Auf unserer Fahrt die wir nachts zurückgelegt haben gibt es kaum was zu berichten ausser einem Zwischenfall der uns 40km vor dem Ziel hätte das Leben kosten können:
Das ganze passierte hier auf einer 2x2 Landstrasse mit grossen Bäumen rechts links und in der Mitte bei einem schweren Gewitter:
Wären wir 3 Minuten schneller gewesen hätten wir diesen Riesenast vielleicht auf den Kopf bekommen und ich könnte euch gar nichts mehr erzählen:
Die Burschen im Auto hatten ein Sauglück dass sie nicht ein paar Sekunden vorher dort waren, der Fahrer sagte mir er sah den Blitz einschlagen, den Ast fallen und konnte nichts machen ausser Bremsen, die Feuerwehr brauchte knapp 2 Stunden um erstmal herzukommen und das Teil auseinanderzusägen.
Ankunft Sonntag früh La Rochelle gegen 6 Uhr morgens, der CP in Lagord macht erst um 10 auf also hatten wir noch ein paar Stunden zu warten um die Schlüssel abzuholen.
Für mich war es mehr oder weniger ne Woche Urlaub, meine Freundin und ihre Klassenkameradin die am Montag mit dem Zug angereist kam dagegen hatten ihre Prüfungen dort und ich spielte deren Fahrer.
Also machten wir uns erst mal auf die Gegend etwas zu erkunden, schlafen konnten wir sowieso nicht mehr nach all der Aufregung.
Hier die Nabelschnur die die Insel Ré seit 20 Jahren mit dem Kontinent verbindet, Hin und Zurück kostet 16.50 Euro, früher waren es 120 Francs also ist es heute billiger rüberzufahren als vor 20 Jahren wenn man die Inflation mitrechnet.
Dann Übernahme unseres neuen Hauses für eine Woche, ein bischen Schlafen...
...und am frühen Nachmittag hatte ich schon ein erstes Ziel: Die Baustelle der "Hermione" in Rochefort (es liegt zuviel Werbung rum vorne im Büro vom CP...).
--> Link
Die Hermione war die Fregatte die 1780 den Herrn La Fayette nach Amerika brachte um dort für die "Geburt" Amerikas und gegen die Engländer zu kämpfen, beschädigt durch Auflaufen am Abend des 20. September 1793 auf dem Plateau du Four in der Nähe von Croisic/Loire Atlantique, evakuiert am nächsten Morgen und erst in den 80ern, also knapp 200 Jahre später wiedergefunden.
Hier in Rochefort wo damals schon das Original gebaut wurde ensteht also eine Kopie dieser legendären Fregatte, mit denselben Sicherheitsauflagen wie für moderne Schiffe, es muss dazu auch noch ein Motor eingebaut werden...!
Wenn sie fertig ist soll sie dieselbe Reise wie das Original antreten: Rochefort (oder besser La Rochelle) - Boston und zurück, danach wird sie im Hafen von La Rochelle vor Anker gehen und zu besuchen sein, Kosten des Projekts: 15 Millionen Euro. Finanziert durch Sponsoren und all denen die Eintritt zahlen um sie zu sehen...
Wer mitfahren will muss dem Club beitreten, es gibt gibt eine Losziehung für die Überfahrt nach Boston. (25 Euro pro Jahr)
Geht hin, es lohnt sich!
Sowas seht ihr in einem einzigen Leben wohl kaum mehr...
Damals wurde so ein Schiff in nur 6 Monaten mit etwa 300 Arbeitern gebaut, die neue Hermione wird nun schon seit 10 Jahren von nur etwa 10 Leuten zusammengebaut (ungefähr wie mein Bus... ;)°, ein enormes Puzzle mit 40.000 Bauteilen! Die Bäume werden nach ihrer Form ausgesucht, je krummer desto besser! Man braucht 1000m²...
Sie wird auch die originalen Kanonen der echten Hermione bekommen, die wurden Anfang der 90er gehoben...
Was wir wegen Zeitmangels versäumt haben ist die Corderie Royale grad gegenüber, ein Bauwerk von 345 ! Metern Länge wo die Seile der Schiffe des Königs hergestellt wurden.
Rochefort ist im 18. Jahrhundert auf Order von Vauban wegen der günstigen Lage eine stark befestigte Stadt geworden und dort wurden die französischen Kriegsschiffe gebaut, in der Mündung der Charente. Es ist also relativ einfach mit der Flut die neuen Schiffe zu Wasser zu lassen, mehr als 500 wurden dort hergestellt...
