aqua
luftfederung
hallo
Links zu ebay oder Amazon sind Werbelinks. Wenn Sie auf der Zielseite etwas kaufen, bekommen wir vom betreffenden Anbieter Provision. Es entstehen für Sie keine Nachteile beim Kauf oder Preis.

Gedanken zum Nordkap, oder: "Wie LCD zum LCD wurde"


LowCostDriver am 19 Apr 2008 20:31:58

Das Nordkap stellt in gewisser Weise das Non-Plus-Ultra für den Wohnmobilisten dar.
Warum das so ist? Ich weiß es nicht.
Aber es gibt Meinungen die behaupten, dass man erst dann ein wahrer Wohnmobilfahrer ist, wenn man mindestens einmal am Nordkap gewesen ist.

Dies könnte natürlich auch andererseits ein geniales groß angelegtes Werbemanöver des norwegischen Amts für Tourismus sein. :wink:

Warum sonst sollte man sich die Mühe machen und tausende von Kilometern immer weiter nach Norden abspulen, nur um sich dort, natürlich vorher kräftig um einige Kronen erleichtert, eine steile Felsklippe und eine olle Metallkugel anzuschauen?

Wir haben uns ebenfalls die Frage gestellt, warum wir uns damals im Frühjahr 2006 entschieden haben unsere Hochzeitsreise an genau diesen Punkt der Welt zu verlegen.

Hochzeitsreisende sollten doch eher eine Reise in die Karibik buchen oder auf die Seychellen oder wenigstens auf die Balearen oder so.
Honeymoonsuite mit Strand, Muscheln, Abendrot und Sonnenuntergang im Meer bei einem Glas Caipirinha auf einer Sonneliege.

So stellt man sich doch im allgemeinen eine Hochzeitsreise vor, oder?

Also warum gerade eine Reise an den vermeintlich nördlichsten Punkt Europas und dazu noch in einem Wohnmobil?

Die Antwort hierauf ist schnell erklärt:
Schon immer zog es mich an Orte, von denen aus es geografisch nicht mehr weiter geht. Anja geht es ähnlich.
Solche Orte sind im allgemeinem am Elementewechsel „Erde zu Wasser“ oder vielleicht noch „Erde zu Luft“ zu erkennen.
Stehe ich am Strand, dann kann ich nicht weiter geradeaus gehen, die Reise muss an dieser Stelle enden, es sei denn ich habe ein Boot oder gehe schwimmen.
Das ist meist eher weniger der Fall.

An diesen Punkten stellt sich einfach nicht mehr die Frage, was mich wohl hinter nächsten Kurve erwartet, hinter dem nächsten Hügel oder nach der nächsten Kuppe.
Schon immer habe ich mich gefragt: „Was wäre, wenn ich an einem ursprünglichen Reiseziel angekommen nicht anhalte, sondern einfach weiter fahre?“

„Wird es ein neues Abenteuer geben? Oder könnte ich vielleicht das größte Abenteuer meines Lebens verpassen, wenn ich nun zum Beispiel hier am geruhsamen Campingplatz am Bergsee ankomme und einfach hier den Motor abstelle? Verpasse ich dann vielleicht etwas?“

An diesen markanten Orten im Wechsel der Elemente allerdings stellt sich die Frage nicht mehr. Hier ist Schluss.
Das war in Dunnet Head oder John O´Groats am nördlichsten Punkt des britischen Festlandes in Schottland so, das war in Tarifa in Südspanien so und wird in Skagen in Dänemark mit etwas Glück im Sommer 2008 nicht anders sein.

Das Nordkap als nördlichster Punkt Europas ist ebenfalls so ein Ort, aber es ist noch etwas mehr:
Es ist DER Ort, von dem es nicht mehr weiter geht.
Hinter dem Nordkap kommt nur noch etwas Wasser und dann irgendwann der Nordpol.
Aber nicht nur das, hier ist auch ein gewaltiges Naturschauspiel zu bewundern: Der ewige Tag! Oder besser die Mitternachtssonne, die es gestattet auch zu nachtschlafender Zeit um Mitternacht echte Sonnenstrahlen zu genießen. Denn die Sonne geht während der Sommermonate nördlich des Polarkreises nicht wirklich unter.

Vielleicht habe ich aus diesen Gründen meiner Frau im Frühjahr 2006 vorgeschlagen diesen Punkt und die Reise durch Skandinavien in die Auswahl der möglichen Reiseziele aufzunehmen.

Ich wusste damals nicht, was genau uns dort erwartet. Ich wusste nicht, ob man dort überhaupt hingelangen kann und womit.

Trotzdem war uns beiden schnell klar, dass dies eigentlich genau der richtige Reiseimpuls war, den wir für unsere Hochzeitsreise in Betracht zogen.
Die Ideen mit den Inseln und einer Honeymoon-Suite warfen wir über Bord und betrachteten diese nicht weiter. Sie standen nie ernsthaft zur Debatte.

Erst nach längeren Recherchen wurde uns klar, dass die Durchführung dann aber gar nicht so einfach war.

Viel Worte darüber will ich an dieser Stelle gar nicht verlieren, wer mag kann es im Prolog / Vorwort zum kompletten Reisebericht auf meiner Webseite --> Link nachlesen.
Fakt ist nur, dass wir uns für ein Wohnmobil, genauer ein Mietmobil entschieden haben und wir damit zum ersten Mal Neuland in Bezug auf die sich immer größer werdender Beliebtheit erfreuende „Reiseform Individualreise mit Wohnmobil / Wohnwagen“ betreten haben.

Und genau so, wie wir uns damals 2006 über das Nordkap im Internet informieren wollten, sucht vielleicht jemand an dieser Stelle nach Reisetagebüchern und Erfahrungsberichten über das Nordkap und das, was man wirklich am vermeintlich nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes vorfinden kann.

Beim Lesen bitte ich allerdings zu beachten, dass wir nun eine kleine Zeitreise ins Jahr 2006 machen.
Der ein oder andere erinnert sich bestimmt noch: Damals im Sommer 06 gastierte in Deutschland die Fußballweltmeisterschaft.

Es war sonnig und warm. Die allgemeine Einstellung war durch die vielen internationalen Gäste und deren guter Stimmung im eigenen Land auch für uns Deutsche hervorragend. Die Welt war „zu Gast bei Freunden“ und wir als Deutsche erlebten selbst unser „Sommermärchen“.

Für Anja und mich wurde daraus allerdings ein „Hochzeitsreisemärchen zum Nordkap“…

Viele Dinge, die ich heute weiß, waren mir damals gänzlich unbekannt und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass man an der einen oder anderen Stelle Dinge liest, die selbst mich als mittlerweile erfahrenen Camper verwundern lassen, wie blauäugig ich doch damals an viele Dinge heran getreten bin.

Aber das soll der Reise und dem Bericht natürlich keinen Abbruch tun.
Viel mehr möchte ich gerade unverblümt schreiben und festhalten, wie wir unsere erste Reise erlebt haben.

