. Ich esse viel zu viele Zitrusfrüchte. Mein Blut ist vollständig übersäuert. Nun heißt es Diät halten und viel Milch trinken. Der Harnsäurespiegel des Blutes muss runter.
Wir rollen nicht weit heute, denn die Schmerzen in den Knien sind schon heftig. Nach nur 45 Minuten Fahrt Richtung Limassol (Limasos) biegen wir ab zur Govenors-Beach am Kap Dolos und stehen direkt an den weißen Klippen, nur zwei Meter vom Meer und genießen die Aussicht. Hier verbringen wir eine ruhige Nacht.
Tag 102: Limassol, das Herz des Weinlandes (18.02.2006) 33 km
Früh erreichen wir Limassol und stehen auf wichtigen, geschichtlichen Boden, gleichwohl man davon wenig spürt, eigentlich gar nichts, befanden sich hier einst doch die Königreiche von Amathos und Kourion. Richard Löwenherz heiratete hier seine Berengaria von Navarra, die er zur Königin Englands krönte.
Limassos war ein kleines Dorf, welches sich erst ab 1815 zu einem wichtigen Handels- und Industriestandort entwickelte. Fährt man die Bundesstraße 1 nach Limassol von Osten her ein, so kann man noch einige, wenige Säulen und Steine bewundern, die das Königreich hinterlassen hat. Am westlichen Ausgang der Stadt selbst steht noch die Burganlage Kolossi, heute ein Museum. Nach vielen Eroberungen wurde die Burg 1454 von Louis de Magar wieder aufgebaut.
Limassol ist eine Touristenhochburg. Der Strandboulevard gleicht dem in Larnarka. 16 Kilometer misst der feinsandige Strand der Stadt. Richtung Süden und Flughafen befindet sich ein großer Salzsee. Ansonsten ist die Stadt sehr modern und bietet wenig Charme.
Tag 103: Sonntags in Limassol (Lemessos) (19.02.2006) 0 km
Es ist Sonntag. Limassol hat „geschlossen“. Wir stehen gut direkt am Park unter den Palmen und legen einen Ruhetag ein. Unweit von uns ist ein kleiner Markt der von der indischen Bevölkerung stark frequentiert wird. Diese breiten auch in den Parkanlagen ihre Picknicks aus. Es ist warm, die Sonne scheint. Während wir die ersten Frühsaisontouristen in kurzen Hosen und T-Shirts „bewundern“ können, sind die Zyprioten noch mit dicken Jacken und Mänteln bekleidet. Ansonsten ist der Tag ruhig. Nur am Abend fahren wir einen Parkplatz weiter, da Jugendliche sich direkt hinter unserem Hotel organisieren, um eine feucht-fröhliche Party steigen zu lassen.
Tag 104: Fähre checken (20.02.2006) 85 km
Am Morgen schecken wir die Fährverbindungen, die nun, im zyprischen Winter, eher spärlich ausfallen. Die Salamis-Shipping-Line ist die einzigste, die uns und unser Hotel gemeinsam nach Piräus segeln würden. € 400 für das Hotel, € 250 für die Verladung und € 200 für uns und die Kabinen. Ganz schön saftige Preise für die 37 Stunden Überfahrt!
Nachdem das nun auch, nach vielen widersprüchlichen Aussagen geklärt ist, rollen wir weiter, Richtung Pafos. Bisher waren wir von den Landschaften Südzyperns eher etwas enttäuscht. Das soll sich nun schlagartig ändern. Auf der B 6 rollen wir gen Westen, überqueren einige Gebirge und streifen alte Tempelanlagen (Apollon-Tempel) und Ausgrabungsstätten. Der Blick zum Meer wird immer berauschender. Es ist der Blick auf die Episkopi-Bucht. Zwischen Pissouri und Kouklia wird es spannend. Aphrodite wurde der Sage nach hier geboren. Bei Petra tou Romlou (Aphrodite-Felsen, auch Venus-Felsen, genannt) entstiegt sie dem Schaum der an Land rollenden Gischt. Und wahrlich, dies ist ein „göttlicher“ Platz. Unglaubliche Panoramen, bezaubernde Gebirgsformationen, brillante Farbenspiele der Felsen von weiß bis dunkelbraun und dann die Felsen in den türkisblauen Fluten. Endlich haben unsere Augen gefunden, was wir seit der Karpasi-Halbinsel vermissen, spektakuläre Aussichten.
Am Nachmittag erreichen wir kurz vor Pafos unseren Platz für die Nacht. Wir stehen am Strand von Mandria. Kein berauschender Strand, eher Kiese, aber eben ruhig. Hier bewundern wir den Sonnenuntergang über dem Meer.