Die Stadt ist quadratisch nach Plan gebaut worden, alle Strassen sind parallel.
Fahren wir zurück...
Strände mit Sand gibt es in La Rochelle eigentlich nur 2, sie sind ziemlich klein und man muss aufpassen dass man nicht in Muscheln tritt die schneiden wie Rasiermesser.
Ich selbst habe mich an beiden Händen und Füssen geschnitten, es lag ein Stein in meinem Weg im Wasser (bei Ebbe) wo sich Muscheln drangeklebt haben.
Plage des Minimes
Ein paar Kilometer weiter ist Fouras, auch sehr schön mit noch viel schöneren Stränden. Vom nördlichsten Punkt aus kann man das Fort Boyard sehen welches durch ein TV-Spiel berühmt wurde (Les clés de Fort Boyard/Die Schlüssel von Fort Boyard) und auch die Inseln Oléron, Ré, Aix und die Madame welche nur zu Fuss bei Ebbe zu erreichen ist.
Da ich geschichtsgeil bin und wissen möchte was es mit diesem und jenem Bauwerk auf sich hat, warum und wieso es genau dort steht und gerne viele Fotos schiesse sind wir natürlich alles was wir in der kurzen Zeit besichtigen konnte auch besuchen gewesen, für ein paar Euros Eintritt kriegt man eine kommentierte Führung und trägt zur Erhaltung dieser schönen 500 und mehr Jahre alten Bauwerke bei.
Hier ist also was ich von der Geschichte von La Rochelle behalten habe:
La Rochelle ist eine Stadt mit seeehr viel Geschichte, gegründet vor etwa 1000 Jahren auf einem kalkigen Boden umgeben von salzigen Feuchtgebieten (Marais). Die Stadt lebte fast nur vom Handel, Fischerei und der Schifffahrt und entwickelte sich rasch zu einer mächtigen und reichen Burg, war unabhängig von Frankreich und stark befestigt, konnte über Jahrhunderte der Krone trotzen und im Grossen Ganzen machen wie immer sie auch wollte, etwa so wie unsere freien Hansestädte Hamburg und Lübeck, Lübeck ist übrigens Partnerstadt von La Rochelle.
Sie war mal Englisch durch die Heirat von Aliénor d’Aquitaine mit Henri Plantagenet (Henri II) mal wieder Französisch und wurde mit dem König Louis VIII 1224 endgültig Französisch, obwohl die Engländer hin und wieder versuchten die Stadt einzunehmen.
Der Turm de la Lanterne aus dem 15. Jahrhundert war einer der ersten Leuchttürme und ist der älteste erhaltene Frankreichs:
Er wurde meist als Gefängnis genutzt, darin sind hunderte von Graffitis die die Gefangenen in die Steine geritzt haben, manche sind regelrechte Kunstwerke, man glaubt dieses ist von Emile Lafontaine, 1872.:
Für die Touristen liegen ein paar Steine da wo man sich dran üben kann:
Es dauert lange ein Kunstwerk zu gravieren, aber die Gefangenen hatten ja Zeit genug.
Das sind Abdrücke zum Anfassen für die Blinden, es steht auch alles in Blindenschrift auf den Tafeln.
Freier Rundgang aller 3 Türme 10 Euros, im Tour de la Chaîne gibts diese elektronischen Dinger für Audioführung in verschiedenen Sprachen. Von dort aus brachen die meisten französischsprachigen Auswanderer nach Kanada auf.
Es wird erzählt dass der König damals weiblichen Waisenkindern Geld mit auf den Weg gab damit sie dorthin gingen um das Land zu bevölkern.
Der "Tour de la Chaîne" links hatte den Mechanismus der Riesenkette die gespannt wurde um den Eingang zum Hafen zu blockieren, fremde Schiffe wurden erstmal entwaffnet bevor sie rein durften.
Er diente auch als Schiesspulverlager, ist mal explodiert und das Dach ist dabei weggeflogen, die Mauern blieben unversehrt. Erst 200 Jahre später wurde wieder ein Dach draufgebaut, auf alten Zeichnungen und Fotos der Mitte des letzten Jahrhunderts sieht der Turm etwas anders aus.
Der "Tour de St. Nicolas" beherbergte den Capitaine und seine Familie, der wurde für ein Jahr gewählt und durfte den Turm in dieser Zeit nicht verlassen, er war für die Kontrolle des Hafens und die Entwaffnung der Schiffe zuständig.
