Selber füllen von Gasflaschen
Man hört immer wieder die Frage, ob man normale
Gasflaschen nicht selber füllen kann oder z. B. an der bormalen LPG-Tankstelle auffüllen kann bzw. liest im Internet oder in der Literatur Berichte und Anleitungen zum selber füllen von Gasflaschen.
Ob dies in Deutschland nun generell Verboten oder für Privatpersonen erlaubt ist, dass sollen die Juristen klären, Jurist bin ich nicht, aber meines Wissens ist das selber füllen meist nicht zulässig.
Aber wer so etwas macht, der sollte zumindest die Grundlagen kennen und es bitte dort machen, wo keine anderen Personen gefährdet werden.
Und er sollte sich die Frage stellen, ob das selber füllen eigentlich lohnt. Viele werden von den scheinbar günstigen Preisen an der Tankstelle in die Irre geführt. An den Tankstellen wird LPG per Liter verkauft, im Gashandel per kg. Nun ist es aber so, dass 1 Liter flüssiges Propangas ca. 0,5 kg wiegt (abhängig von der Temperatur). Somit ist das Flüssiggas von deutschen LPG-Tankstellen also nicht günstiger, als z. B. im Campinghandel oder im Baumarkt und ein selber füllen lohnt eigentlich nicht.
Sollte man nun im Ausland gezwungen sein, seine Gasflaschen zu füllen, dann sollte man besser nach einer kleinen Füllstation suchen, die einem oft (gegen ein Trinkgeld) weiterhelfen kann. Sollte auch dies nicht möglich sein, dann sollten beim selbst füllen auf jeden Fall beachtet werden, dass jede Gasflasche nie ganz voll gemacht werden darf. Sie darf immer nur zu maximal 80 % gefüllt werden. Somit passen in eine Handelsübliche 11 kg Gasflasche zwar 13,75 kg (temperaturabhängig), es dürfen jedoch nur max. 11 kg eingefüllt werden. Somit werden Gasflaschen auch immer nach Gewicht befüllt, dafür haben die Gasflaschen. auch die Tara-Angabe (=Leergewicht).
Warum ist dies nun so wichtig? Dafür gibt es zwei Gründe, aber zunächst noch etwas Theorie: Wir sprechen zwar von
Gas oder Campinggas, aber der auch gebräuchliche Begriff Flüssiggas oder der an den Tankstellen verwendete Begriff LPG (Liquefied Petroleum Gas) verrät schon, dass unser Gas nicht unbedingt auch gasförmig ist. Bereits unter geringem Druck werden Propan- und Butangas flüssig und lassen sich damit dann „Platzsparend“ lagern. (1 Liter Flüssiggas ergeben rund 260 Liter im gasförmigenZustand). Somit liegt das Gas in der Gasflasche zum größten Teil in flüssiger Form vor. Im oberen Bereich der Flasche haben wir das Gas in gasförmigem Zustand. (Aufgrund der maximalen Füllung von 80% sind bei einer vollen Flasche also die oberen 20 % des Flaschenvolumens mit gasförmigem Gas gefüllt, die unteren 80% mit flüssigem Gas. Nun sollte man auch noch aus dem Physikunterricht wissen, dass man Gase in der Regel gut komprimieren (zusammendrücken) kann, aber Flüssigkeiten nicht.
Nun ist es aber auch so, dass sich das flüssige Gas bei zunehmender Temperatur ausdehnt, und das recht stark. Somit kommt es dazu, dass sich der Volumenanteil des flüssigen Gases in der Flasche bei Temperaturerhöhung ebenfalls erhöht. D. h. nichts anderes, als dass je wärmer die Flasche wird, desto mehr Liter flüssiges Gas sind enthalten (bei gleichem Gewicht). Nun darf die Flasche aber
niemals zu 100% mit Flüssiggas gefüllt sein. Dafür gibt es, wie gesagt, zwei Gründe:
a) An unsere Gasgeräte im Campingfahrzeug darf nur gasförmiges Gas gelangen. Sollte in der Flasche nun der Flüssigkeitsspiegel zu hoch sein bzw. zu hoch steigen, dann könnte es dazu kommen, dass flüssiges Gas in den Druckminderer steigt oder bei Bewegung des Fahrzeugs dort hinein schwappt. Dieses kann nun (auch trotz Druckminderer) in die Rohrleitungen kommen und zu einem der Gasgeräte gelangen. Wenn wir uns nun daran erinnern, dass 1 Liter flüssiges Gas ca. 260 l gasförmiges Gas ergeben dürfte auch jedem klar sein, dass somit der Brennwert bzw. die im flüssigen Gas enthaltene Energie auch 260 x so groß ist. Das das nicht gut für die Geräte ist sollte jedem klar sein. Im Sachkundelehrgang wurden uns Bilder einer Gasheizung gezeigt, die flüssiges Gas bekommen hatte: Die eigentliche Brennerkammer war geschmolzen...