Tag 105: Am Tummelplatz der Götter, in Pafos (21.02.2006) 17 km
Es ist wesentlich wärmer geworden. Temperaturen von 20 Grad und mehr versetzen das Gemüt in eine bessere Stimmungslage. So öffnen wir am morgen alle Fenster des Hotels, was ein Fehler war. 30 Minuten später sind wir inmitten eines Fliegenschwarms. Nun haben sie sie im Hotel. Als wir losfahren, öffnen wir die Fenster für die ersten hundert Meter, dann sind wir sie auch schon wieder los. Wir rollen nach 17 Kilometern in Pafos ein und sind überrascht. Was für eine schöne, idyllische, kleine und verträumte Stadt. Parken ist überall kostenfrei und wir entscheiden uns zunächst für den Hafen, ziehen später aber um an den Strand. Endlich liegen wir einmal wieder in Badesachen im warmen Sand und lassen uns von der Sonne verwöhnen.
Am frühen Morgen besuchen wir das Fort Pafos im Hafen, nachmittags statten wir der Stadt einen kleinen Besuch ab. Die Stadt steht auf der Liste der Unesco als Weltkulturerbe. Ein offenes Museum sozusagen. Zu bewundern sind die Mosaike aus dem Haus des Dionysos, Theseus und Aion. 1600 Jahre haben sie auf ihre Entdeckung warten müssen. Das spannendste für mich jedoch ist wiederum eine Begegnung, mit einem „alten Freund“ der uns schon so lange voraus war und nun immer wieder unseren Weg kreuzt. Paulus, der Apostel, er war auch in Pafos und hatte hier eher schlimme Erlebnisse. In Pafos finden wir den Stein, an den er angegurtet und von den Juden gegeißelt worden sein soll.
Direkt bei der Einfahrt in das gut ausgeschilderte Touristengebiet an dem Beach befindet sich neben einem kleinen Garten das Tourismusbüro. Hier gibt es kostenlose Karten, Broschüren und Informationen über Pafos und die Umgebung. Alles auch in Deutsch.
Am Abend genießen wir wiederum den spektakulären Sonnenuntergang über dem Meer.
Tag 106: Pafos gefällt uns, wir bleiben … (22.02.2006) 0 km
Wir können nicht viel vermelden für diesen herrlichen Sonnentag, den wir zum großen Teil faulenzend am Strand verbracht haben. Abends allerdings waren wir aus essen. So zog dieser Tag ohne besondere Vorkommnisse an uns vorbei. Kalinichta!
Rot für Touristen
Alle Mietfahrzeuge, gleich welcher Bauart, tragen auf Zypern ein rotes Nummernschild. So sind Touristen sofort auszumachen. Im Gegenteil zu den USA, wir denken an die Überfälle in Florida in den 90er Jahren, wo man danach den sichtbaren Hinweis auf Mietautos der Gefahr wegen abgeschafft hat, kann man auf Zypern von der Hilfsbereitschaft der Zyprioten profitieren. Rote Nummernschilder haben so etwas wie eine gewisse Narrenfreiheit und dürfen auch schon mal einen Fahrfehler sich leisten. Man nimmt mehr Rücksicht auf sie.
Tag 107: Coral Bay, Akamas-Halbinsel, Pachyammos (23.02.2006) 93 km
20 Kilometer wollten wir heute nur reisen, 93 Kilometer sind es geworden. Aber das kennen wir ja. Ein viel gepriesenes Ziel wird angesteuert und wenn man es erreicht hat, ist man enttäuscht. Heute war einmal wieder so ein Tag. Coral Bay sollte Tagesetappe nach nur 30 Minuten werden. Angekommen blicken wir auf Shops, Hotels und eine Bucht, die wenig mit Korallen zu tun hat, nicht einmal sauber ist und auch sonst nicht auf uns ausstrahlt. Brigitte und ich blicken uns an, kein Wort, nur ein nicken, Gang rein, zurück zur Hauptstrasse und weiter. Nun wollen wir die Akamas-Halbinsel bereisen. Schaffen wir das mit unserem Camper? Keine Straßen, nur ausgefahrene Feldwege, tiefe Schlaglöcher, sollen uns laut Beschreibung erwaten. Wir wollen es probieren, sind ja Albanien erprobt und kann es eigentlich schlimmer kommen? Von Coral-Bay kommend rollen wir die E 4, was nicht heißen soll das diese eine Europastrasse ist. Nach nur 2 Kilometern endet der Asphalt. Wir trauen uns weiter und es wird immer heftiger, was unser feines Hotel erleiden muss. Buckelpiste, Schlaglöcher bis zu 50 cm tief ausgewaschen, Geröll und lose Erde über- oder durchfahren wir. Vor uns liegt gut sichtbar das Kap Drepano und es hat eine magische, uns anziehende Wirkung. So kriechen wir im Schneckentempo gen Norden. Jeeps überholen uns, junge Leute winken mitleidig zu uns herüber, oder sie lachen über soviel Wagemut. Nach 30 Minuten stehen wir am Kap, gegenüber liegt Geronisos Island, eine kleine Insel. Die See-Höhlen unter uns und wir wirken irgendwie verloren, alleine und verlassen, hier, wo nur noch Esel und Jeep-Safaris sich die Piste erschließen. Es hat keinen Zweck die rund 30 Kilometer weiter zu rollen, wir würden dafür zwei Tage und mehr brauchen. So entschließen wir uns, Betonpiste bei Lara erspähend, die Inlandroute zu nehmen, die acht Kilometer nach Peyia zu fahren und von dort wieder Asphalt für die Reifen zu gewinnen. Leider wird die Betonpiste, die sowieso schon eher wellig und brüchig ist auch noch unterbrochen. Immerhin zieht es sich bis 500 Meter hoch in die Berge. Rund 45 Minuten brauchen wir um sie zu bewältigen, dann, um die letzte Biegung herum liegt der Ort vor uns und, wir freuen uns, endlich auch wieder Asphalt. Es war trotzdem ein interessanter Ausflug in die Welt der 4-Wheel-Driver und unser Hotel hat es gut überstanden. Landschaftlich ist die Strecke wunderschön.