Dieser Turm sank bei den Bauarbeiten ein, man sieht deutlich dass er krumm ist, deswegen wurde auch der vorgesehene Gang zur Tour de la Chaîne wieder fallengelassen, man sieht noch den Ansatz davon in der Mitte des Turmes.
Ich legte eine Flasche Heineken auf den Parkett-Boden des Erdgeschosses um mich davon zu überzeugen, die Flasche rollte ganz schnell Richtung Tür.
Diese Eingangstür wurde erst im 18. oder 19. Jahrhundert gebaut, der originale Eingang befand sich darunter und war damals streng bewacht.
La Rochelle war auch die Stadt Frankreichs in der als Erstes die Demokratie praktiziert wurde (vor über 500 Jahren in einer Monarchie!!!), der Bürgermeister wurde immer für nur ein einziges Jahr gewählt.
Die Protestanten des ganzen Landes sammelten sich damals in der befestigten freien Stadt und konnten dort in Frieden leben, der Rest Frankreichs war katholisch...
Die alten und unnötig gewordenen katholischen Kirchen wurden auf Geheiss des Bürgermeisters abgerissen, die Steine zur weiteren Befestigung der Stadt verwendet bis auf eine Ausnahme:
Die Türme der Kirchen sollten stehenbleiben da sie als Aussichtspunkt dienen konnten um eventuelle Angreifer von Weitem schon zu sehen. Das sieht man auch heute noch, die Türme passen irgendwie nicht zu ihren Kirchen...
Gar nicht blöd, was?
Henri IV, der spätere König liebte die Stadt und hat sehr viel dazu beigetragen dass sie so aussieht wie heute. Zu seinem Pech war er bekennender Protestant und als er den Königsthron besteigen sollte musste er Luther abschwören und Katholik werden. Es konnte keinen protestantischen König in Frankreich geben, die Kirche damals hatte viel zu viel Macht.
10 Jahre später wurde er ermordet...
Hier seine Statue im Turm des Hôtel de Ville.
Sein Sohn Louis XIII wurde König und konnte es nicht ertragen dass es eine protestantische Hochburg in Frankreich gab, er befahl dem Kardinal Richelieu La Rochelle einzunehmen und der Krone gefügig zu machen (und natürlich auch Steuern zu kassieren...).
Der böse Kardinal Richelieu war damals sowas wie der heutige Verteidigungsminister und gleichzeitig Innenminister...
1627-1628 wurde La Rochelle also von Richelieu und seinen Mannen belagert, es wurden Mauern darum herum gebaut aber es war verdammt schwierig für die Belagerer die Stadt einzunehmen, sie ernährte sich seit Jahrhunderten aus dem Meer und dem Seehandel mit England und den nordischen Ländern, Salz etc. gegen andere Rohstoffe die es dort nicht gab.
Es war schwieriger zu Pferde ins benachbarte Limousin zu reisen als über die See nach England zu fahren...
Da das so nicht klappte hatte dieser gottverdammte Richelieu und sein Ingenieur die Idee einen Damm zu bauen der La Rochelle von der Versorgung über das Meer trennen sollte, es wurden hunderte von Schiffen mit Steinen und Ballast gefüllt und vor dem Hafeneingang versenkt, daran befestigt dann der eigentliche Damm aus Holz mit einem bewachten Eingang, das Seewasser musste ja auch noch durch.
Dieser rote Leuchtturm steht an der Stelle wo der Damm gebaut wurde und heisst Richelieu um daran zu erinnern.
Er steht etwa in dieser Entfernung zum Hafen, da wir links daran vorbeifuhren war kein besseres Foto drin.
Ausser vielleicht das hier.
und das hier aus dem Tour de la Lanterne
Von den 25000 Einwohnern sollen 20000 verhungert sein bis der Bürgermeister Jean Guitton endlich aufgab! Katzen, Hunde, Pferde, alles was man essen konnte wurde gegessen, es heisst dass manche sogar das Gras zwischen den Pflastersteinen gepflückt haben sollen, auch von Kannibalismus ist die Rede. Anfangs wurden die Toten noch bestattet, aber als es mehr Tote als Lebendige gab blieben sie einfach nur noch liegen. Es gibt Aufzeichnungen der Bürger aus dieser schrecklichen Zeit!