So wird man keinen Kommentar aus 2008 lesen wo steht „jaja, heute weiß ich das besser“ oder „das habe ich aber falsch gemacht“.
Ich schreibe das, was ich anhand meiner Aufzeichnungen von damals noch zur Verfügung habe ohne die heute wissende „Camperbrille 2008“ aufzusetzen.
Ich selbst möchte unsere Reise heute nicht mehr bewerten oder zensieren, dafür seid ihr als meine lieben Leser da, natürlich nur, wenn ihr mögt.

Wer mag kann sich gern den ganzen Reisebericht auf meiner Webseite anschauen, dort gibt’s dann aus der ganzen Reise noch mehr Geschichten von Elchen, Rentieren, nächtlichen Dieben, Santa Claus, dem Polarkreis, dem Fund von Gold, der russischen Grenze der E 6 und der E 4 im Vergleich als mögliche Reiseroute, dem kargen Leben in der nördlichen Wildnis und einem bleibenden Eindruck von Skandinavien als Reise- und Urlaubsland. Es fehlen zwar noch ein paar Tage, aber die kommen bis spätestens Mitte nächster Woche und wer Zeit zum Lesen hat, es ist wirklich genug da.

So, genug Vorgeschichte, hier nun im nächsten Beitrag meine Eindrücke des wahren Reiseziels, des Nordkaps vom 71° 10" 21`, für Anregungen, Feedback, Meinungen und Kommentare bedanke ich mich schon jetzt.

Ganz besonders würde ich mich aber über Meinungen anderer User über das Nordkap als "geografisch anziehenden Punkt" freuen, denn wie man auch hier erst neulich im Forum lesen konnte: Das Nordkap erfreut sich nach wie vor bester Beliebtheit, obwohl es streng genommen ja gar nicht der nördlichste Punkt Europas ist.
Wie seht ihr das Nordkap? Muss man dort gewesen sein, um ein wahrer Wohnmobilist zu sein? Ist das die einzig wahre Route für Wohnmobilisten wie für Segelschiffkapitäne die Umrundung des Kap Horn?
Oder ist das auch nur ein Punkt auf der Erde, der genauso wie die Poller Wiese hier in Köln einen spannenden Urlaub bieten kann?

Euer LowCostDriver
Björn

Anzeige vom Forum

Hier findest Du vielleicht schon, was Du suchst: Artikel auf eBay oder versuchs hier bei Amazon

LowCostDriver am 19 Apr 2008 20:37:13

Aus unserem Reisebericht:

Kurz hinter Käfjord ist es dann soweit!
Wir erreichen den Nordkaptunnel!

Früher (das weiß ich aus den Reiseberichten von Markus Besold) muss es hier mal eine Fähre gegeben haben, nun aber gibt es einen Tunnel. Ich bin noch nicht sicher, ob ich dafür dankbar sein soll. Einerseits ist das Wetter nicht sehr erbauend für eine Bootsfahrt, andererseits haben wir auch schon mit den Tunneln schon so unsere Erfahrungen gemacht

Es geht entgegen meiner Erwartung auch gleich in den Tunnel rein, man muss nicht warten und ein Checkpoint oder sowas scheint es auch nicht zu geben.

Der Tunnel selbst ist zwar etwas besser beleuchtet als der letzte, aber auch hier muss man sich eine Röhre für beide Fahrspuren teilen. Die Mittellinie ist zwar durchgezogen, aber das bisschen Farbe auf der Straße ist alles, was uns vom Gegenverkehr trennt. Einmal mehr würde ich mich freuen einen PKW zu haben. Denn der ist bedeutend schmaler.
Zum Glück ist wenig Verkehr.

Auch geht es gleich im Tunnel mal so richtig bergab! Die Geschwindigkeit ist auf 80 km/h begrenzt, wenn ich unser Wohnmobil rollen lasse, dann würden wir schneller als 80 werden, so steil ist das Gefälle.
Mit dem 5ten Gang bremse ich das Wohnmobil ein und gebe nur hin und wieder etwas Gas.
So geht es erstmal etwa 3,5 Kilometer den Berg herunter.
Wir flachsen, ob wir uns anstelle vom Nordkap nicht gleich in der Hölle oder im Hades wiederfinden.
Irgendwann verschwindet der kleine weiße Punkt hinter dem Wohnmobil (der Eingang).
Von hier an geht es nun nur noch hinab in die Dunkelheit...

Immer nur unterbrochen durch die vorbei fliegende gelbe Neonröhrenbeleuchtung.
Hin und wieder sehen wir Teile der Deckenverkleidung oder auch der Seitenverkleidung herab hängen. Lose Drähte, Gitter, Provisorien…

Das ist definitiv nichts für schwache Nerven!
Wenn der nun einkracht, was dann?
Das Bergmassiv und die Wassermassen über uns müssen gigantisch sein, wenn wir allein für die Zufahrt schon so weit runter fahren müssen.
Wenn man Platzangst hat, dann muss man sich in diesem Tunnel nun ganz schön überwinden. Mit jedem Meter abwärts steigt im Gegenzug die Menge an Gestein und Wasser über uns. Kein schönes Gefühl...

Nach dem Gefälle geht es zum Glück irgendwann auch wieder rauf. Wir sind aber noch immer im Tunnel!
Ich muss einmal in den 4ten Gang zurück, wir sind im 5ten Gang zu langsam geworden.
Auch das ist kein Zuckerschlecken.

Obwohl das Überholen ausdrücklich untersagt ist, werden wir von einem norwegischen PKW- Fahrer im Tunnel überholt.
OK, schlimm ist das nicht, man kann durch die Beleuchtung recht weit sehen und entgegenkommende PKW (sofern sie das Licht eingeschaltet haben) sind schon in 1,5km Entfernung auszumachen.
Trotzdem fies…

Endlich am Horizont ein heller Punkt, wir werden schneller...
Endlich!
Nach schier endloser Tunnelfahrt (immerhin 7 Kilometer!) erreichen wir endlich den Ausgang und sind auf der Nordkapinsel.
Wir sind dankbar aus diesem dunklen Verlies entkommen zu sein. Jetzt ist es nicht mehr weit zum Nordkap.
Vielleicht 40 oder 50 Kilometer. Die Uhr zeigt kurz nach 22 Uhr. Wir werden es pünktlich zur Mitternachtssonne schaffen!

Das Wetter hat sich übrigens nochmal deutlich verschlechtert! Leider :-(
Neben Wind und Regen kommt nun auch noch Nebel hinzu.
Die Sicht fällt stellenweise auf vielleicht 100-150 Meter ab.
Auch Schnee und Eis, was wir bis zu diesem Moment nur auf entfernten Berggipfeln gesehen haben, hat nun seine kalten Finger in unsere Richtung ausgestreckt. Die Moos- und Steinlandschaft wird durch den Schnee weiter entfremdet.

Nun sind wir beide absolut sicher. Das war kein Tunnel ! Das war ein Riss im Raum/Zeitkontinuum, wir sind definitiv auf einem anderen Planeten!!!
Wir wollen gerade nach Housten funken, dass wir ein Problem haben und uns möglicherweise verflogen *äh* verfahren haben, da werden wir unsanft auf den Boden der Tatsachen zurück geholt!