Nun rollen wir weiter Richtung Polis, über Drouseia kommend und nehmen dann die Hauptstrasse nach Norden. Mal sehen wo wir heute Abend stehen werden?
Vor Polis biegen wir Richtung Westen ab und folgen der Beschilderung zum Badestrand der Aphrodite. Klingt bezaubernd, ein Platz für uns für die Nacht? Leider Fehlanzeige! Der Blick auf die Bucht mit den bizarren Felsen ist verbaut, der Parkplatz zwischen Hütten und Feldern und auch sonst, wenig Attraktion, bis auf das Panorama auf das Meer und die Felsen der Aphrodite. Der Pool selbst, in dem Adonis einen ersten Blick auf Aphrodite warf, darf nicht betreten werden. Also verweigert sich das angeblich verjüngende Bad uns auch noch. Aber, immerhin, der Abstecher von nur 18 Kilometer hat sich gelohnt.
Trotzdem hat uns der heutige Trip noch keine gute Übernachtungsmöglichkeit geboten und so rollen wir weiter, gen Osten, gen Türkischen Teil Zyperns. Dann schließt sich fast der Kreis zum Kap Korucam und wir hätten die Insel umrundet. Leider schließt sich der Kreis nicht vollständig, denn der Grenzübergang ist geschlossen. Das Städtchen Polis kann man getrost am Wege liegen lassen. Weder die Public Beach, noch der Ort selber offerieren Attraktion oder Charme. So stehen wir die Nacht hoch oben im Nordwesten in dem Örtchen Pachyammos, zwischen Friedhof und Klippen und werden auch sogleich Willkommen geheißen.
Der alte Mann und das Meer, … und die Ziegen …
Es ist 15 Uhr, wir wollen nicht mehr rollen, eher Sonne tanken, Tagebuch schreiben, Gitte will unser Essen vorbereiten. Kaum stehen wir an den Klippen mit herrlichem Panoramablick gen Norden und Westen, klopft es vorne an unsere Frontscheibe. Nicht mit der Hand, nein, gleich mit einem Stock. Unser erster Gedanke …, stehen wir zu Nahe am Friedhof?
Ein wirklich alter Mann, er mag um die 80 sein, kann kaum gehen, ist tief gebückt und braucht zwei Stöcke um sich fortzubewegen, steht vor unserem Hotel. Wir steigen aus, reichen ihm gleich eine Tasse Kaffee, die er dankend annimmt. Und nun folgt, was wir nicht erwartet hätten. Er belässt es nicht bei einem freundlichen Händedruck, nein, er küsst uns dem Brauche nach zweimal auf die rechte und einmal auf linke Wange und freut sich sichtlich über unser Kommen. Morgen früh, so deutet er an, komme er wieder zum Kaffee. Wir laden ihn herzlich dazu ein. Dann macht er sich mit seinen Ziegen auf den Weg. Langsam und schwerfällig wandert er den Hügel hinauf und verschwindet hinter den Bergen.
Eine Stunde später klopft es wieder bei uns an. Ein Mann um die 40 steht vor der Tür und entbietet uns ebenso seinen Willkommensgruß. Wir bitten ihn hinein und er erzählt uns von Zypern, von der Politik, von den Plänen, von den großen Veränderungen auf der Insel und preist die zyprischen Kartoffeln an, die im Raum Ammochostos, im südöstlichen Teil der Insel, angebaut werden. Er will uns Gutes und uns die Möglichkeit eines Gespräches mit dem hiesigen Priester vermitteln und dabei sollen wir auch die byzantinische Kapelle anschauen, auf die man hier so stolz ist. Gastfreundschaft auf Zypern wird großgeschrieben.