Bei Amtsantritt hatte Bürgermeister Guitton den Eid geleistet dass er jedem der La Rochelle angreifen würde eigenhändig das Herz ausreissen würde, da er das mit dem Richelieu nicht machen konnte soll er vor der Kapitulation mit seinem Siegelring diese Kerben in seinen Marmortisch geschlagen haben:
Sein Tisch und Stuhl stehen bis heute in seinem Büro in diesem wunderschönen Hôtel de Ville das im 18. Jahrhundert renoviert, vergrössert und verschönert wurde, original aus dem 16. Jahrhundert ist eigentlich nur der linke grosse Turm, die befestigte Mauer davor sowie das Gebäude links:
Guitton hatte Glück dass Richelieu ihn trotz Allem nicht ermorden liess...
Es wurden also die Protestanten die übrig blieben wieder zum Katholizismus "bekehrt" und auf Order des Königs Louis XIII alle Befestigungen der Stadt demoliert bis auf die 3 bekannten Türme die bis heute noch dort stehen, von links nach rechts: Tour de la Lanterne, Tour de la Chaîne, Tour St. Nicolas:
Reste der ursprünglichen Befestigungen:
Die Stadt brauchte mehr als 30 Jahre um sich von diesem Schlag zu erholen...
Die kommentierte Führung des Hôtel de Ville dauert eine gute Stunde für 4 Euros, jeden Tag 15 Uhr, im Sommer 15 und 16 Uhr ausser wenn eine Hochzeit oder Empfang stattfindet. Ich empfehle den Sonntag für eine Visite, es sind deutlich weniger Leute und Autos in der Stadt.
So 100 Jahre später wurde die Stadt wegen ihrer grossen militärischen Bedeutung trotzdem wieder stark befestigt, es wäre sonst zu einfach für die Engländer oder Holländer gewesen einen der wichtigsten Häfen Frankreichs einzunehmen.
Der Eingang in die Stadt, "La Grosse Horloge"
Es wird erzählt dass die Engländer damals La Rochelle zu Hilfe kommen wollten, es gab ja auch kommerzielle Interessen zu verteidigen nur konnten sie wegen dem Richelieu nicht in den Hafen also besetzten sie die Insel Ré. Von dort aus wollten 3 wackere Franzosen zum Festland rüberschwimmen um dem König Bescheid zu sagen, 2 davon ertranken (die Brücke ist 3km lang...!) einer kam durch und so wurde Ré wieder "befreit".
Vauban, genialer Ingenieur der Verteidigung baute mit seinem Kameraden und Architekt Colbert später im 18. Jahrhundert überall Verteidigungswälle und befestigte so manch wichtigen Stützpunkt wie z.B. auf der Insel Ré:
Dieses Fort wird noch heute als Gefängnis genutzt...
Auch hier verewigten sich die Gefangenen in den Mauern:
So, kommen wir nun zum Fort Boyard.
Dieser Klotz wurde über 50 Jahre hinweg gebaut, das grosse Problem waren die Gezeiten, es konnte also nur ein paar Stunden lang und bei schönem Wetter und Ebbe gearbeitet werden. Das Fort sitzt auf einer Sandbank wo künstliche Fundationen mit Steinen angelegt wurden, bei jeder grösseren Flut oder Sturm war alles wieder weg...
Das Fort Boyard wurde gebaut weil damals die Reichweiten der Kanonen der Inseln Aix und Oléron nicht ausreichten, in der Zeit der Fertigstellung hatte sich jedoch die Technik und Reichweite soweit verbessert dass das Fort völlig überflüssig geworden ist, es ist dann eine Zeit lang als Gefängnis genutzt worden und später sich selbst überlassen. Es wurde geplündert usw, dann wurde der Zugang dichtgemacht, bis es dann für Sage und Schreibe 4500 Euros an die TV-Produktionsfirma versteigert wurde die es dann "berühmt" gemacht hat....
Die TV-Firma liess später diese Zugangsplattform errichten, für die Sendung wurden die Kandidaten und auch die Tiere wie Tiger und Ameisenspinnen und andere eklige Insekten extra hingebracht.
Vorher gab es schon Pläne ein Hotel draus zu machen und solche Sachen. Das Fort ist aber nur mit dem Schiff zu erreichen, vom alten Hafen La Rochelle dauert die kommentierte Hin- und Zurückfahrt 2 1/2 Stunden und kostet 18 Euros...
Ich versuchte in den neuen autonomen Hafen zu kommen um die alte deutsche U-Boot Basis zu fotografieren, der Hafen liegt im tiefen Wasser und wurde angelegt um grössere Schiffe mit mehr Tiefgang aufnehmen zu können, unsere Grossväter installierten deswegen dort die bekannte Basis wo auch ein Teil von "Das Boot" gedreht wurde:
Keine Chance, man kommt einfach nicht näher ran ohne Presseausweis oder Sondergenehmigung also nur Fotos von aussen...