An der Ausfahrt ein paar Meter nach dem Tunnel gibt es ein kleines Kassenhäuschen.
Schnell schauen wir uns um, aber außer der Zufahrt zum Kassenhäuschen können wir keinen Weg entdecken.
Ausweichen ins Gemüse? Das ist vielleicht moorig hier und wir würden versinken. Vielleicht würde uns nie jemand finden...?

Wir halten an der Schranke an. Hier schieben tatsächlich 2 Mann Dienst.
Ich würde fast darauf wetten, dass wir eines der ersten Fahrzeuge hier an diesem Abend sind.

Ein freundliches aber raues und von den Natureinflüssen gezeichnetes Gesicht empfängt mich:
„Good evening, how long is the Camper“

Wir stehen in einer Markierung auf dem Boden, er sollte eigentlich sehen, dass wir deutlich über 6 Meter haben…

„Good evening Sir. Well, it´s about 6 Meters“ antworte ich mit einem Lächeln, vielleicht kommen wir ja so durch.

Der Verkäufer lehnt sich nun aus dem Fenster und schaut zur rückseitigen Markierung: “But you´re out of the 6-Meter- marking, how long?”
Was macht das bitte jetzt noch für einen Unterschied?
Wenn wir über 6 Meter lang sind und er das sieht, warum will er es dann noch so genau von mir wissen?
Für die Statistik?
„It´s 6,80 at all“ Was solls, Lügen hat hier eh keinen Sinn mehr.
„Then it´s 491 NOK“

WAS? WIE BITTE? (ist ihnen auch gerade die Kaffeetasse aus der Hand gefallen? ;-)
Das sind ja umgerechnet 60 Euro! Für eine einfache Tunnelfahrt!
OK, vielen Dank. Gerade haben wir im Schnellkurs gelernt, wovon die Menschen hier oben leben…

Was ist das nur für eine bodenlose Frechheit für einen Tunnel nach Metern abzurechnen?
Ist doch egal wie lang wir sind! Auf einer Fähre hätte ich dafür ja noch Verständnis, aber für einen Tunnel?
Zähneknirschend gebe ich ihm das Geld.
Ich bin jetzt nur noch froh, dass wir gleich da sind. Was anderes zählt jetzt wirklich nicht mehr.
Den weiten Weg haben wir ja nicht gemacht, dass wir uns jetzt von einer blöden Mautstelle aufhalten lassen.
Andererseits ist es ziemlich unfair erst die Leute durch den ellenlangen Tunnel -ohne vorherigen Hinweis- fahren zu lassen. Nach dem Tunnel besteht dann keine Alternative mehr, man muss bezahlen. So kann man es auch machen...

Weiter geht es auf der E 69. Viele Kreuzungen kommen nicht mehr.
Einmal müssen wir links abbiegen (geradeaus ginge es nach Hönnigsväg, das schauen wir uns aber später an), an einer weiteren Kreuzung bei Skarsväg müssen wir ein weiteres Mal links abbiegen.
Aber ab da geht es nur noch geradeaus und dann sind wir da.
Wenigstens der Nebel hat ein Stück nachgelassen. Wir liegen hervorragend in der Zeit, haben etwa noch 1 Std. 30 Minuten bis Mitternacht.

Die Zufahrtsstraße zum Nordkap wird nun sehr schmal.
Anja hat Sorge, dass uns vielleicht jemand entgegen kommen könnte. Denn durch die Kuppen und Kurven sieht man eventuell entgegen kommende Fahrzeuge recht spät.
Also wenn ich mir vorstelle, dass dies die Zufahrtsstraße zur touristischen Hauptattraktion einer ganzen Region ist, na dann kann man sich nur noch wundern. Hier fahren doch auch Busse lang!
Wie soll das denn gehen?

Schlimmer als die enge Straße ist allerdings der Nebel!
An der Kreuzung vorhin war er fast verschwunden aber mit einem Mal ist er wieder da. Dicker und fester als je zuvor.
Nahezu undurchdringlich. Ich habe fast das Gefühl der ist so dicht, dass er sogar das Wohnmobil langsamer werden lässt.
Wie Kaugummi...
Wir fahren den Berg rauf und mit jedem Meter wird die Suppe dichter und dicker.
Teilweise können wir nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren, die Straße sehen wir nur noch wenige Meter vor uns, um uns herum ist alles weiß. Wir haben überhaupt keinen Orientierungspunkt und können nur hoffen, dass die Straße auch wirklich zum Nordkap führt.
Aber auch wenn sie es nicht tut, wir würden den Unterschied nicht merken.
Ich bin schon oft durch Nebel gefahren, aber in dieser zum schneiden dicken Wand ist sogar mir mulmig. Und dann mit dem dicken Schiff…
Problem ist auch, dass hier oben überhaupt nichts wächst. Kein Baum, kein Strauch. Wenn wir mal kurze Einblicke auf die Flora neben der Straße haben, dann sind das nur grünbraune (eher braun) moosartige Gewächse. Dann natürlich viele Steine (einige von Menschen zu Mustern zusammen gelegt, ganz kleine Steinhaufen und Buchstaben) und einige Eisfelder.

Neben dem Nebel müssen wir aber auch noch mit einem weiteren Übel kämpfen: Wind!
Und das ist nicht nur einfacher Wind, das sind richtige Orkanböen, die uns hier um die Ohren pfeifen. Das Womo hält zum Glück relativ treu die Spur, aber es wankt.
Und das während der Fahrt.
Man sollte doch meinen, dass Wind der Erzfeind des Nebels sein sollte.
In jedem Horrorfilm zieht der Nebel langsam herauf. Und immer ohne Wind.
Aber hier? Absolut irreal !! Der Wind ist so kräftig und stürmisch und der Nebel bleibt trotzdem als dichte Wand.
Wind und Nebel sind überall!

Aus dem Weiß des Nebels tauchen irgendwann schemenhaft ein paar Blöcke auf, die mitten auf der Straße zu liegen scheinen.
Es handelt sich um kleine Kassenhäuschen, die wie Mauthäuschen in der Mitte der Straße angesiedelt sind. Es gibt mehrere davon. Zeugt von regem Betrieb im Sommer…

Wir fahren an die Kasse heran und werden von einer netten Dame empfangen.
Das Problem: Sie will doch tatsächlich ein weiteres Mal Geld von uns haben.
Nicht genug, dass wir die Zufahrt zur Nordkapinsel schon teuer bezahlt haben, jetzt sollen wir nochmals abdrücken, nur um auf das Nordkapplateau zu kommen.
Unglaublich, es werden weitere 390 Kronen fällig.
Dafür dürfen wir maximal 48 Stunden hier bleiben. Das ist die maximale Aufenthaltsdauer am Nordkapp.
Also ist die Übernachtung wenigstens schon mit drin...

Nach dem Bezahlen tasten wir uns vorsichtig weiter vor.
Vergessen ist nun alles an Strapazen und raubritterhaftem Wegezoll.
Wir erreichen endlich das Nordkap. Hier ist definitiv das Ende der Welt, das ist ein tolles Gefühl!
Ich fühle mich ein klein wenig wie ein Entdecker, obwohl das natürlich vollkommener Blödsinn ist.