Und noch zwei Nachträge für diesen Tag: Es ist 16:30 Uhr, der Alte kommt wieder, umringt von seine Ziegen. Freundlich winkt er von weitem und klopft alsbald an unser Hotel. Er schenkt Brigitte ein Stück Kuchen, sorgfältig eingepackt und mit einem herzlichem Lächeln drückt er es ihr in die Hand. Auf Morgen, zum Kaffee und nochmals erhält Brigitte den Dreifachkuss auf die Wangen.
16:40 Uhr: Zwei junge Soldaten in Uniform kommen vorbei. Ihr Maschinengewehr lässig über die Schulter gelegt wollen sie nur einmal schecken, wer es sich hier so nah an der Grenze so gemütlich macht. Die MGs stehen bald draußen an der Friedhofsmauer und die freundlichen, jungen Kerle rekeln sich in unseren Sesseln. Wir reden, über Zypern, über ihre Heimat, warum sie hier Dienst schieben und warum sie ihr Land vereint haben wollen. Sie waren nie in Nordzypern und ich biete ihnen an 200 Fotos von unserer Reise im Norden des Landes, im türkischen Teil zu sehen. Vor allem der Heilige Apostel Andreas auf der Spitze der Landzunge interessiert sie, der ist ihr Schutzheiliger und es macht sie wütend, nicht an sein Grab zu können. Sie schauen sich hoch interessiert die Fotos auf meinem Laptop an und diskutieren angeregt über das was sie sehen. Ihre Kommentare richten sich klar gegen die türkischen Besatzungsmächte. Immer wieder schauen sie hoch zur Grenze. Beide verlassen uns nach knapp einer Stunde. Schon bald kommen sie wieder und schenken uns Olivenöl, Wein und eine Tarnmütze ihrer Armee. Mich laden sie noch ein die Grenze zu sehen, und das hätte fast schlimm geendet.
Ein kurzer Ausflug in die verbotene Zone …
Ich ziehe mich warm an und stiefele hoch zu den beiden Soldaten. Sie schieben hier eine Woche lang ganz alleine und auf sich gestellt Dienst. Selten kommt ein Wagen der UN vorbei und sie müssen die Grenze öffnen, was sie tierisch aufregt, der Arroganz der UN-Soldaten wegen, sagen sie. Nach einer Woche dürfen sie dann nach Hause, übers Wochenende, dann geht es von vorne los. 18 Jahre jung sind sie.
Sie gehen mit mir über die verbotene Linie, ins Niemandsland, in die verbotene Zone. Erst dann haben wir den Blick hinüber in den türkischen Teil, in die einsame Enklave. Ich sehe die Grenzanlagen auf der anderen Seite und denke, auch dort werden zwei junge Menschen stehen, nur eben mit anderen Idealen und Interessen. Etwa 300 Meter von uns steht noch ein alter verrosteter Panzer aus den Kriegstagen. Ein letzter Zeuge der Kampfhandlungen hier vor Ort. Der blonde junge Soldat träumt davon, sich heimlich hinüber zu schleichen und seinen Namen auf den Panzer zu schreiben und „Free Cyprus“ darunter zu setzen. Doch das ist gefährlich für ihn. Er darf nicht auf die andere Seite und schon gar nicht in die Puffer-Zone. Minen sollen dort auch noch liegen, sagt er.
Es ist inzwischen dunkel geworden und wir sehen Scheinwerfer auf uns zukommen. Nicht von der türkischen Seite, sondern von der „eigenen“. Ich schlage vor die Pufferzone zu verlassen. Sie lächeln und antworten, dass es kein Problem gibt. Ich bestehe darauf und wir gehen zurück. Kaum auf der griechischen Seite angekommen, biegt ein Pick-Up um die Kurve, leuchtet uns an und dreht. Bleibt dann unversehens stehen. Eine merkwürdige Situation. Die beiden Soldaten rufen sich was zu und der dunkelhaarige holt das Gewehr, begibt sich in sichere Position mit Anschlag auf den Wagen. Der Blonde geht los und will schecken was der Fremde hier will. Ich stehe etwas dumm herum und weis nicht so recht was mit der Situation anzufangen. Dann steigt ein Inspekteur aus dem Wagen, er will die Wache prüfen. Vorsichtshalber bedanke ich mich bei den Soldaten und entschuldige mich für den Grenzbesuch mit den Worten, dass ich ja nicht wissen konnte, dass hier schon die Grenze ist. Der Inspekteur nimmt meine Worte auch wahr. Ich höre noch wie sie ihm die Situation erklären. Das Wort „Tourist“ fällt. Ich gehe zurück zum Camper.
