Nasenbär am 17 Jul 2009 23:21:26 Seit Längerem war es schon mein Wunsch, einmal die Besseggentour zu machen. Bei unserer diesjährigen Norwegentour sollte es endlich mal klappen. Das Wetter war sehr gut, so dass dieses nicht wieder als Ausrede gegen mein Vorhaben herhalten musste.
--> Link
Bitte auch die Links dort mal anklicken.
Die Tour startet um 14 Uhr 25 in Gjendesheim am RV 51 - Valdresflya mit dem Boot. Dieses bringt mich in ca. 30 Minuten über den Gjendesee nach Memurubu, mitten ins Jotunheimen. Man kann auch bis Gjendebu fahren. Dann wird die Tour noch länger. :shock:
Laut Karte sind für die rund 15 km von Memurubu zurück nach Gjendesheim sechs Stunden vorgesehen. Der Mann am Kiosk meinte, 7 Stunden wären realistischer. Man macht ja auch mal Pausen, fotografiert etc.
Eine leichte Tour geht drei einhalb Stunden überwiegend am Ufer lang. Dafür macht man aber diese Tour nicht. Wenn man Natur schauen möchte, muss man über die Berge laufen.
Der Gjendesee selbst liegt etwa auf 950 Meter Höhe.
Nasenbär am 17 Jul 2009 23:24:40 Mit acht Leuten startete die Wanderung. Ein junger Mann meinte, wir beide sollten uns zusammentun, alleine wärs ihm zu gefährlich. Gesagt getan. Der erste Anstieg wurde in Angriff genommen. Steil gings nach oben. Auch dank meines Rucksacks mit Proviant, Kleidung, DSLR etc. kam ich ganz schön ins schnaufen. Der junge Mann war vorgegangen und wartete auf der ersten Anhöhe - etwa 1200m - auf mich. Er hatte sich dann zwei jüngeren Leuten angeschlosssen und meinte, es wäre ja noch ein Pärchen hinter mir, sodass er dann nicht mehr warten wollte/brauchte. Mir war das nur Recht. So hatte ich nicht mehr den Ansporn, bei denen mitzuhalten. Ich konnte nun gemächlich weiter Berg an steigen.
Nasenbär am 17 Jul 2009 23:28:25 Weiter gings bis zum Bessvatn in ca. 1400 Meter Höhe. Hier machte ich die erste längere Pause und genoss die wunderschöne Aussicht über die Berge, den Bessvatnsee, einem weiteren Gletschersee und den Gjendesee. Der Weg verlief nun etwas ebener, dann wieder bergab und bergauf, tw auf dem Hosenboden rutschend und auf allen Vieren steigend um dann auf den Besseggengrat zu führen. Der Weg führt manchmal über Schneefelder. Tw. ganz schön gefährlich am Hang lang.
Nasenbär am 17 Jul 2009 23:31:49 Man sieht den Besseggengrat schon die ganze Zeit vor sich. Ich mache mir Sorgen, ob das für mich nicht zu heftig wird. Tw. ist der Grat sehr schmal und steil. Der Abhang fällt rechts 500 Meter und mehr in den Gjendesee und links auch bis mehrere hundert Meter in den Bessvatnsee.
Ich erreiche den Grat. Steige über Steine und Geröll weiter bergauf. Tw. ist er ganz schön steil. Kleinere Felsformationen müssen erklommen werden. Ich schaue das erste mal nach unten und mir wird ganz schlecht. Ein Armlänge rechts und links neben mir der steile Abgrund, hinter mir das steile, bereits erklommene Gelände. Da kann ich nicht runterfallen. Wenn, dann gehts in den Abgrund - rechts oder links. :shock: Ich schau nur noch nach vorne - oben. Der Gipfel ist nicht mehr weit, denke ich. Das war aber leider nur eine Täuschung, denn der Gipfel vor mir war nur eine der vielen Erhöhungen. Dahinter gings dann erst mal wieder ein Stück runter, um dann weiter anzusteigen. Einige Male ging das so weiter.
Nasenbär am 17 Jul 2009 23:34:49 Des Wetter zog sich langsam zu. Nebel stieg auf. Fernsicht war keine mehr geboten. Dafür wurden die Wegmarkierungen noch sparsamer, finde ich. Und die Anstrengungen wurden heftiger, je kaputter ich war.