Unsere Reise endet hier, von hier aus kann man nicht noch weiter nördlich fahren, es sei denn man hat ein Boot und möchte zum Nordpol.
Von hier aus geht es ab jetzt nur noch in Richtung Süden und damit läutet dieser Moment irgendwie natürlich auch die Rücktour ein.

Der Nebel ist noch immer zum schneiden dick, wir fahren auf den Parkplatz und haben keine Ahnung, wo genau der Parkplatz eigentlich ist.
Völlig orientierungslos klammern wir uns an einen kleinen rechteckigen Kubus, den wir am Wegesrand sehen.
Dann endlich tauchen aus dem Nebel schemenhaft weiße Wohnmobile auf unserer linken Seite auf.
Hier sind wir dann wohl richtig.
Wir sind da, wir haben es tatsächlich geschafft.
Wir sind am Nordkapp, ab heute gehören wir dazu. Wir sind ab sofort echte Nordkapfahrer!

Man kann also mit viel Fahren und Scheuklappen auf in 5 Tagen das Nordkapp erreichen. Obwohl das stimmt nicht ganz. Wir haben auch auf dem letzen Abschnitt viele Pausen gemacht und uns einiges angesehen. Und die Verzögerung durch den Einbruch sie auch noch genannt. Vielleicht kann man sogar bei guten Vorzeichen noch einen Tag rausholen, wenn man etwas mehr fährt. Gut zu wissen und vielleicht interessant für andere Fahrer.

An Schlaf ist jetzt wirklich nicht zu denken, ich will jetzt wissen, wo die Metallkugel steht und auch die letzten Meter an den nördlichsten Punkt endlich zurück legen.
Bei schönem Wetter hätten wir vielleicht sogar etwas von der Mitternachtssonne (die Sonne soll hier niemals untergehen) gehabt. So allerdings müssen wir mit Nebel und Wind Vorlieb nehmen.
Die Uhr zeigt uns kurz vor Mitternacht und es ist mal abgesehen vom trüben Nebel durchaus so hell, als wäre es ein ganz gewöhnlicher nebliger Nachmittag bei uns zuhause.

Wir parken in einer Lücke ohne zu wissen, in welche Richtung sich das Wasser und die Klippe befinden könnte.
Das mag man sich sicherlich schwierig vorstellen können, aber wenn man außer „Weiß“ absolut nichts sieht, dann hat man sogar Angst einen Schritt vor die Tür zu machen, weil man nicht weiß, ob man vielleicht nur wenige Meter vom Abhang entfernt stehen könnte.

Hier muss doch irgendwo ein Besucherzentrum oder sowas sein!?
Das Wohnmobil steht ja erstmal, umparken können wir später noch immer.
Also erstmal den Motor abgestellt, Gang rein und die Handbremse angeknallt.
Der Wind prügelt jetzt, wo sich das Wohnmobil nicht mehr bewegt, erbarmungslos auf uns ein.
Das Wohnmobil schüttelt und rüttelt sich, wie ein Schiff bei schwerer See oder die Gondel einer Seilbahn.

Wir packen uns selbst in dicke Klamotten, dann verlassen wir das Wohnmobil an diesem feindlichen Ort.
Irgendwo muss doch die berühmte stählerne Weltkugel sein, für die das Nordkap so berühmt ist.

Die Tür wird vom Wind aufgerissen, sofort weht eine Böe ins Innere des Wohnmobils.
Wir steigen aus und schließen die Tür mit aller Kraft.
Dann versuchen wir uns zu orientieren.
Wir haben Glück, just in diesem Moment klart der Nebel ein klein wenig auf, wir können in der Ferne schemenhaft ein größeres Gebäude erkennen.
Das ist alles, was wir als Orientierungspunkt haben, also machen wir uns dorthin mal auf den Weg.
Der Wind beißt und sticht in unser Gesicht, wir müssen uns schützen, damit es uns nicht die Haut zerreißt.
Auch müssen wir schräg gehen, sonst würde der Wind uns umwerfen.
Reden ist unmöglich, der Wind trägt sofort alle Wortfetzen weg.
Man muss sich anbrüllen und mit Handzeichen die Richtung vorgeben.

Nach ein paar Metern ist der Spuck vorbei.
Das schemenhafte Gebäude entpuppt sich für uns zum Glück als Besucherzentrum, hier sind wir goldrichtig aufgehoben.
Gegenseitig drücken wir uns, wir haben es geschafft, wir stehen am nördlichsten Punkt Europas.

Am Eingang angekommen öffnet sich die Glastür. Entgegen unserer Erwartung ist hier tatsächlich reger Betrieb.
Wo kommen nur all die Leute her?

Zielstrebig durchqueren wir als aller erstes die große Halle und machen uns gleich auf in Richtung vorderen Ausgang.
Denn dort wird die Kugel sein! Das Ziel, das Ende der Reise!

Wir öffnen die Tür und können uns kaum noch auf den Beinen halten!
Wir stehen fast ganz allein auf einem weitläufigen Plateau und sehen nur schemenhaft ein Geländer in etwa 20 bis 25 Meter Entfernung.
Der Sturm, der uns bereits an der Wohnmobiltür begrüßt hat, ist nochmals stärker geworden. Man muss sich die Ohren zuhalten, so sehr tut der beißende und schneidende kalte Wind erbarmungslos auf allen offnen Hautpartien weh.
Anja ist das zuviel, sie kehrt nach ein paar Schritten in Richtung Klippe um und bleibt im Schutze des Vordaches zurück, ich muss es also allein wagen.

Aber auch ich komme nicht sehr weit, ich schaffe es zwar nah genug ran an die Kugel, um von ihr ein Bild zu machen, aber der Wind ist zu kräftig, dass ich noch näher ran könnte. Man hat das Gefühl, als würde der Wind durch jede Faser der Kleidung kriechen, die Wärme des Körpers nehmen, ja schon fast an sich reißen und sich mit ihr davon machen.
Wenn ich hier noch länger stehe, dann raubt mir der Wind auch noch die Seele und das Herz.
Es ist wirklich unbeschreiblich!!
Ich habe zwar keine Ahnung, was der Tod ist, aber ich glaube fast, dass er sich so in etwa anfühlen muss.
Ich kann es hier definitiv nicht noch länger aushalten und stolpere zum Empfangsgebäude zurück. Wenigstens drückt mich der Wind nun von hinten, müsste ich erneut gegen den Wind ankämpfen, dann müsste ich für die 20-25 Meter erstmal eine Pause machen! So kräftezehrend ist der Marsch durch den Wind!

Zurück im Empfangsgebäude wärmen wir uns erstmal auf. Mit Mitternachtssonne wird das hier heute nichts werden. Alles, was wir von der Mitternachtssonne erahnen dürfen, ist ein kleines Plakat mit einer chronologischen Bilderserie (bei schönem Wetter!) der Mitternachtssonne.
Aber irgendwie kommt das Feeling nicht so recht rüber...