Nach 30 Minuten klopft es, die Beiden sind wieder da. Entspannt lächeln sie und bedanken sich, dass ich sofort richtig gehandelt hätte. Mein Besuch in der Pufferzone hätte für uns alle Konsequenzen gehabt. Sie hätten ein Disziplinarverfahren bekommen und ich würde nun in Nicosia in der Kaserne der UN sitzen und hätte eine Menge Fragen zu beantworten. Natürlich hätte man meine Papiere geprüft und Auskünfte über mich eingeholt. Vielleicht wäre ich, mit etwas Glück, nach 24 Stunden wieder freigekommen. So hat der Ausflug glimpflich geendet und wir sind alle froh darüber.
Schlafwandeln an der Grenze …
Ich schlafe unruhig diese Nacht. Stehe irgendwann auf, ziehe mich an und gehe nach draußen, will ein wenig Luft schnappen, eine Zigarette rauchen. Es ist kühl und ich trage dunkle Sachen und gegen die Kühle der Frühlingsnacht die Tarnmütze, die, die beiden Soldaten, uns schenkten. Wandere an den Klippen entlang und ohne es zu bemerken, habe ich völlig im Gedanken verloren, halb schlaftrunken, die Grenzanlagen, die hier in der Bucht kaum existieren, überschritten. Die Lichter der Wachtürme sind nun um etliches südlicher von meiner jetzigen Position. Wie weit mag ich schon in die verbotenen Zone eingedrungen sein, frage ich mich und warum habe ich eigentliche eine Dose Sprühlack für die Felgen des Reisemobils mitgenommen und auch die Kamera, zudem noch dabei? Ich kann und will mir die Frage jetzt selbst nicht beantworten. Der Mond scheint hell in dieser klaren Nacht. Neben mir rollen die Wellen ans Ufer. Wenn ich schon einmal hier bin, wo eigentlich kein Mensch sein darf, dann will ich auch den Panzer sehen, den der blonde Soldat so gerne mit seinem Namen und den Worten „Free Cyprus“ beschriftet hätte, geht es mir durch den Kopf. So klettere ich die Felsen hinauf, erreiche nach 20 Metern steiler Abhänge wieder flaches Land und kann die Konturen der Kanone gegen die dunklen Berge geradeso, 200 Meter vor mir, ausmachen. Langsam bewege ich mich weiter. Vorsichtig und mich immer umschauend, schleiche ich mich im Schutze von Sträuchern entlang weiter. Es ist still hier im Niemandsland, nur meine Schritte scharren leise über den steinig-sandigen Untergrund. Nach 15 Minuten erreiche ich den Panzer. Bewege mich um ihn herum. Spähe hinüber zum Türkischen Posten, der keine 300 Meter von mir entfernt sein kann, sehe die Flaggen auf dem Wachturm. Ich kann hören wie durch meine Halsschlagader das Blut in meinen Kopf pumpt, atme schwer und hastig. Es muss das das Adrenalin sein, was eine Art Rausch erzeugt, alle Sinne auf volle Wahrnehmung und Alarm schaltet. So verharre ich eine Weile, um auch ganz sicher zu sein, dass ich keiner Streife aufgefallen bin. Alles erscheint ruhig, so lautlos und unwirklich. Gerne würde ich nun eine Zigarette rauchen, aber das Licht würde auf hunderten von Metern sichtbar werden, so lasse ich es besser. Die Panzerplatten reflektieren das helle Mondlicht und scheinen weiß zu schimmern. Mir ist klar, dass wenn ich erst einmal oben auf dem Turm geklettert bin, man meine Silhouette gegen Meer und Himmel gut ausmachen kann. Trotzdem, jetzt will ich es wissen, erklimme den rostigen Turm der alten Kriegsmaschine, ziehe die Sprühdose aus der Jacke und sprühe in großen Buchstaben direkt auf das kalte Metall des Turms „JEFF WAS HERE“.
Es geht alles ganz schnell und fast lautlos. Nur das Zischen aus der Sprühdose ist zu hören. Noch leiser klettere ich den Turm wieder hinunter, nehme denselben Weg den ich gekommen war und bin schon bald wieder an der Bucht, rauche hastig eine Zigarette unter einem Felsvorsprung und bin nach 40 mehr als aufregenden Minuten zurück im Camper. Rund einen Kilometer war ich im Niemandsland, in der verbotenen Buffer-Zone Dann lege ich mich ausgepowert schlafen. Als ich am Morgen erwache, weiß ich nicht so recht, ob ich das alles nur geträumt oder wirklich erlebt habe. Ich denke es war eher ein Traum, denn die Tarnmütze hängt noch immer im Camper, so wie Brigitte sie aufgehängt hatte, die Sprühflasche steckt in der Werkzeugbox und auch sonst deutet nichts auf einen derartigen Ausflug hin. Es muss folglich ein Traum gewesen sein, aber eben ein sehr, sehr realer Traum. Dabei belasse ich es dann auch bewenden, drehe mich noch einmal um und schlafe tief und fest ein.