Endlich erreichte ich den Gipfel in 1750 Meter Höhe. Ein Geröllhaufen mit der Wegmarkierung als Spitze zeigte den Gipfel an. Nach rechts führte ein Trampelpfad in den Nebel. Ich denke, das ist der Weg. Nach über hundert Metern bergab finde ich keine Wegmarkierungen und stelle fest, dass ich leider wieder nach oben muss. Also auf dem Geröll den richtigen Weg gesucht und weiter gings.
Nasenbär am 17 Jul 2009 23:37:11 Ein paar Tropfen Regen fielen, na ja, wird nicht weiter schlimm sein. Fotografieren war schon geraume Zeit sowieso nicht mehr drin. Und es wurde heftiger. Donner und Blitz, Regen und Hagel. Schnell hole ich meine Regenjacke aus dem Rucksack. Ich ziehe sie über die Fleesjacke, die ich schon vorher übergezogen hatte, weil es merklich kühler geworden war. Schnell war ich bis auf die Haut nass. Wegmarkierungen waren schlecht zu finden, ausgetretene Wege wandelten sich in Wasserläufe. Tw. war es mir nicht möglich zu sehen, wolang es weiter geht. Ich versuche einen Weg, gehe wieder zurück. Jeder falsche Weg führt direkt in den Abgrund. Mehrmals geht das so. Gut, dass da eine Kette ist, an der ich mich über die mosigen, äußerst rutschigen Felsen nach unten hangeln kann. Ich sehe in der Ferne mein Wohnmobil stehen. Und muss doch den Weg hinten den Berg rum, vom Womo weg nehmen. Irgendwann ereiche ich dann den Parkplatz am Anleger. Je näher ich dem Womo komme, umso schlapper werde ich. Als ich die Treppe ins Womo ersteige, komme ich da kaum noch hoch. Das Adrenalin, welches mich in den letzten Stunden noch beflügelt hatte, baut sich rasend schnell ab.
Insgesamt war ich 7,5 Stunden unterwegs. Die jungen Leute vor mir waren nur eine halbe Stunde eher da als ich.
Insgesamt war es ein unvergessliches Erlebnis. Empfehlen kann ichs es jedem. Aber nur mit dem Boot morgens, ca. um 8 Uhr. Niemals würde ich die Tour nochmal Nachmittags starten.
uschi-s am 17 Jul 2009 23:42:00 Alle Achtung, dass war ja eine tolle Leistung. Ich kann das gut nachvollziehen, da wir auch im Hochgebirge wandern. Solange das Wetter gut ist und die Sicht auch, ist ja alles in Ordnung. Aber wenn dann Nebel und Regen aufkommen, dann wird es wirklich ungemütlich. War auch nicht gut, dass Du alleine gegangen bist, oder habe ich das mißverstanden? Aber alles in allen eine tolle Leistung, die Dich sicherlich stolz macht.
Nasenbär am 17 Jul 2009 23:51:01 Ja, ich war alleine unterwegs. Das Ehepaar hinter mir hatte ich "abgehängt" Ich hörte manchmal nur ihre Stöcke in der Ferme klappern. Ob Stöcke da so die Hilfe waren, bezweifele ich.
Vieleicht haben sie auch oben übernachtet.
Ein Zelt mit anderen Wanderern hatte ich gesehen. Die haben es sich auf einer Schneefläche, geschützt durch Felsen gemütlich gemacht.
Ich würde nie wieder so eine Tour alleine machen.
Für ungeübte wie mich war das ehrlich gesagt auch die Grenze des erträglichen.
Hatte aber zwei Tage vorher auf dem Dovrefjell geübt, als ich ein Stück von 10km den alten Kongesweg lang wanderte. Ging zur Hälfte stetig leicht bergauf.
Ich war einer von 40.000 Leuten aller Altersklassen, die jährlich den Weg wandern. Angeblich kein großes Ding, leicht zu schaffen....
Maxima am 18 Jul 2009 00:45:30 Hi Heinz,
eine spannende Geschichte und so wunderbar authentisch erzählt, herrliche Bilder, vielen Dank dafür! Das hat mich an meine Tour auf die Bremer Hütte im Gschnitz-Tal in Österreich erinnert, enthusiastischer Aufstieg gegen 11.30 ohne Wasser, kaum was zu Futtern dabei, aber einen eisernen Willen die Hütte zu erreichen, dann auf dem Abstieg auch Dauerregen und gefährliche Situationen, die man nie mehr vergißt.
LG
Maxima
Tipsel am 18 Jul 2009 07:10:09 Glückwunsch Heinz,
das sind Erlebnisse, die man nie weider vergisst.