Wir drehen noch eine kleine Runde durch die Haupthalle, besorgen uns eine kleine Informationsbroschüre an der Info auf deutsch und besuchen die gut frequentierten Waschräume.
Während unseres zweiten Rundganges schauen wir uns an, was man hier oben alles so machen kann.
Es gibt neben der Information einen Souvenierladen, eine Kapelle, ein Kino, eine Kaffeebar, eine Grottenbar im Untergeschoß, ein thailändisches Museum (!), ein Postamt und ein kleines Restaurant.
Eindrucksvoll! Das muss man so sagen, denn vom Besucherzentrum liegt allenfalls ein kleiner Teil "sichtbar" auf dem Plateau, die meisten Teile der Anlage sind in den Stein gehauen und verstecken sich so unter der Erdoberfläche. Beinahe wie bei einem Eisberg. Macht auch Sinn, denn hier oben ist jedes Bauwerk exorbitant den Naturgewalten ausgesetzt.
Die Anlage ist wirklich viel größer, als wir sie uns auf den ersten Blick vorgestellt haben.

Viel davon probieren wir in dieser Nacht allerdings nicht aus, wir wollen uns nur einen ersten Eindruck, so eine Art Rundumblick verschaffen.
Die Sehenswürdigkeiten werden wir uns nachher in Ruhe anschauen, wenn wir ausgeschlafen haben.
Im Moment sind wir einfach nur müde.

Wir finden auch heraus, warum es hier so voll ist!
Die Schiffe der Hurtigroute legen in Hönnigsväg an, die Schiffsgäste werden dann pünktlich zur Mitternachtssonne hier ans Nordkapp mit Bussen gefahren, damit auch diese diesem Naturschauspiel der nicht untergehenden Sonne beiwohnen können.
Dann dürfen die Leute noch ein wenig shoppen gehen, bevor sie wieder in den Bus verfrachtet und zurück aufs Schiff gebracht werden. Wir werden kurz darauf auch Zeuge dieses Schauspiels, denn schlagartig ist etwa gegen 1 Uhr die Besucherhalle fast komplett leer.
Ne knappe Stunde ist das Besucherzentrum nun noch geöffnet, dann wird auch hier für Reinigungsarbeiten ein paar Stunden zu gemacht.

Wir besuchen erneut die Waschräume und machen uns frisch, das angrenzende Kino weckt dabei unser Interesse.
So ein kleiner "Gute-Nacht"- Film wäre vielleicht genau das richtige, um den ersten Eindruck vom Nordkap etwas aufzuwerten. Denn was wir bisher gesehen haben war ja nicht so toll.

Der Film ist dafür toll! Er geht etwa 15-20 Minuten und handelt über die vier Jahreszeiten am Nordkap.
Sehr sehenswert.
Nicht nur, weil der Film komplett ohne Text auskommt (nur mit Musik untermalt und damit für alle Besucher sehenswert), sondern weil das Kino darüber hinaus auch noch eine Leinwand mit gewölbter Fläche hat. Kennt man vielleicht aus dem Vergnügungspark. Ist sowas wie ein 3D-Kino mit 5 Videoprojektoren.
Besonders die Flugaufnahmen der Insel sind toll, man fliegt quasi mit und obwohl ich hundemüde bin und mir fast die Augen zufallen, der Film ist mal wirklich gut gewesen und spannend gemacht.

Nach dem Film allerdings kämpfen wir uns ohne Umwege zurück zum Wohnmobil.
Der Nebel hat sich etwas gelichtet und so können wir nun zum ersten Mal wenigstens die Dimensionen des Parkplatzes ausmachen.
Wir entscheiden uns das Wohnmobil umzuparken, denn im Moment stehen wir fast allein und in den Wind. Das ist nicht gut.

Zum Glück macht gerade ein anderer Wohnmobilfahrer eine Lücke im etwas abgelegen Teil des Platzes einen Parkplatz zwischen 2 dicken Wohnmobilen frei, sodass wir uns sogleich in diese Lücke stellen.
Bei dem allgemeinen Verkehr hier auf dem Plateau (allgemeine Aufbruchstimmung...) fällt unsere Rumrangiererei zum Glück nicht so sehr ins Gewicht und ich hoffe niemand gestört zu haben.

Nachdem wir umgeparkt haben, machen wir uns fertig für die Portion Schlaf, die wir nach diesem wirklich sehr erlebnisreichen Tag auch dringend nötig haben. Was haben wir heute doch alles gesehen!?

Wir haben Gold geschürft in Tankavaara, klopften an die Toren Russlands, aßen den perfekten Lachs am Inari- See, haben die Grenze nach Norwegen passiert und stehen nun final am Nordkap.
Alles in allem mit Abstecher nach Russland waren das knapp 700km, die wir heute gefahren sind.

Wenn man es extrem möchte und rein theoretisch: " Nordkap(p) und zurück in 10 Tagen ex Kerpen bei Köln?"
"Pfft, kein Problem...!"

"Du, was ist mit der Heizung?" fragt Anja.
"Was soll damit sein?" frage ich.
"Nun ja, kalt, Gas, abgedreht... machts *klick*?"
"grmpf..." also ziehe ich mir wieder ne Hose an und stiefele erneut raus in den Sturm, um den Gashahn aufzudrehen, ein Glück, dass der Gaskasten direkt neben der Eingangstür angebracht ist.

Wieder im Bettchen hat Anja ein weiteres Problem: Der Sturm!
Er bläst so kräftig, dass sie Sorge hat, dass das Wohnmobil vielleicht umfallen könne. Aber da wir eigentlich durch unseren Platz zwischen 2 anderen Fahrzeugen sicher stehen, wird das wohl hoffentlich nicht passieren.

Gast am 19 Apr 2008 22:04:32

Hallo Bjørn und natürlich alle anderen auch!

Warum alle unbedingt ans Nordkapp "müssen" verstehe ich auch nicht ganz.
Aber wenn es einen dort hin zieht - warum nicht 8)
Es hat doch was wenn man sagen kann, am nördlichsten Ende Europas gewesen zu sein.


Jetzt hab ich diesen fred nicht ganz gelesen, weil ich gerade in Schweden unterwegs bin und bla bla....
Ich lese aber immer wieder - und nicht nur hier am Anfang - dass so eine Tour durch Norwegen unglaublich teuer ist.
Das kann ich fast weniger verstehen als den Zwang das Nordkapp zu besuchen.
Stellplätze die nichts kosten gibt es hier wie Sand am Meer.
Die haben oft eine so tolle Lage, dass man fast nicht weiter fahren will.
Ver- und Entsorgung kriegt man auch an jeder Ecke kostenlos.
Ich hab in Norwegen noch nie für Wasser gezahlt.
Für 3 Wochen mit Wohnmobil in Deutschland muss man doch sicher 200€ an Stellplatzgebühren und V/E hinblättern.
Essen und Trinken haben die meisten der Norwegenfahrer aus Deutschland mit und die paar mal essen gehen bringen einen nicht an den Bettelstab. Das Essen an sich ist hier gar nicht soooo teuer. Es sind mehr die alkoholischen Getränke, die die Preise explodieren lassen.