Später am Morgen lade ich die Bilder des Vortages und des Abends von der Kamera auf den PC. Doch wie kommt ein Bild von einem Panzer auf den Speicher und warum steht auf dem Panzerturm in Großbuchstaben „JEFF WAS HERE“?
Tag 108: Pachyammos und der Hl. St. Raphael (24.02.2006) 0 km
Wir bleiben in dem kleinen, freundlichen Örtchen, welches viel Leid während des zyprischen Krieges erleiden musste. Nur 80 Seelen wohnen hier noch. Viele haben den Ort nach dem Bombardement durch die Türkische Armeen verlassen. Aber, es gibt wieder ein Licht am Horizont. Pachyammos könnte schon bald wieder wachsen, ein Wallfahrtsort werden, gleichwohl zurzeit das Dorf völlig überaltert ist. Ein kleines Wunder scheint hier geschehen zu sein, oder besser, viele Wunder und sie geschehen noch immer. Mit nur rund 20 Häuschen, hat Pachyammos eine der schönsten und größten Basiliken des Landes. Sie ist dem Heiligen Raphael gewidmet, völlig neu und hat für hiesige Verhältnisse ein Vermögen gekostet, welches durch Spenden finanziert wurde. Doch Spenden, in solch astronomischer Höhe! Von wem, warum und wofür? Diese Geschichte liegt weit zurück und hat seinen Ursprung auf der Insel Lesbos. Sie ist so spannend, dass sie einfach erzählt werden muss.
Der Heilige Raphael meldet sich nach über 500 Jahren zurück, so oder so ähnlich könnte die Geschichte beginnen, doch gehen wir zurück, tief in der Zeit, vor und bis 1463 n.Chr. Raphael, lebte da auf der griechischen Insel Lesbos. Mit ihm waren der Heilige Nicolaos und die Heilige Irina. Raphael war ein Prediger und diente unter anderem in der Kathedrale Dimitriou an der Akropolis in Athen. Nicolaos war der Sohn eines reichen Rechtsanwaltes. Er studierte in der französischen Stadt Morlee. So lernten sie sich kennen. Alle lebten ein streng gläubiges und friedliches Leben zu jener Zeit. Dies bis zu jenem, besagtem Tage, des Jahres 1463.
Am 9. April 1463 wurden er und seine Gefolgsleute von türkischen Eindringlingen auf brutalste Weise gefoltert und dann ermordet. Der Unterkiefer St. Raphaels wurde ihm, kopfüber an einem Baum gebunden, hängend, abgeschnitten und sorglos weggeworfen. Keiner überlebte die Torturen und Folter. Die Heilige Irina wurde gar bei lebendigem Leibe in einem großen Tonkrug in Öl zu Tode gekocht, nachdem man ihr vorher einen Arm abgeschnitten hatte. Ihre Eltern mussten es mit ansehen. Auch sie mussten sterben, wie auch alle anderen an diesem Ort der sinnlosen Grausamkeit.
500 Jahre vergehen, niemand erinnert sich mehr an das traurige Geschehen auf Lesbos, nur wer die alten Aufzeichnungen liest, wird erinnert. Niemand kennt die Stellen, wo die Gebeine ruhen. Im Jahre 1959, über 500 Jahre später sollte man sich wieder erinnern können. Am 3. Juli 1959 legten Arbeiter das Fundament für eine neue Kirche. Während des Grabens stoßen die Männer auf eine Steinformation, die nicht zufällig sein konnte. Ein aufrechter Stein scheint bewusst so gestellt worden zu sein. Das Werk von Menschenhand? Man gräbt tiefer und stößt auf ein Grab mit einem menschlichen Skelett darin und von dem ein wunderbarer Duft auszugehen scheint. Der Kopf lag abgetrennt 30 cm von der Körperknochen entfernt, der Kiefer fehlte gänzlich. In der Mundhöhle fand man eine kleine Kachel aus byzantinischer Zeit mit einem Kreuz darauf. Die Hände des Toten waren dem christlichen Brauch nach gefaltet. Dukas Tsolakis, der Bauherr der Kirche, selbst ungläubig, aber den Wunsch seiner gestorbenen Mutter erfüllend und diese Kirche bauend, warf die Knochen in einen Sack und hörte hierbei unerklärliche Laute. Der Sack, nun mit Skelett war so schwer, dass niemand ihn zu heben vermag. Nicht eben viele Männer vermochten es. Als ein anderer Mann namens Leonidas Sideras den Sack aus Wut mit dem Fuß trat, erstarrte sein Bein. Tsolakis konnte hingegen seinen Arm nicht mehr bewegen. Man bat den Priester die Gebeine zu segnen und kirchlich zu beerdigen. Der Priester sprach am Grabe die folgenden Worte: „Wessen soll ich gedenken, da ich doch keinen Namen für diesen Toten habe?“ Eine Stimme erklang aus dem Nichts und sie erwiderte: „Ich bin der Heilige Märtyrer Raphael. Die Überreste sind meine Gebeine, ich war der Mönch der hier für Jahre lebte und den die Türken töteten!“
Danach begannen die Erscheinungen eines schlanken Mönches, der sich als St. Raphael offenbarte. Viele Leute träumten die folgenden Nächte ein und denselben Traum. In diesem Traum offenbarte St. Raphael ihnen den Platz, wo man sein Unterkiefer finden würde und auch die Lage der sterblichen Überreste von seinem Freund und Gefolgsmann St. Nicolaos und der Heiligen Irini.