Es wird grade drüber gesprochen auf der alten Basis und den grossen Hallen die sie umgeben Solarmodule aufzustellen...
La Rochelle hatte vielleicht wegen der U-Boot Basis sehr viel Glück und wurde im 2. Weltkrieg kaum beschädigt, die meisten Häuser in der Altstadt sind noch aus dem 18. Jahrhundert, einige sogar aus dem 16. und früher, man erkennt sie am Fachwerk.
Es war auch die allerletzte Stadt die am Ende des Krieges an Frankreich zurückgegeben wurde...
Alle Steine aus dem die Häuser und Befestigungen seit Jahrhunderten gebaut wurden sind über das Meer hergeschafft worden, das war damals viel einfacher als über den Landweg....
Hier war früher Markt, alles schön überdacht
Das Gericht, die im 2. Jahr der französischen Revolution eingeschlagene Inschrift oben kann man noch lesen:
Man bekommt neben dem alten Hafen und auf dem "Place des Vosges" wo der Busbahnhof ist gelbe Fahrräder gegen Vorlage des Ausweises oder Führerscheins (gültig!) ausgeliehen, die ersten 2 Stunden sind umsonst, jede weitere Stunde 1 Euro. Den Ausweis bekommt man bei Rückgabe des Fahrrads zurück.
Es gibt auch rote Elektroautos zum Ausleihen! Dafür braucht man aber eine Karte.
So, jetzt fahren wir mal rüber zur Île de Ré:
3km Brücke...
und weiter über die einzige Strasse nach Ars-en-Ré:
die Kirche:
Kann man natürlich auch besichtigen und in den Turm steigen, wunderbarer Ausblick über die Insel.
Die Glocken wurden vor Ort gegossen, das war einfacher als sie sonstwo herstellen zu lassen und herzubringen. Die grosse wiegt 1100kg...
Eine davon bekam einen Sprung als das ganze System auf elektrisch umgebaut wurde, anstelle des kleinen Hammers der draufschlug bewegten sich nun die Glocken fast 90° weit was zum Riss führte. Die Glocke wurde demontiert und vor Ort neu gegossen!
Der Turm wurde saniert, das alte Holz durch Beton ersetzt.
Die Aufhängung der Glocken jedoch bleibt weiterhin aus Holz wegen den Vibrationen, als wir oben waren läuteten sie grade und unser Führer sagte wir sollten mal das Holz berühren...
Mein lieber Mann, man spürt es...
Der Turm dient auch der Navigation auf See, man sieht ihn von Weitem deswegen die Farbe.
weiter zum Phare des Baleines, Leuchtturm gebaut 1854:
"Des Baleines" heisst "der Wale" weil regelmässig irgendwelche grosse Meeressäuger tot am Strand gefunden werden, es gibt ein Museum wo man die Knochen alter Funde bestaunen kann.
Eintritt auch 5 Euros für den Leuchtturm mit 253 Stufen, knapp 60 Metern hoch und das Museum daneben, der alte Leuchtturm wurde 1682 gebaut ist aber zu klein geworden wegen den Schiffen die immer grösser wurden
Das kleine Haus neben dem alten Turm ist das Museum, da gibts haufenweise Infos über Leuchttürme:
Etwas weiter ein sehr schöner Sandstrand mit versinkenden Bunkern, keine Ahnung ob die mal deutsch oder französisch waren:
Da mussten wir uns doch mal abkühlen.
Ré hat überhaupt nur sehr schöne Sandstrände, das wirkliche Problem der Insel die gar keine mehr ist sind die vielen Touristen, die resultierende Umweltverschmutzung und die Grundstücksspekulation.
Die Grundstückspreise steigen ins Unermessliche und die "Eingeborenen" sind gezwungen aufs Festland auszuwandern da Ré nicht mehr zu bezahlen ist.
Die Mautstelle soll 2012 abgeschafft werden wenn die Kredite der Brücke bezahlt sind, sehr viele Leute sind dagegen aus Furcht vor dem aufkommenden Massentourismus.
Schon jetzt ist es eine Katastrophe, der Verkehr ist grauenhaft. Ein wenig abschreckend wirkt der relatif hohe Preis von 16.50 Euro, persönlich finde ich das nicht zu teuer und bin dafür dass die Mautstelle beibehalten und als Ecosteuer oder so umfunktioniert wird um das ökologische Gleichgewicht der Insel zu retten, aber das ist meine Meinung (und leider auch die vieler anderer die dort leben).