Alles in allem wird ein Norwegenurlaub schon etwas teuer, als hielte man sich im Ländle, aber das besondere hat eben seinen Preis :)
Ich denke, die lange Anreise ist hier eigentlich der grösste Kostenfaktor.

Nun denn, wie auch immer...

Ich empfehle jedenfalls Lofoten :!:

Anzeige vom Forum


mafrige am 19 Apr 2008 22:39:42

Hallo LCD,

auch uns ziehts nach Norwegen und zum Nordcap.(warum ???)
Ich kann mich da deiner Meinung nur anschließen, für uns ist es einfach die nörtlichste Grenze für Wohnmobile und ein "muß".
Ich glaube jeder wird seinen Sinn für extreme Grenzen oder das Ende der Welt vielleicht anderst empfinden. (manche zieht's nach Australien, Kanada oder Südamerika zum Feuerland)
Aber wir Wohnmobilfahrer suchen ja solche Abenteuer und ob's sich lohnt, wer fragt danach, jedenfalls sind die vielen Erlebnisse nicht mit dem verbrauchten Geld aufzuwiegen.

LowCostDriver am 19 Apr 2008 23:11:53

Hallo Andreas,

das mit dem "teuren Weg" bezog sich auf das Nordkap selbst.
So kostete die Anreise knappe 60,- € für den Tunnel, dann die Plateauzufahrt weitere 25 oder 30 und die Abreise von der Insel erneute 60,- €.
Das ist zuviel!

Auch sind gerade im Norden nach unserem Empfinden die Lebenshaltungskosten in N sehr hoch (1 kg Tomaten für 5,- € und das war 2006 !)

Auch kommt hinzu, dass man hin und wieder (auch auf den Hauptstrecken wie der E 6) Maut bezahlen muss oder Fährgebühren bezahlt. (und mit dem über 6 Meter langen Womo wird das teuer!)

Aber du hast schon Recht, wenn du die Sparvorteile aufzählst, ich glaube kein Land ist besonders im Norden so liberal wie Norwegen.
Kein Land gestattet es Einheimischen wie Gästen gleichermaßen Freund zu werden mit der Natur, wie Norwegen es tut.

Und wenn man sich ein wenig auskennt (so wie du sicherlich), dann hat man auch die nötige Erfahrung, wie man auch ohne den Einsatz von finanziellen Mitteln (außer für Tanken vielleicht ? :D ) wunderbar in Norwegen unterwegs sein kann.


Björn

Gast am 19 Apr 2008 23:49:25

Hallo,

ich hatte 1972 die Gelegenheit mit einem kleinen Sportflugzeug von Hammerfest über das Nordkap nach Kirkenes mitzufliegen. So faszinierend das Erlebnis auch war, werde ich nächstes Jahr auf Höhe der Lofoten umdrehen. Nachdem was ich aus der Luft gesehen habe wirds mich dort nicht hinziehen.
Schade nur daß ich dann nie ein echter Wohnmobilist sein werde

grüße willi

Ulrike M. am 20 Apr 2008 08:57:28

Hallo,

Erstens einmal habe ich die Zeilen von LCD mit Spannung und Amusement gelesen - wirklich gut geschrieben, Kompliment!

Auch wir waren oft im Norden, sind aber mehrmals am Nortdkapp vorbeigefahren, weil wir den Rummel dort nicht wollten. Erst 2004 waren wir dann dort, hatten perfekt schönes Wetter, waren von der Landschaft auf dem Weg dahin überaus angetan, sahen das Kapp als Tummelplatz von Touristen, die wir mit einem gewissen Augenzwinkern beobachteten... Mehr dazu steht auf unserer Homepage. Ach ja, die Hurtigrutentouristen sind das nicht, die nachts am Nordkapp sind. (Die Hurtigrute kommt nordgehend mittags und fährt am frühen Nachmittag, die südgehende kommt in der Früh und liegt überhaupt nur kurz in Honingsvåg.) Es sind Bustouristen, die in Hotels und Hütten schlafen, es sind solche, bei denen sich der Reiseveranstalter eine Übernachtung spart. Die fahren anschließend an den Nordkappbesuch wieder nach Süden, die Leute müssen im Bus schlafen...

Nach Magerøya würde ich wieder fahren wollen, die Tunnelmaut schreckt etwas ab. (Die Tiefe des Tunnels ist für uns kein Problem - in den Alpen ist noch mehr Gestein über einem, wenn man durch einen Tunnel fährt.) Die Höhe der Tunnelmaut wurde in Analogie zu den ehemaligen Fährtarifen bemessen und da war die Länge eines Fahrzeugs von Bedeutung. Mich fasziniert (im Sommer) diese karge Landschaft, die der in den Hochalpen irgendwie ähnlich ist, aber dazu kommt noch das Meer.

Uns zieht es nun fast schon Jahr für Jahr nach Berlevåg, den nördlichsten Ort auf der Varangerhalvøya. Hier verspüren wir dieses "Ultima Thule", dieses "Hier-geht-es-nicht-mehr-weiter", von dem im Eingangsposting die Rede war. Auch in Grense Jakobselv östlich von Kirkenes ist das der Fall, wo das riesige Russland auf der anderen Seite des kleinen Bachs einerseits ein Weiterfahren verhindert, andererseits die unendliche Weite fühlen lässt. Uns ist es völlig egal, ob man amm Nordkapp gewesen sein muss. Wir lieben die Landschaft der Finnmark (Nordnorwegen) und wollen immer wieder hin.

Die Lofoten hatten wir bisher nur mit Regen, Sturm, tiefen Wolken und keiner Aussicht auf Besserung erlebt. Da dort im Hochsommer für unseren Geschmack auch zu viele Touristen sind, zieht es uns nicht mehr so sehr dahin.

Wir werden im kommenden Sommer nochmals in den Norden Fahren, unbekanntere Ecken (nochmals) aufsuchen, vielleicht zu den Vesterålen fahren. Aber bei unserer Art zu reisen, bei unserem gemeinsamen Hobby isit ja das das Schöne: Jeder kann tun und lassen, was ihm beliebt.

Zu den Preisen einer derartigen Fahrt: Den Hauptanteil macht wohl ohne Wenn und Aber der Sprit, alles andere sind im Vergleich dazu kleinere Beträge. Die Lebensmittelpreise in Norwegen sind zwar höher als in Österreich und Deutschland, aber man kann sich anpassen. Ich fahre nicht nach Nordnorge, um dort Tomaten (auch nicht im Sommer!) zu essen. Ich kaufe Kraut, Kohl, mache einfache Speisen (davon gibt es viele) und genieße das hochsommerliche Obst- und Gemüseangebot wieder, wenn ich daheim auf dem Bauernmarkt einkaufen kann. Fischliebhaber kommen dafür im Norden auf ihre (billige) Rechnung (leider haben wir einen an Bord, dem es vor Fisch ekelt)! Wir nehmen von hier nur wenig Vorräte mit, gerade so viele, dass man zwei bis drei Tage auskommen könnte, ohne einkaufen gehen zu müssen. Meist werden diese Vorräte wieder nach Hause mitgebracht. Das machen wir auch, wenn wir von Österreich ein paar Tage nach Deutschland fahren.
Campingplätze sind oft sehr billig. Wir sind in der Regel auch deshalb gerade in Nordnorge auf einem Campingplatz, weil der Tourismus für extrem kurze Zeit eine Einnahmequelle darstellt in einer Region, die teilweise ums Überleben kämpft.