Danach begannen Wunderheilungen und diese sind in so genannten Zeugnissen festgehalten. Sie füllen schon ganze Bücher. Manche sind schier unglaublich, wie zum Beispiel das Zeugnis des George Papallas. Vom Krebs vollständig zerfressen, von Kobaltstrahlung verbrannt und mit schwersten Nierenschäden ausgelöst durch eine Chemotherapie, schickten ihn die Ärzte in Deutschland zum sterben nach Hause, nach Zypern, denn man konnte nichts mehr für ihn tun. George war kein streng gläubiger Mensch, aber seine Frau war es. Sie ging zur Kirche und betete zu St. Raphael. Sie bezeugt was dann geschah: Der Heilige fragte sie, warum sie denn so traurig sein. Sie antwortete dass ihr Mann sterbenskrank sei und es keine Hilfe mehr für ihn gab. St. Raphael wies sie an ihren Mann in die Kirche zu bringen und ihm Heiliges Öl aufzutragen. George wollte nicht und konnte nicht mehr an seine Heilung glauben. Dennoch überredete sie ihn den Versuch doch wenigstens zu unternehmen. Er tat ihr den Gefallen, der ihn danach vollständig genesen lassen sollte.
Nun der Brückenschlag von Lesbos nach Zypern. Einer der Geheilten war Zypriot und viele andere Zyprioten, die zu St. Raphael beteten und das gesegnete Öl aus seinem Kloster verwendeten, wurden ebenso auf wundersame Weise wieder gesund. Die Ärzte waren ratlos, denn viele der Kranken hatte man aufgegeben. Die moderne Medizin war mit ihrem Latein am Ende. Einer dieser Wundergeheilten Zyprioten kam aus Pachyammos. So wurde mit seiner ersten Spende der Grundstein für die unglaublich schöne und innen vollständig bemalte Kirche geschaffen. Am 3.9.1989 legte der Bischoff von Paphos (Pafos) selbst den Stein, der die heutige byzantinische Basilika trägt.
Seit dem die Kirche eröffnet ist, pilgern Tausende zu diesem einsamen, abgelegenen Ort und die Heilungen mehren sich. Hier bekommt man auch das heilige Öl des St. Raphael.
Die Geschichte, die in einem Büchlein der Kirche noch viel vollständiger nachzulesen ist, endet hier.
Die Malereien mit der kompletten Geschichte des Christentums und vor allem dem Werdegang bis zur Folterung, sowie Auffindung der Gebeine werden bildlich in eindrucksvollen und unglaublich schönen Farben dargestellt. Wir haben das Glück, dass uns Kostas, der Künstler selbst, uns am Camper abholt und in der Kirche alles genauestens erklärt. Wir haben den Eindruck, dass er selbst gar nicht selbst begreift, welch unglaubliche Leistung und Werk er hier vollbracht hat. Er ist ein bescheidener Mann, heute sein 42-ster Geburtstag. Sein Fahrzeug, ein Peugeot, dürfte so um die 25 Jahre auf den krummen Achsen haben und fällt fast auseinander. Er ist einfach und bescheiden gekleidet und macht auch sonst kein Aufhebens, um seine Person. Dank Kostas, dem Künstler, lernen wir auch den alten Priester kennen, der allerdings gerade damit beschäftigt ist älteren Frauen aus dem Ort ihre Nöte und Sorgen in Gesprächen abzunehmen. Wir werden freundlich aufgenommen, spenden ein wenig Kleingeld, entzünden die obligatorische Familienkerze und dürfen auch 4 Fläschchen des heiligen Öls mitnehmen. Kostas bringt uns mit seiner klapprigen Karre zurück zum Hotel. Wir danken ihm. Zum Abschied sage ich ihm, dass wen ich einst vergangen bin, sich keiner meiner mehr gedenken wird. Nicht mehr in 50 und gar nicht erst in 100 Jahren. Das man ihn hingegen feiern wird, als Helden und Gestalter der Geschichten der Bibel und des Hl. Raphael in heroischen Bildern und eindruckvollsten Farben. So würde er unsterblich bleiben, über Jahrhunderte hinweg. Meine Worte schienen ihm eher peinlich, aber sie waren ehrlich gemeint.
