Nach dem Frühstück fuhren wir zu den Leuchttürmen des kleinen Ortes Niagara-on-the-Lake. Auf dem Weg dorthin kamen wir an vielen hübschen Häusern vorbei. Dieser Ort hätte es wirklich verdient, dass wir hier ein bisschen länger geblieben wären. Aber leider ist unsere Zeit begrenzt und so fuhren wir weiter.
Toronto erreichten wir noch vor 12:00 Uhr mittags. Leider war der Parkplatz in der Nähe von Downtown Toronto, den wir über iOverlander herausgesucht hatten, schon besetzt. Beim nächsten Parkplatz hätten wir pro Kalendertag 120 CAD, also in der Summe 240 CAD, bezahlen sollen. Dies war uns entschieden zu viel. Beim dritten Parkplatz in der Front Street hatten wir Glück und konnten uns für 50 CAD (beziehungsweise 40 $, denn so viel kanadische Dollar hatten wir nicht in bar) bis morgen hinstellen.
Unser erster Weg führte uns zum CN Tower. Dort fuhren wir mit dem Aufzug ganz nach oben (447 m) und hatten einen grandiosen Blick auf die unzähligen Hochhäuser der Stadt und den See Ontario. Nach diesem Ausflug in die Höhe schlenderten wir zunächst zur New City Hall mit dem markanten Toronto-Sign und weiter zum Parlamentsgebäude.
Anschließend ging es für uns in die „Unterwelt“ von Toronto. Unter den Hochhäusern von Toronto gibt es eine etwa 30 km lange Fußgängerzone. Wir stiegen in St. Andrews in die „Unterwelt“ ein und gingen bis zur King Street. Auf unserem Weg kamen wir an vielen Fastfoodbuden und Geschäften vorbei, die uns nicht wirklich interessierten. Mag sein, dass es in anderen Bereichen dieser „Unterwelt“ interessantere Geschäfte gibt, aber für uns war es langweilig, weshalb wir froh waren, wieder das Tageslicht zu erreichen.
Nach einem Rundgang durch die große Markthalle „St. Lawrence“ gönnten wir uns zunächst einen Drink in einem netten Restaurant bei der Markthalle. Anschließend schlenderten wir zum Distillery District. Dieses ehemalige Fabrikgelände besteht heute aus Restaurants und einigen Geschäften. Aber auch hier war nichts dabei, was uns zum Bleiben animiert hätte. Wir gingen deshalb zurück zur Markthalle und stärkten uns mit einem leckeren Abendessen in demselben Restaurant, in dem wir am Nachmittag unsere Drinks genossen hatten.
Es war schon später Abend, bis wir durch die hellerleuchtete Stadt zu unserem Mausmobil zurückgingen. Dort angekommen, waren wir froh, endlich unsere Füße hochlegen zu können.
Die Nacht war ruhiger, als wir gedacht hatten. Immerhin standen wir mitten im Zentrum von Toronto. Erst ab 7:00 Uhr begann es langsam lauter zu werden, da die ersten Pendler auf den Parkplatz fuhren.
Bis zu unserem heutigen Zwischenziel in Peterborough erlebten wir den Berufsverkehr auf dem Highway hautnah. Alle Straßen waren mehr oder weniger verstopft und wir kamen oftmals nur langsam vorwärts. Je weiter wir uns von Toronto entfernten, umso mehr ließ der dichte Verkehr nach.
In Peterborough fuhren wir zunächst zum Schiffshebewerk Lift Lock NHS. Viele Jahre lang waren die Doppellifte der Schleuse die höchsten hydraulischen Bootslifte der Welt und hoben Boote um 20 m an. Es wird dazu keine externe Energie benötigt: Die Hubsperre funktioniert allein durch die Schwerkraft nach dem Gegengewichtsprinzip. Ein Senkkasten fährt immer nach oben und der andere gleichzeitig nach unten. Zwar war das Visitor-Center heute geschlossen, aber wir hatten Glück und ein Schiff ließ sich vom Hebewerk gerade nach oben transportieren. Das sah schon sehr beeindruckend aus, wie der große mit Wasser gefüllte Kasten mit dem Schiff nach oben fuhr.
Anschließend fuhren wir zum Lang Pioneer Village. Dieses aus über 40 verschiedenen historischen Gebäuden bestehende Dorf konnten wir im Rahmen einer selbstgeführten Tour entdecken. In manchen Häusern konnten wir sogar die verschiedenen Gewerke kennenlernen. So war zum Beispiel das Büro des Schriftsetzers besetzt, der Schmied lernte gerade zwei Auszubildende an, ein blechverarbeitender Betrieb führte die Herstellung einer Öllampe vor und bei den Weberinnen konnten wir auf anschauliche Weise viel über die Lochkarten lernen, die benötigt werden, um die verschiedenen Muster zu weben. Dies alles fanden wir so interessant, dass wir um ein Haar unser Mittagessen vergessen hätten. Wir holten es aber nach der Besichtigung nach.