Viel gäbe es noch zu schreiben...

Beste ,
Uli

esskaa am 20 Apr 2008 10:44:10

Hallo zusammen,
wir waren letztes Jahr im Norden. Kirgenes, Varanger-Halbinsel(Hamningsberg), Gamvik-Slettnes ( nördlichster mit dem Auto erreichbarer Festlandpunkt Europas ), Hammerfest, Karasjok, Alota, Tromso, Vesteralen, Lofoten.
Nordkapp haben wir ausgelassen ( teurer Tunnel und Trubel ).

Ansonsten gebe ich Andreas völlig recht. Die etwas teueren Lebensmittel werden durch viele andere "Sparpunkte" aufgewogen, nur der Alkohol ist sehr teuer, aber dann trinkt man halt etwas weniger.

Wir haben ausser wegen eines Waschtages in Tromsö und einmal Entsorgen auf einem CP auf den Lofoten in vier Wochen nix für SP/VE gezahlt.

Troll am 22 Apr 2008 10:25:06

Hallo Zusammen,
wir waren 1977 am Nordkap und fanden es einfach genial mit dem Rücken zum Meer zu stehen und ganz Europa vor sich zu sehen. Damals war die Reise zum Nordkap ja noch ein kleines Abenteur und das Kap noch nicht so vermarktet wie es heute ist. Mit dem WoMo würden wir nicht nocheinmal dorthin fahren aber mit dem Motorroller könnte es mich schon reizen. Dann aber nicht das Kap selbst sondern die wirklich nördlichste Festlandspitze wo es noch nicht so überlaufen ist.

@Andreas
Seit 1977 waren wir bestimmt 20 mal in Norwegen und inzwischen nehmen wir immer weniger Lebensmittel mit. Wenn man weiß wo man was kaufen kann ist Norwegen ganicht so teuer. Ausserdem ist es viel spannender einheimische Produkte zu kaufen und zu probieren. Meist haben wir mehr Lebensmittel auf dem Heimweg aus Norwegen dabei damit wir die Zeit bis zur nächsten Reise ein wenig kulinarisch überbrücken können.

Viele !

stubenhocker am 22 Apr 2008 10:57:13

Wir waren im vorigen Jahr Anfang Mai am NK, der nördliche Wendepunkt unserer 3monatigen Reise. Die Mautstation war unbesetzt, Geld hats also nichts gekostet. Den Übernachtungsplatz haben wir uns mit 2 anderen Womos geteilt. Man hat nichts verpasst, wenn man nicht dagewesen ist, aber schön wars schon. Die Gebühr durch den Tunnel auf die NK-Insel war happig, aber es ist ja Urlaub. Die Lebensmittelpreise sind aber schon ganz schön heftig, ca. 1,5 bis 2 mal so teuer wie in D. Aber das schreckt uns nicht ab, weiterhin in den Norden zu fahren.
Ansonsten ist Skandinavien (und Norwegen im Besonderen) super für Womo-Urlaub(e). Wir hatten die schönsten Übernachtungsplätze (immer frei gestanden) und Land und Leute sind überwältigend!
Alexander

tekzenchelou am 22 Apr 2008 11:05:28

na dann werd ich wohl noch ne zeitlang ignorant bleiben und kein echter Womo-Fahrer sein... :cry: :cry: :cry:
gebt mir bitte einen Zeitscheißer und ich komme, am Geld liegts gar nicht.

jealilla am 22 Apr 2008 11:53:26

Hallo LCD/Björn

Dein Hochzeitsreisebericht hat mich richtig gefreut!

Wir waren schon am Nordkap, aber glücklicherweise ohne Womo. Dort erlebten wir innert etwa 3 Stunden die ganze Palette an Wetter, von Sonne zu Regen, Nebel, Schneefall, stürmischen Winden.

Norwegen IST horrend teuer für uns Schweizer! Ferienhäuser mit Boot sind häppchenweise zu geniessen, Früchte und Gemüse ebenfalls. Aber unbezahlbar schön ist halt die Landschaft!

LG Jealilla

Dethleffsfahrer am 24 Apr 2008 07:36:25

Wohnmobilist ohne Nordkap geht sehr wohl :D :D Norwegen ist überall schön
und wenn nichts dazwischen kommt auch in diesem Jahr. Wie gehabt! Darauf freue ich mich das ganze Jahr :D

dieter2 am 30 Apr 2008 00:10:32

Wir waren vor 5 Jahren am Nordkapp.

Wir wollten auch zu dehnen gehören die immer sagen:
"Nordkapp lohnt nicht,nur Rummel u. Trubel" :D

Dieter

hast29 am 30 Apr 2008 08:15:01

Hallo Björn,

auch ich habe natürlich deinen Bericht gelesen....zwar nicht so ganz aber die Bilder waren wunderschön. hat uns an Amerika die White und Green Mountains in maine erinnert.

Jetzt weiß ich wenigstens auch warum du/ihr euch so "anstellt" wegen frei stehen. Ich kann es nun durchaus nachvollziehen und mir waren einige unserer "frei stehen" Geschichten vor Augen wo uns das was euch da passiert ist durchaus auch hätte passieren können. Aber an der Stelle hätte wahrscheinlich warlich keiner daran gedacht.

Kopf hoch, nicht mehr dran denken, irgenwann ist es vergessen und ihr fasst den mut es doch zu tun.. :)

LowCostDriver am 30 Apr 2008 08:53:40

hast29 hat geschrieben:Hallo Björn,

auch ich habe natürlich deinen Bericht gelesen....zwar nicht so ganz aber die Bilder waren wunderschön. hat uns an Amerika die White und Green Mountains in maine erinnert.

Jetzt weiß ich wenigstens auch warum du/ihr euch so "anstellt" wegen frei stehen. Ich kann es nun durchaus nachvollziehen und mir waren einige unserer "frei stehen" Geschichten vor Augen wo uns das was euch da passiert ist durchaus auch hätte passieren können. Aber an der Stelle hätte wahrscheinlich warlich keiner daran gedacht.

Kopf hoch, nicht mehr dran denken, irgenwann ist es vergessen und ihr fasst den mut es doch zu tun.. :)


Danke Sabine, das ist glaub ich der schönste Beitrag, den ich seit langem gelesen habe. :)

Ach ja, auch wir fühlten uns auch ein wenig an Amerika (Yellowstone National Park) erinnert, aber auch Österreich.
Wir dachten nicht wir wären in Skandinavien. Hat von den Eindrücken nicht so recht gepasst.
Dann aber in Schottland hatten wir den Eindruck, wir wären wieder in Norwegen unterwegs.
Verrückte Welt :D


Björn

Gast am 30 Apr 2008 15:04:22

Hei Bjørn,

jetzt hab ich doch endlich mal Zeit gefunden deinen Bericht zu lesen :D

Wenn deine gesammelten Reiseschilderungen in Buchform erscheinen, werde ich jedenfalls einer der ersten sein, die an der Kasse stehen.

