während ich dies schreibe, muss ich immer noch schmunzeln. Da denkt man(n), dass man alle Technik im Wohnmobil beherrscht, alle Konfigurations-Einstellungen in den Apps der via Bluetooth verbundenen Geräte richtig gesetzt hat und muss doch erfahren, dass die Realität anders aussieht.
Aber drehen wir die Uhr ein paar Tage zurück…
Mein Wohnmobil ist ein FORD Transit, Baujahr 2020, mit einer werksseitigen Standheizung. Diese Standheizung bedeutet, dass eine zweite Starterbatterie, mit 90 Ampèrestunden (zusammen 180Ah) und ein größerer Generator/Lichtmaschine von 165 Ampère verbaut sind.
Beim Fahrersitz befinden sich zwei „Customer Connection Points“ (CCP): einer mit Dauerplus für Kleinstverbraucher (z.B. Senderspeicher für Radios) und einer mit Zündungsplus mit hoher Stromabgabe:
- -der Dauerplus-CCP ist mit dem an der Aufbaubatterie montierten Victron Smart-Shunt verbunden. So kann ich an der Victron-App sehen, welche Spannung die Starterbatterie hat.
-der Zündungsplus-CCP ist über einen Victron Ladebooster, Modell 12/12 30 (30 Ampère, mit Motor-An-Erkennung), an der Aufbaubatterie angeschlossen.
Im Urlaub haben wir für ein paar Tage auf einem „Parkplatz mit Wohnmobil-Erlaubnis“ gestanden (ohne Landstrom). Die Verbraucher waren an, E-Bike-Akkus wurden geladen und in der Victron-App des Smart-Shunt konnte ich sehen, dass die Aufbaubatterie (176 AH LiFePo4) deutlich zur Neige ging. Also, dachte ich, mal sehen, ob ich mit eingeschaltetem Motor und Ladebooster die Aufbaubatterie notfalls laden könnte. Über ökonomische und ökologische Prinzipien wollte ich nicht mit mir streiten – es ging mir nur ums Prinzip.
Da wir allein standen und daher keine Nachbarn verärgern konnten, habe ich den Zündschlüssel umgedreht und den Motor gestartet.
Wer nicht mit der App für den Victron-Ladebooster vertraut ist: Neben der Motor-An-Erkennung wird auch eine Dauer, für die der Motor gelaufen sein muss bevor sich der Ladebooster einschaltet, gesetzt. Ich hatte dies auf 180 Sekunden eingerichtet.
Um jetzt nicht diese 180 Sekunden den Motor ohne Ladebooster laufen zu lassen, habe ich in der App kurzerhand umgeschaltet von „Motor-An“ auf „Dauerhaft EIN“ und konnte in der App beobachten, wie sofort satte 30 Ampère in die Aufbaubatterie flossen.
Nach sechs Minuten habe ich den Motor ausgeschaltet. Meine Frau und ich sind unmittelbar danach zu einer eine Fahrrad-Tour gestartet.
Zurückgekehrt, habe ich in der Victron-App für den Smart-Shunt gesehen, dass die Aufbau-Batterie merklich an Kapazität gewonnen hat.
Da wir immer noch keine Nachbarn hatten, habe ich den Motor erneut gestartet. Diesmal für zwölf Minuten:
- -das lässt sich gut rechnen: 30 AH in 60 Minuten, also 3 AH in 6 Minuten, bzw. 6 AH in 12 Minuten – genug, damit die Kompressor-Kühlbox noch eine Weile durchhalten kann.
-da sich das Fahrzeug nicht bewegt hat, standen wir in unserer eigenen Abgas-Wolke. Das wurde zunehmend unschön.
Großartig, dachte ich, ein paar kurze Stromstöße und die Aufbaubatterie berappelt sich. Doch dann fiel mein Blick in derselben App auf die Spannung der Starterbatterie. „Oh Gott, nur noch 12,00 Volt!“. Ich fing an mich zu fragen, wieso die Starterbatterie plötzlich derart leer sein konnte. Es dämmerte mir, dass es mit dem Ladebooster und dem Deaktivieren der Motor-An-Erkennung zu tun haben könnte.
Ein Blick in die Bedienungsanleitung des FORD Transits verschaffte Gewissheit: Nach dem Ausschalten des Motors liefert der Customer Connection Point noch 30 Minuten lang Strom.
Ich begann zu rechnen: zweimal Motor gestartet mit insgesamt 18 Minuten = 9 AH aus der Starter-Batterie. Dazu zweimal dreißig Minuten Nachlauf = 1 Stunde mit 30 AH. Da beim aktuellen FORD Transit die Starterbatterien nur zur 80% geladen werden (schont die Batterien) habe ich konkret nur die Kapazität von 2x 90 AH * 80% = 144 AH bis zur möglichen Entladung (50% von 180 AH, also 90 AH). Insgesamt also 144 AH minus 90 AH = 54 AH zur Verfügung. Davon habe ich ungefähr 39 AH entnommen. Kein Wunder, dass die Anzeige eine zur Neige gehende Starterbatterie anzeigt.
Nun, Sorgen, dass der Motor nicht mehr anspringen würde, habe ich mir keine gemacht. Ich fand es eher super, dass ich neben Solar- und Landstrom eine weitere Energiequelle für mich entdeckt habe: die eigene Starterbatterie.
Und wer weiß, vielleicht muss ich mir im Winter ja mal Starthilfe geben. Dann muss ich nur die beiden Kabel am Ladebooster vertauschen und Schwups, ist genügend Kapazität vorhanden.
Viele Grüße
Carsten