Schöne Bilder einer herrlichen Landschaft. :zustimm:
Wir haben uns mal beim Abstieg von der Mittelstation des Nebelhorns verlaufen, und seitdem sind immer Stöcke im Rucksack, weil ich nie mehr aufm Hosenboden rutschen will. Als ich aber dann unten das Schild sah: nur für Geübte, war ich auch stolz wie Bolle, dass ich da heil runtergekommen bin.
Beduin am 18 Jul 2009 08:03:02 Mann, Mann Heinz
da hast echt Glück gehabt. Mir wurde schon bei lesen und Bilder anschauen ganz schwummrig :eek:
Doch, auch ich denke, mit Stöcke wäre besser gewesen.
Eddy am 18 Jul 2009 10:26:17 Hallo Heinz,
tolle Bilder und schöner Bericht.
Wir wandern auch im Hochgebirge und können mitfühlen, wie es einem ergehen kann.
Schleppen auch immer alles mit um gegen evtl. Wetterumschwünge gewappnet zu sein und es zahlt sich dann doch aus, die Mehrkilos mitzutragen.
aus Kiel
Peter und Marlene
wiebke am 18 Jul 2009 11:46:47 Soo schöne Fotos und soo spannend geschrieben und erlebt... :daumen2:
Wir würden uns soetwas gar nicht erst trauen.
Respekt, da kannst du wirklich stolz auf dich sein.
Nasenbär am 18 Jul 2009 23:45:24 Danke für eure Kommentare. Freut mich, wenn der Bericht und die Fotos Gefallen gefunden haben. :)
Für mich bleibt die Tour ein unvergessliches Erlebnis.
Ausderasche am 19 Jul 2009 00:46:15 Hallo Heinz,
wir haben die Tour als Familientour bei strahlendem Sonnenschein mit hunderten Norwegern auch im Juli vor 10 Jahren gemacht. Allerdings mit dem 8 Uhr Boot! Man unterschätzt die Tour aber sehr schnell, weil sich das ewige auf und ab doch sehr lange hin zieht und der erste Aufstieg doch sehr anstrengend ist. Naja..und jeder Norweger muß die Tour einmal im Leben gehen! Dann kann man das auch! Nur...die Angaben auf norwegischen Wanderkarten gingen schon damals von anderen Zeitfaktoren aus....die Norweger gehen vermutlich doppelt so schnell wie wir!
:D
Aber eine tolle Tour! Schöne Fotos von Dir! Schade, dass keine Fotos zur Warnung aus dem Regen da sind!
Ansonsten: Immer wieder (auch wenn man keinen Ziegenbock hat)!
Viele
Frank
Nasenbär am 19 Jul 2009 11:55:45 Leider hatte ich meine kleine Taschenkamera nicht mit. Nur meine DSLR und die war im Rucksack schon beim rausnehmen der Regenjacke total nass geworden. Ich wollte beim einschalten der Kamera keinen Defekt riskieren.
Über google findet man sehr viele Berichte über die Besseggentour. Auch mit Regen und Hagelschauer.
Hier ZB:
--> Link
kann man sich mal mit ">>" durchklicken.
Jean-Marie am 09 Sep 2009 21:05:35 Hallo Heinz,
angeregt durch deinen Bericht haben wir die Tour bei unserer ersten Norwegen Reise auch gemacht. Wir hatten Glück mit dem Wetter, allerdings hat der Wind zum Teil sehr kräftig und kühl geblasen.
Wir haben 7 3/4 Stunden gebraucht! Deine Leistung ist also sehr beachtlich! Aber da wir keinen Regen hatten, hatten wir auch keine Eile...
Anbei zwei Fotos von der Tour.
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Jean-Marie
nsu am 09 Sep 2009 21:50:50 Hallo,
ist eine tolle Leistung, die Du alleine geschafft hast. War vor 4 Jahren auch auf dem Beseggen. Mit einer geführten Tour gleich morgens um 8.00. Nach den ersten Steigungen haben wir auch großzügig Pause gemacht, am Ende hat uns dann die Zeit gefehlt. Wir mußten richtig Gas geben und haben dann 7 3/4 Stunden gebraucht bei relativ gutem Wetter und mit einem der den Berg schon öfters gemacht.
Also nochmals Hut ab vor deiner Leistung. Allen Norwegenbesuchern kann ich diese Tour nur empfehlen. Wenn man mir vorher gesagt hätte dass ich da hoch gehe hätte ich jeden nur belächelt. Wir niemand raten die Tour alleine zu machen.
Grüßle aus Schwaben
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