Prima geschrieben, man ist sozusagen mit auf Reise :autofahren:

LowCostDriver am 30 Apr 2008 21:12:29

Toll Danke Andreas!
Das war heut das definitiv schönste...
Naja, den Rest kennst du ja schon :D

Ein Buch werd ich nicht schreiben, zumindest nicht über das Thema Wohnmobil oder mobiles Reisen. :D

Aber ein ganz anderes Thema würde mich reizen und ich habe auch schon angefangen, aber ob jemals was wird :roll:
Naja, schaun wir mal.

Vielleicht sollten wir uns zusammen tun, denn ich habe immer deine wunderschönen Reisebilder bewundert.
Du machst die Bilder, ich liefere den Text dazu und wir beide bringen einen Reiseführer für Skandinavien heraus :D


Björn

Gast am 30 Apr 2008 21:15:18

Kann es sein, das Ihr im Job nicht ausgelastet seid ..... :D :D :D :D :D :twisted:

LowCostDriver am 30 Apr 2008 21:31:20

MR2-Blue hat geschrieben:Kann es sein, das Ihr im Job nicht ausgelastet seid ..... :D :D :D :D :D :twisted:


Doch schon, und dazu gehe ich noch samstags und Anja geht mit mir noch dienstags zur Schule.
Sa = Fachwirt
Di = Italienisch
Man will ja auch weiter kommen :)

Aber ganz im Ernst, das ist ein Hobby von mir, abends liege ich oft wach und dann schreibe ich ellenlange Texte, was mir grad durch den Kopf geistert... :D
Der Leppi ist immer griffbereit

Gerd-R am 01 Mai 2008 07:22:39

Hallo,

im Jahre 2005 sind wir mit dem WoMo durch Norwegen bis hin zum Nordkapp gefahren. Es war die schönste WoMo-Tour die wir bisher unternommen haben.

Vor unserer Abreise nach Norwegen wurde uns geraten nur Süd-Norwegen anzufahren. "Nördlich von Trondheim lohnt es sich landschaftlich ohnehin nicht mehr" wurde uns gesagt. Gott sei Dank haben wir diesen Rat nicht befolgt. Uns wäre doch viel entgangen. Wir hätten dann die grandiose Landschaft auf den Lofoten nicht gesehen (wir hatten dort Traum-Wetter - Sonne pur). Aber auch die übrige Landschaft nördlich von Trondheim ist durchaus sehenswert. Wenn man in Nord-Norwegen ist, gehört die Fahrt zum Nordkapp einfach dazu. Wenn wir dort nicht hingefahren wäre, hätte ich jetzt das Gefühl etwas verpasst zu haben. So geht es mir jetzt mit Kirkenes - dort sind wir nicht mehr hingefahren und jetzt bedaure ich das.

Übrigens auch ich wurde während der Norwegen-Tour an unsere WoMo-Tour durch die US-Nationalparks Yellowstone, Glacier und North Cascades erinnert.

Gerd

yvonneve am 13 Mai 2008 16:29:49

oh wie schön, diese Berichte hier zu finden! Wir fahren bald! Noch dieses Jahr! Letztes Jahr waren wir im Juni in Süd-Norwegen. Ein Traum. Der Preikestolen zwingt einem ein andere Weltbild auf... wir sind ja sooo klein...
Wir haben nur 3 Wochen für die Reise... du machst mir Hoffnungen das wir es schaffen. Wir wissen noch nicht, ob man besser hoch trödelt und runter rast oder umgekehrt... Werde mir den Bericht noch in Ruhe durchlesen und hoffe in diesem Forum noch so manch anderes zu finden, ab Bergen aufwärts... ich freue mich schon mal... :)

LowCostDriver am 13 Mai 2008 16:35:19

Hallo Yvonne,

meine ehrliche Meinung:
Rauf "rasen" und runter "reisen".

Man hat dann einen besseren Überblick, ob man mit der Zeit hinkommt.
Unsere Route mit Zeiten findest du im Fazit zu meinem Reisebericht.

Gute Reise! :)


Björn

yvonneve am 19 Mai 2008 12:10:21

Hallo!
Vielen Dank schonmal. Wir nehmen uns das zu Herzen. Fahren Schweden rauf und Norwegen runter. Wo es besonders toll ist machen wir ein Sternchen auf die Karte und fahren nochmal gezielt hin! :D

So, jetzt muss ich endlich deinen kompletten Reisebericht lesen :wink:

yvonneve am 20 Mai 2008 18:10:57

Hallo Björn,
ich nochmal :wink:

Wollte mich herzlichst bei dir bedanken für die schöne Reisegeschichte. Zumindest "hinauf" werden wir genauso fahren wie ihr!
Habe mir auch eure Stopps aufgeschrieben wie Weihnachts- und Cowboyland... :D

Nur die CPs brauchen wir nicht täglich, aber ein Mal pro Woche ist schon gut. Wäsche waschen muss mit unserem Mini-Mobil auf jeden Fall sein.

Einen ganz großen Dank, gerade für die Zerstreuung meiner Befürchtungen es in 3 Wochen nicht schaffen zu können!

Falls ihr nach Süd-Norwegen fahrt: Meldet euch! Meine Reiseroute steht noch griffbereit. War der schönste Urlaub bisher... knapp vor Schottland... aber da wart ihr ja auch schon! Welche Parallelen! Und aus Köln sind wir auch! :D

achimHH am 21 Mai 2008 11:32:12

"engerling" hat folgendes geschrieben:

Hallo Björn,
leider sind wir erst heute auf Deinen tollen Nordkapbericht gestoßen.Fein,
wie Du die Eindrücke geschildert hast, denn genau so ist es.
Wir waren fast um die gleiche Zeit "oben" an Deck, obwohl in unserem Fall
der dichte Nebel etwa 100 mtr vor dem Gipfel verschwunden war und wir zwar
schweren Sturm hatten. aber dafür relativ klare Sicht.
Auch uns wurde die Türe mit Wucht aus der Hand gerissen und knallte
gegen die Bordwand, allerdings ohne Schaden anzurichten.

Nachdem wir über Schweden, Lillehammer,Drontheim, Narvik,Lofoten runter u. rauf über Alta zum Cap (01.06.06),sind wir bei Karasjok durchs Finnische Lapplandnach Schweden und Dänemark zurück.
8400 km mit Concord 7,49 to. Es war das bisher wunderbarste Erlebnis,
was wir bislang noch erleben durften. Man kann es nur empfehlen.
Nochmals besten Dank für Deine Ausführungen und weiter so !


Engerling u. -line

Anzeige

  • Die neuesten 10 Themen
  •  
  • Die neuesten 10 Reiseberichte
  • Die neuesten 10 Stellplätze

DVB-T auf den Lofoten
Norwegen Südkap und Dänemark Nordkap, wie kombinieren?
Alle Rechte vorbehalten ©2003 - 2026 AGB - Datenschutzerklaerung - Kontakt