Es war noch nicht allzu spät, weshalb wir entschieden, bis nach Kingston weiter zu fahren. Über iOverlander hatten wir einen Übernachtungsplatz beim Fort Henry gefunden. Dieser Platz erwies sich als sehr großer Parkplatz.
Nach einer ruhigen Nacht hatten wir am Morgen einen bedeckten Himmel. Es sollte aber im Laufe des Tages sonnig werden (was es auch tat).
Um 10:00 Uhr öffnete Fort Henry seine Pforten. Wir konnten gleich die erste Führung des Tages mitmachen. Ein Mitarbeiter, welcher als Offizier aus dem Jahr 1860 gekleidet war, führte uns über das Gelände.
Nach der einstündigen Führung gab es eine Vorführung im Gewehrschießen. Zunächst wurde uns die Entwicklung der Gewehre im 19. Jahrhundert an entsprechenden Modellen erklärt. Anschließend wurde ein Gewehr mehrfach abgefeuert.
Nach dem Mittagessen fuhren wir die sogenannte Rideau Heritage Tour South, welche im Zusammenhang mit dem Rideau Canal steht. Der Kanal aus dem 19. Jahrhundert führt vom Lake Ontario bis nach Ottawa und hat insgesamt 47 Schleusen. Wir hatten im Internet obige, etwa 100 km lange Rundtour gefunden, die zu mehreren Sehenswürdigkeiten führt. Schon kurz hinter Kingston erreichten wir die Kingston Mills Lock. Diese Schleuse besteht aus vier Schleusenkammern. Wir hatten Glück und konnten den Betrieb der Schleuse erleben, denn es ließ sich gerade ein Schiff nach oben schleusen. Jedes Schleusentor wird hier von Hand betrieben.
Unser nächstes Ziel war die Lyndhurst Brücke. Sie ist die älteste Brücke in Ontario und wird heute noch genutzt. Um dem heutigen Verkehr standzuhalten, wurde sie im Rahmen einer Sanierung mit Stahlbeton verstärkt, ohne das Äußere zu verändern.
Einige Kilometer weiter erreichten wir in Delta die Old Stone Mill. Sie ist eine der ältesten Mühlen in Ontario und noch in Betrieb. Allerdings endete der Vorführbetrieb am Labour Day, weshalb wir sie nur von außen besichtigten konnten.
In Delta gibt es zudem eine Heritage Walking Tour. An der Mühle lag dafür ein kleiner Stadtplan aus. Da die Sonne vom Himmel lachte, gingen wir die gesamte Tour. Es waren einige hübsche Häuser aus dem 19. Jahrhundert dabei.
Es war mittlerweile später Nachmittag geworden, weshalb wir uns bei Chaffey‘s Lock auf einen Parkplatz für die Nacht stellten.
Eine ruhige Nacht und Sonnenschein am Morgen, was wollen wir mehr! Auf unserem Weg Richtung Nordosten hielten wir in Prescott an, um dort Fort Wellington zu besichtigen. Dieses spielte im Krieg von 1812 eine große Rolle und wurde nach einem Umbau noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt. Seitdem wird es als Museum betrieben. In seiner aktiven Zeit hatte es eine große strategische Bedeutung, da es am Sankt Lorenz Strom liegt und sich direkt gegenüber die USA befindet. Angegriffen wurde das Fort in seiner aktiven Zeit zwar nicht, aber seine Besatzung wurde zu einigen Schlachten herangezogen. So nutzten zum Beispiel die englischen Soldaten im Jahr 1813 den Winter, als der Sankt Lorenz Strom gefroren war, für einen Angriff auf die gegenüberliegende amerikanische Stadt Ogdensburg.
Durch seine reichhaltige Einrichtung und die vielen erklärenden Tafeln konnten wir uns ein sehr gutes Bild vom Leben in diesem Fort machen.
Nach der Mittagspause fuhren wir ein paar Kilometer weiter zum Windmill Point Leuchtturm. Dieser war ursprünglich als Mühle gebaut worden und erlangte durch eine Schlacht in den 1830er Jahren große Berühmtheit. Insgesamt 190 Kämpfer hatten sich in dieser Mühle verschanzt. Der britischen Armee gelang es nach vier Tagen durch ein Bombardement von drei Schiffen aus, die Kämpfer zum Aufgeben zu bewegen. Elf der Anführer wurden in Fort Henry (welches wir gestern besichtigt hatten) gehängt, 60 wurden nach Australien deportiert und der Rest freigelassen. Nach so viel interessanter Geschichte genossen wir die Weiterfahrt durch die immer bunter werdende Landschaft (der Indian Summer wird immer spürbarer).
Morgen geht es dann weiter mit der Historie Kanadas - wir wollen das Upper Canada Village besichtigen. Wir fuhren deshalb heute schon dorthin und holten uns Informationen für den morgigen Besuchstag. Anschließend fuhren wir in die Crysler Park Marina und buchten dort einen Stellplatz direkt am Sankt Lorenz Strom.
Mehr Bilder, den ungekürzten Reisebericht und die gesamte Reiseroute unter --> Link bzw. --> Link