Wohnmobile sind hier mehr oder weniger unerwünscht, frei stehen über Nacht ist verboten.
Nachts MUSS man mit seinem Womo auf einen CP fahren und das ist auch gut so, die Natur von Ré muss erhalten werden und dafür bin sogar ich bereit zu zahlen obwohl wir nur eine Rundfahrt mit dem PKW machten um die Insel einfach nur gesehen zu haben.
Die Fähre vor 20 Jahren war auch nicht billiger, es gab stundenlange Wartezeiten...
Eingang der kleinen Stadt St Martin de Ré, auch stark befestigt gewesen
Hier grasen ein paar scheinbar wilde Esel, sie sind voll mit klitzekleinen Muscheln
Hier haben wir noch ein Kloster oder was davon übrig ist aus dem 12. Jahrhundert.
Was gibt es sonst noch zu sehen?
Im Hafen von La Rochelle die "France1", 1985 ausgemustertes Wetterschiff, heute als Museum umgebaut.
Die "France1" und 2 waren seit 1975 stationäre Wetterstationen im Romeo-Quadrat welches bei 47.00" Nord und 17.00" Ost liegt. Normalerweise durften sie dieses Quadrat nie verlassen ausser für Notfälle wie Rettungen in Seenot geratener oder wegen schwerem Wetter. Bei Nichtbeachten dieser Regel wurden Strafen für den Heimatstaat fällig.
Mehrere Länder hatten vor der Satellitentechnik stationäre Schiffe als Wetterstationen im Atlantik, dort wo sich die Depressionen zusammenbrauen und machten verschiedene Messungen für die Wettervorhersage.
Die "France1" und 2 lagen also nach ihrer Ausmusterung im Hafen von La Rochelle, genau vor der alten U-Boot Basis im tiefen Wasser, wurden geplündert und verrotteten durch Einfrieren, Rost etc. Das Musée Maritime kaufte die 1958 gebaute, 76 Meter lange Fregatte "France1" 2 Jahre später, im Januar 1988. Was aus der "France2" geworden ist weiss ich auch nicht.
Die France1 wurde trocken gelegt und restauriert um das Museum draus zu machen, genau wie die "Angoumois", der Fischkutter der genau dahinter ankert.
Beide sind für ein paar Euros zu besichtigen, in beiden gibt es Fernseher mit Filmen die erklären wie wo was warum.
Ich fand das sehr interessant, vor Allem die Maschinenräume... **
Hier einer der Motoren der France1
Ansonsten ist La Rochelle eine wirklich sehr schöne Stadt, leider etwas teuer zum Essen gehen wenn man nicht grade McDo, Kebab oder irgendwelche anderen Schweinereien essen will, im Durchschnitt so 16 Euro ein Essen ohne Getränk.
Ausser der Topf Muscheln, die kosten um die 10 Euro. Empfehlen kann ich "Cap Chris", den findet ihr im "Port des Minimes" wo auch ein schöner grosser gratis SP für Wohnmobile ist, das ist der neue Freizeithafen mit über 3000 Schiffen, der grösste Europas, daneben ist ein schöner Sandstrand (Vorsicht bei Ebbe! Langsam im Wasser laufen! man kann sich verdammt bös schneiden so wie ich, siehe oben...) und man kann von den Türmen aus mit dem "Bus de Mer" für wenig Geld mit dem Boot rüberfahren ohne das Womo oder Auto bewegen zu müssen.
Chris oder besser seine Frau kochen die besten Muscheln der Stadt, wir waren sogar 2 Mal dort obwohl ich gar kein Fan davon bin. "Moules au Roquefort", meine Empfehlung oder "Moules au Pineau de Charente", beide saugut!
Auch seine "Croque-Monsieur" sind supergross und saugut.
Stellplätze findet ihr leicht, nicht weit vom Bahnhof (der letzte grosse Bahnhof der von der SNCF damals gebaut wurde, gegen 1910) Richtung "Port des Minimes" kann man auch die vollen Tanks entsorgen.
Mehr Bilder in Kürze auf meiner Homepage, muss noch sortieren und das dauert eben lange.
ich übernehme keinerlei Haftung dass alles was ich hier geschrieben habe 100 prozentig richtig ist, es wird nur wieder- und weitergegeben was ich zu verstehen geglaubt habe... ;)
Wer Fehler findet darf sie behalten, es gibt keinerlei Finderlohn...

