Hallo!
Bei den Diskussionen von Trinkwasserthemen wird häufig vor Legionellen gewarnt.
Man sollte jetzt aber nicht hinter jedem Wassertropfen ein Heer von Legionellen sehen.
Mich interessierte ob diese Warnungen für eine Trinkwasseranlage in einem
Womo wirklich berechtigt sind.
Vorweg: Sie sind es nicht!
Die Ergebnisse meiner Internetrecherche und daraus abgeleiteten Erkenntnisse möchte ich hier vorstellen.
Vorgehensweise
Ich habe technische Bedingungen und Milieubedingungen zusammengestellt, die die Vermehrung von Legionellen fördern und mit den Bedingungen in unserem
Wohnmobil verglichen. Unser Womo hat einen Trinkwassertank, Boiler und in Küche und Dusche zwei Zapfstellen. Außerdem einen Anschluss für eine Außendusche.
Vorkommen der Legionellen
Legionellen sind zusammen mit anderen Bakterien im Grund- und Oberflächengewässern vorhanden. Ihre Anzahl ist gering und somit ungefährlich.
Sie können dann gefährlich werden, wenn sie sich vermehren können.
Bedingungen für eine Vermehrung
Temperatur
Günstig für die Entwicklung sind
Temperaturen zwischen 25°C und 45 °C.
Ab 55°C kommt es langsam zum Absterben.
Eine Temperatur über 60°C überleben sie in der Regel nicht
Milieu und Nahrungsgrundlagen
Biofilme – Schleimige Beläge an der Tankwand und den Schläuchen, sowie
Sedimente – Ablagerungen im Tank als Nahrungsgrundlage
fördern das Wachstum
Gefahrenquellen
Zu einer hohen Anreicherung von Legionellenkeimen kommt es typischerweise in Heißwassertanks und in Wasserleitungen durch die über längere Zeit (Wochen) kein Wasser fließt.
Vergleich mit dem Wohnmobil
Zum Abgleich mit den Bedingungen in unserem Womo habe folgende Fragen formuliert.
Gibt es Schläuche, oder Leitungen in denen das Wasser über Wochen stehen kann?
On Tour kann in der Leitung zur Außendusche das Wasser über längeren Zeitraum stehen, wenn auch nicht wochenlang.
Gibt es Schläuche, oder Leitungen in denen das Wasser über Wochen steht und eine Wassertemperatur über 30°C herrscht.
Nach dem Beenden der Warmwasserentnahme kühlen die Schläuche mit Wasserinhalt wieder aus.
Der Zustand tritt On Tour nicht ein. Selbst während der Standzeiten Zuhause stellen sich diese Bedingungen nicht ein.
Wie lange kann Wasser in Schläuchen mit einer Temperatur über 30 °C stehen?
Bei uns wird mehrmals am Tag Wasser entnommen.
Maximal 10 Stunden.
Wie viel Wasser kann in Schläuchen mit einer Temperatur über 30 °C stehen?
Ein Schlauch mit 10 mm Innendurchmesser enthält auf einen Meter 0,08 l Wasser.
Also vom Boiler zur Zapfstelle eine Tasse Wasser.
Können sich im Boiler Legionellen entwickeln?
Der Boiler hat ein Wasservolumen von 18 l. Eine Wasserfüllung kann darin nie so lange, über Wochen, bei Temperaturen über 30°C stehen.
Der Boiler kann mit 45°C oder 60°C betrieben werden.
Boiler mit 60°C
Bei dieser Temperatur sterben Legionellen ab.
Boiler bei 45°C
Bei dieser Temperatur ist die Entwicklung der Legionellen schon nicht mehr günstig. Außerdem reicht die Standzeit des Wassers im Boiler für ein Legionellenwachstum nicht aus.
Ergebnis der technischen Betrachtung.
Die technische Auslegung des Trinkwassersystems eines Womos bietet Legionellen keine Bedingung sich zu entwickeln.
Biofilme und Ablagerungen
Technik und Temperatur können eine Legionellenentwicklung nicht unterstützen. Biofilme und Ablagerungen unterstützen das Wachstum aller Bakterien, nicht nur der Legionellen.
Um Biofilme und Ablagerungen in Tank und Leitungen zu vermeiden empfiehlt sich eine regelmäßige Reinigung und Desinfektion des Systems mit Mitteln, die keine Ablagerungen hinterlassen.
Abschließende Betrachtung
Man kann davon ausgehen, dass im Trinkwassersystem eines Wohnmobiles keine Bedingungen herrschen, die die Entwicklung von Legionellen begünstigt.
Legionellen benötigen für ihr Wachstum Temperaturen zwischen 25 und 40 °C und eine lange, über mehrere Wochen anhaltende Verweilzeit. Wenn wir unterwegs sind, ist eine Wasserfüllung nie über Wochen im Tank.
Es wird berichtet, dass Silberpräparate zur Bekämpfung von Legionellen verwendet werden können.
Wolfgang