UlrichS hat folgendes geschrieben::
...... Mit Herrn Wolf dem wir auch auf diesem Wege recht herzlich danken, hatten wir in der Nähe von Koblenz ein Treffen an einem Autohof, da er von einem Kundentermin auf dem Rückweg war und dort vorbeifuhr.
Leider möchte er nicht, dass der Inhalt des Gespräches veröffentlicht wird, so das ich leider nicht berichten werde.
Da wir aber nicht nur mit ihm gesprochen haben, kann ich grundsätzlich folgendes berichten: ( Ich stelle aber ausdrücklich fest, dass es nicht die Aussage des Sachverständigen Herrn Wolf ist den ich nicht zitieren darf !.... )
OT….saß er auf dem Veloursitz und steuerte nervös durch den dichten Nebel an den schillernden Leuchtreklamen vorbei, ganz nach hinten, da wo nur noch ein einsamer Blechmülleimer in die gespenstige Dunkelheit ragte. Er war allein nun, ganz auf sich selbst gestellt, aber er hatte sich entschlossen dieser Begegnung nicht auszuweichen. Er verließ das Mobil durch die Aufbautür, die er mit sanftem Nachdruck schloss.
Es war ein schönes Mobil, soweit man in der Tiefe der Nacht die Konturen erkennen konnte. Lediglich im hinteren Bereich erkannte man deutliche Spuren einer gewaltsamen Einwirkung.
Ullrich fror, er schaute sich um, aber es war nur der Ruf eines Kauzes und ein leises Plätschern zu vernehmen, welches dem Bereich seines Fahrzeugs entkam. Die Nässe des Bodennebels mischte sich dort auch mit einer schmierigen ölschimmernden Pfütze und der leichte Geruch von Glykol Aldehyd verbreitete sich unangenehm in die Nacht.
Über eine Stunde wartete er nun schon als sich plötzlich die Scheinwerfer einer schweren dunklen Limousine den Weg durch die Dunkelheit bohrten. Rechtwinklig zu seinem Mobil stoppte das schwere Fahrzeug, so das die gesamte Fahrzeugbreite seines Mobils wie eine Leinwand seinen Schatten reflektierte. Er hielt sich die rechte Hand vor die Augen, damit in das gleißende Scheinwerferlicht nicht so blendete.
Die hintere schwarzverglaste Scheibe der Limousine öffnete sich einen Spalt, ein schwarz behandschuhter Finger deutete Ullrich, das es Zeit war den Weg zu gehen. Innerlich zitternd, aber entschlossen ging er auf die Tür zu, die sich langsam öffnete.
„Setz dich einen Augenblick zu mir, mein Sohn“ vernahm er aus der heiseren Stimme, die von südländischem Dialekt geprägt war. Der Geruch der Nacht, gemischt mit dem der Chemikalie verschwand sofort und wurde durch den des Autoleders, dem Flair eines edlen Rasierwassers und dem Hauch einer teuren Zigarre ersetzt.
Ullrich saß nun einem kleinen Herrn zur Seite, musterte ihn heimlich und verängstigt. Vorsichtig von unten nach oben wanderte sein versteckter Blick. Edles Schuhwerk, ein teurer, schwarzer Nadelstreifenanzug, ein großer tief ins Gesicht gezogener Hut. Die Hände umschlossen einen aus Mahagoni gefertigten Stock. Im schummrigen Licht der Innenbeleuchtung drehte der kleine Mann seinen Kopf zu Ullrich.
Ja! Er war es. Don Lupo, der einflussreiche Scherge des Syndikates.
„Weisst du mein Sohn.“ Sprach der Don, „Unsere Familie macht seit Anbeginn an Geschäfte mit der weissen Ware. Und wir haben es nicht so gerne, wenn uns da jemand reinfuscht. Nonno Ervino ist sehr traurig nach deinen letzten Eskapaden.“
Ullrich schaute den Don ernst an. „Ich..ich hab,…ich wollte…ich meinte…“
„Weisst du, die Familie gibt sich viel Mühe. Du hast diesen Vertrag unterschrieben und nun muss Nonno Ervino Schlimmes lesen, in der elektronischen Welt.“
Ullrich fröstelte, obwohl die
Standheizung der Luxuslimousine angenehme Temperaturen in den Innenraum verbreitete.
Don Lupo öffnete langsam ein Fach in der Mittelkonsole, Ullrich schloss innerlich mit seinem Leben ab, aber der Don nahm nur zwei Gläser und füllte sie mit rotem Chianti. Er reichte ihm eines und sprach: „Mein Sohn, pass ein bisschen besser auf deine Finger auf. Sie sollen deinem hellen Kopf gehorchen und dürfen nicht alles schreiben, was nur die Familie angeht. Weisst du, diese Autos auf der Autobahn und dieser Lastwagen, der dein Mobil letzt ein wenig umdekorierte. Stell dir mal vor, der fährt demnächst ein wenig mehr rechts. Es passieren entsetzliche Unfälle.“
Die heisere Stimme des Don ließ Ullrich den Atem stocken. Nur mit Mühe noch hielt er seinen Schließmuskel unter Kontrolle.
„Fahr nun heim und stell allen klar, dass die Familie keinen allein lässt. Und denk immer dran. Nonna Ervino sieht alles und er möchte nicht immer weinen.“ In einem Zug leerte Don Lupo das Glas, zog an seiner Zigarre und winkte seinem Fahrer.
Ullrich stand wieder in der nassen dunklen Nacht und erst als die Limousine nicht mehr in der Ferne auszumachen war, ahnte er wie knapp es diesmal war.