Am Nachmittag kommen die beiden Soldaten wieder zu uns. Wir trinken ein Bier zusammen und verabreden uns, sie morgen, nach Dienstschluss, nach Hause, nach Pafos zu bringen. Ein wunderschöner Tag geht zu Ende. Was man doch in einem so kleinen Ort mit nur 80 Seelen, erleben kann. Da hinkt manche große Stadt an Erlebnisgröße weit, weit, hinterher. Wir empfehlen jedem das einmalige Erlebnis, die Kirche des Heiligen Raphael in Pachyammos, 20 Kilometer östlich an der Küste von Polis aus gesehen, zu teilen. Die Malereien sind wirklich unglaublich kraft-, gefühlsvoll und überwältigend in allen Dimensionen. Vielleicht hat gar St. Raphael dem einfachen Künstler Kostas die Hand und Pinsel geführt. Und wer weiß, vielleicht geschieht ja auch an denen, die uns hierher folgen, ein kleines, oder gar großes Wunder. Wir jedenfalls wünschen es uns!
Tag 109: Zurück in Pafos (25.02.2006) 86 km
Wir liefern wie versprochen die beiden Soldaten zu Hause bei ihren überglücklichen Familien ab. Dann rollen wir zurück an den Strand, den wir schon vorher belagerten und haben exakt die gleiche Position, neben den Hotel Alexander des Großen. Wir senden eine SMS an das deutsche Ehepaar, welches wir in Larnaka, kurz kennen lernten und die unseren Spuren, in Ihrem Hotel auf vier Rädern, etwas langsamer folgen. Unsere Tipps über Stellplätze haben sie bisher per SMS gerne angenommen. Karin und Wolfgang heißen sie. Schnell erhalten wir Antwort, dass auch sie gleich auf denselben Platz in Pafos auflaufen werden. Da wird es einiges zu erzählen geben. Sie müssten zwischenzeitlich die gleiche Fähre, die wir noch buchen wollen, gebucht haben. Es soll von Zypern in den Hafen von Piräus gehen. Vorher wird aber Brigitte noch am 9. März nach Deutschland fliegen und erst eine lange Woche später wieder in Pafos landen. Was werde ich die sieben langen Tage nur alleine machen?
Es ist noch zu früh um schon dunkel zu werden, doch der Himmel verfinstert sich zunehmend. Von Süden her, über das heute so unruhige Meer, ziehen dicke Wolken auf. Eigentlich eine Wolkenwand, die sich über dem Wasser auflagert und vielleicht ein paar hundert Meter hoch sein dürfte, wenn man sie so sieht. Die Wolken haben eine ungewöhnliche Farbe, sind gelb bis rötlich. So etwas sehen wir bei Sonnenuntergang vielleicht einmal, aber jetzt, so früh? Eine Stunde später zieht ein Sandsturm über uns hinweg und hüllt uns in Staub. Am nächsten Morgen ist der Camper außen völlig eingestaubt, auf dem Dach könnte man fast einen Sandkasten anlegen. Gelb bis rot ist der Staub.
Karin und Wolfgang sitzen mit uns zusammen in unserem Hotel. Ihr Wüstenschiff, ein 7,5 Tonner steht direkt hinter uns. Wolfgang erzählt, das sie schon seit 30 Jahren um die Welt reisen, wenn immer sie Zeit dazu hatten. Seit 5 Jahren sind sie aus der Gesellschaft und Selbständigkeit ausgestiegen und fast ausschließlich unterwegs. Indien haben sie schon vor vielen Jahren gerollt, die Seidenstraße sind sie gefahren, Russland, Iran, Afghanistan, man könnte neidisch werden. Doch Wolfgang erzählt auch, dass es immer schwerer wird. Schwerer bei uns im Westen, wegen der vielen Bestimmungen und Verbote und noch viel schwieriger und gefährlicher in den vielen noch unbekannten Ländern, in den islamischen Staaten. Viele seiner Freunde haben sich von den östlichen Routen längst verabschiedet und fahren die Pisten in Süd-Amerika. Es wird ein spannender Erzähl- und Zuhörabend für uns alle Vier. Gegen 22 Uhr verschlägt es uns dann in die Kojen. Ein fröhliches Kalinichta unserem Sohn Steven und unserer Tochter Jenny, deren Partnern Roman und Tamara und allen andern Freunden. Wie gerne hätten wir Euch alle hier vereint und mit dabei. Wir würden eine Wagenburg bauen und das Leben genießen.
Tag 110: Ein entspannter Tag