b) Der Druck in der Gasflasche ist abhängig von der Temperatur. Solange noch gasförmiges Gas enthalten ist entspricht der Innendruck dem Druck des gasförmigen Gases entsprechend der so genannten Dampfdruckkurve. So herrschen in einer Propangasflasche bei 20°C ein Druck von ca. 7,5 Bar. Dieser steigt mit jedem weiteren °C um ca. 0,3 Bar an. Aber nur, solange noch gasförmiges Gas vorhanden ist. Vergrößert sich nun aufgrund des Temperaturanstieges das Volumen der flüssigen Gasphase so stark, dass nur noch flüssiges Gas vorhanden ist, dann steigt der Druck auf einmal mit 7-8 Bar je °C, weil die Flüssigkeit nicht kompressibel ist. Das kann dann dazu führen, dass der Berstdruck der Flasche erreicht wird und diese Platzt. (Der Prüfdruck einer Gasflasche beträgt ca. 30 Bar, die Fa. Wynen-Gas hat auf den Campingmessen meist eine geplatze Flasche als Exponat auf dem Messestand stehen...)
(Selbstversuch: Eine Fahrradluftpumpe, die mit Luft gefüllt ist und deren Auslass ich verschließe, kann ich recht leicht bis auf ca. ¼ des Volumens zusammenschieben. Dabei wird sie warm, aber das war es auch. Wenn ich nun die Luftpumoe mit Wasser fülle und den Versuch wiederhole stelle ich fest, dass ich da gar nichts zusammenschiebe und wenn ich noch mehr Druck aufbringe wird die Luftpunpe irgend wann platzen)Wer bei längeren Auslandsurlauben o. ä. seine Gasflasche gerne sicher an der LPG-Tankstelle auffüllen möchte, der kann sich eine so genannte Tankflasche kaufen. Diese gibt es von der Fa. Wynen-Gas in 11kg und 5 kg größe sowie ganz neu auch von ALUGAS auch als 11 kg Aluminium-Tankflasche. Diese Flaschen sind mit einem 80% Füllstopüp versehen. Die Stahlflaschen der Fa. Wynen verfügen darüber hinaus noch über eine funktionierende Inhaltsanzeige, die ALU-Gastankflaschen werden auch mit einem Aussenfüllanschluss vertrieben, der fest am Fahrzeug installiert wird, und über den die Flasche wie ein Gastank von außen ganz normal betankt werden kann.
Ausdrücklich warnen will ich vor dem selber füllen der blauen Butangasflaschen (Campinggaz). Hier mag es sehr verlockend sein, da das tauschen dieser Flaschen sehr teuer ist und das Gas somit deutlich mehr kostet, als das Gas in den grauen oder roten Propangasflaschen.
Aber wie schon geschrieben: In den blauen Flaschen ist Butan, in den grauen oder roten oder an der Autogastankstelle gibt es Propangas (oder Propan/Butan-Gemisch mit hohem Propangasanteil.)
Und dies darf nie in eine blaue Gasflasche! Es besteht Lebensgefahr. Denn es gibt einen kleinen, aber sehr gefährlichen unterschied: Die Dampfdruckkurve. Wie weiter oben schon geschrieben Beträgt der Druck in einer mit Propangas gefüllten Flasche 7,5 Bar bei 20°C und steigt mit jedem weiteren °C um 0,3 Bar, also alle 10°C um ca. 3 Bar. Somit herrscht bei ca. 40°C (im Sommer im Süden) in der Flasche ein Druck von ca. 13,5 Bar.
Der Druck in einer mit Butangas gefüllten Flasche ist nun aber deutlich geringer. Bei 20°C beträgt er gerade einmal 1,4 Bar und steigt auch nur mit ca. 0,07 Bar je °C an. D. h. alle 10 °C steigt der Druck nur um 0,7 Bar an. Bei unseren 40°C im Süden beträgt der Druck also gerade mal 2,8 Bar (im Gegensatz zu 13,5 Bar bei Propangas). Nun ist es aber auch so, dass die blauen Butangasflaschen natürlich auch nur für diesen deutlich geringeren Druck ausgelegt sind. Zudem verfügen sie über kein eingebautes Sicherheitsventil. Also bitte diese (meist blauen) Butangasflaschen niemals mit Propangas oder Propangasgemischen auffüllen.